Donnerstag, 29. Januar 2015

Ich lade gern mir Gäste ein - Vertauschte Stimmen

Wieder hat mir eine Internetfreundin eine von ihr geschriebene Geschichte geschickt und da sie mir gefällt, möchte ich sie euch vorstellen. 
Viel Spaß beim Lesen!





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Die Idee zu dieser Geschichte entstand während einer Alberei mit meinem Enkel vor zwei Jahren. Wir redeten uns mit vertauschten Tierstimmen an, da bekam z.B.der Löwe eine kleine Katzenstimme und die Eule die Stimme des Löwen. Das hat uns großen Spaß gemacht. Und ich sagte, daraus können wir doch eine Geschichte entwickeln.







Vertauschte Stimmen

 
Vor langer Zeit, als die Kobolde noch ihr Unwesen trieben in den Wäldern, hat sich eine besondere Geschichte zugetragen.
Alle Tiere des Waldes lebten in völliger Harmonie miteinander.
Nur von Zeit zu Zeit kamen die Kobolde und brachten den Frieden durcheinander.
Und hier fängt die Geschichte an...

An einem wunderschönen Morgen, es war Sommer, begann die Sonne ihre Bahnen zu ziehen.
Und als Sie durch das Blattwerk der Bäume blinzelte entdeckte sie einen kleinen Hasen, der im Dickicht der Schonung lag, leise schluchzte und vor Kälte zitterte.
Oje, „dachte die Sonne, „ ich werde ihm mal einen besonders warmen Strahl schicken, dass er sich daran erwärmen kann. Was hat er eigentlich so mutterseelenallein dort zu suchen?“
Das Häschen wachte auf und freute sich sehr, dass es die Sonne besonders gut mit ihm meinte.
Es stand auf und streckte die kleinen Hasenglieder, die vom Schlafen und der Kälte der Nacht noch ganz steif waren. Ein wenig verwirrt überlegte es, wie es da wohl hingekommen sei und warum?
Da fiel ihm ein, dass die Mutter gestern noch sagte, er solle nicht so tief in den Wald hinein laufen und schon gar nicht allein.
Aber das Häschen hielt sich nicht daran. Ein Schmetterling war vor ihm her geflogen und staunend folgte er ihm. Immer weiter lief er ihm nach und vergaß die Warnung der Mutter.
Er war so wunderschön, doch wenn das Häschen nach dem Schmetterling greifen wollte, welcher sich auf einer Blüte aus ruhte, so erhob sich dieser wieder und flog taumelnd weiter.
So geriet das Häschen immer tiefer in den Wald.
Das Spiel ging eine ganze Weile so weiter und es gefiel beiden. Auf einmal war der Schmetterling nicht mehr zu sehen, weil es dunkel wurde.
Das kleine Hasenkind stand Mutterseelen allein mitten im Wald und fürchtete sich ganz arg. Was sollte es tun? Keinen konnte es fragen, alle Tiere des Waldes waren schon längst verschwunden und schliefen bereits. Da blieb ihm nichts anderes übrig, als sich ebenfalls ein Schlafplätzchen zu suchen, um auf die liebe Sonne zu warten, die ihn am Morgen wecken würde.

Ja, da war sie nun und hatte das kleine Häschen entdeckt..........

Zur selben Zeit, hoch oben in den Bäumen, saßen die Vögel und wollten ausgeruht von der Nacht, mit ihrem lieblichen Gesang den Tag begrüßen.
Aber was war das? Als sie ihre Schnäbel öffneten, kam ein so fürchterliches Gekrächze heraus, dass das Häschen vor Schreck schnell davon hoppelte.
Oje, wie erging es den armen Vögeln? Vor Entsetzen hielten sie sich die Schnäbel zu und schauten ratlos umher.
Von diesem fürchterlichen Gekrächz und Geschrei wachte die Eule endlich auf, die bislang noch, schlaftrunken, auf ihrem Ast in der hohen Buche hockte. Dass hier etwas nicht stimmte, ahnte sie sehr schnell.
Sie flog zu den anderen Vögeln, um zu sehen, was da so los sei.
Als sie angekommen war, und alle begrüßen wollte, sperrte sie den Schnabel auf, aus dem kein vertrautes UHU kam, sondern ein fürchterliches Gebrüll,so dass man meinen könnte, hier fliegt ein Löwe durch die Luft.
Ohhh, wie erschrak sie da und verfehlte fast den Ast, auf welchem sie gerade landen wollte. Sie hielt sich ebenfalls den Schnabel zu und schaute völlig entsetzt die anderen Vögel an. Da war guter Rat teuer...
Ein paar Meter weiter, hinter den hohen Tannen, versteckten sich die Kobolde und beobachteten die Verwirrung, die sie angestiftet hatten.
Wie freuten sie sich diebisch, dass ihr Plan aufgegangen war.
Am besten gefiel ihnen die gewaltige Stimme des Löwen, die sie der Eule zugedacht haben.
Nein, war das ein Fest für die Kobolde.
Endlich war mal wieder richtig was los im Wald. Viel zu sehr langweilten sie sich. Lange hatten sie über einen geeigneten Schabernack nach gedacht, der ihnen so richtig gefiel.
Nun hofften sie, dass den Tiere lange keine Lösung einfiel ,um das Ganze rückgängig zu machen .
Sie wollten sich noch recht lange erfreuen an der Verwirrung, für die sie gesorgt hatten. Fast wurden sie schon übermütig und dachten über noch mehr Gemeinheiten nach.
In ihrem Glücksrausch hatten sie den kleinen Hasen nicht bemerkt, der sich von seinem Schreck erholt hatte und zurück gekommen war.
Er hörte die Kobolde, die hinter den Bäumen waren und sehr laut und durcheinander redeten.
Das Häschen schlich heran, legte sich in eine Furche, die ganz in der Nähe war und hörte ihnen, muxmäuschen still, zu.
Einiges wusste es ja schon, wozu die Kobolde fähig waren, aber dass sie so gemein sein konnten, das hätte es nicht gedacht.
Gespannt lauschte das Häschen, stellte die Löffel auf und hoffte, dass die Kobolde das Zauberwort verraten, mit welchem man alles rückgängig machen kann.

Es sollte recht behalten!

Die Kobolde waren so sehr begeistert von sich, weil ihnen dieser Streich so gut gelungen war. Sie wurden immer lauter, leider auch unvorsichtiger. Keinen Gedanken verschwendeten sie daran, dass vielleicht jemand sie belauschen könnte.
Wenn die wüssten, dass es ein kleines Häschen sein würde, welches dafür sorgte, dass alles wieder seine Ordnung hat hier im Wald, dann würden sie nicht so fröhlich und laut sein.
Das kleine Häschen lag in seiner Sasse, dicht an den Boden gepresst und hörte weiter den Kobolden zu, die noch lauter wurden.
Es traute sich kaum zu atmen und hatte natürlich auch Angst.
So bemerkte es auch nicht, dass sich ein anderes Tier ihm näherte.
Und als eine Stimme dicht neben ihm fragte: „Willst du mit mir spielen?“ erschrack das kleine Häschen sehr, dass es meinte seine Tarnung sei aufgeflogen.
Erleichtert atmete es auf, als es ein anderes Häschen erblickte.
Mit seinen Pfötchen zeigte es ihm, dass es still sein und sich leise zu ihm gesellen solle.
Nun lagen sie beide nebeneinander in der Sasse.
Leise erzählte das kleine Häschen, was sich hier im Wald so
sonderbares zugetragen hatte.
Daraufhin daraufhin sagte das andere Häschen, dass es auch ungewöhnliches erlebt habe, auf dem Weg hierher.
Aus sicherer Entfernung hatte es einen Wolf beobachtet, der kopfschüttelnd durch den Wald trabte, und sonderliche Töne von sich gab. Es hörte sich an, als würde er zwitschern, wie ein Vögelchen.
Aber das Häschen achtete nicht darauf, es musste sich ja schnell entfernen, um nicht bemerkt zu werden.
Ja, der Wolf mag auch kleine Häschen ganz besonders gern.
Aber nicht gerade zum Spielen.
Das, liebe Kinder, wissen wir aus dem Märchen "Rotkäppchen", wo er die Großmutter gefressen hatte, es hatte aber ein gutes Ende, das wisst ihr doch noch?
Nun, wie geht es denn hier weiter?
Das werde ich euch erzählen.
Die Kobolde wurden noch übermütiger, so sehr gefiel ihnen das Spiel mit den vertauschten Stimmen, dass sogar einer den magischen Spruch ausposaunte, mit welchem ihre Gemeinheit wieder rückgängig gemacht werden konnte.

Er hieß:

"Alle Stimmen des Waldes mein, sofort in die der anderen Tiere hinein"

Übermütig gröhlten sie und tanzten vor lauter Freude, bis es einem auffiel, dass der Spruch nicht stimmt und schrie vor lauter Ärger:
"Das ist nicht der Zauberspruch für die Verwandlung !"
Jaaa stimmten die Anderen mit ein, denn jetzt merkten sie es auch.
Nun, ich wollte es spannend machen, ihr Dummfnasen, lachte meckernd der Kobold,
der Entzauberungsspruch heißt nämlich:

"Alle vertauschten Stimmen der Tiere mein, zurück in die rechten Tiere hinein"

Jetzt gab es kein Halten mehr, alle brüllten nur noch lauter und kugelten sich vor Vergnügen auf dem Waldboden umher. So glücklich und ausgelassen waren sie lange nicht mehr.
Sie ahnten nichts, nichts von den kleinen Spionen, die immer noch ängstlich, aber sehr glücklich in ihrer Sasse lagen.
Die beiden Häschen grinsten sich an und mussten sich ganz doll zusammen reißen, um nicht laut los zu lachen.
Leise, ganz leise zogen sie sich zurück und verließen ihre Sasse.
Sie hoppelten zu der Lichtung, auf der sich nach und nach alle Tiere des Waldes einfanden, um gemeinsam zu beratschlagen, was zu tun sei.
Alle redeten sehr laut und aufgeregt durcheinander.
Da sie mit vertauschten Stimmen sprachen, war es sehr schwierig ihnen zuzuhören.
Es war fast schon zum Lachen, so komisch hörte sich das an.
Aber leider war es bitterer Ernst. Es kann doch nicht sein, dass man denkt, wenn die Eule durch die Luft fliegt, man meinen könnte, da oben sei der Löwe unterwegs.
Und wenn der Löwe durch die Wälder streicht, man denken könnte, da kommt ein kleines Kätzchen daher.
Nein nein, es muss alles wieder seine Ordnung haben.
In der Zwischenzeit waren auch die kleinen Hasen angekommen.
Eine kleine Weile hörten sie den Tieren zu und gaben sich zu erkennen. So erzählten sie, was sie von den übermütigen Kobolden eben gehört hatten.
Die Eule fragte zwischendurch mit ihrer Löwenstimme: "wie kann es denn sein, dass die beiden Hasenkinder nicht verzaubert seid ?"
Nun, es war wohl so, als die Kobolde den Zauber aussprachen waren die Häschen nicht im Wald.
Eine andere Erklärung gab es nicht.
Das sah dann auch die Eule ein. Und nun lauschten alle Tiere, was die beiden Häschen weiter zu berichten hatten.
Muxmäuschen still war es, bis sie den Bericht zu Ende gehört hatten. Aber dann wurden die Tiere laut, sehr laut. Alle redeten sie, nein, sie brüllten, krächsten, miauten, zwitscherten und brummten durcheinander.
Nur nicht vor Freude.
Sie waren sehr wütend und ärgerten sich, dass man ihnen so übel mitgespielt hatte.
Die Eule beruhigte sich als erste und gebot den anderen Tieren wieder leise zu sein. Die Kobolde sollten nicht hören, dass sie sich alle versammelt hatten und auch noch ihren Ent-Zauberspruch kannten.
Das hatten sie zwei ganz tapferen kleinen Hasen zu verdanken.
Oh, wie die sich freuten, dass alle Tiere des Waldes stolz auf sie waren.
Und jetzt begannen alle nachzudenken, wie sie dem Spuk ein Ende bereiten konnten.
Sie hatten zwar den Entzauberungsspruch, aber leider wusste keiner wie sie ihn anwenden sollten.
Zuerst versuchten sie es alle zusammen, aber da passierte nichts.
Dann sagte die Eule, wir müssen es leise versuchen. Und jetzt murmelten sie ganz leise diesen Spruch. Wieder passierte nichts.
Nun gab es nur noch die Möglichkeit, dass jedes Tier den Zauberspruch allein aufsagt.
Als alle Tiere, auch das noch so Kleinste ihn aufgesagt hatten, es aber immer noch nicht funktionierte, gab es vielleicht wirklich eine allerletzte Möglichkeit:

Die beiden Häschen !

Ja, die waren nicht verzaubert, vielleicht war das die Lösung ?
Die Eule freute sich: " Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen ?
Nun, versuchen wir es."
Die beiden Häschen sahen sich an und zugleich sagten sie den magischen Zauberspruch auf:

"Alle vertauschten Stimmen mein,
zurück in die rechten Tiere hinein"

Einen Moment lang wurde es still im Wald, ganz still.
Und dann ?
Dann war es vollbracht und alles hatte wieder seine Ordnung.
Ja, es stimmte, dieser Zauberspruch konnte nur wirken, wenn ihn jemand ausspricht, der nicht verzaubert war. Und das waren die beiden Häschen, sie waren nicht verzaubert.
Die Tiere hatten ihre eigenen Stimmen wieder und freuten sich ganz, ganz doll. Gerade wollten sie ein lautes Freudengeschei anstimmen, da meldete sich die Eule wieder und sagte :
"Wir haben noch eine Aufgabe vor uns !"
"Eine Aufgabe ?" Alle blickten sie erstaunt an.
" Ach ja," rief das kleine Häschen, "wir wollen den Kobolden noch einen Denkzettel verpassen."
"Richtig"sagte die Eule und fragte :
"Wollt ihr, dass so etwas noch einmal passiert ?"
Nein, das wollten sie nicht.
Wieder fragte die Eule:
"Haben die Kobolde eine Strafe verdient ?"
Die haben eine große Strafe verdient, da waren sich alle einig.
"Gut," erklärte die Eule," jetzt müssen wir uns etwas ausdenken.
Es soll sie entlarven und blamieren, so dass sie schnellstens das Weite suchen. Und niemals sollten sie auch nur einen Fuß zurück in denWald setzen.
Und wenn wir sie mit Schimpf und Schande davon gejagt haben, feiern wir zusammen ein riesen großes Fest."
Nun jubelten alle und freuten sich sehr.
Vorher musste aber noch die Aufgabe gelöst werden.
Jetzt dachten alle Tiere angestrengt nach.
Auf einmal schlug die Eule aufgeregt mit den Flügeln. Erschrocken sahen das die Tiere und hatten Angst, dass sie jeden Moment vom Ast fallen würde. Es sah so aus, als könnte sie nicht mehr fliegen.
Aber sie schlug vor Freude mit den Flügeln, weil ihr eingefallen war, wie man die Kobolde aus dem Wald jagen könnte und schon fing sie an, den Tieren zu berichten, was ihr eingefallen war.
"Ihr wisst doch, dass die Kobolde eine Tarnkappe besitzen, die unsichtbar 
macht ?"
Ja, das wussten sie. Und weiter ?
"Jeder, der diese Kappe aufsetzt, wird unsichtbar und alle, die auch unsichtbar werden wollen, brauchen ihn nur anzufassen und werden ebenfalls unsichtbar."
Die Eule schaute umher, um zu sehen, ob die Tiere das verstanden hatten. Ja, alle hatten es verstanden und sahen die Eule erwartungsvoll an.
Und weiter ?
Die beiden kleinen Häschen dachten, diese Kappe müssten wir den Kobolden stehlen und das sagten sie ganz laut in die Runde, denn sie hatten ja nur eine kleine Hasenstimme.
Die Eule freute sich, dass die Tiere mit dachten. 
"Und wie wollen wir es anstellen?" fragten die Anderen.
"Selbst wenn wir uns anschleichen und nahe genug dran sind, so würden die uns doch sehen." 
"Hm, überlegte  die Eule," das geht nur von oben. Der Angriff kann nur aus der Luft kommen." 
Der Löwe meinte, dass er einmal gesehen hatte, wie ein Kobold sich unter einen Baum gesetzt hat und einschlief. Das war der Baum unter dem sie ihre zusammengeklauten Schätze vergraben hatten. Es musste immer einer von ihnen Wache halten, wenn die anderen unterwegs waren, um noch mehr Schätze von den Menschen zu stehlen.
"Und der Kobold, der unter diesem Baum schlief," so erzählte der Löwe weiter, "hatte sich vorher eine Kappe aufgesetzt und war auf einmal nicht mehr zu sehen.Die Kobolde wollten ja keinen dorthin locken, damit man ihre Schätze nicht findet." 
"Genau," rief die Eule, "das ist es, diese Tarnkappe holen wir uns.
Wir werden beobachten, wann sich ein Kobold zur Wache unter diesen Baum setzt. Dann wissen wir auch, dass er allein ist, weil die Anderen auf Beutezug waren."
"Und wie stellen wir es an ? Und wer fliegt dahin ?"
"Nun," sagte die Eule," es muss ein Vogel sein, der lautlos durch die Luft fliegen kann. Das kann nur der Adler." 
"Ja, das mache ich," sagte dieser.
"Ich stürze mich hinunter und reiße dem Kobold die Tarnkappe ab. Dann wird er sichtbar. Er wird fürchterlich umher schreien und damit die anderen Kobolde zurück rufen. Ich setze mir die Kappe auf und fliege euch entgegen. Alle bilden einen Kreis und fassen mich an. Und dann kann das Spektakel los gehen."
Die Eule war begeistert. "So machen wir es.........uhu."
Und was soll ich euch sagen ? Das hat geklappt, aber schön der Reihe nach.
Der Adler machte seinen Erkundungsflug, war zur rechten Zeit dort, er setzte sich auf einen Ast und beobachtete, wie die Kobolde sich versammelten und weg gingen. Und richtig, einer blieb und nahm unter einem Baum Platz.
Dieser setzte sich die Kappe auf und während ihm genüßlich die Augen zu fielen, schlief er ein. Dann war er nicht mehr zu sehen Aber der Adler hatte sich die Stelle gemerkt und wusste nun, wo der Kobold saß.
In der Zwischenzeit hatten sich die Tiere herangeschlichen und verhielten sich ganz leise. Nun gab der Adler der Eule ein Zeichen, dass er genau in diesem Moment runter fliegt, um dem Kobold die Kappe zu stehlen.
Das tat er dann auch. Im Sturzflug ging es nach unten und schnell riß er die Kappe vom Kopf des Koboldes. Dieser merkte im ersten Moment nicht was los war. Er träumte gerade, dass ihm jemand die Kappe vom Kopf reißt. Nun wachte er auf und stellte fest, dass es kein Traum war.
Indes flog der Adler den Tieren entgegen und landete in deren Mitte. Schnell bildeten sie einen Kreis um ihn, fassten ihn an und wurden ebenfalls unsichtbar. Gerade rechtzeitig, denn jetzt wurde es sehr laut.
Der Kobold fing ganz fürchterlich an zu schreien. Er stellte nämlich fest, dass seine Kappe wirklich weg und er nicht mehr unsichtbar war.
Von dem fürchterlichen Geschrei angelockt, kamen aus allen Himmelsrichtungen die anderen Kobolde zurück und sahen die Bescherung. Alle schimpften und schrien ebenfalls.
In ihrer Aufregung merkten sie nicht, dass sie umzingelt wurden von den Tieren des Waldes, die hatten sich in der Zwischenzeit leise herangeschlichen und wurden von den Kobolden nicht bemerkt, weil sie ja unsichtbar waren.
Jetzt bekamen sie von allen Seiten Hiebe, Knuffe, Ohrfeigen, richtige Prügel. Die Kobolde hatten keine Chance, sie bekamen nicht mit, von wo die Angriffe kamen, sie sahen nichts, aber bekamen viel, viel Prügel. Immer weiter weg wurden sie von ihrem Schatzbaum getrieben, geradewegs aus dem Wald und mussten alles zurück lassen. Alles, was sie den Menschen im laufe der vielen Jahre gestohlen hatten.
Durch ihre List konnte das geschehen, denn schlau waren sie.
Nur leider auch boshaft, raffsüchtig und gemein.
Als nun auch der letzte Kobold vertrieben war, zog der Adler die Tarnkappe von seinem Kopf und Alle waren wieder zu sehen. Wie freuten sie sich, dass alles so geklappt hatte, wie sie es wollten.
Ein großes Fest wurde gefeiert und im Wald kehrte wieder Ruhe und Frieden ein.
Da war doch noch etwas ?
 
Ach ja, die Schätze der Kobolde.
Die Tiere beschlossen, sie auszugraben und den Menschen zurückzugeben, vor allen denen, die nichts oder nur wenig hatten.
Das taten sie dann auch, aber nur nachts und heimlich.
Sie schlichen sich abends in die Dörfer. Im Schutz der Dunkelheit verteilten sie die Gaben und legten sie vor die Türen der Häuser, die sie am Vortag schon ausgesucht hatten.
Und nie hat auch nur ein Kobold jemals den Wald wieder betreten. Nur manchmal hört man ihr Gejammer, wenn es ganz still ist, denn sie weinen immer noch ihren Schätzen hinterher, die sie bei ihrem Rausschmiss aus dem Wald, zurück lassen mussten.


© Irene Müller



Dienstag, 27. Januar 2015

Irren ist menschlich - Reizwortgeschichte

Diesmal geht es um die Reizwörter:

Kalender, Schlüssel, schreiben, begeistert, erschöpft


Viel Spaß beim Lesen!









Irren ist menschlich


  
Hanna schlüpfte in den eleganten Hosenanzug und drehte sich schmunzelnd vor dem Spiegel.
Sie sah immer noch gut aus für ihre fünfundvierzig Jahre.
Naja ein paar graue Haare hatten sich eingeschlichen, aber die konnte man ja mit einer Tönung beseitigen.
Doch ihre gertenschlanke Figur hatte sie auch nach der Geburt ihrer Tochter Elvira behalten.
Daran waren wohl ihre guten Gene schuld, denn sie aß für ihr Leben gern.
Am Samstag feierten sie und Harald Silberhochzeit.
Kaum zu glauben wie schnell die Jahre doch vergangen waren und sie liebten sich noch wie am Anfang.
Ein zärtliches Lächeln flog über ihr Gesicht.
Ihr Harald, einen besseren Mann hätte sie nie bekommen können, dabei konnte sie ihn anfangs gar nicht leiden.
Sie hatte ihn damals auf einem Tanzfest kennen gelernt und er war ihr immer mächtig auf die Füße getreten.


Ganz blau waren ihre Zehen und sie hatte eine große Wut auf diesen Tolpatsch.
Doch immer wieder hatte er sie aufgefordert und als sie in seine guten lustigen und auch verlegenen Augen blickte, war es doch um sie geschehen.
Aber das Tanzen hatten sie dann sein lassen.

Hanna sah auf die Uhr.
Gleich kam ihre Freundin Carola, denn sie wollten zusammen ein Kleid für die Silberhochzeit aussuchen.
Harald machte wieder mal Überstunden, wie die letzten zwei Wochen bereits.
Da sie und Carola nach dem Einkaufsbummel noch mit ihren Freundinnen Ulrike und Erika einen Mädelabend machen wollten, würde es wohl spät werden.
Sie wollte Harald eine Nachricht schreiben.
Auf der Suche nach einem Blatt Papier ging sie in das Arbeitszimmer ihres Mannes.
Während sie in der Schublade kramte fiel ihr Blick auf den aufgeschlagenen Kalender.
Julia, 15.30 Cafe Bernauer“
Wer war diese Julia? Ging ihr Harald fremd, war ihre ganze Liebe eine einzige Lüge. Ja jetzt sah sie seine ständigen Überstunden in einem völlig anderem Licht.
Erschöpft ließ sie sich auf den Stuhl fallen.
Ihr Kopf war wie leer, sie konnte an gar nichts mehr denken und langsam wühlte sich der Stachel der Eifersucht in ihr Herz.
Ein laut anhaltendes Klingeln riss sie aus ihre Lethargie.
Müde schleppte sie sich zur Tür, öffnete ihrer Freundin und fiel ihr laut weinend um den Hals.
Diese tätschelte ihr erschrocken die Schulter.
Was ist denn los?“
Schluchzend berichtete Hanna ihrer Freundin von ihrem schrecklichen Verdacht.
Carola konnte es gar nicht glauben.
Sie kannte die Beiden doch schon viele Jahre und ein glücklicheres Paar gab es selten.
Weißt du was, wir fahren zum Cafe Bernauer und du wirst sehen, alles stellt sich als Irrtum heraus.“
Wenig später parkten sie in der Nähe des Cafes und warteten gespannt.
Dann fuhr der blaue Wagen vor und der Ahnungslose ging
hinein.
Hanna zerknüllte nervös das Taschentuch zwischen ihren Fingern und auch Caro trommelte nervös auf das Lenkrad.
Es dauerte nicht lange, dann kam Harald in Begleitung einer jungen Dame auf die Straße, hielt ihr charmant die Beifahrertür auf, beide lachten und dann fuhren sie weg.
Leichenblass lehnte sich Hanna zurück, Tränen liefen über ihre Wange.
Fahr mich bitte nach Hause. Ich kann jetzt nicht einkaufen, vielleicht sage ich die Silberhochzeit auch ab.“
Als ihr Mann spät abends nach Hause kam, stellte sie sich schlafend.
Harald wunderte sich zwar, dass seine Liebste so früh schon schlief, sonst wartete sie immer bis er nach Hause kam.
Aber sicher hatte der ganze Stress der Silberhochzeit sie müde gemacht.
Vergnügt pfeifend ging er ins Bad.
Am liebsten hätte Hanna sich die Ohren zugehalten, sie hatte sofort das fremde Parfüm an ihm gerochen.
Dieser Schuft.
Am nächsten Morgen hatte Hanna einen Entschluss gefasst.
Kampflos würde sie das Feld nicht räumen und als erstes würde sie sich ein atemberaubendes Abendkleid für die Feier kaufen.
Sie rief Caro an und wenig später zogen sie los.
Und dann war er da, der einst so ersehnte, aber inzwischen gefürchtete große Tag.
Sie saßen noch beim Frühstück, als der Bote aus der Gärtnerei 25 rote Rosen brachte.
Für jedes wunderschöne Jahr mit dir eine Rose“, sagte Harald zärtlich.
Dieser Heuchler!
Stumm richtete Hanna die Blumen in die Vase.
Später als ihr Mann dann im Smoking aus dem Schlafzimmer kam, da klopfte ihr doch das Herz.
Wie gut er noch immer aussah, nur die Haare an den Schläfen waren grau geworden, aber das machte ihn nur noch interessanter.
Kein Wunder, dass die jungen Dinger auf ihn standen, dachte sie bitter.
Doch auch Harald sah seine Frau bewundernd an, was für ein Kleid.
Ja sie war noch immer schön, seine geliebte Hanna, einfach bezaubernd.
Bernd und Elvira holten sie ab.
Das Auto von Bernd war mit Blumen dekoriert und als sie dann den herrlich geschmückten Saal betraten, wurden sie von ihren Freunden freudig begrüßt.
Harald drückte begeistert Hannas Hand.
Da sah sie Sie!
Welch eine Frechheit.
Er hatte seine Geliebte zu ihrer Silberhochzeit eingeladen und nun zwinkerte sie ihm auch noch zu und der Schuft zwinkerte vergnügt zurück.
Das war zu viel für Hanna!
Sie raffte ihr Kleid und lief schluchzend aus dem Raum.
In der zum Glück leeren Toilette flüchtete sie in ein Kabine und drehte den Schlüssel um.
Schluchzend ließ sie sich auf den geschlossenen Sitz fallen und nun brach das ganze Elend und die Anspannung der letzten Tage aus ihr heraus.
Es klopfte an der Tür.
Mama, mach doch bitte auf, was ist denn nur los.“
Als Hanna mit rot verweinten Augen und den Spuren der Wimperntusche auf den Wangen öffnet, rief Elvira erschrocken.
Wie siehst du denn aus, was ist nur geschehen?“
Dein Vater betrügt mich, mit einem ganz jungem Ding und hat sie sogar mitgebracht zu unserer Silberhochzeit. Die hübsche Blonde neben Bernds Mutter.“
Elvira sah sie einen Moment entgeistert an, dann fing sie schallend an zu Lachen.
Das arme Kind, nun hat sie vor Schreck den Verstand verloren,“ dachte Hanna entsetzt.
Elvira aber nahm beide Hände ihrer Mutter und sah sie ernst an.
Mama, das ist Julia, eine Kusine von Bernd und sie ist Tanzlehrerin. Papa hat bei ihr Nachhilfe im Tanzen genommen, denn er wollte dir bei eurem Ehrenwalzer nicht auf die Füße treten. Weißt du Julia meinte, er wäre ihr schwerster Fall und sie hat schon überlegt ob sie sich Stahlplatten in die Schuhe einbauen sollte.“
Die beiden Frauen prusteten los.
Dann aber meinte Elvira energisch.
Kühl, dir deine Augen, dann werde ich dein Make up auffrischen, eure Gäste warten.“
Als sie den Raum verließen stand Harald vor der Tür und sah ihnen besorgt entgegen.
Hanna stürzte sich in seine Arme und erzählte ihm von ihrem falschen Verdacht und all dem Kummer der letzten Tage.
Harald drückte sie ganz fest an sich und murmelte:
Ich liebe dich und es wird nie eine andere geben für mich.“
Dann grinste er verschmitzt und meinte: „Aber schön ist es doch, dass du nach all den Jahren noch eifersüchtig bist.“
Dann gab er ihr einen langen zärtlichen Kuss.
Elvira räusperte sich.
Hallo, ihr Turteltauben, es wird Zeit zurück in den Saal zu gehen, eure Gäste erwarten euch.“
Hanna aber war glücklich.
Sie steckte mit ihrer guten Laune und Fröhlichkeit alle an.
Und als dann der Ehrenwalzer getanzt wurde, staunte sie über ihren sonst so tolpatschigen Mann.



Er wirbelte sie durch den Ballsaal, ohne ihr auch nur einmal auf die Füße zu treten.


© Lore Platz









Freitag, 23. Januar 2015

Über die Falten

Zuerst einmal möchte ich ein neues Mitglied hier begrüßen:
Anna von "Annas Alltags - Allerlei"
Herzlich willkommen liebe Anna! 




Über die Falten




Wenn ich morgens in den Spiegel sehe, dann springen sie mir schon entgegen, die unvermeidlichen Falten, die das Alter uns nun einmal schenkt.
Besonders seit ich letztes Jahr so abgenommen habe ähnelt mein Hals einem Truthahn.
Aber wisst ihr was, sie stören mich nicht.

" Ich bin stolz auf meine Falten. Sie sind das Leben in meinem Gesicht!"

Brigitte Bardot

Doch manche Frauen können diesen Tributen des Alters so gar nichts abgewinnen.
Bei Schauspielerinnen, deren Gesicht ihr Markenzeichen ist, kann ich das noch ein wenig verstehen.
Aber Otto Normalverbraucher, braucht er das?
Eine Bekannte erzählte mir folgende Geschichte.
Sie besuchte eine 80jährige Frau und erschrak, als sie diese sah, denn sie dachte, die arme wäre krank und müsste Cortison nehmen.
Natürlich fragte sie nicht.
Als sie an über den Unterlagen am Tisch saßen, fuhr die Kundin ihr mit der Hand über das Gesicht  und meinte:
"Sie haben aber viele Falten, ich kenne da einen guten Arzt und das kostet nur 3000 Euro!"
Wenn ich soviel Geld übrig hätte, da wüsste ich wohl etwas anderes damit anzufangen.
Übrigens war am Mittwoch ja der Tag der Jogginghose. Eine Hose die ja auch viele Falten wirft.




Nun noch ein paar Zitate zu diesem Thema:

"DasAlter lässt sich leichter ertragen, wenn man den Faltenwurf des Gesichts als künstlerische Drapierung betrachet"
Vivian Leigh

"Es schwinden des Kummers Falten, so lange des Liedes Zauber walten"

Friedrich Schiller

"Falten machen einen Mann männlicher, eine Frau älter"
Jeanne Moreau

"Mein Rheuma stört mich mehr, als meine Falten"
Peter Weck

Nun wünsche ich euch noch ein schönes Wochenende.

Mittwoch, 21. Januar 2015

Plaudern





Das letzte Jahr ist ja irgendwie so an mir vorüber gegangen und wenn meine Freundinnen und die Reizworgeschichten nicht gewesen wären, hätte ich ein kreativ armes Jahr gehabt.
Die Trauer um meinen Mann hat mich immer wieder in ein Tief gestürzt, doch bereits an Weihnachten habe ich bemerkt, dass der Schmerz leichter wird.
Und das neue Jahr habe ich mit dem Vorsatz begonnen, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Denn ich muss ja nun die Straße meines Lebens alleine weiter gehen.
Einige meiner guten Vosätze habe ich schon in die Tat umgesetzt.
Ich habe alle 470 Posts der vergangenen drei Jahre in sieben Rubriken aufgeteilt. Ihr könnt sie oben neben Startseite sehen.
Das soll euch das Lesen auch älterer Geschichten erleichtern.
Wenn ihr ein Märchen lesen wollt, dann klickt "Märchen " und den Link des entsprechenden Märchens an.
Ebenso bei Erinnerung, Gedichte usw.

Noch einer meiner Vorsätze ist, wieder öfter hier präsent zu sein und nicht nur am Dienstag.

Ist es nicht erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht? Bald ist der Januar wieder vorbei und ich habe doch noch soviel vor!

Ich bedanke mich für eure Treue, die ihr mir auch in der schlechten Zeit bewiesen habt und hoffe euch noch mit vielen schönenGeschichten unterhalten zu können.

 
 

Keine Zeit

Das größte Übel weit und breit,
ist der Satz: „Hab keine Zeit“!
Alles hektisch, alles rennt,
keiner den Nachbarn mehr kennt.

Die Autos fahren schneller daher,
ein Fußgänger zählt nicht mehr,
zu Hause sitzt man an den Flimmerkasten,
drückt fleißig auf den Fernbedienungstasten.

Und schon hat man wie vorbestellt,
das ganze Drama dieser Welt,
vom Bildschirm lässt man sich berieseln,
Erinnerungen fangen an zu kriseln.

Man spricht kaum noch ein einzig Wort,
in Gedanken ist man ganz weit fort,
so kommt es wie es so ist heut,
keiner hat für den anderen mehr Zeit.

Besuchen will man sich auch nicht mehr,
sogar der Briefkasten bleibt leer,
und fragt man an per Telefon,
na wie geht’s? Ich warte schon?

Hab doch keine Zeit dich zu besuchen,
wir tun gerade unsern Urlaub buchen,
wollen diesmal nach Mallorca hin,
das Prospekt machte für uns Sinn.

Habe heut noch etwas zu besorgen,
vielleicht besuch ich dich morgen,
oder ich schreibe dir eine Karte,
worauf ich heut noch warte.

Kein Mensch hat für den anderen mehr Zeit,
dieses Übel macht sich immer mehr breit,
Doch einmal geht die Zeit zu Ende,
dann kommt die große Wende.

Es kommt der Tod – bist du bereit,
er fragt nicht lange nach der Zeit,
fragt auch nicht nach arm oder reich,
bei ihm sind wir ja alle gleich.

Drum nimm dir Zeit so lang es geht,
so lang du noch im Leben stehst,
denn wenn man erst auf dem Friedhof ruht,
macht man so leicht nichts mehr gut.

Und auch der schönste Blumenstrauß,
holt niemand aus dem Grab heraus,
drum sage immer deinen Geist,
wie auch immer, „ Nimm die Zeit“!

© Die Nachtigall








 

Dienstag, 20. Januar 2015

Der Schneemann, der die Welt kennen lernen wollte - Reizwortgeschichte

Wieder ist es soweit, es ist Dienstag, das neue Jahr ist schon zwanzig Tage alt und es ist Reizwortgeschichten Tag!

Reizwörter:
Schneemann, Traum, rasen, kichern, weinen








Der Schneemann, der die Welt kennen lernen wollte


Herr Knudelich stand aufrecht im Vorgarten eines schmucken kleinen Häuschen und hatte wieder mal einen Traum.
Herr Knudelich war übrigens ein Schneemann und die kleine Birgit, die ihn erschaffen hatte, gab ihm diesen Namen.
Nun stand er also schon einige Zeit hier im Garten und anfangs war es ja noch sehr interessant.
Birgit besuchte ihn jeden Tag und erzählte ihm aufgeregt von einem Nikolaus und einem Christkind und ihren Wünschen an die beiden.
Auch konnte er beobachten wie der Vater der Kleinen heimlich einen Tannenbaum in den Schuppen brachte und ihn dann zusammen mit Birgits Mutter im Haus mit bunten Flitterzeug behängte.
Herr Knudelich gefiel das sehr gut.
Als dann dieses Christkind gekommen war, erzählte ihm Birgit aufgeregt, welche Geschenke es bekommen hatte und zeigte ihm ganz stolz den neuen Rodelschlitten.


Dieses schöne Foto stammt von Elli M.
Einige Tage später kam dann mitten in der Nacht die ganze Familie, selbst Opa und Oma waren dabei, in den Garten und auf einmal fingen die Sterne an zu explodieren.
Und alle freuten sich und riefen „Aaah“ „Ooooh“
Die Nachbarn kamen herüber und wünschten ein gutes neues Jahr und ein Mann der schwankte so komisch und bot ihm sogar ein Glas Sekt an.
Wusste der nicht, dass Schneemänner nicht essen und trinken.

Aber seit diesem schönen Erlebnis war es ziemlich langweilig hier.
Birgit hatte nun keine Zeit mehr für ihn, denn nach der Schule ging sie mit ihren Freunden zum rodeln.
Herr Knudelich stand also einsam da und betrachtete gelangweilt die Gegend ringsum, die er schon mit geschlossenen Augen erkennen konnte.
Die einzige Abwechslung war der Besuch der Vögel, deren Unterhaltung er lauschte, wenn sie das Futterhäuschen besuchten.
Die Spatzen stritten sich ja meistens und gönnten dem anderen das Futter nicht.
Die Meisen und Finken benahmen sich gesitteter.
Und einmal hörte er eine Kohlmeise klagen, dass ihre gute Freundin, die Schwalbe, in den Süden geflogen sei und sie diese sehr vermisse.
Nun träumte Herr Knudelich davon auch einmal in die weite Welt hinaus zu gehen.
Die Dämmerung hatte inzwischen ihre dunklen Schleier über das Land gelegt und es fing an zu schneien.
Dicke weiße Flocken setzten sich auf den Hut des Schneemanns.
Die Schneeflocken waren ja ein lustiges Völkchen und lachten und schnatterten in einer Tour.
Plötzlich kam der Wind durch den Garten und wirbelte die fröhlichen Flöckchen hoch.
Diese hielten sich an den Händen und tanzten lachend und jubelnd in der Luft.
Eine Weile ging das fröhliche Spiel, dann setzte sich der Wind erschöpft gegenüber von Herrn Knudelich in den Schnee.
Er holte ein paarmal tief Atem und lächelte verlegen.
Man merkt doch, dass man nicht mehr der Jüngste ist, diese kecken jungen Dinge bringen einem ganz schön außer Atem.“
Herr Knudelich schmunzelte.
Da haben sie recht, aber man kann ihnen ja nicht böse sein.“
Ein tiefer Seufzer begleitete diesen Satz.
Der Wind runzelte die Stirn.
Was haben sie denn!“
Ach ich möchte so gerne die Welt kennen lernen und sitze hier fest. Ach könnte ich doch auch so durch die Luft wirbeln wie ihr.“
Nachdenklich betrachtete ihn der Wind, dann rief er.
Ich habe eine Idee, ich helfe ihnen. Zuerst einmal brauchen sie Füße. Bitte erschrecken sie nicht.“
Und er pustete kräftig den Schneemann an und als dieser nach unten sah, hatte er tatsächlich zwei stämmige Füße.
Vorsichtig hob er erst den einen, dann den anderen und machte ein paar Schritte, noch etwas unbeholfen, aber mit der Zeit wusste er wie es ging und raste durch den Garten.
An der verschlossenen Tür zur Straße blieb er stehen.
Das haben wir gleich,“ meinte der Wind und warf sich gegen das Gatter, bis der Riegel raus sprang und der Weg zur Freiheit offen war.
Eine Weile noch begleitete der Wind seinen neuen Freund, doch dann musste er weiter.
Gute Reise und Lebewohl!“
Lebewohl und vielen Dank!“
Nun setzte Herr Knudelich seinen Weg alleine fort und er kam aus dem Staunen nicht heraus, was gab es doch alles zu sehen in der Stadt.
Doch dann wurden die Häuser weniger und vor ihm lag ein freies schneebedecktes Feld.
Vergnügt wanderte er über die Schneedecke und erreichte einen Wald.
Hier wollte er erst einmal ausruhen und so setzte er sich unter einen Baum.
Erschrocken fuhr er zusammen, als er ein Flügelrauschen vernahm und ein leises „Uhuhuhuhh“
Ein großer Vogel ließ sich neben ihm nieder.
Wer bist denn du?“ wollte er wissen.
Ich bin Herr Knudlich, ein Schneemann,“ stellte sich dieser vor.
Ach ja solche Dinger habe ich schon in den Gärten stehen sehen. Wusste gar nicht, dass sie laufen können. Was willst du denn hier im Wald.“
Ich möchte die Welt kennen lernen.“
Wenn es dir Spaß macht, ich will jetzt in mein Bett!“
brummte die Eule, flog auf den Baum und schlüpfte durch ein Loch.
Herr Knudelich schmunzelte, ein seltsamer Vogel und nicht mal vorgestellt hatte er sich.
Doch der Schneemann war nun auch müde und so lehnte er sich zurück an den Stamm und schloss die Augen.
Wer er wohl ist, wo er wohl er wohl herkommt?“
Herr Knudelich öffnete die Augen und bemerkte einige Hasen, die ihn neugierig betrachteten.
Der Schneemann streckte die Arme und gähnte laut, was die Hasen kichern ließ.
Guten Morgen,“ sagte er gutgelaunt.
Guten Morgen,“ tönte es im Chor.
Ich bin Herr Knudelich, ein Schneemann, der die Welt kennen lernen will. Und gestern Abend war ich so müde, dass ich hier erst einmal Rast machte.“
Ich bin Benny, das sind meine Schwester Karla, mein Bruder Rudy und der Kleine ist Felix,“ stellte der Größte der Hasen sich und seine Geschwister vor.
Es raschelte im Baum und Schnee fiel herab.
Ein Eichhörnchen kletterte geschwind den Stamm herunter und sprang in den Schnee.
Nun bin ich aufgewacht vor Hunger und weiß nicht wo ich meine Nüsse versteckt habe,“ seufzte es und lief kopfschüttelnd davon.
Jedes Jahr dasselbe, Miabel vergisst immer wieder, wo sie ihre Nüsse versteckt hat,“ lachte Benny.
Da kommt der Fuchs !“ rief Felix und auf einmal waren die Hasen verschwunden.
Neugierig sah Herr Knudelich dem rotbraunen Gesellen, mit dem buschigen Schwanz, entgegen.
Guten Tag,“ grüßte der Schneemann höflich, als der Fuchs vor ihm stehen blieb.
Ja,ja,“ brummte dieser und hob schnuppernd die spitze Nase.
Hier riecht es doch nach Hasen, ihr habt nicht zufällig welche gesehen?“
Ja, aber das ist schon eine ganze Weile her.“
Schade, dabei hätte ich so eine Lust auf Hasenbraten!“
Verärgert lief der Fuchs weiter.
Herr Knudelich sah ihm grinsend nach, dann erhob er sich,
Zeit weiter zu gehen.
Nun wanderte er viele Tage bergauf, bergab und die Welt gefiel ihm.
Oft hielt er ein Schwätzchen mit den Tieren, denen er begegnete.
Menschen ging er aus dem Weg und wenn er doch einem begegnete, dann bleib er stocksteif stehen.
Eines Tages kam er an einen Bach.
Vergnügt beobachtete er wie das Wasser fröhlich plätschernd über Stock und Stein hüpfte.
Wohin des Weges mein Freund!“ rief er.
In die weite Welt!“
Dahin will ich auch, können wir denn nicht zusammen wandern, allein macht es keinen Spaß!“
Gerne, aber leider bist du viel zu schwer, ich kann dich nicht tragen!“

Inzwischen war die Sonne höher gestiegen und da es bald Frühling wurde, waren ihre Strahlen viel kräftiger und der Schnee ringsum begann zu schmelzen.
Auch an dem Schneemann liefen große Tropfen herab.
Ich weine !“ rief er erschrocken.
Der Bach lachte: „ Nein du schmilzt, es wird Frühling!“
Ach wie schrecklich!“ Nun fing er Herr Knudelich wirklich an zu weinen.
Nein, das ist doch wunderbar!“ meinte der Bach und lachte.
Was soll denn daran wunderbar sein?“ fragte der Schneemann und war einen Moment wirklich beleidigt.
Verstehst du denn nicht, wenn du schmilzt wirst du zu Wasser und dann können wir zusammen die Welt entdecken!“
Und der Schneemann wurde immer kleiner und bald war nur noch eine kleine Pfütze von ihm übrig.
Diese aber setzte sich in Bewegung und floss in den Bach.
Und nun konnten die beiden Freunde, der Schneemann und der Bach die Welt gemeinsam entdecken.

© Lore Platz