Dienstag, 9. Dezember 2014

Reizwortgeschichte: Schönheitswahn und Liebe


Reizwörter:
 
Schlankheitskur, Schönheitswahn, hungrig , zerzaust
dumm


Schönheitswahn und Liebe


Lustlos stocherte Beate in ihrem Salat herum. Seit einigen Tagen machte sie eine Schlankheitskur.
Genau genommen seit dem Tag, als ihr Freund Robert sich beim Rasieren um gedreht, als sie gerade aus der Dusche kam, und sie von Kopf bis Fuß musterte und mit gerunzelter Stirn meinte:
Du hast schon wieder zugelegt! Außerdem um auf unser gestriges Gespräch zurückzukommen, von wegen deine biologische Uhr tickt und du willst ein Baby. Daraus wird nichts, denn einer meiner Gründe ist, dass du bei deiner Veranlagung nach der Geburt wie ein Walross aussehen wirst und ich habe keine Lust mich bei meinen Freunden mit dir zu blamieren.“
Als er das Bad verlassen hatte war sie weinend auf dem Boden zusammengebrochen. Wenig später hatte sie die Tür ins Schloss fallen hören. Er war einfach in die Arbeit gegangen, obwohl er sie gehört haben musste.
Sie hatte sich dann aufgerappelt und hatte sich in die Arbeit geschleppt. Doch den Tag hatte sie wie in Trance verbracht.
Nach der Arbeit war sie in den Supermarkt gegangen und hatte sich mit Salat, Karotten, Sellerie und Äpfel eingedeckt.
Nun aß sie seit Tagen nur noch Salat und trank dazu Wasser mit einigen Spritzer Zitronen.
Sie konnte das Grünzeug schon bald nicht mehr sehen und war auch ständig hungrig.
Auch ihr fröhliches Lachen war verschwunden. Sie reagierte gereizt und nervös. Ihre Kollegen hatten sie schon besorgt gefragt ob sie krank sei.
Und Robert, der machte zur Zeit sowieso Überstunden und war selten zu Hause und es fiel ihm gar nicht auf, dass sie sich seinetwegen so abquälte.
Es klingelte Sturm an der Tür.
Ricarda ihr Freundin umarmte sie fröhlich, „zieh dich schick an, wir gehen aus. Meine Göttergatte macht heute den Babysitter, damit ich wieder unter Leute komme.
Küche Herd,Windel und Babygeschrei, das zehrt an den Kräften.
Also hat mein Liebster beschlossen mir einmal in der Woche einen freien Abend zu verschaffen.“
Ricarda hatte vor einigen Monaten Zwillinge bekommen und trotzdem ihr schlanke Figur behalten, beneidenswert.
Nun fiel Ricarda erst auf, dass Beate auffallend still war und einen ziemlich zerzausten Eindruck machte.
Sie sah die Schüssel mit Grünzeug auf dem Tisch.
Machst du etwa eine Diät, warum?“
Weil ich fett bin!“
Spinnst du, du hast Größe 40!“
Beate schluchzte laut auf und erzählte ihr von Roberts verletzenden Worten.
Ricarda schlug wütend mit der Hand auf den Tisch.
Dieser arrogante Schnösel, ich konnte ihn noch nie leiden und habe nie verstanden, wie du es nun schon vier Jahre mit ihm aushalten kannst! Wo ist er überhaupt?“
Er macht Überstunden!“
Kühl dir deine Augen, zieh dich nett an, wir gehen aus. Ich lade dich zum Chinesen ein und anschließende tanzen wir uns die Kalorien im Pigadilli wieder herunter.
Das Tanzcafé war voll und zu flotter Musik drehten sich die Paare.
Ricarda schlängelte sich mit Beate im Schlepptau durch die Menge.
Diese knallte plötzlich an einen großen harten Körper.
Hoppala, nicht so stürmisch!“
Beate sah in zwei fröhlich braune Augen.
Ricarda drehte sich um und rief vergnügt: „ Felix, schön dich zu sehen!“
Der junge Mann grinste ließ aber dabei Beate nicht aus den Augen.
Willst du mich nicht deiner hübschen Freundin vorstellen?“
Das ist Felix ein Arbeitskollege von Ralf und das ist meine beste und liebste Freundin Beate.“
Felix sah Beate mit bewunderndem Blick an. „Freut mich...“
Felix wo bleibst du denn!“
Einige junge Männer winkten von einem Tisch in der Ecke.
Der junge Mann seufzte: „Mein kleiner Bruder hat heute Junggesellenabschied und ich als Trauzeuge muss aufpassen, dass es nicht zu sehr ausartet.“
Er beugte sich schnell nach vorn und drückte einen Kuss auf Beates Wange, dann verschwand er in der Menge.
Ricarda schmunzelte und dachte vergnügt, sie würde dafür sorgen, dass die beiden sich wieder über den Weg liefen, denn Felix war Solo und ein sehr lieber Mensch.
Siehst du andere Männer finden dich hübsch.“
Ach das hat er doch nur gesagt, weil er freundlich sein wollte.“
Du spinnst doch, Robert hat dir dein ganzes Selbstbewusstsein genommen. Ach wenn man vom Teufel spricht, von wegen Überstunden!“
Robert hatte eben das Pigadilli betreten mit einer atemberaubend schönen Blondine und nun tanzten sie eng umschlungen auf der Tanzfläche.
Lass uns bloß gehen!“ flüsterte Beate voller Panik.
Draußen atmete sie erst einmal tief durch, dann begann sie zu lachen.
Ach Ricarda, ich war so entsetzlich dumm und wegen diesem Egoisten, der schon längst eine Andere hat, quäle ich mich so ab!“ Tränen liefen über ihr Gesicht.
Mitfühlend legte ihre Freundin den Arm um ihre Schultern.
Du kannst heute bei uns im Gästezimmer schlafen. Sieh mal eine Sternschnuppe, schnell wünsche dir was!“
Beate schloss die Augen und wünschte sich einen Mann, der sie so liebte wie sie war und ein Kind. Und seltsamerweise sah der Mann aus, wie Felix.

Beate summte leise die Melodie des Weihnachtsliedes, das im Radio erklang mit, während sie Plätzchen auf dem bunten Teller dekorierte.
Mit dem Gebäck in der Hand betrat sie das Wohnzimmer und blieb einen Moment stehen, um das schöne Bild in sich aufzunehmen.
Vor dem hell leuchtenden Weihnachtsbaum kniete ihr Mann Felix und ließ vor ihrem Sohn Bastian ein Holzpferdchen wiehernd über den Teppich springen.
Der Junge drehte sich um und rief strahlend:
Mama, Papa ässt ütteott üpfen!“
Felix sah seine Frau liebevoll an und zärtlich dachte Beate.
Wenn Basti im Bett ist, dann werde ich Felix sagen, dass wir nächsten Jahr Weihnachten zu viert feiern.“

© Lore Platz





Wenn ihr glaubt solche Männer gibt es nicht, dann habt ihr euch geirrt.
Eines meiner ehemaligen Tageskinder, eine hübsche junge Frau von 25  Jahren und Kleidergröße 40 wurde von ihrem Freund mit dem sie vier Jahr zusammenlebte auf ihre 3Kilo die sie während der Zeit zugenommen hatte angesprochen.
Außerdem sagte er wortwörtlich: "Ich will keine Kinder, denn dann wirst du genauso fett wie deine Schwägerin!" 
Sie hat sich inzwischen von ihm getrennt.

Wünsche euch einen schönen Tag und ich hoffe ihr habt alle einen Partner, der euch die Weihnachtsplätzchen genießen lässt!



Kommentare:

  1. Danke, Lore, für Deine Geschichte. Ich habe mit ihr mitgelitten, wie kann ein Partner sowas nur sagen ...
    Und dann habe ich mich mitgefreut! Du hast es so schön anschaulich beschrieben, ich war dabei.

    Alles Liebe
    Eva :)

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  2. eine sehr bekannte Geschichte die ich selbst erfuhr mit meiner Mutter wie sie mich tyrannieserte auf diese Weise, das hast du sehr gut beschrieben diese Geschichte und fands toll dass die Freundin so reagierte und am Ende alles gut wurde..
    Danke dir und ich wüsnche dir einen schönen Tag
    Lieben Gruss Elke

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  3. Also diesen Robert hätte ich auch "zum Teufel geschickt" und einen Mann, der meint, dass seine Frau vom Kinder kriegen "fett" wird, kann "Frau" sowieso vergessen. Eine tolle Geschichte! Ich folge Dir jetzt und würde mich sehr freuen, wenn Du die Zeit hättest, meinen Blog zu besuchen und mir vielleicht auch zu folgen.
    LG Elke

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  4. Wieder eine sehr schöne Geschichte mit ernstem Hintergrund. Unsere Tochter kämpft seit der Geburt ihrer Tochter vor über 26 Jahren mit ihrem Gewicht. Da ist mit jedem gescheiterten Versuch der Verdruss größer und es geht wieder aufwärts mit dem Gewicht.
    LG Christa

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  5. Dieser Blödmann!!! Gut, dass er weg ist!!! Ich habe auch mit ihr gelitten, Gott sei Dank hatte das Schicksal - alias Lore - noch einen netten Mann für sie in petto! Danke für die schöne Geschichte! Martina

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  6. Liebe Lore,
    das ist eine sehr lehrreiche (und leider auch oft wahre) Geschichte. Man muss sich immer wieder wundern, wie viel Menschen aus Liebe ertragen können, bevor sie einen Schlussstrich ziehen.
    MIR hätte ein Mann so etwas niemals sagen brauchen - und schon gar nicht hätte ich SEINETWEGEN gehungert! Wer mich nicht so will, wie ich bin, der soll machen, dass er weiterkommt!
    Liebe Grüße
    Christine

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  7. Guten Morgen liebe Lore
    Ein Geschichte, die meinen eist etwas verwirrt, diesen Menschen, der so einen Schönheitswahn hat wünsche ich ein Gewicht von 250 Kg.und eer kann nichts dagegen tun.
    Lieben Gruß Joachim

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  8. Also, bin ja so empört, liebe Lore, so einen unmöglichen Doofmann hätte ich gewiss in den Wind geschossen, hätte da nicht lang gefackelt. Aber sie hatte ja Ricarda, ihre beste Freundin, die ihr zur Seite stand und dadurch ihren zukünftigen Mann Felix kennenlernte. Liebe fragt nicht nach dick oder dünn, sondern nach Herz. Liebe Grüße Gerda.

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.