Dienstag, 30. Juni 2015

Nur ein wenig Plaudern - Reizwortgeschichte

Reizwörter:
Schuhe, Kapitel, kurz, verhindert,
nachdenken






Nur ein wenig plaudern

Langsam geht es mir wieder besser, denn heute Nacht konnte ich das erste Mal seit gut einer Woche wieder durchschlafen ohne störenden Husten.
Ja eine böse Sommergrippe hatte mich in den Krallen und deshalb wollte auch die Muse nicht zu mir kommen, denn sie wollte sich nicht anstecken.
Ein bisschen war ich ja gekränkt, denn in meinem lädiertem Zustand fühlte ich mich sowieso von aller Welt verlassen.
Doch dann dachte ich nach, eigentlich hat sie ja Recht, denn sie muss so vielen kreativen Menschen zur Seite stehen, da ist es nur vernünftig wenn sie auf ihre Gesundheit achtet.
Also ist dieses Kapitel für mich erledigt.
Heutzutage sind Schuhe für uns etwas alltägliches und nicht mehr wegzudenken.
Mindestens zwanzig Paar hat jeder von uns doch in seinem Schrank, von den bequem Puschen bis zu den Stöckelschuhen heute nennt man sie ja Highheels.
Es bedeutet wörtlich übersetzt: ' Hohe Fersen'
Und es sind wirklich oft schwindelerregende Höhen auf denen manche Menschen oft durch die Gegend
stöckeln.
Ich zittere immer ein wenig, wenn ich eine Künstlerin in hohen Haken die Showtreppe herunter komme sehe und überlege, welche Schwerkraft wohl verhindert, dass sie nicht stürzt.
Wusstet ihr, dass die Stöckelschuhe Anfang des 20igsten Jahrhundert erfunden wurde und dass Marlene Dietrich eine der ersten war, die sie bei öffentlichen Auftritten trug.
Vor fünfzig Jahren konnte sich noch nicht jeder Schuhe leisten. Eine Bekannte von mir, die ist noch keine sechzig Jahre alt, erzählte mir; dass sie als Kinder so arm waren, dass sie Sommer und Winter barfuß liefen.
Und die Winter damals waren noch ziemlich hart.
Deshalb waren sie immer froh, wenn sie auf der Weide einen frisch gefallenen Kuhfladen fanden, denn darin konnten sie ihre Füße aufwärmen.
Ich war wirklich schockiert, als ich dies hörte.
Dass wir einmal keine Schuhe hatten, daran konnte ich mich nicht erinnern.
Natürlich liefen wir im Sommer barfuß und ich liebte es durch das kühle Gras zu laufen.
Doch einmal bin ich auf eine Biene getreten, ach was hat Klein Norle da geweint. Doch meine Mutter machte einen kühlen Verband mit essigsaurer Tonerde und alles war wieder gut.
Meine Mutter war eine sehr elegante Frau, die wunderbar mit der Nähnadel umgehen konnte und deshalb waren wir trotz der schlechten Zeiten immer gut gekleidet.
Auch besaß sie ein paar Stöckelschuhe, in die ich zu gerne schlüpfte und mich wie ein große Dame dabei fühlte.
Und meine kleine Freundin und ich spielten gerne Schuh verkaufen.
Dazu holten wir sämtliche Schuhe aus dem Schrank und in abwechselnder Kleidung natürlich aus Mutters Schrank kauften wir nun ein.
Einmal als feine Dame, einmal als armes Mädchen unsere Fantasie war grenzenlos.
Übrigens könnt ihr euch noch an die Salamander Schuhe erinnern?
Ich liebte sie und freute mich immer, wenn meine Mutti mit mir zum einkaufen in den Schuhladen ging.
Nicht wegen den Schuhen, sondern weil man immer das Bilderbuch von Lurchi geschenkt bekam.
Mein Vater wurde 1915 in Pirmasens geboren, der Schuhmetropole von einst und er hat als Junge nach der Schule eine Lehre in einer der großen Schuhfabriken als Zuschneider abgeschlossen.
Wusste ihr, dass es die Römer waren, die als erstes einen linken und rechten Schuh fertigten.
Die Herstellung bedeutete zwar einen größeren Aufwand aber es führte zu einem größeren Tragekomfort.
Doch das Wissen verschwand mit dem Untergang des römischen Reiches.
Statt für den rechten und linken Fuß einen eigenen Leisten zu machen, arbeiteten die Schuhmacher mit einem gleichen Leisten für beide Füße.
Diese Lederschuhe waren unangenehm zu tragen und so ließ sich der Adel im Barock die Schuhe von den Bediensteten einlaufen.
Erst Ende des 19ten Jahrhunderts gab es wieder verschieden gefertigte Leisten.
Welch ein Glück, sonst würden wir wohl nicht so bequemes Schuhwerk besitzen.
Obwohl manche Kreationen kommen wir doch manchmal wie ein Folterwerkzeug vor.
Schönheit muss leiden!
Man sagt ja Schuhe unterstreichen die sinnliche Ausstrahlung.
Und ein zierlicher Damenfuß ist ein weit verbreitetes Schönheitsideal.
Besonders in China wurden den Mädchen bereits als Kleinkinder die Füße gebunden, um sie so am wachsen zu hindern.
1000 Jahre hielt sich diese grausame Mode. Verkrüppelte Zehen, gebrochene Knochen und Füße zehn Zentimeter klein wie eine Lotusknospe, das fand der Kaiser erotisch.
Erst im 20igsten Jahrhundert unter Mao Zedong
wurde diese sehr schmerzhafte Behandlung verboten.
Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, es ist zehn Minuten vor neun also will ich es kurz machen und euch nur noch einen schönen Dienstag wünschen.

© Lore Platz





Dienstag, 23. Juni 2015

Der Tanz der Feen - Reizwortgeschichte

Nun ist es wieder soweit, Dienstag und die Reizwortgeschichten sind da.
Heute sind es die Wörter:
Vollmond, Wagnis, verführerisch, majestätisch, widerstehen
Viel Spaß beim Lesen!



Der Tanz der Feen

 
Roswitha wird wach. Sie setzt sich im Bett auf und weiß im ersten Moment nicht wo sie ist.
Dann fällt es ihr wieder ein. Gestern sind ihre Eltern und sie bei der Oma angekommen und sie liegt in Omas Bett.
Schnell klettert sie aus dem großen altmodischen Bettgestell und läuft barfuß zur Tür.
Witta, wo willst du hin?“
Die Kleine dreht sich zu ihrer Oma um, die im Lehnstuhl am Fenster sitzt.
Erleichtert klettert sie auf deren Schoß und kuschelt sich zufrieden an die alte Frau. „Ich wollte dich suchen, als du nicht mehr neben mir lagst.“
Liebevoll streicht Frau Gartner ihrer Enkelin über das Haar.
Still sehen sie dann beide in den Garten, der im silberhellen Licht des Mondes geheimnisvoll und etwas gespenstisch wirkt.
Etwas bewegt sich unter den Bäumen und Roswitha ruft:
Das ist bestimmt eine Maus!“
Oder ein kleiner Zwerg, der zur Feenwiese will, um ihnen beim Tanz zuzuschauen.“
Tanzen denn die Feen heute Nacht?“
Jede Vollmondnacht treffen sich die Feen, es sind zwölf an der Zahl, auf der Feenwiese, um zu tanzen und Wichtel, Zwerge, Elfen und die Tiere des Waldes kommen um ihnen zuzusehen. Anschließend gibt es dann ein großes Fest.
Der Wichtel Puck, der noch viel zu klein war und deshalb zu Hause bleiben sollte, machte sich einmal ganz allein auf den Weg, weil er unbedingt auch die Feen tanzen sehen wollte. Willst du die Geschichte hören.
Roswitha nickt heftig und kuschelt sich zufrieden an die Oma.


Mitten in einem großen schönen Wald steht eine alte knorrige Eiche. Sie ist schon sehr alt und selbst der heftigste Sturm kann ihr nichts anhaben, denn ihre starken langen Wurzeln sind tief in der Erde verankert.
Und gleich neben der dicksten Wurzel liegt ein Eingang.
Ein großes Schild hängt da, auf dem steht;
Familie Wurzelpurzel.
Vater Knorke hat dieses Schild höchst persönlich gemalt.
Zwei große Eicheltöpfe mit Farbe hat er dafür gebraucht.
Neben dem Schild führt ein Geländer abseits direkt in eine große gemütliche Wohnküche.
Vier Türen führen in die Zimmer von Vater Knorke und Mutter Primella, Sohn Fredjo, Tochter Bellina und Puck, dem Jüngsten.
Die Möbel hat Meister Specht gezimmert, die Bettwäsche und Tischdecken wurden von Madame Seidenraupe gefertigt. Und Frau Spinne webte die zarten filigranen Gardinen .
Das Geschirr hat Knorke selbst geschnitzt, wofür ihm die Buche freundlicherweise etwas Holz überließ.
Und den wunderschönen silbergrauen Teppich, der die Küche noch wohnlicher machte, hat ihnen die Bartflechte zum Einzug geschenkt.
Still war es in der kleinen Wohnung, denn sicher schliefen alle. War es doch auch schon tiefe Nacht.
Doch da öffnen sich drei der Türen. Knorke und Primella kommen aus ihrem Schlafzimmer und auch Fredjo und Bellina verlassen ihre Zimmer.
Alle verhalten sich ganz leise, damit sie den kleinen Puck nicht wecken.
Doch der hat längst etwas bemerkt und steckt nun verschlafen seinen Kopf durch den Türspalt.
Überrascht reißt er die Augen auf und kommt in die Küche.
Seid ihr aber hübsch angezogen, wo wollt ihr denn so spät noch hin?“
Dann fällt es ihm wieder ein.
Ihr wollt zum Tanz der Feen und mich wollt ihr hier lassen!“ ruft er empört.
Du bist noch zu klein, geh zurück ins Bett!“ befiehlt der Vater.
Puck zieht einen Flunsch.
Immer heißt es, ich bin noch zu klein. Das ist ungerecht!“
mault er, geht aber zurück in sein Zimmer, denn wenn der Papa so streng guckt, sollte man lieber folgsam sein.
Schlaflos wälzt er sich im Bett herum. Er kann einfach nicht mehr einschlafen, selbst wenn er ganz fest die Augen zusammen presst.
Schließlich springt er aus dem Bett und zieht sich an. Wenn sie ihn schon nicht mitnahmen, dann würde er eben allein gehen.
Als er aber hinaus in die Dunkelheit tritt, da wird ihm doch etwas eigen zumute. Noch nie war er nachts alleine im Wald gewesen. Auch wenn der Mond leuchtet, so sieht der Wald doch eher gespenstisch aus. Soll er wirklich das Wagnis eingehen?
Zögernd bleibt er stehen. Doch der Gedanke an das Abenteuer ist zu verführerisch und dem Ruf der Freiheit kann er einfach nicht widerstehen.
Er steckt die Hände fest in die Taschen, zieht den Kopf etwas ein und stapft los.
Krampfhaft versucht er das Rascheln ringsum zu überhören und geht unverdrossen weiter.
Schließlich ist er ja ein tapferer keiner Wichtel.
Plötzlich rauscht es dicht neben ihm, etwas streift ihn und eine Eule fällt kopfüber neben ihn auf den Boden.
Ächzend erhebt sie sich und richtet zeternd ihr Federn.
Puck, dummer Bub was treibst du dich mitten in der
Nacht im Wald herum, beinahe hätte ich dich gefressen, weil ich dich mit einer Maus verwechselt habe!“
Aber ich sehe doch nicht wie eine Maus aus!“
Frau Eule wird etwas verlegen.
Naja, du weißt doch meine Augen sind nicht mehr die Besten.“
Der Wichtel kichert.
Und ihr seid zu eitel, um die Brille zu tragen, die euch Doktor Augentrost gebastelt hat.“
Frau Eule schnaubt nur verächtlich.
Was machst du überhaupt so spät im Wald?“
Ich will zum Tanz der Feen, fliegt ihr vielleicht auch dahin, dann könntet ihr mich doch mitnehmen.“
Pah, habe besseres zu tun und du solltest auch lieber nach Hause gehen.“
Traurig sieht Puck ihr nach, doch dann geht er mutig weiter.
Dachse, Luchse, Schlangen, Marder, und ein Rudel Rehe eilen an ihm vorbei.
Nur ein Kaninchen bleibt stehen und fragt, ob er mitkommen will.
Erfreut nickt Puck, doch da spitzt das Kaninchen seine beweglichen Ohren, mit denen es Geräusche aus verschiedenen Richtungen wahrnehmen kann.
Tut mir leid Kleiner, da kommt der Fuchs!“
Und es verschwindet in den Büschen.



Wenn später taucht der Fuchs in Begleitung von Frau Fledermaus auf und die beiden nehmen den kleinen Wichtel ein Stück mit.
Doch mit seinen kleinen strammen Beinen kommt Puck nur langsam vorwärts und die beiden verlieren die Geduld und lassen ihn stehen.
Du kannst ja mit mir mitkommen, ich bin auch nicht sehr schnell.“


Sabine Schnecke hält neben Puck und nun gehen die beiden gemeinsam weiter.
Dann aber bleibt Sabine Schnecke keuchend stehen.
Ich kann nicht mehr weiter,“und sie verschwindet in ihrem Haus. Etwas ratlos wartet der Wichtel, dass Sabine wieder hervor kriecht. Doch leise Schnarchtöne zeigen, dass die Schnecke eingeschlafen ist.
Mutlos lässt sich Puck ins Moos sinken. Wäre er doch nur zu Hause geblieben. Dicke Tränen rollen über seine Wangen.
Warum weinst du denn Puck?“
Malwine Eichhorn sieht den Wichtel besorgt an.
Schluchzend erzählt ihr Puck seinen Kummer.
Malwine lacht. „Komm, ich bringe dich zur Festwiese.“
Über ihren buschigen Schwanz krabbelt Puck auf den Rücken des Eichkätzchens und nun geht es schnell über Stock und Stein.

Bald haben sie die Wiese der Feen erreicht und Malwine bringt den kleinen Wichtel zu seinen Eltern.
Die sind sehr überrascht, aber sie schimpfen nicht und Papa Knorke nimmt seinen kleinen Sohn auf den Arm, damit er besser sehen kann.
Ein Faun erscheint und setzt sich auf den Ast eines Baumes. Er hebt seine Panflöte an die Lippen und eine wunderschöne einschmeichelnde Melodie erklingt.
Die zwölf Feen schweben auf die Wiese.
Ihre pastellfarbenen Kleider wehen um ihr grazilen Gestalten und in den langen Haaren sind Blumen eingeflochten.
Sie stellen sich auf die Zehenspitzen, heben die Arme und beginnen zu tanzen.
Atemlose Stille herrscht auf den Platz, denn alle sind bezaubert von den anmutigen Bewegungen der Tänzerinnen.
Am Ende des Tanzes fassen sich die Feen an den Händen und schweben nach oben.
Sie rücken zusammen, als wären sie eins und von den Büschen und Bäumen lösen sich die Glühwürmchen und formieren sich über den Köpfen der Feen zu einer Krone.
Einige Sekunden bleibt dieses Bild, dann löst es sich auf.
Die Glühwürmchen kehren zurück auf die Bäume und die zwölf Feen schweben langsam auf die Wiese.
Sie versinken in einen tiefen, majestätisch anmutenden Knicks.
Der Feenkönig tritt aus dem Dunkel der Bäume und neigt dankend das Haupt.
Dann deutet er auf die im Hintergrund gedeckten Tische und erklärt das Fest als eröffnet.
Herrschte bis jetzt atemlose Stille, so wird es jetzt um so lauter.
Bis zum Morgengrauen dauert das Fest und Puck ist schon längst im Arm seiner Mutter eingeschlafen.“

Frau Gartner streicht liebevoll ein Strähne aus dem Gesicht von Roswitha.
Du hast ja auch schon ganz kleine Augen, komm wir gehen schlafen.“
Sie schlüpfen ins Bett und das Mädchen kuschelt sich an die Oma und ist gleich darauf eingeschlafen.
Die alte Frau aber liegt noch lange wach, denn bei Vollmond fällt es ihr schwer einzuschlafen.
Doch irgendwann schläft auch sie.

© Lore Platz





Donnerstag, 18. Juni 2015

Die Sache mit dem Glauben




Die Sache mit dem Glauben

Viele Kriege werden unter dem Vorwand des Glaubens geführt und jede Religion ist überzeugt, den einzig richtigen Glauben zu besitzen.
Mein Vater war evangelisch, meine Mutter katholisch und trotzdem haben sie geheiratet und eine über vierzig Jahre dauernde Ehe in Liebe und Treue geführt.
Wir Kinder wurden katholisch getauft.
Trotzdem kam einmal ein katholischer Pfarrer, ich war damals ungefähr zehn Jahre alt, zu meiner Mutter und warf ihr vor, dass sie in Sünde lebe.
Vielleicht hat sich ja die Kirche inzwischen ein wenig geändert, aber engstirnige Betonköpfe wird es wohl immer wieder geben.
Dabei war es unser evangelischer Vater, der besonders darauf achtete, dass wir in die Kirche gingen und begleitete uns an den hohen Feiertagen wie Ostern und Weihnachten in die katholische Kirche.
Haben nicht alle Glaubensrichtungen denselben Ursprung und sich nur ihrer Kultur gemäß auseinander entwickelt?
Man besitzt doch den Glauben in den man hineingeboren wurde.
Und die höllische Verdammnis, Furcht einflößend, ist in jedem Glauben vorhanden.
Ein türkisches Mädchen, dem ich schon jahrelang Nachhilfe gab und die mich sehr gern hatte, kam
eines Tages nach dem Islam-Unterricht zu mir und
betrachtete mich sehr besorgt.
Als ich sie fragte, was denn los wäre, meinte sie:
Im Islam heißt es, dass die Andersgläubigen in die Hölle kämen.“
Ich musste mir ein Grinsen verkneifen.
Weißt du,“ sagte ich dann, „ dasselbe erklärt auch unser Glauben und sieh uns beide mal an, du bist ein guter Mensch und ich bin ein guter Mensch.
Glaubst du wirklich, dass einer von uns in die Hölle kommt?“
Übrigens hatte meine Tochter einmal eine äußerst hitzige Diskussion mit ihrem Religionslehrer, der ihnen die Aufgabe stellte; sie sollten begründen warum Ghandi, der doch ein guter Mensch war, trotzdem in die Hölle kam.
Warum ich heute darüber schreibe?
Am Samstag wurde in unserer Kreisstadt P. eine Moschee eingeweiht und im Vorfeld gab es im Internet schon große Aufregung darüber und die beiden Bürgermeister erhielten von mehreren Seiten Morddrohungen auch wurde eine Protestdemonstration angekündigt.
Wohlgemerkt von Menschen im Internet und per Mail, nicht von der Bevölkerung hier.
Einer schrieb:
Es ist eine Schande, dass sich jetzt auch in der Provinz schon der Islam ausbreitet, aber zum Glück gibt es da ja auch genügend Laternenpfähle, an denen man den Bürgermeister aufknüpfen kann.“
Ich ließ mir dann von einer meiner ehemaligen Nachhilfeschülerin schildern wie die Einweihung war.
Viele Polizisten waren da und die nicht sehr große Anzahl der Demonstranten erreichte nicht einmal den Ortskern.
Beide Bürgermeister und der Landrat hielten eine Rede und betonten, dass die Muslimische Bevölkerung schon lange zu ihnen gehöre.
Auch der katholische und evangelische Pfarrer waren anwesend.
Aber was das schönste war, sämtliche deutschen Einwohner trugen ein T-Shirt mit der Aufschrift:
P… ist bunt.
Es wäre doch alles so einfach und mit ein wenig gutem Willen können auch verschiedene Kulturen friedlich neben einander oder noch besser miteinander leben.
Aber das wird wohl nie geschehen:
Denn wir schicken Jumbojets, die hunderte von Menschen transportieren können in die Luft, ohne dass sie herunter fallen.
Wir schicken Raketen auf den Mond und Satelliten ins Weltall die uns Nachrichten aus aller Welt übermitteln können.
Wir erfinden die kleinste und feinste High Tec , die Wunder vollbringen kann.
Aber eines werden wir niemals schaffen:
Die Dummheit der Menschen auszurotten


Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Albert Einstein (1879 – 1955 )

Dann wünsche ich euch ein schönes Wochenende und denkt daran:
Jeder kann mit seinem Leben dazu beitragen, die Welt ein wenig schöner zu machen.

Dienstag, 16. Juni 2015

Und plötzlich ist man Oma - Reizwortgschichte

Bis Freitag hatte ich nicht einmal den Hauch einer Idee zu den Reizwörtern:
Erdbeeren, Sekunden, wachen, klagen, schlaflos
Dabei sind das doch wirklich einfache Wörter, aber es ist ja inzwischen die 67.Reizwortgeschichte und ich habe immer das Gefühl, bereits über alles schon einmal geschrieben zu haben.
Also spielte ich bereits mit dem Gedanken, diesmal mich einfach mit einer Entschuldigung aus der Affäre
zu ziehen, doch kann kam mir wie ein Blitz eine Idee.
Viel Spaß beim Lesen!

www.pixelio.de Fotograf joujou

Und plötzlich ist man Oma
  

Luise Brunner band sich die Schürze um das Dirndl und schaute in den Spiegel.
Müde Augen sahen ihr entgegen. 
Wie so oft in den vergangenen zehn Jahren war sie lange wach gelegen und hatte sich dann immer wieder schlaflos herum gewälzt.
Und wenn sie dann schlief, dann kam es ihr vor als wären es nur Sekunden gewesen.
Vor zwölf Jahren hatte ihr einziger Sohn nach einem bitterbösen Streit mit ihrem Mann den Hof verlassen.
Bertl war dahinter gekommen, dass Andreas statt Landwirtschaft Medizin studierte, weil er unbedingt Arzt werden wollte.
Sein Vater hatte ihn vor die Wahl gestellt, Landwirt oder Medizin.
Die beiden Hitzköpfe hatten sich angeschrien und ein Wort gab das andere und dann hatte Andreas seinen Rucksack gepackt und war gegangen.
Zwei Jahre hatte sie ihm Geld fürs Studium geschickt, denn Bertl hatte die Unterstützung für seinen Sohn eingestellt.
Doch dann war ihr Mann dahinter gekommen und es hatte einen fürchterlichen Krach gegeben und er hatte ihr die Vollmacht für das Konto entzogen.
Seitdem hatte sie auch nichts mehr von ihrem Jungen gehört.
Seufzend wendete sie sich um und ging die knarrenden Holzstufen hinunter.
Aus der Küche klang das Klappern von Geschirr und das Lachen der Mägde.
Luise setzte ein Lächeln auf und trat mit einem Gruß ein.
Guten Morgen,“ klang es fröhlich zurück und Kathi, die
Jungmagd brachte ihr eine Tasse dampfend heißen Kaffee.
Die alte Theres brockte Brot in ihr Haferl Kaffee und warf
unter ihren buschigen Augenbrauen einen prüfenden Blick zur Bäuerin.
Sie bemerkte als einzige die müden traurigen Augen.
Theres war schon über achtzig und war schon auf dem Hof, als der Bauer noch in den Windeln lag, und durfte sich mehr erlauben als manch andere und sie hatte dem Bertl damals ordentlich die Meinung gesagt, als er den Buben vom Hof jagte, aber genutzt hatte es auch nichts.
Sture Dickschädel waren sie eben alle Beide.
Der Bauer kam in die Küche, brummte einen kurzen Gruß und ließ sich auf seinem Platz nieder.
Kathi brachte auch ihm ein Haferl Kaffee.



Während Bertl sich reichlich von der Erdbeermarmelade auf sein Butterbrot schmierte warf er einen besorgten Blick zu seiner Frau.
Er hatte mitbekommen, dass sie sich wieder ruhelos im Bett gewälzt hatte und wie so oft hatte er ein schlechtes Gewissen.
Es tat ihm doch auch schon leid, die Sache mit dem Buben und er hätte es gerne ungeschehen gemacht, denn der Andi fehlte ihm, aber er wusste nicht wie.
Er war halt so ungeschickt, wenn es um Gefühle ging.
Deshalb sagte er barscher, als er wollte.
Luise, die Selma wird bald kalben, behalte sie ein wenig im Auge und ruf den Tierarzt, wenn etwas sein sollt. Das letzte Mal hat sie sich auch so schwer getan.
Ich bin mit dem Loisl und dem Xaver auf der oberen Wiese, da kann man net mit'm Mähdrescher hin, müssen also mit der Sense mähen.
Und du Kathi, nachher wenn' st im Stall fertig bist, kimst aufi und hilfst beim zsamm recha. Und Alma du bringst die Kühe auf die Weide.“
Er verließ die Küche.
Luise folgte den Mägden in den Stall.
Während Kathi die Melkmaschine säuberte, ließ Alma die Tiere aus der Box und trieb sie den Gang entlang ins Freie.
Luise aber ging zu Selma, die mit müden Augen in ihrem Pferch stand.
Nicht wahr es ist schon ein Kreuz mit den Kindern. Schmerzen hat man bis sie auf der Welt sind und dann machen sie einem immer wieder mal Sorgen und Kummer.“
Später ging Luise in den großen Gemüsegarten.
Sie kniete nieder, um das Unkraut zu rupfen.

Grüß Gott!“
Die Frau sah auf und sah ein kleines etwa vierjähriges Mädel am Zaun.
Grüß Gott,“ antwortete sie freundlich.
Was machst du da?“
Ich rupfe Unkraut.“
Warum?“
Damit das Gemüse mehr Platz zum Wachsen hat.“
Darf ich dir helfen?“
Gerne, komm nur rein, dort vorne ist die Tür.“
Bald knieten die beiden einträchtig nebeneinander und rupften das Unkraut aus der Erde.
Dabei stand das Mündchen der Kleinen keinen Moment still.
Und so erfuhr Luise, dass sie Fiona hieß, aber jeder sie nur Pünktchen rief, wegen ihrer Sommersprossen.
Dass sie bei Doktor Bauer wohnten und ihr Papa aber noch in Berlin sei, weil er seinen Vertrag noch einhalten müsse.
Aber in einigen Wochen würde er dann nachkommen und dann blieben sie immer hier.
Ein weißer Spitz kam bellend an den Zaun, ihm folgte ein etwa achtjähriger Junge.
Pünktchen sprang auf
Das ist Flocke und mein Bruder Tobias.“
Pünktchen,“ schimpfte der Junge, „ du sollst doch nicht allein losgehen, wenn du dich nun verirrst?“
Quatsch!“
Das Mädchen deutete mit dem Finger auf den Kirchturm.
Ich gehe immer in Richtung Kirche und nicht weit davon ist dann das Haus von Onkel Pankratz.“
Willst du herein kommen? Wir wollten gerade eine Pause machen. Es gibt Kirchweihnudeln.“
Wat it dat?“
Du sollst doch nicht berlinern,“ schimpfte Pünktchen ihren Bruder.
Luise aber lachte und meinte: „Kirchweihnudeln sind so ähnlich wie Berliner.“
Bald saßen sie alle in der Küche bei Kakao und dem Schmalzgebäck.
Luise hörte amüsiert dem Geplänkel der Kinder zu und stellte erstaunt fest, dass sie so viel wie heute die vergangenen zehn Jahre nicht mehr gelacht hatte.
Später brachte sie die Kinder hinaus und winkte ihnen noch lange nach.
Als sie ins Haus zurück kehrte wurde sie von der alten Theres, die auf der Bank in der Sonne saß, aufgehalten.
Die Kinder gefallen dir wohl?“
Ja,“ Luise lächelte versonnen,“ weißt, es ist seltsam, aber mir ist, als würde ich sie schon immer kennen.“
Das ist die Stimme des Blutes,“brummte die alte Magd.
Sie klopfte auf den Platz neben sich.
Setz dich zu mir, ich muss mit dir reden.“
Und nun erfuhr Luise, dass Andreas seinen Doktor gemacht und als Internist in der Charité in Berlin arbeitete.
Dort hat er auch seine Frau Friedel kennen gelernt, die als Krankenschwester ebenfalls dort tätig war.
Aber warum hat er nie mehr geschrieben?“ klagte Luise.
Weil er dir keinen neuen Ärger mit dem Vater bereiten wollte, deshalb hat er sich an mich gewandt und wollte immer wissen wie es euch geht.“
Und warum hast du mir nicht gesagt, dass ich zwei Enkelkinder habe?“
Das hätte dich doch nur noch trauriger gemacht und gegen den Bertl hast du dich doch noch nie durchsetzen können.“
Luise sah still vor sich hin. 
Dann straffte sie die Schultern und eilte los.
Wohin willst' denn?“
Zum Doktorhaus!“
Theres schmunzelte.
Wird Zeit Bäuerin, dass du mal Rückgrat zeigst.“
Eine hübsche junge Frau öffnete auf ihr Klingeln.
Der Herr Doktor ist nicht da, er macht gerade einen Hausbesuch.“
Ich will auch nicht zum Pankratz, sondern zu dir. Ich bin die Alpenhofbäuerin.“
Die junge Frau errötete leicht und meinte verlegen.
Ich weiß, wollen sie herein kommen?“
Gern, aber wir sagen uns gleich du, nicht wahr.“
Friedel lächelte, „ willst du einen Kaffee?“
Luise folgt der jungen Frau in die große geräumige Küche und während sie sich den Kaffee schmecken ließen, stellte sie viele Fragen, die Friedel bereitwillig beantwortete.
Bald war es als würden sie sich schon ewig kennen.
Die Tür ging auf und die Kinder und hinter ihnen Pankratz kamen in die Küche.
Hm hier duftete es nach Kaffee.“ Zufrieden ließ er sich von Friedel eine Tasse einschenken.
Weißt Luise, seit die Friedel hier ist geht es mir gut, die verwöhnt mich und kochen kann die.“
Er küsste seine Fingerspitzen und alle lachten.
Und wenn erst der Andreas da ist, dann hab ich auch Hilfe in der Praxis und später wird der Bub sie dann ganz übernehmen. Aber vorher gibt es wohl noch einiges zu machen, hier wie auch anderswo.“
Er zwinkerte Luise zu.
Pünktchen die sich an ihr Knie geschmiegt hatte fragt nun:
Tante Luise bleibst du zum Abendessen?“


Prima, es jibt Buletten, di magst sicher und Mama macht so nee große, da wirste kieken.“
Tobias, du sollst doch nicht berlinern!“ riefen Friedel und Pünktchen.
Pankratz aber lachte.
Luise hast du alles verstanden? Er meint Fleischpflanzerl riesig große und du wirst staunen.“
Ich habe ihn schon verstanden.“ Liebevoll strich sie dem Jungen über das Haar.
Nach dem Abendessen brachte Luise zusammen mit Friedel die Kinder ins Bett, dann setzten sich die drei Erwachsenen mit einem Glas Rotwein zusammen und überlegten wie sie den Bertl auf Andreas Rückkehr vorbereiten sollten.
Schließlich kamen sie überein, dass es wohl am besten wäre es über die Kinder zu versuchen.
Da sowieso der Maler kam, um die Zimmer zu renovieren, wäre das eine gute Ausrede, wenn Luise sich in der Zeit um die Kinder kümmerte.
Es war schon zehn Uhr, als Luise sich auf den Heimweg machte.
Sie fühlte sich so glücklich und beschwingt, wie schon lange nicht mehr.
Bertl war noch wach, als sie in die Schlafstube trat.
Wo warst du denn so lange?“
Beim Pankratz!“
Fehlt dir was?“
Nein jetzt nimmer!“
Luise legte ihre Kleider ordentlich auf den Stuhl, schlüpfte ins Bett und war gleich darauf eingeschlafen.
Bertl aber lag noch lange wach und grübelte über seine Frau, die ihm heute so verändert vorkam, nach.
Wie staunte er aber als er wach wurde und Luise leise summend aus dem Bad kam.
Diese hatte wunderbar geschlafen wie schon lange nicht
mehr und während sie ihre langen Haare flocht und zu einem Knoten am Hinterknopf zusammen rollte, meinte sie.
Heute geh ich zum Frisör und lass mir die Haare schneiden, die machen viel zu viel Arbeit.“
Nein, du weißt doch wie sehr ich deine langen Haare liebe, das erlaube ich nicht!“
Luise schenkte ihrem Mann ein strahlendes Lächeln.
Mich stören sie aber schon lange und deshalb müssen sie ab!“
Vergnügt summend verließ sie die Schlafstube und betrat die Küche mit einem Scherzwort.
Die Mägde starrten sie erstaunt an und Theres kicherte vor sich hin.
Noch mehr aber staunten sie, als Luise erklärte sie würde nachher zum Frisör gehen.
Der Bauer war heute noch schweigsamer als sonst und warf immer wieder verstohlene Blicke auf seine Frau die heute so verändert wirkte.
Und als er die Arbeit verteilte für den heutigen Tag, da fiel sie ihm ins Wort.
Mit mir brauchst du heute nicht rechnen, ich gehe zum Frisör und anschließend fahre ich mit dem Besuch vom Pankratz in die Kreisstadt. Ich brauche ein paar hundert Euro und außerdem, habe ich keine Lust mehr um jeden Cent zu betteln. Ab heute will ich wieder Vollmacht über unser Konto.“
Mit diesen Worten verließ sie die Küche.
Bertl sah ihr mit offenen Mund nach und Theres kicherte.
Mit der neuen Kurzhaarfrisur sah Luise wirklich hübsch aus und es schien als wäre sie um Jahre jünger, vielleicht aber lag das auch an dem Strahlen, das von ihr ausging.
Mit Friedel und den Kindern verlebte sie einen schönen Nachmittag in der Stadt und sie kleidete die drei von Kopf bis Fuß neu ein.
Als ihre Schwiegertochter protestiert, meinte sie nur, sie hätte so viele Jahre nachzuholen.
Nachdem sie noch ein großes Eis gegessen hatten fuhren
sie wieder nach Hause.
Wieder schlief sie wunderbar diese Nacht und am nächsten Tag beim Frühstück teilte sie mit, dass das Doktorhaus renoviert werde, damit die Familie des neuen Arztes einziehen könnte und sie sich angeboten hat, sich in der Zeit um die Kinder zu kümmern.
Mach was du willst,“ brummte Bertl nur, dem seine plötzlich so selbstbewusste Frau ein wenig unheimlich wurde.
Und von nun an kamen die Kinder jeden Tag und auch Bertl begann sich mit ihnen anzufreunden.
Ja er ertappte sich sogar dabei, dass er frühmorgens schon Ausschau nach ihnen hielt.
Pünktchen hatte ihn bereits um ihren kleinen reizenden Finger gewickelt und nur allzu gern beantwortete er die Fragen von Tobias, der alles über die Landwirtschaft wissen wollte.
Nur, dass der Bub immer wieder in seinen Berliner Dialekt zurück fiel, störte ihn ein wenig.
Bald war es als gehörten die Kinder schon immer zum Alpenhof und auch Friedel, die abends wenn sie die Kinder abholte noch ein wenig blieb, gehörte bald dazu.
Inzwischen waren die Zimmer im Doktorhaus alle fertig und ein großer Möbelwagen war aus Berlin gekommen.
Begeistert erzählten die Kinder wie schön es jetzt wäre und jeder hätte wieder sein Zimmer genau wie in Berlin.
Trotzdem aber kamen sie jeden Tag, denn der Alpenhof war ihre zweite Heimat geworden.
Die Dörfler aber hatten neugierig den Umzugswagen beobachtet, doch noch immer war von dem neuen Doktor nichts zu sehen.
Und wenn sie den alten Pankratz fragten, dann meinte der
nur, der kommt schon noch oder könnt ihr es nimmer erwarten bis ihr mich los seid.
Luise aber hatte schon öfter mit ihrem Sohn telefoniert und
wusste, dass er bald kommen würde.
Sein Vertrag mit der Charité war jetzt ausgelaufen, die Wohnung hatte er verkauft und nun musste er nur noch ein paar Behördengänge machen, dann könnte er los.
Es war Sonntag und wie immer waren Friedel und die Kinder da und sie alle saßen bei Kaffee und Kuchen, als die Tür aufging und ein junger gut aussehender Mann die Stube betrat.
Papa!“ jubelte Pünktchen und die Kinder liefen zu Andreas der sie fröhlich umfing.
Luise presste beide Hände auf die Brust und Tränen traten in ihre Augen.
Friedel schenkte ihrem Mann einen zärtlichen Blick
Bertl aber saß wie erstarrt und über sein Gesicht zuckte es wie Wetterleuchten und seine Hände ballten sich zu Fäusten.
Andreas setzte Pünktchen vorsichtig auf den Boden und trat an den Tisch.
Er streckte die Hand aus und sagte leise.
Grüß Gott, Vater, willst mich denn nicht willkommen heißen?“
Bertl rührte sich nicht und alle hielten den Atem an.
Pünktchen aber kletterte auf die Bank, schmiegte ihre Wange an die raue Backe des Bauern und fragte:
Warum willst du denn dem Papa nicht 'Grüß Gott' sagen?“
Behutsam reichte der das kleine Dirndl an seine Frau weiter, die neben ihm saß, dann stand er auf und drückte fest die Hand seines Sohnes.
Die beiden Männer umarmten sich und schämten sich nicht der Tränen, die in ihren Augen standen.
Luise und Friedel aber liefen die Tränen über das Gesicht und die Kinder sahen mit großen staunenden Augen auf die Erwachsenen.
Noch mehr aber staunten sie, als sie erfuhren, dass Luise und Bertl ihre Großeltern waren.
Nun aber ging es ans erzählen, viele Jahre waren aufzuholen.
Pünktchen war längst im Arm ihres Vaters eingeschlafen und Tobias stand am Fenster und schaute mit gerunzelter Stirn hinaus.
Dann drehte er sich um und rief:
Opa, kieck mol, gleich wird’s zu pladdern (stark regnen) afange und dös Vieh is no uff der Weide“
Der alte Bauer stand auf und meinte gemütlich:
Dann wollen wir es rein holen, bleibt nur sitzen,“ winkte er zu Luise und Andreas.
Dann legte er die Hand auf die Schulter von Tobias.
Der Bua und ich wir schaffn des scho. Der wird moa a guater Landwirt, nur des berlinern, des muss i eam no abgwöhna!“
Fröhliches Lachen folgte den Beiden, als sie hinaus gingen.

© Lore Platz