Dienstag, 24. Dezember 2013

Adventskalender 24. Türchen

Der Stern von Bethlehem oder wie Felix die Menschen kennen lernt


Felix und Gisbert kommen unten an und landen mitten im Wüstensand.
In der Nähe stehen einige Kamele und glotzen sie dumm an.
Die Beiden rappeln sich auf und klopfen den Sand aus ihren Engelskleidchen.
Ein großes Zelt steht nicht weit vor ihnen und sie
gehen vorsichtig darauf zu.
Einer alter Mann sitzt davor,um den Kopf ein weißes Tuch geschlungen und neben sich eine Wasserpfeife.
Er winkt sie heran.
Ihr gehört wohl auch zu den Fremden, die zur Volkszählung nach Bethlehem wollen.“
Nein, wir sind E...!“
Felix gibt Gisbert einen Rempler.
Ist es denn noch weit bis dorthin?“
Zu Fuß drei Tage, ein beschwerlicher Weg, besonders barfuß.“
Er blickt auf die Füße der Engel.
Habt wohl kein Geld!“
Er winkt einer jungen Frau und einem Jungen, die Wasserkrüge auf dem Kopf balancieren.
Großvater , was willst du, wir wollen die Krüge zu Großmutter bringen,“ fragt das junge Mädchen.
Der Alte zeigt auf die Engel.
Nehmt sie mit, die Großmutter soll ihnen zu Essen geben und Sandalen. Auch soll sie ihnen von der Kleidung von Sali etwas heraus suchen.“
Er wendet sich an die Engel.
So könnt ihr nicht nach Bethlehem.
Diese kurzen Röckchen sind vielleicht dort geeignet, wo ihr herkommt. Aber hier bei uns
brennt die Sonne unbarmherzig vom Himmel, da
braucht ihr schon die richtige Kleidung.“
Das Mädchen und der Junge nehmen die beiden Engel mit und während der Junge Sandalen und Kleidung für sie zusammen sucht, setzt ihnen die alte Frau Fladen und Fisch vor.
Sie schöpft mit einer Kelle Wasser aus einem Krug und lässt sie davon trinken.
Nachdem sie sich dann angezogen haben, reicht ihnen die Frau einen großen Wasserschlauch.
Gute Reise!“ wünscht sie.
Die beiden bedanken sich und als sie am Zelt vorbeikommen, winkt der Alte sie zu sich.
Hier diesen Esel schenke ich euch. Er ist kräftig genug, euch beide zu tragen.“
Jetzt sehen sie Sali, der grinsend einen Esel hinter sich herzieht.
Die Engel steigen auf und der Alte, seine Frau und
ihre Enkelkinder winken ihnen nach und rufen:
Gute Reise.“
Als sie eine Weile auf dem Esel geritten sind, meinte Gisbert:
Diese Menschen waren sehr nett.“
Felix schweigt.
Der Weg führte sie durch die endlose Wüste und sengende Hitze. Nur kurz halten sie an, trinken aus dem Wasserschlauch, gießen etwas in die hohlen Hände und geben dem Esel auch zu trinken.
Als die Sonne wie ein blutroter Ball untergeht, finden sie eine Höhle in der sie schlafen können.
Am nächsten Tag kommen sie in einen Ort.
Am Eingang steht eine kleine Lehmhütte und eine alte Frau tritt gerade heraus.
Sie beschattet die Augen mit der Hand und grüßt.
Salem, seid ihr auch unterwegs nach Bethlehem zur Volkszählung?“
Die beiden Engel bejahen.
Mitleidig sieht sie ihre verstaubte Kleidung.
Ihr werdet sicher Hunger und Durst haben.
Dort hinten am Brunnen könnt ihr euch waschen.“
Felix und Gisbert waschen sich und betreten dann die Hütte.
Ein Mann, eine junge Frau und zwei Kinder sitzen auf dem Boden und essen aus einer Schüssel.
Die alte Frau, die sie draußen begrüßt hatte, kommt aus dem Hintergrund der Hütte, in der Hand trägt sie einige Fladen. Sie reicht sie der jungen Frau die sie verteilt.
Die alte Frau aber bricht den Fladen, den sie in der Hand hält und gibt jedem der Engel einen Teil.
Setzt euch und nehmt von dem Hirsebrei.“
Die anderen rückten ein wenig zusammen und still speisen sie, bis die große Schüssel geleert ist.
Der Mann erhebt sich und verlässt die Hütte.
Mein Schwiegersohn muss aufs Feld.“ erklärt die Frau.
Die Kinder sehen ihre Mutter an.
Dürfen wir spielen?“
Lächelnd nickt diese, dann wendet sie sich an ihre Gäste.
Ich werde euren Wasserschlauch füllen und etwas Proviant richten, für eure Weiterreise.“
Und auch sie verlässt die Lehmhütte.
Die alte Frau aber wendet sich mit freundlichem Lächeln an die beiden Engel.
Bis Sonnenuntergang werdet ihr den nächsten Ort erreicht haben.
Am Eingang steht eine ähnliche Hütte wie unsere, dort wohnt meine Schwester Sarah.
Sagt ihr, dass ihre Schwester Judith euch schickt und sie wird euch aufnehmen.“
Als sie eine Weile auf dem Esel geritten sind, meinte Gisbert begeistert.
Die Menschen sind aber nett!“
Wieder schweigt Felix.
Auch bei Sarah werden sie freundlich empfangen, bekommen zu Essen und ein Nachtlager.
Am nächsten Tag reiten sie weiter.
Am Nachmittag kommen sie zu einer großen Schafherde.
Die Hirten winken sie herbei und laden sie ein an ihrem Lagerfeuer Platz zu nehmen.
Großzügig werden sie mit Milch, Käse und Fladen bewirtet.
Auf einmal wird es hell und ein Engel erscheint.
Er verkündet den Hirten, dass der Retter geboren sei und als Kind in Windeln in einem Stall in Bethlehem liegt.
Die Hirten sind erst ganz benommen, doch dann stehen sie auf, nehmen zwei Schafe und Proviant und Milch für das Kind und wandern ins nahe gelegene Bethlehem.
Felix und Gisbert folgen mit dem Esel.
In Bethlehem herrscht großes Gedränge, denn viele Fremde sind in der Stadt und die Hirten stehen etwas ratlos und wissen nicht, in welchem Stall das Kind, das der Messias sein sollte, wohl war.
Felix und Gisbert aber sehen den gesuchten Stern, der über einer Steingrotte schwebt und sie führen die Hirten dorthin.
Staunend scharren sich die rauen einfachen Männer um die Krippe und andächtig sinken sie auf die Knie, denn ein großen Leuchten umgab das kleine Kind.
Der Esel aber stößt ein freudiges „Iaaah“ aus und stellt sich neben die Krippe, auf deren anderen Seite bereits ein Ochse ist.
Plötzlich ist der Erzengel Gabriel da und legt jedem der beiden Engel die Hand auf die Schulter.
Beide werden blass und sehen schuldbewusst zu dem gestrengen Erzengel empor.
Dieser aber lächelt freundlich und erklärt.
Der Stern von Bethlehem ist keineswegs zu früh auf die Erde gekommen. Gott wollte, dass ihr ihm folgt, damit du Felix die Menschen kennen lernst. Denn es sind nicht alle böse und schlecht.
Es gibt viele gute Menschen und diese zu retten, ist das Opfer das Gott und sein Sohn bringen wohl wert.
Zweifle nie mehr an Gottes Weisheit, lieber Felix.“
Dieser nickt errötend.
Was wird aus dem Esel?“ fragt Gisbert, der das Tier lieb gewonnen hat.
Gabriel lächelt.
Das ist der Esel, der die Heilige Familie nach Ägypten bringen wird, um sie vor König Herodes in Sicherheit zu bringen. Nun kommt.“
Und an jeder Hand einen Engel fliegt er in den Himmel.


Nun wünsche ich allen meinen treuen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr.
Ich freu mich auf meine Tochter, die gerade im Nachtzug Berlin-München sitzt und zum Frühstück da sein wird.
In der Zeit, da sie bei mir ist, wird der Laptop verbannt und ich mache eine Schreibpause.
Also sehen wir uns wieder im nächsten Jahr!
Eure Märchenfee








Montag, 23. Dezember 2013

Adventskalender Türchen 23


Wie der Stern von Bethlehem verloren geht


Seit Tagen schon herrscht Aufregung im Himmel, die Engel schwirren umher, der Erzengel Gabriel ist noch strenger und alles war irgendwie anders als sonst.
Felix ein kleiner Engel kauert auf einer Wolke, den Kopf in die Hand gestützt und grübelt darüber nach, was er gehört hat.
Gottes Sohn sollte als Seele in einen kleinen Jungen schlüpfen, den eine Maria einem Josef gebar.
Es hieß, er wolle die Menschen retten.
Felix schüttelt sich bei dem Gedanken, dass der liebenswürdige und nette Sohn Gottes mitten unter diesen Menschen in Zukunft leben sollte.
Und warum müssen diese dummen Geschöpfe überhaupt gerettet werden.
Er, Felix beobachtet sie öfter durch ein Loch in der Wolke und was er sah gefiel ihm gar nicht. Sie stritten, schlugen sich, betrogen sich und waren alles andere als nett zueinander. Dann führten sie wieder Kriege, um anderen ihr Land zu nehmen.
Man musste wohl so gut wie Gott sein, um sie trotzdem zu lieben.
Felix aber mochte die Menschen überhaupt nicht und bedauerte den lieben Sohn Gottes.
Gisbert sein Freund setzt sich neben ihn.
Weißt du, dass seit Tagen ein Stern im großen Zimmer eingeschlossen ist.
Er soll den Weisen aus dem Morgenland den Weg zeigen und damit er nicht zu früh los fliegt, hat Gabriel ihn eingesperrt.“
Felix zuckt die Schultern, er hat davon gehört und auch beobachtet wie die Engel sich um
das Schlüsselloch scharrten, um einen Blick auf
den wunderschönen Stern zu erhaschen.
Ihn interessiert dies nicht, denn er war viel zu traurig über die ganze Sache.
Gisbert zupfte ihn an der Schulter.
Komm Gabriel hat den Schlüssel stecken lassen, wir wollen uns den Stern betrachten.
Lustlos folgt der Engel seinem Freund.
Es steckt tatsächlich der Schlüssel in der Tür.
Pass auf, dass niemand kommt,“ flüstert Gisbert, dann dreht er den Schlüssel herum und öffnet vorsichtig die Tür.
Etwas stemmt sich dagegen, der Engel purzelt auf den Boden und der Stern schwebt an ihnen vorbei.
Mit offenem Mund starren die zwei Engel dem Stern hinterher.
Hast du gesehen, wie schön er ist,“ flüstert Gisbert ehrfürchtig.
Felix blickt ihn finster an. „ Ja und hast du bemerkt, dass er entwischt ist und viel zu früh auf der Erde ankommt?“
Auweia!“
Ja, auweia, steh auf, wir müssen ihn suchen, bevor er den Himmel verlässt.“
Sie laufen nun durch den Himmel dem Stern nach, dessen langen Schweif sie in der Ferne sehen können. Doch dann ist er auf einmal verschwunden.
Atemlos erreichen sie ein Loch in den Wolken und legen sich bäuchlings hin und sehen hinunter.
Weit unter ihnen schwebt der Stern der Erde entgegen.
Wir müssen ihm nach und ihn suchen.“ meint Felix entschlossen.
Gisbert wird blass, doch unter dem grimmigen Blick seines Freundes nickt er wenig begeistert.
Sie gehen zusammen zum Sandmännchen.
Natürlich liegt es im Bett und schläft tief und fest.
Schließlich ist es ja die ganze Nacht unterwegs.
Felix rüttelt es sanft.
Das Sandmännchen dreht sich murmelnd um und schläft weiter.
Bitte, Sandmännchen du musst uns helfen!“
Dieses öffnet die Augen und sieht die beiden Engel nicht gerade freundlich an.
Wisst ihr Bengel denn nicht, dass ich die ganz Nacht unterwegs war?“
Doch, aber der Stern von Gottes Sohn ist uns entwischt.“
Nun ist das Sandmännchen hellwach. Es grummelt in seinen Bart und sein Blick ist alles andere als freundlich.
Ich vermute, ihr habt was damit zu tun?“
Die beiden Engel nicken schuldbewusst.
Was wollt ihr dann von mir?“
Kannst du uns helfen auf die Erde zu kommen.“
Seufzend verlässt das Sandmännchen sein warmes Bett, nimmt seinen Sack und folgt den Beiden zu der Wolke.
Er nimmt seinen Sternstaub und lässt ihn durch die Wolken rieseln. Eine breite glitzernde Straße ist zu sehen und die beiden Engel rutschen jubelnd hinunter.
Das Sandmännchen sieht ihnen einen Moment nach, dann dreht es sich um und schlurft zurück in seine Kammer.
Es bemerkt nicht den Erzengel Gabriel der mit verschränkten Armen und einem Lächeln das ganze beobachtet hat.

Ob die beiden den Stern wohl finden?
Das erfahrt ihr im nächsten Türchen.



Sonntag, 22. Dezember 2013

Adventstürchen 5


Die kleine Schneeflocke

Glitzerchen sieht bewundernd an sich herunter. Wie wunderschön ihr Kleidchen doch ist.
Zum ersten Mal ist sie nun eine Schneeflocke.
Vor kurzem noch lag sie mit ihren Geschwistern in einer schmutzigen Pfütze.
Doch dann kam Mutter Sonne und saugte sie alle auf.
Ach wie herrlich warm war es da, doch je höher sie stiegen umso kälter wurde es, bis es richtig schrecklich war und sie für einen Moment das Bewusstsein verlor.
Als sie wieder erwachte befand sie sich in dieser Wolke und trug ein herrlich glitzerndes weißes Kleid.
Mit spitzen Fingern hebt sie das Röckchen und dreht sich wie ein kleine Ballerina.
Fröhliches Lachen reißt sie aus ihrer Verzückung.
Kristalla, die schon oft den Kreislauf der Natur durchlebt hat und zur Schneeflocke wurde, fragt lächelnd.
Es gefällt dir wohl dein neues Kleid, das ging mir genauso beim ersten Mal, aber nun komm, das große Wolkentor wird geöffnet.“

Sie nimmt die Jüngere an der Hand und sie laufen zum Tor, an dem sich tausende von zarten weißen Flöckchen kichernd und schwatzend versammelt haben.
Frau Holle kommt aus ihrem Zimmer und klatscht in die Hände.
Ruhe meine Damen, etwas mehr ernst bitte!“
Sie drängt sich durch die kleine Schar nach vorne und winkt ungeduldig die naseweisen Flöckchen etwas zurück.
Tretet zur Seite, sonst kann ich ja das Tor nicht öffnen,“ ruft sie ärgerlich.
Langsam schwingen die beiden Flügel des schneeweißen Wolkentores auf und vor ihnen erscheint der graue Himmel.
Das lustige Gesicht des Windes taucht auf und fröhlich ruft er.
Nun denn auf zum Tanz!“
Mit einem Jubelschrei stürzen sich tausend und abertausend weiße zarte Schneeflocken in die Tiefe.
Frau Holle tritt schnell zurück, damit sie nicht mitgerissen wird.
Kristalla aber fasst Glitzerchen fest an der Hand, damit sie nicht getrennt werden.
Diese jubelt begeistert, wie schön war dieser freie Fall in die Tiefe.
Unter ihnen wird ein Wald sichtbar und Kristalla zieht ihre Freundin zu einem Baum, auf dessen Ast sie sich nieder lassen.
Viele ihrer Schwestern haben dieselbe Idee und bald sind die Bäume schneebedeckt.
Ein Eichkätzchen lugt neugierig aus seinem Kober und springt dann von Ast zu Ast und kichernd fallen die Schneeflocken, die dort geruht haben zu Boden.
Auch Kristalla und Glitzerchen sind unter ihnen.
Glitzerchen gefällt das gar nicht, von hier unten konnte man doch gar nichts sehen.
Kristalla aber winkt dem Wind.

Wir wollen in die Stadt lieber Freund.“
Zu Diensten meine Damen.“
Und er pustet in den Schneehaufen, wirbelt die vergnügten Flöckchen empor und treibt sie vor sich her in die Stadt.
Auf einem Dach lassen sie sich nieder.
Glitzerchen sitzt neben ihrer Freundin und sieht hinunter auf die beleuchteten Straßen, dann deutet sie auf den Weihnachtsbaum, der mitten auf dem Marktplatz steht.
Oh wie bunt und schön, ganz anders als die Bäume im Wald.“
Das ist ein Weihnachtbaum!“
Und Kristalla erzählt nun der aufmerksam lauschenden Glitzerchen, dass die Menschen jedes Jahr am
24. Dezember die Geburt des Herrn Jesus Christus, dem Sohn Gottes feiern.
Dass sie geschmückte Tannenbäume in ihren Zimmern aufstellen und Geschenke darunter legen.
Das Schreien von Kinderstimmen lässt sie zusammen zucken und vorsichtig lugen sie hinunter.
Eine Menge Kinder stürmt jubelnd aus dem Haus und bewirft sich mit Schneebällen.
Hier wohnen aber viele Kinder,“ staunt Glitzerchen.
Kristalla lacht. „Wir sitzen auf dem Schulhaus“ und geduldig erklärt sie , was eine Schule ist.
Ein Mädchen fängt laut zu weinen an und Glitzerchen ruft staunend:
Sieh, es kommt Wasser aus ihren Augen.“
Das sind Tränen, du weißt aber auch gar nichts,“ lacht ihre Freundin.
Na entschuldige, wenn man die erste Zeit seines Lebens in einer Wasserpfütze verbracht hat bekommt man nicht so viel von der Welt zu sehen.“ ruft Glitzerchen empört.
Eine Glocke ertönt und leise murrend verschwinden die Kinder im Schulhaus.
Komm wir wollen mal in das Klassenzimmer sehen!“


Kristalla nimmt ihre Freundin an der Hand und sie rutschen zum Fenster.
Die Kinder stürmen lärmend in den Raum und nach einigem Gerangel sitzen sie bald alle auf ihrem Platz.
Die Tür öffnet sich und ein Mann mit einer Gitarre in der Hand kommt ins Zimmer.
Die Kinder stehen auf und brüllen im Chor.
Guten Morgen Herr Berger!“
Dieser winkt ab und meint nur: „Setzt euch!
Heute studieren wir ein Lied für die Weihnachtsfeier ein.“
Und er erzählt den aufmerksam lauschenden Kindern von der schlesischen Lehrerin Hedwig Haberkern (1837 – 1902) die als „Tante Hedwig“ Erzählungen für Kinder schrieb.
Und in der „Geschichte von der Schneewolke „ kam dieses Lied vor, das sie heute einstudieren wollten.
Ein Junge teilt nun die Zettel mit dem Text aus, der Lehrer lässt einige Akkorde auf seiner Gitarre erklingen und dann singen die Kinder:

Schneeflöckchen, Weißröckchen, jetzt kommst du geschneit.
Du kommst aus den Wolken dein Weg ist so weit“

Die singen ja ein Lied über uns,“ staunt Glitzerchen.
Der Wind taucht neben ihnen auf.
Wollen die Damen weiter fliegen?“

Und bald wirbeln sie wieder durch die Luft!

© Lore Platz




Samstag, 21. Dezember 2013

Adventskalender Türchen 21



Herrn Brummi kehrt heim


Traurig sieht die kleine Grete aus dem Fenster.
Wo Herr Brummi wohl jetzt war? Es war September gewesen, als sie ihren geliebten Teddybären im Wald vergessen hatte. Schrecklich geregnet hatte es und deshalb wollte Mama nicht mehr zurück laufen. Und am nächsten Tag konnten sie Herrn Brummi nicht mehr finden.
Viele Nächte hatte Grete sich seitdem in den Schlaf geweint und es abgelehnt, als Mama ihr einen neuen Bären kaufen wollte.
Niemand konnte Herrn Brummi ersetzen.

Es ist inzwischen Ende November und es hat zu schneien begonnen.
Herr Brummi war damals von einer alten Kräuterfrau mitgenommen worden und dann zusammen mit deren Pflanzen an eine Gärtnerei verkauft worden.
Dort saß er nun vor der Tür in einem Wagen mitten zwischen allerlei Blumen. Erst freute er sich, denn er dachte vielleicht kommt ja seine Grete vorbei und entdeckt ihn und nimmt ihn wieder mit nach Haus, doch die Tage vergingen und Herr Brummi wurde immer mutloser

Eines Tages wird der Wagen wieder in die Kammer mit den Dekorationsgegenständen geschoben.
Bertl setzt Herrn Brummi auf den Tisch.
So mein Junge, jetzt kommt die Weihnachtsdekoration, da kann ich dich nicht mehr brauchen. Was mache ich nun mit dir?“
Er nimmt den Bären und geht damit in den Verkaufsraum, wo seine Chefin gerade die feine Frau Bergmann bedient.
Chefin, was machen wir mit dem Bären?“
Ach der ist doch ganz niedlich, wissen sie was, ich nehme ihn mit für meine Ludmilla. Was wollen sie dafür?“
Nichts, nehmen sie nur, wir können sowieso nichts mehr damit anfangen.“
Zuhause holt sie den Teddy aus ihrer Tasche und zeigt ihn ihrer Tochter.
Diese verzieht angewidert das Gesicht.
Der ist ja potthässlich und schmutzig ist er auch! Ich will ihn nicht!“
Sie wendet sich ab und schlägt die Tür hinter sich ins Schloss.
Frau Bergmann betrachtet den Bären skeptisch.
Da habe ich mich wohl vertan, du bist wirklich hässlich und schmutzig.“
Sie setzt ihn auf die Fensterbank und verlässt den Raum.
Einige Zeit später kommt Ludmilla in das Zimmer und sieht den Bären auf der Fensterbank sitzen.
Du bist ja immer noch hier!“
Sie öffnet das Fenster, packt Herrn Brummi und schleudert ihn weit hinaus.
Unsanft landet dieser auf dem harten Schnee und bleibt benommen liegen.
Ein Hund beschnüffelt ihn.
Woher kommst denn du plötzlich her?“
Ein Mädchen hat mich aus dem Fenster geworfen.“
Der Hund sieht hinüber zu dem Haus:
Das war bestimmt die verwöhnte Ludmilla, will immer alles haben und ist niemals zufrieden.“
Herr Brummi nickt. „ Meine Gertie war nicht so, ein liebes freundliches Mädchen ist sie.“
Komm mit in meine Hütte, dort ist es schön warm, dann kannst du mir ja erzählen, wieso du hier bist und nicht bei deiner Gertie.“
Der Hund nimmt den Bären in die Schnauze und trägt ihn in seine Hundehütte.
Herr Brummi erzählt ihm nun von seiner langen
Wanderung und seiner Sehnsucht nach zu Hause.
Inzwischen ist es dunkel geworden und es hat wieder zu schneien begonnen.
Lass uns schlafen, morgen früh fragen wir Streuner, der kennt die ganze Umgebung.“
Bevor Herr Brummi noch fragen kann wer Streuner ist, ist der Hund bereits eingeschlafen.
Der Teddy schließt auch die Augen und schläft.
Am nächsten Morgen wird er geweckt durch das Bellen des Hundes, der die Hütte verlassen hat.
Herr Brummi guckt vorsichtig hinaus und sieht wie sein neuer Freund an einem älteren Mann hoch springt, der ihn liebevoll krault.
Der Mann hat die Schüssel mit Futter gefüllt und geht zurück ins Haus, während der Hund fröhlich um ihn herum springt.
Eine getigerte große Katze schlendert zu der Futterschüssel und lässt es sich genüsslich schmecken.
Der Hund kommt zurück und Herr Brummi befürchtet, er würde die Katze angreifen, die überhaupt keine Angst zeigt.
Hallo Streuner.“
Das ist also Streuner, denkt der Bär.
Der Kater schlabbert weiter in der Schüssel, die bereits halb leer ist.
Der Hund drängt ihn zur Seite.
Das genügt, lass mir auch noch etwas.“
Achselzuckend beginnt Streuner sich zu putzen.
Nachdem der Hund die Schüssel leer geleckt hat, setzt er sich hin und fragt.
Du kommst doch weit herum, kennst du ein kleines Mädchen namens Gerti?“
Streuner hört auf sich zu putzen und schüttelt den Kopf, dabei betrachtet er Herrn Brummi, der seinen Kopf aus der Hundehütte streckt und aufmerksam lauscht.
Jetzt sieht er enttäuscht aus.
Streuner streckt sich, macht einen Buckel und gähnt herzhaft.
Lass mich in deiner Hütte schlafen, ich war die ganze Nacht unterwegs.“
Er kriecht neben Herrn Brummi in die Hütte und bald schläft er.
Komm mit, Streuner wird so schnell nicht wieder munter.Wir machen uns auf die Suche.“
Der Hund nimmt den Bären wieder ins Maul und läuft mit ihm durch viele Straßen und Gassen, doch nicht eine kommt Herrn Brummi bekannt vor.
Sie treffen auf einige Finken, die die Körner aufpicken ,die aus einem Vogelhäuschen gefallen sind.
Hallo ihr da, kennt ihr ein Mädchen mit Namen Gerti?“
Die Vögel verneinen, da ruft ein kleiner Spatz vom Ast eines Baumes herunter.
Ist sie etwa fünf Jahre alt und hat dunkelblonde Locken?“
Ja, das ist sie! Weißt du wo sie wohnt?“
Der Spatz verlässt den Baum und landet neben ihnen.
Nein.“
Herr Brummi verzieht enttäuscht das Gesicht, aber der Spatz spricht schon weiter.
Ich weiß wo ihre Oma wohnt.“
Nun ist kein Halten mehr. Der Hund nimmt den Bären wieder ins Maul und folgt dem Spatzen.
Als sie das Häuschen erreichen, erkennt Herr Brummi es wieder, wie oft war er mit seiner Gerti hier zu Besuch gewesen.
Leider ist die Gartentür geschlossen.
Doch der Hund legt die Vorderpfoten auf den Zaun und Herr Brummi klettert an ihm hoch und lässt sich auf der anderen Seite in den weichen Schnee fallen.
Glücklich verabschiedet er sich von seinem Freund,
bedankt sich auch bei dem kleinen Spatz, dann rennt er zum Haus, klettert die Stufen hinauf und setzt sich voller Erwartung vor die Tür.
Nach einiger Zeit öffnet sich diese und die Oma kommt heraus.
Nanu?“ ruft sie, als sie den Bären erblickt, „ wo kommst du den auf einmal her?“
Sie bückt sich und hebt ihn hoch.
Aber das ist ja Herr Brummi!“
Dieser hatte nämlich einmal ein aufgerissenes Ohr und die Oma hat es geflickt und an dieser Naht erkannte sie ihn.
Sie nimmt ihn mit in die Stube und setzt ihn auf die Couch. Dann zieht sie ihren Mantel aus und wirft ihn achtlos über den Stuhl.
Einkaufen konnte sie später gehen.
Nachdenklich betrachtet sie den Bären.
Das wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben, wo du bisher warst und wieso du auf einmal vor meiner Tür sitzt. Schmutzig bist du und riechen kann man dich auch meilenweit.“
Sie hebt ihn auf und nimmt ihn mit ins Bad. Im
Waschbecken badet sie den Bären in einer duftenden Lauge, hüllt ihn in ein weiches Tuch und rubbelt ihn ab.
Dann setzt sie ihn in die Nähe der Heizung, greift nach ihrem Mantel und verlässt das Haus.
Als sie wieder kommt, hat sie einige Einkaufstüten dabei. Die Lebensmittel verstaut sie in der Küche und mit der einen kleineren Tüte kommt sie ins Wohnzimmer.
Weißt du was Herr Brummi, in einigen Tagen kommt der Nikolaus zu unseren kleinen Gertie.
Ich werde dir eine hübsche Latzhose und einen Pullover stricken, dann gebe ich dich dem Nikolaus und der bringt dich zu Gertie.“
Als ihr Schwiegersohn die Oma abholt, damit sie dabei ist, wenn der Nikolaus kommt, ist Herr
Brummi gut versteckt in ihrer Tasche.
Als der Hl Mann mit seinen Begleitern, den Engeln an der Tür klingelt, nimmt die Oma die Tasche die sie bisher nicht aus der Hand gelassen hatte und öffnet dem Nikolaus die Tür.
Mit einigen erklärenden Worten übergibt sie ihm dann die geheimnisvolle Tasche.
Gerti sieht etwas ängstlich dem Hl. Nikolaus entgegen, denn so ganz rein ist ihr Gewissen nicht.
Aber als sie in das freundliche Gesicht sieht und er dann aus dem Buch vorliest, wobei sie seinen goldenen Stab halten darf, verschwindet ihre Angst.
Die Engel reichen ihr einige Süßigkeiten und Obst und der Hl Mann öffnet nun die Tasche und winkt das kleine Mädchen zu sich.
Vor einiger Zeit ist ein kleiner heimatloser Geselle zu mir gekommen, der unbedingt sein kleines Mädchen suchte, dass er verloren hatte.
Willst du ihm eine Heimat geben?“
Er zieht den hübsch gekleideten Herrn Brummi aus der Tasche und Gerti quietscht vor Freude und drückt ihren verloren geglaubten Freund fest an sich.
Abends als Gerti eingeschlafen ist, erzählt Herr Brummi ganz stolz seinem Freund dem Kasperle von seinen aufregenden Abenteuern.






Freitag, 20. Dezember 2013

Adventskalender Türchen 20


Wie`s Gritele mit dem Christkind sprach



Gritele liegt bäuchlings auf dem Boden vor sich ein Blatt weißes Papier, in der Hand einen blauen Stift.
Eigentlich heißt sie ja Brigitte, aber jeder nennt sie nur Gritele.
Jetzt scheint sie eine Idee zu haben, denn der Stift fährt eifrig über das Blatt und zaubert ein blaues Strichmännchen.
Dann setzt sie noch eine Reihe „Os“ unter die Zeichnung, denn das ist der einzige Buchstabe den sie kennt.
Zufrieden betrachtet sie ihr Werk, springt auf und läuft in die Küche.
Die Mutter strickt und der Vater liest Zeitung.
Gritele legt die Zeichnung stolz vor die Mutter und klettert auf einen Stuhl.
Wie schön, du hast mir ein Bild gemalt!“ ruft die Mutter erfreut.
Gritele schüttelt den Kopf.
Nein, das ist ein Brief an das Christkind, du musst ihn zusammen falten und auf die Fensterbank legen, damit die Englein ihn holen können. Ich wünsche mir nämlich ein Puppe zu Weihnachten.“
Die Mutter wird etwas blass und der Vater hebt den Kopf.
Das Christkind bringt keine Puppe,“ meint er barsch und Gritele sieht ihn mit großen Augen an.
Aber warum denn nicht? Ich war doch ganz brav?“
Der Vater sieht in die Augen seines Kindes und es schmerzt ihn, deshalb sagt er schroffer, als er
wollte.
Weil das Christkind nicht zu armen Leuten kommt, also schlag dir die Idee aus dem Kopf.“
Doch Gritele gibt nicht nach.
Das Christkind kommt zu allen Kinder, ob arm oder reich, denn es liebt die Kinder, so hat der Herr Pfarrer gesagt.“
Was weiß denn der schon!“ grollt der Vater und die Mutter wirft ihm einen warnenden Blick zu.
Es gibt keine Puppe und nun will ich nichts mehr davon hören!“
Gritele sieht ihn an, Tränen sammeln sich in ihren Augen und die Unterlippe bebt.
Du bist gemein, ich mag dich gar nicht mehr leiden!“
Sie springt vom Stuhl und verlässt die Küche.
Musste das sein?“ fragt die Mutter vorwurfsvoll.
Glaubst du denn, es tut mir nicht weh, dass ich dem Kind seinen Wunsch nicht erfüllen kann!“
Er springt auf und verlässt ebenfalls die Küche.
Die Mutter aber vergräbt den Kopf in beiden Händen und ihre Schultern zucken.
Seit die große Fabrik schließen musste waren die meisten hier im Viertel arbeitslos und ihr Mann konnte schwer damit fertig werden.
Energisch richtet sie sich auf und wischt sich die Tränen ab.
Dann blickt sie auf den großen Korb mit aufgetrennter Wolle.
Sie hatte zwei ihrer Pullover aufgetrennt, um für Gritele etwas zu stricken, damit wenigstens ein Päckchen unter dem alten Plastikbaum lag.
Die Wolle würde doch bestimmt noch für einen kleinen Teddybären reichen.
Und bald klappern die Stricknadeln mit dem Ticken der alten Kuckucksuhr um die Wette.
Gritele aber sitzt auf der Fensterbank und sieht den Schneeflocken zu, die im Licht er Straßenlaternen tanzen.
Auf ihren Wangen sind noch die Tränenspuren zu sehen und ihr Blick ist traurig.
Die Abendmesse ist vorbei und die Menschen strömen aus der gegenüberliegenden Kirche.
Sie bleiben auf den Stufen stehen, schlagen ihr Mantelkrägen hoch und gehen mit eingezogenen Köpfen die Straße entlang.
Und dann hat Gritele eine Idee.
In der Kirche wohnt doch das Christkind.
Sie wollte hinüberlaufen und mit dem Christkind persönlich sprechen, das war ja noch besser als ein Brief.
Im Flur schlüpft sie in Stiefel und Jacke und verlässt ganz leise die Wohnung.
Bevor sie über die Straße geht, sieht sie erst nach rechts, dann nach links, wie ihr Mama das beigebracht hat.
Die schwere Kirchentür bereitet ihr etwas Mühe, aber irgendwie schafft sie es einen kleinen Spalt zu
öffnen, durch den sie hindurch schlüpfen kann.
In der Kirche ist es still und es riecht nach abgebrannten Kerzen und Weihrauch.
Vorne am Altar ist die Hl. Familie aufgebaut und zielstrebig geht das Mädchen auf die Krippe mit dem Jesuskind zu.
Sie beugt sich hinunter und gibt dem Baby einen Kuss.
Dann steht sie da und weiß nicht wie sie beginnen soll.
Doch dann gibt sie sich einen Ruck und erzählt dem Christkind, dass es ihm einen Brief geschrieben hat, weil sie sich eine Puppe wünscht, aber Papa böse geworden ist und gesagt hat: „Das Christkind kommt nicht zu armen Leuten.“
Nicht wahr, das stimmt nicht und Papa hat nicht recht, du liebst alle Leute, auch die armen. Bei uns ist es gar nicht mehr schön zu Hause, Papa ist immer schlecht gelaunt, seit er keine Arbeit mehr hat.“
Gritele kraust die Stirn und ruft:
Ich hab`s, kannst du dem Papa nicht eine neue Arbeit schenken, damit er wieder lachen kann.
Du, du...,“ Es fällt ihr nicht leicht dies zu sagen:
Du brauchst mir auch keine Puppe bringen!“
Dann beugt sie sich über das Kind und gibt ihm einen Abschiedskuss.
Noch jemand hat die Unterhaltung belauscht.
Der Pfarrer wollte gerade aus der Sakristei treten, als er das Mädchen mit dem Jesuskind sprechen
hörte und blieb stehen, um es nicht zu stören.
Jetzt tritt er heraus.
Hallo Gritele, bist du ganz allein über die Straße gelaufen.“
Das Mädchen nickt ernsthaft.
Ich musste etwas ganz Wichtiges mit dem Christkind besprechen.“
Der Pfarrer nickt.
Das Christkind wird dir sicher helfen. Aber nun komm, ich bringe dich nach Hause.“
Frau Berger erschrickt, als der Pfarrer mit dem Gritele vor der Tür steht, sie hat noch gar nicht bemerkt, dass die Kleine weg war.
Der Pfarrer lädt sie ein, nach der Kindermette am Heiligen Abend, doch zu der Weihnachtsfeier zu kommen und Frau Berger verspricht es.
Endlich kommt der lang ersehnte Tag und voller Freude öffnet Gritele das Päckchen, das unter dem kleinen Plastikbaum liegt.
Bei der Strickmütze, dem Schal und den Handschuhen liegt auch ein putziger gestrickter Teddybär.
Frau Berger beobachtet etwas ängstlich ihre kleine Tochter, doch diese drückt voller Freude den kleinen Bären an ihr Herz.
Dachte sie doch, das Christkind hätte ihr keine Puppe gebracht, weil sie einen viel größeren Wunsch erfüllen würde. Verschmitzt blickt sie zu ihrem Vater.
Was er wohl sagen würde, wenn das Christkind ihm eine neue Arbeit schenkt.
Nach der Mette geht es hinüber ins Gemeindehaus.
Unter einem großen, bis zu Decke reichender Baum der herrlich geschmückt ist mit bunten Kugeln, Engeln, und Lametta liegen viele bunte Päckchen.
Nachdem sich alle an die großen Tische gesetzt
haben, die auch weihnachtlich dekoriert sind, tritt Pfarrer Jürgens ans Mikrofon.
Wie ihr seht war das Christkind bei uns und hat für jedes Kind ein Geschenk da gelassen.
Ich werde jetzt jeden einzelnen aufrufen und ihm sein Paket überreichen.
Es dauerte etwas bis auch Gritele aufgerufen wird. Sie bedankt sich mit einem Knicks und trägt vorsichtig das Paket an den Tisch zu ihren Eltern.
Was da wohl drin war.
Als sie das Papier entfernt lacht ihr eine Puppe entgegen.
Sie erschrickt ein wenig, würde nun Papa sein Geschenk nicht erhalten?
Sie schiebt die Puppe weg, nein sie will sie gar nicht haben.
Gefällt sie dir nicht?“ flüstert ihre Mama und Papa will schon wieder los schimpfen, von wegen undankbar, aber da klopft der Herr Pfarrer an das Mikrofon und ruft:
Bitte um eure Aufmerksamkeit!
Heute ist Weihnachten, die Zeit der Wünsche und Wunder.
Und heute hat das Christkind nicht nur die Kinder beschenkt, es hat auch an die Erwachsenen gedacht.
Die Firma Grossmann und Co hat einen Käufer gefunden und wird nächstes Jahr wieder eröffnet
und jeder erhält seinen Arbeitsplatz zurück.“
Jubel brandet auf und Gritele schmiegt sich erschrocken an ihre Mutter.
Warum brüllen die denn alle so?“
Kind dein Vater wird wieder seine Arbeit bekommen,“ jubelt die Mutter und drückt Gritele ganz fest.
Die aber beginnt zu strahlen und nun endlich nimmt sie ihre Puppe in den Arm.
Das Christkind hatte ihr beide Wünsche erfüllt.



Donnerstag, 19. Dezember 2013

Adventskalender Türchen 19




Der Geiger und das Jesuskind



Mit einem dumpfen Knall schließt sich das große Gefängnistor hinter Sebastian.
Fest umfasst seine Hand den Geigenkasten.
Mitten aus der Probe hatte man ihn damals verhaftet, denn er hatte einen Scheck seines Chefs gefälscht. Zwei Jahre war er nun im Gefängnis gewesen.
Er sieht sich um, doch niemand ist da, um ihn abzuholen.
Seine Eltern hatten ihn ein paarmal besucht und insgeheim hatte er gehofft, dass sein Vater jetzt hier wäre und ihn mit nach Hause nähme.
Leise beginnt es zu schneien und Sebastian steigt in den Bus, der ihn in die Stadt bringt.
In der Jackentasche steckt ein Zettel mit der Adresse eines Sozialarbeiters, der ihm weiter helfen sollte.
In der Stadtmitte steigt er aus.
Die Schneeflocken waren dicker geworden und die Straßen sind kaum zu sehen, trotzdem bemerkt er, dass alles weihnachtlich geschmückt ist.
Ach ja, morgen war ja der Heilige Abend.
Letztes Jahr hatte er ihn in der JVA verbracht. Sie sangen Weihnachtlieder in dem großen Gemeinschaftsraum und es gab sogar Plätzchen.
Von seinen Eltern war ein Paket gekommen.
Was sie morgen wohl machen und ob sie ihn überhaupt sehen wollen?
Auf einmal steht er vor einem Pfandleihhaus.
Sollte er die Geige versetzen? Ein paar Euro würde sie bestimmt bringen und er könnte sich eine ordentliche Mahlzeit kaufen.
Doch dann geht er entschlossen weiter.
Nein, die Geige hatte seinem Großvater gehört,lieber hungern.
Aus den dicken Schneeflocken ist inzwischen ein Schneesturm geworden.
Sebastian schlägt den Kragen seiner Jacke hoch und hastet vorwärts.
Er sieht kaum die Hand vor den Augen.
Plötzlich stößt er an eine Stufe und sieht eine Kirche vor sich.
Dort würde er Schutz finden vor dem grässlichen Wetter.
Mühsam drückt er die schwere Tür auf und schlüpft hinein.
Stille umfängt ihn.
Er setzt sich auf eine der Bänke und legt den Geigenkasten neben sich.
Es riecht nach Weihrauch und Tannen, denn ein großer Adventskranz hängt vorne am Altar von der Wand herunter. Die Dochte aller vier Kerzen sind schwarz. Am Sonntag war ja der vierte Advent gewesen.
Unter dem Adventskranz aber ist die heilige Familie aufgebaut.
Josef in seinem braunen schweren Umhang, den Blick in die Ferne gerichtet, als mache er sich Sorgen über irgendetwas.
Maria in einem blauen langen Kleid einen weißen Schleier über dem Kopf sieht voller Liebe auf ihr Kind.
Das Jesuskind aber liegt in der Krippe, die Hände weit ausgebreitet als wollte es die ganze Welt umarmen.
Auf einmal dringt ein Sonnenstrahl durch die bunte Scheibe des Kirchenfensters und Sebastian ist, als würde das Jesuskind ihn anlächeln.
Wie unter Zwang holt er seine Geige aus dem Kasten
und geht mit langsamen Schritten nach vorne.
Er hebt die Geige, stützt sie unterm Kinn ab und dann beginnt er zu spielen.
Lieblich strömen die Töne hervor und er spielt so schön, wie er noch nie gespielt hat.
Die Geige jubelt und jauchzt zu Ehren Gottes und das Jesuskind strahlt ihn freundlich an.
Sebastian wird ganz warm ums Herz und er spürt wie all sein Kummer sich löst und mit den Tönen verschwindet.
Wie aus einem Traum erwachend lässt er die Geige sinken und bemerkt in der Tür zur Sakristei einen Priester, der Tränen in den Augen hat und nun mit
schnellen Schritten auf ihn zu kommt und ihm beide Hände entgegenstreckt.
Erschrocken wendet Sebastian sich um und eilt davon.
Der Pfarrer schürzt seine schwarze Soutane und läuft ihm nach.
Junger Mann warten sie doch, sie sind die Erhörung auf meine Gebete.“
Sebastian bleibt stehen und wendet sich um.
Atemlos setzt sich der Priester in eine Bank und winkte ihn an seine Seite.
Man sollte fast an ein Wunder glauben, euch hat der Herrgott geschickt.“
Sebastian lacht bitter auf.
Hochwürden, dann doch eher der Teufel. Ich bin ein Sünder und wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen.“
Der Pfarrer sieht ihm lange in die Augen, dann
lächelt er.
Ihr habt gute Augen und wenn ihr gerade aus dem Gefängnis kommt, dann habt ihre eure Strafe verbüßt.“
Ein verschmitztes Lächeln gleitet über sein Gesicht.
Aber Gott liebt doch die Sünder, wisst ihr das nicht? Jesus selbst hat doch gesagt:
Gott freut sich mehr über 99 Sünder, als über einen Gerechten.“
Er packt Sebastian am Arm und zerrt ihn zur Sakristei.
Kommt mit, meine Köchin soll uns einen guten Kaffee kochen und ich kann dir versprechen, sie hat einen prima Stollen und ihre Plätzchen zergehen auf der Zunge.
Du kannst mir ja dann erzählen warum du im Gefängnis warst und ich sage dir, warum ich denke dass der liebe Gott dich ausgerechnet heute in meine Kirche geführt hat.“
Als sie dann in der warmen gemütlichen Stube sitzen erzählt ihm Sebastian seine Geschichte.
Wie er Lotte kennen gelernt hat und diese immer nur in die besten Restaurant, schicke Kleider und Schuhe und teure Wochenendreisen wollte. Und wie sein Konto hoffnungslos überzogen war und er dann einen Scheck seines Chefs gefälscht hatte.
Die Enttäuschung seiner Eltern und die Angst sie heute aufzusuchen.
Der Priester hat ihm ruhig zugehört, dann sagt er.
Hast du denn deine Tat bereut?“
Schon tausendmal!“
Siehst du, dann hat Gott dir auch längst vergeben und sonst hätte er dich heute auch nicht zu mir geschickt.“
Auf den fragenden Blick von Sebastian erklärt er ihm, dass vor einigen Tagen die Orgel kaputt gegangen ist und die Reparatur länger dauern wird.
Aber über die Weihnachtstage hatten sie keine musikalische Begleitung.
Und er fragt ihn, ob er den Kinderchor mit
seiner Geige begleiten würde.
Mit strahlenden Gesicht nickt Sebastian.
Der Pfarrer bietet ihm sein Gästezimmer an und am Nachmittag ruft er den Chor zusammen, damit sie
noch miteinander üben können.
Und am Abend steht Sebastian mit dem Kinderchor vor dem Altar und seine Geige jubelt wie noch nie.

Und als er nach dem wunderbaren Liede:
Stille Nacht, heilige Nacht“ die Geige sinken lässt sieht er in der ersten Bank seine Eltern sitzen, die beide Tränen in den Augen haben.“