Donnerstag, 15. Dezember 2016

Die Überraschung

Heute gilt es die Reizwörter zu verarbeiten.

Geburtstag, Schneetreiben, verwunschen, staunen, verklärt


Viel Spaß beim Lesen






Die Überrraschung


Annelie und Lara saßen zusammen am Tisch und kauten an ihren Stiften.
Denkst du die Prinzessin hätte den Frosch auch an die Wand geworfen, wenn sie gewusst hätte, dass er ein verwunschener Prinz war?“ kicherte Annelie.
Sie mussten zu dem Märchen der Froschkönig verschiedene Fragen beantworten.
Lara antwortete nicht, sondern beobachtete das Schneetreiben vor dem Fenster.
Bald ist Weihnachten,“ sagte sie leise.
Ja!“ strahlte Annelie, „ und ich freue mich so darauf!“
Ich nicht!“
Aber warum, du musst dich doch doppelt freuen, weil da auch noch dein Geburtstag ist.“
Aber das ist es doch gerade. Du hast im August Geburtstag und kannst jedes Jahr eine schöne Gartenparty feiern, kannst deine Freunde einladen. Bekommst viele Geschenke.
Ich habe noch nie eine Party feiern können. Am Morgen gratulieren mir meine Eltern und Geschwister und am Abend kommt das Christkind.“
Annelie spang auf und umarmt ihre Freundin.
Das habe ich noch nie so gesehen, das ist wirklich traurig.“
Nach den Hausaufgaben spielten die Mädchen noch zusammen, dann ging Lara nach Hause.


Fest den Teddy an sich gedrückt lag Annelie im Bett. Sie konnte nicht einschlafen immer wieder musste sie an Lara denken. Sie hatte genau gesehen wie Tränen in den Augen ihrer Freundin schwammen, als sie von ihrem Geburtstag sprach und Annelie dachte, dass ihr das auch nicht gefallen würde, wenn sie am Hl. Abend Geburtstag hätte.
Schließlich stand sie auf und tapste barfuß ins Wohnzimmer. Sie schmiegte sich an ihre Mutter, die auf dem Sofa saß und strickte, während der Vater sein geliebtes Fußball anschaute.
Ganz leise, um den Vater nicht zu stören vertraute sie ihrer Mutter ihren Kummer an.
Liebevoll strich ihr die Mutter über den Kopf und flüsterte:
Ich lass mir was einfallen.“
Und endlich konnte das Mädchen beruhigt einschlafen.
Nun liefen die Telefonleitungen zwischen den beiden Häusern heiß.

Am Heiligen Abend in der Früh ging Lara lustlos hinunter in die Küche und setzte sich an den gedeckten Tisch.
Sie wunderte sich, dass weder ihre Eltern noch ihre Geschwister, ja nicht einmal die Großeltern, die im ersten Stock wohnten ihr zum Geburtstag gratulierten.
'Nun haben sie sogar noch meinen Geburtstag vergessen', dachte sie verbittert und verkroch sich nach dem Frühstück in ihrem Zimmer.
Nach einiger Zeit kam ihre Schwester Gertrud und bat sie doch schnell zur Oma hinauf zu laufen, denn sie brauchte ihre Hilfe.
Seufzend machte sie Lara auf den Weg in den oberen Stock und trat in die Wohnung. Da sie ihre Oma in der Küche nicht fand, ging sie weiter ins Wohnzimmer.



Staunend starrte sie auf, die Luftballons die an der Decke
schwebten, Luftschlangen baumelten von den Wänden und ihre Familie und ihre Freundinnen aus der Schule allen voran Annelie riefen jubelnd: „Alles Gute zum Geburtstag liebe Lara.“
Diese stand mit verklärtem Gesicht mitten im Zimmer und Tränen der Freude rannen über ihre Wangen.
Die Geburtagsfeier ging bis nachmitags um drei, dann verabschiedeten sich die Gäste.
Und später, als es dunkel wurde, konnte das Christkind kommen.

© Lore Platz







Sonntag, 4. Dezember 2016

Die Hl. Barbara


Ich wünsche euch einen schönen 2. Adventssonntag

 

 

Heute ist ja der Tag der Hl. Barbara. 

Diese lebte im 3. Jhrdt in Kleinasien und wurde von ihrem Vater sehr geliebt. Da er aber sehr eifersüchtig und argwöhnisch war, sperrte er sie in einen Turm, wenn er verreisen musste.

Das erinnert doch sehr an das Märchen Rapunzel!

Obwohl Barbara reich war, war sie doch auch sehr einsam und unglücklich und als sie die christliche Religion kennen lernte, gab das ihrem Leben einen Sinn.

Zu Ehren der Dreifaltigkeit ließ sie in ihrem Turm ein drittes Fenster einbauen.

Ihr Vater selbst zeigte sie an, der Legende nach und sie wurde enthauptet. Den Vater aber traf kurz daruf der Blitz.

Ebenfalls der Legende nach sollen die im Winter verdorrten Blüten am 24. Dezember auf Barbaras Grab jedes Jahr erblühen.

Daher auch der Brauch, am 4. Dezember einen Zweig ins Haus zu holen und in eine Vase zu stellen und wenn er am Hl. Abend blüht dann bedeutet das Glück.

Auch Hochzeiten soll der Zweig voraus sagen und früher haben die Mädchen einen Zettel mit den Namen Ihr Verehren in die Zweige gehängt und wessen Zweig blühte, der war dann der Auserwählte.

Wer in dieser Zeit gerne Weihnachtsgeschichen liest, möchte ich auf meinen Blog Lores Weihnachtszauber einladen.

 

  Lores Weihnachtszauber

 

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Der Brief ans Christkind Reizwortgeschichte

Heute ist es wieder mal soweit
Er ist wieder da. der Reizwortgeschichtentag
Viel Spaß beim Lesen

 
Zimtstern, Engelhaar, tauschen, frieren, funkelnd






Der Brief an das Christkind

Der Weihnachtsmarkt in K war immer ganz besonders liebevoll gestaltet. Es gab mehr als zwanzig weihnachtlich geschmückte Buden, in denen man von Kleidung bis selbst gebasteltem Weihnachtsschmuck alles erwerben konnte. Auch ein Glühweinstand lud zum Verweilen ein, besonders da man einen
Zimstern gratis bekam.
Mitten drin aber stand ein riesiger Weihnachtsbaum, geschmückt mit goldenen Kugeln, Strohsternen und goldenem Lametta.
Die kleinen elektrischen Kerzen funkelten in allen Farben.
Ganz versteckt auf einem Zweig saßen zwei Engel und beobachtete das Treiben unter ihnen.
Warum, mussten wir hierher kommen,“ wollte Engelshaar wissen, sie wurde so genannt, weil sie ganz besonders schönes welliges blondes Haar hatte.
Doch Gesine, ihre Begleiterin und auch beste Freundin im Himmel, achtet nicht auf sie und ließ aufmerksam ihren Blick umher schweifen.
Dann lächelte sie plötzlich und deutete auf ein kleines Mädchen, das an der Hand eines großesn Mannes vor einer Bude mit Lebkuchen stehen geblieben war.
Deshalb! Siehst du das kleine Mädchen mit der blauen Mütze. Es hat einen Brief an das Christkind geschrieben, dass es sich zu Weihnachten eine Mutter wünscht, die ihr Geschichten erzählt und Plätzchen mit ihr bäckt und sie ganz doll lieb hat. Ihre Mutter
starb bei ihrer Geburt“
Und wir sollen ihr eine Mutter besorgen, wie denn? “
Gesine beachtete sie gar nicht und ließ wieder den Blick über den Platz schweifen.
Da ist sie und auch sie trägt eine blaue Mütze!“
Die beiden Engel tauschten einen verschmitzen Blick. Sie wissen, dass es nicht Zufall war, sondern im Himmel so beschlossen wurde.
Beide flogen los und dann kam ein heftiger Windstoß auf.
Petra hielt ihre Mütze fest und kämpfte sich mit gesenktem Kopf durch die Menge. Plötzlich stieß sie gegen ein Hinderniss und eine sonore Stimme meinte lachend. „Hoppla nicht so stürmisch!“
Das junge Mädchen blickte auf und sah in zwei warme braune Augen, die sie lächelnd musterten.
Wie er gekommen so plötzlich ist der Wind auch wieder verschwunden.
Verlegen löste sich Petra aus den Armen des Mannes, der sie immer noch umfangen hielt.
Das kleine Mädchen, das neben ihm stand rief:
Du hast ja genauso eine blaue Mütze wie ich, hat dich das Christkind geschickt.“
Petra lachte, „nein das Christkind wohl nicht, aber der Wind hat mich zu euch geweht.“
Den hat bestimmt das Christkind gesandt.“
Vertrauensvoll nahm sie ihre Hand.
Ich bin Andrea, fünf Jahre alt und immer brav.“ 
Nachdem sie einen Blick auf ihren Vater geworfen hatte, meinte sie leise „meistens.“
Petra lachte fröhlich und beugte sich zu der Kleinen hinunter.
Ich bin die Petra und bin auch meistens immer brav.“
Andrea strahlte sie an.“ Willst du mit uns zur Eisbahn gehen, wir wollen noch Schlittschuh fahren?“
Ich habe keine Schlittschuhe dabei,“ bedauerte Petra.
Das macht nichts, man kann sie dort leihen, du kannst doch
Schlittschuhe laufen?“
Sicher, aber ...“
Andrea, du weißt doch gar nicht, ob Fräulein Petra Zeit hat und vielleicht ist sie gar nicht alleine hier?“ wandte der Vater mit einem entschuldigendem Blick auf das junge Mädchen ein.
Diese wird etwas rot. „Ich bin allein hier, bin erst vor kurzem nach K gezogen und kenne hier noch niemanden.“
Siehst du!“ meinte Andrea triumphierend, „ außerdem hat sie das Christkind geschickt, denn sie hat genauso so eine blaue Mütze wie ich. Petra kannst du eigentlich Plätzchen backen?“
Ja, aber natürlich und ich habe sogar einige besonders tolle Rezepte noch von meiner Großmutter.“ lachte Petra.
Andrea strahlte, „Prima, dann kannst du ja mit mir zusammen Plätzchen backen, weißt du meine Mama ist schon lange ein Engel im Himmel.“
Die Blicke er beiden Erwachsenen treffen sich und Andreas Vater meinte entschuldigend.
Bitte verzeihen sie meiner Tochter, ich bin übrigens Hans Brauer, Lehrer und Vater einer vorwitzigen Tochter.“
Petra lachte herzlich und Hans wurde ganz warm ums Herz.
Sie haben eine entzückende Tochter, Herr Brauer.“
Nennen sie mich doch Hans.“
Petra!“
Zwei Hände treffen sich mit warmen Druck.
Das kleine Mädchen aber betrachtet die beiden verschmitzt.
Dann nimmt sie energisch jeden an der Hand und zieht sie mit sich fort.
Mich friert und außerdem will ich noch Karusell fahren bevor wir auf die Eisbahn gehen.“
Die beiden Erwachsenen lassen sich zu gerne mitziehen.
Zu dritt erleben sie noch einen schönen Nachmittag.
Die beiden Engel aber waren zurück in den Himmel geflogen und Gesine zeigte ihrer Freundin den Brief de kleinen Mädchens.



Liebes Christkind

du bauchst mir gar geine geschenke bingen ich wünsche mir nur eins und das gans doll bitte bitte bing mir eine neue mutti die mich lieb hat mir geschichtn erzählt und pläzchen bakt wie monis mami das auch tut

und damit ich sie erkene soll sie so eine blaue mitze tragen wie ich



© Lore Platz


Dienstag, 15. November 2016

Reizwortgeschichten

Reizwörter:

Schlittschuhe runter, fallen auf die Matratze 
Auch ohne Schlaftablette kann ich nur noch ratzen
Wie einfältig war ich doch
Dachte übers Eis schweben kann ich noch



Heute muss ich passen, aber bitte seht was meine Mitschreiberinnen geschrieben haben
Regina 
Martina
Christine
Eva 

Viel Spaß beim Lesen!

Freitag, 11. November 2016

Meine lieben Leser!
Ab heute gibt es einen neuen Blog an dem ich alte und neue Weihnachtsgeschichten einstellen möchte, um euch auf das schönste Fest der Welt einzustimmen.
Link 
Lores Weihnachtszauber

Freue mich auf euren Besuch und wünsche viel Spaß beim Lesen!










 

Dienstag, 1. November 2016

Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Da wir ja nun alle zwei Wochen wieder eine Reizwortgeschichte schreiben, ist es heute wieder soweit.
Heute geht es um die Wörter:
Stöckelschuhe, Krähennest, trödeln, basteln, unverschämt.

Wegen dem Krähennest musste ich erst googeln und erfuhr, dass man so den Ausguck auf einem Schiff benennt. 
Da meine Geschichte aber auf dem Land spielt, habe ich eine Wohnung so bezeichnet,
Ich hoffe ihr verzeiht mir die dichterische Freiheit.
Viel Spaß beim Lesen!





Nun ein Wort in eigener Sache: 
Einige meiner Bekannten, die keinen eigenen Blog haben,
wissen nicht wie man kommentiert.
Auch ist es ja nicht immer einfach ein Märchen zu kommentieren.
Nun habe ich die Sache vereinfacht.
Wenn euch die Geschichte gefällt drückt einfach auf lesenswert.
Ihr wisst ja der Künstler lebt vom Beifall (Augen zwinkern)







Schönheit liegt im Auge des Betrachters


Die alte Frau sitzt in ihrem bequemen Ohrensessel und sieht gedankenverloren aus dem Fenster.
Tiefe Nebelschwaden hüllen den Garten in trübes Grau und nicht ein Sonnenstrahl findet seinen Weg durch die dichten Schleier.
Trübe Gedanken sind es auch, die ihr durch den Kopf gehen. Zwanzig Monate sind es nun schon, seit ihr geliebter Heinrich die Augen für immer geschlossen, nicht bevor er ihr noch mit einem Zwinkern zu geflüstert hatte:
Ich warte dort oben auf dich und werde schon mal ein schönes Plätzchen für uns beide suchen.“
Fünfzig Jahre waren sie verheiratet und nun hatte er sie allein gelassen.
Die Tür öffnet sich leise und Emilia, kurz Milli, genannt huscht ins Zimmer.
Oma, störe ich?“
Diese lächelt und schüttelt den Kopf.
Morgen haben wir eine Halloween Party im Kindergarten und Mama fährt nachher mit mir in die Stadt und dann bekomme ich ein Kostüm.“
Als was möchtest du dich denn verkleiden?“

Ganz ganz gruselig, vielleicht werde ich ein böser Drache!“
Milli schneidet eine fürchterliche Grimasse.
Die Oma lacht.
Warum feiern wir eigentlich Halloween?“
Die Kleine war jetzt im 'warum' Alter und wollte immer alles genau wissen.
Früher war es ein Erntedankfest und da auch die dunkle Jahreszeit beginnt dachte man an die Toten und in verschiedenen Ländern glaubte man sogar, dass sie am 31.Oktober auf die Erde zurückkehrten, um zu spuken.
Und deshalb verkleidet man sich an diesem Tag und feiert und die Kinder gehen von Haus zu Haus und sammeln Süßigkeiten.“
Millie nickt eifrig. „Anne geht morgen Abend mit mir auch Süßigkeiten sammeln. Ich freue mich schon darauf!“
Anne war ihre große Schwester.
Frau Pelzer lächelt und denkt glücklich wie reich gesegnet sie doch ist mit ihren fünf prächtigen Kindern und 14 Enkelkindern, von denen Milli das jüngste war.
Nach dem Tode ihres Mannes hatte ihre Tochter Astrid sie zu sich genommen, damit sie nicht so allein war.
Mille zupft sie am Ärmel.
Omilein erzählst du mir eine Geschichte?“
Sie klettert auf den Sessel und schmiegt sich in die Arme der alten Frau.
Diese überlegt kurz, dann beginnt sie zu erzählen.

Es war einmal eine junge Frau, die wollte gar nicht mehr unter die Menschen gehen, denn durch einen schweren Verkehrsunfall an dem sie nicht schuld war, hatte sie schlimme Narben auf ihrer rechten Wange.
Obwohl ihre Freunde sie immer wieder bedrängten doch mit ihnen zu kommen, so wollte Erika das Haus nicht verlassen.
Zu sehr fürchtete sie die teils mitleidigen, entsetzten, oder auch unverschämten Blicke, die ihrem verunstaltetem Gesicht galten.“

Milli rekelt sich in ihrem Arm und sieht die Oma ernst an, dann fährt sie liebevoll mit der Hand über die Wange der alten Frau.

Diese lächelt liebevoll und erzählt weiter.

Dann kam Halloween und Rena konnte ihre Freundin überreden auf eine Party mit zu kommen, denn unter all den Masken würde sie nicht auffallen und es wurde an der Zeit, dass sie endlich ihr Krähennest verließ und wieder unter Leute ging.
Unter viel Gekicher verkleideten sich die beiden.




Aus Erika wurde eine freche Hexe, den spitzen Hut hatte sie selbst gebastelt.

Rena verkleidete sich als Skelett, dazu trug sie Stöckelschuhe und eine Kette aus Knochen die bei jedem Schritt klapperten.

Mit dem Taxi fuhren sie zu dem Haus in dem die Party statt fand. Erika war anfangs noch ängstlich, doch unter all den grotesken und gruseligen Masken fiel sie gar nicht auf.
Niemand machte eine dumme Bemerkung über ihre Narben, dachten sie doch es gehörte zur Maskierung.
Rena war sofort mitten im Trubel verschwunden, während Erika etwas schüchtern in der Ecke stehen blieb und dem vergnügten Treiben zusah.

Ein Werwolf kam auf sie zu mit einem Glas Sekt in der Hand. Er hielt es hier hin und dankbar nahm sie einen Schluck, der kribbeltet in der Nase und sie musste niesen.
Er lachte und die blauen Augen aus der Wolfsmaske funkelten vergnügt.
Ich beobachte dich schon eine Weile, alle amüsieren sich und du stehst hier schüchtern herum.
Komm!“
Er fasste sie an der Hand und bald tanzte sie genauso ausgelassen wie die anderen. Der Werwolf blieb den ganzen Abend an ihrer Seite und Erika fühlte sich immer wohler in seiner Gegenwart, als würde sie ihn schon ein Leben lang kennen.
Und als er sie küsste, da fühlte sie sich wie im siebten Himmel, doch dann fielen ihr plötzlich ihre Narben wieder
ein und in einem unbeobachtetem Moment verschwand sie und lief durch die kalten dunklen Straßen nach Hause.

Heinrich der Werwolf aber stand da und murmelte:
Aschenputtel hat wenigstens einen Pantoffel da gelassen“
Der Abend machte ihm keinen Spaß mehr, denn er hatte sich verliebt.
Er erkundigte sich bei dem Gastgeber, der konnte ihm aber nur sagen, dass die kleine Hexe mit Rena, er deutete dabei
auf das Skelett, gekommen sei.
Heinrich ging zu Rena und fragte sie nach ihrer Freundin.
Diese erschrak. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass Erika verschwunden war, hatte nur beobachtet wie sich diese mit dem Werwolf amüsierte und sich gefreut, als sie ihr Lachen hörte, das so klang wie früher.
Sie zog Heinrich in eine stille Ecke und erzählte ihm von dem Unfall und den Narben und dass ihre Freundin sich nicht mehr unter Menschen wagte. Nur mit Mühe sei es ihr heute gelungen Erika mitzunehmen und das nur unter dem Schutz der Verkleidung.
Eine Weile war es still, dann fragte Heinrich, ob sie ihm die Adresse von Erika geben könnte.
Rena überlegte lange, sie kannte ihn nur flüchtig, wusste aber von ihrem Freund Klaus, dass er ein feiner Mensch war, humorvoll, ehrlich und vielleicht wäre es gut für Erika.
Ernst sah sie den jungen Mann an.
Ich werde dich morgen Nachmittag mitnehmen, aber wehe du brichst ihr das Herz.“

Erika hatte die ganze Nacht geweint und war dann endlich eingeschlafen. Es war schon weit nach Mittag, als sie sich lustlos aus dem Bett schob, duschte fast kalt und trödelte beim Anziehen.
Gerade verließ sie das Bad, als es klingelte.
Das war bestimmt Rena. Erika öffnete die Tür und erschrak, als sie neben ihrer Freundin Heinrich erblickte.
Erschrocken senkte sie den Kopf, drehte sich um und lief ins Wohnzimmer.
Rena gab Heinrich einen Stoß, flüsterte 'Viel Glück' und schloss die Tür hinter ihm.
Erika stand mit hängenden Armen und tief gesenktem Kopf mitten im Zimmer, die Haare wie einen Schleier vor dem Gesicht.
Heinrich legte ihr die Hände auf die Schultern und sagte mit leiser zärtlicher Stimme.
Willst du mich nicht ansehen?“
Langsam hob das Mädchen den Kopf, wagte aber nicht in seine Augen zu schauen, denn sie fürchtete den entsetzten Blick.
Heinrich aber führte sie vor den großen Spiegel ihm Flur.
Liebling sieh in den Spiegel,“ flüsterte er zärtlich an ihrem Ohr.
Erika sah hinein und erblickte die große gutaussehende Gestalt des Mannes hinter sich und dann fiel ihr Gesicht auf ihre Narben und sie wollte sich aus seinem Griff befreien.
Doch er hielt sie fest.
Weißt du was ich sehe?
Ich sehe ein wunderschönes Mädchen aus deren Augen Liebe, Güte und Herzenswärme strahlen. Eine bezaubernde kleine Nase, die etwas keck nach oben zeigt und die beweist wie fröhlich und humorvoll dieses Mädchen sein kann. Und einen Mund der so schön lächeln und Lachen kann und den ich gerne küssen möchte."
Dann beugte er sich vor und küsste sie sanft und zärtlich.
Erika aber liefen die Tränen über das Gesicht.
Mit dem Daumen wischte der junge Mann diese weg und drückte ihren Kopf an seine Brust.
Hörst du wie mein Herz schlägt, es wird für dich schlagen so lange ich lebe.“
Und das Mädchen hörte das Klopfen des Herzen, das in ihrem Ohren vibrierte und fühlte sich geborgen.“

Eine Weile ist es still, dann dreht Mille sich in den Armen der alten Frau und kniet sich auf deren Schoß.
Mit beiden Händen umfasst sie ihr Gesicht.
Oma Erika, Opa Heinrich hat Recht, du bist die liebste Oma der Welt und wunderschön!“
Und die alte Frau blickt in die Augen des kleinen Mädchens, die ihrem Mann so ähnlich sind und lächelt unter Tränen.


© Lore Platz








Samstag, 15. Oktober 2016

Das Schatzkästchen

Wisst ihr was, mir geht es wieder besser und vor einigen Tagen war die Muse bei mir und gab mir einen dicken Schmatz auf die Backe.
Und dann hatte ich eine Idee und die Finger sausten über die Tasten um die Geschichte aufs Papier zu bringen.
Viel Spaß beim Lesen!

Übrigens ist es meine 100. Reizwortgeschichte, da ja Regina, Martina und ich die ersten waren, die mit diesen Geschichten vor zwei Jahren anfingen.

Das Bild ist übrigens wieder eine der schönen Zeichnungen von Heide Marie



 Nun hätte ich doch beinahe die Reizwörter vergessen

Schatzkästchen, Wasserdampf, unbeobachtet, beschützend, pflegen



Das Schatzkästchen


Dunkel ist es in der schmalen Gasse, der leicht vermodernde Gestank aus den überquellenden Mülltonnen raubte einem den Atem und nur einige Ratten liefen mit schnüffelnder Nase herum.
Doch als sie ein Geräusch hörten huschten sie schnell durch ein Loch in dem alten Gemäuer einer Fabrik.
Ein kleiner Junge von ungefähr zehn Jahren bog in die Gasse ein, beschützend an sich gedrückt hielt er einen kleinen Welpen.


Es war Antonio, seine Eltern waren vor einigen Monaten durch einen Autounfall ums Leben gekommen und da er keine Verwandten hatte wurde er in einem Waisenhaus untergebracht.
Er hatte warme Kleider und zu essen, doch obwohl er zusammen mit zehn anderen Jungen in einem großen Schlafsaal schlief, war er einsam.
Niemand strich ihm liebevoll über das Haar, wie es seine Mutter oft getan hatte, niemand neckte und lachte mit ihm wie es sein Vater getan hatte und niemand war da, dem er
den großen Kummer um den Verlust der beiden liebsten und wichtigsten Menschen im Leben, anvertrauen konnte.
Wochenlang lebte er so dahin, fügte sich in den strengen Ablauf im Heim, aber vereinsamte innerlich.
Bis er auf einem Spaziergang einen kleinen verletzten Welpen fand. Tiere waren aber nicht erlaubt im Heim und so versteckte er den kleinen Hund, den er Strubbel nannte,
in einer kleinen abgelegenen Kammer im Keller, fütterte ihn mit dem vom Tisch abgesparten Resten und pflegte seine verletzte Pfote. Doch dann wurde Strubbel entdeckt und sollte ins Tierheim.
Nachts als alle schliefen sind die beiden ausgerissen.

Antonio setzte sich und teilte die Stulle, die ihm einer der Obdachlosen unter der Brücke zugesteckt hatte, mit Strubbel.
Polizeisirenen ertönten und hastige Schritte erklangen in der Gasse.
Der Junge drückte sich in die Ecke und versuchte mit dem Schatten zu verschmelzen. Er wagte sich kaum zu atmen und legte auch dem Welpen die Hand auf die Schnauze.
Ein Glück die Bullen sind vorbei gefahren, was machst du denn?“
Will mal sehen, was wir geschnappt haben, die Frau ist doch steinreich, blöd nur, dass die Haushälterin so früh nach Hause kam.“
Nun lass das jetzt, nicht dass die Bullen uns doch noch erwischen!“
Aua, du Grobian!“
Etwas fiel auf den Boden, dann verklangen die Schritte in der Ferne.
Jetzt erst ließ der Junge den strampelnden Hund frei, der sofort los lief, schnüffelte und leise winselte.
Was hast du denn da?“



Antonio bückte sich und hob das Kästchen auf, das die Diebe verloren hatten.
Es war aus massiven Holz und rotbraun lasiert und mit bunten Steinen verziert.
Wieder ertönten die Sirenen des Polizeiwagens und schnell stopfte der Junge seinen Fund in den Rucksack, eilte zu der metallenen grauen Tür der alten Fabrik und drückte dagegen.
Zum Glück gab sie nach und die beiden Ausreißer schlüpften in die große leere Halle.
In einer dunklen Ecke fand Antonio einige leer alte Säcke und machte sich davon ein Bett.
Dicht aneinander geschmiegt kuschelten sie sich zusammen.
Antonio faltete die Hände und betete wie seine Mutter es ihn gelehrt hatte und plötzlich war ihm als würde ihm jemand ganz sachte über die Haare streichen.
Und glücklich schlief er ein.
Als er erwachte schien die Sonne durch die schmutzigen Fenster, Schnuffel war nirgends zu sehen.
Antonio holte das gefundene Kästchen aus dem Rucksack und betrachtete es von allen Seiten.
Kein Verschluss war zu erkennen.
Vorsichtig hob er den Deckel an, doch nichts geschah.
Mit dem Daumen fuhr er an der Vertiefung an der Seite entlang, spürte einen Widerstand, drückte dagegen und der Deckel hob sich.
Enttäuscht sah er hinein, kein Goldschatz verbarg sich darin, nur einige alte Briefe, eine blonde Haarlocke mit einem blauen Band zusammen gebunden und kleine gehäkelte Babyschuhe.
Er schloss die Truhe und steckte sie in den Rucksack zurück.
Nachdem er die Säcke ordentlich zusammen gelegt, klopfte er sich den Staub aus den Kleidern und machte sich auf die Suche nach Strubbel.
Er fand ihn unter einem tropfenden Wasserhahn, wo er versuchte die Tropfen mit der Zunge aufzufangen.
Als er den Jungen erblickte lief er kläffend mit flatternden Ohren auf ihn zu und sprang begeistert an ihm hoch.
Antonio streichelte seinen kleinen Freund, dann drehte er den Wasserhahn auf und fing mit gewölbten Händen das Wasser auf um zu trinken, während Strubbel begeistert aus der Pfütze schlabberte, die sich am Boden bildete.
Nachdem sich der Junge etwas gewaschen hatte, zog er die
Kappe tief ins Gesicht, stopfte den Welpen unter seine Jacke, schulterte den Rucksack und verließ die Fabrik.
Seinen knurrenden Magen ignorierend stromerte er durch die Straßen.
Als er laute Stimmen hörte, drückte er sich in eine Ecke unbeobachtet von den Frauen, die vor einer Bäckerei sich aufgeregt unterhielten.

Eine Schande, man ist doch seines Lebens nicht mehr sicher, die Gauner, wenn ich nicht früher nach Hause gekommen wäre, hätten sie das ganze Haus ausgeräumt!“
ereiferte sich eine ältere mollige Frau.
Ja, die nette Dame, hat sie denn nicht so schon genug Unglück, als vor Jahren ihr Mann und ihre kleine Tochter
tödlich verunglückt sind!“ rief eine junge Frau und Tränen stiegen in ihre Augen.
Das schlimmste aber ist, dass die Diebe nicht nur den Schmuck, sondern auch das Kästchen in dem die gnädige Frau die Erinnerungen an Mann und Kind aufbewahrt hatte, mitnahmen. Dabei ist das Kästchen noch nicht einmal wertvoll!
Aber nun muss ich mich verabschieden, meine Gnädige wird bald aufstehen und dann muss ich das Frühstück richten. Auf Wiedersehen!“

Antonio knabberte an der Unterlippe. Was sollte er tun, auch ihm war nur ein Bild seiner Eltern geblieben und es wäre schrecklich würde er es jemals verlieren.
Dann fasste er einen Entschluss.
Er folgte der Haushälterin, die in eine Nebenstraße einbog und dann durch ein großes schmiedeeisernes Tor in einem parkähnlichen Garten verschwand, in dessen Hintergrund man eine Villa sehen konnte.
Antonio schlüpfte durch das Tor und klingelte kurze Zeit später an der Tür des großen Hauses.
Die mollige Frau öffnete und betrachtete ihn Stirn runzelnd.
Was willst du ?“
Antonio nahm all seinen Mut zusammen.
Ich hätte gern die gnädige Frau gesprochen.“
Warum?“
Das möchte ich ihr lieber selber sagen.“
Die Frau musterte ihn und der Junge fürchtete schon sie würde ihm die Tür vor der Nase zuschlagen.
Doch dann lächelte sie.
Komm herein, ich bin übrigens die Magda, die gnädige Frau ist gerade im Bad, du musst noch ein wenig warten, komm mit in die Küche, hast sicher Hunger.“
Bald saß der Junge vor einer Tasse Kakao und einem dicken Marmeladenbrot.
Kann mein Freund auch etwas haben?“
Ist noch ein Junge vor der Tür?“



Antonio errötete und schüttelte den Kopf und öffnete den Reißverschluss seiner Jacke und Strubbels Kopf kam freudig hechelnd zum Vorschein.
Magda lachte herzlich und knuddelte den kleinen Kerl, der ihr begeistert die Hand leckte.
Bald hatte auch der Hund eine Schüssel voll Leckereien und schob in seiner Begeisterung diese über den Boden, damit ihm ja nicht ein Stückchen entging.



Antonio zuckte zusammen als ein schriller Ton ertönte und aus einem Kessel Wasserdampf quoll.
Nun lief Magda geschäftig hin und her, füllte Tee in eine Kanne, stellte Butter, Marmelade und Toast auf ein Tablett.
Ich bringe jetzt der gnädigen Frau das Frühstück und sage ihr, dass du sie sprechen willst.“
Gleich darauf kam sie wieder.
Die gnädige Frau erwartet dich. Wasch dir aber noch die Hände.“
Magda fuhr ihm auch noch mit einem Kamm durch die Haare dann wies sie auf die Tür des Esszimmers.
Klopf aber an.“
Antonio nahm seinen Rucksack, Schnuffel aber wurde von Magda zurück gehalten.
Mit bangem Herzen blieb der Junge vor der Tür stehen, dann fasste er sich ein Herz und klopfte an.
Eine feine Dame etwa Ende dreißig blickte ihm freundlich entgegen, als er schüchtern eintrat.
Komm nur näher, setz' dich doch, du wolltest mich sprechen?“
Antonio lief blutrot an und wusste nicht wie er anfangen sollte.
Gnädige Frau,“ stotterte er.
Ein helles Lachen erklang.
Ich bin keine Gnädige, ich bin Frau Baumgartner.“
Aber Magda nannte sie doch 'gnädige Frau' ?“
Ja, Magda, die findet das besonders vornehm und ich kann es ihr nicht abgewöhnen. Aber nun habe keine Angst, sag frei von der Leber weg, das du für ein Anliegen hast.“
Der Junge sah in die freundlichen Augen der Frau, öffnete den Rucksack, zog das Kästchen heraus und stellte es auf den Tisch.
Frau Baumgartner wurde blass. Vorsichtig fuhr sie mit dem Finger in die Vertiefung und der Deckle sprang auf.
Tränen liefen ihr über die Wangen, als sie bemerkte, dass nichts von den für sie so kostbaren Schätzen fehlte.
Wo hast du es gefunden?“
Antonio atmete auf, hatte er doch befürchtet, die Dame würde ihn vielleicht des Diebstahls verdächtigen, doch als er in ihre freundlichen Augen sah, fasste er Vertrauen und erzählte ihr von dem Tod der Eltern, dem Waisenhaus aus dem er ausgerissen war, wegen Schnuffel und von den Dieben in der Gasse und wie er zufällig Magda und die anderen Frauen belauschte und auch wie er fühlte, dass diese Erinnerungen in dem Kästchen sehr wichtig wären, denn auch ihm war nur ein Bild von den Eltern geblieben.
Frau Baumgartner sprang auf, zog den Jungen in ihr Arme und nun weinten beide.
Oh Jott oh Jott, was ist denn hier los?“ polterte Magda, die nachsehen wollte, warum es solange dauerte.
Frau Baumgartner deutete auf das Kästchen und Magda schlug die Hände über dem Kopf zusammen und nun liefen auch ihr die Tränen über das Gesicht.
Schnuffel aber auf der Suche nach Antonio, entdeckte die nicht ganz geschlossene Tür und drückte solange mit der Nase dagegen bis er sich durchzwängen konnte.
Fröhlich kläffend sprang er auf sein Herrchen zu und wusste vor lauter Freude nicht wohin.
Unter Tränen lächelnd meinte Frau Baumgartner:
Das ist also dein Freund Strubbel?“
Antonio nickte, straffte sich und sagte ernst.
Ich weiß, dass sie jetzt die Polizei und das Waisenhaus verständigen müssen, aber bitte könnten sie einen guten Platz für Strubbel finden.“
Er schluckte und versuchte tapfer zu sein.
Die Dame fuhr ihm liebevoll über das Haar wie es seine Mutter immer gemacht hatte und der Junge fühlte sich seltsam und auch ein wenig traurig.
Sicher, müssen wir das Waisenhaus verständigen, denn man macht sich sicher Sorgen, aber vielleicht können du und Strubbel ja hier bleiben. Was meinst du Magda?“
Ja,“ strahlte diese, „Zeit das wieder Leben ins Haus kommt!“

Natürlich dauerte es einige Wochen bis mit den Ämtern alles geregelt war, aber dann wurde aus Antonio Salvatore, Antonio Salvatore -Baumgartner.

© Lore Platz



Regina
Martina
Christine
Eva