Samstag, 15. April 2017

Ostergeschichte - Reizwortgeschichte

Heute ist es ja wieder soweit und ich staune manchmal wie schnell doch zwei Wochen vergehen.

Diesmal sind es die Reizwörter: 
Wasserhäuschen - Zipfelmütze - servieren - grillen - hilflos 

Ich muss zugeben, dass ich von einem Wasserhäuschen noch nie in meinem Leben gehört habe und dachte erstmals an das Häuschen mit dem Herzchen in der Tür, das noch bei meiner Tante im Hof stand.
Vorsichtshalber habe ich aber doch im Internet nachgeschaut. 
Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!






Ostergeschichte


Kind mir tun die Füße weh, sieh mal da vorn bei dem Wasserhäuschen, haben sie sogar Tische und Stühle.“
Else kicherte.
Oma, warum nennst du einen Kiosk immer Wasserhäuschen?“
Mein Großvater nannte sie immer so. Als er noch lebte konnte man Leitungswasser nur in abgekochtem Zustand trinken und so trank man lieber Bier. Als man Mineralwasser in Flaschen abfüllen konnte, entstanden dann die Trinkhallen bei denen man nur Wasser kaufen konnte.“
Aufatmend ließ sich die alte Frau auf den weißen Plastikstuhl fallen und stellte die Einkaufstasche neben sich.
Eine Kellnerin eilte herbei und nahm ihre Bestellung auf.
Else deutete auf das Verkaufshäuschen.
Sieh mal den Osterhasen mit der Zipfelmütze.“
Die Welt wird immer verrückter, das Einfache genügt nicht mehr.“
Else grinste. Sie kennt das Jammern der Oma, gleich wird sie beginnen – früher war … .
Früher war alles anders.“
Else prustete los.
Frau Angerer lächelte verlegen.
Ich fange wohl schon wieder von früher an.“
Else nickte.
Aber warum feiern wir eigentlich Ostern?“
Ihre Oma fuhr sich über die schmerzenden Beine.
Früher war es ein Frühlingsfest und der Name kam von Osteria, so nannten die alten Germanen ihre Frühlingsgöttin.
Seit 2000 Jahren feiern wir es als Auferstehung Jesus, aber das hast du in Schule ja gelernt.“
Ja aber warum gibt es zu Ostern denn bunt gefärbte Eier?“
Das hat mit dem Frühling zu tun. Denn im Frühling legen die Vögel wieder Eier.
Vor hunderten von Jahren waren die langen Winter grausam und viele verhungerten oder erfroren. So war jeder froh wenn er vorüber war und der Frühling kam.
Deshalb waren die Eier ein Symbol für einen neuen Anfang und so feierten sie ein Frühlingsfest und beschenkten sich mit diesem
Glückssymbol, das sie oft bemalten. Noch schöner war es wenn man die Eier durch Zufall fand. Ich denke die Menschen dachten sich immer wieder etwas aus, um dieses Fest noch schön zu gestalten.“
Die Kellnerin trat an den Tisch, servierte ihnen ihre Grillwürstchen mit Kartoffelsalat und wünschte einen guten Appetit.
Lächelnd dankten die Beiden und ließen es sich gut schmecken.
Nach dem Essen bestellte sich die Oma einen Kaffee und Else bekam ein Eis.
Das Mädchen steckte gedankenverloren einen Löffel der Köstlichkeit in den Mund.
Wer kam eigentlich auf die Idee, dass der Hase die Eier bringt?“
Nun irgendwann fingen die Kinder an zu fragen, woher die bunten Eier unter dem Busch wohl kamen.
Nicht überall war es anfangs der Hase. Die Erwachsenen erzählten den Kindern von einem Ostertier.
In der Schweiz war es der Kuckuck, im Elsass der Storch, in Sachsen der Hahn und in Hessen der Fuchs.
Da sich der Feldhase oft in der Nähe der Hausgärten herum trieb, wurde er auch oft als Ostertier genannt.
Da sich Hasen ja ziemlich oft vermehren waren sie auch wie das Ei ein Symbol für Fruchtbarkeit und so setzte sich der Hase als Überbringer der Eier durch und wurde zum Osterhasen. Bist du fertig?“
Frau Angerer stand auf und verzog schmerzhaft das Gesicht. Hilflos hielt sie sich am Tisch fest.
Else sah sie erschrocken an.
Ich glaube wir lassen uns ein Taxi kommen, meine Füße wollen nicht mehr laufen.“
Else zog ihr Handy aus der Tasche.
Es dauert einige Minuten.“
Wir haben Zeit, die Sonne scheint, willst du noch etwas?“
Vielleicht ein Limo.“
Frau Angerer winkte der Kellnerin und bestellte das Getränk und bezahlte gleich.
Plötzlich lachte sie.
Es gibt noch eine andere Geschichte, wie der Osterhase erfunden wurde.
Zur Zeit der Ritter und Burgfräulein war es Brauch aus süßem Teig ein Osterlamm zu backen. Das Lamm ist ja das christliche Symbol für Ostern.
Ein Bäcker aber war nicht sehr geschickt im Formen des Teiges und so sah sein Lamm eher einem Hasen ähnlich.“
Else kichert.
Unser Taxi ist da!“
Schnell sprang das Mädchen auf, trank ihr Glas leer und nahm die Tasche und reichte ihrer Oma den Arm.

© Lore Platz
 

Samstag, 1. April 2017

Lilaluna, Anneliese und die Regenbogenprinzessin - Reizwortgeschichte

Hat man euch heute auch schon in den April geschickt? 
Mich schon und zwar der Lebengefährte meiner Tochter, sein lausbubenhaftes Lachen habe ich jetzt noch in den Ohren.

Heute gibt es wieder eine Reizwortgeschichte und obwohl die Wörter überhaupt nicht für ein Märchen geeignet sind, ich habe trotzdem eins geschrieben. Kein Aprilscherz!
Viel Spaß beim Lesen! 

Reizwörter
Waschbecken - Finanzamt - rutschen - pflegen- verschmiert








Lilaluna, Anneliese und die
Regenbogenprinzessin


Der Wind heult pfeifend um das Haus, rüttelt die Äste und rast durch das Gras und manche Blume duckt sich ängstlich und klammert sich tief in der Erde fest.
Anneliese, die gerade das verschmierte Waschbecken putzt, hält inne und beobachtet das wilde Toben vor dem Fenster.
Ein buntes Licht blinkt in dem Chaos auf und das Mädchen blickt genauer hin, da schellt das Telefon.
Es ist ihre Mutter, die wissen will, ob bei ihr alles in Ordnung ist. Anneliese beruhigt sie und erzählt auch nichts von dem Brief des Finanzamts.
Schnell läuft sie dann wieder zum Fenster, doch von dem bunten Lichtschein ist nichts mehr zu sehen.
Später kuschelt sie sich dann noch in einen Sessel mit einem Buch und vergisst alles ringsum.
Als die Mutter spät abends nach Hause kommt findet sie ihre Tochter schlafend im Wohnzimmer.
Das Wind hat sich inzwischen gelegt.
Liebevoll weckt sie das Mädchen, das sie etwas verschlafen ansieht, dann aber aufspringt.
Ich habe noch gar nichts zu essen gerichtet,“ meint Anneliese schuldbewusst.
Wir werden schon was finden,“ lacht die Mutter.
Anneliese reckt sich genüsslich im Bett.
In der Küche hört sie die Mutter und Kaffeeduft zieht durch das Haus. Das Mädchen kuschelt sich nochmal in die Kissen. Es sind ja Ferien. Doch dann hält sie es doch nicht mehr im Bett aus, denn die Mutter muss bald wieder in die Arbeit und jede freie Minute war für sie beide ein Fest.
Gemütlich frühstücken sie, dann sieht Frau Berger ihr Tochter schuldbewusst an.
Leider muss ich heute früher anfangen und werde auch später kommen, es sind so viele meiner Kollegen krank. Es tut mir so leid, meine Kleine. Aber am Wochenende habe ich frei und dann unternehmen wir etwas schönes zusammen.“
Anneliese lächelt tapfer, um der Mutter zu zeigen, dass sie schon zurecht kommen wird.
Nachdem das Mädchen das Geschirr gewaschen, das Haus gefegt, Betten gemacht, alles was so ein Hausmüttcherchen eben machen muss, geht sie in den Garten.
Die Sonne scheint, alles duftet so frisch, als hätte der gestrige Regen alles rein gewaschen.
Aus den Augenwinkeln bemerkt Anneliese ein buntes Licht, doch als sie sich umdreht ist nichts zu sehen.
Neugierig geht sie durch den Garten und erblickt hinter der Regentonne ein kleines Mädchen, das sie mit großen ängstlichen Augen ansieht.
Anneliese geht in die Hocke.
Hallo, ich bin Anneliese. Hast du dich verlaufen?“
Das Kind rutscht noch mehr in den Schatten der Tonne.
Habe keine Angst, ich tu dir nichts. Komm!“
Bist du ein Mensch?“
Ich denke doch!“ lacht Anneliese.
Dieses Lachen scheint der Kleinen zu gefallen und sie entspannt sich und als Anneliese aufsteht und ihr die Hand entgegen streckt, folgt sie ihr in das Haus.
Erstaunt blickt sich der kleine Gast um und seine Augen werden immer größer.
So leben also die Menschen?“
Anneliese kann nun auch das kleine Mädchen richtig betrachten.
Sie trägt ein kunterbuntes Kleid, grün rot gelb gesprenkelte Strümpfe stecken in himmelblauen Schuhen und selbst in ihren goldenen langen Locken sind farbige Strähnchen zu sehen.
Wer bist du?“
Ich bin die Regenbogenprinzessin!“
Sie lächelt und das Zimmer erstrahlt im Sonnenschein, dann aber schluchzt sie und selbst die Tränen, die aus ihren Augen purzeln sind bunt.
Anneliese lacht.
Du bist wirklich die Regenbogenprinzessin, Lachen und Weinen in einem Atemzug. Komm setze dich und erzähle mir wie du auf die Erde gekommen bist.“
Sie hilft dem Persönchen auf den Stuhl und stellt ihr ein Glas Milch hin.
Kennst du Milch?“
Ja von unseren Wolkenschäfchen!“
Das ist Kuhmilch, die schmeckt aber auch gut.“
Was ist Kuh?“
Das ist ein großes Tier, warte mal!“
Anneliese eilt ins Wohnzimmer und holt ein Buch
und darin zeigt sie der Kleinen das abgebildete Tier.
Die Regenbogenprinzessin betrachtet ernst das Tier und nimmt einen großen Schluck.
Schmeckt gut.“
Aber nun erzähle wie kommst du auf die Erde und fang bloß nicht an zu weinen.“
Tapfer unterdrückt diese die Tränen und erzählt nun dem Mädchen, dass sie Prinzessin Farbenfroh sei und sich trotz Verbot mal wieder zu weit über die Regenbogenbrücke gelehnt hätte und dabei von den Winden, die aus dem Wolkenschloss stürzten mitgerissen wurde. Und jetzt weiß sie nicht wie sie jemals zurück auf den Regenbogen kommen soll.
Und wieder fließen die Tränen.
Liebevoll streicht Anneliese über das seidenweiche Haar und gibt dem Mädchen ein Taschentuch.
Sie schmunzelt, als sie bemerkt, dass das weiße Tuch sich von den Tränen verfärbt.
Ich kenne jemand, der dir helfen kann.“
So schnell wie die Tränen gekommen sind verschwinden sie auch wieder und ein strahlendes Lächeln erhellt das Gesicht.
Hand in Hand verlassen sie das Haus, durch die Straßen geht es hinaus in den Wald und zu der große Wiese, auf der die Elfen wohnen.
Lilaluna hat sie schon von weitem entdeckt und schwirrt ihnen entgegen.
Hallo Anneliese, schön, dass du mich besuchst.Und wer bist du?“
Farbenfroh blinzelt und ruft.
Du bist aber ein kleiner Mensch. Ich wusste gar nicht, dass Menschen Flügel haben!“
Lilaluna lacht: „ Ich bin ja auch kein Mensch, ich bin eine Elfe.“
Anneliese grinst. „ Darf ich vorstellen, das ist Prinzessin Farbenfroh und sie wohnt im Regenbogenschloss. Nein, nein, nicht weinen.“
Seufzend geht das Mädchen in die Hocke und wischt die bunten Tränen ab.
Ich hätte mehr Taschentücher mitnehmen sollen,“
murmelt sie und zu Lilaluna gewandt:
Sie weiß nicht, wie sie wieder zurück auf das Schloss kommt und ich habe gedacht, vielleicht kennst du jemand, der uns weiterhelfen kann, oder vielleicht ein Zauber?“
Nein, einen Zauber dafür gibt es wohl nicht, aber hier in Nähe wohnt ein alter weiser Kauz, denn wollen wir fragen.“
Mit strengem Blick wendet sich die kleine Elfe an die Prinzessin, in deren Augen sich schon wieder Tränen sammeln.
Aber nur, wenn du aufhörst ständig zu weinen, kommt mit.“
Farbenfroh nickt eifrig und schnieft, dann erscheint wieder das strahlenden Lächeln und an Anneliese Hand folgt sie der Elfe.
Der Wald wird immer dichter und der Weg schmaler bis er ganz von überwuchernden Gestrüpp bedeckt ist und Anneliese und Farbenfroh stehen bleiben.
Lilaluna fliegt zurück und meint bedauernd zu ihrer Freundin.
Tut mir leid, du weißt ja, mir ist nur erlaubt dich in eine Elfe zu verwandeln, aber dann müsste die Prinzessin alleine laufen.“
Etwas ratlos sieht sie sich um, dann lacht sie fröhlich.
Aber ich darf Dinge bewegen!“
Und schon wirbelt der Zauberstab funkensprühend durch die Luft.
Das Gestrüpp weicht zurück und lässt einen Pfad erkennen.
Kommt es ist nicht mehr weit!“
Bald stehen sie vor einem uralten Baum.
So sehr sich Anneliese auch bemüht, sie kann nichts erkennen in dem dichten Laub.
Die kleine Elfe fliegt unbeirrt nach oben und verschwindet zwischen den Blättern.
Was ist ein Kauz?“ flüstert Farbenfoh.
Das ist ein Vogel, der zu der Familie der Eulen gehört und den Eulen wird nachgesagt, dass sie sehr weise sind. Lilaluna denkt, dass dieser Kauz, der wohl schon lange hier im Wald wohnt, dir vielleicht helfen kann.“
Das wäre schön!“
Warum erzählst du ihr nicht, dass wir bei euch Menschen als Totenvogel verschrien sind!“
Anneliese erblickt einen Kauz, der auf dem untersten Ast sitzt und sie aus seinen runden großen Augen ernst betrachtet.
Weil das ein Irrtum ist. Früher hat man bei den Sterbenden ein Licht brennen lassen und der Kauz durch dieses Licht und von den Insekten angelockt
flog oft gegen die Fensterscheibe. Und sein Ruf 'kuwitt' wurde als 'komm mit' ausgelegt.“
Du bist ein kluges Mädchen. Nein wir können nicht den Tod eines Menschen voraussehen und wir holen sie auch nicht ab, wenn sie ins andere Reich wandern.“
Er wendet seinen runden Kopf und betrachtet die Regenbogenprinzessin.
Du bist also von der Regenbogenbrücke gestürzt?
Komm morgen Abend wieder hierher. Ich werde heute Nacht mit dem Mond sprechen. Aber nun lasst mich schlafen.“
Und mit rauschenden Flügeln erhebt er sich und verschwindet zwischen den dichten Blättern, hinter
denen seine Höhle liegt.
Anneliese sieht schnell zu Farbenfroh, befürchte sie doch wieder eine Tränenflut.
Doch diese lacht strahlend.
Wie schön ich darf noch länger bleiben.“
Lilaluna und Anneliese lachen fröhlich und die Elfe will wissen, ob die Prinzessin auf der Elfenwiese bleiben möchte.
Doch energisch schüttelt diese den Kopf und nimmt Annelieses Hand.
Ich gehe mit ihr, ich möchte doch so gerne sehen, wie die Menschen leben.“
Meine Mutter wird spät heimkommen, aber wenn sie zuhause ist, musst du dich verstecken und ruhig verhalten.“
Mach ich,“ meinte die Kleine gönnerhaft.
Lilialuna begleitet die beiden noch bis zum Dorf, dann verabschiedet sie sich.
Staunend sieht Farbenfroh sich um, beobachtet die Kühe auf der Weide, die Fohlen, die steifbeinig über die Koppel galoppieren und lacht als eine Ziege nach ihren Haaren greifen will.
Im Dorf angekommen betrachtet sie staunend die hübschen Häuser mit den blühenden Vorgärten.
Drückt staunend ihre Nase an den Schaufenstern platt und dabei steht ihr Plappermäulchen keinen Moment still.
Anneliese raucht schon der Kopf von all den Fragen und sie ist froh, als sie endlich zuhause sind.
Aus dem Kühlschrank holt sie eine Flasche Limonade und als Farbenfroh einen kleinen Schluck aus ihrem Glas nimmt, strahlt sie genießerisch.
Das schmeckt aber lecker,“ und gleich darauf kommt die Frage, „ was ist das und wie macht man das.“
Anneliese verdreht die Augen, doch lacht sie und nimmt die Regenbogenprinzessin mit in ihr Zimmer und dann sitzen beide vor dem Laptop.
Später holt das Mädchen ihre Spielesammlung und beide legen sich bäuchlings auf den Teppich und spielen.
Farbenfroh kapiert sehr schnell und hat einen wachen Verstand.
Draußen wird es dunkel und die Prinzessin gähnt laut und ihr Augen blinzeln müde.
Anneliese macht ihr ein molliges Lager im Schrank, denn manchmal wenn die Mutter nach Hause kommt, sieht sie noch nach ihr.
Bald ertönen laute regelmäßige Atemzüge aus dem Schrank.
Anneliese aber liegt noch lange wach. Die Arme hinter dem Kopf verschränkt beobachtet sie, wie der Mond einen Strahl in ihr Zimmer schickt und sie denkt, ob der Kauz wohl schon mit ihm gesprochen hat.
Und dann ist auch sie eingeschlafen.
Am nächsten Morgen frühstückt sie mit ihrer Mutter und als diese dann das Haus verlässt läuft Anneliese hinauf in ihr Zimmer.
Farbenfroh erwartet sie schon.
Ich möchte auch so angezogen sein wie du?“
Anneliese überlegt, irgendwo muss doch noch eine Jeans sein, die ihr zu klein ist.
Bald steht die Regenbogenprinzessin in Jeans und Shirt vor dem Spiegel und wendet sich begeistert hin und her.
Nun sehe ich aus wie ein Mensch.“
Ein Kichern ertönt.
Lilaluna ist durch das offene Fenster hereingeflogen.
Nachdem Anneliese einige Flaschen Limonade und belegte Brote eingepackt hat, nimmt sie noch eine Decke. Sie wollen auf der Elfenwiese ein Picknick machen.
Natürlich muss sie unterwegs Farbenfroh noch genau erklären, was ein Picknick eigentlich ist.
Lilaluna lacht vergnügt und Anneliese wirf ihr einen genervten Blick zu.
Später breiten sie auf der Elfenwiese die Decke aus und nun fragte die Regenbogenprinzessin der kleinen Elfe ein Loch in den Bauch, denn sie will auch alles über die Elfen wissen
Anneliese aber legt sich schadenfroh grinsend zurück.
Viel zu schnell vergeht die Zeit und es wird dunkel.
Ein Flügelrauschen und der Kauz lässt sich neben ihnen nieder. Zwei Mäuse huschen verschreckt kreuz und quer über die Wiese und verschwinden im Wald.
Aufgeregt springt Farbenfroh auf.
Hast du mit dem Mond gesprochen?“
Der Kauz sieht sie streng an.
Ich pflege meine Versprechen zu halten.“
Kommt mit, er wird drüben am Ende der Wiese einen Mondstrahl herunter lassen und du kannst darauf nach oben klettern. Deine Eltern sind schon in großer Sorge, doch zum Glück konnte der Mond sie gestern noch beruhigen. Also passe besser auf in Zukunft, Fräulein Naseweis.“
Farbenfroh senkt beschämt den Kopf.
Anneliese befürchtet schon sie würde wieder weinen, aber der Kauz hatte sie wohl zu sehr eingeschüchtert.
Farbenfroh ergreift ihre Hand und sie folgen dem Kauz und Lilaluna, die vor ihnen herfliegen.
Sie müssen nicht lange warten, dann gleitet ein silberner leuchtender Strahl auf die Erde.
Über diesen Strahl schwebt eine wunderschöne Frau in buntem Gewand und als sie die Wiese betritt läuft Farbenfroh ihr jubelnd entgegen und wirft sich in ihr Arme.
Die Regenbogenkönigin herzt und küsst ihre Tochter, dann kommt sie näher und bedankt sich bei den Rettern ihrer Tochter.
Der Kauz verbeugt sich ehrfürchtig, er weiß
schließlich was sich gehört. Anneliese knickst und auch Lilaluna verbeugt sich zierlich.
Als die beiden Regenbogenhoheiten den Mondstrahl betreten, dreht sich Farbenfroh noch einmal um und winkt. „Danke Anneliese für die Jeans!“
Warte !“ ruft das Mädchen, nimmt eine Flasche Limonade aus dem Rucksack und drückt sie der Kleinen in die Hand.
Die hat dir doch so gut geschmeckt.“
Danke!“ Farbenfroh schenkt ihr ein strahlendes Lächeln, dann klettert sie mit ihrer Mutter den Mondstrahl entlang nach oben.
Der Kauz erhebt sich und verschwindet mit rauschendem Flügelschlag im Wald.
Lilaluna aber ruft einige Glühwürmchen und begleitet ihre Freundin nach Hause.

© Lore Platz

Regina
Martina
Christine
Eva 

Dienstag, 21. März 2017

Das Essen und die deutsche Sprache





Da ich gehbehindert bin und deshalb an das Haus gefesselt, erledigt eine meiner ehemaligen Nachhilfeschülerinnen meine Einkäufe.
Vor einiger Zeit hatte ich große Lust auf Negerküsse oder auch Mohrenköpfe genannt, doch dann fiel mir ein, dass diese Namen ja verboten sind. Was sollte ich also auf meinen Einkaufszettel schreiben.
Inzwischen weiß ich, dass diese Süßigkeit Schaumküsse heißt. Naja.
Nun das Wort Neger wurde also aus unserem Sprachschatz gestrichen. Ich weiß zwar nicht warum, niemals kann ich mich erinnern, dass, als wir das Lied von den zehn kleinen Negerlein sangen andere als fröhliche Gedanken hatten. Und Negerküsse und Mohrenküsse auch der Sarotti erinnern doch nur an eine köstliche Schokolade. Gut ich habe gelernt, das zu akzeptieren.
Aber warum gibt es auf der Speiskarte kein Zigeunerschnitzel mehr. Es ist ja nicht so, dass ein Zigeuner für dieses Gericht sein Leben lassen musste. Es handelt sich vielmehr um ein pikantes leckeres Schnitzel, das nach Art der Zigeuner zubereitet wird. Und das ist doch ein Kompliment.
Wenn ich nun schon mal im Grübeln war, dachte ich:
Warum wird das Wiener Schnitzel, das Frankfurter Würstchen oder der Berliner Pfannkuchen nicht verboten.
(schmunzeln)
Vielleicht bin ich immer noch nicht alt genug, um zu verstehen, was in den Köpfen mancher Menschen so vorgeht.
Ich wünsche euch einen schönen Tag, gestern war ja Frühlingsanfang und ich kann sagen bei uns zeigt er sich wirklich von seiner besten Seite.

Mittwoch, 15. März 2017

Frühlingszauber - Reizwortgedicht

Obwohl diese Wörter sich wirklich für ein schönes Märchen anbieten, ich schaffte es diesmal nur zu einem Gedicht.

Reizwörter:
Blütenkelch – Langschläfer – garstig – unbarmherzig – wirbeln 

Ich wünsche euch einen schönen Frühlingstag 








Frühlingszauber

Ein schöner Jüngling schwebt über das Land
Als Frühling ist er überall bekannt
Wo vor kurzem noch wirbelten die
Schneeflocken
Gelingt es ihm mit frohem Lied die Blütenkelche hervor zu locken
Welch eine Pracht, der Farben bunter Reigen
Dazu spielt der Wind mit seinen Geigen
Die Sonne sie strahlt vom wolkenlosen Firmament
Eine Elfe tanzt selbstvergessen nach einer Melodie, die nur sie kennt
Die Vögel zwitschern voll Übermut
Ja, die Sonne ist für alle gut
Kein Langschläfer will jetzt mehr länger im Bette bleiben.
Sich lieber in der Natur die Zeit vertreiben
Tief einatmen den herrliche Duft
Von Blüten und Frühling geschwängerter Luft
Unbarmherzig und garstig kann heute keiner sein
Da wäre man wohl gänzlich allein
Der Frühling bereitet mit kundiger Hand
Über die Herzen sein wundersames fröhliches Band
Nun atmet auch ihr meine Lieben tief ein
Und denkt daran dieses Jahr kann nur einmal Frühling sein

© Lore Platz




Donnerstag, 9. März 2017

Heute vor 178 wurde in Preußen die Kinderarbeit verboten.





Wie oft klagen doch Kinder in der heutigen Zeit, die alles haben, mir ist sooo langweilig.
Oder sie sind zu faul zum Lernen und dann denke ich, dass früher Schulbildung gar nicht so selbstverständlich war und heute in vielen Ländern immer noch ist.
Kinder ab vier, sechs und acht mussten früher als Dienstboten arbeiten, oder im Bergwerk. Auch wurden sie in die heißen Kamine hinauf gejagt und hatten oft verbrannte verkrüppelte Füße.
Die Kinderarbeit war für die sehr armen Familien ein zusätzliches Einkommen. Und die Unternehmer fühlten sich als Wohltäter, dabei beuteten sie die Kinder aus und zahlten ihnen nur einen geringen Lohn.
Man kann sich eben alles schön reden.
Waisenkinder wurden oft auch im ländlichen Gebiet an Bauern verdingt. In dem Dorf in dem ich wohnte war ein alter Mann, der erzählte uns oft, dass er als achtjähriges Waisenkind zu einem Bauern kam. Sein Leben bestand aus Hunger, Schlägen und Arbeit bis zum Umfallen.Und das ist noch keine hundert Jahre her.
 
Am 9.3. 1839 wurde in Preußen die Kinderarbeit verboten
Das Mindestalter arbeitender Kinder wurde auf neun Jahre festgesetzt, die Arbeitszeit der unter 16jährigen auf zehn Stunden täglich beschränkt sowie ihr Einsatz für Nacht- und Sonntagsarbeit verboten.
Aber das war nicht wegen dem Mitleid mit den Kindern.
1828 machte der königlich preußische Generalleutnant Heinrich von Horn den preußischen König darauf aufmerksam, dass er wegen der in der Industrie verbreiteten Kinderarbeit und der gesundheitlicher Folgen, nicht mehr das erforderlich Truppenkontingent aufbringen könne.
In vielen Ländern gibt es immer noch Ausbeutung und Kinderarbeit und soziale Ungerechtigkeit.
Die wird es geben solange die Menschheit besteht, aber solange es Menschen gibt, die dagegen ankämpfen besteht auch Hoffnung.
Heute spricht man soviel von Kinderarmut und Altersarmut.


Aber wo fängt die Armut an?

Nun wünsche ich euch einen schönen Tag, auch wenn es bei uns trüb und regnerisch ist.
Und denkt daran ein liebevolles Herz ist niemals arm. 

Dienstag, 7. März 2017

Dankeschön





Nun möchte ich ein großes Dankeschön sagen für die vielen Klicks.
Vor Weihnachten waren es noch 78 000 und nun sind es bereits 
103 000. Es freut mich sehr, dass meine Geschichten euch gefallen und will versuchen für euch weiter meine Fantasie spielen zu lassen.

Das Wetter spielt im Moment ja verrückt. Drei Tage war es nun Frühling und nun kommt der Winter wieder mit Schneeregen.
Der alte Geselle macht doch jedes Jahr so ein Getue. Erst will er nicht kommen und dann nicht gehen.
Ganz schön launisch der alte Herr!
Aber wir lassen uns die Laune deshalb nicht verderben. 
Auf den Flügeln der Fantasie wollen wir heute den Tag für uns schön gestalten.

Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.

Konrad Adenauer





Lasst unseren Horizont die Fantasie sein, denn sie bringt  uns die schönsten Augenblicke.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Tag

Mittwoch, 1. März 2017

Die schlafenden Blumen Reizwortgeschichte

Wie schnell die Zeit doch vergeht, schon haben wir wieder Reizwortgeschichtentag.
Ich hoffe ihr habt den Fasching alle unbeschadet überstanden und wünsche euch viel Spaß beim Lesen!


Reizwörter:


 Pflanzen, Erde, kritisch, freuen, nerven







Die schlafenden Blumen


Betrübt lugte Sternchen die kleine Blumenelfe durch die Wurzeln ihres Winterquartiers.
Es war schon Mitte März, der Winter hielt längst seinen wohl verdienten Schlaf und die Natur sollte zu blühen beginnen.
Doch die Pflanzen schliefen noch, keine Blume streckte ihr Köpfchen aus der Erde.
Sternchen schlüpfte aus ihrer Höhle nach draußen und betrachtete kritisch die große Blumenwiese ringsum, die noch genauso, wie der Winter sie verlassen hatte, aussah.
Der Schnee war durch die warmen Strahlen der Sonne weg geschmolzen und hatte eine braune trostlose Erde zurück gelassen.
Kein Grashalm, ja nicht mal ein Schneeglöckchen, die doch die ersten Boten des Frühlings sind, waren zu sehen.
Hallo, Sternchen, komm mit uns. Die Elfenkönigin will uns sprechen.“
Sternchen blickte nach oben zu ihrer Elfenfreundin Butterblume, die ihr auffordernd winkte und schloss sich den Elfen, die zum Palast der Königin schwirrten, an.
Der große Beratungssaal füllte sich mit kleinen und
großen Elfen und Butterblume und Sternchen fanden gerade noch ein freies Eckchen.
Das Gemurmel, Wispern und gelegentliches Kichern verstummte, als die Elfenkönigin den Raum betrat.
Mit ernstem Gesicht schritt diese zu ihrem Thron.
Sicher habt ihr bereits bemerkt, dass obwohl der Winter sich bereits zur Ruhe begeben hat, noch keine Pflanze zum Leben erwacht ist. Ich habe Rittersporn zu Mutter Erde gesandt, er müsste jeden Moment zurück kommen.“
Unruhe entstand am Eingang und der Elf Rittersporn kam mit schnellen Schritten auf die Königin zu.
Er verneigte sich ehrfurchtsvoll, dann berichtete er, dass die Flöte des Frühlings während er schlief gestohlen wurde. Mutter Erde und auch der Frühling haben sich bereits auf die Suche begeben.
Das war nun eine Aufregung!
Die Königin aber befahl nun, dass auch die Elfen sich auf die Suche machen sollten.
Sternchen und Butterblume saßen auf dem untersten Ast der noch kahlen Birke und überlegten, wer wohl Interesse hätte, das Blühen der Blumen zu verhindern, indem er die magische Flöte es Frühlings stahl.
Doch es fiel ihnen niemand ein. Mutlos erhoben sie sich in die Luft und überflogen das Land.
Etwas blinkte im Sonnenschein und sie sahen unter sich den unfreundlichen Kobold Garstig, der sich immer wieder lauernd umsah, bevor er in seiner Höhle verschwand.
Vorsichtig folgten die Elfen ihm in die Höhle. Als der Kobold sie sah, kam er mit grimmigen Gesicht auf sie zu.
Verschwindet ihr dummen Puten, was habt ihr hier verloren!“
Wir wollten nur nachsehen, was du in deine Höhle geschleppt hast.“
Das geht euch gar nichts an, ihr nervt mich, haut ab.“
Doch Sternchen hatte die Flöte des Frühlings bereits entdeckt.
Strafend sah sie den Kobold an.
Was willst du damit, das ist die Flöte des Frühlings!“
Geht dich nichts an, jetzt gehört sie mir, sie glänzt so schön und ich habe noch nie so etwas schönes gehabt.“
Du hast sie gestohlen!“ rief Butterblume empört.
Nun wird der Kobold verlegen.
Ich habe sie mir nur ausgeborgt, weil sie doch so schön ist und außerdem der Frühling schläft, der braucht sie doch gar nicht.“
Aber er ist bereits aufgewacht und sucht seine Flöte, denn damit muss er die Blumen wecken, damit sie blühen können.“
Was interessiert mich, ob die Blumen blühen!“ brummte Garstig trotzig.
Sternchen grinste.
Die Blumen vielleicht nicht, aber wenn die Walderdbeeren nicht blühen, dann gibt es auch keine Beeren und die isst du doch so gerne.“
Ooooh“ betroffen sah der Kobold die Elfen an, dann
hob er die Flöte auf und zu dritt gingen sie zum Frühling.
Dieser aber spielte seine liebliche Melodie und die Blumen und Pflanzen erwachten und streckten ihre Köpfe der Sonne entgegen.
Garstig wurde nicht bestraft, denn alle freuten sich viel zu sehr, dass die Blumen wieder blühten.


© Lore Platz




Mittwoch, 15. Februar 2017

Kleine Hexe Liliput Reizwortgeschichte

Ich hoffe ihr hattet alle einen schönen Valentinstag und einen Valentinsschatz, der an euch gedacht hat.
Ich weiß ich bin wieder die letzte, die ihre Reizwortgeschichte einstellt, aber seit es soooo kalt ist kann ich mich von meinen kuscheligen warmen Bett nicht trennen.
Ich hoffe ihr verzeiht mir das und habt trotzdem Freude an meiner Geschichte.
Viel Spaß beim Lesen! 

Reizwörter sind diesmal:
  
Andenken, Topflappen, werfen, rosa, berühmt 
 






Kleine Hexe Liliput

In einem schönen fruchtbaren Tal lag ein kleines Dorf. Den Bewohnern ging es gut, sie waren freundlich und lebten mit der Natur im Einklang.
Nur der Hexenberg machte ihnen etwas Sorge und sie mieden ihn, obwohl sie von den Geschöpfen die dort wohnten niemals etwas Böses erfahren hatten.
Doch die Furcht vor allem Fremden, die nun einmal tief in den Menschen verankert war, hielt sie zurück. Niemand wagte sich in die Nähe des tiefen Waldes, der sich den Berg hinauf zog und die hohe stolze Bug, die einstmals das Geschlecht der Grafen von Trutzigen bewohnte,umschloss.
Vor vielen vielen Jahren war im ganzen Land eine große Hexenverfolgung und obwohl die Hexen, die sich hauptsächlich mit Heilkunde befassten niemals etwas böses taten wurden sie erbarmungslos verbrannt.
Graf Herold von Trutzigen aber gewährte den Verfolgten Schutz und so kamen sie von allen Seiten und versteckten sich in der Burg.
Die berühmte Hexe Mirabelle, die unten im Dorf wohnte, hatte einst des Grafen Frau und seinem kleinen Sohn das Leben gerettet.
Auch als die Hexenverfolgung vorbei war, blieben die Geretteten oben in der Burg und als der Letzte des Grafengeschlechts verstarb vermachte er die Burg und die Wälder ringsum den Hexen.
Die Dörfler murrten erst, doch im Laufe der Zeit hatte man sich an die Nachbarschaft gewöhnt, vor allem da jeder für sich blieb.
Die Hexen gingen nie ins Dorf und die Dorfbewohner
mieden den Wald und die Burg.
Eine der geretteten Hexen war auch die Hexe Honorine Herminus, liebevoll von ihren Eltern Liliput genannt weil sie sehr klein war.
Jede Hexe oder Hexer bekamen von ihren Eltern bei der Geburt ein Tier geschenkt, dass sie dann ein Leben lang begleitete.
Liliputs Eltern schenkten ihrer Tochter eine kleine Schildkröte.
Diese steckte Liliputs Mutter in die Windel und brachte das Baby zu ihrer Nachbarin und bat sie die Kleine zu dem geheimen Treffpunkt der Hexen zu bringen.
Dann lief sie zurück zu ihrem Mann und stellte sich tapfer neben ihn, als die Häscher kamen.




Eine kleine Hexe stürmte aus der Burg, ihre wirren roten Locken standen zu allen Seiten ab und ihre grünen Augen blitzten voller Zorn.
Die schwarzen Stiefeletten donnerten auf der hölzernen Zugbrücke.
Mit einem Schwung warf sie die Tür ihres Häuschens zu und setzte sich schwer atmend auf einen Stuhl.
Die Schildkröte, die auf dem Tisch saß und an einem Salatblatt knabberte, hob den Kopf.
Solltest du nicht in der Schule sein?“
Paaaah!!!!“
Ernestine, liebevoll Tinchen genannt,grinste.
Gab's mal wieder Ärger?“
Ja, ich habe meinen rosa Topflappen vergessen! Wo ist er überhaupt?“
Wenn du nicht so schlampig wärst, würdest du ihn sicher finden. Sieh mal du hinten unter dem Zauberbuch nach.“
Liliput sah nicht mal in die Richtung, finster, die Hände zu Fäusten geballt, fixierte sie irgend einen Punkt an der Wand.
Was ist los? Du hast doch bestimmt nicht nur wegen dieser Kleinigkeit die Schule verlassen?“
Liliput entspannte sich.
Nein! Heute sollten wir Gegenstände in Tiere verwandeln. Frau Kassandra hatte einen Kohlkopf auf das Pult vorne gelegt und wir sollten daraus eine Kröte zaubern.
Anastasia, hatte mich vorher mal wieder geärgert und als ich zaubern sollte, habe ich statt des Kohlkopfs sie in eine Kröte verwandelt.
Die Anderen lachten, doch Frau Kassandra wurde furchtbar böse, nahm mir den Zauberstab ab und schickte mich nach Hause.“
Tinchen musste sich ein Grinsen verbeißen.
Du weißt, dass man Lebewesen niemals verzaubern darf, stell dir vor, das würde dir bei einem Menschen passieren. Der alte Hass würde wieder entstehen.“
Wie sie wohl sind, die Menschen? Ich würde gerne einen kennen lernen. Ob sie wohl alle so böse sind?“
Sicher nicht, denk an die Freundin deiner Mutter, die dich damals gerettet hat. Es gibt gute und böse Menschen, so wie es auch gute und böse Hexen gibt.“
Liliput runzelte die Stirn.
Die drei Schwester Archane, Eusebiane und Wilfrieda, die letztes Jahr aus der Hexenzunft ausgestoßen wurden.“
Tinchen nickte und mahnte:
Vielleicht solltest du aufräumen, denn Frau Kassandra wird sicher bald hier auftauchen.“
Liliput verzog unwillig das Gesicht, stand aber doch auf und hob die herum liegenden Kleider auf, während Tinchen genüsslich weiter an ihrem Salat knabberte.
Bald sah es fast ordentlich aus und schon klopfte es an der Tür und Frau Kassandra trat ein.
Wohlwollend sah sie sich um, dann setzte sie sich.
Darf ich ihnen einen Tee anbieten,“fragte Liliput schüchtern.
Die Lehrerin schüttelte den Kopf.
Lange musterte sie die kleine Hexe und dieser wurde
ganz mulmig zumute.
Liliput, du bist ein kluge und gute Hexe, deine Eltern wären stolz auf dich. Doch du bist zu impulsiv und ungestüm und das lässt dich immer wieder in Schwierigkeiten geraten. Du musst unbedingt an dir arbeiten und diese Seite deines Wesens in den Griff bekommen.
Was du heute gemacht hast, war ein schwerer Fehler. Deshalb werde ich deinen Zauberstab behalten, du darfst eine Woche lang weder die Schule besuchen noch zaubern. Außerdem wirst du jetzt mit mir kommen und dich bei Anastasia entschuldigen.“
Liliput senkte den Kopf, damit niemand ihre Tränen sehen konnte.
Nun?“
Die kleine Hexe straffte die Schultern und stand auf.
Wir können gehen.“
Draußen schien die Sonne, die Bienen summten über der blühenden Wiese, der Bach murmelte sein uraltes Lied und die Vögel jubilierten in den Bäumen.
Beklommen schritt Liliput neben Frau Kassandra an einigen Häusern vorbei, bis sie an das Haus kamen, in dem Anastasia mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder lebte.
Anastasias Mutter öffnete, bedachte Liliput mit einem ärgerlichen Blick und begrüßte Frau Kassandra freundlich.
Anastasia schob sich neben ihre Mutter und grinste ihre Mitschülerin spöttisch an.
Liliput sah ihr offen ins Gesicht.
Es tut mir leid, dass ich dich aus Versehen in eine Kröte verwandelt habe.“
Ha, das hast du bestimmt nicht aus Versehen gemacht!“ giftete Anastasia, „ das war bestimmt Absicht!“
Frau Kassandra warf ihr einen strengen Blick zu.
Liliput hat sich entschuldigt, du solltest die Entschuldigung annehmen.“
Ja, „ maulte das Mädchen.
Wollen sie nicht auf eine Tasse Tee hereinkommen,“ bat Girlanda, Anastasias Mutter.
Danke, aber ich muss zurück auf die Burg, komm Liliput.“
Erleichtert folgte diese der Lehrerin.
An dem Weg der zu der Burg hinauf führte trennten sie sich, nachdem Frau Kassandra noch einmal ernst mit Liliput gesprochen hatte.
Liliput aber lief in ihr Häuschen uns erst dort hinter verschlossener Tür ließ sie ihren Tränen freien Lauf.

Heute habt ihr also die Hexe Liliput kennen gelernt und ihr werdet ihr wohl hier noch öfter begegnen.

© Lore Platz