Donnerstag, 31. März 2016

Ich lade gern mir Gäste ein - Pinselchen





Wie ihr wisst bringe ich immer wieder mal unter dem
Motto: „ Ich lade gern mir Gäste ein“ kleine Geschichten.
Diesmal hat eine sehr gute Freundin von mir, die früher in Bayern und nun im Schwarzwald wohnt, mir einige ihrer Erzählungen über einen kleinen Luchs namens 'Pinselchen'
zugesandt und ich will sie euch so nach und nach vorstellen und hoffe, dass Roswitha noch weitere Abenteuer des kleinen Kerls schreiben wird.
Bilder dazu wird unsere gemeinsame Freundin Heide Marie K malen.
Der Luchs gehört ja zu der Familie der Katzen und an den 'Pinseln' an den Ohren, die sie wie eine Art Antenne nutzen, kann man sie leicht erkennen.
Nun wisst ihr, warum unser kleiner Held, den Namen 'Pinselchen' hat.
Viel Spaß beim Lesen!








Pinselchen entdeckt die Welt.


Es war wohl April, als Pinselchen, der kleine Luchs, das erste Mal die Sonne, den blauen Himmel, die vielen grünen Tannen sah und die würzige Waldluft schnupperte.
Ängstlich, ja ängstlich war er schon etwas, aber auch mutig, wenn auch nur ein klitzekleines bisschen, als er zum ersten Mal den schützenden Bau verließ.
Er blinzelte zum blauen Himmel und lauschte den vielen Geräuschen, die da zu hören waren.
Vorsichtig und ganz leise, wie die Mutter es ihn gelehrt, tapste er nach draußen und schon war es passiert.
Aua, so pass doch auf, du Tolpatsch, bringst einen ja ums Leben!“
Entschuldige, das war keine Absicht.“
Na, das sollte es auch noch sein!“ schimpfte die Waldameise und wollte geschwind davon eilen.
He warte, doch, wer bist denn du?“


Ich bin Elli, die Waldameise,“ sagte diese voll Stolz.
Was um alles in der Welt ist denn eine Waldameise?“
Was! Du kennst keine Waldameise? Wir sind die fleißigsten Tiere des Waldes!, sprach sie und eilte von dannen.
Der kleine Luchs sah ihr nach. So winzig und was war denn fleißig? Schlau muss man sein und schnell, sagte die Mutter, aber von fleißig hatte sie nicht gesprochen.
Sehr nachdenklich tapste Pinselchen weiter.



Pip, pip!“, machte es und eine kleine graue Maus schaute aus ihrem Loch.
Hallo, wer bist du denn?“
Ich bin Nicci, die Waldmaus und wer bist du?“
Ich bin Pinselchen der kleine schlaue Luchs.“
Ahhaaaa, muss ich Angst haben vor dir?“
Nööö, warum denn?“
Weil du mich fressen wirst.“
Ich kenn dich doch gar nicht und außerdem trinke ich nur Milch.“
Ja, jetzt vielleicht, aber später vielleicht liebst du doch Mäuschen,“ sprach es und eilte davon.
He, hallo, warte doch auf mich.“
Aber die Maus war längst verschwunden.
Der kleine Luchs runzelte die Stirn. „ Keiner hat Zeit für mich, das mag ich gar nicht.“




Auf einmal zwitscherte es über ihm in den Zweigen einer Fichte.
Hallo, wer bist du denn?“
Wer will das wissen?“
Ich, Pinselchen, der schlaue Luchs.“
Ich heiße Andi, die Blaumeise und spreche nicht mit jedem.“
'So ein Angeber' dachte Pinselchen.
Und warum nicht?“
Weil ich in den Himmel fliegen kann und du nicht!“ lachte die Meise und flog davon.
Der kleine Luchs schaute ihr nach, doch dann lief er weiter und hatte die arrogante Blaumeise bald vergessen.
Er war so in Gedanken versunken, dass er beinahe über einen alten umgefallenen Baumstumpf auf dem ein kleiner Pilz, mit einem schönen gelben Hut, wuchs, gestolpert wäre. Was für ein prima Aussichtspunkt.
Er sprang hinauf und sah sich um.
Und als plötzlich ein großes braunes Tier zwischen den Bäumen auftauchte, verhielt er sich ganz ruhig.
Es rupfte da ein Gräslein, zupfte da ein Blättlein und schaute sich immer wieder um.
Wie groß es ist, dachte der kleine Luchs.
Aber furchtlos wie er nun einmal war, rief er:
Hallo, hallo, wer bist denn du?“
Das Reh hob den Kopf und sah sich um.
Als es das kleine Pelztierchen sah, lachte es und stellte ich vor.
Ich bin Viola, das flinke Reh und wer bist du?“
Ich bin Pinselchen, der kleine Luchs.“
Und was machst du so ganz allein im Wald, wo sind deine Mutter, wo dein Vater?“
Die sind zuhause, ich bin bin losgezogen, um viele Abenteuer zu erleben.“
Dazu bist du noch viel zu klein, geh lieber schnell nach Hause.“
Pinselchen sah das Reh trotzig an.
Bin ich nicht, ich bin schon groß, meine Brüder behaupten das auch immer, aber das stimmt nicht!“
Na, dann viel Glück bei deinen Abenteuern und wenn du mal Hilfe brauchst, dann ruf nach mir,“ lachte Viola und hüpfte davon.
Pinselchen schaute ihm nach.
'Die Erwachsenen waren doch alle gleich und wussten immer alles besser.'
Weit riss er sein Mäulchen auf, er war auf einmal so müde.
Er legte sein Köpfchen auf die Pfoten und war auch schon eingeschlafen.
Als er wieder erwachte, war die Sonne am Himmel viel weiter gewandert und es dämmerte bereits.
Nun aber schnell nach Hause bevor die Mutter merkte, dass er ganz allein losgezogen war und außerdem hatte er Hunger.
Weit war es nicht bis zum schützenden Bau und er konnte sich auch unbemerkt hineinschleichen.
Liebevoll kuschelte er sich an seine Mama und trank die köstliche Milch, dann rollte er sich zusammen und träumte von neuen Abenteuern.

© Roswitha Borgfeldt

Sonntag, 27. März 2016

Ein wunderschönes Osterfest wünsche ich euch



und einen braven Osterhasen. Das Wetter ist ja herrlich, Frühling liegt in der Luft.
Es erinnert mich an die schönen Spaziergänge am Ostersonntag mit der ganzen Familie und ab und zu fanden wir Kinder sogar ein buntes Ei, das der Osterhase verloren hatte.
In Bayern besteht ja der Brauch, dass man mit einem hübschen Weidenkorb, in dem ein Osterbrot, eine Kante geräucherter Speck, gefärbte Ei, Salz und eine Stange Kren, das ist Merrettich, waren, in die Kirche ging. Nach der Messe wurden diese Köstlichkeiten dann vom Pfarrer gesegnet und anschließend zuhause dann gab es ein geweihtes Frühstück.
Schade, dass diese Bräuche immer weniger werden, denn irgendwie sind sie doch schön und geben dem Alltag etwas besonderes.
Nun wünsche ich euch ein schönes Osterfest, genießt die freien Tage und freut euch und denkt daran die Auferstehung bedeutet auch Hoffnung.
Und die brauchen wir gerade in diesen unruhigen Zeiten besonders.
Nun noch ein Gedicht von meinem Freund
 'Die Nachtigall'.



Ostermorgen
 
Die Lerche stieg am Ostermorgen,
empor in das Luftgebiet,
und schmettert, noch etwas verborgen,
ein freudiges Auferstehungslied.

Und wie sie schmettert da erklangen,
viele Stimmen nach im Feld,
wacht auf, das Alte ist vergangen,
wach auf du junge Welt.

Lobt die Natur mit frohem Schall,
wacht auf, ihr Frühlingsglanz der Sonnen,
alles grün und helles Laub überall
wacht auf der Schlaf sei euch genommen.
 
Die Veilchen auf den Waldesgründen,
Die Primeln weiß und Blüten rot,
ihr wollt es alle mit verkünden,
die Liebe ist stärker als der Tod.

Wacht auf ihr trägen Menschenherzen,
was ihr im Winterschlaf versäumt,
in dumpfen Lüstern, dumpfen Schmerzen,
ist ein Fremder der das nur erträumt.

Laue Lüfte wehen durch die Lande,
diesen Jugendhauch lasst herein,
zerreißt die Fesseln der schlafende Bande,
wie ein Adler sollt ihr sein.

Auch die Grübler die sich so verloren,
Traumwandeln auf düsterer Bahn,
auf, die Welt ist neu geboren,
hier ist ein Wunder, nehmt es an.

Alle sollt ihr euch erfreuen,
was über euch ergossen ward,
es ist ein inniges gereuen,
das Bild, was der Frühling offenbart.

Was dürr war, grünt im Wehen der Lüfte,
jung wird das Alte nah und fern,
der Odem der Natur sprengt alle Grüfte,
wacht auf, der Ostertag ist da.

(c) Die Nachtigall
 

Freitag, 25. März 2016

Karfreitag




Heute ist Karfreitag, der Tag an dem Jesus für uns am Kreuz gestorben ist, um uns zu retten.
Manchmal wenn ich mich so umschaue in der Welt frage ich mich, ob sein Opfer nicht umsonst gewesen war.
Der Name Karfreitag leitet sich übrigens ab von dem althochdeutschen Wort 'kara', das soviel wie Klagen, Kummer, Trauer bedeutet.
Als Kind mochte ich diesen Tag gar nicht. In der Kirche waren alle Jesusbilder mit einem lila Tuch verhängt, die Glocken waren angeblich nach Rom geflogen, was mir immer komisch vorkam und ich stellte mir vor, wie der Himmel voll war mit all den Glocken die Richtung Italien unterwegs war und wo wurden sie dann alle untergebracht?
Im Radio kam nur traurige Musik und im Fernsehen Filme von Jesus, der gegeißelt, mit einer Dornenkrone verspottet, sein Kreuz schleppte und dann gekreuzigt wurde.
Ich bekam Albträume davon.

Mit dem Gründonnerstag beginnt die dreitägige strenge Fastenzeit bis zum Ostersonntag, an dem die Glocken wieder zurück aus Rom kommen um mit ihrem Läuten die Auferstehung Jesus zu verkünden und in unsere Herzen wieder Hoffnung zu legen.
Als Kind verstand ich immer nicht, warum wir an diesem Tag nur Grünes essen durfte. Jedenfalls gab es meistens Spinat, Kartoffel und Spiegelei.
Gemüse essen entspricht dem Fasten in der Karwoche und auch den vorchristlichen Vorstellungen, dass damit auch die Heilkraft des Frühlings aufgenommen wird.
In vielen Regionen hat der Gründonnerstag auch eine Bedeutung für das Bestellen von Feld und Garten, als Tag der ersten Aussaat.
Auf jeden Fall wünsche ich euch einen ruhigen besinnlichen Tag, ein innehalten im oft chaotischen Alltag um neue Kraft zu schöpfen für das nicht immer leichte und doch auch schöne Leben.

Mittwoch, 16. März 2016

Ich lade gern mir Gäste ein - Das Schneedorf 2

Gestern hat es bei uns dicke Flocken geschneit und heute strahlt die Sonne von einem wolkenlosen hellblauen Himmel.
Winter und Frühling kämpfen noch um die Herrschaft.
Ich möchte die Winterzeit hier auf meinem Blog mit einer Geschichte abschließen.
Wie ihr wisst stelle ich unter dem Motto
 'Ich lade gern mir Gäste ein' 
Erzählungen von kreativen Menschen, die keinen eigenen Blog haben, ein.
Vor einiger Zeit habe ich das Schneedorf von einem Kollegen meiner Tochter hier vorgestellt.
Hier ist der Link dazu:
Das Schneedorf 

Nun gibt es noch eine Fortsetzung.
Viel Spaß beim Lesen!




 
Geheimnisse zwischen Fantasie und Wirklichkeit


Lange 6 Tage beobachtete der Baumeister nun schon , wie sein Schneedorf dahinschmolz.
Schuf am Anfang das Schmelzen noch neue,interessante Formen, so nahm, mit der Zahl der warmen Tage, die Trostlosigkeit im Dorf zu.
Jetzt war nur noch schwer etwas Schönes zu entdecken und der Baumeister gab sich wahrlich Mühe.
Grau war nun der einstmals strahlend weiße Schnee geworden und der Schmutz, den der Schnee schützend eingeschlossen hatte, trat zu Tage.
Mit diesen Eindrücken ging der Baumeister, nachdem er noch einmal eine Kerze auf den Schneeresten entzündet hatte, zu Bett.
Er konnte erst keinen richtigen Schlaf finden, der kam dann aber doch noch mit einem wunderschönen Traum.
In diesem Traum sah der Dorfbaumeister noch einmal all seine Bauten in strahlender Schönheit vor sich. Die Sonne ging hell über dem Dorf auf und der Schnee begann zu schmelzen.
Die Schneekristalle bekamen große Angst, dass sie nun sterben müssten, gerade jetzt, wo sie soviel Spaß an ihrem Dasein hatten.
Die Sonne merkte das und sprach beruhigend auf die Schneekristalle ein.“Ich kann eure Angst verstehen“, sagte sie.
Als sie merkte, dass die Schneeflocken dadurch nicht zu Ruhe kamen fuhr sie fort:
Ich werde aus euch Wassertropfen machen und euch auf eine große Reise schicken.“
Reisen! Das klang verlockend für die Schneekristalle, hatten sie doch schon einmal ein lange Reise gemacht und als sie auf der Erde landeten ihr Glück gefunden.
So geschah es, dass die Schneeflocken als Wassertropfen das Dorf verließen.
Erst ein Schneekristall, dann noch Eines und dann immer mehr, bis nur noch die grüne Wiese blieb wo einst das Schneedorf gestanden hatte.
In seinem Traum verfolgte der Baumeister die Wassertropfen auf ihrer Reise.
Er sah sie sich ausruhen und als Tau auf der Wiese liegen. Andere Tropfen wieder hingen an Grashalmen und funkelten wie die schönsten Diamanten in der Sonne.
Die Pflanzen, Menschen und Tiere freuten sich über das Wasser, als es ihren Durst stillte.
Aber es gab auch Tränen der Trauer, wenn das Wasser in Flutwellen Land und Häuser wegriss und Kirchtürme und Minarette unterspülte und so zum Einsturz brachte.
So kam es, dass einige Wassertropfen sich wünschten, lieber wieder Schneeflocken zu sein.
Die Sonne redete mit dem Frost und der versprach aus einigen Wassertropfen wieder Schneeflocken zu machen.
Bevor er das tat, sprach er noch einmal mit den Wassertropfen und sagte ihnen, dass er ihnen nicht versprechen könne, dass sie als Schneekristalle nur Freude auf die Erde bringen würden.
Als eine Lawine aus Schnee donnernd auf sein Schneedorf zuraste erwachte der Dorfbaumeister aus seinem Traum.
Erschrocken zog er sich an, ging aus dem Haus, dorthin wo sein Dorf aus Schnee gestanden hatte.
Verwundert sah er hier nun einen Regentropfen an einem Grashalm hängen, der schöner als jeder Diamant der Welt in der Morgensonne funkelte.
Mit etwas Wehmut freute sich der Baumeister nun auf den Frühling



Dienstag, 15. März 2016

Hermann und der verwirrte Hase

Heute ist wieder Reizwortgeschichtentag, der ja nur noch einmal im Monat stattfindet.
Die Wörter: Straße, Kajak, glasklar, knirschen und bewegen, waren diesmal unterzubringen.
Ich muss sagen das Wort 'glasklar' bereitete mir einige Schwierigkeiten und ich habe es eben noch nachträglich eingefügt.
Nun aber wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!




Hermann und der verwirrte Hase


Mit überhöhter Geschwindigkeit raste ein schnittiger Sportwagen die Straße entlang und das auf dem Dach befestigte Kajak schlenkerte gefährlich hin und her und die Halterung knirschte, als wollte sie protestieren.
Die vier Insassen in dem Auto kümmerte das nicht. Lautstark sangen sie den Text des Liedes, das aus dem Autoradio erklang, mit.
Pass auf, Jochen!“ rief die Beifahrerin, denn aus einem Seitenweg kam ein Traktor.
Der junge Mann trat erschrocken auf die Bremse und der Wagen kam schlingernd zum Stehen.
Durch die Wucht löste sich das Boot, donnerte auf die Straße und traf mit der Spitze einen Hasen, der sich überschlug und regungslos auf der Wiese liegen blieb.

Hermann saß in seiner Stube im Schuppen und genoss die heiße Schokolade und das Marmeladenbrot, das ihm die Frau, die von den Langhaaren Oma genannt wurde, eben gebracht hatte.
Der Troll schmunzelte, es gefiel ihm hier. Vor einiger Zeit hatte ihn der Mann ohne Haare gefragt, ob er lieber wieder im Wald in einem Baum leben wollte, oder hier bei ihm.
Obwohl es ihm große Überwindung gekostet hatte, das zuzugeben, hatte er geantwortet, dass er gerne hier bliebe.
Das war doch glasklar, besser als hier ging es ihm nirgendwo.
Natürlich hatte er dabei sein aller grimmigstes Trollgesicht gemacht.
Der Mann ohne Haare aber hatte nur vergnügt gelacht.
Er hatte dann zwischen seiner Werkstatt und Hermanns
Stube eine Mauer aus Brettern eingezogen, sodass der Troll eine eigene kleine Wohnung hatte. Selbst ein kleines Fenster wurde eingesetzt und die Frau mit dem Namen Oma hatte hübsche Gardinen aufgehängt.
Der Mann ohne Haare aber brachte eines Tages ein Bett, das er selbst gezimmert hatte, in die Stube und die Langhaare, die wieder mal zu Besuch waren kamen mit Kissen und Decken und einem kleinen Teppich.
Hermann war es wirklich sehr schwer gefallen, seine finstere Miene beizubehalten, denn so wunderschön und gemütlich war seine kleine Stube geworden.
Und der Mann ohne Haare hatte wirklich an alles gedacht. Er hatte sogar an die Tür einen tiefer gelegenen Griff angebracht, extra nur für ihn.
Und die Langhaare hatten für ihn Bilder gemalt und an die Wand gehängt.
Ein Klopfen an der Scheibe riss ihn aus seinen Gedanken. Seine Freundin Amalia Blaumeise flatterte vor dem Fenster und schwirrte in die Stube, als Hermann öffnete.
Sie landetet auf dem Tisch und machte sich sofort über die Brösel auf dem Teller her.
Hermann setzte sich und wartete.
Der Vogel plusterte sich auf und zupfte an seinen Federn.
Das war lecker, du hat es schön hier.“
Anerkennend sah sie sich um.
Ja, sie sind sehr nett zu mir,“ grinste Hermann.
Aber wie ich dich kenne zeigst du ihnen nur dein grimmiges Gesicht.“
Schließlich bin ich ein Troll und bin das meinem Namen schuldig.“
Die beiden kicherten.
Doch dann wurde die Blaumeise ernst.
Wir brauchen deine Hilfe!“
Was ist los?“
Auf der Wiese vor dem Wald liegt ein riesengroßer Hase, wie ich noch keinen gesehen habe. Er ist nicht tot, aber lebt auch nicht. Sein Herz klopft noch, aber er bewegt sich nicht.“
Ich will ihn mir mal ansehen,“ brummte der Troll, schlüpfte in seine Jacke und verließ mit Amalie den Schuppen.
Familie Mümmel mit ihren Kindern, das Eichkätzchen Ulrike, der Igel Rudi und die Maus Graufellchen standen bei dem wirklich sehr großen Hasen.
Hermann beugte sich über das Tier und fühlte seinen Puls.
Mit der Hand fuhr er über das Fell und über den Kopf.
Er hat eine große Beule am Kopf, deshalb wohl die lange Ohnmacht. Ich hole den Mann ohne Haare. Er muss uns helfen.“
So schnell ihn seine kurzen stämmigen Beine trugen eilte er zurück zum Haus und klingelte Sturm.
Gemach, gemach,“ rief Großvater Schinkel, als er öffnete und den kleinen Kerl herein ließ.
Hermann stemmte seine Hände auf die Knie und musste erst mal heftig atmen.
Dann erzählte er Opa Schinkel und seiner Frau, die auch in den Flur gekommen war von dem verletzten Hasen.
Natürlich ging Opa Schinkel gleich mit und seine Frau wollte den Tierarzt verständigen.
Bald standen die beiden vor dem Hasen und der alte Mann hüllte ihn in die mitgenommene Decke und trug ihn zum Schuppen, wo er ihn auf die Werkbank legte.
Der Hase war noch immer nicht aufgewacht und besorgt runzelte Herr Schinkel die Stirn.
Da wurde mit einem Schwung die Schuppentür aufgestoßen und Hermann konnte gerade noch hinter einem Holzstapel verschwinden, bevor der Tierarzt eintrat.
Polternd begrüßte er seinen Freund und untersuchte dann fachmännisch das verletzte Tier.
Innere Verletzungen hat er keine und die lange Ohnmacht kann von dem Schlag auf den Kopf kommen. Ich gebe ihm
eine Kreislauf stärkende Spritze, den Rest muss die Natur übernehmen.“
Danke dir Erich.“
Das wirst du nicht mehr denken, wenn du meine Rechnung bekommst,“ lachte dieser dröhnend und gab ihm einen kräftigen Schlag auf die Schulter unter der Opa Schinkel zusammen zuckte.
Mitten in der Nacht wurde Hermann wach durch ein Stöhnen und Poltern. Schnell lief er nach nebenan und drückte auf den Lichtschalter.
Der Hase lehnte an der Werkbank und sah sich verwirrt um.
Wo bin ich hier?“
Im Schuppen von dem Mann ohne Haare. Du lagst auf der Wiese vor dem Wald und er hat dich hierher getragen. Wie fühlst du dich?“
Ich habe Kopfschmerzen und ein flaues Gefühl im Magen.“
Hermann grinste: „ Die Kopfschmerzen kommen von deiner Beule und das flaue Gefühle, ich denke mal du hast Hunger.“
Wie zur Bestätigung fing der Magen des Hasen laut zu grummeln an.
Die beiden lachten.
Komm in meine Stube, die Frau mit dem Namen Oma hat schon gedacht, dass du vielleicht Hunger hast, wenn du aus deiner Ohnmacht erwachst und hat vorgesorgt.“
Wer sind denn alle diese Leute, die du erwähnst?“
Während der Hase von dem reich gefüllten Teller aß, erzählte ihm der Troll von Opa und Oma Schinkel, ihren Enkelinnen, den Langhaaren, und wie er hierher gekommen ist.
Zufrieden lehnte sich der Hase zurück. Er fühlte sich wohl, außer den pochenden Schmerzen im Kopf.
Aber nun erzähle mir, wie kommst du auf die Wiese, hat ein Auto dich angefahren?“
Der Hase überlegte, dann schüttelte er verwirrt den Kopf.
Ich weiß es nicht?“
Woher kommst du und wie heißt du?“
Ich weiß es nicht!“
Hm, das kommt wohl von dem Schlag auf den Kopf, aber dein Gedächtnis wird bestimmt bald wieder funktionieren. Komm wir wollen schlafen, du kannst dich dort auf dem Teppich legen.“
Die nächsten Tagen vergingen und der Hase wurde von Tag zu Tag kräftiger und dank Omas Arnika - Salbe wurde auch
die Beule kleiner, nur sein Gedächtnis kam nicht wieder.
Am Wochenende kamen Renate und Susi und natürlich waren sie begeistert von dem neuen Mitbewohner.
Als sie hörten, dass er sich an nichts mehr erinnern konnte, beschlossen sie ihm zu helfen.
Zu viert wanderten sie zu der Wiese, wo man ihn gefunden hatten, überquerten gemeinsam die Straße und wanderten durch den Wald.Vielleicht trafen ja jemand der ihn kannte.
Doch niemand wusste wer der fremde Hase war.
Am Sonntagabend mussten die Mädchen nach Hause. Doch sie versprachen nächstes Wochenende wieder zu kommen und dann würden sie auch länger bleiben, denn es begannen die Osterferien.
Bei diesem Wort blitzte ein Gedanke auf im Kopf des Hasens, der aber sofort wieder verschwand.
In der Nacht träumte er von bunten Eiern, einer Häsin und Hasenkindern, die alle besorgt schauten.
Am nächsten Morgen überraschte er Hermann mit den Worten.
Ich bin der Osterhase!“
Der Troll starrte ihn überrascht an, dann grinste er.
Du erinnerst dich?“
Ja, als die Mädchen von der Osterferien sprachen, da klingelte es in meinem Kopf. Jetzt weiß ich wieder alles, ich wollte zu den Hühnern am Berghof und Eier holen. Meine Familie wird sich schon sorgen machen. Ich muss sofort los. Danke dir mein Freund und sag auch den Langhaaren und ihren Großeltern noch einen schönen Gruß. Ich habe soviel Zeit verloren durch den Unfall, muss mich sputen, sonst fällt Ostern ins Wasser. Lebe wohl mein Freund!“
Und weg war er.
Susi und Renate waren enttäuscht, als sie am Wochenende wieder kamen, hatten sie sich doch gefreut auf den Hasen.
Doch als sie erfuhren, dass es der Osterhase war, waren sie stolz ihn persönlich kennengelernt zu haben.
Und an Ostern fanden sie ein besonders großes Nest mit Leckereien im Garten.
Hermann aber bekam am Abend vor Ostern Besuch von seinem Freund dem Osterhasen und seiner Familie.

© Lore Platz



Sonntag, 6. März 2016

Es wird Frühling - Gedicht

Der für heute, in unserer Gegend, angekündigte Schnee blieb aus, stattdessen zwitscherten die Vögel vor meinem Fenster, als wollten sie dem Frühling ein Ständchen bringen.
Mal ganz ehrlich, jetzt brauchen wir auch keinen Schnee, obwohl wir diesen Winter nicht gerade mit der weißen Pracht verwöhnt wurden. Wahrscheinlich war diesmal die Pechmarie bei Frau Holle zu Besuch. Dann hoffen wir mal, dass sie weiterhin so faul bleibt, denn in drei Wochen ist Ostern und da sollte der Frühling schon längst seinen Einzug gehalten haben.
Hoffentlich geht es uns nicht so wie im Jahr 2013, wie das Bild zeigt, dass mir gestern eine liebe Freundin geschickt hat.



Mit einem Gedicht von meinem Freund 'Die Nachtgall' wünsche ich euch einen schönen gemütlichen Sonntag.


Es wird Frühling

Die Natur wird langsam warm,
im Boden rühren sich die Keime,
Schnee und Frost verlässt die Farm,
der Schneemann ist am weinen.

Pflanzen sprießen stetig aus dem Boden,
der Sonnenstrahl sie verführt,
allen Gewächsen platzt nun der Knoten,
es ist, als wenn alles explodiert.

Die gesamte Natur ist am erwachen,
und sträubt sich gegen neuen Schlaf,
will zeigen ihre bunten Sachen,
je nach ihrem vollendeten Bedarf.

Kommen auch mal Regenwolken,
sie schiebt sich in das Rampenlicht,
achtet sehr auf die Reihenfolgen,
und Drängeleien duldet sie nicht.

Völker der Bienen sind auch im kommen,
halten es in ihrem Winterhaus nicht mehr aus,
die ersten Blüten schauen wie benommen,
und Bienen holen sich den Nektar raus.

Die Terrasse wird mit Tisch und Stuhl bestückt,
und an frischer Luft gefrühstückt,
mit Frau, Kinder, Maus und Mann,
hocken alle an den Tisch dann dran,

Gefüllt wird auch die Kaffeetasse,
schmeckt noch mal so gut auf der Terrasse,
man ist fröhlich und ruft Hurra!
endlich ist der Frühling da.

schon lange war man darauf vorbereitet,
es ist soweit, dass man entscheidet,
endlich ist es jetzt soweit,
aber da kommt die Frühjahrsmüdigkeit.

Die wird aber auch schnell überwunden,
in den vielen Sonnenstunden.
frische Luft und Sonnenschein,
dringt tief in unser Herz hinein

(c) Die Nachtigall
..


Samstag, 5. März 2016

Unter falschem Verdacht


Als meine Tochter geboren wurde, musste ich meine Arbeit aufgeben. Damals gab es noch keine Kinderkrippen und meine Mutter war noch berufstätig.
Natürlich ging es finanziell eng zu, Kindergeld gab es damals 50 Mark und das reichte nicht mal für die Windeln.
Eine Zeitlang benutzte ich waschbare Windeln, was sehr arbeitsaufwendig war.
Um etwas zu der Haushaltskasse beisteuern zu können, suchte ich mir stundenweise einen Putzplatz.
Samstags reinigte ich die Dorfkirche und unter der Woche putzte ich in einem Haushalt.
Eines Tages kam meine Chefin zu mir und fragte, ob ich beim Abstauben vielleicht ein Kuvert mit tausend Mark gefunden hätte.
Ihr würde dieser Betrag fehlen und sie meinte, sich erinnern zu können, dass sie das Geld auf die Anrichte gelegt hätte.
Natürlich hatte ich kein Geld gefunden, aber ein komisches Gefühl blieb doch.
Einige Tage später erzählte mir ihre Sekretärin, dass die Chefin sich um tausend Mark verrechnet und, dass das Geld niemals in der Wohnung gelegen hätte.
Die feine Dame aber hat die Sache mir gegenüber niemals aufgeklärt.



Unter falschen Verdacht


Anita Vollmer stellte die Tasse in die Spüle, dabei sah sie aus dem Fenster in den Garten und lächelte.
Fritz der Nachbarjunge stellte gerade sein Rad ab und kam mit einem großen Karton auf das Haus zu.
Seit sein Vater arbeitslos war arbeitet Fritz nach der Schule beim Lebensmittelladen Bauer um die Ecke und fuhr die bestellten Waren aus.
Als es klingelt war Anita bereits an der Tür. Mit einem fröhlichem Gruß ging der Junge an ihr vorbei und wuchtete den schweren Karton mit dem Wocheneinkauf auf den Tisch.
Hier ist der Kassenzettel, die Bananen sind heute im Angebot und einen schönen Gruß auch von Herrn Bauer.“
Die Rentnerin kramte in ihrer Geldbörse reichte Fritz den Betrag, dann drückte sie ihm noch einen Euro extra in die Hand.
Der Junge grinste, in dem Moment klingelte das Telefon und Anita ging in den Nebenraum.
Es war ihre Freundin, die mal wieder keine Ende fand. Sie hörte Fritz einen Gruß rufen und das Schlagen der Tür.
Nachdem Elvira alle ihre Klatschgeschichten losgeworden war, ging Anita zurück in die Küche.
Erfreut stellte sie fest, dass der Junge die Lebensmittel bereits ausgepackt und den Karton mitgenommen hatte.
Nun brauchte sie diese nur noch in Schrank, Kühlschrank und das Brot im Tiefkühler verstauen.
Sie kaufte immer mehrere Packungen Brot und fror sie ein, man konnte die Scheiben wunderbar im Toaster rösten.
Es klingelt an der Haustür und schnell raffte sie die Packungen mit dem geschnittenen Brot und warf sie in den Gefrierschrank.
Es war der Postbote.
Anita nahm die Post, die meistens nur aus Reklame bestand entgegen, und legte sie auf den Tisch.
Sie wollte sie später durchsehen, jetzt hatte sie erst mal Hunger. Nachdem sie die leckere Kartoffelsuppe mit Würstchen verspeist hatte, machte sie ein Nickerchen auf ihrem gemütlichen Ohrensessel.
Erschreckt fuhr sie auf, sie hatte ein schreckliches Durcheinander geträumt und dann fiel ihr siedend heiß ein, dass sie ihre Geldbörse, die sie doch auf dem Tisch gelegt hatte, nirgendwo gesehen hatte.
Erschrocken sprang sie auf, um nachzusehen. Auf dem Tisch lag das schwarze Lederetui nicht. Hektisch wühlte sie die Schubladen durch, sah in die Schränke, ja sogar in den Kühlschrank. Die Börse war weg.
Erschöpft ließ sie sich auf den Stuhl fallen, Tränen traten in ihre Augen.
Die ganze Rente von diesem Monat war in dem Portmonee.
Dann kam ihr ein schrecklicher Gedanke: ' Fritz würde doch nicht?'
Doch dann schüttelte sie den Kopf. Sie kannte den Jungen seit er noch Windeln trug. Er war ein braver Junge, anständig, freundlich und machte seinen Eltern nur Freude.
So sehr sie sich wehrte aber immer wieder kam ihr der Gedanke, denn wo sonst sollte der Geldbeutel sein.
Fritz war der Einzige, der in der Wohnung war und sie hatte doch alles schon abgesucht.
Mit schweren Gedanken ging sie schließlich zu Bett.
Nach einer unruhigen Nacht schlurfte sie in die Küche, brühte Kaffee auf, dann holte sie Brot aus dem Tiefkühler und erstarrte, zwischen den Packungen lag die Geldbörse.
Mit einem erleichterten Lachen setzte sie sich hin. Da hatte sie wohl, abgelenkt vom Klingeln an der Tür, nicht bemerkt, dass sie zusammen mit dem Brot den Geldbeutel hochgehoben hatte.
In Gedanken leistete sie Fritz Abbitte und als er eine Woche später wieder die Ware vorbei brachte, bekam er eine Tafel Schokolade zu seinem Trinkgeld.

© Lore Platz