Dienstag, 2. Juni 2015

Keine Geschichte nur etwas plaudern - Reizwortgeschichte

Diesmal geht es um die Reizwörter: 
Buch, Spinne, setzen, hingebungsvoll, schreiben

Viel Spaß beim Lesen!




 Keine Geschichte, nur etwas plaudern


Ich bin eine Leseratte!
Ich weiß ja nicht, ob ich als Baby schon das Verlangen hatte zu lesen, aber mein Vater hat uns immer, besonders in der Winterzeit, Märchen vorgelesen.
Noch heute spüre ich die Wärme des Ofen und höre das knacken und knistern des Holzes.
Meine Schwester und ich kuschelten auf dem Sofa in der Küche, mein Vater saß auf seinem Stuhl und las uns mit verstellten Stimmen aus einem dicken Buch vor, dass er sich aus der Pfarrbücherei geliehen hatte.
Meine Mutter kochte oder backte und die herrlichen Düfte schmeichelten sich in unsere Nasen.
Keine Zentralheizung kann diese Gemütlichkeit erzeugen.
Ich entwickelte mich jedenfalls zu einer Leseratte, die alles las, was sie in die Finger bekam.
Viele Kinderbücher gab es ja noch nicht damals und geschenkt bekamen wir zum Geburtstag und Weihnachten meistens nützliche Dinge.
Aber zum Glück hatte ich ja eine Schwester, die mehrere Jahre älter war, und die ich hingebungsvoll liebte.
Ich weiß, das klingt jetzt ein bisschen übertrieben, aber irgendwie musste ich das Wort ja unterbringen.
Karin las zwar nicht so gerne, aber sie war eine Sportskanone.
Einmal erreichte sie bei dem jährlichen Sportfest den ersten Platz und bekam als Preis einen Tennisschläger und ein Buch, das sie sofort an mich weiter reichte.
Es war ' Gritlis Kinder' von Johanna Spyri.
Außerdem gab es da noch die Reclam Hefte, die sie im Unterricht lesen musste.

So lernte ich in sehr frühen Jahren 'Pole Poppenspäler' und den Dichter Theodor Storm (1817 – 1888) kennen und lieben.
Eine Liebe, die bis heute gehalten hat.
Leider aber traf ich auch ' Die schwarze Spinne', eine Novelle von Jeremias Gotthelf (1797 – 1854).

Eine schauerliche Geschichte, die mir Albträume und eine lebenslange Angst vor Spinnen bescherte.
Nicht jede Lektüre ist für kleine naseweise Mädchen geeignet.

Als mir, da war ich ungefähr zehn Jahre, das Christkind dann mein erstes eigenes Buch brachte, war ich selig.
Es war wunderschön, hatte einen goldenen Einband und hieß : 
' Das goldene Märchenbuch'.
Darin befanden sich Märchen, die ich noch nie gehört hatte, Märchen aus aller Welt, und es war mein größter Schatz.
Diese Buch besitze ich heute noch.
Der Einband ist inzwischen verschwunden und es sieht auch ziemlich ramponiert aus vom vielen Lesen.
Leider ist meine Kamera kaputt sonst hätte ich euch ein Bild gezeigt.
Aber schließlich ist dieses Buch 55 Jahre alt und wurde sehr sehr oft in die Hand genommen.
Ich weiß nicht, ob es am Mangel von Lesestoff lag, aber ich begann schon sehr früh mir Geschichten auszudenken, die ich meinen kleinen Freunden dann erzählt, die nie genug davon bekamen.
Als ich besser schreiben konnte, schrieb ich sie auf und las sie im Familienkreis vor.
Eine dieser Geschichten handelte von einem wilden schwarzen Hengst.
Ihr ahnt sicher wer mich dazu inspiriert hat, die Fernsehserie
 
 'Fury'.

Dieses 'nonstop' Fernsehen wie heute gab es ja zu unserer Zeit noch nicht und wir freuten uns regelrecht darauf, wenn etwas für uns Kinder kam.
Samstag Nachmittag gab es eine Sendung für die ganz Familie, die dann mit den Schlümpfen endete.
Was habe ich diese kleinen blauen Zwerge geliebt.
Und sonntags wurde  'Fury' oder 'Rin Tin Tin' gesendet.
Bei einem Abenteuer dieses deutschen Schäferhundes im wilden Westen, wäre mir einmal beinahe das Trommelfell geplatzt.

Meine Firmpatin kam an einem Sonntag mit ihrer Familie zu Besuch und während die Großen sich unterhielten, saßen wir Kinder auf dem Boden vor dem Fernseher und sahen uns 'Rin Tin Tin' an.
Als der Hund in eine besonders gefährliche Situation kam, sprang der Sohn meiner Patin auf, riss seine Trillerpfeife aus der Hosentasche und ließ einen ohrenbetäubenden Pfiff ertönen.
Das nennt man wohl mitten im Geschehen sein.
Nun will ich mal zurück schauen, prima, alle Wörter untergebracht, dann kann ich mich ja verabschieden und euch nur noch einen schönen Dienstag wünschen.

© Lore Platz

Kommentare:

  1. Liebe Lore,

    da hast aber schön aus dem Nähkästchen geplaudert und hast damit meine Erinnerungen an "Flipper" und "Skippy, das Buschkänguruh" wachgerufen :-)

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  2. Wunderschöne Erzählung. Gritlis Kinder hatte ich auch Band 1 und 2, das waren ja damals dünne Bücher. Die Erzählung war aber nicht so mein Ding - ich habe es deshalb wohl auch nicht so oft gelesen. Später durfte ich mir dann Bibliotheksausweisen holen. Die Ausleihe kostete damals noch nicht und ich machte reichlich Gebrauch davon. So mit 13 oder 14 Jahren sagten mir die Kinderbücher nicht mehr so zu. Da meine Mutter in einer Buchhandlung saubermachte bekam ich dann schon mal ausgesuchte Antiquarische Bücher- eine ganz neue Welt. Altdeutsche Schrift und eine alte Rechtschreibung (Thee) Ich habe diese Bücher geliebt. und einige sind auch noch in einem Karton für die nächste Leseratte aufgehoben. Noch einen schönen Tag und LG Christa

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  3. Liebe Lore,
    schade, dass es nicht noch mehr Reizwörter gegeben hat, denn Du hättest gerne noch weiter plaudern dürfen. Es war so angenehm und liebenswert. Flury, Flipper, Skippy, - ja die kenne ich auch.
    Ich habe leider keine Geschwister, von denen ich mir Bücher hätte leihen können. Aber meine Eltern schenkten mir schon sehr früh viele Bücher. Ich habe noch einen ganzen Schatz an Kinderbüchern...
    Ich freue mich schon auf Deine nächsten Plauderminuten.
    LG
    Astrid

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  4. Danke, Lore, für Deine Erinnerungen an die Kinderzeit, da bin ich dabei :)

    Immer gern gelesen und vorgelesen bekommen.

    Alles Liebe
    Eva :)

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  5. Liebe Lore
    dein Plaudern hat mich fasziniert und viele Erinnerungen hoch geholt wie es in meiner KIndheit war.. ja was du erzähltest war sher schön udn ich genoss es.. danke dir aus deinem Leben erzählt zu haben!
    Lieben Gruss Elke

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  6. Liebe Lore,
    Fury, Lassy ja toll und dann begann bei mir das Phantasieren. Gerne hätte ich einen Hund gehabt oder gar ein Pferd. Nix wars! Ich habe mich in die Kinderbücher gestürzt , die halbe Bücherei habe ich ausgelesen. Aber was ich witzig finde, alle, die wir hier schreiben, waren so Leseratten. Danke für Deine Geschichte und Dank noch einmal, dass ich bei den 7 sein kann. Liebe Grüße Eva

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  7. Also, liebe Lore, DU hast als Mädchen gerne Märchen gelesen? Das kann ich mir gar nicht vorstellen! - Lach!!! Danke für deine tolle Plauderei, der ich soooo gerne zugehört habe! LG Martina

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  8. Liebe Lore,
    das ist eine Geschichte aus dem Leben. Die musstest du dir nicht ausdenken.
    Und stell dir vor: Dieses Goldene Märchenbuch nenne ich auch mein eigen.
    Danke, dass du deine Erinnerungen mit uns geteilt hast.
    Einen sonnigen Dienstag wünscht dir
    Irmi

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  9. Nun liebe Lore wir haben sehr viele Gemeinsamkeiten ab dem Kindesalter. Es war halt damals so, nach dem Krieg mussten jeder Pfennig umgedreht werden und Bücher waren einfach Luxus. Einfach ein Buch zu kaufen, ging finanziell nicht. Dennoch fand man mich mit 7 Jahren schon in der Leih-Bücherei, wo ich stundenlang saß und die Bücher die in den Regalen waren, las. Die Dame an der Kasse drückte immer ein Auge zu, wenn ich mich an ihr vorbeidrückte und Auf Wiedersehen sagte. Sie kannte mich ja schon, da ich mindestens 2-3 x wöchentlich kam. Auch Fury, Lassy, Gritlis Kinder, Heidi und Hanni und Nanni waren dabei. Bedanke mich für deine Geschichte und wünsche dir gute Fantasie weiterhin. LG. Gerda R.

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  10. Eine so schöne Plauderei! Und auch ich erkenne mich in vielen Details aus der Kindheit wieder, die Bücherliebe fing bei mir auch schon sehr früh an und hat bis heute nicht nachgelassen.Wir haben übrigens auch das gleiche Alter.
    Danke auch für Deinen netten Kommentar bei mir, neulich!
    Liebe Grüße schickt Anna!

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  11. Liebe Lore,
    du verstehst es, auch aus einer Plauderei eine interessante Geschichte zu zaubern, Zauberlore eben!
    Danke und liebe Grüße am Abend
    Regina

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  12. Liebe Lore,
    Eva hat weiter oben festgestellt, dass wir alle, die wir hier schreiben, mal Leseratten gewesen sind. ICH auch! (Und ich bin es immer noch...) Ich habe jede erreichbare Leihbücherei "geplündert" - in der Bücherei der Pfarrgemeinde kannte mich jeder. Die war nicht groß - und auf vielen der Bücher stand immer wieder mein Name... Zumal ich irgendwann später auch dort am Sonntag ausgeholfen habe und mir dafür die Bücher umsonst ausleihen konnte!
    Übrigens - vielen Dank für Deine nette Plauderei aus dem Nähkästchen! So ein "Ausflug" in die Vergangenheit ist einfach herrlich!
    Liebe Grüße
    Christine

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.