Dienstag, 27. Oktober 2015

Einfach nur quatschen - Reizwortgeschichte

So eine Woche ist doch immer schnell vorbei und wieder gibt es eine Reizwortgeschichte.
Diesmal sind es die Wörter:  
Decke,  Wagen, bunt, erklären, armselig




Einfach nur quatschen


Sicher könnt ihr es euch denken und ich muss es nicht extra erklären.
Mir ist diesmal keine Geschichte eingefallen.
Also erzähle ich euch einfach ein bisschen.
Über was soll ich reden, was haben wir denn für ein Wort?
Ah Decke!
Das erinnert ich mich an eine schöne bunte Decke, die ich für unser erstes Auto gehäkelt habe.
Kurtl war ja schon vierzig, als er seinen Führerschein machte, da er, solange er zur See fuhr, kein Auto brauchte.
Umso stolzer war er dann auf seinen ersten Wagen und wir fuhren gleich als erstes drei Wochen durch das Elsass.
Frisch verheiratet und verliebt, stolze Besitzer eines goldenen Mitsubishis fühlten wir uns wie Könige.
Die ersten Jahre einer Ehe sind einfach die schönsten, findet ihr nicht auch.
Später holt einem dann der Alltag und die Sorgen ein, aber das schweißt noch mehr zusammen.
Entspannter wird es dann wieder, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Mann in Rente ist.
Dann hat man auch wieder mehr Zeit füreinander.
Ich hatte ja das Glück, alle drei Phasen der Ehe erleben zu dürfen.
Natürlich war der Übergang von der Arbeit zur Rente nicht einfach für meinen Mann und MICH!
Er wusste nämlich so gar nichts mit sich anzufangen.
Also begann er mir im Haushalt zu helfen. Schon immer hatte es ihn gestört, dass ich nicht immer gleich nach dem Frühstück abwasche.
Ich ließ nämlich das Geschirr vom Frühstück und Mittagessen zusammen kommen.
Kurtl begann nun sofort nach dem Frühstück abzuwaschen, während ich noch gemütlich meine letzte Tasse Kaffee genoss.
Als er mir aber dann meine halb leer getrunkene Tasse fast aus der Hand riss, da reichte es mir.
Mein Mann spielte gerne „Mensch ärgere dich nicht“.
Also schlug ich ihm vor, wer verliert muss abspülen.
So schlug ich zwei Fliegen mit einer Klappe.
Ich konnte in Zukunft meinen Kaffee in Ruhe trinken und mein Mann freute sich auf das Spiel und war für eine Weile beschäftigt.
Mit der Zeit fand er dann seinen Renten – Rhythmus und einige Monate später einen Nebenjob, der nicht zu anstrengend aber ihm doch Spaß machte und mir eine Verschnaufpause gönnte.





Was ich euch nun erzähle ist echt wahr.
Gestern Nacht wache ich auf, halb eins nach neuer Zeit und auf einmal erscheint im Gang ein überirdisches Licht.
Schreck, Angst, gruseln!
Mein erster Gedanke: EINBRECHER
Ich halte den Atem an und lausche, absolute Stille
Nach langem Zittern und Überlegen, wälze ich mich aus dem Bett und gehe dem Lichtschein nach.
In der Küche über der Anrichte habe ich eine Neonröhre, die aber schon seit Urzeiten kaputt ist.
Die brennt nun plötzlich und der Einschaltknopf ist nach unten gedrückt.
Ich mache sie aus, aber ganz wohl ist mir nicht in meiner Haut.
Es gibt nun zwei Erklärungen:
Mein Neffe hat mir im Flur an der Decke die Glühbirne ausgewechselt und die Leitungen hängen irgendwie zusammen.
Oder es ist ein Gruß meines Mannes.
Obwohl ja die Seelen der Verstorbenen erst am 31.10.
für eine Nacht auf die Erde dürfen.
Die Kelten glaubten nämlich fest daran, dass die Seelen der Verstorbenen in der Nacht vom 31. Oktober als Geister auf die Erde zurückkommen, um in ihre Häuser zurückzukehren.
Doch die Geister die den Weg zurück nicht fanden und verzweifelt umher irrten, die spukten durch die Nacht und erschreckten die Menschen.
Deshalb verkleiden sich Groß und Klein als schreckliche Monster und haben ihren Spaß die Leute zu erschrecken.
Besonders in Amerika wird Halloween ja ganz groß gefeiert und dort gibt es wirklich die abscheulichsten Verkleidungen.
Heidi Klum liebt ja dieses Fest und denkt sich jedes Jahr etwas aus und das mit einem großem Medienrummel.
Der Brauch wurde von irischen Einwandern in das Land er unbegrenzten Möglichkeiten gebracht und kam auch im
19. Jahrhundert nach Europa.
Doch bei uns hat Halloween nicht gar so große Bedeutung.
Vielmehr ist der 31. Oktober der Allerseelen – Tag und wir gedenken dann unserer lieben Verstorbenen.
Und im katholischen Bayern ist es sogar ein Feiertag.




Wisst ihr warum an Halloween Kürbisse ausgehöhlt werden und man ein Licht hineinstellt.
Ursprünglich waren es ja Rüben, aber in Amerika gab es nicht so viel Rüben, also nahmen die Iren Kürbisse.
Und so entstand der Brauch in Kürbisse Fratzen zu schneiden und diese dann von innen zu beleuchten.
Doch ich wollte euch ja erzählen warum das so ist.
Der alte irische Hufschmied Jack, ein Tunichtgut und Trunkenbold, saß mal wieder in seinem Lieblingspub und war nicht mehr ganz nüchtern.
Da erschien der Teufel und wollte seine Seele. Jack stierte in sein fast leeres Glas und bat den Herrn der Finsternis, ihm noch einen Drink zu spendieren.
Der Teufel aber hatte kein Geld dabei und verwandelte sich in eine Münze.
Jack nahm diese und steckte sie in seine Lederbörse, auf der ein Kreuz aufgenäht war.
Erst als der Teufel ihm versprach, ihn ein Jahr in Ruhe zu lassen, ließ er ihn frei.
Nach einem Jahr kam der Höllenfürst wieder und verlangte die Seele von Jack.
Dieser bat, der Teufel möge ihm doch einen Apfel pflücken.
Kaum saß Luzifer aber auf dem Baum, ritzte Jack ein Kreuz in die Rinde.
Und nun musste der Teufel  versprechen ihn in Ewigkeit in Ruhe zu lassen.
Jack wurde ein alter Mann und starb.
Am Himmeltor aber wies man ihn wegen seinem schlechten Lebenswandel ab und der Teufel konnte ihn nicht aufnehmen, da er sein Ehrenwort gegeben hatte.
Der Teufel aber hatte Mitleid mit ihm und schenkte ihm eine magische glühende Kohle, die niemals erlosch und
Jack steckte diese in eine ausgehöhlte Rübe.
So wandert Jacks Seele bis zum heutigen Tag durch die ewige Dunkelheit.
Ich merke gerade, ich habe das Wort armselig vergessen, aber dazu fällt mir jetzt nichts ein.
Aber ich habe es wenigstens erwähnt, dass müsste doch genügen?
Nun wünsche ich euch einen gemütlichen Tag.


© Lore Platz











Dienstag, 20. Oktober 2015

Die Mondscheinprinzessin - Reizwortgeschichte

Diese Geschchichte möchte ich meiner Internetfreundin Gerda Reichart widmen, die am 13.10.2015 verstorben ist.
Genauso wie das Mädchen in meiner Geschchte war auch sie trotz ihrer schweren Krankheit ein lebensbejahender froher Mensch.

Wir sind nicht traurig, dass du gegangen, wir sind froh, dass du gewesen!

Reizwörter:

Rucksack, Tafel, rennen, verschlafen, sehnsüchtig






Die Mondscheinprinzessin



Urlaub, ich hab Urlaub!“ trällert Gerlinde.
Vier Wochen Urlaub in den Bergen liegen vor ihr, weit weg vom Stress des Alltags. Einfach nur entspannen, wandern und die Seele baumeln lassen.
Die Sonne verschwindet langsam vom Horizont, aber in einer Stunde ist sie ja am Ziel.
Ihr guter alter Monty gibt plötzlich seltsam hustende Geräusche von sich, naja er ist ja nicht mehr der Jüngste, und dann ein langgezogenes gequältes Stöhnen und das Auto bleibt stehen.
Was nun?
Gerlinde startet, doch nur ein gequältes Knirschen ist zu hören. Seufzend kramt sie nach ihrem Handy, super, kein Empfang!
Die junge Frau springt aus dem Wagen, läuft ein paar Schritte, hebt das Telefon in die Höhe und dreht sich im Kreis.
Ein paar Kühe, die auf der Weide stehen, klotzen sie neugierig an. Was die wohl denken?
Gerlinde verdreht genervt die Augen.
Na toll, sie befindet sich mitten in einem Funkloch.
Der Urlaub fängt ja gut an.
Dann muss sie wohl auf Schusters Rappen weiter.
Aus dem braunen nicht mehr ganz neuen Koffer holt sie einige Dinge, die sie für eine Übernachtung braucht und stopft sie in ihren Rucksack.
Vorsichtshalber holt sie auch noch die Tafel Schokolade aus dem Handschuhfach.
Soweit das Auge reicht nur Kornfelder, Wiesen und weiter hinten ein großer Wald.
Hoffentlich muss sie nicht im Wald übernachten, denn die Dämmerung senkt sich bereits über das Tal.
Am besten sie nimmt auch noch die Taschenlampe mit.
Dann stiefelt sie los.
Immer mehr nähert sie sich dem Wald, dann bleibt sie überrascht stehen.
Mitten auf einer Wiese dreht sich eine Lichtgestalt, mit einem Blumenkranz im Haar, barfuß im Mondlicht.
Gerlinde schüttelt den Kopf, narren sie ihre Augen.
Feen gibt es doch nicht.
Hallo!“ ruft sie.
Das Mädchen hält inne, sieht sie erschrocken an und läuft davon.
Als Gerlinde ihr folgt steht sie plötzlich vor einem kleinen Gehöft an dessen Eingangstür eine Lampe hängt.
Da sie keine Klingel findet, klopft sie kräftig an.
Die Tür öffnet sich knarrend und eine alte Frau sieht sie unfreundlich an.
Entschuldigen sie, aber ich habe eine Autopanne, kann ich bei ihnen telefonieren?“
Die Tür öffnet sich weiter und die alte Frau tritt einen Schritt zurück.
Mit einem leisen 'Danke' betritt Gerlinde den dunklen Flur und folgt der Alten, die nun auf ein schwarzes Telefon deutet.
Können sie mir vielleicht die Nummer der Autowerkstatt sagen?“
Ja mei, den Schorsch, den werdns nimma dawischen, der sitzt um die Zeit im Wirtshaus.“
Kann das Fräulein nicht bei uns übernachten?“
Gerlinde dreht sich um und sieht sich der kleinen Tänzerin gegenüber.
Hallo ich kenne dich doch, schön hast du getanzt. Ich heiße Gerlinde.“
Ich bin die Mirzel und das ist meine Oma.“
I bin d Josefa Klinger und wenns mit unsra bscheidnen Hietn zfrien san, kenners gern hier übernachten. Hams Hunger?“
Gerne, mein Auto hat ungefähr zwei Kilometer von hier den Geist aufgegeben. Ich wollte eigentlich nach S.“
Oh das sind noch mindestens 15 Kilometer, das schaffen sie heute nicht mehr. Oma, du kannst ruhig ins Bett gehen, ich kümmere mich um unseren Gast.“
Deine Oma ist wohl nicht sehr gesprächig,“ lächelt Gerlinde, als die alte Frau in einem Zimmer weiter hinten im Flur verschwindet.
Mirzel lacht, „nein, aber sie ist unheimlich lieb, aber nun kommen sie , ich zeig ihnen ihr Zimmer.“
Da kannst ruhig du zu mir sagen.“
Gerne“
Nachdem Gerlinde ihren Rucksack abgestellt hat folgt sie dem Mädchen in die Küche.
Später setzen sich die beiden Mädchen auf die Stufen vor dem Haus.
Ein dicker leuchtender Vollmond taucht die Umgebung in sein fahles Licht. Es raschelt und eine Maus rennt quer über den Hof und schlüpft durch den Zaun des kleinen Küchengartens.
Ich mag den Mond, er tut mir nicht weh mit seinem kalten Licht.“
Gerlinde sieht Mirzel erstaunt an.
Diese lächelt: „ Ich bin ein Mondscheinkind.“
Die junge Frau erschrickt.
Sie hat von dieser seltenen Erbkrankheit gehört. Die Betroffenen können die Sonnenstrahlen nicht vertragen und da ihre Lebenserwartung nicht sehr hoch ist, nennt man sie Mondscheinkinder.
Deshalb kann ich nur nachts raus gehen und dann tanze ich auf der Wiese und träume, ich wäre eine Fee oder eine verwunschene Prinzessin.“
Eine Mondscheinprinzessin,“ lacht Gerlinde, die sich inzwischen wieder gefangen hat.
Mirzel stimmt in ihr Lachen mit ein, doch dann wird sie wieder ernst.
Als die Diagnose bekannt wurde hat meine Mutter mich zur Oma gebracht und ist fort gegangen, glaubst du, dass sie mich nicht lieb hatte?“
Gerlinde legt den Arm um die Schulter der zarten Gestalt und zieht sie an sich.
Sicher hat sie dich lieb, vielleicht zu lieb, dass sie einfach
nicht mit ansehen konnte wie du leidest. Weißt du, nicht jeder ist so stark. Wo ist denn dein Vater?“
Den kenne ich nicht, aber es ist schön bei der Oma und sie ist sehr lieb zu mir und auch die Leute im Dorf sind sehr nett.
Sie haben die Fenster mit einer schützenden Folie beklebt, haben mir einen Schutzanzug besorgt, damit ich zur Schule gehen kann und auch in der Schule hat man die Fenster mit einer Folie beklebt.
Nur manchmal bin ich sehr einsam, denn spielen kann ich nicht im Freien mit den anderen Kindern, denn ich darf nur nachts raus. Aber das ist auch schön, denn so ich habe ich viel Zeit, um mir Geschichten auszudenken.“
Sie lacht fröhlich und meint verschmitzt.
Weißt du, warum der Mond mal dick und mal dünn ist?“
Gerlinde überlegt und versucht sich daran zu erinnern was sie darüber in der Schule gelernt hat.
Wenn der Schatten der Erde auf den Mond fällt...“
Unsinn!“ unterbricht sie Mirzel lachend.
Weil er verliebt ist. Willst du die Geschichte hören?“
Gerlinde nickt und Mirzel kuschelt sich an sie und erzählt:



Eines Tages verliebte sich der Mond in die schöne Sternenprinzessin. Er verließ also sein Haus und sein ach so gemütliches Bett und ging in den Sternenpalast. Dort warf er sich vor seiner Angebeteten auf die Knie und gestand ihr
seine Liebe. Doch da er so dick war konnte er nicht mehr aufstehen und fünf Diener des Sternenkönigs mussten ihm
helfen. Die Sternenprinzessin aber lachte so , dass ihr die Tränen kamen und dann sagte sie zum Mond: „ Komme wieder, wenn du so dünn bist, dass du vom Boden aufstehen kannst.
Der Mond ging also nach Hause und sagte zu seiner Mutter. Ich muss fasten, denn sonst heiratet die Sternenprinzessin mich nicht.
Nun aß er ganz wenig und wurde immer dünner. Als er so dünn und schmal wie eine Sichel war, ging er wieder in den Sternenpalast und und warf sich der Prinzessin vor die Füße.
Doch diesmal war er zu schwach, um wieder aufstehen zu können und die Diener des Königs mussten ihn nach Hause tragen. Dort schimpfte seine Mutter ganz fürchterlich und er musste nun tüchtig essen und bald war er wieder so dick wie vorher.
Aber seitdem versucht er es immer wieder.“

Gerlinde lacht.
Hat dir meine Geschichte gefallen?“
Ja sehr gut, du solltest sie aufschreiben.“
Kannst du denn deinen Urlaub nicht bei uns verbringen, dann erzähle ich dir jeden Tag eine Geschichte.
Ich habe mir noch viele Geschichten ausgedacht. Außerdem haben wir gerade Ferien. Biiiittte!“
Die junge Frau sieht in die sehnsüchtig auf sie gerichteten Augen und nickt. Jubelnd fällt das Mädchen ihr um den Hals.
Am nächsten Morgen wird Gerlinde vom Krähen des Hahns geweckt und reibt sich verschlafen die Augen, dann springt
sie aus dem Bett und geht ins Bad. In der Küche ist nur die alte Frau Klinger. Mirzel schläft noch.
Gerlinde erzählt ihr von der Bitte des Mädchens, den Urlaub hier bei ihnen zu verbringen und fragt, ob sie bleiben darf.
Natürlich würde sie für alles bezahlen.
Die alte Frau rührt ihn ihrem Kaffee und sagt dann leise.
Des Kind ist hoalt durch ihr Krankheit vui alloa und an ernner hoats an Naaren gfressn, würd mi frein, wenns bleim dan. Zoan mirsns nixa!“
Doch, doch und wenn mein Auto wieder geht, dann werde ich auch die Einkäufe im Dorf übernehmen. Danke!“
Gerlinde ruft später die Autowerkstatt an und erklärt wo ihr Wagen steht, dann storniert sie auch die Hotelbuchung.
Für Mirzel aber beginnt eine wunderbare Zeit.
Tagsüber spielen sie Brettspiele oder sie denken sich etwas lustiges aus. Den ganzen Tag hört man sie fröhlich lachen. Sobald die Sonne untergeht, wandern sie durch die Gegend oder tanzen barfuß auf der Wiese.
Und als dann der alte Monty wieder fahrtüchtig ist, fahren sie in die Stadt, setzen sich in ein Straßencafe und beobachten
die Leute, während sie sich einen großen Becher Eis schmecken lassen.
Manchmal gehen sie auch ins Kino und Mirzel staunt über die große Leinwand.
Viel zu schnell vergeht die Zeit und der Abschied ist gekommen.
Gerlinde nimmt die weinende Mirzel in den Arm und verspricht, jeden Tag anzurufen und sie können sich ja auch
schreiben. Und sobald es ihr möglich ist, würde sie wieder
kommen.
Doch dazu sollte es nicht mehr kommen.
Denn eines Tages ruft Josefa an. Mirzel ist gestorben, ein Tumor, aber sie wäre ganz still und mit einem Lächeln eingeschlafen und ihre letzten Worte waren:
Grüß mir die Gerlinde, ich hab sie lieb, sie soll nicht traurig sein, denn ich gehe jetzt dorthin zurück, wo ich hergekommen bin.“
Gerlinde weint bitterlich um ihr kleine Freundin.
Nach der Beerdigung drückt ihr Josefa einen großen Umschlag in die Hand.
Darin sind all die schönen Märchen, die sich Mirzel ausgedacht hat und zu jedem hat sie ein schönes Bild gemalt.
Gerlinde setzt sich mit einer Schulfreundin in Verbindung, die einen kleinen Verlag leitet und lässt die Geschichten drucken.
Das Vorwort schreibt Gerlinde und berichtet von dem ganz besonderem Mädchen, das trotz ihrer schwerer Krankheit so fröhlich und lebensbejahend war und barfuß im Mondlicht auf der Wiese tanzte.


Das Buch wird ein voller Erfolg und mit dem Erlös gründet Gerlinde zusammen mit Josefa die Stiftung „Mondscheinprinzessin“, die todkranken Kindern den letzten Wunsch erfüllen will.

© Lore Platz

Reginas Geschichte       Martinas Geschichte

Dienstag, 13. Oktober 2015

Die Katzenmarei - Reizwortgeschichte

Auf die Idee zu dieser Geschichte kam ich durch einen
alten Zeitungsartikel in meiner Ideenmappe.
Die Reizwörter sind: 
Kartoffelacker, Papierkorb, kariert, anrufen, füllen







Die Katzenmarei

 
Müde tastet sich die alte Frau durch den schmalen Flur, den Eimern ausweichend, die sie wegen dem eindringenden Regen dort aufgestellt hat.
Der Sturm vor einigen Tagen hat einige Dachziegel herunter gerissen.
In der halbdunklen Küche, durch dessen schmales Fenster der beginnende Tag sein schwaches Licht wirft, ist es kühl und Marei zieht frierend das Schultertuch fester um ihre Schultern.
Mit klammen Fingern schürt sie in der Glut des alten Eisenofens und legt einige Holzstücke dazu.
Bald hört man es lustig knistern und knacken und ganz langsam breitet sich Wärme aus.
Fröstelnd wäscht sie sich mit dem kalten Wasser an dem Becken aus Email am Fenster, dann schlüpft sie in die alten abgenutzten Kleider, die sie aus der Schlafstube mitgebracht hat.
Sie stellt einen Kessel mit Wasser auf den Ofen, nimmt den Melkeimer, schlüpft in die Holzpantinen und schlurft über den Hof in den Schuppen.
Die Ziege begrüßt sie mit ihrer meckernden Stimme und liebevoll streicht Marei ihr über das Fell, bevor sie sie melkt.
Dann geht die alte Frau zu einer großen weißen Schüssel in der Mitte des Schuppens und gießt die noch warme Milch hinein.
Und nun wird es lebendig. Aus allen Ecken kommen Katzen angelaufen. Keine Schönheiten, mager zerzaust und einem kampferprobtem Kater fehlt sogar ein Ohr.
Schmeichelnd drängen sie sich an Marei, als wollen sie Danke sagen, bevor sie sich über die Milch hermachen.
Liebevoll betrachtet die Katzenmarei, so nennt man sie im Ort, weil sie sich um streunende Katzen kümmert, ihre Schützlinge.
Dann wird ihr Blick traurig. Wie mager sie sind, wie viele von ihnen den Winter wohl überleben. Und es würde einen harten Winter geben.
Als sie im Wald Tannenzapfen und Holz gesammelte hat,
ist ihr aufgefallen, wie groß die Ameisenhaufen sind, das lässt auf einen langen harten Winter schließen.
Ihr Blick fällt auf eine schwarzweiße Katze, die jetzt die Schüssel erreicht hat. Gestern erst ist sie zu ihr gekommen und so schwach, dass ihre Hinterläufe immer wieder einknicken und so mager, dass man jede einzelne Rippe zählen kann.
Sie braucht unbedingt kräftigere Nahrung als nur Milch, die anderen auch, doch die sind wenigstens noch kräftig genug, um sich ab und zu eine Maus zu fangen.
Marei seufzt und Tränen treten ihr in die Augen.
Bis vor kurzem hat ihr der Metzger am Ort jede Woche eine große Portion Fleischabfälle vorbei gebracht und auch Markknochen.
Aus den Markknochen machte sie eine kräftigende Brühe , der sie, die von ihr gesammelten Kräuter, hinzufügte.
Und diese Brühe flößte sie dann den schwächsten ihrer Schützlingen ein. So manches Tier konnte sie damit retten.
Aber dann hat die Metzgerei geschlossen, der nahe Supermarkt war eine zu große Konkurrenz .
Marei geht in trübe Gedanken versunken ins Haus zurück.
Nachdem sie den Melkeimer gesäubert, gießt sie sich einen Tee auf und isst die letzte Scheibe Brot mit Marmelade.
Nachher muss sie noch im Supermarkt Brot kaufen, doch erst will sie auf den Kartoffelacker.
Sie darf nämlich die Kartoffeln, die die Maschine nicht erfasst hat, auflesen.
Wenig später kommt sie mit zwei gut gefüllten Eimern wieder zurück. Es ist gar nicht so leicht gewesen mit dem kleinen Leiterwagen und der schweren Last über die holprigen Wege zu fahren. Doch es hat sich gelohnt, mit den Kartoffeln wird sie gut über den Winter kommen.
Nachdem sie ihren kostbaren Schatz im Keller verstaut hat, macht sie sich Stadt fein und mit ihrer großen Tasche über dem Arm geht sie zum Supermarkt.
Sie mag den Supermarkt nicht, hier ist alles so groß und unübersichtlich und die Verkäufer sind auch nicht sehr freundlich. Sie schüchtern sie sogar ein wenig ein und wenn sie etwas umständlich ihr Kleingeld zusammen sucht, spürt sie die Ungeduld der jungen Frau an der Kasse.
Marei legt das Brot und die Flasche billiges Salatöl in ihren Einkaufswagen und fährt in Richtung Kasse.
Im Vorbeigehen fällt ihr Blick auf ein Regal voll mit Katzenfutter. Sie studiert die Preise und bedauert, dass sie nicht genügend Geld dabei hat. Es ist einige Tage vor dem Ersten.
Vor ihrem inneren Augen sieht sie die schwarzweiße kleine Katze, die so schwach ist, dass sie sich nur mühsam vorwärts bewegen kann.
Mit diesem kräftigen Futter könnte sie sie wieder aufpäppeln, ansonsten befürchtet sie das allerschlimmste.
Automatisch greift sie nach der großen Dose und lässt sie in ihrer karierten Einkaufstasche verschwinden
Ein schwere Hand legt sich auf ihre Schultern.

Daniel sitzt in seinem Büro des Zeitungsverlags
'Der Tagesbote', die Füße auf dem Schreibtisch und zielt mit Papierkügelchen auf den Papierkorb.
Christiane, seine Kollegin beobachtet ihn amüsiert und meint: „ Du solltest mal an deinem Wurfarm arbeiten.“
Mit einem schiefen Grinsen betrachtet Daniel das Chaos auf dem Teppich.
Er nimmt die Füße vom Schreibtisch und fährt sich mit beiden Händen durch das bereits verstrubbelte Haar.
Ich soll bis Redaktionsschluss einen Artikel schreiben und ich habe keine Ahnung worüber.“
Da hätte ich was für dich, ich war eben auf dem Gericht.“
Hat Richter Gnadenlos mal wieder zu geschlagen?“
Christianes Gesicht verfinstert sich.
Ja und diesmal hat er sich selbst übertroffen. Er hat die Katzenmarei zu 300Euro Strafe verdonnert!“
Ist das die alte Frau, die in dem verfallen Haus am
Ortsrand wohnt und sich um streunende Katzen kümmert? Was hat sie denn verbrochen?“
Im Supermarkt eine Dose Katzenfutter gestohlen?“
Die Strafe ist aber happig, selbst für Richter Gnadenlos.“
Er will ein Exempel statuieren, erklärte er bei der Begründung, denn die Verluste durch Ladendiebstähle sei enorm hoch.“
Ach und das muss er ausgerechnet bei dem armen alten Weiblein?“
Die sich noch nie etwas in ihrem Leben zuschulden kommen ließ und der nur 170 Euro von ihrer Rente bleiben zum Leben.“
Daniel machte nur „hm“ und Christiane verlässt leise das Zimmer.
Den Blick kennt sie, nicht umsonst hat sie den besten Reporter im Team auf diese Geschichte angesetzt.
Vergnügt summend schlendert sie zu ihrem Schreibtisch mit dem sicheren Gefühl, dass der Katzenmarei geholfen wird.
Wenig später verlässt Daniel die Redaktion und bald hält sein Sportwagen vor dem alten Häuschen.
Er führt ein langes Gespräch mit der alten Frau, macht auch einige Fotos von den Katzen besonders von der schwarzweißen für die das Katzenfutter bestimmt war.
Beim Abschied erklärt er noch, dass die Zeitung die Strafe
bezahlen würde.
Zurück in der Redaktion geht er ohne rechts und links zu schauen in sein Büro und dann hämmern seine Finger auf den Laptop.
Am nächsten Morgen steht ein großer Artikel auf der ersten Seite des 'Tagesboten' mit Bilder von der Marei, ihren Schützlingen und der kleinen schwarzweißen völlig abgemagerten Katze.
Dieser Artikel löst einen Sturm der Hilfsbereitschaft aus.
Geldspenden gehen in der Redaktion ein, sodass man ein extra Spendenkonto einrichten muss.
Der hiesige Tierschutzverband ruft an, dass er künftig die Katzenmarei mit Katzenfutter versorgen wird.
Aus der Kreisstadt kommt der Tierarzt und fragte nach dem Weg zu Mareis Haus, denn er will die Katzen kostenlos ärztlich betreuen.
Und der ortsansässige Bauunternehmer fährt mit einigen seiner Leute zu dem alten Haus, um die Sturmschäden zu beseitigen und selbst den Schuppen verstärken sie mit zusätzlichen Brettern, damit die Tiere es schön warm haben.
Die alte Marei aber kann ihr Glück gar nicht fassen und als Daniel sie besucht, streckt sie ihm nur mit Tränen in
den Augen beide Hände entgegen und flüstert: „Danke“
Dann nimmt sie den jungen Mann mit in den Schuppen und zeigt ihm die schwarzweiße Katze, die gesund und munter mit den andern angelaufen kommt.

© Lore Platz




Freitag, 9. Oktober 2015

Die Botschaft aus dem Jenseits - Reizwortgeschichte

Heute ist es wieder so weit.
Die Sommerpause ist zu ende und wohl auch der Sommer verabschiedet sich langsam und gibt das Zepter bald an den Herbst weiter.
Bedanken möchte ich mich noch bei all den unbekannten Lesern, die auch während meiner Sommerpause hier erschienen sind.
Als ich vor drei Jahren die Idee hatte einen Blog zu gestalten, da wurde mir von vielen Seiten abgeraten.
Denn man müsste jeden Tag in den Blog schreiben, sonst wäre man schnell vergessen.
Deshalb freue ich mich über eure Treue! Danke!

Diesmal geht es um die Reizwörter:
Einkaufszentrum, Chance, schlagen, vergessen,
blitzartig

Viel Spaß beim Lesen!







Die Botschaft aus dem Jenseits

Der junge Lehrer Richard Klausner verließ die Dorfschule und sah den Kindern nach, die lärmend den Schulhof verließen.
Endlich Sommerferien!
Die letzten Tage war die Rasselbande kaum noch zu bändigen gewesen.
Vergnügt pfeifend lenkte er seine Schritte zu dem schmucken kleinen Häuschen, in dem er mit seinen Eltern wohnte.
Sein Vater saß im Garten und las die Zeitung.
Richard setzte sich neben ihn und streckte die Füße weit von sich.
Michael Klausner grinste.
Bist froh, dass Ferien sind.“
Er war selbst Lehrer gewesen und wusste wie anstrengend die Kinder die letzten Tage vor den Ferien waren.
Richard nickte nur und sah nachdenklich hinauf in den Himmel und seine Gedanken schweiften in die Vergangenheit.
Er war hier aufgewachsen und wollte auch nirgendwo anders sein. Eine schöne unbeschwerte Kindheit hatte er gehabt und mit seinem besten Freund Dominik so manchen Streich ausgeheckt.
Dominik, der Sohn des reichsten Bauern, dem Wiesenhofer,
war ein fröhlicher, etwas wilder und leichtsinniger Bursche, aber grundehrlich und treu.
Außerdem ein leidenschaftlicher Kletterer, gar viele Bergtouren hatten sie zusammen gemacht und manche
steile Wand sind sie hinauf gekraxelt. Und auf dem Gipfel angekommen hatte Dominik dann immer einen Jodler ins Tal geschickt.
Er war so übermütig und voller Lebensfreude.
Und dann vor vier Jahren war er in den französischen Alpen abgestürzt.
Hallo Junge träumst du?“ riss ihn die Stimme des Vaters aus seinen Gedanken.
Richard lächelte.
Ich habe gerade gedacht, wie schön wir es hier doch haben.“
Ja, hoffentlich noch lange, in B. haben sie schon wieder ein neues großes Einkaufszentrum hingestellt, verschandelt doch die ganze Landschaft!“ polterte sein Vater.
Eine Fahrradklingel ertönte und Gustl der Postbote betrat den Garten.
Ihr habt es vielleicht schön, sitzt faul im Garten, während unsereins sich abstrampeln muss. Ja, ja, Lehrer müsste man sein, immer nur Ferien.“
Michael lachte.
Geh, Gustl, du hast doch einen schönen Beruf, den ganzen Tag an der frischen Luft und nicht zu vergessen, die vielen selbst-gebrannten die du unterwegs angeboten bekommst.“
Gustls Augen leuchteten auf.
Hast a Stammperl da?“
Nix gibt’s, das wäre ja noch schöner, am Vormittag schon schnapseln, das schlag dir besser aus dem Kopf, nachher fällst noch in den Graben!“ tönte die Stimme von Waltraud Klausner durch das offene Küchenfenster.
Die drei Männer grinsten.
Bei der Waltraud hast wohl keine Chance,“ lachte Michael.
Gustl grinste, „ja meinen Schnaps kann ich wohl vergessen.
Er holte einige Briefe und Zeitschriften aus seiner Tasche und legte sie auf den Tisch.
Dann tippte er an seine Mütze und verließ pfeifend den Garten.
Während sein Vater sich in eine Fachzeitschrift über das Angeln vertiefte, sah Richard die Briefe durch.
Ein großes Kuvert mit einem französischen Absender erregte seine Aufmerksamkeit.
Er öffnete es und las die wenigen in französisch geschriebenen Zeilen.
Ein Monsieur Armand teilte ihm mit, dass er beim Renovieren seines Hotels hinter einer Kommode einen an ihn adressierten Brief gefunden hätte.
Richard griff noch einmal in den Umschlag und holte einen Brief hervor.
Er wurde blass als er die steile Handschrift seines Freundes Dominik erkannte und begann zu lesen.

Lieber Richard

Gleich kommen die Kameraden und es geht in die Wand.
Ich weiß nicht warum ich dir schreibe, aber ich habe so eine Unruhe in mir.
Es ist herrlich hier, fast wie daheim und die Berge eine echte Herausforderung, ich freue mich schon auf die Tour.
Aber es wird die letzte sein, denn wenn ich zurückkomme werde ich heiraten.
Und ich hab's dem Hannerl versprochen nicht mehr zu klettern. Ja das Hannerl und ich sind ein Liebespaar, hab sie ja schon gern ghabt wie mir noch in der Schule waren, wie du weißt.
Wird noch ein wenig Ärger geben mit dem Vater, weil sie arm ist, aber am Ende wird er nachgeben.
Richard, du warst und bist mein bester Freund und deshalb will ich dir jetzt etwas anvertrauen.
Das Hannerl ist schwanger! Ja ich werde Vater! Auch deshalb will ich keine gefährlichen Bergtouren mehr machen, denn ich habe ja nun Verantwortung.
Ich freue mich schon ganz narrisch!
Richard, nun bitte ich dich, sollte mir etwas passieren so kümmere dich um das Hannerl und das Kind und auch dass der Vater und die Mutter sie aufnehmen.
Ach was sind denn das für Grillen heute!
Mir passiert bestimmt nichts, bin doch einer der besten Kletterer.
Ich hör schon die Kameraden die Treppe runter poltern, ich muss jetzt los.
Pfüat di alter Freund, bis bald.

Dominik


Richard ließ den Brief sinken.
Michael hob den Kopf von seiner Zeitschrift.
Bub, was ist denn los, du bist ja ganz blass?“
Stumm reichte ihm Richard den Brief.
Deshalb hat das Hannerl den Dienst aufgekündigt und ist verschwunden. Armes Dirndl, wo sie wohl hin ist, hat doch niemand auf der Welt.“
Auf jeden Fall muss ich sie suchen, das bin ich dem Dominik schuldig.“
Während des Mittagessens überlegten sie wo er am besten mit seinen Nachforschungen beginnen sollte.Es war die Mutter, die auf die Idee kam, beim Pfarrer nachzufragen, vielleicht hatte Hannerl sich ihm ja anvertraut.
Richard ging nach dem Essen hinüber zum Pfarrhof.
Er klopfte an die Tür der Schreibstube.
Grüß Gott Herr Pfarrer, ich hoffe ich störe nicht.“
Komm nur rein Richard, ich versuche grad meine Predigt für den Sonntag zu schreiben, aber mir will einfach nix einfallen. Setz dich doch!“
Er deutete auf den Stuhl vor dem Schreibtisch.
Fragend sah ihn Pfarrer Gietl an, dann hellte sich sein Gesicht auf.
Du willst das Aufgebot für die Bärbel und dich bestellen!“
Lächelnd schüttelte Richard den Kopf.
Das hat noch Zeit, wir wollen erst den oberen Stock bei meinen Eltern ausbauen, im Herbst fangen wir an.
Es geht um die Holler Hannerl, vielleicht wisst ihr wo sie heute lebt.“
Warum willst das wissen?“
Richard reichte ihm den Brief vom Dominik und erklärte, warum er ihn erst heute bekommen hatte.
Still ist es in der Stube und nur das gleichmäßige Ticken der alten Standuhr war zu hören.
Pfarrer Gietl hob den Kopf, seine Augen strahlten.
Und da gibt's doch tatsächlich Leut, die behaupten, es gibt keinen Herrgott. Der Brief ist direkt aus dem Himmel gekommen.
Du hast Recht, das Hannerl hat sich mir anvertraut. Ich hab ihr geraten, zum Wiesenhofer zu gehen, aber sie hat sich net getraut. Deshalb hab ich sie zu einem Heim für ledige Mütter geschickt. Die haben ihr dann weiter geholfen. A Bub is und heißt Dominik wie sein Vater. Hannerl hat dann eine kleine Wohnung und Arbeit in der Fabrik gefunden, die aber leider vor kurzem Konkurs gemacht hat und das Arbeitslosengeld reicht kaum zum Leben. Ich hab dem Hannerl vorgeschlagen zu mir zu kommen. Sie kann der Theres zur Hand gehen, die auch nimmer die Jüngste ist. Aber sie hat net gwollt, fürchtet halt das G'red der Leut, besonders da der Bub dem Dominik wie aus dem Gesicht g'schnitten is.“
Er strich den Briefbogen glatt.
Sixt der Brief kommt gerade zur rechten Zeit. Hier bekennt sich der Dominik zum Hannerl und seinem Kind und außerdem enthält er noch ein schriftliches Heiratsversprechen.
I geb dir jetzt die Adress vom Hannerl, fahr morgen in die Stadt und hol die beiden heim.
Und i red' nachher no mit dem Wiesenhofer und seiner Frau.“
Er reichte Richard den Zettel und dieser verabschiedete sich dankend.
Versonnen sah der Pfarrer ihm nach, dann kam ihm blitzartig eine Idee.
Er kramte in der Schreibtischschublade und holte ein Foto heraus.
Es zeigte einen dreijährigen Jungen, der verschmitzt in die Kamera blickte. Es war Dominik, der seinem Vater sehr ähnlich sah. Hannerl hatte das Bild vor einigen Wochen an ihn geschickt. Das Foto wollte er zu seiner Unterredung mit den Wiesenhofers mitnehmen.
Richard aber wurde von seinen Eltern schon erwartet und berichtete ihnen, was er erfahren hatte.
Sie saßen gerade beim Abendessen, als es klopfte und der Wiesenhofer eintrat.
Grüß dich, Sepp,“ sagte Michael ,“ setz dich, magst mit essen?“
Der alte Bauer schüttelte nur den Kopf und ließ sich schwerfällig auf den angebotenen Stuhl sinken.
Ernst sah er Richard an.
Du hast einen Brief vom Dominik bekommen?“
Richard holte das Schreiben aus seiner Brieftasche und reichte es über den Tisch dem Vater seines Freundes.
Nachdem dieser den Brief gelesen hatte, fragte er mit Tränen in den Augen.
Darf ich ihn behalten?“
Als Richard nickte, faltete der alte Mann das Papier sorgfältig zusammen und steckte es in seine Joppentasche.
Der Herr Pfarrer hat gesagt, dass du morgen in die Stadt fährst um das Hannerl und den Buben zu holen. Sag dem Madl, dass sie herzlich willkommen sind und bei uns eine Heimat haben, so wie es der Dominik gewollt hätte.“
Er stand auf und wandte sich zum gehen, dann drehte er sich noch einmal um und meinte schmunzelnd.
Die Erna ist ganz narrisch vor Freud und stellt das ganze Haus auf den Kopf um Zimmer für die beiden herzurichten.“
Gleich nach dem Frühstück am nächsten Tag fuhr Richard in die Stadt.
Als er später die beiden dann bei Josef und Erna Wiesenhofer ablieferte, da war die Freude groß.
Erna schloss das Hannerl liebevoll in die Arme und der kleine Dominik eroberte die Herzen seiner Großeltern im Nu.
Richard aber stahl sich leise davon und ging zum Friedhof.
Vor dem Grab seines Freundes blieb er stehen.
Bist du zufrieden mit mir, Dominik? Das Hannerl und dein Sohn sind jetzt da, wo sie hingehören.“


© Lore Platz