Freitag, 30. November 2018

Das Weihnachtswunder Ende


 
Foto I.L.



Als sie am nächsten Morgen erwachte, fühlte sich sich so leicht und voller Hoffnung, als hätte ein Engel sie gestreichelt.
Sie kochte sich wieder einen Tee, gab reichlich Zucker hinein und er wärmte und füllte ihren Magen.
Um zehn Uhr musste sie ins Gemeindehaus, um den Saal zu schmücken und dort waren immer Schalen mit Plätzchen, das würde ihr über den ärgsten Hunger hinweg helfen.
Sie lächelte.
Seltsam, sie hatte auf einmal so ein leichtes Gefühl, als würde alles gut werden.
Und als sie unter der Dusche stand, summte sie sogar ein Weihnachtslied.
Birgit schloss gerade das Gemeindehaus auf, als Lieselotte ankam.
Fröhlich schwatzend betraten sie die Halle.
Der Hausmeister hatte gestern Abend noch die hohe Tanne aufgestellt.
Und auf einem kleinen Tischchen stand eine Tupperschüssel mit Plätzchen, die seine Frau für die fleißigen Helfer gebacken hatte.
Lieselotte holte sich gleich einige der köstlichen Kekse.
Ich habe heute noch nicht gefrühstückt,“ erklärte sie.
Birgit lachte.
Ich habe zwar schon gefrühstückt, aber sie sehen so verlockend aus.“
Sie pickte sich eine Kokosmakrone heraus.
Nach und nach trudelten die Frauen ein und bald herrschte ein geschäftiges Treiben und fröhliches Lachen.
Weihnachtslieder tönten aus den Lautsprechern.
Lieselotte fühlte sich immer wohler und da Ursel auch noch einige Stollen mitgebracht hatte, war auch ihr ärgster Hunger gestillt.
Nicole beteiligte sich kaum an dem fröhlichen Geplauder.
Sie war auffallend still und warf immer wieder einen seltsamen Blick zu Lieselotte.
Als diese dann abkommandiert wurde, um in der kleinen Küche den Glühwein warm zu machen, eilte Nicole ihr nach.
Schweigend arbeiteten die beiden Frauen zusammen, dann brach es aus Nicole heraus:
Dank deiner Hilfe hatte meine Familie und ich letztes Jahr ein schönes Weihnachtsfest und auch im neuen Jahr hat unser Glücksstern uns nicht verlassen. Mein Mann hat eine Arbeit gefunden, ich eine Halbtagsstelle im Supermarkt an der Kasse und im Laufe des Jahres ging es uns wieder besser.“
Lieselotte drehte die Flamme etwas kleiner, denn schließlich sollte der Glühwein nicht kochen.
Das ist doch schön und freut mich,“ meinte sie freundlich.
Ja, aber weißt du, schon lange wollte ich dir das Geld zurück geben, aber es kam halt immer etwas dazwischen.“
Sie kramt in ihrer Schürze und zog ein Kuvert heraus und reichte es Lieselotte.
Diese sah hinein und stammelt. „500 Euro!“
Nicole lächelte strahlend.
Sind Zinsen dabei!“
Mit Tränen in den Augen umarmte Lieselotte die junge Frau.
Ausgerechnet heute, du weißt gar nicht, wie sehr ich es gebrauchen kann.“
Und sie vertraute Nicole ihren Kummer an.
Aber wie kam es, dass du mir gerade jetzt das Geld zurück gibst?“
Tja, das war ganz seltsam. Ich hatte die ganze Nacht einen unruhigen Schlaf und immer wieder kam mir dein Name in den Sinn und die 400 Euro, die du mir letztes Weihnachten gegeben hast. Und so bin ich heute auf dem Weg hierher schnell noch auf die Bank, um das Geld zu holen.
Ich glaube, der liebe Gott hat dein Schimpfen Ernst genommen.“
Die beiden Frauen brachen in herzliches Lachen aus.
Ursel und Birgit erschienen an der Tür.
He trinkt ihr den Glühwein ganz alleine!“
Es wurde noch ein wunderschöner Tag und Lieselotte fühlte sich leicht und beschwingt und sehr glücklich.
Während die anderen sich auf den Heimweg machten, huschte sie hinüber in die Kirche.
Sie kniete sich vor den Altar und dankte Gott.
Die Krippe mit dem Jesuskind war schon aufgestellt und während die Frau betete, brach sich ein Sonnenstrahl im bunten Kirchenfenster und landete genau auf dem Christkind.
Und als Lieselotte sich zum Gehen umwandte, glaubte sie das Kind lächeln zu sehen.

Auf dem Heimweg kaufte sie sich noch ein kleines Festmahl für die Feiertage und leistete sich sogar eine gute Flasche Wein.
Und ihr erstes Weihnachtsfest in Freiheit wurde das Schönste und Glücklichste, das sie je erlebt hatte.
Im neuen Jahr sollte ihr Glücksstern weiter über ihr leuchten.
Als ihre Tochter sich nach den Feiertagen bei ihr meldete, erzählte ihr Lieselotte alles und diese wurde so wütend, dass sie sich sofort mit dem Vater in Verbindung setzte und ihm die Hölle heiß machte.
Sie drohte, nie wieder ein Wort mit ihm zu sprechen, wenn er nicht endlich der Mutter den Unterhalt zahlen würde.
Das half!
Ihr Noch- Ehemann überwies ihr den ausstehenden Unterhalt, der die Schulden auf der Bank tilgte und leistete dann regelmäßige
Zahlungen.
Lieselotte konnte jetzt, wenn zwar bescheiden, jedoch sorgenfrei der Zukunft entgegen sehen.



© Lore Platz


Ich hoffe die Geschichte hat euch gefallen. 
Morgen beginne ich mit meinem Adventskalender und hoffe ich kann euch ein wenig in Weihnachtstimmung bringen .

Donnerstag, 29. November 2018

Das Weihnachtswunder Teil 3

 
Foto meiner Tochter

Auch an Silvester hörte sie weder von ihrem Mann noch von den Kindern etwas.
Erst am Neujahrsabend rief ihre Tochter an und wünschte ihr ein frohes neues Jahr, auch dass Papa ihr ein frohes Neujahr wünsche.
Langsam legte Lieselotte den Telefonhörer auf.
Ihr Mann war nicht einmal fähig, ihr das selbst zu sagen.
Oh, ja, Schweigen war schon immer seine Waffe, um sie klein zu kriegen.
Sie erinnerte sich an die Reise nach Griechenland.
Sie waren etwa sieben Jahre verheiratet und die beiden Kinder noch klein.
Da sah sie in einem Geschäft ein schönes rotes Kleid und beschloss spontan es für den Urlaub zu kaufen und als sie es anprobierte meinte die Verkäuferin:
Sie sehen aus wie Schneewittchen, mit ihren langen schwarzen Haaren!“
Sie freute sich und präsentierte es stolz ihrem Mann, für den sie schließlich schön sein wollte.
Da war er total ausgerastet und brüllte:
Wie sie nur so sinnlos Geld verprassen konnte!“
Beinahe wäre der Urlaub geplatzt, wenn er nicht schon gebucht hätte.
Doch die ganzen drei Wochen in Griechenland hatte er kein einziges Wort mit ihr gesprochen.
Damals schon hatte sie an Scheidung gedacht, doch die Kinder waren noch klein und hingen sehr an ihrem Vater.
Und sie wollt nicht, dass sie so aufwuchsen wie sie.
Ihre Mutter hatte die Familie verlassen, da war Lieselotte erst zehn Jahre alt und musste sich dann um ihre vier kleineren Geschwister kümmern,
und von dem strengen verschlossenem Vater bekam sie keine Hilfe.

Aber jetzt, warum nicht?
 
Die Kinder waren groß und hatten bereits ihre eigenen Familien und sollte man das neue Jahr denn nicht mit guten Vorsätzen beginnen.
Gab es einen besseren Vorsatz, als eine lieblose Ehe durch ein Scheidung zu beenden?

 
Ein Jahr war vergangen.
Man schrieb den 22. Dezember.
Lieselotte verließ die Bank.
Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie an das Gespräch mit dem Filialleiter dachte.
Die Bank weigerte sich ihr Geld zu geben, da der Überziehungskredit überschritten war und bevor sie nicht diesen Kredit ausglich würde sie kein Geld mehr bekommen.
Sie verfluchte ihren Noch-Ehemann, nun hatte er sie soweit, wie er sie haben wollte.
Was war in diesem Jahr geschehen?
Lieselotte hatte ihre guten Vorsätze wahr gemacht und sich einen Anwalt gesucht und sobald sie eine Wohnung hatte, war sie ausgezogen.
Ein halbes Jahr war das nun her.
Ihr Mann hatte getobt und wollte sie nicht gehen lassen.
Er verweigerte ihr die Unterhaltszahlung und hatte sogar bei ihrer Chefin angerufen, um sie schlecht zu machen.
Da war er bei Ella aber an die Rechte gekommen!
Seine Absicht war es ,wenn sie ihre Arbeit verlor, dann käme sie reumütig zurück
gekrochen.
Wütend schüttelt Lieselotte den Kopf.
Lieber würde sie verhungern.
Die Menschen die an ihr vorbei hasteten, sahen sie verwundert an.
Lieselotte musste lächeln. Die halten mich wohl für verrückt.
Doch dann kamen ihr wieder die Tränen, aber war sie denn nicht verrückt, war ihre Freiheit dies alles wert?
Unwillkürlich straffte sie die Schultern.
Ja, das war es wert! Irgendwie würde es schon weiter gehen. Und gleich nach den Feiertagen wollte sie ihren Anwalt aufsuchen und die Klage auf Unterhalt einreichen.
Aber wovon sollte sie bis dahin leben?
Ihre Kinder waren verreist und seit der Scheidungsklage sowieso nicht gut auf sie zu sprechen.
Und Ella war schon seit zwei Wochen in Italien, da ihr Vater schwer erkrankt war.
Ein tiefer Seufzer entfuhr Lieselotte und dann bemerkte sie, dass sie schon vor ihrer Haustür stand.
Sie schloss auf und schleppte sich wie eine alte Frau die Treppen hoch.
Glücklicherweise war es warm in der Wohnung.
Sie hängte den schweren Mantel auf und zog die Stiefel aus.
Ihre ganzen Bewegungen erinnerten an einen Roboter.
Müde sank sie auf das Sofa und dann kam das ganze Elend über sie.
Sie vergrub den Kopf in dem Kissen und ließ ihren Tränen freien Lauf.
Als ihr Magen zu knurren begann, erhob sie sich schleppend und öffnete den Kühlschrank.
Gähnende Leere, nicht einmal ein Becher Joghurt war noch da.
Wieder rannen ihr die Tränen über die Wangen.
Geldbeutel leer, Kühlschrank leer, am besten sie legte sich schlafen.
Doch nein, sie wollte noch nicht aufgeben.
Hoffnungsvoll durchstöberte sie die Schränke, doch außer einigen Teebeuteln fand sie nichts.
Sie stellte Wasser auf und der heiße Tee füllte etwas ihren leeren Magen, dann kroch sie ins Bett und vergrub sich in der Decke.
Spät in der Nacht, nach einem unruhigen Schlaf, wachte sie auf.
Wieder machte sie sich einen heißen Tee und stellte sich mit der Tasse ans Fenster.
Es war ein sternenklarer Himmel, was bedeutete, dass es kalt werden würde.



Sinnend sah Lieselotte hinauf in das unendliche Universum und plötzlich überkam sie eine entsetzliche Wut und sie begann mit Gott zu hadern.
Schau mich an, was habe ich jemals Böses getan. Habe ich mich nicht um meine kleinen Geschwister gekümmert, als unsere Mutter weg gelaufen war und war doch selbst noch ein Kind. Habe ich den Kleinen zuliebe nicht die bösen Launen unseres Vaters ertragen.
Vielleicht war es ein Fehler, dass ich in eine Ehe geflüchtet bin, um von zuhause weg zu kommen. Aber ich war meinen Kindern eine gute Mutter und bin nicht weg gelaufen. Habe mein eigenes Ich zurückgestellt, um ihnen die Familie zu erhalten.
Und du ,hast du nur einmal, nur ein einziges Mal etwas für mich getan.
Weißt du was? Ich habe es satt. Wenn du mich diesmal wieder im Stich lässt, dann kündige ich dir die Freundschaft!“
Sie stellte die Tasse auf der Fensterbank ab und kroch zurück ins Bett.
Als wäre durch das Hadern mit Gott eine Last von ihrer Schulter genommen schlief sie tief und traumlos.


Morgen geht es weiter

Mittwoch, 28. November 2018

Weihnachtswunder Teil 2


 
bonmomo


Sie wendet sich wieder der Schachtel mit den schimmernden Christbaumkugeln zu und wählt dann eine lila Kugel aus und befestigt sie an einem Zweig, der etwas höher liegt.
Sie muss sich auf die Zehenspitzen stellen, um ihn zu erreichen.
Lieselotte hat ein Büschel silbernes Lametta in der Hand und beginnt sie einzeln auf den Zweigen zu verteilen, dabei hängt sie ihren Gedanken nach.
Sie kennt Nicole schon längere Zeit.
Eine liebenswerte freundlich Frau und ihre beiden Kinder, der fünfjährige Armin und die achtjährige Jule sind zwei gut erzogene liebe Kinder.
Auch den Mann hatte sie einmal bei einer Feier gesehen und sich gefreut, wie liebevoll er mit den Kindern und seiner Frau umgegangen ist und nun dieses Unglück.


Wenn man noch so unglücklich war, wie sie in ihrer Ehe, so traf man doch immer wieder auf Menschen, denen es noch schlechter ging.
Hatte sie doch eine warme hübsche Wohnung, einen gefüllten Kühlschrank und es ging ihr finanziell gut, dafür sorgte ihr Mann, der einen guten Job hatte.
Und ihre schönen eleganten Kleider, finanzierte sie mit ihrem Nebenjob und Liebe, die konnte man sowieso nicht kaufen.
Hier nun waren vier Menschen, die sich liebten und zusammen hielten und ihnen fehlte das Geld für ein schönes behagliches Weihnachtsfest.
Kauf dir was schönes,“ hörte sie Ellas Stimme und gab es etwas Schöneres, als Menschen, die es verdienten, glücklich zu machen?
Lieselotte lächelte und ein glückliches Gefühle durchströmte sie, denn sie wusste nun, was sie tun würde.
Leise vor sich hin summend schmückte sie weiter die riesige Tanne.
Nach einiger Zeit waren sie fertig und für die Bescherung der Waisenkinder morgen war alles bereit.
Müde aber glücklich zogen die Frauen ihre Mäntel an und verabschiedeten sich voneinander.
Nicole verließ als Erste das Gemeindehaus, denn es drängte sie nach Hause zu ihrem kranken Kind.
Lieselotte eilte ihr nach.
Nicole warte auf mich!“
Die Frau drehte sich ungeduldig um, doch da war Lieselotte auch schon bei ihr und drückte ihr das Kuvert mit dem Geld in die Hand.
Mach deinen Kinder und deinem Mann ein schönes Weihnachtsfest, „ murmelte sie, umarmte die Verdutzte und eilte beschwingt nach Hause.
Sie fühlte sich unendlich glücklich.


Am nächsten Tag im Gemeindehaus begegnete sie vier glücklich strahlenden Menschen, die sich immer wieder bei ihr bedankten.
Bis es ihr zu viel wurde und sie drohte, ihnen
die Freundschaft zu kündigen, wenn sie das Wort „Danke“ noch einmal hörte.
Es wurde ein wunderschöner Hl. Abend, wie er sein sollte, die Kinder freuten sich über die liebevoll verpackten Geschenke und überhaupt
lag über dem Ganzen die Liebe und der Frieden, den Jesus durch seine Geburt in die Welt gebracht hatte.




Dieses wunderbare Gefühl nahm Lieselotte mit nach Hause und selbst, als auf ihrem Anrufbeantworter weder von ihrem Ehemann noch von ihren Kindern eine Nachricht war, konnte dies ihre gute Laune nicht mindern.
Sie schenkte sich ein Gläschen Wein ein, legte eine schöne CD auf und ließ den Abend mit einem frohen Gefühl und schönen Gedanken ausklingen.

Morgen geht es weiter

Dienstag, 27. November 2018

Das Weihnachtswunder Teil 1

Diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, die einzige dichterische Freiheit ist, dass sie sich im Sommer abspielte und ich sie in die Weihnachtszeit verlegt habe.
Viel Spaß beim Lesen und hört nie auf an Wunder zu glauben.

 



                          bonmomo



Das Weihnachtswunder


Endlich schloss sich mit einem Klingeln die Tür hinter dem letzten Kunden.
Heute am Tag vor Weihnachten war der Trubel besonders groß.
Gerade die Männer , die ja immer kurz vor Hl. Abend etwas besorgen, wollten ein schönes Schmuckstück für ihre Frauen kaufen.
Aufatmend begann Lieselotte die einzelnen verstreuten Tabletts mit den herrlichen glitzernden Kostbarkeiten in die Vitrine zu räumen, dann ging sie an die Auslage, um mit gekonnter Hand die weihnachtlichen Dekorationen wieder zurecht zu rücken.
Sie trat einen Schritt zurück, um ihr Werk zu betrachten.
Obwohl sie nicht gelernte Dekorateurin war, waren ihre Schaufenster wunderschön und oft blieben die Leute draußen stehen, um die schönen Schmuckstücke, die in stilvoller, nicht zu auffälliger Art präsentiert wurden, zu bewundern.
Ella, ihre Chefin, erzählte ihr immer, wie begeistert sich die Kunden über die Schaufensterdekorationen geäußert hätten.
Lieselotte, die schon seit Jahren als 400Euro Kraft hier arbeitete und ein freundschaftliches Verhältnis zu ihrer Chefin hatte, lächelte bei dem Gedanken daran.
Gerne arbeitete sie hier, konnte sie doch für ein paar Stunden dem lieblosen, kalten Zuhause entfliehen.
Auch konnte sie sich etwas eigenes Taschengeld verdienen, denn ihr geiziger Mann hielt sein Geld eisern unter Verschluss.
Nur das Nötigste rückte er heraus, wenn es um sie ging.
Den beiden Kindern gegenüber war er stets großzügig.
Ella kam aus dem Hinterzimmer.
Mach Schluss für heute. Ich habe uns einen Tee gekocht.“
Bald saßen die beiden Frauen an dem kleinen Tischchen und plauderten, während sie die von Lieselotte gebackenen Plätzchen knabberten.
Ella würde morgen wie jedes Jahr mit ihrer Familie nach Italien zu ihren Eltern fahren.
Taktvoll fragte sie, wie Lieselotte den morgigen Tag verbringen würde, denn sie wusste, dass deren Mann heute auf Kur gefahren war und erst im nächstes Jahr wieder kommen würde.
Lieselotte zuckte die Schultern, da ihre Kinder mit ihren Familien auch weg gefahren waren, würde sie den Abend wohl allein verbringen.
Als sich die beiden Frauen verabschiedeten, drückte Ella ihr ein Kuvert in die Hand.
Kauf dir was schönes und mach es dir gemütlich,“ murmelte sie und umarmte Lieselotte.
Erst als die gutaussehende Mitvierzigern den Laden verlassen hat, warf sie einen Blick in das Kuvert.
400 Euro, ein ganzer Monatslohn, was für ein Geschenk!
Sie drehte sich um und sah Ella, die ihr grinsend winkte und dann fielen die Jalousien im Laden herunter.
Es hatte zu schneien begonnen und Lieselotte stellte den Kragen ihres Mantels auf, dann ging sie in Richtung ihrer Pfarrgemeinde, bei der sie ehrenamtlich mithalf.
Viele bewundernde Blicke folgten der gepflegten Frau, doch sie bemerkte sie gar nicht.
Ihre Gedanken waren bei ihrer Familie.
Ihr Mann war auf Kur gefahren ohne sich von ihr zu verabschieden.
Ihre Kinder waren mit ihren Familien in wärmere Länder gereist und vor ihr lag ein einsames Weihnachtsfest.
Aber das störte sie nicht!
Einsamkeit hatte sie in ihrer lieblosen Ehe genügend kennen gelernt.
Deshalb war sie auch ehrenamtlich in der Pfarrgemeinde tätig.
Sie schmückten bei besonderen Anlässen die Kirchen, bastelten gemeinsam und betreuten die Kinder während der Predigt.
Auch teilten sie Suppen und Kleider an Obdachlose aus.
Es war eine schöne Aufgabe, die sie von ihren Sorgen ablenkte und sie tat gerne etwas Gutes.
Vor sich sah sie schon die Kirche und daneben das erleuchtete Gemeindehaus.

                            bonmomo


Als sie eintrat wurde sie fröhlich begrüßt.
Weihnachtslieder ertönten aus einem CD-Player
in der Ecke.
Ursel eine fröhliche mollige Frau stand auf der Leiter und brachte eine Girlande an.
Am Fuß der Leiter stand Birgit und dirigierte mit laut tönender Stimme:
Mehr nach rechts, halt, halt mehr nach links!“
Schnell entledigte sich Lieselotte ihres Mantels und trat zu dem Weihnachtsbaum und bald hängte auch sie Kugeln und Lametta auf.
Dabei schwatzte sie glücklich mit Ria und Betty.
Die Tür ging auf und ein Schwall kalter Luft, begleitet von Schneeflocken drang ins Zimmer.
Entschuldigt meine Verspätung, aber meine Kleine hat Husten, „ meinte Nicole und schüttelte den Schnee aus ihrem Kopftuch.
Du hättest doch zu Hause bleiben können,“ rief Ursel von der Leiter herunter, doch Nicole schüttelte den Kopf.
Schließlich dürfen meine Kinder morgen hier bei der Bescherung dabei sein. Deshalb ist es Ehrensache, wenn ich bei den Vorbereitungen helfe.“
Betty beugt sich vertraulich zu Lieselotte.
Wird ein trauriges Weihnachtsfest bei den Stegners dieses Jahr. Ihr Mann ist schon längere Zeit arbeitslos, die kleine Jule hat einen bösen Husten und der kleine Armin kann nicht in den Kindergarten, weil das Geld knapp ist.
Geld für einen Weihnachtsbaum und gar für Geschenke ist keines das.
Und auch das Essen wird wohl mager ausfallen.
Sie kommen Morgen auch zur Bescherung.
Es ist schon traurig, wie schnell man in die Armutsgrenze fällt.“

Morgen geht es weiter

Montag, 26. November 2018

Wie Ingelore Weihnachten fand Ende

Am Ende findet Ingelore Weihnachten.
Nicht alles in dieser Geschichte ist erfunden, einiges beruht auf den Kindheitserinnerungen einer sehr guten Freundin, die mir erlaubt hat daraus eine Geschichte zu schreiben.

 
bonmomo


Pünktlich um sieben Uhr stehen Marga und ihre Enkelin vor der Villa Naumann. Beide hatten sich fein gemacht.
Ingelore staunt über ihre Oma, die so anders auf einmal ist. Sie lacht und scherzt mit Frau Naumann. Verschwunden ist der strenge mürrische Blick und sie sieht auf einmal jünger und schöner aus.
Der Basar wird ein voller Erfolg. Die Leute scharren sich um ihren Tisch und viele bewundernde Laute ertönen, als sie die hübschen kleinen Krippen und die herrlichen Sterne sehen. Es sind viele Menschen auch aus den Nachbardörfern da und der Stand ist schon halb leer, als Ingelore ihre Oma und Frau Naumann, die Arm in Arm über den Platz schlendern, bemerkt.
Staunend betrachtet Marga die kleinen Krippen. Sie hebt eines der zarten Gebilde hoch und ruft überrascht, „aber da ist ja unsere Minka!“
Ingelore lächelt und freut sich, dass die Oma dies gleich erkannt hat.
Marga stellt die Krippe vorsichtig auf den Tisch und sieht ihre Enkelin stolz und voller Bewunderung an.
Das hast du wunderschön gemacht. Du bist eine richtige Künstlerin.“
Ingelore läuft um den Tisch herum und fällt ihrer Oma um den Hals. Nach kurzem Zögern drückt diese sie fest an sich.
Hallo, wird man hier nicht bedient!“ ruft ein älterer Mann etwas ungeduldig.
Sofort!“
Marga und Christiane sehen noch eine Weile amüsiert zu, wie Ingelore mit dem Mann um den Preis feilscht, dann schlendern sie weiter, um auch die andern Tische zu betrachten.
Ingelore aber legt die Krippe, auf der Minka zu sehen ist, beiseite. Die sollte die Oma zu Weihnachten bekommen.
Andrea hatte ein längeres Gespräch mit Pfarrer Gietl und kommt nun wieder aus der Kirche.
Um ein Uhr war der Tisch leer. Alles war verkauft
und sie hatten beträchtliche Einnahmen, die für einen guten Zweck bestimmt waren.
Andrea zählte das Geld und liefert es dem Pfarrer ab, dieser kommt heraus und reicht Ingelore die Hand.
Das hast du wirklich gut gemacht. Ich danke dir.“
Das Mädchen errötet vor Freude und macht einen Knicks.
Fräulein Naumann hatte recht, der neue Pfarrer war nicht wie Pfarrer Broderick.
In der Villa Naumann führt Andrea das Mädchen ins Arbeitszimmer.
Hier, ich habe noch weihnachtliches Geschenkpapier, damit kannst du die Krippe für deine Oma einpacken.“
Sie hilft ihr dabei und mit den Sternen, die Ingelore auch zurückbehalten hat, wird das Päckchen geschmückt.
Wie zwei Verschwörer betrachten sie ihr Werk.
Du kannst es ja gleich hier lassen, da ihr sowieso den Heiligen Abend bei uns verbringt.“
Dann gehen sie ins Esszimmer, wo Gretchen bereits aufträgt.
Die vier feiern einen wunderschönen Advent zusammen und als Ingelore glücklich in ihrem Bett liegt, erzählt sie Minka, die geduldig mit geschlossenen Augen zuhört, von ihrem Glück.

 
bonmomo


Am Mittwoch war Hl. Abend.
Wie staunte Ingelore als sie im Wohnzimmer den großen bis zur Decke reichenden Christbaum sah.
Andrea setzt sich ans Klavier und sie singen Weihnachtlieder und in Ingelores Magen kribbelt es ganz komisch vor Freude und Glück.
Nun darf das Mädchen als erstes ihre Geschenke auspacken und die drei Erwachsenen beobachten sie gespannt.
Jubelnd hält Ingelore den roten Wintermantel an sich und jubelt weiter,als sie die dazu passende Mütze, Schal, Handschuhe und noch einen hübschen kleinen Muff auspackt.
Nun liegt noch ein schweres dickes Paket auf dem Tischchen und als sie das schöne bunte Papier entfernt, kommt das Geschichtenbuch zum Vorschein.
Damit du auch die anderen Geschichten noch lesen kannst.“ meint Frau Naumann lächelnd.
Das glückliche Mädchen fällt den Dreien abwechselnd um den Hals.
Nun ist Marga dran. Mutter und Tochter Naumann habe sich gegenseitig nichts geschenkt und auch ihre Gäste gebeten, es nicht zu tun.
Zuerst öffnet sie das Geschenk von Ingelore und ist gerührt, als sie die Krippe sieht, die ihr so besonders gut gefallen hat.
Sie nimmt das Mädchen am Kopf und gibt ihr einen liebevollen Kuss.
In dem anderen Paket befindet sich ein Wintermantel und die dazu passende Pelzmütze.
Sie ist ganz stumm vor Freude und hält sich die Mütze an ihre Wange.
Tränen schimmern in ihren Augen und rinnen die Wangen runter, als sie dann den großen Umschlag aufmacht,auf dem ihr Name seht und die beiden Schreiben liest.
Sie umarmt ihre Freundin Christiane.
Das eine war eine Urkunde über eine Grabstätte hier im Ort und das andere eine Bestätigung,
dass am 8. Januar um 10.15 Uhr die Urne der
Dorle Benken von der Kreisstadt P in den Ort S überführt wird.
Marga muss sich setzen und Ingelore sitzt neben ihr und legt ihren Kopf an ihre Schulter.
Die Damen Naumann betrachten die Beiden gerührt.
Vergnügt wird später gefeiert bei, Ingelore zuliebe, Kinderpunsch und Plätzchen.
In der Christmette sitzt Ingelore dann zwischen ihrer Oma und den Damen Naumann.
Nun weiß sie,was das Fest Weihnachten bedeutet.
Es hat mit Liebe zu tun, mit viel Liebe, die man geschenkt bekommt und weiter verschenkt.
Ihr Blick streift Andrea, die sie heute gefragt hat, ob sie sich im Januar taufen lassen will.
Und Andrea wird ihre Taufpatin.
Ingelore lächelt.
Eine Taufpatin war ja auch so etwas ähnliches wie eine Mutter.
Und als sie alle aufstanden und das herrliche Lied:
Stille Nacht, Heilige Nacht... sangen, da sieht Ingelore nach vorne zu dem Jesuskind in der Krippe und ihr Lippen formen: „Danke!“


(c) Lore Platz



Sonntag, 25. November 2018

Wie Ingelore Weihnachten fand Teil 9

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag und viel Spaß beim Lesen.

 
bonmomo

Kurz vor dem 4. Adventssonntag und auch am letzten ihrer Basteltage, sitzt Frau Naumann wieder in ihrem gemütlichen Sessel mit der Brille auf der Nase und dem Buch auf dem Schoß.


Der Stern von Bethlehem


Seit Tagen schon herrscht Aufregung im Himmel, die Engel schwirren umher, der Erzengel Gabriel ist noch strenger und alles war irgendwie anders als sonst.
Mauritzius ein kleiner Engel kauert auf einer Wolke, den Kopf in die Hand gestützt und grübelt darüber nach, was er gehört hat.
Gottes Sohn sollte als Seele in einen kleinen Jungen schlüpfen, den eine Maria einem Josef gebar.
Es hieß, er wolle die Menschen retten.
Mauritzius schüttelt sich bei dem Gedanken, dass der liebenswürdige und nette Sohn Gottes mitten unter diesen Menschen in Zukunft leben sollte.
Und warum müssen diese dummen Geschöpfe überhaupt gerettet werden.
Er, Mauritzius beobachtet sie öfter durch ein Loch in der Wolke und was er sah gefiel ihm gar nicht. Sie stritten, schlugen sich, betrogen sich und waren alles andere als nett zueinander. Dann führten sie wieder Kriege, um anderen ihr Land zu nehmen.
Man musste wohl so gut wie Gott sein, um sie trotzdem zu lieben.
Er, Maurtzius mochte die Menschen überhaupt nicht und bedauerte den lieben Sohn Gottes.
Gisbert sein Freund setzt sich neben ihn.
Weißt du, dass seit Tagen ein Stern im großen Zimmer eingeschlossen ist.
Er soll den Weisen aus dem Morgenland den Weg zeigen und damit er nicht zu früh los fliegt, hat Gabriel ihn eingesperrt.“
Mauritzius zuckt die Schultern, er hat davon gehört und auch beobachtet wie die Engel sich um das Schlüsselloch scharrten, um einen Blick auf den wunderschönen Stern zu erhaschen.
Ihn interessiert dies nicht, denn er war viel zu traurig über die ganze Sache.
Gisbert zupfte ihn an der Schulter.
Komm Gabriel hat den Schlüssel stecken lassen, wir wollen uns den Stern betrachten.
Lustlos folgt Maurtzius seinem Freund.
Es steckt tatsächlich der Schlüssel in der Tür.
Pass auf, dass niemand kommt,“ flüstert Gisbert, dann dreht er den Schlüssel herum und öffnet vorsichtig die Tür.
Etwas stemmt sich dagegen, der Engel purzelt auf den Boden und der Stern schwebt an ihnen vorbei.
Mit offenem Mund starren die zwei Engel dem Stern hinterher.
Hast du gesehen, wie schön er ist,“ flüstert Gisbert ehrfürchtig.
Mauritzius sieht ihn finster an. „ Ja und hast du bemerkt, dass er entwischt ist und viel zu früh auf der Erde ankommt?“
Auweia!“
Ja, auweia, steh auf, wir müssen ihn suchen, bevor er den Himmel verlässt.“
Sie laufen nun durch den Himmel dem Stern nach, dessen langen Schweif sie in der Ferne sehen können. Doch dann ist er auf einmal verschwunden.
Atemlos erreichen sie ein Loch in den Wolken und legen sich bäuchlings hin und sehen hinunter.
Weit unter ihnen schwebt der Stern der Erde entgegen.
Wir müssen ihm nach und ihn suchen.“ meint Mauritzius entschlossen.
Gisbert wird blass, doch unter dem grimmigen Blick seines Freundes nickt er wenig begeistert.
Sie gehen zusammen zum Sandmännchen.
Natürlich liegt es im Bett und schläft tief und fest.
Schließlich ist es ja die ganze Nacht unterwegs.
Mauritzius rüttelt es sanft.
Das Sandmännchen dreht sich murmelnd um und schläft weiter.
Bitte, Sandmännchen du musst uns helfen!“
Dieses öffnet die Augen und sieht die beiden Engel nicht gerade freundlich an.
Wisst ihr Bengel denn nicht, dass ich die ganz Nacht unterwegs war?“
Doch, aber der Stern von Gottes Sohn ist uns entwischt.“
Nun ist das Sandmännchen hellwach. Es grummelt in seinen Bart und sein Blick ist alles andere als freundlich.
Ich vermute, ihr habt was damit zu tun?“
Die beiden Engel nicken schuldbewusst.
Was wollt ihr dann von mir?“
Kannst du uns helfen auf die Erde zu kommen.“
Seufzend verlässt das Sandmännchen sein warmes Bett, nimmt seinen Sack und folgt den Beiden zu der Wolke.
Er nimmt seinen Sternstaub und lässt ihn durch die Wolken rieseln. Eine breite glitzernde Straße ist zu sehen und die beiden Engel rutschen jubelnd hinunter.
Das Sandmännchen sieht ihnen einen Moment nach, dann dreht es sich um und schlurft zurück in seine Kammer.
Es bemerkt nicht den Erzengel Gabriel der mit verschränkten Armen und einem Lächeln das ganze beobachtet hat.
Mauritzius und Gisbert kommen unten an und landen mitten im Wüstensand.
In der Nähe stehen einige Kamele und glotzen sie dumm an.
Die Beiden rappeln sich auf und klopfen den Sand aus ihren Engelskleidchen.
Ein großes Zelt steht nicht weit vor ihnen und sie gehen vorsichtig darauf zu.
Einer alter Mann sitzt davor,um den Kopf ein weißes Tuch geschlungen und neben sich eine Wasserpfeife.
Er winkt sie heran.
Ihr gehört wohl auch zu den Fremden, die zur Volkszählung nach Bethlehem wollen.“
Nein, wir sind E...!“
Mauritzius gibt Gisbert einen Rempler.
Ist es denn noch weit bis dorthin?“
Zu Fuß drei Tage, ein beschwerlicher Weg, besonders barfuß.“
Er blickt auf die Füße der Engel.
Habt wohl kein Geld!“
Er winkt einer jungen Frau und einem Jungen, die Wasserkrüge auf dem Kopf balancieren.
Großvater , was willst du, wir wollen die Krüge zu Großmutter bringen,“ fragt das junge Mädchen.
Der Alte zeigt auf die Engel.
Nehmt sie mit, die Großmutter soll ihnen zu Essen geben und Sandalen. Auch soll sie ihnen von der Kleidung von Sali etwas heraus suchen.“
Er wendet sich an die Engel.
So könnt ihr nicht nach Bethlehem.
Diese kurzen Röckchen sind vielleicht dort geeignet, wo ihr herkommt. Aber hier bei uns brennt die Sonne unbarmherzig vom Himmel, da braucht ihr schon die richtige Kleidung.“
Das Mädchen und der Junge nehmen die beiden Engel mit und während der Junge Sandalen und Kleidung für sie zusammen sucht, setzt ihnen die alte Frau Fladen und Fisch vor.
Sie schöpft mit einer Kelle Wasser aus einem Krug und lässt sie davon trinken.
Nachdem sie sich dann angezogen haben, reicht ihnen die Frau einen großen Wasserschlauch.
Gute Reise!“ wünscht sie.
Die beiden bedanken sich und als sie am Zelt vorbeikommen, winkt der Alte sie zu sich.
Hier diesen Esel schenke ich euch. Er ist kräftig genug, euch beide zu tragen.“
Jetzt sehen sie Sali, der grinsend einen Esel hinter sich herzieht.
Die Engel steigen auf und der Alte, seine Frau und
ihre Enkelkinder winken ihnen nach und rufen:
Gute Reise.“
Als sie eine Weile auf dem Esel geritten sind, meinte Gisbert:
Diese Menschen waren sehr nett.“
Mauritzius schweigt.
Der Weg führte sie durch die endlose Wüste und sengende Hitze. Nur kurz halten sie an, trinken aus dem Wasserschlauch, gießen etwas in die hohlen Hände und geben dem Esel auch zu trinken.
Als die Sonne wie ein blutroter Ball untergeht, finden sie eine Höhle in der sie schlafen können.
Am nächsten Tag kommen sie in einen Ort.
Am Eingang steht eine kleine Lehmhütte und eine alte Frau tritt gerade heraus.
Sie beschattet die Augen mit der Hand und grüßt.
Salem, seid ihr auch unterwegs nach Bethlehem zur Volkszählung?“
Die beiden Engel bejahen.
Mitleidig sieht sie ihre verstaubte Kleidung.
Ihr werdet sicher Hunger und Durst haben. Dort hinten am Brunnen könnt ihr euch waschen.“
Mauritzius und Gisbert waschen sich und betreten dann die Hütte.
Ein Mann, eine junge Frau und zwei Kinder sitzen auf dem Boden und essen aus einer Schüssel.
Die alte Frau, die sie draußen begrüßt hatte, kommt aus dem Hintergrund der Hütte, in der Hand trägt sie einige Fladen. Sie reicht sie der jungen Frau die sie verteilt.
Die alte Frau aber bricht den Fladen, den sie in der Hand hält und gibt jedem der Engel einen Teil.
Setzt euch und nehmt von dem Hirsebrei.“
Die anderen rückten ein wenig zusammen und still speisen sie, bis die große Schüssel geleert ist.
Der Mann erhebt sich und verlässt die Hütte.
Mein Schwiegersohn muss aufs Feld.“ erklärt die Frau.
Die Kinder sehen ihre Mutter an.
Dürfen wir spielen?“
Lächelnd nickt diese, dann wendet sie sich an ihre Gäste.
Ich werde euren Wasserschlauch füllen und etwas Proviant richten, für eure Weiterreise.“
Und auch sie verlässt die Lehmhütte.
Die alte Frau aber wendet sich mit freundlichem Lächeln an die beiden Engel.
Bis Sonnenuntergang werdet ihr den nächsten Ort erreicht haben.
Am Eingang steht eine ähnliche Hütte wie unsere, dort wohnt meine Schwester Sarah.
Sagt ihr, dass ihre Schwester Judith euch schickt und sie wird euch aufnehmen.“
Als sie eine Weile auf dem Esel geritten sind, meinte Gisbert begeistert.
Die Menschen sind aber nett!“
Wieder schweigt Mauritzius.
Auch bei Sarah werden sie freundlich empfangen, bekommen zu Essen und ein Nachtlager.
Am nächsten Tag reiten sie weiter.
Am Nachmittag kommen sie zu einer großen Schafherde.
Die Hirten winken sie herbei und laden sie ein an ihrem Lagerfeuer Platz zu nehmen.
Großzügig werden sie mit Milch, Käse und Fladen bewirtet.
Auf einmal wird es hell und ein Engel erscheint.
Er verkündet den Hirten, dass der Retter geboren sei und als Kind in Windeln in einem Stall in Bethlehem liegt.
Die Hirten sind erst ganz benommen, doch dann stehen sie auf, nehmen zwei Schafe und Proviant und Milch für das Kind und wandern ins nahe gelegene Bethlehem.
Maurtzius und Gisbert folgen mit dem Esel.
In Bethlehmen herrscht großes Gedränge, denn viele Fremde sind in der Stadt und die Hirten stehen etwas ratlos und wissen nicht, in welchem Stall das Kind, das der Messias sein sollte, wohl war.
Mauritzius und Gisbert aber sehen den gesuchten Stern, der über einer Steingrotte schwebt und sie führen die Hirten dorthin.
Staunend scharren sich die rauen einfachen Männer um die Krippe und andächtig sinken sie auf die Knie, denn ein großen Leuchten umgab das kleine Kind.
Der Esel aber stößt ein freudiges „Iaaah“ aus und stellt sich neben die Krippe, auf deren anderen Seite bereits ein Ochse ist.
Plötzlich ist der Erzengel Gabriel da und legt jedem der beiden Engel die Hand auf die Schulter.
Beide werden blass und sehen schuldbewusst zu dem gestrengen Erzengel empor.
Dieser aber lächelt freundlich und erklärt.
Der Stern von Bethlehem ist keineswegs zu früh auf die Erde gekommen. Gott wollte, dass ihr ihm folgt, damit du Mauritzius die Menschen kennen lernst. Denn es sind nicht alle böse und schlecht.
Es gibt viele gute Menschen und diese zu retten, ist das Opfer das Gott und sein Sohn bringen wohl wert.
Zweifle nie mehr an Gottes Weisheit, lieber Mauritzius.“
Dieser nickt errötend.
Was wird aus dem Esel?“ fragt Gisbert, der das Tier lieb gewonnen hat.
Gabriel lächelt.
Das ist der Esel, der die Heilige Familie nach Ägypten bringen wird, um sie vor König Herodes in Sicherheit zu bringen. Nun kommt.“
Und an jeder Hand einen Engel fliegt er in den Himmel.
Und wenn in Zukunft Mauritzius die Menschen durch ein Wolkenloch beobachtet, dann sieht er nicht mehr nur die Bösen, sondern er hält Ausschau nach den Guten.“

 
bonmomo


Frau Naumann lässt das Buch sinken.
Nun, das ist wohl die letzte Geschichte. Morgen ist der vierte Advent und ihr werdet eure Basteleien auf dem Weihnachtsbasar verkaufen.“
Ingelore ist etwas enttäuscht. War jetzt die schöne in der Villa Naumann vorbei?
Als hätte Andrea ihre Gedanken erahnt, meint sie lächelnd.
Kannst du morgen früh um sieben Uhr zu uns kommen, dann frühstücken wir gemeinsam und anschließend bauen wir vor der Kirche unsere Basteleien auf.
 Der Verkauf beginnt nach der zehn Uhr Messe, so ungefähr um elf .“
Ach ja, und bring die Oma mit, die kann mir dann Gesellschaft leisten.“ lacht Frau Naumann.
Eine sehr glückliche Ingelore geht heute nach Haus. 

Morgen geht es weiter