Dienstag, 28. April 2015

Die schwarze Katze - Reizwortgeschichte

Nun ist es wieder soweit
Also nehmt euch ruhig die Zeit
Heute ist Reizwort-Geschichten-Tag
Den  jeder hier besonders mag

Reizwörter:
Aberglaube, Verlegenheit, tadeln, fragen, unmöglich




Die schwarze Katze


Sie hatte Hunger! Seit sie die kleine Maus verputzt hatte war schon ein Weilchen her.
Ein lieblicher Duft stieg in ihre Nase und sie bog in den Hof der Metzgerei ein. Der Lehrjunge Robert leerte gerade einen Eimer mit Abfällen in einen Container.
Von früheren Besucher her wusste sie, dass er böse und gemein war und sie mochte er schon gar nicht, weil sie schwarz war.
'Teufelsvieh, das nur Unglück bringt' hatte er sie geheißen und einen großen Knochen nach ihr geworfen.
Besser sie ließ sich nicht sehen.
Zu spät!
Ein großer Knochen flog auf sie zu und streifte sie an der Hinterhand.
Mit einem Weh laut drehte sie sich um und lief blindlings davon.
Bremsen quietschten, sie spürte einen heftigen Schlag, flog gegen einen Zaun und blieb wimmernd liegen.
Au Backe! Das sieht nicht gut aus.“
Ein grauer großer Kater beugte sich über die verletzte Katze.
Die Katze öffnete die Augen.
Du lebst also noch, meinst du, dass du laufen kannst? Ich heiße übrigens Jakob.“
Katja!“ stieß die Katze hervor, während sie mühsam versuchte aufzustehen.
Jakob nickte.
Komm ich weiß wo wir Hilfe finden. Du wirst wohl auf drei Beinen laufen müssen.“
Er betrachtete die rechte Hinterhand der Katze, die seltsam herunter baumelte.
Als würden sie einen gemütlichen Spaziergang machen begann Jakob zu plaudern.
Weißt du, dass wir Katzen im alten Ägypten als heilig galten? Eigentlich schade, dass das heute nicht mehr so ist, dann ging es uns Katzen wohl besser und wir müssten nicht auf der Straße hausen. Obwohl...?“ sinnierte er,
im Mittelalter ging es uns Katzen wirklich schlecht. Plötzlich wurden wir, die kurz vorher noch als Mäusejäger gelobt und begehrt waren, als Teufelsbrut bezeichnet.
Menschen die eine Katze hatten mussten auf einmal Angst haben der Hexerei angeklagt zu werden.
Die schwarzen Katzen hatte es damals besonders schwer, denn schwarz galt als eine dämonische Farbe und man behauptete sogar, dass Hexen sich in schwarze Katzen verwandeln würden, um den Menschen zu schaden.
Außerdem behaupteten sie, wenn eine schwarze Katze von links kommt, das bringt Unglück. Aberglaube nennt man das! Weißt du links ist nämlich die schlechte Seite deshalb hat man früher auch versucht Linkshänder zu Rechtshändern zu machen. Möchtest du wissen, warum das so ist. Das kommt daher, weil am Tag des Jüngsten Gericht die Guten rechts und die Schlechten sich links aufstellen müssen.
Wir sind da, denkst du, du kannst durch das Gitter schlüpfen?“
Katja sah durch das große eiserne Tor in den parkähnlichen Garten und nickte.
Kurze Zeit später ließ sie sich mit einem Weh laut ins Gras sinken. Sie war am Ende ihrer Kraft.
Trotzdem versuchte sie zu lächeln.
Danke Jakob, mit deinem Gequatsche hast du mich von meinen Schmerzen abgelenkt.“
Der Kater grinste: „Das war auch meine Absicht.“
Aber woher weißt du so viel über Katzen?“
Ich habe mal bei einem alten Professor gelebt und wenn der mit seinen Freunden fachsimpelte habe ich immer gerne zugehört. Als er starb hat man mich verjagt und seitdem lebe ich auf der Straße. Aber nun versuche ich Hilfe zu holen.“
Während Katja sich zurück lehnte und die Augen schloss, raste Jakob durch den Garten.
Als die Veranda in Sicht kam, machte er langsamer.
Eine ältere etwa sechzig jährige Frau saß in einem Korbstuhl, auf dem Schoß ein aufgeschlagenes Buch, aber ihr Blick war in die Ferne gerichtet und sie sah traurig aus.
Als sie den Kater erblickte, lächelte sie.
Da bist du ja wieder. Luise bring doch ein Schälchen mit Sahne!“
Eine scheltende Stimmer klang aus dem Haus.
Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, sie sollten den Kater nicht füttern. Nun werden sie ihn bestimmt nimmer los.“
Eine mollige ältere Frau kam aus dem Haus und stellte ein Schüsselchen auf den Boden.
Doch Jakob ignorierte den verführerischen Duft und sah die Dame unverwandt an, als wollte er sie hypnotisieren, dann wandte er sich um, miaute auffordernd und lief ein paar Schritte.
Ich glaube er will uns was zeigen.“
Leichtfüßig sprang Laura Bernhofer auf und die beiden Frauen folgten dem Kater durch den Garten.
Mitleidig sahen sie auf die verwundete Katze. Luise, die nur immer so grummelig tat, dabei aber ein butterweiches Herz hatte, lief schnell ins Haus und holte einen Korb.
Vorsichtig legten sie die Katze dann in den mit weichen Tüchern ausgepolsterten Korb.
Was machen wir nun? Der nächste Tierarzt ist in der Kreisstadt?“
Aber auf dem Erlenhof wohnt ein Mann, der Tiere gesund pflegt,“ erinnerte sich Luise.
Dann werde ich unsere Patientin zu ihm bringen, der Sparziergang wird mir gut tun.“
Mit zügigen Schritten aber darauf bedacht den Korb möglichst ruhig zu halten wanderte die alte Dame die Straße entlang.
Wo der Erlenhof lag wusste sie noch von früher und bog in die große Auffahrt ein.

Auf einer Koppel standen mehrere alte Esel ein betagtes Pony kam an den Zaun und ein Reh mit einem verbundenem Bein stakste über die Wiese.
Ein alter Bernhardiner lag im Sonnenschein, öffnet nur kurz ein Auge und schloss es wieder.
Aus dem Schuppen kam ein älterer Mann.
Bertl!“ Sie erkannte den Gespielen ihrer Kindheit sofort, auch wenn bei ihm die Jahre nicht spurlos vorüber gegangen waren.
Laura!“ rief dieser erfreut und kam auf sie zu, nahm ihre zarte kleine Hand in seine große Pranke und drückte sie vorsichtig.
Dann sah er die verwundete Katze und sein Gesicht wurde ernst. Er nahm Laura vorsichtig den Korb ab und ging mit weit ausholenden Schritten in den Schuppen. Die alte Dame folgte ihm.
Im Schuppen waren auch mehrere Tiere untergebracht. Ein Adler saß auf einer Stange in einem riesigen Käfig. Sein linker Flügel war verbunden.
Ein Fuchs lag in einem Verschlag ein Bein im Gips.
Laura stellte sich neben ihren Freund aus Kindertagen und sah zu, wie er behutsam das kranke Tier untersuchte, die Wunde säuberte, Salbe auftrug und sie verband.
Die alte Dame lächelte,schon als sie noch Kinder waren,
hatte Bertl immer irgendwelche kranke Tiere angeschleppt und verarztet und sie stand daneben und durfte ihm ab und zu assistieren.
Dieser hob nun den Kopf, schenkte ihr ein Lächeln und meinte.
Mehr kann ich jetzt nicht tun, den Rest muss man der Natur überlassen. Innere Verletzungen hat sie keine, denn die Augen sind klar. Magst was trinken?“
Er legte die Katze vorsichtig in eine Kiste. Der Kater setzte sich daneben, als wollte er sie bewachen.
Die beiden Jugendfreunde aber setzten sich auf die Bank vor dem Haus, nachdem Bertl für jeden einen Eistee gebracht hatte.
Es sind fast vierzig Jahre her, dass wir uns nimmer gesehen haben,“ lächelte Laura, „ ich bin mit meinem Mann durch die Welt gereist, mal musste er hier eine Brücke bauen, dann wo anders ein Hochhaus. Wir waren immer unterwegs. Und dann bekam er einen Herzinfarkt und hat mich einfach verlassen. Wir waren damals gerade in Dubai, er war verantwortlich für den Bau eines riesigen Hotels.
Doch wie immer hat er sich zu viel zugemutet, es war unmöglich ihn davon abzubringen und dann noch die Hitze. Wenigstens musste er nicht leiden.
Alle waren sehr nett zu mir und haben mir geholfen. Nach der Beerdigung dann bin ich zurück in mein Elternhaus.
Luise, die als junges Mädchen bei meinen Eltern in Dienst kam hat sich in all den Jahren um das Haus gekümmert. Doch erzähl, wie ist es dir ergangen?“
Nach dem Tod meiner Eltern hat es mich hier nicht mehr gehalten, ich wollte die Welt kennen lernen.
Ich habe in Kanada als Holzfäller gearbeitet, in Alaska auf einem Fischerboot angeheuert, in Brasilien im Hafen beim Verladen der Schiffe geholfen. Habe viel gesehen und erlebt, viel gearbeitet, aber reich bin ich dabei nicht geworden.“
Er grinste und erinnert sie an den Jungen, der er einmal war.
Sein Vater war Knecht auf dem Erlenhof und seine Mutter arbeitete als Köchin bei ihren Eltern.
Nach der Schule kam er immer zu seiner Mutter und machte bei ihr in der Küche die Hausaufgaben. So hatte sie ihn kennengelernt. Sie war damals vier Jahre und begeistert von dem zwei Jahre älteren Buben, dem sie dann auf Schritt und Tritt folgte.
Aus ihren Gedanken heraus meinte sie:
Ich war dir wohl manchmal etwas lästig, wenn ich dir immer nachgerannt bin.“
Bertl lachte fröhlich.
Manchmal schon, aber du warst so niedlich, man konnte dir doch nicht böse sein. Weißt du, dass ich dich in Mexiko gesehen habe?“
Mexiko? Ach damals musste Frank den Bau einer Brücke leiten.“
Und ich habe dort gearbeitet.“
Warum hast du mich denn nicht besucht?“
Nun geriet der Mann doch in Verlegenheit.
Weißt, du warst doch die Frau des Chefs und ich nur ein kleiner Hilfsarbeiter. Was hätten deine feinen Freunde wohl gesagt.“
Dummer Bub!“ tadelte Laura,“ du weißt, dass das mir nichts ausgemacht hätte!“
Bertl nickte.
Ja, sie hätte sich nicht seiner geschämt. Er dachte an ihren zehnten Geburtstag zu dem sie ihn eingeladen hatte. Seine Mutter hatte ihm extra seinen Kommunionanzug angezogen. Sicher er war schon ein wenig raus gewachsen, die Beine und Ärmel waren zu kurz, aber der Stoff war noch gut und musste nicht gewendet werden.
Er hatte sich ein wenig unwohl bei den reichen Kindern gefühlt, aber sie waren recht nett zu ihm. Nur einer, Richard hieß er, hatte ihn immer gehänselt wegen seinem
Anzug und ihn richtig schikaniert.
Ganz fest hatte er seine Bubenfäuste in die Tasche gesteckt, denn er wollte auf dem Fest seiner Freundin keine Rauferei anfangen.
Doch da hat Laura auch schon eingegriffen.
Wütend, beide Hände in die Seiten gestemmt hatte sie sich vor dem einen Kopf größeren Jungen aufgebaut.
Richard, der Bertl ist mein allerbester Freund und wenn es dir nicht passt, dass ich ihn eingeladen habe, dann kannst ja geh'n!“
Mit blitzenden Augen hatte sie sich dann zu den anderen Kindern umgewandt und gesagt:
Und ihr auch!“
Doch keiner wollte gehen, nur der arrogante Schnösel meinte:
Ich bleibe bestimmt nicht auf einem Fest, wo Dienstboten eingeladen werden!“
Als er weg war, wurde es erst so richtig lustig und schön. Später sind sie dann alle hinunter zum See und er hat den feinen Pinkeln mal gezeigt wie man flache Steine über das Wasser springen lässt. Sie hatten eine Menge Spaß!
Bertls Blick ging hinüber zur Koppel und traurig seufzte er.
Was hast du?“
Hast bestimmt schon gehört, dass der Erlenhofbauer gestorben ist, war ja auch schon weit über neunzig. Aber seine Erben wollen den Hof und das Land verkaufen und ich und meine Tiere müssen weg.“
Laura legte ihre Hand auf seinen Arm.
Weißt denn wo du hingehst?“
Bertl schüttelte den Kopf.
Ich finde schon eine Unterkunft und auch Arbeit, aber die Tiere will keiner haben.“
Laura sah hinüber zu der Koppel, wo die Esel friedlich grasend nebeneinander standen, das Pony schläfrig den Kopf über den Zaun hing und das Reh sich ins Gras gelegt hatte.


Bertl, du und deine Tiere kommen einfach zu mir! Du weißt doch wie groß der Garten ist, dort kann man eine Koppel bauen und im Schuppen kannst eine Krankenstation einrichten, muss nur das ganze Gerümpel raus. Und im Haus im ersten Stock sind viele Zimmer frei und auch ein Bad ist dort oben.“
Laura erwärmte sich immer mehr für den Gedanken.
Natürlich müssen wir noch Dienstboten einstellen, am liebsten wäre mir ein Ehepaar!“
Da wüsste ich wen,“ rief Bertl, der sich von ihrer Begeisterung inzwischen anstecken ließ.
Ein junges Ehepaar, Markus und Kathi Lehnert. Der Markus war Holzfäller, nach einem Unfall hat er ein steifes Bein und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und die Kathi hat mehrere Putzplätze, aber jetzt ist sie schwanger und kann nimmer so. Aber sie sind brave fleißige Leut!“
Laura klatschte erfreut in die Hände.
Ein Kind, wie schön! Sie können die Dienstwohnung über der Garage haben, die ist schön groß und passt für eine Familie. Stell dir nur vor, Bertl, Tiere, junge Leute und auch noch ein Kind, vielleicht auch mehrere mal und mittendrin wir zwei Alten.
Ist das nicht wunderbar!“
Bertl aber lachte laut und herzlich, wie von einer Last befreit.
Kannst dich noch an den Schwur aus unserer Kindheit erinnern? 'Freunde fürs Leben' Und auch wenn wir uns viele Jahre aus den Augen verloren habe, unsere Freundschaft besteht immer noch.“
Aber was werden denn die Leut sagen, wenn ich bei dir einzieh' ?“ fragte der Bertl besorgt.
Dummer Bub!“ Laura winkte ab.
Die Leute interessieren mich nicht, die reden so und so. Nun muss ich aber heim, ich will mich bloß noch von der
Katze verabschieden.“
Liebevoll beugte sich Laura über die schwarze Katze und streichelte sie vorsichtig.
Du hast mir Glück gebracht, denn mein Leben hat nun wieder einen Sinn und ich bin nicht mehr so allein. Ich werde dich Felicitas nennen, das bedeutet ' die Glückliche',“ murmelte sie und als Antwort begann die Katze laut zu schnurren.
Als Laura aus dem Schuppen trat saß ihr Freund noch immer gedankenverloren auf der Bank.
Nun sah er auf und lächelte.
Laura streckte ihm die Hand hin.
Also abgemacht, du kommst morgen früh und dann überlegen wir, was alles zu machen ist und bring den Markus und die Kathi gleich mit.“
Versonnen sah der Mann der davon Eilenden nach.
Jakob kam aus dem Schuppen, sprang auf die Bank und rieb seinen Kopf an seinem Arm.
Bertl kraulte ihn hinter dem Ohr und der Kater begann zu schnurren.
Weißt, schon als Kind hab i gewusst, dass die Laura und ich zusammen ghörn. Und obwohl s mir in der Welt draußn gefalln hat zog es mich doch auf einmal in die Heimat zurück, als hätt i gahnt, dass auch sie zurück kommt.
Nun schließt sich der Kreis und i bin da ankomma, wo i hinghör.“
Jakob rollte sich auf seinem Schoß zusammen und sein Schnurren verstärkte sich, als wollte er die Worte bestätigen.

© Lore Platz









Sonntag, 19. April 2015

Ein Morgenlied

Meine schönsten Stunden, sind die, wenn der Morgen zum Leben erwacht. Und besonders im Frühjahr ist das einfach nur schön.
Denn ich finde, um diese Zeit ist der Gesang der Vögel besonders laut, besonders fröhlich und besonders mehrstimmig.
Sie zwitschern und jublieren und haben sich viel zu erzählen und vor allem begrüßen sie die aufsteigende Morgensonne.
Wie habe ich dies alles im Winter doch vermisst.
Ich wünsche euch mit einem Gedicht von meinem Freund 
"Die Nachtigall" einen schönen Sonntag.


Der Gesang der Vögel


Ein Vogel singt oder pfeift,
ruft oder krächzt,
einer es nicht begreift,
den anderen ist es nicht recht.

Wenn nun ein Vogel singen will,
sucht er sich einen Ast,
die Lerche aber im Fluge singt,
trägt ihre eigene Last.

Doch der Fink und die Nachtigall,
auch der muntere Spatz,
wählt, wenn sie singen all,
für den Fuß einen Platz.

Sagt mir wo ich singen soll,
gebt mir ein Gebiet,
dann werd' ich ganz stimmungsvoll,
singen mein schönstes Lied.

Wenn auch weht der Wind,
und der Ast schaukelt hin und her,
dann der Vogel auch geschwind,
mit ihm auf und nieder fährt.

Im tiefen Forst da dunkelst tief,
es riecht nach Pech und Harz,
in den Zweigen nisten sie,
Dohlen ganz in schwarz.

Kauz und Eulen auch am Platz,
gucken einem Astloch raus,
und der Starmatz dieser Schatz,
sitzt bequem zu Haus.

Tiefer unten aber steigt,
auf den Boden aus dem Sumpf,
vom Frosch das Quaken leis,
oben hört man es nur dumpf.

So geht es jeden Früh,
zur Erde und in der Luft,
jeder gibt sich große Müh,
zu bekunden seinen Gruß.


Die Nachtigall






 

Freitag, 17. April 2015

Betrachtung über Hände



 Sicher habe ich schon mal erwähnt, dass ich bei seniorbook in der 'Schreibwerkstatt' teilnehme.
Jeden Monat wird dort ein Reizwort verlost. Ich habe zwar nicht immer Zeit daran teilzunehmen und manchmal fällt mir auch nichts dazu ein.
Diesmal aber war es das Wort 'Hände'
Nun habe ich ja hier schon aber über  Die Hände einer Mutter
geschrieben, die ja auch einige biographische Momente meiner Eltern beinhaltet, also musste ich mir erneut Gedanken über 'Hände' und ihre Bedeutung manchen.
Vielleicht interessiert euch ja meine kleine philosophische Betrachtung. 




Hände haben mich schon immer fasziniert und wenn ich einem Menschen zum ersten Mal begegnete, dann sah ich zuerst auf seine Hände.
Dabei weiß ich nicht einmal warum, vielleicht aus einem Instinkt heraus, denn es ist wichtig welchen Händen man sich anvertraut.
Mein Vater hatte große, warme Hände, Hände denen man sich anvertrauen konnte. Wenn die ganze Familie sonntags zu einem Spaziergang aufbrach, dann schlüpfte meine kleine Hand in seine große und ich wusste, es kann mir nichts geschehen.
Diese Gefühl hatte ich bis zu seinem Tod.
Es war auch das Bild der betenden Hände von Albrecht Dürer, das sein Sterbebildchen zierte.
Albrecht Dürer schuf diese Zeichnung wohl nach seinen eigenen Händen, gedacht war sie für einen im Jahre 1507 von Josef Heller, einen Frankfurter Patrizier, bestellten Altar und galt wohl als Vorlage für eine Apostelfigur.
Für uns aber war sie das Sinnbild für die arbeitsamen Hände unseres Vaters, der immer für seine Familie da war und oft seine Hände schützend über uns hielt.
Meine Mutter hatte feine zarte Hände, Künstlerhände und unter ihren Händen entstanden auch die schönsten Handarbeiten.
Doch der Krieg und die Zeit danach hat diese Hände auch zu groben Arbeiten gezwungen. Von Holzhacken bis stundenlang am Waschbrett stehen musste sie alle Arbeiten verrichten und blieb doch immer Dame dabei.
Mein Mann war kein Schönling, aber er hatte starke, sensible Hände, denen man sich anvertrauen konnte und ich habe es nie bereut.
Je mehr man über Hände nachdenkt merkt man, wie wichtig diese doch sind und vor allem wie sehr man doch aufpassen muss, sich den richtigen Händen anzuvertrauen.
Denn Hände können nicht nur Schönes schaffen, sie können auch zerstören.
Sie können unendlich zärtlich sein, aber auch grausam und brutal.
Sie können erschaffen und zerstören!
Sie können Wunderschönes schreiben, aber auch Hassparolen an die Wände schmieren.
Ich wünsche mir, dass die Welt immer in guten starken Händen liegt, damit die bösen zerstörerischen Hände niemals die Oberhand gewinnen.



 
© Lore Platz 


Nun wünsche ich euch ein schönes Wochenende 


 



Dienstag, 14. April 2015

Die Prophezeiung - Reizwortgeschichte

Heute sind es die Reizwörter :

Apfel, Hilfe, einsam, eigennützig, prophezeien


Viel Spaß beim Lesen!





Die Prophezeiung 


 
Keuchend läuft ein Zwerg auf seinen kurzen stämmigen Beinen durch den Wald und ruft immer wieder:
Sie sind da, sie sind da, die gelben Drachen sind da!“
Ringsum wird es lebendig und Tiere, Pilzmännchen und Wurzelwichtel kommen aus dem Gebüsch.
Was ist los, was ist los?“
Kommt mit zum Versammlungsort!“
Die kleine Lichtung inmitten des Waldes füllt sich und der Zwerg klettert auf den großen Stein in der Mitte.
Einen Moment stützt er sich auf den Knien ab und atmet keuchend ein und aus, dann aber sieht er sich um und verkündet mit düsterer Stimme.
Ich habe sie gesehen, die gelben feuerspeienden Drachen, die das Orakel vor hundert Jahren prophezeit hat. Sie sind gekommen, um unser Land zu vernichten!“


Ach Unsinn!“ ruft eine Blaumeise, die sich mit den anderen Vögeln auf den Bäumen niedergelassen hat, „ das sind Baumaschinen, keine Drachen, ich habe solche Dinger schon in der Stadt gesehen!“
Trotzdem werden sie unser kleines Reich vernichten!“
Ein alter Mann mit langem weißem Haar betritt die Lichtung und ehrfürchtig machen die Versammelten ihm Platz.
Es ist der Zauberer Marlin, der schon viele hundert Jahr lebt und sehr weise und klug ist.


Es stimmt, die Drachen sind längst ausgestorben, aber den Menschen ist es gelungen ihre eigenen Drachen zu bauen. Es sind feuerspeiende Maschinen, die die Luft verpesten und viel zerstören können.
Der Enkel des Jungen, der vor hundert Jahren versprochen hat, dass er und seine Nachkommen unsere kleine Welt schützen werden, liegt im Sterben und sein Sohn ist bereits vor ihm ins andere Reich gewechselt.
Der Schwiegersohn des Sterbenden aber ist ein böser Mann und er hat mit dem Bürgermeister ausgehandelt eine große Straße hier zu bauen.“
Was sollen wir denn tun?“
Große Unruhe macht sich breit.
Wir müssen sie aufhalten! Wir könnten die Hexen zu Hilfe rufen!“
Der alte Zauberer lächelt traurig.
Und wenn wir alle zusammen unsere Zauberkräfte einsetzen, die Maschinen sind zu stark.“

Der Sohn des alten Mannes aber hat eine Tochter!“ ruft eine kleine Elfe.
Der Zauberer sieht sie mit einem scharfen Blick an und erschrocken zieht sie ihr Köpfchen ein und das kleine Stückchen Apfel, das sie hält, fällt ihr aus der Hand.
Du kennst ein Menschenkind?“
Ja, sie heißt Elsbeth und ich traf sie einmal im Wald, als sie Beeren pflückte und seitdem sind wir Freundinnen.“
Das ist wunderbar, denn im Orakel heißt es auch, wenn in hundert Jahren noch ein Menschenkind mit einem Wesen aus unserer Welt befreundet ist, dann kann die Gefahr abgewendet werden. Flieg zu deiner Freundin Belablu, vielleicht kann sie uns helfen. Aber beeile dich, denn die Todesfee ist schon auf dem Weg zu dem alten Mann.“
Die Elfe schwirrt los und erreicht nach kurzer Zeit die schöne große Villa.
Da sie schon öfter ihre Freundin besucht hatte wusste sie, wo deren Zimmer lag.
Sie hat Glück, das Fenster ist offen und die kleine Elsbeth
sitzt auf ihrem Bett und weint bitterlich.
Belablu setzt sich auf ihre Schulter und spricht leise tröstende Worte in das Ohr des Mädchens.
Elsbeth wischt sich über die Augen und schnieft.
Wie schön, dass du gekommen bist, ich bin so furchtbar traurig, mein Opa wird sterben und dann bin ich ganz allein.“
Nein, ich bin auch doch auch noch da und außerdem du hast doch noch deine Tante Luise.“
Ja,sie ist nett, aber Onkel Willi ist ein Ekel und meine Tante fürchtet sich vor ihm und ist viel zu schwach sich gegen ihn zu wehren. Sobald Opa tot ist komme ich weit weg in ein Internat und dann können wir uns auch nicht mehr sehen.“
Das werden wir sowieso nicht mehr, wenn nicht ein Wunder geschieht.“
Und nun erzählt die kleine Elfe ihrer Freundin in welcher Gefahr das Reich der 'Kleinen Leute' schwebt.
Elsbeth springt so schnell auf, dass Belablu auf das Bett purzelt.
Kichernd folgt sie ihrer kleinen Freundin in das Schlafzimmer ihres Opas.
Der alte Mann liegt mit geschlossen Augen da und atmet leise.
Am Kopfende des Bettes steht die Todesfee, die aber nur Belablu sehen kann.
Elsbeth beugt sich über den Sterbenden und flüstert eindringlich:
Opa bitte wach auf, das Land der 'Kleinen Leute' ist in großer Gefahr, Onkel Willi möchte es dem Erdboden gleich machen und eine Straße bauen.“
Der alte Mann öffnet die Augen:
Was sagst du da?“ krächzt er mit schwacher Stimme.
Und nun erzählt ihm das Mädchen was es von der Elfe erfahren hat, auch dass Onkel Willi sie ins Internat stecken will.
Die Augen des Sterbenden blitzen auf und für einen Moment kehrt seine Kraft wieder.
Lauf Kind und hole Notar Baumgartner, die Suppe wollen wir ihm versalzen.“
Elsbeth springt auf und hätte beinahe ihre Tante umgerannt, die mit einer Tasse Tee das Zimmer betritt.
Während sich die müde und verhärmt aussehende Frau an das Bett ihres Vaters setzt, fliegt Belablu hinüber zu der Todesfee.
Du hast gehört, dass unser Reich in Gefahr ist, bitte warte noch.“
Seine Uhr ist abgelaufen, er muss jetzt gehen!“
Dann halte sie noch ein wenig an, bis er Vorsorge für uns getroffen hat.“
Die Todesfee sieht sie lange und ernst an, dann nickt sie.
Danke.“
Ein Mann betritt das Zimmer und blickt unwirsch auf das Bett.
Lebt der Alte immer noch!“
Wilhelm, wie kannst du nur so gemein sein, er ist mein Vater!“ ruft Luise entsetzt.
Ach was, ein alter Querkopf ist er, aber sobald er die Augen endlich geschlossen hat, werden wir mit dem Bau der Autobahn beginnen!“
Die Frau schlägt schluchzend beide Hände vors Gesicht.
Ja flenne nur, mehr kannst du ja doch nicht, das einzig gute an dir ist, dass du eine reiche Erbin bist!“
Der alte Mann hat die Augen geschlossen, nur das zucken der Lider und der zusammengepresste Mund zeigen, wie wütend er ist.
Als sein Schwiegersohn das Zimmer verlassen hat, öffnet er die Augen und seine Hand tastet nach der seiner Tochter und dann beginnt er leise und eindringlich auf sie einzureden.
Belablu aber folgt dem Mann.
Draußen im Hof steht der Bürgermeister.
Ist er tot?“
Nein, der Alte ist zäh wie Leder. Aber ich habe so ein komisches Gefühl, vorhin ist die Kleine an mir vorbei
gelaufen. Sie werden uns doch im letzten Moment nicht noch einen Strich durch die Rechnung machen wollen.
Wir holen jetzt die Bauarbeiter und walzen alles nieder, dann können sie gar nichts mehr machen!“
Belablu erschrickt und schnell fliegt sie zu ihren Freunden in den Wald.
Diese freuen sich, als sie hören, dass der alte Mann ihnen helfen will, aber als die Elfe ihnen erzählt was Wilhelm vorhat, da sind sie betroffen.
Dann ist alles verloren, mein Zauber ist zu schwach gegen diese Monstermaschinen,“ murmelt der Zauberer niedergeschlagen.
Unsinn!“ ruft der Marder, der auf den Stein gesprungen ist, „ ich weiß, wie wir sie aufhalten können.“


Und was willst du dafür oder ist dein Rat völlig uneigennützig!“ ruft die Eule, die den Marder nicht leiden konnte.
Der Marder wirft ihr einen ärgerlichen Blick zu.
Ja, schließlich geht es auch um meine Heimat, du dummer Vogel!“
Hört auf mit dem Gezanke, wir haben wenig Zeit.“ grollt Marlin.
Der Marder berichtet ihnen nun wie man die Maschinen lahm legen kann, nämlich indem man die Gummischläuche einfach durchbiss.
Nun laufen sie alle zu der Wiese, auf der in einer Reihe mehrere große Baummaschinen standen.
Ratten, Mäuse, Eichhörnchen, Hasen und Marder schlüpften schnell unter die „Drachen“ und gerade noch rechtzeitig haben sie alle Schläuche beschädigt, bevor mehrere Autos auf die Lichtung fahren.
Während der Bürgermeister und Wilhelm mit zufriedenen Gesichtern da stehen, klettern die Arbeiter auf die Maschinen.
Ein mehrfaches kreischendes Geräusch ertönt, dann ist Stille.
Was ist los ! Macht endlich!“ brüllt Wilhelm.
Er springt nicht an, meiner auch nicht!“ rufen die Arbeiter und einer der Männer,der unter seinen Bulldozer geschaut hatte ruft:
Die Schläuche sind alle durchgebissen!“




In dem Moment fährt ein Auto vor und Notar Baumgartner, Luise und Elsbeth kommen auf die kleine Gruppe zu.
Was tun sie hier, sie sind widerrechtlich auf fremden Land.“
Unsinn, das Land gehört mir, sobald der alte Mann tot ist,“ prahlt Wilhelm.
Da täuscht du dich, mein lieber Mann,“ sagt Luise spöttisch, „bevor Vater starb, hat er alles Elsbeth hinterlassen und ich bin einverstanden damit.“
Sie streckt die Hand aus und der Notar gibt ihr einen Briefumschlag.
Mit einem traurigen Lächeln betrachtet sie diesen, dann sagt sie leise, während sie ihrem Mann in die Augen sieht.
Ich habe es nie geschafft, mich von dir zu trennen, denn ich fürchtete einsam zu sein, doch inzwischen habe ich erkannt, dass einsamer, als mit dir zusammen kann ich gar nicht werden. Mein Vater hat mir eine monatliche Rente ausgesetzt und lebenslanges Wohnrecht in der Villa, aber nur unter der Bedingung, dass ich mich von dir scheiden lassen.“
Sie drückt ihm die Scheidungspapiere in die Hand und wendet sich ab.
Das wirst du bereuen!“ knirscht Wilhelm und stapft zu seinem Auto.
Der Bürgermeister und die Arbeiter haben sich inzwischen längst verdrückt.
Elsbeth aber ist zu ihren kleinen Freunden gelaufen und jubelnd wird sie umringt.
Immer wieder danken sie ihr und das Mädchen erklärt ihnen, dass sie niemals wieder Angst haben müssen und verspricht sie recht oft zu besuchen.
Marlin aber verspricht, dass alle zur Beerdigung ihres Großvaters kommen werden, natürlich wird nur Elsbeth sie sehen können.
Viele Menschen begleiten den allseits geachteten Mann auf seinem letzten Weg.
Und als Elsbeth an ihre Tante geschmiegt am offenen Grab ihres Opas steht, sieht sie auch die 'Kleinen Leute', die ihr aufmunternd zulächeln und sie fühlt sich getröstet in ihrem großen Kummer.
Der Bürgermeister aber fühlt sich nicht wohl in seiner Haut.
Denn wenn er die schadenfrohen Blicke sieht, die ihm gelten, dann weiß er:
' Die nächste Wahl wird er nicht gewinnen'

© Lore Platz





Dienstag, 7. April 2015

Der Tag, als die Hühner streikten - Reizwortgeschichte

Ich hoffe ihr hattet alle schöne Osterfeiertage und habt auch eure bunten Eier alle erhalten.
Diesmal war es ja nicht so sicher und eigentlich haben wir es Gevatter Fuchs zu verdanken, dass Ostern nicht ausgefallen ist.
Aber lest selbst.
Herzlich bedanken möchte ich mich noch bei Elli für das Bild mit den bunten Eiern und bei Heide Marie für die gemalten drei Hennen mit Hut.
Die anderen Bilder sind von gif-Paradies.

Reizwörter: Licht, Garten, ahnen, erzählen,leuchten




Der Tag, an dem die Hühner streikten


Heute kann ich es euch ja erzählen, denn es ist alles gut ausgegangen und ich denke mal jeder hat seine Ostereier gefunden.
Dabei war vor einigen Tagen noch gar nicht so sicher, ob es diesmal klappt mit den Ostereiern.
Und das kam so.


Zwischen Himmel und Erde liegt das Zauberland und dort wohnt der Osterhase mit seiner Frau und seinen Kindern.
Das sind die drei Jungen Schlitzohr, Bertl und Angsthase und die drei Mädchen Myrtel, Fellchen und Samtpfote.
Sie wohnen inmitten einer großen Wiese in einem riesigen Haus, das aussieht wie ein Osterei.
Hinter dem Haus gibt es einen Garten, in dem Mutter Osterhase Karotten, Salat und verschiedene leckere Kräuter angepflanzt hat.
In dem schmucken Gartenhäuschen sind die Farbeimer und Pinsel, sowie der große gusseiserne schwarze Kessel in dem die Eier gekocht werden, untergebracht.
Alles ist sehr ordentlich, denn Frau Osterhase legt darauf großen Wert.
In der großen offenen Scheune am Rande der Wiese steht der Pritschenwagen, mit dem sie in der nahegelegenen Farm die Eier abholen und natürlich damit auch in die Menschenwelt fahren, um sie zu verstecken.
Schlitzohr liegt gerade unter dem Wagen und streckt die Hand aus.
Schraubenzieher!“
Welchen denn?“ fragt Bertl
Schlitzohr rutscht unter dem Wagen hervor und seine Brüder fangen an zu lachen, denn er ist ganz schwarz im Gesicht.
Vater Osterhase kommt in die Scheune und auch er schmunzelt.
Seid ihr so weit Jungs, wir müssen los.“
Gleich muss nur noch eine Schraube anziehen!“ ruft Schlitzohr, der sich inzwischen den Schraubenschlüssel selbst genommen hat.
Wenig später, nachdem sich der Hasenjunge noch schnell gewaschen hat, sind sie auf dem Weg zur Hühnerfarm.
Sie ahnen nicht, was dort auf sie wartet.



Auf der Hühnerfarm herrscht nämlich große Aufregung.
Die schöne Louisa thront auf dem großen Stein inmitten des Hofes und hält eine flammende Rede.
Die dicke Berta, die mit ihren Freundinnen bei einem gemütliche Tee zusammen sitzt, guckt aus dem Fenster.
Es ist Louisa, seit sie aus dem Ei geschlüpft ist hält sie sich für etwas besseres und verbreitet immer wieder Unruhe und besonders das Jungvolk hört auf sie. Was sie diesmal wohl wieder vorhat. Kommt wir wollen mal nachsehen.“
Berta und ihre drei Freundinnen verlassen das Häuschen und nähern sich dem Versammlungsort.
Wir werden, wenn heute der Osterhase kommt, die Eier nicht ausliefern!“ ruft Louisa gerade triumphierend und die anderen schreien begeistert „Jaaaaa!“
Nur einige der älteren Hühner sind still und machen ein bedenkliches Gesicht.
Berta drängt sich nach vorne.
Was soll denn der Unsinn, Louisa! Die Eier stehen doch schon verpackt in Körben im Schuppen. Was für eine verrückte Sache hast du dir denn jetzt wieder ausgedacht!“
Die junge Henne wirft ihr einen spöttischen Blick zu.
Seit Jahren arbeiten wir für den Osterhasen und welchen
Dank bekommen wir. Wir legen die Eier!!! Und nur weil der Osterhase ein paar Farbtupfer drauf gibt wird er gerühmt.
Manche Kinder glauben ja sogar, dass die Hasen auch noch die Eier legen. Habt ihr schon jemals ein Kind sagen hören, die lieben Hühner legen uns die Eier? Nein!, der liebe Osterhase bringt sie uns, ach wie ist er doch soooo lieb!“
Louisa hat sich richtig in Fahrt geredet und die anderen Hühner nicken zustimmend.
Berta aber schüttelt nur den Kopf.
So ein Unsinn, wir arbeiten für den Osterhasen und liefern die Eier, dafür besorgt er Futter für uns, hat uns diese hübschen Häuschen gebaut und außerdem den schützenden Zaun, durch den kein Fuchs oder Marder kommt.“
Louisa wirft ihr einen listigen Blick zu, dann wendet sie sich an die anderen.
Wer dafür ist, dass wir dem Osterhasen keine Eier ausliefern, der hebe den rechten Flügel.“
Fast alle Flügel schießen in die Höhe.
Und so kommt es, dass der Osterhase und seine Söhne vor verschlossenen Türen stehen, als sie wenig später die Eier abholen wollen.
Besorgt fahren sie wieder nach Hause, nachdem ihnen die dicke Berta gesagt hat, was los ist.
Mittlerweile ist es wieder ruhig geworden auf dem Hühnerhof. Die älteren Hühner haben sich besorgt in ihre Hütten zurückgezogen und das Jungvolk, das noch vor kurzem so begeistert 'Ja' geschrien hatte, schleicht leise über den Hof und wirft immer wieder einen scheuen Blick auf die Körbe voll Eier.
Louisa aber sitzt vor dem Spiegel und sieht sich selbstgefällig von allen Seiten an.
Sie ist sehr zufrieden mit sich, schon seit sie erfahren hat, wie beliebt der Osterhase bei den Kindern ist, war sie neidisch.
Dabei hat sie noch gar kein Osterfest erlebt, da sie ja noch sehr jung ist. Aber sie ist nun mal sehr eitel und alles soll sich nur um sie drehen.
Jetzt hat sie es diesen Osterhasen gezeigt, die werden sich ärgern, schade dass sie das nicht sehen kann. Warum eigentlich nicht? Sie würde heimlich die Osterwiese beobachten.
Vergnügt springt sie auf und verlässt den Hof.
Berta sieht zufällig aus dem Fenster, als Louisa durch das Tor schlüpft.
Dieses dumme Ding!“ schimpft sie leise, „sie weiß doch, dass draußen der Fuchs lauert.“
Berta wirft sich ihren Umhang um und verlässt ebenfalls ungesehen den Hof.
In der Ferne sieht sie die junge Henne, die stolz erhobenen Hauptes auf den Wald zu schreitet.


Aber Berta sieht auch ein rotbraunes Fell aufleuchten und erschrickt. Der Fuchs!
Und dann hört sie schon Louisa kreischen und rennt los.
Gerade noch sieht sie wie der Rotpelz die zappelnde Henne in seinen Bau schleppt.
Tränen laufen der guten Berta über die Wangen.
Wenn Louisa auch keine besonders nette Henne ist, aber diesen Schicksal hat sie nicht verdient.
Der Fuchs kommt wieder aus dem Bau und rennt schnell durch den Wald.
Berta versteckt sich im Gebüsch, bis er vorüber ist, dann schleicht sie vorsichtig in die Höhle, voller Angst was sie da vorfindet.
Louisa lebt noch, aber sie steckt in einem Käfig und starrt mit vor Angst geweiteten Augen auf die Tür, die sich langsam öffnet.
Im hellen Licht, das von draußen herein kommt, erkennt sie Berta und atmet erleichtert auf, als sie die alte Henne erblickt.
Berta, bitte Hilf mir, der Fuchs ist zu seinem Freund dem Marder, um ihn zum Festessen einzuladen und auf der Speisekarte werde ich stehen.“
Louisa heult laut auf und zittert am ganzen Körper.
Berta untersucht das Schloss des Käfigs, aber sie stellt gleich fest: 'das kann sie nicht öffnen.'
Ich hole Hilfe!“
Bleib hier Berta!“ jammert Louisa, doch diese ist schon durch die Tür.
Und Berta rennt, als gelte es das eigene Leben und erst auf der Osterhasenwiese fällt sie außer Atmen ins Gras.
Die Hasen kommen angelaufen und nachdem Berta endlich wieder etwas Luft bekommt, erzählt sie was geschehen ist.
Vater Osterhase und die Jungen laufen sofort los, während Frau Osterhase mit Berta ins Haus geht, um ihr einen Beruhigungstee zu kochen.
Erschöpft lässt die Henne sich auf einen der gemütlichen Sessel fallen. Myrtel stopft ihr ein Kissen hinter den Rücken, Fellchen legt ein anderes unter ihre Füße und Samtpfötchen reicht ihr knicksend die Tasse mit heißem Tee.
Dann setzen sich die Hasenmädchen zu ihren Füßen und Berta muss erzählen wie sie in die Fuchshöhle geschlichen war.
Mutter Osterhase aber geht vors Haus, um auf die Retter zu warten.
Endlich kommen sie aus dem Wald und in ihrer Mitte eine zerzauste, verlegene aber auch glückliche Louisa.
Unterwegs hat sie sich mehrmals bei dem Osterhasen entschuldigt und versprochen, dass sie die Eier bekommen werden.
Die Hasen fahren auch gleich zusammen mit Louisa zur Farm, denn die Zeit drängt.
Berta aber schielt auf die leckeren Erdbeertörtchen auf dem Tisch und meint:
Ich bin noch viel zu erschöpft und kann mich kaum auf den Füßen halten.“
Dann nimmt sie ein Erdbeertörtchen und lässt es blitzschnell im Schnabel verschwinden.
Lautes Hupen verkündet die Ankunft des Wagens.
Auf der Ladefläche aber zwischen den Körben mit Eiern sitzt das ganze Federvolk und flattert nun gackernd auf die Wiese.
Herr Osterhase aber tritt zu seiner Frau, die etwas entsetzt auf die kreischenden Gäste blickt.
Ich habe sie eingeladen uns zu helfen. Vielleicht könntest du ja für sie deine berühmten Erdbeertörtchen backen, die Mädchen sollen dir helfen.“




Drei würdevolle ältere Hennen kommen nun auf sie zu.
Jede von ihnen trägt einen großen eleganten Hut, auf dem lustig eine Feder hin und her schwankt.
Höflich grüßen sie und fragen nach ihrer Freundin Berta.
Frau Osterhase führt sie ins Haus und aufgeregt gackernd umringen sie ihre Freundin, die wieder mit Genuss ihr Abenteuer erzählt. Dabei wird der Kuchenteller überraschend schnell leer.


Frau Osterhase winkt die Mädchen in die Küche und während Samtpfötchen und Fellchen im Garten Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren pflücken, bereiten die Mutter und Myrtel in der größten Schüssel den Teig zu.
Nur wie sie den Tee servieren soll, da sie nicht genügend Tassen hat, weiß Frau Osterhase nicht.
Herr Osterhase und seine Söhne haben inzwischen den großen Topf aus dem Schuppen gerollt, um schwirrt von dem lärmenden Hühnervolk.
Sie begleiten die Hasen zum Bach und sehen dann staunend zu, wie das Feuer unter dem großen Topf, der nun voll Wasser ist, entfacht wird.
Als es brodelt und sprudelt werden die Eier mit großen Löffeln vorsichtig im Wasser versenkt, begleitet von den
Ahh und Ohhs“ der Zuschauer.
Dann werden die Tische mit den Farbeimern aufgestellt und die Hasen beginnen zu malen.
Die Hennen aber drängen so nahe heran, dass sie die Künstler in ihrer Arbeit behindern.
Aber Herr Osterhase, den nichts aus der Ruhe bringt, lässt von Schlitzohr und Bengel einen extra Tisch aufstellen und bittet die Hühnern doch selbst einige Eier zu bemalen.
Nun bekommt jedes Huhn ein Ei, doch die beiden Hasenjungen erklären feixend, als der Vater außer Hörweite ist, leider gäbe es nicht genug Pinsel.
Aber womit sollen wir denn die Eier bemalen?“ rufen die zukünftigen Künstlerinnen enttäuscht.
Ihr habt doch eure eigenen Pinsel dabei,“ grinsen die Jungen und Kikki, die Kleinste, versteht sofort und taucht ihren Flügel vorsichtig in den Topf mit roter Farbe und fährt dann über das Ei, und freut sich über die roten Wellen, die sie hinterlässt.
Nun sind auch die anderen Hühner nicht mehr zu bremsen und bald sind sie bunter als die Eier.
Aber sie haben alle einen große Spaß und jubeln, kreischen und gackern.
So laut war es auf der Osterwiese noch nie.
Bald sind alle Eier trocken und in Körben verpackt zur morgigen Abfahrt bereit.
Die Hühner aber torkeln zum Bach, um sich zu waschen.
Dann gibt es Gebäck und Tee.
Frau Osterhase hat den Tee in einen großen Eimer geschüttet und ihre Gäste können daraus mit einer Schöpfkelle trinken.
Endlich flattern die müden, aber glücklichen Hühner auf den Pritschenwagen und Schlitzohr fährt sie nach Hause.
Erschöpft lehnt Frau Osterhase sich an ihren Mann.
Was für ein Spektakel,“ stöhnt sie.
Der Osterhase grinst leicht verlegen.
Ich habe sie eingeladen nächstes Jahr wieder zu helfen.“
Oh nein!“ ruft seine Frau entsetzt, doch dann kichert sie.
Wenigstens ist ein ganzes Jahr dazwischen!“
Und lachend gehen sie ins Haus.


 
© Lore Platz