Freitag, 29. Mai 2015

Das kleine rote Auto - Erinnerungsgeschichte






 Das kleine rote Auto


Manchmal ist es gar nicht so gut, wenn man einen tiefen gesunden Schlaf hat.
Wir haben unserer Tochter den Führerschein bezahlt und von dem Geld, das sie sich bei einem Praktikum verdient hat, kaufte sie sich ein kleines rotes Auto.
Und nun machten sie und ihre Freundinnen jedes Wochenende die Gegend unsicher.
In den Ferien beschlossen sie eine Fahrt quer durch Deutschland zu machen.
Übernachten wollten sie in Jugendherbergen oder im Zelt.
Vier Mädels, übermütig, fröhlich und mit dem Gefühl:
Mir gehört die ganze Welt!“, düsten sie los.
Damals gab es noch kein Handy und so rief meine Tochter immer wenn es ihr möglich war, von einer Telefonzelle aus an, da sie wusste, dass ich mir Sorgen machte.
 Als die Reise sich dem Ende näherte, beschloss eines der Mädchen noch ein paar Tage bei ihrem Freund zu verbringen und sie fuhren sie in Aachen an den Bahnhof.

Da es zu spät zum weiterfahren war, beschlossen sie gleich auf dem Parkplatz im Auto zu übernachten.
Die drei Grazien in der Sardinenbüchse.
So etwas kann man nur machen, wenn man jung ist.
Es war heiß und sie ließen die Fenster herunter und das Mädel, das auf der Rückbank schlief, hatte die Füße auf dem offenen Fenster abgestützt.
Mitten in der Nacht wurde meine Tochter wach, stieß ihre Freundin, die neben ihr auf dem Beifahrersitz schlief, an und grummelte: „ Ich glaube, da draußen ist jemand.“
Unsinn! Schlaf weiter!“



Strahlender Sonnenschein empfing sie am nächsten Morgen und eine böse Überraschung.
Während sie tief und fest schliefen wie die Murmeltiere hatte man ihnen die Radkappen und die Nummernschilder geklaut.




Lachen konnten sie erst später, denn erst einmal kamen einige Probleme auf sie zu.
Ein Glück, dass die Aachener Polizei so freundlich und hilfsbereit war.


© Lore Platz

Nun wünsche ich euch ein schönes Wochenende, Wetter momentan noch mies, aber angeblich soll es ja nächste Woche schöner werden, wird aber auch Zeit. (schmunzeln)

Sonntag, 24. Mai 2015

Frohe Pfingsten





Heute ist Pfingstsonntag und ich hoffe ihr seid nicht der Pfingstochse gewesen.
Im altbayrischen nennt man denjenigen, der an Pfingstsonntag zuletzt aufsteht scherzhaft einen Pfingstochsen.
In manchen Dörfern wird der Langschläfer zum Gaudium der Dorfbewohner auf einer Schubkarre durch den Ort gefahren.



Der Pfingstochse ist auch ein noch vereinzelt gepflegtes Brauchtum.
Das Vieh wird am Pfingstsonntag zum ersten Mal auf die Weide gebracht und in einer Prozession durch den Ort geführt.
Das kräftigste Tier wird mit Blumen, Stroh und Bändern geschmückt und führt die Herde als Pfingstochse an.
Daher auch die Redensart:
Geschmückt wie ein Pfingstochse.
Nun wünsche ich euch schöne Feiertage und am Dienstag treffen wir uns wieder.


 Pfingsten

Wenn es Pfingsten sieht nach Regen aus,
und man schaut nach dem Wetterhaus,
steht das Wettermännchen mit gespreizten Beinen,
da und lässt die Sonne gar nicht scheinen.

Schäme dich du alter Wettermann,
zu Ostern gabst du noch dicke an,
zu Pfingsten das schönste Wetter sei,
der Mai wär heuer doch da vorbei.





Wenn es regnet, du liebe Not,
der macht dann all die schönen Blumen tot,
sie würden liegen wie nasser Schnee,
und auf den Wegen wäre See an See.

Wenn wir darinnen baden könnten,
Wie die Spatzen und die Enten,
da aber wird doch gar nichts daraus
wir sehen dann wie die Maulwürfe aus.




Der Kuchen riecht so lecker her,
das schöne Wetter lockt so sehr,
und in unserem Feiertagsgewand,
das Pfingsten nun kam aus dem Schrank.

Nun schäme dich du böser Wettermann,
wir haben heut die schönsten Kleider an,
verschwinde in dein Wetterhaus,
und schicke schnell die Sonne raus.

Und der Wettermann der hört,
der Regen uns nun nicht stört,
weg ist der böse Wettermann,
die Sonne scheint doch schön warm.




Die Nachtigall



Dienstag, 19. Mai 2015

Der Streit der Buchstaben - Reizwortgeschichten

Zuerst möchte ich eine neue Mitschreiberin begrüßen, herzlich willkommen Sophie.
Könnt ihr euch noch erinnern, wie ich einst schrieb, dass es sich bei den Reizwortgeschichten-Scheiberinnen wie in dem Lied der zehn kleinen Negerlein handelt, nur im umgekehrten Sinn.
Nun sieht es so aus als würden wir der Zahl zehn immer näher kommen.

Heute geht es um die Reizwörter:
Lexikon, Karte, zeichnen, wunderbar, berühren

Die Bilder dazu hat mir wieder Heide Marie K. gezeichnet, wofür ich mich herzlich bedanken möchte.

Viel Spaß beim Lesen!






Der Streit der Buchstaben


Schrill ertönt die Schulglocke und lärmend stürzen die Erstklässler in den Schulhof, wo sie von ihren Müttern oder Omas bereits erwartet werden.
Johanna und ihre Freundin Christa dürfen schon allein nach Hause gehen, denn sie wohnen ganz in der Nähe.
Johanna winkt ihrer Freundin nach, als diese durch das Gartentor zu ihrem Haus läuft, dann hüpft sie vergnügt weiter.
Frau Baumann schneidet gerade einen Kopf Salat vorsichtig ab und blickt lächelnd ihrer kleinen Tochter entgegen.
Du kommst aber früh heute?“
Die letzte Stunde ist ausgefallen, Kaplan Werder ist krank.“
Das Essen ist aber noch nicht fertig.“
Das macht nichts, ich habe noch keinen Hunger, dann kann ich gleich meine Hausaufgaben machen und nach dem Essen zu Christa gehen. Wir wollen eine Karte für Frau Kebinger zeichnen, weil sie doch bald Geburtstag hat“
Johanna darf nämlich erst zum Spielen, wenn die Hausaufgaben gemacht sind.
Wenig später sitzt sie am Küchentisch. Ihre Mutter beugt sich über ihre Schulter.
Eifrig erklärt ihr das Mädchen:
Heute haben wir die letzten drei Buchstaben des Alphabets gelernt, X,Y, und Z. Siehst du...“
Sie deutet auf die linke Heftseite auf der 'Zebra' steht.
Das Zebra beginnt mit Z und wir müssen die ganze Seite
mit diesem Wort schreiben und hier...“
Johanna zeigt auf die rechte Seite des Hefts auf der ein sehr langes Wort steht, das die ganze Zeile füllt.
Das heißt Xylo..., Xylof..., Xylofo..., Xylofon und es ist ein X und ein Y drin. Damit kann man Musik machen. Weißt du wie es aussieht?“
Hat euch Frau Kebinger das nicht gezeigt?“
Johanna schüttelt den Kopf. „Nein sie hatte leider kein Bild.“


Dann wollen wir doch mal in Papas Lexikon nachsehen!“
Das Mädchen strahlt.
Das Lexikon ihres Vater war ein dickes in Leder gebundenes Buch mit vielen bunten Bildern und Papa hütete es wie einen Schatz.
Er hatte es von seinem Opa, der leider schon tot war, zum Schulabschluss bekommen.
Johanna war es verboten es anzufassen, nur wenn Mama oder Papa dabei waren.
Als die Mutter das Buch aus dem Regal im Wohnzimmer zieht, berührt Hanna ehrfürchtig das braune Leder.



Sie setzen sich auf das Sofa und Frau Baumann sucht die Seite mit dem Buchstaben 'X'.
Als das Mädchen das Musikinstrument sieht, ruft sie:
Aber das kenne ich, so etwas hat mir doch Tante Grete einmal geschenkt, nur waren Frösche darauf und immer wenn ich mit dem Hämmerchen auf einen Ton geklopft habe, dann haben sie gequakt.“
Sie runzelt die Stirn.
Eines Tages war es verschwunden und ich konnte es nicht mehr finden?“
Ihre Mutter wird ein wenig rot, denn daran war sie schuld, das Ding machte einen grässlichen misstönenden Lärm, dass sie es einfach heimlich entsorgte, als Hanna im Kindergarten war.
Um das Kind abzulenken, blättert sie schnell weiter zum Z
und deutet auf das Zebra.
Johanna winkt ab. „Das habe ich doch im Zoo gesehen.“
Frau Baumann stellt das Buch zurück und sie gehen in die Küche.

Es ist Abend und der gute alte Mond wandert seine Bahn.
Vor Johannas Fenster verweilt er und lässt einen seiner silbernen Strahlen in das Zimmer gleiten.
Lächelnd betrachtet er das vom Schlaf zart gerötete Gesicht und streichelt sanft über die Wange des Mädchens, das leise lächelt.
Doch dann runzelt der alte Geselle die Stirn.
Die pinkfarbene Schultasche öffnet sich und ein leises Schimpfen und Murmeln ist zu hören.
Buchstaben verlassen die Mappe und klettern an dem Tischbein empor, um auf dem Tisch heftig zu streiten anzufangen.
Der Mond spitzt die Ohren.
 „Ich bin der wichtigste Buchstabe, denn ich stehe für 'Anfang',“ ruft das A.
Wenn das so ist, dann bin ich der wichtigste, denn ich stehe für Ende!“ brüllt das E.
Unsinn!“ behauptet sich das S , „für das Wort 'Schluss' bin ich verantwortlich.
Quatsch! Was wären die Menschen wohl ohne Leben, also bin ich am allerwichtigsten, „ meldet sich das L.
Ach ja und gäbe es das Feuer nicht, könnten die Menschen gar nicht kochen,“ ereifert sich das F.
Und was ist mit dem Licht!“ ruft das L „ und was mit dem Bett,“ meint das B.
Ich kann Wunder vollbringen, Wünsche erfüllen und das ist wirklich wunderbar!“ erklärt das W.
Und nun rufen alle durcheinander, jeder weiß ein anderes besonders wichtiges Wort und will die anderen damit übertrumpfen.
 Nur das K steht mit verschränkten Armen etwas abseits und betrachtet Kopf schüttelnd die Streithähne.
Das fällt dem D auf und es stellt sich breitspurige
vor das K .
Du bist ja so still, gibt wohl kein Wort das wichtig wäre.“
Das K zieht eine Augenbraue nach oben und lächelt überlegen.
Oh doch, es gibt sogar ein sehr wichtiges Wort an dessen Anfang ich stehe und es ist sogar das Gegenstück zu einem Wort von dir?“
Pah, und was wäre das?“
Die Klugheit!“
Einen Moment sind die Buchstaben still, doch dann ruft das vorwitzige V:
Und das Gegenstück ist die Dummheit. Das D ist dumm!“



Alle fangen zu lachen an und das O lässt sich sogar auf den Rücken fallen und strampelt mit Armen und Beinen.
Das D aber wird puterrot, ballt die Fäuste und macht einen Schritt auf das K zu.
Schnell stellt sich das F dazwischen, denn schließlich ist es für den Frieden verantwortlich.
Das K aber bleibt ganz ruhig und wartet bis seine Kameraden sich wieder beruhigt haben.
Dann aber sagt es ernst:
Ihr streitet euch wer für das wichtigste Wort verantwortlich ist, dabei habt ihr aber vergessen, dass ein einzelner Buchstabe kein Wort bilden kann.
Nur mit Hilfe eurer Kameraden entstehen doch Wörter.
Was wäre der Apfel ohne das p – f - e und l, der Wind ohne das i - n und d und die Sonne ohne das o – die n-Zwillinge und das e.
Die Buchstaben schweigen betroffen und senken beschämt die Köpfe.
Daran haben sie nicht gedacht, nur das K. Kein Wunder, dass es für das Wort Klugheit verantwortlich ist.
Dann aber lachen sie fröhlich und befreit auf, fassen sich an den Händen und tanzen jubelnd um das K herum.
Als Johanna sich unruhig im Bett bewegt, werden sie ganz leise, rutschen das Tischbein hinunter und verschwinden im Schulranzen.
Der Mond aber zieht lächelnd weiter

© Lore Platz


Übrigens hatte meine Tochter ein so grässliches Frosch-Xylofon. Aber ich habe es NICHT heimlich verschwinden lassen.



Dienstag, 12. Mai 2015

Eine Bildergeschichte - Reizwortgeschichte


 Reizwörter:

Thermometer, Eis, bitten verzaubert, lockig


Liebe Leser, die ihr schon länger unsere Reizwortgeschichten verfolgt, werdet auch bemerkt haben, dass ich ab und zu eine Pause benötige.
Obwohl diese Wörter wirklich leicht sind und sich für eine wunderbare Geschichte eignen würden, so ist mir doch nichts eingefallen.
Deshalb probiere ich einmal etwas Neues aus.
Eine Bildergeschichte.






Wenn das Thermometer steigt
Und Sommerwärme zeigt
Brennt die Sonne dann ganz heiß
Wünscht man sich ein lecker's Eis





Auch Herr Hahn stolz und kess
Seinen Bauernhof verlässt
Bittet Einlass hier bei mir
Denn seine Hennen mit ihrem Gegacker
machen ihn ganz irr!





Ich aber setze mich entspannt und gelassen
auf meine gemütliche Terrasse
Lasse durch der Vögel fröhlich Singen
verzaubert in ein anderes Land mich bringen





Schließ' die Augen, reis' in die Vergangenheit zurück
In der ich klein und mit lockigem Haar
Ein unbeschwertes Kind noch war
Es kommt nicht wieder der Kindheit Glück






Auf der Wange dann ein zarter Kuss
Ich öffne die Augen und schmunzeln ich muss
Die Muse ist's und mit dabei, sind all die Zauberwesen
Die lange nicht mehr dagewesen.




Bitten muss ich nicht lange
war die Muse doch bei Christine gefangen
Jetzt kann ich sagen ganz gewiss
Die nächste Geschichte bereits in meinem Kopfe ist



Sonntag, 10. Mai 2015

Zum Muttertag






 Allen Müttern, die hier lesen möchte ich einen schönen Muttertag wünschen.

Gleichzeitig möchte ich mich herzlich bedanken, denn ich habe die 
'40 000' überschrittten. Ein schönes Gefühl, zeigt es mir doch, dass  euch meine Geschichten gefallen.
Danke!







Die Mutter


 

Rund um die Uhr ist eine Mutter bereit
die Tränen zu trocknen und trösten das Leid,
sie hat uns das Lächeln geschenkt,
und uns in die richtige Richtung gelenkt.

Das schönste Geschenk ohne Frag,
als wir das erste Mal haben Mutter gesagt,
Wir sind gewachsen viel zu schnell,
und immer wieder war die Mutter zur Stell.
     
Dann kam der Schultag mit großem Bangen,
 dort hat man mit Lesen angefangen,
 sie hat geholfen beim Lernen,
 unser Können lag noch in weiten Fernen.

Man wurde geschubst in die raue Welt, 
für uns war sie immer wie ein Held
die kleinsten Erfolge wurden von ihr belohnt,
geliebt zu werden, waren wir gewohnt.

Als wir eine Prüfung hatten bestanden,
hat sie in unserm Rücken gestanden,
dann auch das erste Liebesleid,
hat sie ohne zu murren mit uns geteilt.

Auf dem Weg in die freie Welt,
hat sie sich nie in den Weg gestellt,
und in voller Bangen und Hoffen,
war der Weg zu ihr immer offen.

Als in unserer Ehe dann selbst ein Kind gebar,
wir erst, was damals geschah,
das eigene ich stellten wir hinten an,
und taten das, was unsere Mutter getan.

 Die Wege aller waren aber doch verschieden,
wir sind immer selbst Kind geblieben,
Dann wurde die Mutter krank
und wir bezeugten unseren Dank.
                
Danach schied sie aus dem Leben,
sie hatte uns ihre ganze Kraft gegeben,
Was haben wir alles versäumt,
wenn uns von unserer Mutter träumt.

Jedes Wort was wir nicht zu ihr gesagt,
ist, dass es noch heute in uns plagt,
Nun ist sie in einer anderen Welt,
braucht nicht mehr kämpfen um Liebe und Geld.

Die Blumen die man heute noch bringen kann,
die schauen doch nur andere an,
in der Hoffnung auf einmal ein Wiederseh`n,
lässt uns den weiteren Kampf in der Welt besteh`n



Die Nachtigall


Dienstag, 5. Mai 2015

Gibt es ein Leben nach den Kindern? - Reizwortgeschichte


 Reizwörter: Gemüse. Hausfrauen, griesgrämig, 
                    kaufen, zaubern


Meine Tochter begann ihre Ausbildung in München, doch dann beschloss sie diese in Berlin zu beenden.
Sie schrieb damals kleine Geschichten, die sie im Internet veröffentlichte und lernte dadurch einen jungen Mann kennen, der einen kleinen Radiosender hatte und ihre Werke dort vortrug.
Dann wurde in dessen WG ein Zimmer frei und meine Tochter zog es nach Berlin.
Das war ein Schock für mich, dachte ich doch sie würde während ihrer Ausbildungszeit noch bei uns bleiben.
Tränen flossen natürlich bei mir, aber nur heimlich.
Denn Kinder muss man ziehen lassen, wenn sie ihre Flügel ausprobieren wollen.
Dieses Thema habe ich nun in meiner heutigen Geschichte verarbeitet.  
Viel Spaß beim Lesen!







Gibt es ein Leben nach den Kindern?


Bärbel steht an der Tür und winkt dem Auto nach.
Nun hat auch ihr Nesthäkchen das heimatliche Nest verlassen.
Frank bringt sie gerade nach München zum Bahnhof und von dort fährt sie dann nach Berlin, wo sie ihre Ausbildung beenden will.
Durch einen Glücksfall hat sie ein Zimmer in einer WG bekommen.
Seufzend wendet sich die Frau um und geht ins Haus, das jetzt so merkwürdig still und verlassen wirkt.
Und nun kommen die Tränen, die sie bisher so tapfer unterdrückt hat.
Tag an Tag reiht sich aneinander und Bärbel weiß oft nichts mit sich anzufangen. Als sie wieder einmal zum dritten Mal über die frisch polierte Spüle fährt, lässt sie sich ermattet auf einen Stuhl fallen.
Die Stille erdrückt sie.
Wie sehr vermisst sie doch den Lärm, die Fröhlichkeit und selbst das Chaos, das ihre Kinder immer hinterlassen hatten bevor sie das Haus verließen, um dann in einigen Stunden wieder zu kommen, hungrig und voll von ihren Erlebnissen.
Schluss mit dem sinnlosen Putzen!
Sie musste raus hier.
Kurzentschlossen greift sie ihren Korb, wirft Schlüssel und Geldbörse hinein und verlässt das Haus.
Auf dem Wochenmarkt sind um diese Zeit nur Hausfrauen zu treffen.
Bärbel schlendert zum Stand von Erna Waldinger, bei der sie seit Jahren immer einkauft.
Die alte Frau begrüßt sie mit einem Lächeln und packt das gewünschte Gemüse in ihren Korb.
Als sie ihr das Wechselgeld zurückgibt meint sie schmunzelnd.
Ihre Einkäufe werden immer weniger.“
Bärbel nickt.
Nun hat auch unser Nesthäkchen das Nest verlassen und mein Mann und ich sind alleine.“
So ist es im Leben, die Kinder werden flügge.
Ich habe ihr drei ja aufwachsen sehen. Es sind prima Kinder und sie müssen sich keine Sorgen machen, die werden sich in der Welt behaupten.“
Aber sie fehlen mir und zuhause ist es so entsetzlich still!“
Das ist der Lauf der Welt, daran kann man nichts ändern, aber es ist doch auch eine Chance und sie könnten etwas für sich tun.“
Vielleicht, auf Wiedersehen.“
Mit müden Schritten schlendert sie weiter.
Bärbel, Bärbel!“
Bärbel sieht sich um und entdeckt vor dem
Cafe Bergmeister ihre ehemalige Schulfreundin Adelheid.
Mensch Heidi, seit wann bist du denn wieder hier.“
Noch nicht lange, aber setze dich doch. Wie geht es dir denn?“
Bärbel schüttet der Freundin ihr Herz aus.
Ich habe ja keine Familie, da mein Beruf mich immer zu sehr in Anspruch genommen hat, aber manchmal sind solche Veränderungen auch eine Chance.“
Das habe ich heute schon einmal gehört,“ murmelt ihre Freundin.
Ich stehe auch gerade vor einer Veränderung.“
Gefällt es dir denn nicht mehr in Hamburg?“
Und wie, aber mein Vater hatte einen Herzinfarkt.“
Ich habe davon gehört, wie geht es ihm denn?“
Besser und wenn er nicht mehr so viel arbeitet kann er noch lange leben. Er möchte, dass ich seinen Verlag übernehme.“
Adelheids Vater gehörte ein kleiner Zeitungsverlag, der täglich die regionale Zeitung herausbrachte.
Möchtest du?“
Adelheid nickt zögernd.
Wie du weißt hat mein Urgroßvater den Verlag gegründet und nun liegt es wohl an mir ihn weiter zu führen.“
Du willst dich also wieder in den Staub unseres Provinznestes begeben,“ grinst Bärbel.
Die beiden Frauen prusten los.
Als Adelheid nach ihrem Examen das Angebot einer großen Hamburger Zeitung bekommen hatte, führte sie einen Freudentanz auf und jubelte:
Nun kann ich endlich und für immer den Staub dieses Provinznestes von den Schuhen schütteln!“
Als sich beide wieder beruhigt haben, gesteht Adelheid etwas verlegen:
Naja auch hier hat sich in den letzten Jahren viel verändert und außerdem möchte ich etwas frischen Wind in unseren Verlag bringen.
Neben der Regionalzeitung möchte ich auch über das Weltgeschehen berichten, die Landwirtschaftszeitung neu gestalten und etwas über die ländliche Küche und auch die Ausflugsziele hier berichten. Und ich habe eine Zeitung für die ganze Familie geplant.
Da wird es etwas für die Väter, die Mütter und auch die Kinder geben.“
Sie runzelt die Stirn und betrachtet Bärbel nachdenklich.
Malst du eigentlich noch diese reizenden kleinen Bilder und denkst dir dazu Geschichten aus, wie du es in unserer Kindheit immer getan hast?“
Schon lange nicht mehr, als die Kinder noch klein waren habe ich ihnen immer kleine ausgedachte Gutenachtgeschichten erzählt und manchmal auch Bilder für sie gezeichnet.“
Hast du keine Lust für meine neue Familienzeitung eine Kindergeschichte zu schreiben und Bilder dazu zu zeichnen? Am besten eine Fortsetzungsgeschichte, das erhöht die Auflagen, denn die Kleinen werden solange betteln, bis die Eltern die nächste Zeitung kaufen, damit sie die Fortsetzung lesen können. Was meinst du? Entschuldige!“
Adelheids Handy klingelt.
Während ihre Freundin telefoniert überlegt Bärbel und mehr und mehr gefällt ihr der Gedanke.
Adelheid klappt das Handy zu und springt auf.
Tut mir leid, ich muss los!“
Sie kramt in ihrer Tasche und reicht Bärbel eine Visitenkarte.
Lass es dir durch den Kopf gehen und rufe mich an. Ich würde mich freuen.“
Auch Bärbel macht sich auf den Weg nach Hause.
In dem kleinen Schreibwarengeschäft an der Ecke kauft sie sich einen Block und Stifte.
Zu Hause stellt sie den Einkaufskorb achtlos in der Küche ab und läuft hinaus in der Garten.
Sie setzt sich auf die Bank und legt Block und Stifte auf den Tisch vor sich.
Die Sonne scheint warm auf sie herunter und dringt bis in ihr Herz.

Weiße Schäfchenwolken zieren den hellblauen Himmel und Bienen um schwirren summend die duftenden Blüten.
Eine Amsel singt auf dem Birnbaum voll Inbrunst ein Lied und ein Schmetterling tanzt taumelnd vor übermütiger Freude dazu.
Plötzlich erwacht der Garten zum Leben.


Der Schmetterling verwandelt sich in eine kleine Elfe, die sich auf einer Tulpe niederlässt und vergnügt mit den Beinen baumelt.
Die Bienen haben auf einmal kleine goldene Eimerchen, in die sie fleißig den gesammelten Nektar geben.




Der Amselmann aber trägt einen Smoking und eine weiße Fliege, hält zwischen den Flügeln einen bunten Blumenstrauß und singt für seine Angebetete ein Liebeslied.
Diese sitzt einige Äste weiter in einem einfachen braunen Hauskleid und lauscht verzückt dem voll tönenden Bariton.
Ein Zwerg mit griesgrämigem Gesicht, steckt seinen Kopf aus dem Brombeergebüsch und brüllt:
Ruhe, ich möchte schlafen!“
Bärbels Stift fährt über das Blatt und immer mehr liebliche, skurrile und fröhliche Gestalten entstehen.
Und dazu spinnt und zaubert sie im Kopf eine wundersame Geschichte, die sie später dann aufschreiben wird.
Blatt um Blatt füllt sich und Bärbel vergisst gänzlich die Zeit und erschrickt, als ihr Mann plötzlich neben ihr steht und sie begrüßt.
Schuldbewusst sieht sie auf die Uhr.
Ich habe vergessen zu kochen.“
Frank grinst.
Den Einkaufskorb habe ich in der Küche gesehen, aber was zeichnest du denn da?“
Er setzt sich neben sie und während er sich staunend Blatt für Blatt betrachtet, erzählt ihm Bärbel von Adelheids Vorschlag.
Frank aber freut sich, denn er hat sich schon Sorgen um seine Frau gemacht.
Doch nun sind die Schatten verschwunden und es leuchtet wieder die alte Energie und Lebensfreude aus den Augen seiner Bärbel.

© Lore Platz
Eva Vs Geschichte

Regina ist in Urlaub und lässt sich den Wind an der Nordsee um die Ohren wehen, deshalb kann sie dieses Mal nicht mitmachen. 

Sonntag, 3. Mai 2015

Die Sache mit dem Respekt



Dieses Bild schickte mir meine Tochter aus Prag





Vor einigen Tagen saß ich auf der Terasse und habe gelesen.

Es war abends gegen vier Uhr und die Nachbarsfamilie kam von der Arbeit, setzte sich auf die Terrasse unterhielt sich und ab und lachten sie, was mir auch ein Lächeln entlockte.
Da kam der alte Mann, der über mir wohnte auf seinen Balkon und brüllte. "Ruhe ich will schlafen!"
Die junge Tochter meiner Nachbarn meinte: "Dann gehen sie ins Altersheim!"
Im ersten Moment war ich schockiert, denn wir wurden noch zu Respekt vor älteren Leuten erzogen und so eine Antwort hätte mir wohl eine Ohrfeige meines Vaters eingetragen.
Doch dann ging mir durch den Kopf:
'Wieso soll man zu älteren Leuten immer höflich und respektvoll sein wenn sie es gar nicht verdienen.'
Respekt ist etwas, was man nicht geschenkt bekommt, sondern Respekt muss man sich verdienen.
Und dieses Rentnerpaar über uns schikaniert alle Mieter hier im Haus, mein Mann nannte sie immer unsere 'Blockwarts'.
Uns ließen sie ja in Ruhe, nachdem ihnen mein Mann mal ordentlich die Meinung gesagt hatte und die anderen Mieter belächeln sie nur.
Ich bin ja auch ein älteres Semester, aber mich mögen die Leute im Haus und Kinder und Jugendliche haben es mir gegenüber noch nie an Respekt fehlen lassen.
Vielleicht liegt es auch daran weil auch ich ihnen mit Respekt begegne?




Das Generationsverhalten


Wenn wir nach dem Alter gefragt,
dann sind wir jung – aber hoch betagt,
die Jungen sagen, die Alten spinnen,
unsere Lebensfreude kommt ja von innen.

Was früher war zählt heute nicht mehr,
für alles muss heute was Neues her,
wir alten sagen, es ist eine verrückte Welt,
die Jungen verstehen nicht, was uns nicht gefällt.

Wir wollen unseren Tagesablauf gedanklich gestalten,
bei den Jungen ist es anders als bei uns Alten,
ich stelle es, man verzeihe mir, übertrieben dar,
vielleicht ist das Eine oder Andere auch wahr.

Was macht der Wecker morgens für einen Krach,
die Jungen werden trotzdem nicht wach,
unterm Kissen macht das Handy Alarm,
es wird Zeit und es drückt der Darm.

Zum Frühstück stehen oder sitzen sie separat,
während zischt und blubbert der Vollautomat,
der Blick auf das Display ganz besessen,
sie haben wieder mal die Reinigung vergessen.

Zum Glück wird eine Tasse voll geschenkt,
nun schnell, die Zeit drängt,
das Iphone gibt schon wieder ein Signal,
da müssen sie schauen, sie haben keine Wahl.

Aber noch schnell zum Computer rüber,
Morgens bleib keine Zeit über,
noch an die E-mails schnell ran,
dann zur Arbeit ist der Gang.

Dort gibt es Stress mit Citymobbimg,
andere sind Online Shopping,
jeder zeigt so seinen Willen,
und sie drängen abends wieder mal zu Grillen.

Wie ist das nun bei uns Alten,
den Tagesablauf wollen wir ruhig gestalten,
wir setzen uns täglich zur gleichen Stunde,
gemütlich in die Frühstücksrunde.

Früher wurden wir auch früh geweckt,
das Frühstück hat uns gut geschmeckt,
wir waren ruhig und besonnen,
haben den Arbeitstag frisch begonnen.

Wir hatten immer die Thermoskanne dabei,
belegtes Brot mit Salat und Ei,
von Smartphone wurden wir nicht abgelenkt,
und wussten auch wo der Hammer hängt.

Den Feierabend taten wir Alten,
immer noch sehr sinnvoll gestalten,
ohne Computer, nicht auf Facebook gepostet,
wir haben nur mit einem Bierchen geprostet.

Wir stellten uns damals in Briefen vor,
das nennen sie uns schon Antiqua,
wir gaben uns Mühe in Schrift und Form
die Rechtschreibung heute, ist enorm.

Mit dem heute verwendeten Begrifflichkeiten,
kommen wir schon echt in Schwierigkeiten,
ein E-Book-Reader mit Touchscreen Funktion,
war früher ein Buch, aber wer glaubt das schon.

Ein Fernseher hatte im Bild auch mal Schnee,
heute haben sie HDTV und Full HD,
wir kennen weder gif noch SAP oder zippen,
wir lernten noch auf der Schreibmaschine das Tippen.

In der Ehe ging man früher durch dick und dünn
wenn es schwierig wird, schmeißt man heute alles hin,
Zwei oder drei Hunde, das ist modern,
sind wir noch normal, oder auf einem anderen Stern?

Wir wollen heute unsere Ruhe genießen,
und mit Jedem unseren Frieden schließen,
wir arbeiteten ruhig und mit bedacht,
die Jugend heute oft nur darüber lacht.

Die Nachtigall