Donnerstag, 18. Juni 2015

Die Sache mit dem Glauben




Die Sache mit dem Glauben

Viele Kriege werden unter dem Vorwand des Glaubens geführt und jede Religion ist überzeugt, den einzig richtigen Glauben zu besitzen.
Mein Vater war evangelisch, meine Mutter katholisch und trotzdem haben sie geheiratet und eine über vierzig Jahre dauernde Ehe in Liebe und Treue geführt.
Wir Kinder wurden katholisch getauft.
Trotzdem kam einmal ein katholischer Pfarrer, ich war damals ungefähr zehn Jahre alt, zu meiner Mutter und warf ihr vor, dass sie in Sünde lebe.
Vielleicht hat sich ja die Kirche inzwischen ein wenig geändert, aber engstirnige Betonköpfe wird es wohl immer wieder geben.
Dabei war es unser evangelischer Vater, der besonders darauf achtete, dass wir in die Kirche gingen und begleitete uns an den hohen Feiertagen wie Ostern und Weihnachten in die katholische Kirche.
Haben nicht alle Glaubensrichtungen denselben Ursprung und sich nur ihrer Kultur gemäß auseinander entwickelt?
Man besitzt doch den Glauben in den man hineingeboren wurde.
Und die höllische Verdammnis, Furcht einflößend, ist in jedem Glauben vorhanden.
Ein türkisches Mädchen, dem ich schon jahrelang Nachhilfe gab und die mich sehr gern hatte, kam
eines Tages nach dem Islam-Unterricht zu mir und
betrachtete mich sehr besorgt.
Als ich sie fragte, was denn los wäre, meinte sie:
Im Islam heißt es, dass die Andersgläubigen in die Hölle kämen.“
Ich musste mir ein Grinsen verkneifen.
Weißt du,“ sagte ich dann, „ dasselbe erklärt auch unser Glauben und sieh uns beide mal an, du bist ein guter Mensch und ich bin ein guter Mensch.
Glaubst du wirklich, dass einer von uns in die Hölle kommt?“
Übrigens hatte meine Tochter einmal eine äußerst hitzige Diskussion mit ihrem Religionslehrer, der ihnen die Aufgabe stellte; sie sollten begründen warum Ghandi, der doch ein guter Mensch war, trotzdem in die Hölle kam.
Warum ich heute darüber schreibe?
Am Samstag wurde in unserer Kreisstadt P. eine Moschee eingeweiht und im Vorfeld gab es im Internet schon große Aufregung darüber und die beiden Bürgermeister erhielten von mehreren Seiten Morddrohungen auch wurde eine Protestdemonstration angekündigt.
Wohlgemerkt von Menschen im Internet und per Mail, nicht von der Bevölkerung hier.
Einer schrieb:
Es ist eine Schande, dass sich jetzt auch in der Provinz schon der Islam ausbreitet, aber zum Glück gibt es da ja auch genügend Laternenpfähle, an denen man den Bürgermeister aufknüpfen kann.“
Ich ließ mir dann von einer meiner ehemaligen Nachhilfeschülerin schildern wie die Einweihung war.
Viele Polizisten waren da und die nicht sehr große Anzahl der Demonstranten erreichte nicht einmal den Ortskern.
Beide Bürgermeister und der Landrat hielten eine Rede und betonten, dass die Muslimische Bevölkerung schon lange zu ihnen gehöre.
Auch der katholische und evangelische Pfarrer waren anwesend.
Aber was das schönste war, sämtliche deutschen Einwohner trugen ein T-Shirt mit der Aufschrift:
P… ist bunt.
Es wäre doch alles so einfach und mit ein wenig gutem Willen können auch verschiedene Kulturen friedlich neben einander oder noch besser miteinander leben.
Aber das wird wohl nie geschehen:
Denn wir schicken Jumbojets, die hunderte von Menschen transportieren können in die Luft, ohne dass sie herunter fallen.
Wir schicken Raketen auf den Mond und Satelliten ins Weltall die uns Nachrichten aus aller Welt übermitteln können.
Wir erfinden die kleinste und feinste High Tec , die Wunder vollbringen kann.
Aber eines werden wir niemals schaffen:
Die Dummheit der Menschen auszurotten


Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Albert Einstein (1879 – 1955 )

Dann wünsche ich euch ein schönes Wochenende und denkt daran:
Jeder kann mit seinem Leben dazu beitragen, die Welt ein wenig schöner zu machen.

Kommentare:

  1. Da hast du eine wirklich flammende Rede gehalten und ich stimme dir zu. ABER hoffen können wir doch, Lore, dass die Menschen einsichtiger werden und die Dummen irgendwann aussterben. Wäre es nicht einfach nur schön, wenn wir alle friedlich miteinander leben könnten. Meine Güte, keine Kriege mehr auf der Welt, das wäre doch schon was. Und wenn wir dann alle einmal an einem Strang ziehen würden, könnten wir uns gemeinsam den Hungersnöten und Katastrophen widmen. Mensch, dass wäre wie im Paradies - aber das wird wohl noch dauern! LG Martina

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    1. Mensch, schon wieder vergessen: Der neue grüne Hintergrund gefällt mir super! Passt toll in die Jahreszeit!!! So, jetzt hab ichs wohl! Lach!

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  2. Liebe Lore,
    Einstein war schon ein kluger Mensch und schöne treffende Sprüche hat er auch gesagt.
    Meine Mutter war evangelisch und mein Vater katholisch. Als die beiden heiraten wollten, musste meine Mutter zum katholischen Glauben konvertieren. So wurde auch ich ab meiner Geburt katholisch erzogen. Als Peter und ich heiraten wollten, hatten wir ein ähnliches Problem, denn er ist evangelisch. Somit musste ich, die weiterhin katholisch sein wollte, beim Bischof Dispens beantragen. So konnten wir heiraten und jeder seine eigene Konfession behalten. Unser Sohn Timo wurde dann katholisch getauft. Für uns ist es ein Glaube, egal welche Konfession.
    Die verschiedenen Religionen und Konfessionen sollten wir akzeptieren und friedlich miteinander leben, denn der Friede unter den Menschen und Völkern der Welt ist das Wichtigste.
    LG
    Astrid

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  3. In Glaubenskriegen geht es meines Erachtens nicht um den Glauben, sondern um Macht und Besitzansprüche einzelner. Als Aufhänger um Anhänger dafür zu gewinnen, macht sich der Glaube/Religion immer gut. Und solange es Machtgehabe gibt, wird es im kleinen immer Zwist und Streit und im großen auch Kriege geben.

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  4. Mein Mann ist katholisch und ich bin evangelisch. Wir wurden ökumenisch getraut. Da wir in einer katholischen Gegend wohnen, bin ich als Chormitglied auch oft in der katholischen Kirche und der Chor singt während einer Andacht oder am Volkstrauertag. Das ist für mich und auch für die anderen Chormitglieder überhaupt kein Problem. Allerdings gibt es immer wieder dumme Menschen, die Leute, die anders sind oder einen anderen Glauben haben, nicht akzeptieren.
    LG Elke

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  5. Die verschiedenen Religionen missbrauchen oft den Glauben als Zweck,
    um an Macht und Reichtum zu gelangen.
    Der Glaube an Gottes Liebe ist nicht abhängig von einer bestimmten Religion oder Konfession,
    denn er lebt im Herzen eines jeden Gläubigen, egal wo auf der Welt und wie man Gott dort nennt.

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.