Dienstag, 15. Dezember 2015

Die Schlittenfahrt - Gedicht - Reizwortgeschichte

Heute gibt es wieder nur ein Gedicht, obwohl die Reizwörter:
Schlitten, Glocke, bimmeln, gesichert, überrascht
sich ganz wunderbar für eine Weihnachtsgeschichte eignen würden.
Doch ich bin ein wenig ausgebrannt, schließlich ist dies bereits die 89. Reizwortgeschichte.
Deshalb mache ich jetzt auch bist 15. Januar eine Pause.
Ich wünsche euch allen ein wunderschönes Weihnachtsfest, kommt gut in das neue Jahr und bleibt auch nächstes Jahr so treue Leser in meinem Blog.
Danke, dass es euch gibt.



 

Schlittenfahrt


Hurtig trabt der weiße Schimmel
Fröhlich seine Glöckchen bimmeln
Eingehüllt in warme Decken
Kann die Kälte uns nicht schrecken.
Große Flocken, weiße Pracht
Winter, wie hast die Welt du schön gemacht
Rote Bäckchen, blanke Augen, stimmen froh ein Lied wir an
Selbst der Kutscher brummt ganz leise, obwohl er doch nicht singen kann
Ein Hirsch edel und stolz
Kommt aus dem Unterholz
Regungslos bleibt er jetzt stehen
Überrascht uns hier zu sehen
Weiter geht’s , das Ziel erreicht
Das kleine Kirchlein, gleich hinter dem Teich
Gesichert ist der Schlitten, das Pferd versorgt
Schnell nun aber hinein, in den wärmenden Hort
Weihrauchduft und brennende Kerzen
Empfängt uns, erreicht unsere Herzen
Jubelnd vom Chor nun die Orgel erklingt
Alle erheben sich, vom Blatt man singt
Die schönen Weihnachtslieder, die lobpreisen die Mutter und ihr neugeborenes Kind
Nur für Josef kein einziges Wort man find'
Der Priester spricht den Segen, wir dürfen hinaus
Wünschen allen frohe Weihnacht und fahren nach Haus
Hurtig trabt der weiße Schimmel
Fröhlich seine Glöckchen klingen





Dienstag, 8. Dezember 2015

Hermann verliert sein Zuhause - Reizwortgeschichte

Vielelicht erinnert ihr euch noch an die Geschichte, die Regina und ich letztes Jahr Weihnachten gemeinsam geschrieben haben. 
Wer es noch nachlesen will, hier ist der Link.


Den griesgrämigen kleinen Troll habe ich so ins Herz geschlossen, dass ich unbedingt von ihm mehr erzählen möchte.
Heute habe ich mal den Anfang gemacht und ich denke, er wird noch viele Abenteuer erleben.

Und da die heutigen Reizwörter:  
Tanne, Nase, süß, sammeln, kriechen
von Regina stammen, hat auch sie ein wenig Anteil an der Geschichte.
Elli hat mir Fotos von ihrer Troll-Puppe gemacht und Heide Marie hat mir Bilder dazu gezeichnet.


  

Herman verliert sein Zuhause


Hermann stapft auf seinen kleinen stämmigen Beinen durch den Wald und hinterlässt im frisch gefallenen Schnee Fußspuren so klein wie Babyschuhe.
Als er Stimmen hört versteckt er sich schnell hinter einem Busch.
Zornig runzelt der kleine Troll die Stirn. Da war er schon wieder der Grünberockte und diesmal hatte er noch einen Mann dabei. Was wollten die nur hier, sie sollten gefälligst verschwinden.
Hermann presst unwillig die Lippen zusammen.
Die Tanne gehört schließlich ihm, denn darunter liegt seine kleine gemütliche Wohnung.
Es raschelt und der braun gefleckte Jagdhund steht vor Hermann.
Verschwinde!“ zischt dieser und wedelt heftig mit beiden Händen.
Der Hund sieht ihn nur mit seinen braunen Augen aufmerksam an.
Da haut ihm Hermann eins auf die Nase und macht sein schrecklichstes wütendes Trollgesicht. Der Hund jault leise und schiebt sich rückwärts aus dem Gebüsch.
Der Troll aber stapft mit den Füßen auf und schlingt die Arme um sich, denn langsam beginnt er zu frieren.
Endlich, sich leise unterhaltend gehen die beiden Männer weiter, gefolgt von dem Jagdhund, der noch einmal zurück blickt.
Hermann wartet noch ein wenig, dann läuft er so schnell ihn seine stämmigen Beine tragen können zu der Tanne und schlüpft in seine Wohnung.
Gemütlich hat er es sich eingerichtet. Die Hälfte des Raumes nimmt ein weiches Bett aus Moos ein. Ein Schaukelstuhl, von ihm selbst gezimmert, steht davor und gegenüber auf einem Tisch stehen einige Gläser mit Marmelade, Kirschen, und Mirabellen, daneben liegt ein großer Löffel. Unter dem Tisch sind Nüsse, die er im Herbst gesammelt hat, aufgehäuft
Die Gläser mit der Marmelade und eingemachtem Obst hat ihm der Mann ohne Haare gebracht.
Einmal, es war im Sommer gewesen, hatte Hermann sich in einem Dornbusch verfangen und der alte Mann hatte ihn gerettet. Seitdem sind sie Freunde und ab und zu kommt der Mann ohne Haare vorbei und bringt ihm etwas zu essen, besonders jetzt im Winter, wo im Wald nichts mehr zu finden ist.
Hermann nimmt den Löffel und taucht ihn tief in das Marmeladenglas. Genussvoll lässt er dann die süße Köstlichkeit im Mund vergehen. Hmmm! Hermann hat eine große Schwäche für Süßigkeiten.
Zufrieden setzt er sich auf seinen Schaukelstuhl und seine Gedanken schweifen in die Vergangenheit.
Er war der letzte Troll, der nach der großen Katastrophe übrig geblieben war. Der mächtige Feenkönig hatte das Trollreich vernichtet und nur er blieb verschont, wegen seines guten Herzens.
Hermann war der jüngste und schwächste seiner Familie und schon immer etwas anders. Seine Geschwister hänselten und knufften ihn, sein Vater verachtete ihn und seine Mutter schämte sich seiner.
Und auch den anderen Trollen war er ein Dorn im Auge, besonders nachdem er einen Wichteljungen aus dem See gerettet hatte.
Trolle taten so etwas nicht, sie waren böse, raubten, zerstörten und freuten sich an dem Elend, das sie hinterließen.
Gutsein bedeutete Schwäche und Schwäche war verachtenswert. So hatte Hermann früh gelernt sein gutes Herz hinter einer finsteren Miene zu verbergen.
Das Trollreich lag in einer Schlucht umgeben von riesigen Bergen. Auf einer großen Wiese weideten die Tiere, die sie von ihren Raubzügen bei den Bauern im Tal, mitgebracht hatten.
Schiefe hässliche Häuser reihten sich aneinander, in denen die Trolle aber nur schliefen wenn es regnete, ansonsten lagerten sie im Freien.
Wenn sie wieder einmal von einem Raubzug zurück kamen, dann feierten sie ein Fest das tagelang dauerte.
Hermann aber hielt sich abseits. Er fühlte sich nicht wohl unter den grölenden, schmatzenden, rülpsenden Artgenossen.
Eines Tages aber trieben sie es zu weit. Sie brachten von ihren Raubzügen die schöne Tochter des Feenkönig mit. Der Sohn des Anführers wollte sie heiraten, da diese sich aber weigerte, sperrten sie das Mädchen in eine Hütte. Dort wollten sie sie hungern lassen bis sie ja sagte.
Hermann aber hatte Mitleid mit der Feenprinzessin. Als nach einem ausgiebigen Gelage alle wieder schliefen, nahm er den Schlüssel aus der Tasche des schnarchenden Anführers und befreite das Mädchen.
Dies sollte ihm das Leben retten.
Denn bereits am nächsten Morgen kam der Feenkönig und rächte sich fürchterlich. Er ließ die großen Felsen ringsum einstürzen und vernichtet das Trollreich und alle seine Bewohner. Nur Hermann blieb verschont, weil er die Prinzessin befreit hatte.
Ein lautes Klopfen holt Hermann aus seinen Gedanken zurück. Er öffnet die knarrende Tür und steckt seinen dicken zotteligen Kopf heraus.
Draußen steht der Mann ohne Haare und bei ihm die beiden Langhaare, mit denen er in letzter Zeit immer durch den Wald streift.
Was willst du?“ fragt er grimmig.
Du hast ja heute wieder eine Laune!“
Wer sind die Langhaare?“ der Kleine deutet mit dem Finger auf die Mädchen.
Das sind meine Enkelinnen Renate und Susi, sie wollen dich kennen lernen.“
Also nun kennen sie mich ja!“
Der Troll will zurück in seine Wohnung, doch blitzschnell packt ihn der alte Mann am Rockzipfel und hebt ihn hoch.
Hermann zappelt mit den Beinen und schlägt mit den Armen um sich.
Lass mich sofort los, du dummer alter Mann!“ kreischt er wütend.
Du kannst nicht hierbleiben, bald kommen die Waldarbeiter und werden den Baum fällen.“
Niemand wird meine Wohnung fällen, ich werde sie verzaubern.“
Du vergisst, dass dir deine Zauberkräfte genommen wurden,“ meint Opa Schindel leise und setzt Hermann vorsichtig auf den Boden.


Der Troll sieht traurig auf seinen Baum, der solange sein Zuhause war.
Du kannst bei mir im Schuppen wohnen, dort hast du Platz und es ist schön warm.“
Ja und wir werden es dir ganz gemütlich machen,“ versprechen die Mädchen.
Ich will aber nicht bei dir wohnen, ich will hier bleiben, hier unter meinem Baum!“
Wütend stapft der kleine Gnom mit dem Fuß auf, dann setzt er sich in den Schnee und beginnt lauthals zu weinen.
Mitleidig beugen sich die Mädchen zu ihm hinab und Renate nimmt die Plätzchendose aus dem Rucksack und als sie den Deckel öffnet versiegen die Tränen so schnell wie sie gekommen sind.
Die Hand des Trolls fährt blitzschnell in die Dose, packt ein paar Plätzchen und stopft sie in den Mund.
Opa und die Mädchen lachen.
Hermann aber verschwindet in seinem Haus und kommt gleich darauf mit den Einmachgläsern wieder, die er im Schnee abstellt.
Renate und Susi verstauen die Gläser in ihren Rucksäcken.
Der Troll läuft zurück und als er wieder kommt zieht er seinen Schaukelstuhl hinter sich her.
Opa Schindel nimmt den Stuhl unter den Arm und dann gehen sie gemeinsam nach Hause.
Sehr viel später, als Hermann in seiner neuen gemütlichen Stube in der Ecke des Schuppens in seinem Schaukelstuhl sitzt, einen Teller voller Plätzchen auf dem Schoß, eine lecker duftende Tasse Kakao auf dem Tisch neben sich, da ist er doch recht zufrieden mit seiner neuen Behausung.



Am nächsten Morgen kommt eine der Langhaare, Susi heißt sie wohl, zu ihm in den Schuppen und fragt, ob er mit ihnen kommen möchte, sie wollen seine Tanne im Dorf bewundern.
Erst will er nicht, doch dann siegt die Neugier, vielleicht waren es ja auch die Plätzchen, die das andere Langhaar bringt und sich der Bitte anschließt.
Hermann wird in Susis Rucksack gesteckt und nun gehen die vier mit dem Troll auf dem Rücken ins Dorf.
Hermann staunt, wie wunderschön seine Tanne aussieht. Sie ist geschmückt mit Kugeln, Strohsternen, Engeln und Lametta und hunderte von Lichtern leuchten.
Als dann die Menschen noch anfangen zu singen, da wird es dem Troll ganz eigenartig ums Herz.

Und er ist stolz auf seinen Baum, er nun in einem wunderbaren Licht erstrahlt.







Dienstag, 1. Dezember 2015

Ende einer Wollmaus - Reizwortgeschichte

Heute erzähle ich euch keine Geschichte, oder vielleicht doch aber in Form eines Gedichtes.

Die Reizwörter sind:
Wollmaus, Reihenhaus, schauen, holen, verschlossen

Meine Internetfreundin aus Griechenland Heide Marie hat mir entzückende Bilder zu dem Gedicht gemalt, aber Schwierigkeiten mit dem Internet. Wenn sie später noch kommen sollten, dann werde ich die Bilder hier einsetzen.






Das Ende einer Wollmaus



In einem alten Reihenhaus
Lebte eine kleine kuschelige Wollmaus
In der Ecke unterm Schranke versteckt
Blieb sie viele Jahre unentdeckt
Im Hause wohnte Herr Friederich, nebst Gattin Anemone
Und Günther, ihrem Sohne
Der Junge, nun, er wuchs heran
Zu einem stattlichen jungen Mann
Die Zeit war da, sich um zu schauen
Unter all den Mädchen und den Frauen
Verschlossen blieb so manche Tür
Dann endlich begegnete er Ihr
Sieglinde hieß das holde Mädchen
Und wohnte hier im kleinen Städtchen
Herr Friederich, nebst Gattin Anemone
Waren zufrieden mit der Wahl ihres Sohnes
Sieglinde war freundlich und sehr reinlich
Jedoch in manchen Dingen kleinlich
Unordnung und Schmutz konnte sie nicht leiden
Und versuchte deshalb ihn zu meiden
Als sie nun einzog in das Haus
Rief sie sofort: „ Wie sieht' s hier aus!
Hier kann ich nicht leben!
Sauberkeit ist mein Bestreben!“
Schnell holte sie sich Eimer, Lappen, Besen



Und das ist das Ende der armen Wollmaus gewesen
Sie, die ihr ganzes Leben glücklich und zufrieden
in ihrer Ecke war geblieben
Wurde nun aus ihrer beschaulichen Ruhe geweckt
Und in einen Sack gesteckt
Und die Moral von der Geschicht'
Als Wollmaus entkommst du einem Putzteufel nicht


Dienstag, 24. November 2015

Hiernonymus und der Stift des Glücks - Reizwortgeschichte

Wie schnell die Zeit doch vergeht. Heute in vier Wochen ist schon Heiligabend.
Nun zu den Reizwörtern, die wir in unsere Geschichte mit einbringen sollten:
Nachttischlampe, Bleistiftstummel, hecheln, offen, stoßen
Viel Spaß beim Lesen!






Hieronymus und der Stift des Glücks


Lena springt aus dem Schulbus und läuft die paar Meter zu dem alten Mietshaus. Ihr Schulranzen auf dem Rücken hüpft dabei fröhlich auf und ab.
Nachdem sie die ausgetretenen Holzstufen bis zum zweiten Stock hinter sich hat, klingelt sie an der Tür von Henriette Ohlsen.
Henriette wohnt gleich gegenüber von Lena und ihrer Mutter und passt auf das Mädchen auf, bis deren Mutter von der Arbeit kommt.
Die alte Frau öffnet und Balduin, der alte Dackel, drängt sich an ihr vorbei und begrüßt das Mädchen freudig.
Er bellt und hechelt etwas kurzatmig und wedelt heftig mit dem Schwanz.
Lena krault ihn zwischen den Ohren und stellt dann ihren Schulranzen ab.
Lena gehst du schon in die Küche, ich möchte nur noch die Glühbirne in meiner Nachttischlampe auswechseln.“
Das Mädchen nickt vergnügt und gefolgt von Balduin hüpft sie in die Küche, in der es herrlich duftet.
Auf dem Ofen blubbert ein Gemüseeintopf und in einem Topf schwimmen Würstchen.
Lena holt zwei Teller aus dem Küchenschrank und deckt flink den Tisch, während Balduin sich in sein Körbchen verzieht und sie von dort aus beobachtet.
Nach dem Essen holt Henriette ihr Strickzeug und das Mädchen macht ihre Hausaufgaben.
Es ist still in der warmen gemütlichen Küche, in der noch ein leichter Essensgeruch liegt. Nur das gleichmäßige Ticken der alten verschnörkelten Uhr und das leise Schnarchen des Dackels ist zu hören.
Lena klappt aufatmend das Heft zu. „Fertig nun muss ich nur noch ein Herbstbild malen.“
Sie holt aus ihrem Schulranzen den Zeichenblock und wühlt in ihrem Schlampermäppchen.
Tante Henriette hast du einen Bleistift?“
Sieh mal in der Krimskrams-Schublade nach Kind.“
Lena springt auf.
Sie liebt die Krimskrams-Schublade, in der Dinge sind, die man nicht mehr, aber vielleicht doch noch einmal gebrauchen konnte.
Eifrig wühlt Lena zwischen den alten Knöpfen, Resten von Garn und einer alten Schnur, einem abgebrochenem Schraubenzieher, Nägeln und noch so allerlei und zieht schließlich einen Bleistiftstummel heraus.
Zweifelnd betrachtet sie ihn.
Ob man den noch benutzen kann?“
Aber sicher,“ meint Henriette lakonisch, die nicht gerne etwas weg warf, bevor es total unbrauchbar war.
Lena schließt die offene Schublade und kommt zurück zum Tisch.
Erzählst du mir eine Geschichte während ich male?“
Henriette überlegt einen Moment und ihr Blick ruht auf dem Mädchen, das mit hochkonzentrierten Gesicht mit dem Stift über das Papier fährt.
Möchtest du die Geschichte von einem Stift hören, der Glück brachte ?“
Lena nickt und Henriette beginnt zu erzählen.

In einem alten Mietshaus, ganz oben unterm Dach wohnte Hieronymus Notnagel, ein junger Künstler.
Viele Möbel hatte er nicht.
Auf dem Boden lag eine Matratze mit einer Decke. Daneben stand eine alte Holzkiste, auf der ein alter Teller mit einer Kerze stand, denn man hatte ihm mal wieder den Strom abgestellt.
Auf einem alten wackeligen Tisch, dessen linkes Bein mit einem dicken Telefonbuch gestützt war, lagen kreuz und quer eine Menge Zeichnungen, die Ronny, wie man ihn nannte, angefertigt hatte.
Ein Stuhl, aus dem die Lehne herausgebrochen war, vervollständige die Einrichtung.
Vielleicht sollte man den Eimer in der Ecke noch erwähnen, denn, wenn es regnete, dann regnete es durch das löchrige Dach.
Den jungen Mann störte das Alles nicht. Er war ein fröhlicher Typ mit einem goldenen Herzen und durch kleine Aushilfsjobs verdiente er sich das Wenige, das er zum leben brauchte.
Und die Menschen mochten ihn wegen seiner fröhlichen unbekümmerten Art.
Ronny glaubte fest an seinen großen Durchbruch als Maler und in letzter Zeit mehr denn je, denn er war verliebt und wollte dem Vater seiner Liebsten imponieren.
Der reiche Bäckermeister Gottfried Semmel sah es gar nicht gern, dass der arme Hungerleider seiner Tochter Else
schöne Augen machte. Das Mädel war sowieso schon so verdreht, seit sie aus dem feinen Internat zurück gekommen war.
Einen Bäcker sollte sie heiraten, der einmal das Geschäft übernahm.
So hatte das Liebespaar also wenig Aussichten.
Else brachte jeden Morgen einen Korb mit frischen Brötchen und allerlei Leckereien zu dem Kiosk an der Ecke. Denn die alte Berta war ihre Verbündete.
Berta kochte in dem kleinen Raum hinter dem Kiosk einen guten Kaffee und frühstückte mit dem jungen Mann, der
dann seufzend den Liebesbrief seiner Else las, der jeden
Morgen zwischen den frischen Brötchen steckte.
Bevor er dann in die Arbeit ging, schlenderte er an dem Haus des Bäckers vorbei und Else winkte ihm von ihrem
Fenster aus zu.
So vergingen die Tage, der Herbst hatte schon längst die Blätter bunt gefärbt und sein Spießgeselle, der stürmische frostige Wind, hatte sie von den Bäumen gepustet.
Manchmal wollte Ronny die Hoffnung aufgeben jemals als Maler berühmt zu werden und überlegte sogar eine Bäckerlehre zu machen, denn er wollte seiner Else nahe sein.
Als er eines Tages von einem seiner zahlreichen Jobs nach Hause ging sah er vor sich eine alte Frau, die tief gebeugt immer wieder kurz stehen bleibend, durch den Park schlurfte.
Mitleidig sprach Ronny sie an.
Gute Frau, wohin müssen sie denn gehen, kann ich sie nach Hause bringen.“
Die alte Frau blieb stehen und ihre erstaunlich jungen Augen in dem von Runzeln übersäten Gesicht sahen ihn freundlich an.
Danke junger Mann, wenn sie mir ihren Arm reichen könnten.“
Sie zog fröstelnd das zerschlissene Schultertuch um ihre mageren Schultern.
Der junge Mann zog seine Jacke aus und hängte sie ihr über, dann legte er seinen Arm um die Alte, um sie zu stützen.
Als sie den Park verlassen hatten, blieb die Frau stehen, schlüpfte aus der Jacke und reichte sie Ronny.
Danke junger Mann von hier aus kann ich alleine weiter gehen. Aber weil sie so ein gutes Herz haben, will ich ihnen etwas schenken. Denken sie niemals daran ihren Traum aufzugeben, denn sie können Großes erreichen. Hier dieser Stift wird ihnen Glück bringen.“
Ronny betrachtete den einfachen unansehnlichen Kohlestift und steckte ihn in die Jackentasche, denn er wollte die alte
Frau nicht kränken.
Als er sich umwandte, um ihr zu danken, war sie verschwunden.
Doch von diesem Tag an, schien das Glück in sein Haus zu kommen.
Berta musste zum Zahnarzt und Ronny wollte in dieser Zeit auf den Kiosk aufpassen.
Es war nicht viel los. Die Menschen hasteten vorbei, ohne stehen zu bleiben und zwei Jungen spielten Fußball mit einer Blechbüchse, während ein Hund sie umsprang.
Ronny holte seinen Zeichenblock, um dieses Bild festzuhalten. Und wie durch Zauberhand lag plötzlich der Stift der alten Frau in seiner Hand. Mit schnellen gekonnten Strichen fuhr Hieronymus über das Blatt.
Aufatmend betrachtete er das Bild, das ihm besonders gut gelungen war, da begann der Stift in seiner Hand zu blinken, als würde er ihm zuzwinkern.
Ein Mann in einem teuren Pelz kam auf den Kiosk zu und verlangte eine Tasse Kaffee.
Ronny ließ die Espressomaschine laufen.
Zucker und Milch?“
Als er keine Antwort bekam, drehte er sich um und sah wie der Herr seine Zeichnung betrachtete.
Junger Mann sie haben Talent, das ist wunderschön und sehr detailgetreu. Malen sie auch Porträts?“
Rony nickte.
Auch in Öl?“
Ja.“
Der gut gekleidete Herr reichte ihm eine Visitenkarte.
Ich bin Kommerzienrat Goldner, kommen sie morgen zu dieser Adresse, ich möchte, dass sie ein Porträt meiner Frau malen.“
Dann ging er, ohne seinen Kaffee getrunken zu haben.
Rony malte das Porträt und es wurde in der feinen Gesellschaft bewundert.
Bald konnte er sich vor Aufträgen nicht mehr retten.
Er heiratete seine geliebte Else und niemand war stolzer
auf seinen berühmten Schwiegersohn, als Bäckermeister Semmel.“
Das war schön und mein Bild ist auch fertig, gefällt es dir?“
Henriette bewundert das schöne Herbstbild.
Balduin aber verließ sein Körbchen und lief zur Tür.
Ich glaube Lena, wir drehen noch eine Runde mit Balduin, bevor deine Mutter kommt.“

© Lore Platz


Donnerstag, 19. November 2015

Über das Glück




Ich bin wirklich überwältigt, innerhalb einer Woche hatte ich mehr als siebenhundert Besucher.
Es freut mich, dass es euch hier bei mir gefällt.
Danke für euren Besuch.
Mein Freund, die Nachtigall, hat mir wieder eines seiner schönen Gedichte geschickt.
Es handelt von dem kleinen Glück.
Ich habe mir darüber einmal so meine Gedanken gemacht.
Pearl S. Buck eine Frau, die ich sehr bewunderte und deren Bücher ich gerne las, sagte einmal:

"Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten"

Und wenn ich so zurück denke und an die vielen Menschen, denen ich so im Laufe meines Lebens begegnet bin, dann waren etliche dabei die am Glück vorbei lebten.
Die meisten ihrer Sätze begannen: " wenn doch ... dann wäre alle besser.
In dem Forum bei dem ich dabei bin. höre ich oft von Kinderarmut, Rentnerarmut und wie schlecht es uns Deutschen doch geht.
Wo aber beginnt Armut?
Ich kann alles haben und doch arm sein, wenn ich die innere Zufriedenheit nicht habe.
Vielleicht errinnert ihr euch an die Geschichte über meine Patentante, eine wirklich arme Frau aber so bescheiden, liebevoll, fröhlich und vor allem zufrieden.
In der Erzählung nur "Nur ein Päckchen Kaffee" habe ich ihr ein Denkmal gesetzt.
Ich setze euch die beiden Links hier ein, solltet ihr die Geschichten noch nicht kennen
 

Es ist so leicht glücklich zu sein und auch andere glücklich zu machen.
Ich versuche  mit meinen Geschichten ein wenig Glück in euren Alltag zu bringen und hoffe, dass es mir gelingt.




Glück im Alltag

Ein Sonnenstrahl am Morgen,
oder ein Licht in dunkler Nacht,
vertreibt alle Sorgen,
und das Leben schöner macht.

Ein Kind das herzlich lacht,
und lachen steckt uns an,
ob am Tag oder in der Nacht,
wie glücklich sind wir dann.

Nachts ein sternenklarer Himmel,
ein Farbklecks an der Wand,
ein liebes Glockengebimmel,
ein Blümchen am Straßenrand.

In der Nacht ganz ruhig schlafen,
und ein schöner Traum,
lieblich im Ehehafen,
ein blühender Fliederbaum.

Kein Geld kann es ersetzen,
ist der Reichtum noch so groß,
wenn in der Ehe fliegen Fetzen,
dann ist alles Glückslos.

Gesund und glücklich leben,
ist doch oberstes Gebot,
von Zufriedenheit umgeben,
lindert alles, auch die Not.

Des Glückes holdes Wesen,
kein Gold bringt es zurück,
wie wichtig ist doch im Leben,
des Alltags kleines Glück.

Die Nachtigall



 












Dienstag, 17. November 2015

Über die Fotografie und eine private Fotoschau - Reizwortgeschichte

Um eure Frage zu beantworten, meine Schwester und ich haben Arco und sein Herrchen leider nie wieder gesehen.
Doch nun zu den heutigen Reizwörtern.
Diesmal gilt es die Wörter:
Bild, Kugel, erscheinen, auffahren, bereichert
unterzubringen.
Viel Spaß beim Lesen und anschauen


Der erste Zahn, den die Zahnfee mitnahm



Über die Fotografie und eine private Fotoschau


Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!
Dieses geflügelte Wort stammt angeblich von Paul Julius Freiherr von Reuter (1816 – 1899) Begründer der Nachrichtenagentur „Reuters“
Heute ist das fotografieren für uns selbstverständlich und kinderleicht.
Ich kann mich noch erinnern, als im Kindergarten Fotos gemacht wurden und der Fotograf einen riesigen Kasten aufbaute und dann hinter einer dicken Decke verschwand.
Oder wie mein Vater an Weihnachten eine Schnur spannte, sie mit Alufolie umwickelte, anzündete und dann schnell zu uns kam. Dies sollte wohl das Blitzlicht ersetzen.
Anfangs waren die Fotos ja schwarzweiß, später dann, ich denke mal so Anfang der siebziger, wurden die Bilder bunt.

 
Das Handarbeitgeschäft meiner Mutter
Meine selbstgebaute Schneekugel

Im Kindergarten durfte ich 
als Verkündigungsengel erscheinen




als 4-jährige auf dem Umzugswagen


Dass wir überhaupt fotografieren können haben wir dem
Franzosen Josef Nicephore Niepce (1765 – 1833) zu verdanken.
Um 900 herum entdeckten arabische Astronomen das Prinzip der Kamera. Es handelte sich dabei um einen Kasten mit einem Loch in der Mitte, in dessen Inneren sich eine auf dem Kopf stehende Abbildung erzeugen ließ.
Diese „Camera obscura“ kombinierte Niepce 1816 mit lichtempfindlichen Chemikalien und erfand den Fotoapparat.
1826 konnte er seine Bilder fixieren.
Heute können wir uns die Fotografie gar nicht mehr wegdenken und Fotos unterstreichen unsere Erinnerungen. 
Gigantisch

Kein Wunder, dass ich ein wenig bedröppelt gucke, denn meine Tochter ein überaus braves Kind, aber mit eigenem Kopf, probte den stillen Widerstand. Wenn ihr der Brei nicht schmeckte, schob sie ihn einfach mit der Zunge wieder heraus.
Unser Clown
Papa als Bär


 Oma ließ ihre berühmte Buttercremtorte auffahren zum ersten Geburtstag von Claudia


Hier habe ich den Müslibehälter fallen lassen

Lore übt auf dem Idiotenhügel, landete aber immer wieder auf dem Allerwertesten, ein Glück, dass der Schnee so weich war. Einmal sauste ein etwa fünfjähriges Mädchen an mir vorbei und rief: "Ich kann schon fahren ohne hinzufallen!"



In der Weihnachtsbäckerei

Und nun zum Schluss noch die Zwillinge, die ich in Pflege hatte, der Abschied tat sehr weh, aber sie haben doch zwei Jahre unseres Lebens bereichert.
Ich hoffe das kramen mit mir in meiner Fotokiste hat euch gefallen.