Sonntag, 30. November 2014

Advent bei Oma und Opa

Regina und ich haben etwas Neues ausprobiert. Wir haben eine Geschichte gemeinsam geschrieben.
Wie das geht?
Nun Regina fing  an, schickte die Zeilen per Mail an mich und ich musste dann die Geschichte fortsetzten, und das ging dann immer fröhlich hin und her.
Das erinnert mich an ein Spiel in meiner Kindheit, dass ich mit meinen Freunden immer gespielt habe.
Wir setzten uns in einem Kreis zusammen. 
Mit einem Los wurde ein Spieler ausgewählt, der dann eine Geschichte begann, abrupt aufhörte und dann musste der rechts neben ihm weitererzählen, das ging dann den Kreis herum, bis einer nicht mehr weiter wusste.
Nun bin ich gespannt wie euch unsere gemeinsame Geschichte gefällt.

Viel Spaß beim Lesen







 Advent bei Oma und Opa


In den Fenstern des Dorfes war das letzte Licht erloschen. Die Menschen hatten sich unter ihre Decken gekuschelt und ruhten sich aus. Großvater Schinkel hatte eine Nachtmütze aufgesetzt, weil er kein Haar mehr hatte und am Kopf immer so fror. Seine Frau hatte sich zuerst darüber lustig gemacht, dann aber sah sie ein, dass es sich mit warmem Kopf besser schlafen ließ und sie gewöhnte sich an den Anblick.
Im Zimmer nebenan schliefen die Enkelkinder, die für ein paar Tage zu Besuch waren, weil die Eltern eine Geschäftsreise machen mussten. Die Großeltern glaubten jedenfalls, dass die Kinder längst im Land der Träume angekommen waren.
In seinem Korb im Flur schlief Leo, der Neufundländer.
Doch die Mädchen hatten sich mucksmäuschenstill unter der Bettdecke verkrochen und erst als sie den Opa leise aus dem Nebenzimmer schnarchen hörten, kamen sie hervor.
Sie setzen sich auf die Fensterbank, die schön warm war, da darunter der Heizkörper stand. Renate hatte die Arme um die angezogenen Knie geschlungen und sah hinaus in die dunkle Nacht. Vereinzelt fielen Schneeflocken vom Himmel.
Meinst du es liegt morgen so viel Schnee, dass wir rodeln können?“, fragte sie ihre, um ein Jahr jüngere, Schwester Susi.
Diese schrak aus ihren Gedanken auf.
Mir egal.“ Susi zuckte mit den Schultern.
Was hast du denn? Du bist den ganzen Tag schon so muffig und als Mama und Papa sich verabschiedeten, hast du sie kaum eines Blickes gewürdigt. Mama hat richtig traurig geguckt.“ Renate sah ihre Schwester vorwurfsvoll an.„Ach, das findest du wohl in Ordnung, dass sie uns hier abliefern, wie ein Paket“, ereiferte sich Susi.
Das ist doch Unsinn! Papa muss geschäftlich vereisen und wollte Mama unbedingt mitnehmen. Wir sind doch schließlich keine Babys mehr und bei Oma und Opa ist es doch auch schön!“
Susi schluckte und Tränen traten ihr in die Augen.
Aber wir waren doch noch nie von Mama getrennt!“, schluchzte sie. Ihre Schultern bebten. Renate versuchte die kleine Schwester zu trösten. „Komm!“, sagte sie und stand auf. Sie hob ihre Bettdecke einladend an. „Du darfst mit in meinem Bett schlafen und ich erzähle dir eine Geschichte. Magst du?“
Das ließ sich Susi nicht zweimal sagen. Mit einem Satz hüpfte sie ins Bett und zog die Decke bis zum Kinn.
Fang an!“, forderte sie Renate auf.
Die Große überlegte einen Moment und begann dann zu erzählen:
„Es waren einmal zwei Mädchen …“
„Die hießen Susi und Renate“, setzte Susi fort und schaute ihre Schwester gespannt an.
„Na gut, die hießen Susi und Renate und sie lebten mit ihren Eltern in einem kleinen Haus am Rande der Stadt. Eines Tages erzählte ihnen die Mutter, dass sie eine Überraschung für sie habe. Sie mussten nur noch warten, bis der Vater von der Arbeit nach Hause kam. Gemeinsam richteten sie das Abendessen her und die Mädchen deckten den Tisch ganz besonders schön, mit Servietten und Blumen, die sie aus Seidenpapier falteten. Schön sah das aus. Die Augen der Mutter strahlten und dann war es auch bald soweit, der Vater kam nach Hause.
Lächelnd musterte er den gedeckten Tisch.
„Was ist denn heute für ein besonderer Tag. Habe ich etwa Susis Geburtstag vergessen oder war es Renates?“
Vergnügt zwinkerte er ihnen zu.
Die Mädchen kringelten sich vor Lachen.
„Aber Papa du vergisst doch nie unseren Geburtstag und außerdem würde Mama dich dann daran erinnern.“
„ Ja, aber warum ist dann hier alles so schön und feierlich gedeckt, wenn niemand Geburtstag hat?“
Der Vater setzte sich auf seinen Stuhl und die Mädchen schmiegten sich rechts und links an seine Seite.
„Die Mama hat eine Überraschung für uns, aber sie will es erst sagen wenn du da bist“, erklärte Susi.
„Na, das bin ich ja dann wohl!“, erklärte der Vater und die Mutter sah drei erwartungsvoll blickende Augenpaare auf sich gerichtet.
Du machst es aber spannend! Nun sag schon, Renate, was ist es für eine Überraschung?“, fragte Susi, die wie gebannt an den Lippen ihrer Schwester hing. „Bekommt Susi etwa endlich die Puppe, die sie sich schon lange wünscht?“
Du denkst immer nur an dich!“, schimpfte Renate. „Es ist doch eine Überraschung für alle, also auch für mich und Papa.“
Susi schob die Unterlippe vor und schmollte. Aber nur einen kleinen Moment, dann wollte sie unbedingt wissen, wie es weiter geht.
Ich hätte dich auch mal mit der Puppe spielen lassen und sicher hätte ich sie Rena genannt, weil du doch dann ihre Tante gewesen wärst!“, schmeichelte sie.
Renate lachte. Sie konnte ihrer kleinen Schwester nicht böse sein, also erzählte sie weiter:
Lieber Heinz, liebe Kinder“, begann die Mutter. „Wir werden demnächst ein neues Familienmitglied bei uns begrüßen dürfen.“
„Oh!“, rief die kleine Susi, die es nicht erwarten konnte. „Bekommen wir einen Hund?“
„Pst!“, machte die große Schwester.
Die Eltern lachten und Mama sprach weiter.
„Nein, es ist kein Hund. Wir bekommen ein Kind und ihr Mädchen bekommt ein Geschwisterchen!“
Papa sprang auf und nahm Mama in den Arm und die Kinder waren außer sich vor Freude.
Och, das ist aber keine tolle Überraschung“, maulte Susi, „deine Geschichte gefällt mir gar nicht.“
Dann krauste sie die Stirn.
Oder willst du mir damit sagen, dass Mama schwanger ist?“
Unsinn, woher soll ich das wissen!“
Ist auch besser so, ein Hund wäre mir nämlich viel lieber“, trotzte Susi.„Du hast ja bloß Angst, dass du dann nicht mehr das Nesthäkchen bist. Außerdem hast du doch Minka. Wo ist sie überhaupt?“Suchend sah Renate sich um.
Die Katze, die auch mitkommen durfte zu Oma und Opa, schließlich konnte man sie ja nicht allein zu Hause lassen, war nirgends zu sehen.
Besorgt schlüpfte Renate aus dem Bett und tappte barfuß zur Tür, die sie leise öffnete.
Dann grinste sie und winkte ihre Schwester heran.
Das kleine graue Fellbündel schlief eng an den Neufundländer geschmiegt. Leo öffnete die Augen, sah die Mädchen kurz an, dann schlief er weiter.
Kichernd schlüpften diese wieder ins Bett.„Aber nun erzähl weiter“, forderte Susi energisch. „Nö, dir gefällt ja immer nicht, was ich erzähle, außerdem ist es schon spät und wir sollten endlich schlafen!“ Renate gähnte und drehte sich auf die Seite.
Ich kann aber nicht schlafen!“, jammerte Susi. „Du, Renate, könnte es wirklich sein, dass Mama noch ein Kind bekommt?“
Ja klar, warum auch nicht. Sie ist ja noch jung – und ich würde mich sehr freuen. Du doch auch, gib es zu!“
Susi antwortete nicht mehr. Wenn sie sich auch gewehrt hatte, so war die Müdigkeit doch stärker gewesen. Behutsam deckte Renate ihre kleine Schwester zu. Sie lag noch eine Weile wach und dachte darüber nach, wie es sein würde, wenn ein Baby ins Haus einziehen würde. Der Gedanke gefiel ihr und lächelnd schlief sie ein.
Renate wachte auf, weil eine große schlabberige Zunge ihr über das Gesicht fuhr. Leo stand vor dem Bett und wedelte mit dem Schwanz.
Igitt!“ rief das Mädchen und fuhr sich mit dem Ärmel über das Gesicht. Hinter ihr quietschte Susi: „Minka, lass das sein!“
Die Katze war mit allen Vieren auf das Mädchen gesprungen, drehte sich im Kreis und sauste dann über das Bett.
Die Oma stand an der Tür und hielt sich den Bauch vor Lachen.
Haben sie euch endlich wach gekriegt ihr Langschläfer.“
Wie spät ist es denn?“, fragte Renate.
Neun Uhr, ab ins Bad, dann runter zum Frühstück!“
Bald saßen sie in der Küche und verzehrten mit sichtlichem Appetit die riesigen Marmeladenbrote, die Oma ihnen geschmiert hat und dazu gab es leckeren Kakao.
Der Opa kam durch die Hintertür.
Ach die Damen sind auch schon wach, hab schon gedacht ich muss ganz alleine in den Wald gehen.
Was sollen wir denn im Wald?“ fragte Susi mit vollem Mund.
Na Morgen ist doch der erste Adventssonntag, da wollen wir Grünzeug holen, damit wir das Haus schmücken können.
Nun waren die Kinder nicht mehr zu halten.
Schnell wurde noch der letzte Kakao ausgetrunken und kurze Zeit später liefen sie dick vermummt neben dem Opa, der einen leeren Leiterwagen hinter sich her zog.
Obwohl es in der Nacht geschneit hatte und alles weiß gepudert aussah, war es für den Schlitten noch zu früh. Aber es machte auch so Spaß, die ersten Spuren in den Schnee zu machen und zu beobachten, welche Tiere schon ihre kleinen Fußabdrücke hinterlassen hatten.
Auf einmal rief Susi:
Schaut doch mal hier. Es sieht aus, als sei ein winzig kleiner Mensch hier lang gegangen. So kleine Füße haben doch eigentlich nur Babys.“
Renate beugte sich tief über die kleinen Spuren, um sie ganz genau zu betrachten.
Opa, komm!“, rief sie aufgeregt, „Susi hat Recht!“
Auch der Opa schaute sich die Fußabdrücke an. Er nickte wissend.
Ja, ja, das war sicher der Hermann. Der läuft immer am frühen Morgen durch die Gegend und besucht seine Freunde!“
Der Hermann?“, riefen beide Mädchen im Duett.
Ja, das ist ein Troll, der hier im Wald wohnt. Ich kenne ihn schon sehr lange.“
Ein Troll, das sind doch furchtbar hässliche und böse Geschöpfe, pfui und du kennst ihn!“, rief Susi.
Renate aber lachte.„0pa, du flunkerst!“
Der Opa zog ein beleidigtes Gesicht.
Aber nein, Hermann gibt es wirklich und außerdem ist er ein ganz lieber Troll, deshalb hat ihn ja der Feenkönig auch verschont, als er auszog um die bösen Trolle zu vernichten.“
Oh“, Susi sah sich vorsichtig um“, glaubst du, dass wir ihm begegnen?“
Na ja, er ist ziemlich scheu, ich weiß nicht?“, zweifelte der Großvater.
Renate aber verzog spöttisch den Mund.
Seht mal hier der Baum hat schöne Zweige!“ rief Großvater und steuerte auf eine Tanne zu. Er nahm das kleine Beil und hackte einige Zweige ab, die er dann in den kleinen Wagen legte.
Dann ging er suchend weiter und bald lagen auch noch einige Fichtenzweige daneben.
Er deutete unter den Baum und befahl den Mädchen: „Fegt mal den Schnee beiseite und dann löst vorsichtig etwas Moos aus dem Boden.“
Wofür brauchen wir das denn?“
Für die Krippe“, sagte der alte Mann geheimnisvoll.
Wir bauen eine Krippe!“, quietscht Susi begeistert.„Ja, das heißt, der Stall und die Figuren sind schon vorhanden, aber das ganze drum herum baue ich jedes Jahr neu und ihr dürft mir diesmal helfen.“
Ich kann mich noch erinnern, wie schön deine Krippe immer war“, meinte Renate nachdenklich.
Aber jetzt lasst uns nach Hause gehen, es ist kalt“ schlug der Opa vor und betrachtete zufrieden die Schätze in dem Leiterwagen.
Vergnügt schritten sie durch den Wald und der Schnee knirschte unter ihren Schuhen.
Hinter einem Busch kauerte ein kleiner Wicht und sah ihnen grinsend nach.
Zu Hause angekommen luden die drei die Zweige im Schuppen ab. Später wollte Großvater sich dann darum kümmern, dass sie in die rechte Form gebracht würden.
Jetzt aber ab ins Haus, Oma macht uns einen heißen Kakao, damit wir wieder warm werden!“, ordnete Großvater an.
Oma wartete schon in der Küche, wo es gemütlich warm war. Sie setzte einen Topf mit Milch auf den Herd und fragte:
Na, wie war es im Wald?“
Wir haben Fußspuren gefunden und Opa hat erzählt, dass sie von einem Troll stammen“, erzählte Susi aufgeregt.
Das war sicher der Hermann!“, rief Oma.
Nun hatten die Mädchen keine Zweifel mehr, wenn Oma das auch sagte. Sie bedrängten den Großvater, am nächsten Tag wieder in den Wald zu gehen, um nach Hermann zu schauen. Vielleicht hätten sie ja Glück.
Wir sollten ihm etwas zu essen mitnehmen, vielleicht können wir ihn so aus seinem Versteck locken“, schlug Renate vor.
Gute Idee! Sollen wir heute noch Plätzchen backen?“, fragte Oma und begeistert stimmten die Kinder zu.
Oh ja, das machen wir und dann nehmen wir morgen einige mit in den Wald!“, rief Susi.
Bald darauf sah die Küche wie ein Schlachtfeld aus und die Mädchen standen mit hochrotem Kopf am Tisch und stachen verschiedene Formen aus. Einige Bleche voll standen schon zum Abkühlen neben der Spüle und gerade holte die Oma ein neues aus dem Ofen. Der herrliche Duft kitzelte in der Nase und lockte auch den Opa an.
Kann man schon kosten?“
Später, du Naschkatze, hast du die Zweige zurecht geschnitten?“
Liegen bereits im Wohnzimmer, was ist Kinder wollt ihr beim Schmücken helfen?“
Ja geht nur, für heute sind wir mit dem Backen fertig,“ nickte die Oma und schnell zogen die Mädchen die riesigen Schürzen aus, warfen sie auf einen Stuhl und folgten dem Opa ins Wohnzimmer.
Hier roch es wie im Wald und die Zweige lagen auf einem Haufen vor dem Kamin.
Der Opa deutete auf einen Karton in der Ecke.
Dort sind Schleifen und Weihnachtsschmuck, ihr schmückt die Zweige und ich hänge sie auf.
Sehr viel später dann war das ganz Wohnzimmer geschmückt und der Opa kehrte noch die kleinen Ästchen Tannennadeln zusammen und warf sie in den Kamin.
Das riecht dann schön wenn wir Feuer machen.“ erklärte er.
Die Oma kam herein und bewunderte ihr Werk.
Nun aber kommt, es gibt Kakao und Plätzchen.“
Als sie dann um den liebevoll gedeckten herum saßen, da stand das Plappermäulchen der Kinder keine Minute lang still. Die alten Leute aber sahen sich lächelnd an. Schön war es, wenn die Kinder im Advent bei ihnen waren.
Später als Renate und Susi im Bett lagen, murmelte die Kleine schon halb im Schlaf:„Schön war es heute und morgen bringen wir Hermann Weihnachtsplätzchen.“
Dann fielen ihr die Augen zu und sie bekam gar nicht mehr mit, dass Minka aufs Bett sprang und sich zwischen sie kuschelte.
Renate streichelte die Katze, die zu schnurren begann, dann schlief auch sie ein.
Am nächsten Morgen.
Es war Sonntag und der erste Advent am Abend mussten die Mädchen wieder nach Hause, denn bevor es in die Weihnachtsferien ging, waren noch einige Schultage angesagt.
Oma war schon früh auf den Beinen und richtete das Frühstück für Opa und die Kinder. Während sie dann in die Kirche ging, wanderten die Kinder mit dem Opa in den Wald.
Renate trug eine kleine Schüssel mit Plätzchen in ihrem Rucksack, die sie Hermann mitbringen wollten.
Im Wald kam ihnen der Förster entgegen. Opa und er unterhielten sich. Die Mädchen warteten ungeduldig und atmeten erleichtert auf, als der Förster sich verabschiedete.
Sie stapften neben dem Opa durch den tiefen Schnee. Vor einer großen Tanne hielt er und meinte dann : „Oje!“
Was ist?“
Seht ihr hier an der Tanne den roten Streifen?“
Die Mädchen nickten.
Förster Baumann hat mir gerade berichtet, dass morgen die Holzfäller den Weihnachtsbaum für die Kreisstadt fällen und das ist ausgerechnet dieser Baum.“
Aber das ist doch eine wunderschöne Tanne!“ riefen die Mädchen.
Ja, aber es ist auch Hermanns Zuhause.“
Oje!“ Nun waren auch Renate und Susi besorgt.
Der Opa klopfte kräftig an den Stamm.





Eine bisher verborgene Tür öffnet sich knarrend und der zottelige Kopf des Trolls sah heraus.
Was willst du?“ fragte er grimmig.
Du hast ja heute wieder eine Laune!“
Wer sind die Langhaare?“ Der Kleine deutete mit dem Finger auf die Mädchen.
Das sind meine Enkelinnen, Renate und Susi, sie wollten dich kennen lernen.“
Na nun kenne sich mich!“
Der Troll wollte zurück in seine Wohnung, doch blitzschnell packte ihn der alte Mann am Rockzipfel und zog ihn zu sich heran.
Hiergeblieben, du kannst hier nicht bleiben, dieser Baum wird morgen gefällt.“
Was heißt gefällt, niemand kann meine Wohnung fällen, ich werde sie alle verzaubern!“
Du vergisst nur, dass dir deine Zauberkräfte genommen worden sind. Aber ich habe eine Lösung, du kannst bei mir im Schuppen überwintern und im Frühjahr suchen wir einen Baum, der bestimmt nicht gefällt wird.“
Ich will aber nicht bei dir wohnen, ich will hier im Wald bleiben!“
Wütend stapfte der kleine Gnom mit dem Fuß auf, dann setzte er sich plötzlich in den Schnee und begann lauthals zu heulen.
Mitleidig beugten sich die Mädchen zu ihm hinab
Renate aber nahm die Plätzchen aus ihrem Rucksack und als sie den Deckel öffnete, versiegten die Tränen so schnell wie sie gekommen waren. 
Die kleine Hand des Trolls fuhr in die Schüssel, stopfte sich die Plätzchen in den Mund und ruckzuck waren sie weg.
Opa und die Mädchen lachten.




Du kannst aber geschwind essen,“ staunte Susi.
Der Kleine gab ihr keine Antwort, sprang auf und verschwand im Baum.
Kurze Zeit später kam er mit einem Bündel wieder heraus und stapfte los.
Die drei sahen sich grinsend an und gemeinsam ging es nun zurück nach Hause.
Auch die Oma, die inzwischen wieder von der Kirche zurück war, half mit, um es Hermann so gemütlich wie möglich im Schuppen zu machen.
Als spät abends die Eltern kamen, um die Mädchen abzuholen, zogen diese lange Gesichter.
Der Vater lachte. „ Erst wolltet nicht hierher, weil es hier ja sooo langweilig ist und jetzt habt ihr keine Lust mehr mit uns zu kommen.Aber Morgen ist leider Schule.“
Aber wir wollten doch mit Opa die Krippe noch bauen.“
Bis Weihnachten ist ja noch hin,“ tröstete der Opa, „ wie wäre es, wenn ihr jedes Wochenende zu uns kommt, dann können wir gemeinsam die Krippe bauen und in den Weihnachtsferien bleibt ihr dann hier.“
Jubelnd fielen die Mädchen ihm um den Hals.


© Regina Meier zu Verl
© Lore Platz


Nun wünsche ich euch einen schönen und besinnlichen ersten Advent.


Donnerstag, 27. November 2014

Wie`s Gritele mit dem Christkind sprach




Wie`s Gritele mit dem Christkind sprach


Gritele liegt bäuchlings auf dem Boden, vor sich ein Blatt weißes Papier und in der Hand einen blauen Stift.
Eigentlich heißt sie ja Brigitte, aber jeder nennt sie nur Gritele.
Jetzt scheint sie eine Idee zu haben, denn der Stift fährt eifrig über das Blatt und zaubert ein blaues Strichmännchen.
Dann setzt sie noch eine Reihe „Os“ unter die Zeichnung, denn das ist der einzige Buchstabe den sie kennt.
Zufrieden betrachtet sie ihr Werk, springt auf und läuft in die Küche.
Die Mutter strickt und der Vater liest Zeitung.
Gritele legt die Zeichnung stolz vor die Mutter und klettert auf einen Stuhl.
Wie schön, du hast mir ein Bild gemalt!“ ruft die Mutter erfreut.
Gritele schüttelt den Kopf.
Nein, das ist ein Brief an das Christkind, du musst ihn zusammen falten und auf die Fensterbank legen, damit die Englein ihn holen können. 
Ich wünsche mir nämlich ein Puppe zu Weihnachten.“
Die Mutter wird etwas blass und der Vater hebt den Kopf.
Das Christkind bringt keine Puppe,“ meint er barsch und Gritele sieht ihn mit großen Augen an.
Aber warum denn nicht? Ich war doch ganz brav?“
Der Vater sieht in die Augen seines Kindes und es schmerzt ihn, deshalb sagt er schroffer, als er wollte.
Weil das Christkind nicht zu armen Leuten kommt, also schlag dir die Idee aus dem Kopf.“
Doch Gritele gibt nicht nach.
Das Christkind kommt zu allen Kinder, ob arm oder reich, denn es liebt die Kinder, so hat der Herr Pfarrer gesagt.“
Was weiß denn der schon!“ grollt der Vater und die Mutter wirft ihm einen warnenden Blick zu.
Es gibt keine Puppe und nun will ich nichts mehr davon hören!“
Gritele sieht ihn an, Tränen sammeln sich in ihren Augen und die Unterlippe bebt.
Du bist gemein, ich mag dich gar nicht mehr leiden!“
Sie springt vom Stuhl und verlässt die Küche.
Musste das sein?“ fragt die Mutter vorwurfsvoll.
Glaubst du denn, es tut mir nicht weh, dass ich dem Kind seinen Wunsch nicht erfüllen kann!“
Er springt auf und verlässt ebenfalls die Küche.
Die Mutter aber vergräbt den Kopf in beiden Händen und ihre Schultern zucken.
Seit die große Fabrik schließen musste waren die meisten hier im Viertel arbeitslos und ihr Mann konnte schwer damit fertig werden.
Energisch richtet sie sich auf und wischt sich die Tränen ab.
Dann blickt sie auf den großen Korb mit aufgetrennter Wolle.
Sie hatte zwei ihrer Pullover aufgetrennt, um für Gritele etwas zu stricken, damit wenigstens ein Päckchen unter dem alten Plastikbaum lag.
Die Wolle würde doch bestimmt noch für einen kleinen Teddybären reichen.
Und bald klappern die Stricknadeln mit dem Ticken der alten Kuckucksuhr um die Wette.
Gritele aber sitzt auf der Fensterbank und sieht den Schneeflocken zu, die im Licht er Straßenlaternen tanzen.
Auf ihren Wangen sind noch die Tränenspuren zu sehen und ihr Blick ist traurig.
Die Abendmesse ist vorbei und die Menschen strömen aus der gegenüberliegenden Kirche.
Sie bleiben auf den Stufen stehen, schlagen ihr Mantelkrägen hoch und gehen mit eingezogenen Köpfen die Straße entlang.
Und dann hat Gritele eine Idee.
In der Kirche wohnt doch das Christkind.
Sie wollte hinüberlaufen und mit dem Christkind persönlich sprechen, das war ja noch besser als ein Brief.
Im Flur schlüpft sie in Stiefel und Jacke und verlässt ganz leise die Wohnung.
Bevor sie über die Straße geht, sieht sie erst nach rechts, dann nach links, wie ihr Mama das beigebracht hat.
Die schwere Kirchentür bereitet ihr etwas Mühe, aber irgendwie schafft sie es einen kleinen Spalt zu
öffnen, durch den sie hindurch schlüpfen kann.
In der Kirche ist es still und es riecht nach abgebrannten Kerzen und Weihrauch.
Vorne am Altar ist die Hl. Familie aufgebaut und zielstrebig geht das Mädchen auf die Krippe mit dem Jesuskind zu.
Sie beugt sich hinunter und gibt dem Baby einen Kuss.
Dann steht sie da und weiß nicht wie sie beginnen soll.
Doch dann gibt sie sich einen Ruck und erzählt dem Christkind, dass es ihm einen Brief geschrieben hat, weil sie sich eine Puppe wünscht, aber Papa böse geworden ist und gesagt hat: „Das Christkind kommt nicht zu armen Leuten.“
Nicht wahr, das stimmt nicht und Papa hat nicht recht, du liebst alle Leute, auch die armen. Bei uns ist es gar nicht mehr schön zu Hause, Papa ist immer schlecht gelaunt, seit er keine Arbeit mehr hat.“
Gritele kraust die Stirn und ruft:
Ich hab`s, kannst du dem Papa nicht eine neue Arbeit schenken, damit er wieder lachen kann.
Du, du...,“ Es fällt ihr nicht leicht dies zu sagen:
Du brauchst mir auch keine Puppe bringen!“
Dann beugt sie sich über das Kind und gibt ihm einen Abschiedskuss.
Noch jemand hat die Unterhaltung belauscht.
Der Pfarrer wollte gerade aus der Sakristei treten, als er das Mädchen mit dem Jesuskind sprechen hörte und blieb stehen, um es nicht zu stören.
Jetzt tritt er heraus.
Hallo Gritele, bist du ganz allein über die Straße gelaufen.“
Das Mädchen nickt ernsthaft.
Ich musste etwas ganz Wichtiges mit dem Christkind besprechen.“
Der Pfarrer nickt.
Das Christkind wird dir sicher helfen. Aber nun komm, ich bringe dich nach Hause.“
Frau Berger erschrickt, als der Pfarrer mit dem Gritele vor der Tür steht, sie hat noch gar nicht bemerkt, dass die Kleine weg war.
Der Pfarrer lädt sie ein, nach der Kindermette am Heiligen Abend, doch zu der Weihnachtsfeier zu kommen und Frau Berger verspricht es.
Endlich kommt der lang ersehnte Tag und voller Freude öffnet Gritele das Päckchen, das unter dem kleinen Plastikbaum liegt.
Bei der Strickmütze, dem Schal und den Handschuhen liegt auch ein putziger gestrickter Teddybär.
Frau Berger beobachtet etwas ängstlich ihre kleine Tochter, doch diese drückt voller Freude den kleinen Bären an ihr Herz.
Dachte sie doch, das Christkind hätte ihr keine Puppe gebracht, weil sie einen viel größeren Wunsch erfüllen würde. Verschmitzt blickt sie zu ihrem Vater.
Was er wohl sagen würde, wenn das Christkind ihm eine neue Arbeit schenkt.
Nach der Mette geht es hinüber ins Gemeindehaus.
Unter einem großen, bis zu Decke reichender Baum der herrlich geschmückt ist mit bunten Kugeln, Engeln, und Lametta liegen viele bunte Päckchen.
Nachdem sich alle an die großen Tische gesetzt
haben, die auch weihnachtlich dekoriert sind, tritt Pfarrer Jürgens ans Mikrofon.
Wie ihr seht war das Christkind bei uns und hat für jedes Kind ein Geschenk da gelassen.
Ich werde jetzt jeden einzelnen aufrufen und ihm sein Paket überreichen.
Es dauerte etwas bis auch Gritele aufgerufen wird. Sie bedankt sich mit einem Knicks und trägt vorsichtig das Paket an den Tisch zu ihren Eltern.
Was da wohl drin war.
Als sie das Papier entfernt lacht ihr eine Puppe entgegen.
Sie erschrickt ein wenig, würde nun Papa sein Geschenk nicht erhalten?
Sie schiebt die Puppe weg, nein sie will sie gar nicht haben.
Gefällt sie dir nicht?“ flüstert ihre Mama und Papa will schon wieder los schimpfen, von wegen undankbar, aber da klopft der Herr Pfarrer an das Mikrofon und ruft:
Bitte um eure Aufmerksamkeit!
Heute ist Weihnachten, die Zeit der Wünsche und Wunder.
Und heute hat das Christkind nicht nur die Kinder beschenkt, es hat auch an die Erwachsenen gedacht.
Die Firma Grossmann und Co hat einen Käufer gefunden und wird nächstes Jahr wieder eröffnet
und jeder erhält seinen Arbeitsplatz zurück.“
Jubel brandet auf und Gritele schmiegt sich erschrocken an ihre Mutter.
Warum brüllen die denn alle so?“
Kind dein Vater wird wieder seine Arbeit bekommen,“ jubelt die Mutter und drückt Gritele ganz fest.
Die aber beginnt zu strahlen und nun endlich nimmt sie ihre Puppe in den Arm.
Das Christkind hatte ihr beide Wünsche erfüllt.



© Lore Platz






Mittwoch, 26. November 2014

Ein kleines Dankeschön!

Vor kurzem dachte ich noch, ob ich wohl bis Weihnachten 
die 30 000 schaffe und heute sehe ich, dass ich bereits darüber bin.
Dafür sage ich allen meinen Lesern ein herzliches Dankeschön!




Momente des Glücks



Glück ist:
Morgens aufzuwachen ohne Schmerzen,
ein kleines Lächeln im Herzen,
Froh in den Tag zu starten,
auf den Sonnenschein zu warten.

Glück ist:
Der Familie bei zu stehen,
und auch guten Rat zu geben,
wenn es einem auch nicht gut geht,
gefunden wir ja immer ein Weg.

Glück ist:
Eine gute Bleibe zu haben,
und dafür Verantwortung zu tragen,
zu haben ein Dach über den Kopf,
man wird nicht nass bei jedem Regentropf.

Glück ist:
Wenn man genug zu Essen hat,
und man wird von wenigen satt,
und nicht im Abfall suchen muss,
das ist wirklich kein Genuss.

Glück ist:
Vom Unheil verschont zu werden,
oder andere Katastrophen auf Erden,
ein Lächeln und ein liebes Wort,
dann gibt es gute Laune sofort.

Glück ist:
Jeden Tag zu genießen,
sehen wie es in der Natur tut sprießen,
mit offenen Augen durchs Leben gehen,
und die Schönheit der Natur sehen.

Glück ist;
Jemand an der Seite zu haben,
der da ist an allen Tagen,
gemeinsam ein ganzes Leben lang,
da ist die Lebenszeit kein Müßiggang.

Glück ist:
Den ewigen Frieden auf Erden,
es kann auch noch viel mehr werden,
viel mehr W i r und weniger I c h,
dann jeder Mensch glücklich ist.

Die Nachtigall 


 









Dienstag, 25. November 2014

Eine Geschichte um jeden Preis? - Reizwortgeschichte

 Reizwörter:
 Feuerprobe, Neigung, zürnen, beschäftigen, kindisch


                          Elli danke für das Bild




Eine Geschichte um jeden Preis?


Ist es kindisch, wenn ich sage diese Worte sprechen mich nicht an und ich finde keine Geschichte dazu.
Vielleicht beschäftige ich mich auch zu viel mit Geschichten schreiben und bin einfach nur ausgebrannt.
Oder es ist der triste November und die neu aufsteigende Trauer um meinen Mann,die mich in ihren Fängen halten.
Ich bitte euch zürnt mir nicht, wenn es heute keine Geschichte gibt.
Stattdessen will ich euch von der Feuerprobe erzählen.
Wusstet ihr, dass sie zu den Gottesurteilen des Mittelalters gehörte?
Aber bereits bei den Germanen und Angelsachen und Wikingern war sie üblich und nach deren Bekehrung zum Christentum musste sie unter Aufsicht eines Bischofs durchgeführt werden
Ich frage mich, wo ist da bloß der Unterschied zwischen Heiden und Christen?
Wie fand nun so eine Feuerprobe statt?
Der Beschuldigte musste barfuß über sechs oder zwölf glühende Pflugscharen gehen.
Oder er musste ein glühendes Eisen tragen.
Die einfachste Art war wohl, dass er seine Hand in das Feuer stecken musste.
Wenn er unverletzt blieb, das wohl ein Wunder wäre, oder die Wunde innerhalb drei Tagen verheilt, oder nicht eiterte, dann galt er als unschuldig.
Ein Glück, dass diese Art Gottesurteil eines Tages verschwand.
Heute wird der Begriff Feuerprobe als Bewährungsprobe angesehen.
Welches Wort fehlt mir denn noch?
Ach ja Neigung!
Auch so ein Wort, dem ich nichts abgewinnen kann, denn einen schönen deutschen Satz kann man damit kaum schreiben.
Mit der Neigung seines Kopfes zeigte er ihr seine Hochachtung.“
Klingt das nicht fürchterlich!
Ich habe als junges Mädchen einen Fernkurs belegt, um einen besseren Schreibstil zu lernen.
Dort lernten wir unter anderem, dass man so selten wie möglich Hauptwörter verwenden sollte, denn sie machen einen Satz steif und nehmen ihm die Lebendigkeit.
Also:
Er neigte sein edles Haupt, um ihr zu zeigen, dass er sie schätzte.“
Auch nicht berauschend, dieser Satz und ihr seht, das Wort Neigung passt einfach nicht zu mir.

Tut mir leid, dass ich euch heute keine Geschichte erzählen konnte, aber die nächsten Reizwörter von Regina bieten sich geradezu wieder an für ein hübsches kleines Märchen.

© Lore Platz





Samstag, 22. November 2014

Der Engel, der vom Schlitten flog


 
Danke Regina für das Bild



 Der Engel, der vom Schlitten flog


Frederic lugt vorsichtig in die Backstube, aus der köstliche Düfte seine Nase kitzeln und locken.
Er grinst vergnügt als er niemanden dort erblickt und eilt mit schnellen Schritten zu dem Regal, wo die Plätzchen zum Auskühlen abgestellt sind.
Vergnügt langt er in eine der Dosen, holt sich eine Handvoll heraus und stopft sie in den Mund.
Mit dicken Backen kauend sieht er sich nach einer neuen Sorte der leckeren Kekse um.
Dachte ich doch, dass du Leckermaul hier bist!“, reißt ihn die Stimme seines Freundes Markus aus seinen seligen Gedanken.
St. Nikolaus wartet in der Halle und alle suchen nach dir!“
Frederic schluckt schnell den Rest hinunter, schürzt sein Kleidchen und rast durch den Himmel.
Atemlos erreicht er die große Halle, in der St. Nikolaus neben dem voll bepackten und startbereiten Schlitten bereits auf ihn wartet.
Der weiße Schimmel scharrt schon ungeduldig mit den Hufen.
Petrus der neben Nikolaus steht wirft Frederic einen finsteren Blick zu und grollt.
Länger hätten wir jetzt nicht mehr gewartet und ein anderer Engel hätte St. Nikolaus auf die Erde begleitet!“
Frederic wird rot und wirft dem Bischof einen entschuldigenden Blick zu, dann klettert er blitzschnell auf die Pakete im Rücksitz des Schlittens.
Das große Himmelstor öffnet sich und sie schweben durch die Wolken auf die Erde.
Unten angekommen geht es in Windeseile durch Städte und Dörfer.
Der kleine Engel, der zum ersten Mal auf der Erde ist kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Leider verweilen sie immer nur kurz an einem Ort und
Frederic ist so beschäftigt mit Päckchen schleppen und an die Kinder verteilen, dass er wenig von seiner Umgebung sehen kann.
Als sie durch einen Wald fahren, fliegt plötzlich vom Baum eine Ladung Schnee herunter und direkt auf den Engel, der ganz oben auf den Päckchen thront, um ja alles um ihn herum im Blick zu haben.
Er schwankt und stürzt vom Schlitten.
St. Nikolaus , der nichts bemerkt hat, fährt ahnungslos weiter.
Der kleine Engel liegt einen Moment benommen im Schnee.
Als er die Augen wieder öffnet haben sich die Tiere des Waldes um ihn geschart und betrachten ihn neugierig.
Hallo, könnt ihr nicht St. Nikolaus nachlaufen und ihn aufhalten?“
Ein Hirsch, der sich etwas abseits gehalten hat, tritt nun näher.
Tut mir leid, kleiner Engel, aber der Schlitten des Nikolaus ist viel zu schnell für uns, den können wir nicht mehr einholen.“
Ich heiße Frederic,“ stellt dieser sich vor.
Angenehm, mein Name ist Adrian.“
Und wir sind Hoppel, Poppel und Stups!“ rufen die Hasen.
Es raschelt im Gebüsch und ein Eichkätzchen kommt heraus.
Hört mal die kleine Annika sitzt da vorn und weint.“
Dann sieht es den Engel.
Wer bist denn du?“
Der kleine Stups drängt sich nach vorn und erklärt wichtig:
Das ist Frederic, er ist vom Schlitten des Nikolaus gefallen!“
Dieser hat sich inzwischen erhoben und klopft sich den Schnee aus dem Kleidchen.
Wer ist denn Annika und ist sie auch gefallen, oder warum weint sie?“
Annika ist ein kleines Mädchen und wohnt mit ihrer Mutter in dem Häuschen am Waldrand.
Sie ist sehr lieb und immer nett zu uns Tieren.
Warum sie weint, weiß ich nicht, aber du könntest sie ja fragen.
Du sprichst doch die Sprache der Menschen?“
Frederic nickt und zusammen mit den Tieren gehen sie zu dem Mädchen, das auf einem Baumstamm sitzt und bitterlich weint.
Mitleidig umringen sie die Tiere und schniefend fährt sich das Mädchen mit dem Handschuh über die Augen.
Dann starrt sie Frederic mit offenen Mund an.
Du bist ja ein Engel!“
Ja und ich heiße Frederic, aber sag warum weinst du denn?“
Das Mädchen deutet auf den Korb, der neben ihr steht.
Ich habe Tannenzapfen und kleine Äste gesammelt zum Anheizen, dann habe ich den Schlitten des Nikolaus bimmeln gehört und bin losgelaufen, um ihn zu sehen.
Dabei habe ich mich verlaufen!“
Die Tiere können dir bestimmt den Weg nach Hause zeigen, nicht wahr?“ wendet sich der Engel an diese.
Diese nicken.
Und bald sind sie alle zusammen auf dem Weg zum Haus am Waldessrand.
Annika hat Frederic angeboten bei ihnen zu warten, denn der Hl. Nikolaus kommt immer auf dem Rückweg bei ihnen vorbei.
Die Tiere kehren in den Wald zurück und der Engel folgt dem Mädchen ins Haus.
Die Mutter blickt erstaunt auf den Jungen der im Kleidchen und barfuß ihre Stube betritt.
Mein Junge, du musst ja frieren, komm schnell zum Ofen und setz` dich.“
Frederic lacht vergnügt. „Engel frieren nicht!“
Ach du bist ein Engel?“ fragt Annikas Mutter etwas zweifelnd.
Ja, stell dir vor, St. Nikolaus ist mit seinem Schlitten durch den Wald gefahren und Frederic ist herunter gefallen.
Nicht wahr er kann doch bei uns warten, bis der Heilige Bischof heute Abend bei uns vorbeikommt?“
ruft Annika, die sich inzwischen aus dem Mantel geschält hat und mit ein paar flauschigen Pantoffeln in der Hand in die Stube kommt.
Sie hält sie dem Engel hin und dieser schlüpft hinein.
Voller Wohlbehagen lächelt er.
Die sind aber schön weich!“
Mama dürfen Frederic und ich auf mein Zimmer gehen?“
Diese nickt abwesend, sie sitzt bereits wieder an ihrer Nähmaschine, den bald kommt eine Kundin zur Anprobe.
Annika zeigt nun dem Engel ihr kleines Reich.
Auf dem Bett sitzen mehrere Plüschtiere und der Engel erkennt einige, die im Himmel genäht worden sind.
Da meint Annika auch schon:
Die hat mir alle das Christkind gebracht, jedes Jahr eines.“
Was hast du dir denn für dieses Jahr gewünscht?“
Weißt du das denn nicht?“
Aber nein, für die Briefe sind andere Engel zuständig,“ meint Frederic und gesteht etwas verschämt:
Ich kann noch nicht so gut lesen!“
Oh ich kann schon ganz gut lesen! Lesen ist sooo schön!
Ich bin ja auch schon in der zweiten Klasse und ich habe mir vom Christkind ein großes Geschichtenbuch und Schlittschuhe gewünscht, glaubst du ich bekomme das?“
Frederic nickt ernst:
Bestimmt, du bist ja ein ganz braves Mädchen und außerdem sind es ja gar keine ausgefallenen Wünsche.“
Das wäre schön! Willst du mal sehen welche Geschenke ich für Weihnachten gebastelt habe?“
Ihr Menschen fertigt auch Weihnachtsgeschenke?“
Nun staunt der Engel aber.
Aber natürlich, weißt du, die Erwachsenen bekommen doch nichts vom Christkind, also habe ich für Mama eine kleine Schachtel für ihre Nähnadeln ..., warte ich zeig sie dir.“
Sie läuft zum Schrank und kramt darin herum, dann kommt sie mit einem wollenem Tuch und legt es vorsichtig auf den Boden.
Die Beiden setzen sich und Annika schlägt das Tuch auseinander und zeigt ihm ihre Schätze.
Eine hübsch bemalte Schachtel für die Mama, noch eine Schachtel mit buntem Papier beklebt, für die Pfeifenreiniger des Opas und einen gehäkelten Topflappen, der leider etwas schief geraten ist, für die Oma.
Traurig sieht Annika auf ihre Schätze und seufzt.
Nur für die arme Frau Markwart habe ich noch nichts, denn ich weiß nicht was ich ihr schenken soll, hast du keine Idee?“
Ich kenne die Frau doch gar nicht.“
Sie ist ganz ganz lieb, aber sie kann nicht mehr laufen, und muss den ganzen Tag im Rollstuhl sitzen. Morgens kommt immer der Pflegedienst und wäscht sie, dann helfen sie ihr beim Anziehen und dann sitzt sie den ganzen Tag am Fenster und sieht hinaus.“
Hat sie denn keine Kinder?“
Nein sie ist ganz allein, manchmal gehe ich mit Mama hinüber, wir bringen ihr dann eine Suppe oder einen Kuchen.Sie freut sich immer so.
Ach sie ist immer so lieb und freundlich und ich würde ihr so gerne eine Freude machen.“
Frederic stützt den Kopf in die Hände und überlegt angestrengt und Annika beobachtet ihn gespannt dabei.
Könntest du ihr denn nicht auch einen Topflappen häkeln wie deiner Oma.“
Das Mädchen schüttelt den Kopf, „ das geht so schrecklich
schwer und außerdem kocht Frau Markwart ja nicht mehr.“
Frederic wirft einen Blick zum Regal, auf dem einige Bücher stehen.
Und wenn du ihr eines deiner Bücher schenkst, du hast doch gesagt , dass Lesen so schön ist.“
Ihre Augen sind so schwach!“
Wieder versinkt der Engel in Gedanken, dann ruft er plötzlich:
Ich weiß etwas , du schenkst ihr Zeit!“
Wie soll das denn gehen?“
Du gehst jeden Tag zu ihr und liest ihr etwas aus deinen Büchern vor, das freut sie bestimmt und sie ist nicht mehr so allein und sie hat jeden Tag etwas worauf sie sich freuen kann.“
Annika umarmt den Engel stürmisch.
Das ist eine gute Idee! Aber wie verschenkt man denn Zeit?“
Schreibe ihr einen Brief!“
Bald liegen beide bäuchlings auf dem Boden und basteln an dem Brief für die alte Frau.
Sie malen große Buchstaben, damit sie es auch lesen kann.
Dann faltet Annika das Blatt zusammen und sie laufen hinunter, denn das Mädchen hat beschlossen nicht bis Weihnachten zu warten, sondern heute zum Nikolaustag ihr Geschenk zu überreichen.
Auch die Mutter findet es für eine gute Idee und gibt ihnen noch eine Tüte mit selbstgebackenen Plätzchen mit.
Wie staunt die alte Frau, die etwas verloren am Fenster sitzt, als ein Engel und die kleine Annika zu ihr kommen.
Und Tränen laufen ihr über das Gesicht, als sie den Brief liest und Annika ihr erklärt, wie das gemeint ist und sie jeden Nachmittag nun vorbei kommt, um ihr vorzulesen.
Als sie nach einer Weile wieder gehen, lassen sie eine glückliche alte Frau zurück, denn nun hat sie etwas auf das sie sich jeden Tag freuen kann.

Später kommt dann der Hl. Nikolaus zu Annika.
Er ist auch gar nicht erstaunt, Frederic dort zu treffen, denn die Tiere haben es ihm bereits gesagt.
Lange noch winken Annika und ihre Mutter dem Schlitten nach.

© Lore Platz


Vielleicht kennt ihr ja auch jemanden, dem ihr Zeit schenken könnt.
Wünsche euch ein schönes Wochenende!