Freitag, 22. April 2016

Friederike und das schreckliche Ding







Friederike und das schreckliche Ding


Friederike sitzt in der Ecke des Sofas, den Mund verkniffen und in den Augen blitzt es ärgerlich.
Stirn runzelnd beobachtet sie die drei Mädchen, die auf dem Teppich knien und auf das komische längliche Ding starren und kichern.
Wie sie dieses Ding hasste, denn seit Lena es von ihrer Paten - Tante bekommen hatte, war sie, Friederike Luft für sie.
Ein tiefer Seufzer entfährt ihr, unhörbar für die Mädchen, denn Friederike ist eine Puppe.
Bis vor kurzem war sie noch der Mittelpunkt im Leben von Lena und ihren Freundinnen.
Traurig denkt sie an die Teepartys zu denen Lena sie immer besonders schön angezogen und immer wieder eine neue Frisur ausprobiert hatte.
Und wie elegant auch ihre Freundinnen gekleidet waren und wenn sie dann an dem zierlichen hübsch gedeckten Tisch saßen fühlten sie sich wie große Damen und erzählten sich, was sie erlebt hattenseit ihrem letzten Treffen.
Natürlich konnten ihre Puppenmütter sie nicht hören, aber es war einfach schön.
Und heute haben Tina und Merle nicht einmal ihre Puppen mitgebracht, dabei hätte Friederike ihnen so gerne ihr Leid geklagt.
Sicher sitzen auch sie vergessen in einer Ecke und das alles nur wegen dem komischen Ding, das ab und zu piepte.
Pah, was für ein jämmerlicher Ton überhaupt, dabei konnte sie doch laut und deutlich 'Mama' sagen, wenn man sie drückte.
Lucky, der Dackel gibt der angelehnten Tür einen Stups und kommt auf seinen krummen Beinen ins Zimmer gewackelt.
Fröhlich bellend umkreist er die Mädchen, doch Lena wehrt ihn ab.
Verschwinde wir können dich nicht brauchen!“
Der Hund schaut sein Frauchen traurig an und läuft mit hängenden Ohren zum Sofa, wo er nach einigen Anläufen neben der Puppe landet.
Er rollt sich zusammen und legt die Schnauze auf die Pfote.
Dich können sie wohl auch nicht nicht brauchen und das alles wegen dem Ding,“ seufzt Friederike.
Ja, seit Lena das Handy von ihrer Tante zum Geburtstag bekam, hat sie für nichts anderes mehr Interesse, selbst ihre Mutter schimpft schon,“ murmelt Lucky.
Sie nimmt es sogar mit ins Bett,“ meldet sich Teddy und fügt traurig hinzu, „seit dem darf ich nicht mehr bei ihr kuscheln.“
Ja wir sind für sie unwichtig geworden, wie ich dieses dämliche Ding hasse!“ ruft Friederike.
Der Dackel nickt zustimmend und schließt die Augen. Friederike und Teddy unterhalten sich leise.
Lenas Mutter steht auf einmal an der Tür und schimpft. „Lena habe ich nicht gesagt, du sollst nicht immer mit dem Handy spielen.“
Ach Mama, die Spiele sind doch so cool.“
Kommt zum Essen, aber das Handy bleibt hier!“
Mit einem bedauernden Blick legt das Mädchen das Handy auf den Schreibtisch und folgt ihren Freundinnen in die Küche.
Friederike fixiert nachdenklich das schreckliche Ding.
Lucky!“
Verschlafen öffnet der Dackel die Augen.
Ich habe eine Idee! Wir müssen dieses fürchterliche Ding verschwinden lassen!“
Aber wie denn?“ fragt Teddy ratlos.
Lucky muss uns helfen!“
Und wie stellst du dir das vor!“ fragend sieht der Hund die Puppe an.
Du kannst als einziger von uns das Haus verlassen, trage es einfach nach draußen.“
Der Dackel bellt vergnügt. „Ich werde es im Garten vergraben!“
Er springt vom Sofa auf den Stuhl und stemmt sich mit beiden Pfoten an der Schreibtischkante ab. Mit der Schnauze versucht er das verhasste Spielzeug herunter zu stoßen.
Friederike und Teddy jubeln, als es ihm nach einigen vergeblichen Versuchen endlich gelingt.
Lucky grinst, schnappt sich das Gerät und verlässt das Zimmer. Vorsichtig schleicht er an der Küche vorbei und zwängt sich durch die Hundeklappe hinaus in den Garten.
Mit fliegenden Ohren saust er in die hinterste Ecke, lässt seine Beute ins Gras fallen und beginnt zu graben.
Bald ist das Handy gut versteckt in der Erde und voller Stolz marschiert der kleine Held zurück.
Die Mädchen sitzen immer noch in der Küche.
Der Dackel aber marschiert stolz zurück ins Kinderzimmer, legt sich aufs Sofa, als wäre nichts gewesen.
Die drei freuen sich und erwarten kichernd die Rückkehr der Mädchen.
Ist das eine Aufregung, als die Mädchen zurück kommen und das Handy nicht mehr zu finden ist.
Sie stellen das ganze Kinderzimmer auf den Kopf, doch es bleibt verschwunden.
Teddy darf heute Abend wieder mit ins Bett und freut sich wie ein Schneekönig, auch wenn sein Fell ganz nass wird von Lenas Tränen.
Gleich als das Mädchen aufsteht beginnt es wieder mit ihrer hektischen Suche und Friederike bekommt schon ein schlechtes Gewissen.
Doch als am Nachmittag Merle und Tina mit ihren Puppen kommen und sie wieder Teeparty spielen, da weiß sie, dass sie richtig gehandelt hat und heute hat sie ihren Freundinnen sehr viel zu erzählen.

© Lore Platz

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!


Sonntag, 17. April 2016

Pinselchen lernt dazu

Heute muss der kleine Luchs lernen, dass nicht jeder sein Freund ist.


Pinselchen lernt dazu

Wieder oben angekommen, hört er auf einmal eine ganz neue Stimme in den Bäumen, ein Keckern und Rufen, ja schreien.
"He, du da oben, warum bist du so laut und schreist so?"
"Wer will das wissen?"
"Ich bin Pinselchen, der schlaue Luchs und ich habe mich verlaufen."
"Pinselchen, Winselchen. Grinselchen, hihihihihahaha, was machst du denn mitten im Wald?"
"Ich suche Freunde, willst du mein Freund sein?"
"Natürlich will ich dein Freund sein, ich bin Erwin der Eichelhäher, und ich weiß wo du zuhause bist. Lauf nur immer hinter mit her, ich zeige dir den Weg."
Pinselchen froh endlich einen Freund gefunden zu haben lief dem davon fliegenden Vogel hinter her.
Immer tiefer ging es in den Wald hinein. Der Eichelhäher flog von Baum zu Baum, von Ast zu Ast und keckerte und lockte.
Der kleine Luchs folgte glücklich dem neuen Freund. 
Doch dieser war auf einmal verschwunden.
"He, hallo, Freund Erwin, wo bist du denn?"
Doch niemand antwortete ihm. Er war ganz allein im Wald und hatte keine Ahnung wo er war. Pinselchen fühlte sich sehr einsam, außerdem hatte er Hunger und Durst und kalt war ihm auch.
Tränen liefen ihm über das Gesicht und er rief zuerst zart und kläglich, dann immer lauter nach seiner Mama. 


Plötzlich sprach eine Stimme über ihm.
"Wer heult denn hier so laut und was machst du so spät noch im Wald?"
"Ich bin Pinselchen, der schlaue Luchs und habe mich verlaufen."
"Verlaufen, wieso denn das?"
"Ich bin einem Freund gefolgt, der mir den Weg nach Hause zeigen wollte und mich dabei in die Irre geführt hat."
"Das kann aber kein guter Freund gewesen sein, wenn der dich ganz alleine hier zurück lässt.Wer war es denn?"
"Erwin, der Eichelhäher."
"Das ist bestimmt kein guter Freund, ein Tunichtgut ist das, der sich nur einen Spaß mit dir gemacht hat. Nun wollen wir erst mal einen sicheren Schlafplatz  für dich finden und morgen wenn die Sonne scheint, kannst du den Weg nach Hause suchen."
Und der nette Uhu flog voran und zeigte dem kleinen Ausreißer eine alte verlassene Höhle.
Pinselchen kroch hinein und war bald nach all den Aufregungen eingeschlafen.
Am nächsten Morgen krabbelt er aus der Höhle und machte sich mit knurrendem Magen auf dem Weg
Ohne es zu wissen lief er immer weiter weg von seinem Zuhause.
Auf einmal war der Wald zu Ende und er stand auf einer Wiese. 
Um wenigstens seinen Durst zu stillen, schlabberte er den Tau von Blumen und Gras.
Viele kleine und große Hügel türmten sich auf der Wiese und erstaunt bemerkte er, wie aus einem dieser Hügel ein schwarzer Kopf mit einer rosa Nase heraus schaute und schnupperte.
Ein Pfiff und der Kopf verschwand.

Pinselchen lief neugierig hinüber und rief.
"He, du da, wer bist du und warum versteckst du dich?"
 "Wer will das wissen," kam es ängstlich zurück.
"Ich, Pinselchen der schlaue kleine Luchs, der auf der Suche nach Freunden ist, aber nun habe ich mich verlaufen. Ein Eichelhäher hat mich in die Irre geführt und ich suche nun den Weg nach Hause."
Der kleine schwarze Pelz kam wieder aus dem Hügel heraus, schnupperte und rief.
"Ich bin Paulchen, der Maulwurf und will gerne dein Freund sein. Leider kann ich dich nicht gut sehen, aber riechen, ich grabe mir gerade ein neues Zuhause. Ich habe vielen Wohnungen, die brauche ich für meine Familie auch wenn der Bauer, dem die Wiese gehört, es nicht gerne sieht. Aber die Erde hier ist weich zum graben und es gibt viele leckere Würmer. Willst du mal mitkommen und meine Wohnung anschauen?"
"Danke, ich bin wohl zu groß für deine Wohnung, aber dein Freund möchte ich gern sein."
Sie unterhielten sich noch eine Weile und dann gab ihm Paulchen den Tipp, es bei der Rehfamilie, die am anderen Ende der Wiese im angrenzenden Wald wohnte, zu versuchen. Die wüssten vielleicht wo sein Bau war.
Pinselchen bedankte sich bei seinem neuen Freund und lief weiter. 
Tommy, der Rehbock kam zwischen den Bäumen hervor und als er den kleinen Luchs erblickte, blieb er stehen.
"Hallo, kannst du mir helfen, ich bin Pinselchen der kleine schlaue Luchs und habe mich verlaufen, Weißt du vielleicht, wo mein Bau ist?"
Tommy betrachtete ihn ernst. "Wie kommt es, dass ein so kleiner Kerl wie du soweit von zuhause weg ist."
Pinselchen senkte beschämt den Kopf. "Ich habe einem Eichelhäher vertraut, der behauptete mein Freund zu sein."
Tommy schütelte den Kopf, da raschelt es hinter ihm und seine Frau, die Ricke, kam aus dem Wald.
Pinselchen lachte verrgnügt. "Ich kenne dich, bist du nicht Viola?"
"Ja, Pinselchen, was machst denn du hier, soweit von deinem Zuhause?"
Der Kleine lachte verlegen. "Ich habe mich verlaufen, weil ich einem Eichelhäher vertraut habe."
"Vertraue nie falschen Freunden, der Eichelhäher ist ein Schelm, der kann viele Stimmen nach machen und  führt gerne in die Irre. Du musst noch viel lernen, vor allem aber unterscheiden wer dein Freund ist und wer nicht. Aber nun komm, ich will dir den Weg nach Hause zeigen."
Viele Stunden liefen sie durch den Wald, als sie plötzlich ein lautes klagendes Rufen vernahmen.
"Das ist Mama!" jubelte Pinselchen und lief los, ohne sich noch einmal umzudrehen und danke zu sagen.
Viola schüttelte den Kopf, drehte sich um und lief zurück. Sie war beruhigt, dass der Kleine wieder bei seiner Mutter war, aber schön wäre es doch gewesen, wenn er danke gesagt hätte.
Der Kleine muss noch viel lernen, dachte sie und ließ sich einige wunderbare Kräuter schmecken, bevor sie endgültig zu ihrer Famile ging.
Pinselchen aber war nun wohl behalten zu Hause angekommen und hatte sich einiges von Mama und Papa anhören müssen.
Natürlich hatten sie Recht, aber es war auch alles so aufregend und spannend gewesen, naja ein bisschen Angst hatte er auch gehabt.
Gesättigt und glücklich rollte er sich zusammen und schloss die Augen.
Was für spannende Abenteuer wohl noch auf ihn warteten?

(c) Roswitha Borgfeldt 

Freitag, 15. April 2016

Die Kristallkugel - Reizwortgeschichte


Heute ist es wieder soweit, unser monatlicher Reizwortgeschichtentag.
Viel Spaß beim Lesen!

Reizwörter:
Brunnen, Locke, schwarz, leicht, verraten





Die Kristallkugel



„ … und als die Spindel in den Brunnen fällt ist Marie sehr erschrocken und voller Angst springt sie hinterher.“
Oma, das war aber dumm von dem Mädchen, wusste sie denn nicht, dass es gefährlich ist in so einen tiefen Brunnen zu springen.“
Ilse schüttelt empört den Kopf.
Die Oma lacht.
Es ist doch ein Märchen und dort ist alles voll Zauber und Magie. Du darfst natürlich nicht in einen Brunnen springen, das wäre wirklich gefährlich.“
Ilse will sich ausschütten vor Lachen.
Das wäre auch schwer, denn weit und breit gibt es bei uns keinen Brunnen, das Wasser kommt schließlich aus dem Wasserhahn.“
Frau Baumgartner schmunzelt und liest weiter.




Es ist eine tief dunkle Nacht, kein Stern blinkt am Himmel, selbst der Mond hat sich heute nicht aus seinem Bett gewagt.
Aua!“ Ilse setzt sich im Bett auf und greift sich an den Kopf. Irgendetwas hat sie an ihren schwarzen Locken gezupft.
Sie hört ein Kichern und eine kleine Laterne schwenkt vor ihren Augen hin und her. Die Laterne wird von einem kleinem Kerl, der mit einer braunen Hose, einem grünen Wams und einem riesengroßen Pilzhut bekleidet ist, gehalten.
Wer bist denn du?“
Der Kleine verbeugt sich und stellt sich vor.
Ich bin Perlino, ein Pilzmännchen und ich brauche deine Hilfe.“
Nun wird Ilse neugierig.
Wozu brauchst du meine Hilfe?“
Der böse Zauberer Hukleblitz hat unserer Königin der Fee Lichterstrahl ihren Kristall gestohlen. Er hat einen der Diener bestochen und dieser hat ihm das geheime Versteck verraten. Und wenn wir diesen Kristall nicht bald finden wird unsere Königin sterben und wir alle mit ihr.“
Wisst ihr denn, wo der Kristall sich befindet.“
Hukleblitz hat ihn in den tiefen Brunnen, der zu Frau Holles Reich führt, geschleudert.“
Na dann holt ihn doch raus, was braucht ihr da mich?“
Ilse dreht sich um und drückt ihr Gesicht wieder in das Kissen.
Wieder wird sie an der Haaren gezogen und richtet sich empört auf.
Lass sofort los, du du Pilzmännchen!“
Du kannst jetzt nicht schlafen, du musst uns retten!“
Warum ich, mach 's doch selber, oder denkst du ich bin so dumm in einen Brunnen zu springen, aus dem ich nicht wieder heraus komme.“
Plötzlich ist das Zimmer in ein helles Licht getaucht. Das Strahlen geht von einer wunderschönen Fee aus, vor dem sich das Pilzmännchen ehrfürchtig verneigt.
Verzeih, liebe Ilse, aber Perlino ist wohl nicht sehr diplomatisch.“
Dieser senkt beschämt den Kopf.
Es ist sehr wichtig, dass du uns diesen Kristall zurückholst, denn je länger er verschwunden ist, umso mehr verschwindet meine Lebenskraft und wenn sie ganz verschwindet, wird mein Volk mit mir untergehen. Wir sind Geschöpfe der Luft und der Erde und im Wasser würden wir sterben, das wusste Hurleblitz und deshalb hat er meine Kugel in den Brunnen geworfen.“
Und ihr Menschen könnt schwimmen und tauchen wie Fische!“ ruft Perlino.
Ilse wirft ihm nur einen ärgerlichen Blick zu, dann sieht sie in die sanften Augen der Fee.
Ich will euch helfen, was muss ich tun?“
Du weißt wie Marie zu Frau Holle kam, folge diesem Weg und Frau Holle wird dir weiter helfen. Komm!“
Das Mädchen schuppst das Pilzmännchen, das immer noch auf ihrem Bett steht zur Seite und schlüpft in ihre Jeans, stülpt sich den Pullover über und schließt die Klettverschlüsse ihrer Turnschuhe.
Die Fee streckt ihr lächelnd ihre Hand entgegen und als Ilse deren Finger berührt, wird sie plötzlich leicht und schwebt durch die schwarze Dunkelheit.



Bei einem Brunnen, der aussieht wie der in ihrem Märchenbuch, verabschiedet sich die Fee und wünscht ihr viel Glück.
Ilse klettert auf den Brunnenrand, verharrt einen Moment, hebt sich die Nase zu und springt ins kalte Wasser.
Vollkommen trocken landet sie auf einer wunderschönen Wiese. Bienen summen, und Schmetterlinge um gaukeln in fröhlichem Tanz die Blumen.
Ilse folgt dem Pfad, kommt an dem Apfelbaum vorbei, dessen Äpfel sie schüttelt, holt das Brot aus dem Backofen und steht dann vor dem Haus von Frau Holle.
Freundlich wird sie von der molligen Frau begrüßt und nachdem sie ihr viele Leckereien vorgesetzt hat, führt sie das Mädchen hinauf in den Turm und durch ein großes Fernrohr zeigt sie ihr wo der Kristall versteckt ist.
In einer Höhle bewacht von einem großen Bären liegt die Kugel.
Wie soll ich sie dort heraus holen?“ fragt Ilse verzagt.
Frau Holle winkt ab. „Das ist leicht, ich gebe dir meinen Umhang, der dich unsichtbar macht. Du musst nur aufpassen, dass du nirgends hängen bleibst und du dann sichtbar wirst.“
Als Ilse das Haus verlässt wirft sie sich den blauen schweren Umhang um und wird unsichtbar.

Vor der Höhle des Bären hält sie einen Moment an, dann nimmt sie all ihren Mut zusammen und betritt diese.
Das große braune Ungetüm erhebt sich auf die Hinterfüße und dreht brummend seine Nase in alle Richtungen.Es hat den Eindringling gerochen, kann aber niemand entdecken.
Vorsichtig schiebt sich das Mädchen an dem Bären vorbei, nimmt den Kristall und lässt ihn unter ihrem Mantel verschwinden.
Dann läuft sie schnell aus der Höhle, doch in ihrer Hast bleibt sie an dem rauen Felsen hängen, der Mantel rutscht von ihrer Schulter und der Bär erblickt sie.
Mit einem wilden Brummen läuft er los.
Ilse rennt, doch das Untier kommt immer näher. Plötzlich kommt ein Sturm auf, Sand, Kies und Blätter wirbeln durch die Luft und der Bär kann nichts mehr sehen.
Brummend flieht er zurück in seine Höhle.
Danke Frau Holle,“ flüstert Ilse.
Bald hat sie das hübsche Häuschen der alten Frau erreicht. Frau Holle führt sie zu dem Tor, durch das sie wieder auf die Erde zurück kommt.
Oben wird sie schon von der Fee erwartet, die sich herzlich bei ihr bedankt.

Die Sonne kitzelt Ilse an der Nase, sie streckt sich und öffnet die Augen.
Was für ein Traum!


Mittwoch, 13. April 2016

Pinselchen sucht Freunde






Darrrrrrr, darrrrr klang es im Wald . Ein Specht war am Werk, um sich ein neue Höhle zu bauen, da die alte schon ein anderer bezogen hatte. Er war zu spät gekommen. "Egal, war sowieso fällig," sagte der Specht und hämmerte voller Tatendrang auf die alte Fichte ein, dass die Späne nur so flogen.
Das hörte der kleine Luchs und schon war er draußen, um zu sehen, wo der Krach herkam.
Es dauerte auch nicht lange und er war am Baum angekommen.
"He, du da warum machst du so einen Lärm und wer bist du überhaupt?"


"He du da unten, was geht das dich an, du kleiner Wicht!"
"Ich bin kein Wicht, ich bin Pinselchen der schlaue Luchs und Du?"
"Ich bin Dieter, der Buntspecht und Zimmermann und baue eine neue Höhle für meine Familie."
"Wir haben auch eine Höhle, aber in der Erde."
"Pah! In der Erde kann ich nicht leben! Ich brauche den Himmel über mir, damit ich fliegen kann."
"Ich will auch fliegen können!"
"Pah, kannst du aber nicht, musst ewig laufen," lachte der Specht und hämmerte weiter.
Bald war es Pinselchen langweilig, dem Specht zu zuschauen und er trollte sich davon.
Ein paar Tannenmeisen saßen in den Bäumen und zwitscherten sich Neuigkeiten zu, doch als sie den kleinen Luchs bemerkten, flogen sie davon.
 Enttäuscht sah Pinselchen ihnen nach. Schade wieder keine Freunde.
Nun aber hörte er ganz unbekannte Laute, die von einer Lichtung kamen. Als er näher am, sah er kleine gesteifte Vierbeiner, die so groß waren wie er.
Voller Vorfreude auf die neuen Freunde lief er auf sie zu.
"Hallo wer seid ihr denn und was macht ihr da?"
"Wir sind Frischlinge und suchen nach Wurzeln und Würmer."
"Wurzeln und Würmer, kann man das fressen?"
"Natürlich, das ist lecker, versuch es mal."
Der Luchs schnappte sich einen Wurm und spuckte ihn aus.
"Bäh, der ist ja eklig und zappeln tut er auch. Da ist mir meine Milch schon lieber."
"Milch ist doch was für Babys!" lästerten die Frischlinge.


Die Bache kam auf die Lichtung und was sie sah, gefiel ihr gar nicht. Sie rannte auf den Luchs zu und schrie schon von weitem:
"Mach, dass du fort kommst oder ich mach dir Beine, ich will dich hier nicht haben!"
Sie gab ihm einen Stoß, dass er um fiel und er kugelte und kugelte, bis ein Baumstamm ihn auffing. Mit Tränen in den Augen rappelte Pinselchen sich auf. Warum war die Wildschweinmutter denn so böse, er wollte doch nur Freunde finden. 
Da sah er die Bache, die wieder näher kam und rannte davon.
Vor ihm tauchte ein Höhle auf und schnell verschwand er darin.
In der Höhle war es finster und es roch auch so komisch.



Auf einmal stand ein großes schwarz-weiß- gestreiftes Tier vor ihm.
"Hallo, du kleiner Kerl, was willst du denn hier?"
"Ich bin kein kleiner Kerl, ich bin Pinselchen der schlaue Luchs und ich suche Freunde. Und wer bist du?
"Ich bin Bruno, der Dachs und Freunde wirst du hier unten nicht finden und nun verschwinde bevor ich unfreundlich werde."
Traurig schlich Pinselchen aus der Höhle.
Alle waren heute gar nicht nett zu ihm und niemand wollte sein Freund sein.

(c) Roswitha Borgfeldt

Nächste Woche begleiten wie Pinselchen wieder


 

Freitag, 8. April 2016

Die große Sehnsucht

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde von denen sich eure Schulweisheit nichts träumen lässt:“
William Shakespeare (1564 – 1616)

Vor kurzem fand ich im Internet eine Geschichte, die mich sehr berührte.
Ein Ehepaar verlor durch einen unverschuldeten Unfall ihre drei kleinen Kinder, einen Jungen und zwei Mädchen.
Monate später wurde die junge Frau wieder schwanger und bekam Drillinge, ein Junge und zwei Mädchen.
Als wären die Seelen zurück gekehrt.
Diese Begebenheit hat mich zu einer kleinen Geschichte inspiriert.
Vielleicht gefällt sie euch.



Die große Sehnsucht

Ach Mama müssen wir denn schon gehen, nur noch einmal Karussell fahren,“ bat die kleine Marnie und sah ihre Mutter flehend an. Doch diese schüttelte bedauernd den Kopf. Auch Bernd und Angela waren enttäuscht aber sie wussten, wenn die Mutter nein sagte, dann hieß es nein.
Nachdem Frau Dorfner die drei auf dem Rücksitz angeschnallt hatte, setzte sie sich hinters Steuer und fuhr los. Um diese Zeit war wenig Verkehr und sie kam zügig voran. Auf einmal schoss aus einer Nebenstraße ein Wagen mit überhöhter Geschwindigkeit.
Ein entsetzliches Knirschen und Krachen. Dann Stille!
Die hintere Tür des total verbeulten Wagens öffnete sich und die drei Kinder schlüpften heraus.
Verwundert sahen sie sich um. Die Straße glich einem Schlachtfeld. Zerfetzte Reifen und Autoteile lagen herum und Gestank und Rauch lag in der Luft.
Eine mollige Frau in einem weißen Gewand stand am Straßenrand und lächelte ihnen entgegen. Einladend streckte sie die Hand aus. „Kommt mit mir.“
Bernd nahm seine Schwestern an der Hand und ging einem inneren Zwang folgend mit ihnen zu der Frau hinüber.
Wohin gehen wir?“
An einen schönen Ort, wo ihr viele Kinder treffen werdet. Es wird euch gefallen.“
Und Mama?“ flüsterte Marnie.
Keine Sorge, es wird ihr geholfen werden.“
In dem Moment waren Sirenen zu hören und Polizei, Feuerwehr und ein Sanitätswagen sauste die Straße entlang.
Die Kinder aber fühlten sich auf einmal leicht und schwebten nach oben und verschwanden in den Wolken.
Wie staunten sie, als sie auf einer wunderschönen riesengroßen Wiese landeten. In der Ferne konnte man viele kleinen Häuser erkennen, etwas größer als Puppenhäuser.
Viele Kinder liefen herum, singend, lachend, fröhlich. Manche hatten ganz altmodische Kleider an, als stammten sie aus einem anderen Jahrhundert, aber alle sahen glücklich aus.
Wo sind wir hier?“
Im Kinderparadies, kommt ich zeige euch eure Zimmer.“
Staunend folgten die Geschwister Tante Elfriede, wie sie die nette Dame nennen sollten, in ein wunderschönes kleines Häuschen, ein kleiner Hund lief ihnen entgegen.
Tante Elfriede lächelte: „ Das ist Schnurzel, er gehört euch, habt ihr euch nicht immer einen Hund gewünscht?“
Glücklich lächelten die Kinder und streichelten den Hund, der aufgeregt zwischen ihnen herum sprang.
Wie staunten sie aber, als sie ihre Zimmer sahen, denn alles was sie sich immer schon gewünscht hatten, war vorhanden. Kein Wunsch blieb offen.
Tante Elfriede führte sie dann in ein riesiges Haus, in dem alle Kinder des Paradieses sich zum Essen trafen.
Und nun lernten die Geschwister auch die anderen kennen.
Essen durften sie was sie wollten, was besonders Bernd freute. Durfte er nun endlich all die Dinge essen, die ungesund waren, denn im Himmel wurde niemand krank.
So verging die Zeit und jeder Tag brachte etwas Neues.
Die kleine Marnie aber wurde immer trauriger, oft saß sie irgendwo versteckt unter einem Busch und weinte bitterlich.
Dort fand sie eines Tages Tante Elfriede.
Was hast du denn, meine Kleine, gefällt es dir nicht hier?“
Ich will zu meiner Mama!“ heulte das Mädchen auf und warf sich dem Engel in die Arme.
Bernd und Angela, die ihre Schwester gesucht hatten, standen traurig und betroffen neben den Beiden und auch ihnen liefen die Tränen über die Wangen.
Tapfer hatten sie ihre Sehnsucht nach den Eltern unterdrückt, doch bei dem Schmerz ihrer kleinen Schwester konnten auch sie sich nicht mehr zurück halten.
Tante Elfriede sah bestürzt von einem zum anderen.
Sie war etwas ratlos, doch dann stand sie entschlossen auf.
Mit Marnie auf dem Arm, winkte sie Bernd und Angela ihr zu folgen.
Sie flogen eine Wolke höher und standen plötzlich vor einem goldenem Tor.
Der Engel klopfte und das Tor öffnete sich wie von unsichtbarer Hand.
Elfriede ging zielstrebig mit den Kindern zu einer großen Kirche und bat die Kinder hier zu warten, während sie in einer Seitentür verschwand.
Es dauerte lange bis sie wieder kam, aber sie strahlte über das ganze Gesicht.
Ich habe mit dem Herrn gesprochen, ihr dürft wieder zurück zu euren Eltern.“
Jubelnd fielen die Kinder ihr in die Arme.
Einige Monate später bekam das Ehepaar Dorfner Drillinge. Zwei Mädchen und einen Jungen.

© Lore Platz


Dienstag, 5. April 2016

Pinselchen entdeckt weiter die Welt

Heute wollen wir Pinselchen weiter begleiten auf seinem Spaziergang durch den Wald. Mal sehen wem er diesmal begegnet.






  

Pinselchen entdeckt weiter die Welt




Die Nacht war vorüber.
Pinselchen streckte sich und gähnte und war schon wieder hungrig. Aber von Papa und Mama war nichts zu sehen. Die hatten wohl einen Ausflug gemacht und ihn nicht geweckt.
Dann würde er eben alleine spazieren gehen, schließlich war er doch groß und so mutig.
Vorsichtig lugte er aus dem Bau, wie er es gelernt hatte und dann sprang er in großen Sprüngen davon.
Die Sonne schien herrlich warm vom Himmel und ringsum duftete es.
Vor ihm glitzerte etwas auf dem Boden und Pinselchen steckte seine Nase hinein und zuckte zurück. Pfui, das war ja klebrig. Neugierig folgte er der Schleimspur und traf auf eine Weinbergschnecke, die langsam dahin kroch.
Locker überholte er sie und blieb vor ihr stehen.
Hallo, wer bist du denn?“
Blitzschnell verschwand die Schnecke in ihrem Haus und kam erst nach einiger Zeit wieder heraus.
Sie war etwas atemlos und stellte sich dann vor.
Ich bin Bummel, die Weinbergschnecke, weißt du das denn nicht, du dummer Kerl?“
Nöö, hab dich doch noch nie getroffen. Und was machst du?“
Ich bin auf der Suche nach Futter, Löwenzahn, Pilzen und Blumen.“
Was ist ein Löwenzahn? Pilze und Blumen kenne ich.“
Das ist eine Pflanze, deren Blätter wie die Zähne eines Löwen aussehen.“
Und was ist bitte ein Löwe?“
Du weißt aber auch gar nichts!“
Entschuldige, ich bin ja auch noch klein!“
Die Schnecke warf ihm einen genervten Blick zu und erklärte.
Ein Löwe ist ein Verwandter von dir und lebt in Afrika.“
Pinselchen wollte schon fragen, wo denn Afrika liegt, aber dann ließ er es bleiben und so meinte er nur.
Ich weiß wo ein gelber Pilz ist.“
Ich will aber nur rote,“ meinte die Schnecke schnippisch.
Du bist genauso so zickig wie meine Geschwister, nie passt etwas, was ich vorschlage.“
Der kleine Luchs sprang davon.
Kopfschüttelnd sah die Schnecke ihm nach.
Dummer Junge,“ murmelte sie und kroch gemächlich ihres Weges.
Pinselchen hatte die Schnecke bald vergessen, soviel gab es auch zu sehen.
In der Ferne waren Geräusche zu hören, Stimmen und auch Lachen.
Schnell verkroch sich der kleine Luchs in einem alten Fuchsbau und verhielt sich mucksmäuschenstill.
Die Stimmen kamen näher, es waren Wanderer, die lachten und erzählten und schon waren sie vorbei.
Pinselchen sah ihnen nach. Solche Riesen, die auf zwei Beinen liefen, hatte er noch nie gesehen. Wie diese Tiere wohl hießen, er musste unbedingt Mama und Papa fragen.
Nun aber raus aus dem Fuchsbau und im Zickzack durch den Wald.
Doch vor lauter Abenteuerlust hatte er vergessen sich die Richtung zu merken, in der sein Zuhause lag.
Immer weiter lief er zwischen den Bäumen, schnupperte da an einem Tannenzapfen, bewunderte eine schöne Blüte und fand auch einige rote Pilze, nur war die Schnecke nicht hier, aber egal, also weiter.
Als es später Nachmittag war, wurde er müde, auch knurrte sein Magen, war er doch ohne Frühstück einfach los gewandert.
Es raschelte über ihm im Baum und ein schauriges Huhuuu erklang. Ängstlich drückte Pinselchen sich in das grüne weiche Moos und schloss die Augen.


Ein Rauschen von Flügeln und ein großer Vogel landete neben ihm. Vorsichtig öffnete der kleine Luchs die Augen.
Wer bist du denn?“ Seine Stimme zitterte ein wenig.
Ich bin Jango die Waldohreneule und wer bist du?“
Ich bin Pinselchen, der kleine schlaue Luchs und ich will die Welt kennen lernen.“
Nimm dich in acht, bald wird es dunkel und die Welt ist manchmal gefährlich. Lauf schnell nach Hause.“
Pinselchen sah ihr traurig nach, wenn er nur wüsste, wo sein Bau lag. Er sehnte sich plötzlich so nach Mama und Papa, selbst seine Geschwister vermisste er.
Eine Träne tropfte auf den Waldboden und er fühlte sich gar nicht mehr so mutig und er heulte laut los.
Da vernahm er plötzlich eine bekannte Stimme, die ihm antwortete und Oberschlau, der Fuchs, der ganz in der Nähe der Luchse wohnte, tauchte zwischen den Bäumen auf.
Er nahm ihn ein Stückchen mit und bald erkannte Pinselchen die vertraute Umgebung wieder und lief schneller und immer schneller und verschwand glücklich im Bau.
Die Wiedersehensfreude war groß, aber natürlich gab es auch Schelte von Mama und Papa. Und er musste ihnen versprechen nie mehr den Bau zu verlassen ohne Bescheid zu sagen.
Doch als er sich bei seiner Mutter satt getrunken und anschließend zusammenrollte, dachte er, bevor ihm die Augen zufielen:
'Wenn ich immer vorher frage, sagen sie bestimmt nein und ich werde keine Abenteuer erleben und genauso ein langweiliges Leben wie meine immer braven Geschwister führen.'

© Roswitha Borgfeldt