Sonntag, 28. Februar 2016

Erich Kästner

Erich Kästner (23.02.1899 – 29.07.1974)


hatte diese Woche Geburtstag und wäre 117 Jahre alt geworden.
Wer kennt nicht ' das doppelte Lottchen', ' das fliegende Klassenzimmer', 'Emil und die Detektive' und ' Pünktchen und Anton.
Ich bin mit diesen Geschichten groß geworden und habe sie geliebt.
Die Geschichte vom 'fliegenden Klassenzimmer' in dem Kästner einen kleinen Auftritt hatte, wurde in dem Internat verfilmt, in dem der Sohn unseres damaligen Hausarztes war.
Erich Kästner stammte aus kleinen Verhältnissen. Sein Vater war Sattelmeister und seine Mutter Dienstmädchen, Heimarbeiterin und später Friseurin.
Sein Verhältnis zu seiner Mutter war sehr eng und er ihr einziger Lebensinhalt.
Später kamen Gerüchte auf, dass der jüdische Arzt Emil Zimmermann, Hausarzt der Kästners, der wirkliche Vater von Erich wäre.
Diese Gerüchte wurden aber nie bestätigt.
Kästner besuchte 1913 das Dresdner Lehrerseminar, brach aber nach drei Jahren ab.
Viele Details aus dieser Schulzeit findet man im
'fliegenden Klassenzimmer'.
Die Ausbildung 1917 zum Militärdienst war sehr brutal und machte ihn zum Antimilitaristen.
Durch den harten Drill seines Ausbilders Waurich erlitt er eine lebenslange Herzschwäche.
In dem Gedicht Sergeant Waurich hat Kästner späte Rache genommen.


Das ist nun ein Dutzend Jahre her,
da war er unser Sergeant.
Wir lernten bei ihm: „Präsentiert das Gewehr!“
Wenn einer umfiel, lachte er
und spuckte vor ihm in den Sand.

„Die Knie beugt!“ war sein liebster Satz.
Den schrie er gleich zweihundertmal.
Da standen wir dann auf dem öden Platz
und beugten die Knie wie die Goliaths
und lernten den Hass pauschal.

Und wer schon auf allen Vieren kroch,
dem riss er die Jacke auf
und brüllte: „Du Luder frierst ja noch!“
Und weiter ging’s. Man machte doch
in Jugend Ausverkauf...

Er hat mich zum Spaß durch den Sand gehetzt
und hinterher lauernd gefragt:
„Wenn du nun einen Revolver hättst –
brächtst du mich um, gleich hier und gleich jetzt?“
Da hab’ ich „Ja!“ gesagt.

Wer ihn gekannt hat, vergisst ihn nie.
Den legt man sich auf Eis!
Er war ein Tier. Und er spie und schrie.
Und Sergeant Waurich hieß das Vieh,
damit es jeder weiß.
 
Der Mann hat mir das Herz versaut.
Das wird ihm nie verzieh'n.
Es sticht und schmerzt und hämmert laut.
Und wenn mir nachts vorm Schlafen graut,
dann denke ich an ihn.

Erich Kästner


Nach dem ersten Weltkrieg bestand Kästner das Abitur mit Auszeichnung und erhielt das goldene Stipendium der Stadt Dresden.
1919 studierte er in Leipzig Philosophie, Germanistik und
Theaterwissenschaften.
Sein Studium finanzierte er als Journalist und Theaterkritiker.
Er arbeitete in Leipzig für die 'Neue Leipziger Zeitung', ihm wurde 1927 gekündigt, wegen dem frivolen Gedicht.
' Nachtgesang eines Kammervirtuosen'
Kästner zog dann nach Berlin und arbeitete unter dem Pseudonym Berthold Bürger weiter für die Zeitung.
Seine größte Schaffenszeit waren die Jahre 1927 – 1933 und in wenigen Jahren stieg er zu den wichtigsten Intellektuellen auf.
1928 entstand Emil und die Detektive,
1931 Pünktchen und Anton,
1933 Das fliegende Klassenzimmer.

1931 wurde Emil und die Detektive verfilmt, da Kästner aber mit dem Drehbuch nicht zufrieden war, arbeitete er in Zukunft als Drehbuchautor für das Studio Babelsberg.

Kästner hatte eine sehr enge Bindung zu seiner Mutter, deren einziger Lebensinhalt er war.




In seinem Buch : 'Als ich ein kleiner Junge war', schrieb er

Ihre gesamte Existenz setzte sie auf eine einzige Karte.
Diese Spielkarte war ich, deshalb musste ich gewinnen, durfte sie nicht enttäuschen, wurde der beste Schüler und der bravste Sohn. Ich hätte es nicht ertragen, wenn sie ihr großes Spiel verloren hätte.“
Seine Mutter war wohl auch der Grund warum er während des Krieges nicht emigriert ist, obwohl er mehrmals von der Gestapo verhört und aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen wurde.
Auch seine Bücher fielen während der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 den Flammen zum Opfer.
Ein befreundeter Verleger übernahm die Rechte des Berliner Verlags und gründete in der Schweiz einen Verlag, in dem Kästners Bücher erschienen.
Unter dem Pseudonym Berthold Bürger arbeitete Kästner weiter für die Babelsberger Filmstudios und schrieb unter anderem das Drehbuch für 'Baron Münchhausen'.
Vor Einmarsch der 'Roten Armee' verließ Kästner mit einem 60köpfigen Team Berlin und reiste nach Tirol, um dort angeblich einen Film zu drehen.
Pro Forma drehten sie einen Film mit leerer Kamera und warteten das Kriegsende ab.
Nach Ende des Krieges zog er nach München.
Er leitete unter anderem die Kinder und Jugendzeitung
'Pinguin' und arbeitete für das Kabarett 'Die Schaubude' und 'Die kleine Freiheit', sowie für den Hörfunk.
Kästner veröffentlichte aber immer weniger, wozu wohl auch sein zunehmender Alkoholismus beitrug.
Auch fand er sich in der Nachkriegszeit nicht mehr zurecht und wurde 1950 und 1960 hauptsächlich als Kinderbuchautor bekannt.
Am 29. Juli 1974 starb Erich Kästner an Speiseröhrenkrebs und wurde auf dem Friedhof Bogenhausen – München beigesetzt.
Was er uns hinterlassen hat sind wunderbare Kindergeschichten und diese machen ihn unvergessen.

Dienstag, 23. Februar 2016

Glück im Alltag - Gedicht


Gestern schrieb Regina in ihrem Blog 
"Von Tag zu Tag", dass sie der Geruch nach Bohnerwachs  an ihre Tante Guste erinnerte.
Auch ich kann mich noch daran erinnern wie wir den Boden einwachsen und dann mit einem 'Blocker' zum Glänzen bringen mussten.
So ein Blocker sah aus wie ein Besen, aber anstelle der Borsten war ein schwerer grauer rechteckiger Block mit kleinen Borsten.
Wir waren ja das Dreimädelhaus und unter uns wurden die Aufgaben verteilt.
Ich musste den Boden bohnern, besonders gemocht habe ich das nicht. Aber immer wenn ich eine langweilige, eintönige Arbeit machte, drifteten meine Gedanken ab.
Einmal wurde ich aus meinen Träumereien aufgeschreckt, meine Mutter und meine Schwestern standen im Flur und lachten herzlich.
Denn ganz in Gedanken versunken hatte ich schon eine beträchliche Zeit das Gerät immer wieder auf derselben Stelle hin und her geschoben.
Ich war halt ein Träumerle.
Nun wünsche ich euch einen schönen Tag, lasst euch von den schlechten Nachrichten nicht zu sehr die gute Laune verderben.
Das Leben ist nicht immer leicht, aber wir müssen es leben und das Beste daraus machen.

Nun noch ein Gedicht meines Freundes
 "Die Nachtigall"


 
Das Glück im Alltag

Ein Sonnenstrahl am Morgen,
oder ein Licht in dunkler Nacht,
vertreibt alle Sorgen,
und das Leben schöner macht.

Ein Kind das herzlich lacht,
und lachen steckt uns an,
ob am Tag oder in der Nacht,
wie glücklich sind wir dann.

Nachts ein sternenklarer Himmel,
ein Farbklecks an der Wand,
ein liebes Glockengebimmel,
ein Blümchen am Straßenrand.

In der Nacht ganz ruhig schlafen,
und ein schöner Traum,
lieblich im Ehehafen,
ein blühender Fliederbaum.

Kein Geld kann es ersetzen,
ist der Reichtum noch so groß,
wenn in der Ehe fliegen Fetzen,
dann ist alles Glückslos.

Gesund und glücklich leben,
ist doch oberstes Gebot,
von Zufriedenheit umgeben,
lindert alles, auch die Not.

Des Glückes holdes Wesen,
kein Gold bringt es zurück,
wie wichtig ist doch im Leben,
des Alltags kleines Glück.



(c) Die Nachtigall


Dienstag, 16. Februar 2016

Das Schneedorf

Nun will ich euch eine Geschichte vorstellen, von einem Mann geschrieben, der, in einem Winter in dem es noch so richtig viel Schnee gab, ein ganzes Dorf in Berlin gebaut hat.
Es handelt sich um einen Kollegen meiner Tochter und die Geschichte wurde für ein kleines Mädchen geschrieben.
Wenn diese Geschichte auch vor einigen Jahren entstanden ist, so finde ich sie doch sie passt gerade jetzt in unsere Zeit.

Viel Spaß beim Lesen! 


 Das Schneedorf


Winter in Deutschland 2010.Ein Winter mit viel Schnee und Kälte.
Was auf den Straßen und Wegen für Behinderung sorgte, führte in Berlin in der Stallupöner Allee dazu, dass ein kleines Dorf aus Schnee gebaut wurde.
In diesem Dorf aus Schnee ist neben der Kirche nun noch eine Moschee errichtet worden. Es sollte ein Versuch sein, beide Religionen etwas näher zusammenrücken zu lassen.
Es waren frostige Zeiten, als die Moschee über Nacht entstand.
Als das Tageslicht erwachte, standen Kirche und Moschee einträchtig nebeneinander. In der Umgebung sorgte das für Irritationen, im Dorf war es aber ruhig geblieben.
Die Sonne ging auf über dem Dorf: Was für ein herrlicher Tag!
Es setzte Tauwetter ein.
Unruhe machte sich breit in der Kirche und in der Moschee.
Es kam zu gefährlichen Veränderungen an den Gebäuden.
Das Minarett der Moschee neigte sich gefährlich und drohte
einzustürzen.
Der Turm der Kirche hingegen stand wie ein Fels in der Brandung.
Die Leute aus der Kirche dankten ihrem Gott, dass der Kirchturm dem Tauwetter standhielt und einige beteten dafür, dass das Minarett nicht einstürzen möge.
Die Menschen aus der Moschee freute es sehr, als sie hörten, dass für den Erhalt des Minaretts gebetet wurde.
Doch spurlos ging das Tauwetter auch an der Kirche nicht vorüber. Es zeigten sich deutliche Veränderungen am Dach und am Gemäuer, die zu großer Sorge Anlass gaben. Sollte Gott die Gebete nicht gehört haben?
Als der Erbauer des Dorfes sah, was in seinem Dorf geschah, schritt er zur Tat.
Er wollte Gott ein wenig unter die Arme greifen und reparierte die Schäden an der Kirche.
Die Leute aus der Moschee überredete er, das Minarett doch lieber abzutragen, denn wenn es auf die Kuppel der Moschee stürzen würde, sei der Schaden irreparabel.
Das sahen die Menschen ein. Das Minarett wurde abgetragen.
Sobald wieder frostige Zeiten kommen, bauen wir ein neues, schöneres
Minarett, das soll dann, wie der Turm der Kirche, dem Tauwetter
standhalten." So sprachen die Leidgeprüften untereinander.
Als der Abend kam, wurde es merklich kälter, die Menschen aus der
Kirche freuten sich an ihrer ausgebesserten Kirche und gingen ruhig
schlafen.
In der Moschee brannte noch lange Licht, denn auch hier spürte man,
dass es nach der Wärme des Tages jetzt am Abend spürbar kälter
wurde.
"Wir müssen Steine für unser neues Minarett anfertigen, lasst‘ uns das machen, solange es frostig ist“. So trieb der Verantwortliche für den Bau der Moschee die Leute an.
Es kam ein neuer Tag und damit auch wieder Wärme. Alle Menschen in der Kirche und in der Moschee waren voller Sorge.
"Was wird bloß aus unserem Dorf werden?" hieß es immer wieder.
Die Steine für das neue Minarett lagen etwas verloren in der Gegend, aber sie nährten die Hoffnung auf einen Wiederaufbau.
Eine Unruhe, die es so, zu glücklichen Zeiten, nicht gab, machte sich breit.
Es kamen seltsame Typen ins Dorf, die laut verkündeten:
"Was ihr auch tut, ihr Menschen des Schneedorfs, die Sonne mit ihrer Wärme wird all‘ eure schönen Bauten zum Schmelzen bringen, bis nichts übrig bleibt."
"Schweigt", schrie der Dorfbaumeister.
Lähmung machte sich breit. Der Dorfbaumeister wurde sehr traurig, als er erkennen musste, dass die" komischen Typen" wohl recht hatten.
"Nein nein, meine Bauten dürfen nicht vergehen."
In seiner Not betete der Baumeister zu Gott. Er setzte sich in das Iglu,
das er als erstes Gebäude im Dorf errichtet hatte und das nun zu einem Ort
der Stille wurde.
In dieser Stille wurde ihm bewusst, ich muss loslassen und werde neu
beginnen, wenn hier nichts mehr von dem übrig bleibt, was ich
errichtet habe.
Dann will ich mit einem Material bauen, das Kälte und Wärme gleichermaßen standhält. Mit einem Lächeln verließ er das Iglu, das nun auch schon deutliche Spuren des Verfalls zeigte.
Er versammelte die Leute des Dorfes und teilte ihnen mit, zu welcher Erkenntnis er in der Stille des Iglus gekommen war. Ein Murren ging durch die Reihen der Versammelten.
"Freuen wir uns an den Gebäuden unseres Dorfes, solange sie noch stehen. Und freuen wir uns auf das Neue, das vor uns liegt. Wir alle, wir haben hier viel gelernt, wir waren hier für eine schöne Zeit sehr glücklich. Lasst‘ uns gemeinsam mit den Erfahrungen, die wir hier machen konnten, das Neue beginnen."
Mit diesen Worten verabschiedete sich der Dorfbaumeister von den Dorfbewohnern. Er schnürte sein Bündel und machte sich auf zu neuen Ufern.
Er war noch nicht lange gegangen, da schoss es ihm durch den Kopf:
Sophia!
Sophia ist das Mädchen, 5 Jahre alt, für das der Dorfbaumeister ein kleines Haus aus Schnee bauen wollte, das des Nachts dann durch ein kleines Licht beleuchtet, Sophias Schlaf begleiten sollte.
So hat alles angefangen.
Aus dem geplanten, kleinen Schneehaus war das Iglu geworden, dieser romantischen Ort der Stille und Begegnung.
Oft hatten sie, Sophia, Sophias Mutter und der Dorfbaumeister hier vor dem Zubettgehen zusammen gesessen.Wenn die Zeit es Sophias Vater erlaubte saß die ganze Familie zum Abschluss des Tages für eine Weile im Iglu.
Besucher aus der Umgebung versammelten sich hier zu fröhlichen Teerunden.
Dann entstanden das Kirchengebäude und schließlich die Moschee.
Die Moschee hatte Sophia noch nicht gesehen, denn die wurde errichtet, als sie zu Besuch bei ihrer Oma in Travemünde war.
Heute, an dem Tag, an dem sich der Baumeister entschloss, das Dorf zu verlassen und weiter zu ziehen, sollte Sophia in das Dorf zurück kommen.
Die Vorstellung, Sophia würde eine unvollendete Moschee zu Gesicht bekommen, ließ den Dorfbaumeister nicht in Ruhe weiterziehen.
Er kehrte um, ging zurück in das Dorf und machte sich an den Wiederaufbau des Minaretts. Da das Material bereit lag, ging die Arbeit schnell voran.
Als der letzte Stein gesetzt werden sollte hörte der Dorfbaumeister aus der Ferne ein freudiges, lautes „Haaalo“. Sophias so oft gehörte Begrüßung.
Dem Baumeister wurde es warm ums Herz. Es war geschafft: Sophia sah eine vollendete Moschee.
Glücklich sagte er sich; „Nun kann die Sonne durch ihre Wärme sich nehmen, was mir der Frost durch seine Kälte gegeben hat.“
Ein Blick auf das Material, das nach dem Aufbau des Minaretts übrig geblieben war, ließ ihn aber noch einmal zögern.
Vielleicht, sagte er sich, repariere ich damit ja noch die Kirche.“
Denn die hatte nun doch sehr gelitten. Die Glocke war herabgestürzt und der Glockenturm drohte es ihr nachzutun.
Loslassen ist so schwer“, seufzte der Dorfbaumeister und ging zu
Bett.
Am nächsten Morgen machte ihm ein Blick aus dem Fenster klar: Eine Reparatur der Kirche hält das Vergehen nicht auf.
Jetzt blieb ihm nur noch den Verfall anzunehmen und zu begleiten.
Was bleiben wird, ist die Erinnerung an eine schöne, glückliche Zeit,
und das ist nicht wenig.

Montag, 15. Februar 2016

Schneewittchen und die drei Musketiere

Ich hoffe, ihr hattet alle einen schönen Valentinstag und ich möchte mich herzlich bedanken für den 55 000 Klick.

Heute ist unser monatlicher Reizwortgeschichten - Tag und diesmal sind die Wörter:
Pfannkuchen, Schuhcreme, kämpfen, lachen, lila

Die Schuhcreme hat mir ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, aber ich habe  das Problem dann doch gelöst.

Viel Spaß beim Lesen!

Sonntag, 14. Februar 2016

Valentinstag







An diesem Tag feiert man den Tag der Verliebten oder auch Menschen, die sich gern haben, denken an diesem Tag ganz besonders aneinander und drücken dies durch Grüße oder kleine Geschenke aus.
Der Name Valentin ist nicht auf den bayrischen Komiker Karl Valentin zurückzuführen, sondern laut Überlieferung auf Bischof Valentin von Rom, der am 14. Februar 269 enthauptet wurde.
Bischof Valentin hatte, trotz des Verbots  Kaisers Claudius II., Paare kirchlich getraut.
Darum gibt es auch heute noch Gottesdienste am Valentinstag, in denen die Ehepaare gesegnet werden.




Übrigens glaubte man, dass am 14. Februar die Vögel begannen sich zu paaren.
Darum nannte man diesen Tag auch den Vielliebchentag und in England und Frankreich ist Valentin der Schutzpatron der Verliebten und Verlobten.
In Finnland ist der Valentinstag der Freundschaftstag und man verschickt anonym kleine Geschenke oder Karten an jemand der einem sympathisch ist.
In Südafrika feiert man am 14. Februar ein öffentliches Fest und kleidet sich weiß und rot, den Farben für Reinheit und Liebe.

In Italien treffen sich Liebespaar an einer Brücke, hängen ein Schloss mit ihren Initialen an das Geländer und werfen jeder einen Schlüssel ins Wasser und wünschen sich etwas.
Der Wunsch muss natürlich geheim bleiben.


Seit dem 15. Jahrhundert werden in England Valentins - Paare gebildet, die am Vorabend ausgelost werden und sich dann kleine Geschenke oder Gedichte schicken.
Im viktorianischem Zeitalter wurde es dann Mode sich aufwendig verzierte Karten zu schenken.
Englische Auswanderer brachten diesen Brauch nach Amerika.

In Japan schenken die Frauen den Männern am Valentinstag Schokolade, oft selbst hergestellt.
Dafür bekommen sie dann einen Monat später als Gegengeschenk am White Day weiße Schokolade.

Südkorea hat noch einen dritten Tag eingeführt.
Wer am 14. Februar und 14. März leer ausging betrauert dies am 14. April, indem er Nudeln mit schwarzer Soße isst.

Nun wünsche ich euch einen schönen Valentinstag und hoffe, dass jeder von euch jemand hat der an ihn denkt und keiner am 14. April Nudeln mit schwarzer Soße essen muss.

Donnerstag, 11. Februar 2016

Lilaluna, Anneliese und die Kräuterfrau

Heute Morgen beobachtete ich die Schneeflocken, die gleichmäßig und ruhig auf die Erde fielen, was übrigens eine unheimlich beruhigende Wirkung hat.
Und dabei fiel mir eine neue Geschichte von der Elfe Lilaluna und ihrer kleinen Menschenfreundin Anneliese ein.
Viel Spaß beim Lesen.




Lilaluna, Anneliese und die Kräuterfrau


Etwas wehmütig faltet Anneliese das Elfenkleid zusammen und legt es in den Karton, dann steigt sie auf einen Stuhl und verstaut diesen auf dem Schrank in ihrem Zimmer.
Gestern war sie bei ihrer Brieffreundin Bärbel zu einer Faschingsparty eingeladen gewesen.
Ihre Brieffreundschaft entstand, als diese ihre Adresse mit einem gelben Ballon auf die Reise geschickt hatte.
In den Weihnachtsferien hatten sie sich dann endlich auch persönlich kennengelernt und gestern dann die Party.
Leider war Bärbel heute nach Hamburg gefahren, um den Rest der Ferien bei ihrer Oma zu verbringen, da ihre Mutter den Vater auf einer Geschäftsreise begleitete.
Anneliese setzt sich aufs Bett, was sollte sie tun?
Ihre Elfenfreundin Lilaluna schlief während des Winters zusammen mit den anderen Elfen unter der Erde.
Lustlos stützt sie den Kopf in beide Hände und starrt trübsinnig vor sich hin.
Ein Klopfen am Fenster schreckt sie auf. Eine Taube schlägt kräftig mit ihrem Schnabel an die Scheibe.
Empört reißt Anneliese das Fenster auf. „He, was soll das!“
Die Taube wirft ihr einen hochnäsigen Blick zu, fliegt an ihr vorbei und lässt sich auf dem Schreibtisch nieder.
Anneliese wedelt mit beiden Armen. „He, verschwinde!“
Ein Kichern ertönt und unter dem Flügel schlüpft Lilaluna hervor.
Ich dachte du hältst Winterschlaf?“
Lilalunas Gesicht wird ernst. „Würdest du bitte das Fenster schließen, es ist soooo kalt.“ Zittern schlägt sie die Arme um sich.
Anneliese schließt das Fenster hinter der Taube und setzt sich an den Schreibtisch.
Wieso schläfst du nicht, du wirst bei der Kälte doch nicht überleben können,“ besorgt sieht das Mädchen ihre Freundin an.
Wir alle schlafen nicht mehr, denn unsere Königin ist schwer krank und selbst Dr. Wichtel kann ihr nicht mehr helfen, deshalb bin ich zu dir gekommen.
Aber ihr schlaft doch tief unter der Erde, warm und sicher vor dem kalten Wetter?“
Aber unsere Königin hat ihr Himmelbett hoch oben in einer alten Eiche und diese wurde bei dem letzten Sturm schwer geschädigt und in das Zimmer der schlafenden Königin drangen von allen Seiten kalte Winde und nun liegt sie mit hohem Fieber da. Wenn Frau Eule uns nicht geweckt hätte, hätten wir es gar nicht bemerkt.“
Lilaluna senkt den Kopf und Tränen rollen über ihre Wangen.
Aber wie kann ich denn helfen?“
Dr. Wichtel hat leider keine Kräuter mehr und in dieser Jahreszeit sind weit und breit keine zu finden.
Aber am Ende des Dorfes lebt eine alte Frau, die sammelt Kräuter und wir möchten, dass du uns die passenden Kräuter besorgst.“
Anneliese wird blass. „Die Kräuterhexe!“
Lilaluna sieht sie erstaunt an.
Aber das ist keine Hexe, sondern ein Mensch wie du.“
Die Dörfler aber nennen sie Hexe und außerdem sie mag keine Kinder.“
Kein Wunder, weil die sie immer verspotten und ihr übles antun,“ ruft Lilaluna empört.
Anneliese lächelt. „Ich werde die Kräuterfrau aufsuchen, welche Kräuter braucht Dr. Wichtel?“
Moment!“ Lilaluna schließt die Augen um sich zu konzentrieren.
Thymian, Brunnenkresse, Ehrenpreis, Weide, Holunder, Lindenblüten, Pfefferminz und Sauerdorn.“
Nachdem Anneliese sich alles sorgfältig notiert hat, läuft
sie gefolgt von der Elfe hinunter, schlüpft in ihre warmen Winterstiefel und zieht sich ihren flauschigen Mantel über.
Während sie die selbst gestrickte Mütze über die Ohren stülpt, fragt sie ihre kleine Freundin.
Willst du mitkommen oder hier warten?“
Ich würde dich ja gerne begleiten, aber die Kälte?“
Anneliese runzelt die Stirn, dann fällt ihr Blick auf die gefütterten Fäustlinge ihrer Mutter.
Krieche hier rein, das wird dich vor der Kälte schützen.“
Die Elfe verschwindet in dem Handschuh und streckt dann grinsend den Kopf raus. „ Herrlich warm und kuschelig.“
Es schneit als sie den Feldweg zum Haus der Kräuterfrau entlang schreiten.
Nicht weit davon hören sie Kinder johlen, die mit ihren Schlitten den kleinen Feldberg hinunter rasen.
Drei Jungen aber schlagen sich in die Büsche und pirschen zu dem alten Haus und bald darauf prasseln Schneebälle begleitet von grölenden Rufen gegen das Fenster.
Anneliese versteckt sich hinter einem Baum und meint grimmig:
Die kenne ich, die sind eine Klasse unter mir, Max, Tom und Werner.“
Wieder ertönt der Ruf: „ Komm raus alte Hexe!“
Lilaluna aber guckt vorsichtig aus der Manteltasche, den Zauberstab gezückt.
Soll ich sie in Ratten verwandeln?“ fragt sie grimmig.
Anneliese kichert.
Nein, du weißt, dass du Menschen nicht verwandeln darfst,“ einen Moment überlegt sie, „aber kannst du Schneebälle bewegen?“
Denke doch!“
Schnell formt das Mädchen einige Schneebälle und verteilt sie auf dem Boden, dann formt sie die Hände zu einem Trichter und ruft mit hohler Stimme.


Hier ist das Schneemonster, verschwindet ihr bösen Buben, oder es wird euch schlimm ergehen.“
Und dann prasseln von allen Seiten Schneebälle auf die Jungen und laut schreiend laufen sie davon.
Die beiden Mädchen kichern.
Wenig später klopft Anneliese an die schwere Holztür, die sich vorsichtig öffnet.
Was willst du?“
Guten Tag Frau Brunner, eine Freundin von mir ist sehr krank und ich würde gerne einige Kräuter von ihnen kaufen.“
Komm rein!“
Müde und irgendwie traurig schlurft die alte Frau voraus in die Küche, in der ein fröhliches warmes Feuer prasselt.
Ein alter Eichenschrank ist voller Tiegel und Töpfe und von den Wänden hängen Bündel mit Kräutern.
Möchtest du einen Tee?“
Anneliese nickt.
Bald steht eine dampfende Tasse vor ihr und die alte Frau schiebt ihr einen Topf mit Honig hin.
Habe nicht oft Besuch, die Leute wollen zwar meine Hilfe aber weiter möchten sich nichts mit mir zu tun haben. Hast du die Lauser vertrieben?“
Anneliese nickt grinsend. „Feiglinge sind es, nur stark in der Gruppe .“
Die alte Frau mustert sie lange, dann lächelt sie.
Du hast ein gutes Herz, danke für deine Hilfe.“
Sie unterhalten sich noch ein wenig und das Mädchen spürt die Einsamkeit der alten Frau und schämt sich ein wenig, dass auch sie auf das dumme Gerede der Leute gehört und sogar Angst gehabt hat.
Später holt sie dann den Zettel mit den Kräuternamen hervor.
Frau Brunner packt alles in ein Säckchen, dann gibt sie noch einen kleinen Tiegel Gänseschmalz dazu.
Damit soll sich die Kranke die Brust einreiben, das hilft und löst den Husten.“
Nachdem Anneliese das Geld hin gezählt hat, bedankt sie sich für den Tee und einer Eingebung folgend fragt sie, ob sie wiederkommen darf.
Die Augen der Alten leuchten auf.
Gerne, ich bekomme niemals Besuch.“
Das Mädchen winkt und verlässt das Grundstück.
Frau Eule kommt ihnen entgegen, als sie den Wald betreten und bringt die Medizin hinauf in den Baumhöhle.
Es dauert lange bis sie wiederkommt mit Dr. Wichtel auf dem Rücken.
Danke dir, Anneliese, du hast der Königin das Leben gerettet. Sobald es ihr besser geht, werden wir sie in eine Höhle unter der Erde bringen, denn auf der Baumkrone ist es wohl zu gefährlich.“
Das Mädchen verabschiedet sich von ihren kleinen Freunden, die ihr Versprechen sie im Frühling wieder zu treffen.
Als sie an dem Haus der Kräuterfrau vorbei kommt, denkt Anneliese, dass sie heute einen Kuchen backen und Morgen die alte einsame Frau besuchen will.
Sicher konnte sie viel von ihr lernen.

© Lore Platz

Donnerstag, 4. Februar 2016

Närrische Tage



Heute ist der unsinnige Donnerstag oder auch Weiberfastnacht.
Ich weiß noch, dass mein Mann an diesem Tag immer ohne Krawatte in die Arbeit ging.
Wisst ihr eigentlich wann vermutlich die erste Weiberfastnacht war?
Am Donnerstag vor Karneval tanzten und sprangen die Nonnen im Kölner Kloster St. Mauritius in weltlicher Kleidung durch die Hallen.
Das war im Februar 1729.
Da hätte ich zu gerne Mäuschen gespielt.

Je nach Region werden die närrischen Tage
Fastnacht – Karneval - Fasching
genannt.

Fastnacht setzt sich aus den Wörtern:
Fasta (Fastenzeit) und naht (Nacht, Vorabend) zusammen.
Was soviel wie Tag vor der Fastenzeit bedeutet

Karneval:
'carne levare' = Fleisch wegnehmen.

Fasching:
Diesen Wort ist hauptsächlich in Bayern und Österreich gebräuchlich.
Es leitet sich ab von dem Wort 'Vaschang' was soviel wie letzter Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit bedeutet.


Bereits vor 5000 Jahren wurde in Mesopotamien nach Neujahr, ein siebentägiges Fest als symbolische Hochzeit eines Gottes, gefeiert.
In einer babylonischen Schrift aus dem 3. Jahrtausend vor Christus stand geschrieben.
' Kein Getreide wird an diesem Tag gemahlen. Die Sklavin der Herrin gleichgestellt und der Sklave an der Seite des Herrn.
Der Mächtige und der Niedrige sind gleichgestellt.'

Hier wird zum ersten Mal bei ausgelassenen Festen die Gleichheit erwähnt, die bis heute ein charakteristischen Merkmal des Karnevals ist.
 

Heute werden hauptsächlich, wie es so schön in Bayern heißt; die Politiker dablääkt (verspottet).




Nun zu den Römern, die ja eigentlich viel in Europa geprägt haben.
Vom 17. Dezember bis 19. Dezember hielten die Römer ein öffentliches Gelage ab zu Ehren des Gottes Saturn.
Herren und Sklaven tauschen die Rollen, saßen zusammen mit Myrten bekränzt am Tisch, konnten frei reden und bewarfen sich mit kleinen Rosen.
Das dürfte der Ursprung des Konfetti sein.

Die spinnen die Römer!“ würde Asterix wohl sagen.

Zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert feierte man in der Kirche die Narrenfeste.
Wolfram von Eschenbach erwähnte im Jahre 1206 in seinem 'Parzival' erstmals die 'Fastnacht'
Die mittelalterliche Fastnacht stand für den 'Staat des Teufels' . 
Deshalb wurden die ausschweifende Feste auch von der Kirche geduldet, um zu zeigen, dass sowohl der 'Staat des Teufels', als auch der Mensch vergänglich sei und am Ende Gott siegt.
Mit dem Aschermittwoch musste dann der Karneval enden.

Bedenke, dass du Mensch Staub bist und wieder Staub wirst,“ dies murmelt der Pfarrer wenn er das Aschenkreuz auf die Stirn malt.
Ich habe es gehasst, denn einzelne Körner der Asche lösten sich immer und rieselten mir in die Augen.

Nun lasst euch die gute Laune von niemand verbieten, lacht, schunkelt und freut euch des Lebens.

Hellau!




Fasching

Nun ist sie da, die Faschingszeit,
darüber freuen sich viele Leut',
sie tanzen, jubeln ganz toll,
sie lachen, scherzen stimmungsvoll.

Sie setzen ihre Narrenkappen auf,
ziehen bunte Kleider an zuhauf,
es geht zu wie in einem Narrenhaus,
mancher schaut dabei ganz lustig aus.

Räuber kommen mit wildem Gesicht,
Rittersleut`reiten im Sonnenlicht,
Zigeuner dürfen auch nicht fehlen,
Diebe die nicht können stehlen.

Und aus Tirol kommt jener Gesell,
verkleidet als Wilhelm Tell,
Türken, Inder und noch mehr,
zwischendurch ein brauner Bär.

Musikkapellen zwischendurch,

Zwei Strolche auch, das Haar zerfurcht,
Ein Hauptmann sieht ganz strenge drein,
er humpelt mit dem rechten Bein.

Politiker die auf Wagen sitzen,
Plakate halten mit geschriebenen Spitzen,
und man sieht noch vieles mehr,
was so kommt maskiert daher.

Auf der Geige und auf dem Bass.
jeder spielt da irgendwas,
kunterbunt und kreuz und quer,
und klingen tut es wie noch mehr.

Kunterbunt der Maskenscherz,
viele Leute mit frohem Herz,
Alle Sorgen sind da wie weggeblasen,
mancher nimmt auch einen Schaden.

Lustig ist doch die Fastnachtszeit,
und jubeln tun da alle Leut',
Vergessen wird da jedes Ach,
aber was kommt dann danach?


© Die Nachtigall



Dienstag, 2. Februar 2016

Merle hat ein Geheimnis


Das Frühstück sagt man sei die wichtigste Mahlzeit am Tag, denn es bringt Energie für den ganzen Tag.
Ob dies stimmt, weiß ich nicht, ich frühstücke gerne und halte mich dann auch an den Spruch:
Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Abendessen wie ein Bettler.
Da ich Frühaufsteher bin und früh zu Bett gehe, entspricht das wohl meinem Lebensrhythmus.
Mein Mann konnte morgens nichts essen, nur eine Tasse Kaffee, nach der er dann langsam ansprechbar wurde.
Seine Hauptmahlzeit lag am Abend.
Trotzdem ist das Frühstück sehr wichtig, besonders für Kinder.
Doch viele Kinder gehen ohne Frühstück in die Schule und oft auch ohne Pausenbrot.
Viele Eltern denken gar nicht daran, dass das Frühstück wichtig für ihr Kind ist und schlafen oft noch, wenn das Kind aus dem Haus geht. Oder sie sind bereits in der Arbeit und das Kind ist allein für sein Frühstück verantwortlich und wenn auch der Kühlschrank voll ist, denkt es nicht daran sich etwas zu machen.
Uschi Glas hat vor Jahren zusammen mit ihrem Mann den Verein 'Brotzeit' gegründet.
Ich stelle euch mal den Link ein

Noch eine kleine Geschichte dazu-
Viel Spaß beim Lesen






Merle hat ein Geheimnis

Vergnügt hüpft die neunjährige Merle in den Garten vor ihrem Elternhaus.
Die Mutter, die gerade vor einem Beet kniet sieht ihr lächelnd entgegen.
Du bist aber heute früh.“
Die letzte Stunde ist ausgefallen.“
Dann kannst du mir ja helfen,“ meint Frau Berger lächelnd.
Merle nickt fröhlich, stellt den Schulranzen ab und bald kniet sie neben ihrer Mutter.
Während sie beide die Pflanzen vom Unkraut befreien und die Erde rundum lockern, erzählt das Mädchen ihrer Mutter, dass sie sich als Patin für ein Kind aus der ersten Klasse gemeldet hat.
Das Mädchen heißt Susanne und Merle wird ihm helfen beim Lesen lernen und auch so wenn es nicht zurecht kommt.
Die Mutter freut sich über ihre so vernünftige Tochter.
Merle nimmt ihre Patenschaft sehr ernst. In der Pause setzt sie sich zu der sehr schüchternen Susanne und kümmert sich um sie.
Langsam fasst das kleine Mädchen Vertrauen zu ihr. Merle fällt auf, dass Susanne nie ein Pausenbrot dabei hat, aber sie denkt sich nichts dabei, denn vielleicht hat sie ja zuhause so gut gefrühstückt, dass sie keinen Hunger hat.
Doch eines Tages kommt sie etwas später in den Pausenhof und beobachtet Susanne die immer wieder ängstlich um sich blickend zu dem Papierkorb schleicht und dort herum wühlt.
Was machst du denn da?“ fragt Merle.
Susanne lässt das angebissene Brot, das es in der Hand hält erschrocken fallen.
Beschämt senkt sie den Kopf, ihr Wangen werden rot und in ihren Augen sammeln sich die Tränen.
Ich wollte nicht stehlen, aber ich habe gesehen, wie ein Mädchen ihr Brot weg geworfen hat und dann zum Kiosk gelaufen ist.“ stammelt sie.
Du hast Hunger.“
Susanne senkt noch tiefer den Kopf.
Komm mit!“
Merle nimmt ihr Patenkind an der Hand und setzt sich mit ihr auf die Bank, dann nimmt sie ihre Brotbox und reicht dem Mädchen ihr belegtes Brot.
Zögernd greift diese zu und dann verzehrt sie es voller Heißhunger.
Wann hast du denn zuletzt etwas gegessen?“
Gestern Abend, Mama hat nach der Arbeit Pizza mitgebracht,“ erzählt Susanne mit beiden Backen kauend.
Und dann erfährt Merle, dass die Mutter ihres Schützlings als Verkäuferin arbeitet und nebenbei noch putzen geht und oft zu müde zum kochen ist und auch das einkaufen vergisst.
Aber bitte, du darfst niemand davon etwas sagen, sonst kommen die vom Jugendamt und holen mich ab.“
Merle verspricht es, als sie in die angstvollen Augen von Susanne blickt.
Frau Berger aber wundert sich die nächste Zeit, weil Merle immer eine doppelte Portion ihres Pausenbrots verlangte.
Eines Tages stellt sie ihre Tochter zur Rede und nur langsam und zögernd erzählt Merle ihrer Mutter von Susanne und auch deren Angst, dass das Jugendamt sie ihrer Mama wegnehmen würde.
Unsinn, aber weißt du wo Susannes Mutter arbeitet?“
Im Kaufhaus Poldinger in der Parfümerie.“
Frau Berger geht gleich am nächsten Tag, kurz vor Ladenschluss in die Parfümerie und fragte nach Frau Hansen.
Während sie sich verschiedene Proben zeigen lässt und sich dann schließlich für einen Duft entscheidet, sagte sie leise zu der jungen Frau.
Hätten sie nach Feierabend etwas Zeit, ich würde sie gerne auf eine Tasse Kaffee gegenüber einladen, unsere Kinder sind befreundet.“
Nur zögernd nickte diese, doch als sie später dann in dem kleinen Cafe sitzen, fasst die junge Frau schnell Vertrauen zu Merles Mutter.
Und nun erfährt diese die traurige Geschichte.
Nach der Scheidung war sie mit Susanne hierher gezogen und brachte sich nun recht und schlecht durch.
Da ihr Mann keinen Unterhalt zahlte, war sie gezwungen noch nebenbei zu putzen, da das Gehalt einer Verkäuferin kaum reichte.
Als Frau Berger nun erzählt, dass Susanne immer hungrig in die Schule kommt, senkt deren Mutter beschämt den Kopf.
Ich bin oft so müde und auch verzweifelt, dass ich wohl nicht gut genug für mein Kind sorge,“ flüstert sie.
Frau Berger aber hat eine Idee.
Bereits ab dem nächsten Tag durfte Susanne nach der Schule mit Merle nach Hause.
Sie aßen zusammen Mittag, machten die Hausaufgaben und spielten und am Abend dann brachte Frau Berger Susanne zurück zu ihrer Mutter.
Frau Hansen die in Frau Berger eine Freundin gefunden hatte blühte auf und Susanne verlor ihre Schüchternheit und Traurigkeit.

© Lore Platz