Dienstag, 31. März 2015

Fritz und der Kartoffelkönig - Reizwortgeschichte

Eines der Reizwörter ist diesmal Kartoffel. Also ich liebe ja diese leckeren braunen Knollen. 
Wir verdanken sie ja dem 'Alten Fritz', der die Bauern damals mit sanfter Gewalt und List zum Anbau der Kartoffeln zwang.
Als Kinder durften wir mit dem Kartoffelkraut ein Lagerfeuer machen und die bei der Ernte übersehenen Kartoffeln darin braten.
Das war lecker, obwohl man sich oft die Finger verbrannte und die Schale kohlschwarz war, aber es war nach dem Krieg und wir hatten immer Hunger.
Und das Abenteuerliche so eines Lagerfeuers war einfach schön.

Reizwörter
Kartoffel, Stoff, spielen, entsetzt, klein

Viel Spaß beim Lesen!
 




Fritz und der Kartoffelkönig

Missmutig schlug Fritz die Decke zurück und schlüpfte ins Bett.
Seine Mutter kam herein und setzte sich auf die Bettkante.
Na, mein Großer, immer noch wütend?“
Beim Abendessen hatte es Ärger gegeben, denn Fritz wollte seine Kartoffeln nicht essen, denn die mochte er überhaupt nicht.
Der Vater hatte geschimpft, Großvater hatte auf die hungrigen Kinder hingewiesen, die froh wären wenn sie solche guten Kartoffeln essen dürften.
Fritz hätte sie ja nur allzu gern den hungrigen Kindern gegeben.
Die Großmutter hatte die Geschichte vom Kartoffelkönig erzählt, der davon gelaufen war, um in die Welt zu ziehen, doch als er zwei hungrigen Kindern begegnet ist, sich geopfert hat damit sie sich satt essen konnten.
Als wenn ihm deshalb die Kartoffel besser schmecken würden.
Nur die Mutter hatte ihn bittend angesehen und leise auf den Nachtisch hingewiesen.
Daran musste Fritz jetzt denken und so grinste er seine Mutter an.
Der Schokoladenpudding mit dem Sahnehäubchen war Klasse!“
Dann ist es ja gut!“ lachte die Mutter und strubbelte ihm das Haar.
Gute Nacht meine Junge, schlaf' gut:“
Sie strich ihm über das Haar, da er keinen Gute Nacht Kuss mehr wollte, löschte das Licht und verließ das Zimmer.
Fritz drehte sich um und war bald eingeschlafen.
Mitten in der Nacht wurde er plötzlich wach, da etwas auf seinen Bauch drückte.
Er öffnete die Augen und sah im fahlen Schein des Mondes
einen seltsamen kleinen Kerl, der auf seinem Bauch saß.
Fritz blinzelte und rieb sich die Augen, doch das Männchen war immer noch da.
Es sah aus wie eine dicke große Kartoffel, hatte eine rote Nase, pfiffige Augen, einen breiten Mund und kleine Arme und Beine und auf dem Kopf trug es ein kleines Krönchen.
Der Kartoffelkönig!“
Ja, du hast mich erkannt!“
Was willst du hier? Außerdem könntest du mal von meinem Bauch herunter gehen, du erdrückst mich ja!“
Der Kartoffelkönig sprang herunter und setzte sich neben Fritz auf das Kopfkissen.
Dieser drehte sich um und knurrte:
Lass mich in Ruhe, ich will schlafen!“
Da aber zog ihn der Dicke energisch an den Haaren.
Aufwachen, ich brauche deine Hilfe!“
Nun wurde Fritz neugierig und drehte sich wieder seinem Besucher zu.
Du musst mit mir kommen, zieh dich an.“
Das Männlein sprang vom Bett und lief zum Stuhl auf dem die Kleider des Jungen lagen.
Langsam folgte ihm Fritz und zog sich an, doch als er in seine Turnschuhe schlüpfen wollte, rief der König:
Zieh feste Schuhe an, dort wohin wir gehen ist es schlammig, besonders nach Regen und nimm die Jacke mit den großen Taschen.
Warum?“
Damit ich hinein schlüpfen kann,“ lachte der Kartoffelkönig und schwups saß er in der Tasche und grinste vergnügt.
Es kann los gehen!“
Auf einmal waren sie in einem Dorf.
Es sah sehr ärmlich aus, die alten Holzhäuser hätten einen Anstrich gebraucht, die Straßen waren wirklich riesige Schlammfelder, Hühner liefen gackernd umher und ein struppiger Hund schlich sich heran und entsetzt verschwand der Kartoffelkönig in der Jackentasche.
Feigling!“ zischte Fritz.
Ein Mann kam aus einem der Höfe, stutzte als er den Jungen sah und ging auf ihn zu.
Der sieht ja aus wie mein Großvater!“ flüsterte Fritz.
Ist ja auch dein Urahn, aber still er kommt näher!“
Der Mann betrachtete den seltsam gekleideten Jungen, er selbst trug nur einen groben Leinenkittel.
Woher kommst du?“
Von weit her, wo bin ich hier?“
Weißt du das nicht, in Pommern im Land von Friedrich dem Großen.“
Oh, und welches Jahr schreiben wir?“
Der Mann schüttelte den Kopf ob der seltsamen Frage.
Ob der Junge nicht richtig im Kopf war?
Wir haben das Jahr 1744. Wie heißt du denn?“
Fritz Ungerer!“
Da haben wir ja denselben Namen, ich heiße Karl Ungerer, sind wir verwandt!“
Fritz zuckte die Schultern.
Na dann komm mal mit, Vetter, kannst auf dem Heuboden schlafen, viel zu essen kann ich dir nicht anbieten, die Getreideernte war diesmal nicht gut. Und die meisten Felder hier sind sandig und eignen sich nicht zum Anbau.“
Vier kleine Kinder zwischen 3 Jahren und 10 Jahren blickten ihnen neugierig entgegen.
Eine junge Frau kam aus einem Nebenraum mit einem Eimer Milch.
Die Kuh gibt nicht mehr viel Milch, es fehlt an genügend Futter.“ seufzte sie mutlos.
Ich werde mal auf die höher gelegene Wiese gehen und
Gras mähen, hier ist ein Vetter von mir, er kann auf dem Heuboden schlafen.“
Die Frau nickte nur.
Und ich werde in den Wald gehen und Beeren pflücken,“ erklärte das zehnjährige Mädchen.
Ihr Vater runzelte die Stirn.
Mariechen, ich möchte nicht, dass du allein in den Wald gehst, dort treibt sich allerhand Gesindel herum.“
Dann hellte sich seine Miene auf.
Vetter Fritz wird dich begleiten!“
Fritz nickte und bald haben sie ihr Körbchen voll mit leckeren Beeren, auch einige Kräuter für eine Suppe pflückte Mariechen.
Auf dem Rückweg kamen sie an einem Bach vorbei und Fritz sah einige Forellen darin schwimmen.
Warte, Mariechen!“
Er krempelte seine Hosenbeine hoch und stieg ins Wasser.
Sein Freund Rudi hatte ihm einmal gezeigt wie man Fische mit den Händen fing.
Man braucht nur Geduld, ein gutes Auge und Schnelligkeit.
Bald lagen drei Forellen zappelnd im Gras und Mariechen packte sie in den Korb.
Der Vater war auch schon zurück und fütterte gerade die Kuh.
Anerkennend klopfte er Fritz auf die Schulter und ging mit den Fischen hinters Haus, um sie auszunehmen.
An diesem Abend gingen alle mal satt ins Bett.
Fritz bekam von Frau Gertrude noch eine Decke aus groben Stoff und ging hinauf auf den Heuboden.
Der Kartoffelkönig hüpfte aus der Tasche und streckte sich.
Bisher ist es doch gut gelaufen,“ meinte er zufrieden.
Was soll ich eigentlich hier, obwohl es ja interessant ist meine Vorfahren kennen zu lernen.“
Nun Morgen wirst du es erfahren, aber zuerst muss ich dir
erklären wie man Kartoffel anbaut, du wirst es brauchen.“
Ich werde bestimmt keine Kartoffeln anbauen,“ brummte Fritz, doch dann wurde er nachdenklich, „obwohl sie dann nicht mehr hungern müssten.“
Siehst du, also dann höre genau zu!“
Aufmerksam verfolgte der Junge was der Kartoffelkönig ihm erklärte, doch dann fielen ihm die Augen zu.
Am nächsten Morgen saßen sie gerade beim Frühstück, einer Schüssel Haferbrei mit Beeren, da hörten sie Lärm von draußen.
Mariechen lief ans Fenster.
Die Soldaten des Königs!“ rief sie aufgeregt.
Die Familie und Fritz eilten hinaus und gesellten sich zu den anderen Bauern die neugierig die Soldaten umstanden.
Einer der Soldaten hielt einen großen Pergamentbogen in der Hand und las laut vor:
Befehl des Königs, unseres verehrten 'Friedrich den Großen'! Alle Bauern müssen Kartoffel pflanzen, auf dass sie im Winter nicht hungers sterben. Das ist ein Befehl und muss sofort ausgeführt werden!“
Der Soldat winkte und ein Fuhrwerk fuhr heran auf dem mehrere Säcke standen.
Zwei Männer sprangen von der Pritsche und hoben die Säcke vom Wagen und stellten sie an eine Hauswand.
Die Bauern drängten sich neugierig näher und fingen schallend an zu Lachen.
Einer hielt eine verschrumpelte Kartoffel, die bereits zu keimen begann, in die Höhe und schrie:
Was soll denn das sein, will der König uns zum Narren halten, das ist weder ein Samen noch eine Wurzel!“
Verächtlich warf er die Knolle zurück und wandte sich ab.
Die Soldaten aber drehten ihre Pferde und galoppierten davon.
Murrend gingen die Bauern nach Hause.
Nur Karl, Fritz und Mariechen standen noch bei den Säcken.
Auch Frau Gertrude war zurück in den Hof gegangen und die drei kleineren Kinder spielten mit dem Hund.
Karl hatte eine der Kartoffel in die Hand genommen und drehte sie nachdenklich zwischen den Fingern.
Kann mir nicht vorstellen, dass unser König uns verspotten will?“
Nein! Kartoffel sind sehr nahrhaft und sättigend!“ erklärte Fritz.
Du hast schon mal eine gegessen?“
Der Junge nickte heftig und meinte: „ Ja sie schmecken mir zwar … Aua!“
Der Kartoffelkönig hatte ihn gezwickt.
Karl betrachtete ihn amüsiert.
Sie schmecken Aua?“
Nein ich meine sie schmecken ausgezeichnet.“
Fritz schlug kräftig auf seine Jackentasche und grinste als er ein leises Stöhnen hörte.
Weißt du denn wie man sie anbaut?“
Als der Junge nickte, hob Karl einen der Säcke auf und warf ihn sich über die Schulter.
Auch Fritz nahm einen der Säcke und selbst Mariechen zog einen Sack hinter sich her.
Während sie zurück zum Haus gingen erklärte er dem aufmerksam lauschenden Karl was er von dem Kartoffelkönig erfahren hatte.
Man musste Furchen in den Acker ziehen, die ungefähr 40cm auseinanderlagen, dann musste man Kartoffel, die bereits gekeimt hatte, hineinlegen und Erde darüber häufen.
Gießen sollte man sie nicht, denn das würde ihnen schaden. Da die Kartoffel eine sehr robuste Pflanze ist schadet ihr auch längere Trockenheit nichts, außerdem gedeiht sie prächtig in sandigem Boden.
Davon haben wir ja genug,“ brummte Karl, der aufmerksam gelauscht hatte.
Inzwischen hatten sie den Hof erreicht, stellten die Säcke vor der Tür ab und betraten das Haus.
Wir werden diese Kartoffeln pflanzen!“ verkündete Karl als er die Küche betrat.
Er deutete auf Fritz.
Unser junger Vetter weiß wie man es macht und hat auch schon solche Dinger gegessen.“
Dann kratzte er sich am Kopf.
Aber wie sollen wir solche Furchen in den Acker machen?“
Habt ihr denn keine Harke?“
Karl schüttelte den Kopf und brummte:
Wie sieht so ein Ding denn aus?“
Fritz holte ein angebranntes Holz von der Feuerstelle und zeichnete auf den Tisch ein Harke.
So was kann ich bauen!“
Karl verschwand im Schuppen.
Mariechen und Fritz luden mit Hilfe der Mutter die Säcke auf einen Leiterwagen und als Karl mit zwei Harken aus dem Schuppen kam, gingen sie zu dem brach liegenden Acker.
Während Karl und Fritz lange Furchen zogen, legten Frau Gertrude und Mariechen die Kartoffel hinein und die drei Kleinen durften die Erde darüber häufen.
Während sie arbeiteten kamen die Leute aus dem Dorf neugierig näher und Karl erklärte ihnen was sie machen sollten.
Und bald sah man auf allen Feldern die Bauern fleißig Furchen ziehen.
Nun hieß es warten. Jeden Tag ging Karl nun zu seinem Feld um nachzusehen.
Eines Tages kam er freudestrahlend zurück, denn das Feld hatte zu blühen begonnen.
Fritz, der inzwischen wieder vom Kartoffelkönig unterrichtet worden war, erklärte ihm, sobald die Blüten und das wuchernde Kraut abgestorben sei, könnte man die Kartoffel unter der Erde heraus holen.
Karl erklärte es auch den Dorfbewohnern und dann war es eines Tages soweit.
Die Kartoffelernte begann.
Als alle ihre reichliche Ernte in den Scheunen hatten, bat Karl seine Vetter Fritz auf den Marktplatz.
Und der Junge erklärte den Dorfbewohner nun wie man die Kartoffel kochte und was man daraus alles machen konnte.
Während er noch redete verschwamm alles um ihn herum wie in einem Nebel.
Eine Hand rüttelte ihn an der Schulter.
Fritz, Fritz, wach auf, du musst zur Schule!“
Der Junge öffnete die Augen.
Wo ist der Kartoffelkönig?“
Nicht hier!“ lachte die Mutter, „ aber nun beeile dich!“
Mama, ich habe geholfen Kartoffel an zu bauen und zu ernten!“
Die Mutter verließ Kopf schüttelnd das Zimmer.
'Nun verfolgten die Kartoffeln den Jungen schon im Schlaf'
Noch mehr aber wunderte sie sich, als Fritz beim Abendessen eine doppelte Portion Kartoffel auf seinen Teller lud.


© Lore Platz




Sonntag, 29. März 2015

Gedicht- Erwachende Natur - Palmsonntag



 Heute ist ja der Palmsonntag, er erinnert an den Einzug Jesus in Jerusalem und läutet auch gleichzeitig die Karwoche ein, die dann mit dem strahlendem Osterfest endet.
Wenn ich die Geschichte des Einzugs von Jerusalem lese und wie begeistert Jesus von den Menschen empfangen wurde, die dann nur kurze Zeit später riefen "Keuzigt ihn!", dann werde ich immer traurig und denke daran, dass die Menschheit sich in zweitausend Jahren nicht geändert hat.
Wie oft werden doch Politiker oder Künstler oder einfach besondere Menschen hoch gelobt, um dann bei dem kleinsten Fehler wieder niedergemacht zu werden.
Wir können die beste Hightechnik entwickeln, den Mond und vielleicht den Mars erobern, aber die Menschen in ihrem tiefsten Inneren, die werden wir niemals ändern.
Aber wie sagte doch Mutter Erde in meiner letzten Geschichte
' In jeder Generation werden Menschen geboren, die für das Gute kämpfen.'
Mit diesen Gedanken zum Palmsonntag wünsche ich euch noch einen schönen gemütlichen Tag und ich weiß, alle die hierher kommen gehören zu den Guten. (zwinkern)




Erwachende Natur

Monat März ist da, die Natur erwacht,
der Rasen sprießt über Nacht,
die Natur erstrahlt im neuen Kleid,,
man merkt es wird Osterzeit.

Vorbereitungen laufen auf vollen Touren,
und hinterlassen ihre Spuren,
Ostereier werden nun schon bemalt,
die Sonne doch nun wärmer strahlt.

Kinder spielen im Freien ganz erbaut,
entblößen die Arme und zeigen Haut,
in den Gärten sieht man rege Menschen,
die den Winterschutz nun beenden.

Es werden schon zum Osterfeste,
Zweige geschnitten und Äste,
später werden sie im Haus gesehen,
wo sie in einer Vase stehen.

Ja, der Winter geht nun zur Neige,
und grün werden wieder die Zweige,
holder Frühling kommt nun herbei,
und auch das bunte Osterei.

Und bei dem österlichen Feierklang,
kommt der Frühling richtig in Gang,
und bei dem schönen der Symbole,
ist auch dem Menschen sehr zum Wohle.

Springen wir zeitlich einmal weiter,
aus den Häusern kommen Kinder heiter,
denn die können es kaum erwarten,
Ostereier suchen in dem Garten.

Auch gibt es vieles zu entdecken,
es grünen schon Büsche und Hecken,
aller Winterschlaf ist vergangen,
der Frühling hat ja angefangen.

Jedes Herz das Leid getroffen,
hat ein Sehnen und ein Hoffen,
wird vom Frühlingswind durchweht,
und fröhlich wieder aufersteht.


(c) Die Nachtigall



Dienstag, 24. März 2015

Elfinchen und Mutter Erde - Reizwortgeschichte







Mir kommt es vor, als wäre es gestern gewesen, dass wir mit Raketen das neue Jahr begrüßt haben und nun ist fast der März vorüber und wir starten in den April. Und schon ist es wieder Zeit für unsere Reizwortgeschichten.
Die Bilder zu der heutigen Geschichte hat mir meine Internetfreundin Heide Marie K. extra gemalt und ich möchte mich dafür recht herzlich bei ihr bedanken.
Wenn sie auch bald zu ihrer Tochter in Griechenland auswandert, hoffe ich doch, dass sie ab und zu wieder einmal für mich malt.
Heute geht es um die Reizwörter:
Käfer, Grünanlagen, wohlgesinnt, schalten, freuen


 



Elfinchen und Mutter Erde


 
Vor der Stadt K. breitete sich eine großflächige Grünanlage aus.
Das viele Hektar große Grundstück zu dem auch der angrenzende Wald gehörte wurde von einem wohlgesinnten Bürger dem Naturschutz vermacht.
Sehr zum Ärger seiner Erben, die dachten nach dem Tod des alten Herrn so richtig schalten und walten zu können.
Wollten sie doch das millionenschwere Projekt an einen großen Konzern verkaufen, der dort ein riesiges Hotel mit einer Golfanlage bauen wollte.


Nun aber war hier ein Naturschutzgebiet entstanden, in dem Pflanzen, Käfer, Schnecken, Regenwürmer, Bienen, Hummeln, Schmetterling, Wühlmäuse, Maulwürfe sich frei entfalten konnten und nur ihre natürlichen Feinde fürchten mussten, die ebenso zum Kreislauf der Natur gehörten.
Im nahen Wäldchen tummelten sich Rehe, Füchse, Hasen und Eichhörnchen.
Die Vögel zwitscherten voller Freude ihre Lieder und Frau Eule schimpfte ab und zu, wenn sie nicht schlafen konnte.
Ein kleines Paradies war hier entstanden, wovon es leider in der heutigen Zeit nur noch wenige gibt.
Auf dieser Wiese lebten aber auch die Elfen und ihre Aufgabe war es die Blumen zu pflegen und die kleinen Tiere zu behüten und helfen wenn sie in Not waren.
Elfinchen war eine dieser Elfen.
Sie war die Jüngste und noch nicht lange hier.
Elfen werden ja geboren, wenn ein Tautropfen in einer Blüte von einem Sonnenstrahl geküsst wird.
Eflinchen war sehr eifrig, aber auch sehr tolpatschig und wurde deshalb immer von den anderen Elfen verspottet.




Heute hatte sie die Aufgabe, die schöne blaue Glockenblume mit Tau zu begießen.
Eifrig flog sie hin und her und sammelte viele Tautropfen, die sie dann über die Blume schüttete.
Zuerst war die Blume glücklich und froh und streckte ihre Blüte der Sonne entgegen.
Doch als Elfinchen in ihrem Eifer immer mehr Wasser über sie schüttete, da wurde sie böse und schimpfte.
Nun höre aber auf, ich habe ja schon ganz nasse Füße, du sollst mich tränken aber nicht baden, du dummes Ding!“
In diesem Moment kamen Lupina und Millana vorbei und riefen lachend.
Seht doch, Fräulein Tolpatsch wollte die ihr anvertraute Blume ertränken.“
Die anderen Elfen kamen angeflogen und betrachteten kichernd die kleine Elfe, die mit blutrotem Gesicht und Tränen in den Augen ihre Blume betrachtete.
Die Elfenkönigin kam herbei.
Was ist los hier!“
Lachend erzählten die Elfen ihr von Elfinchens Missgeschick.
Seufzend betrachtete die Königin die kleine Elfe.
Elfinchen, was soll ich nur mit dir machen, gestern hättest du beinahe Herrn Hirschkäfer ein Bein ausgerissen, als er auf den Rücken fiel und du ihm aufhelfen wolltest.
Eduard dem Regenwurm wolltest du aus der Erde helfen und hättest ihn dabei beinahe geköpft.
Am besten, du machst mal eine Pause, bis ich weiß welche Aufgabe du übernehmen kannst.“
Elfinchen drehte sich um und ging mit gesenktem Kopf weg, verfolgt von dem Gelächter der anderen.
Als die anderen Elfen sie nicht mehr hören und sehen konnten, warf sie sich ins Gras und weinte bitterlich.




Eine Hand legte sich auf ihre Schultern und Elfinchen sah durch ihren Tränenschleier hindurch eine nicht mehr ganz junge Frau vor sich stehen.
Ihr erdfarbenes Haar in das Blumen eingeflochten waren durchzogen einige Silberfäden und in ihrem schönen Gesicht hatten sich einige Falten eingegraben.
Elfinchen, warum weinst du denn?“
Ihr kennt mich?“
Ich kenne alle meine Geschöpfe, ich bin Mutter Erde.“
Die Elfe setzte sich auf und starrte ehrfürchtig die hohe Frau an.
Mutter Erde lächelte und setzte sich neben Elfinchen ins Gras.
Willst du mir denn nicht erzählen, was dich bedrückt?“
Die Elfe senkte traurig den Kopf und flüsterte:
Ich bin so ungeschickt, immer passieren mir schlimme Sachen und die anderen Elfen lachen mich aus. Eben habe ich die Blume, die mir anvertraut wurde, beinahe ertränkt.“
Mutter Erde lachte leise.
Wie kannst du zartes kleines Wesen denn die Blumen ertränken. Weißt du nicht, dass, wenn es regnet die Pflanzen viel mehr Wasser abbekommen und es ihnen niemals schadet. Denn Frau Sonne wird später ihre nassen Füße trocknen.“
Elfinchen hob den Kopf und rief empört.
Das stimmt, dann war es aber gemein von der Blume mich zu beschimpfen und von den anderen mich auszulachen!“
Das war es,“ schmunzelte Mutter Erde.
Weißt du Elfinchen, dass ich extra wegen dir hierher gekommen bin?“
Wegen mir?“ staunte die Elfe.
Ja, denn alle hundert Jahre wird eine ganz besondere
kleine Elfe geboren und die darf mir dann hundert Jahre dienen. Willst du das?“
Ja, aber kann ich das denn, ich weiß doch noch so wenig?“
Ich werde dich lehren.
Bellinda, die mir bisher diente und half die Erde zu bewahren, ist nun ins andere Reich gewechselt, um dort ihre wohlverdiente Ruhe zu finden.
Und du wurdest gerade zum richtige Zeitpunkt geboren.“
Was habe ich denn zu tun?“
Die Natur arbeitet in einem ewigen Kreislauf und darin hilft jeder jedem.
Die Bäume im Wald holen sich Gase aus der Luft, Wasser und Nahrung schenkt ihnen die Erde und die Sonne hilft ihnen beim Wachsen.
Die Bäume aber wiederum ernähren die Waldtiere mit Laub, Nüssen und Beeren. Selbst die welken Blätter und kleinen Zweige haben ihre Bestimmung, sie verwandeln sich in organische Stoffe, die von den kleinen Lebewesen, die sich auf dem Boden tummeln, gefressen werden und sich in Pflanzennahrung verwandeln.
So wird alles umgewandelt und nichts ist überflüssig.
Hast du verstanden?
Die Erde ernährt die Pflanzen, die Pflanzen ernähren die Tiere, die Tiere ernähren die Erde.
Das ist ein ewiger Kreislauf.
Ebenso ist es mit dem Wasser. Die Sonne erwärmt das Wasser, unsichtbarer Dampf steigt auf und wird zu Wolken.
Hier verwandelt sich dann das Wasser wieder zu Tropfen und fällt als Regen auf die Erde. Siehst du wie wunderbar die Natur eingerichtet ist.“
Elfinchen nickte und freute sich, dass sie alles verstanden hatte, doch eine Frage quälte sie.
Mutter Erde?“
Ja mein Kind?“
Herr Maulwurf hat neulich sehr geschimpft über die
Menschen und dass die Natur bald untergehen wird!“
Ein dunkler Schatten fiel über das Gesicht von Mutter Erde.
Ja, die Menschen, sie greifen viel zu oft in den natürlichen Kreislauf der Natur ein, aber Herr Maulwurf hat trotzdem nicht Recht, die Natur wird niemals untergehen.
Sie ist stark und besteht schon seit tausenden von Jahren, und hat sich bisher immer von den Wunden und Schmerzen, die die Menschen ihr zugefügt haben wieder erholt.
Und wenn diese es gar zu toll trieben, dann haben sich Feuer, Wasser und Wind zusammen getan und den Menschen gezeigt, dass die Natur die Stärkere ist.
Früher lebten die Menschen mit der Natur im Einklang, doch mittlerweile haben sie die Liebe zur Natur verloren!“
Mutter Erde deutete auf die Hochhäuser der weit entfernten Stadt.
Sie leben in großen Betonbauten, weit weg von der Natur. Und wenn man etwas nicht kennt, wie soll man es dann auch schätzen.
In jeder Generation werden Menschen geboren, die die Natur missachten, ausbeuten, vergiften, zerstören.
Aber es werden auch Menschen geboren die das nicht zulassen.
Das ist wohl der Kreislauf der Menschen, dass die Guten immer gegen die Bösen kämpfen müssen.
Wenn die Menschen noch klein sind, dann sind sie noch reinen Herzens und hier beginnt eine sehr wichtige Aufgabe für dich.
Du musst dich in die Herzen und Träume dieser kleinen Menschen einschleichen und ihnen über die Natur erzählen und wie wichtig diese auch für das Überleben der Menschheit ist.“
Mutter Erde schwieg und ließ versonnen ihren Blick über das schöne Land vor ihren Augen streifen.
Auch Elfinchen schwieg, soviel hatte sie nachzudenken über all das was sie erfahren hatte und dann lächelte sie und freute sich, dass sie Mutter Erde bei der wichtigen Arbeit helfen durfte und sie fühlte sich glücklich.
Diese wandte sich nun an die kleine Elfe.
Hast du dich entschieden, willst du mir die nächsten hundert Jahre helfen, die Natur zu bewahren?“
Elfinchen nickte mit strahlenden Augen.
Mit einer weit ausholenden Bewegung zeigte Mutter Erde auf das schöne Land vor ihnen.
Als der Besitzer dieses Grundstücks noch ein kleiner Junge war, gab es die große Stadt noch nicht.
Hier waren nur einige kleine Häuser und in einem davon lebte der Junge mit seinen Eltern und den Großeltern.
Sein Großvater streifte mit ihm jeden Tag durch die herrliche Natur und zeigte ihm die Pflanzen, welche heilen können und welche giftig sind. Auch nahm er ihn oft mit in dem Wald und und erklärte ihm den Kreislauf der Natur und wie wichtig die Bäume für diese und das Klima sind. Und wenn ein Baum abgeholzt würde, dann müsse man sofort einen neuen pflanzen, damit das Gleichgewicht erhalten bliebe.
Und die Großmutter erzählte ihm Geschichten von Elfen und Wichteln, die sich bemühten die Natur zu bewahren, ebenso die Tiere, die alle ihre Aufgabe hatten, um das Gleichgewicht zu erhalten.
Und wenn der Junge schlief, dann schickte ich ihm Bellinda in seine Träume, die ihm berichtete von ihren Aufgaben und wie wichtig die Natur auch für die Menschheit sei.
Und wir alle haben ein Samenkorn in sein Herz gepflanzt, das zu einer großen Liebe für die Natur heran wuchs.
Als dann die Stadt immer größer wurde und die Grundstückspreise enorm stiegen, dann sollte auch er sein Grundstück hergeben. Doch er weigerte sich und blieb bescheiden in seiner kleinen Hütte wohnen.
Das brachte ihm viel Ärger und Beschimpfungen und es wurde ihm vorgeworfen, das er dem Fortschritt im Wege stand.
Doch ihn kümmerte das nicht.
Als er fühlte, dass die Zeit gekommen war, um ins andere Reich zu wechseln, da ließ er einen Notar kommen und vermachte dieses herrliche Stück Erde dem Naturschutzverband.
Aber nun komm, wir wollen nach deiner Blume sehen.“
Mutter Erde erhob sich und nahm Elfinchen an der Hand und zusammen schritten sie über die Wiese.
Die Glockenblume stand aufrecht da und reckte froh ihr Gesicht der Sonne entgegen, die ihr längst schon die nassen Füße getrocknet hatte.
Die Elfenkönigin schwebte auf sie zu und verneigte sich ehrfürchtig vor Mutter Erde.
Auch die anderen Elfen kamen herbei.
Der Blick der Königin fiel auf Elfinchen und sie runzelte die Stirn.
Elfinchen ist ihnen doch nicht lästig gefallen?“
Nein, ich fand sie weinend auf der Wiese, da sie hier verhöhnt und ausgelacht wurde.“
Nun Elfinchen ist mein Sorgenkind, sie hat bisher keine, der ihr gestellten Aufgabe richtig gemacht,“ meinte die Elfenkönigin, der es eigen wurde unter dem strengen Blick der Erdenmutter.
Habt ihr denn überhaupt nicht bedacht, dass Elfinchen die Jüngste hier ist und noch nicht alles wissen kann.
Doch anstatt ihr zu helfen und ihr beizubringen, was sie wissen muss wurde sie nur verlacht und verspottet.
Da ist es doch nicht verwunderlich, dass sie nur unsicherer wurde und noch mehr Fehler machte.
Ihr wisst warum ich gekommen bin?“
Ihr seid auf der Suche nach der besonderen Elfe, die euch helfen soll?“
Die Elfenkönigin war froh, dass Mutter Erde das Thema gewechselt hatte.
Die anderen Elfen aber drängten sich nach vorne, denn sie hofften, dass Mutter Erde eine von ihnen erwählen würde.
Diese aber lächelte und deutete auf Elfinchen.
Ich habe sie gefunden.“
Elfinchen?“ stammelte die Elfenkönigin erstaunt und auch die Elfen starrten fassungslos auf die Kleine, die unter all den Blicken rot wurde und sich an Mutter Erde drängte.
Ja, Elfinchen ist diese besondere Elfe,“ erklärte Mutter Erde.
Sie nahm die Elfe an der Hand, drehte sich um und wanderte mit ihr über die Wiese, bis sie in den Wolken verschwanden.

© Lore Platz










Freitag, 20. März 2015

Frühlingsgefühle

Geht es euch auch so? Die Sonne und die Wärme weckt meine Lebensgeister und ich weiß gar nicht wohin mit einer überschüssigen Kraft.
Ständig bin ich am rumwursteln in meiner Wohnung, verändere hier etwas, räume da etwas hin und trällere mit den Vögeln vor meinem Fenster um die Wette.
Mein Laune ist auf dem Höhepunkt und ich könnte die ganze Welt umarmen.
Zwei meiner ehemaligen Tageskinder, die mir vor zwei Wochen noch heulend erklärten wie einsam sie seien und dass sie keinen Freund fänden, sind alle beide frisch verliebt.
Natürlich habe ich mich als extrem neugieriger Mensch mal im Internet schlau gemacht, was so dran ist an den Frühlingsgefühlen.
Sie gibt es wirklich. Es ist so eine Art Erholung vom Winter. Die Wärme und das Licht hat eine positive Auswirkung auf unser Psyche. Außerdem müssen wir nicht mehr dick vermummt durch die Gegend laufen und können also einen Blick auf das andere Geschlecht werfen.
Manchmal wird dann aus so einem Blick ein Dauerblick.
Bei meinen beiden Mädels war das nicht so, die Eine fand ihre Liebe im Internet, die Andere in der Disco.
Aber vielleicht spielt ja die positive Stimmung die derFrühling auslöst auch eine Rolle. (zwinkern) 
Nun noch ein Gedicht von meinem Freund 
"Die Nachtigall" 





Blumen im Garten


Bald wird das Frühjahr wieder kommen,
die Natur wird neu starten,
der Mensch neue Kraft bekommen,
alle schon sehnsüchtig darauf warten.


Was blüht da alles dann im Garten?
Es ist nicht gleich der rote Mohn,
der lässt noch auf sich warten,
Schneeglöckchen und Veilchen sind es schon.



Die Erdbeeren fangen an zu sprießen,
die Luft wird bunt und ganz frisch,
dann wird man auch alles gießen,
dann kommen auch welche auf den Tisch.




Die Äpfel in dem Apfelbaum,
treiben ihre Knospen aus,
und man kann es glauben kaum,
ein fressen für die Apfellaus.



Das Gras wächst hoch und grün,
Löwenzahn steht schon in voller Pracht,
Gänseblümchen die auch blüh`n,
die Sonne mit ihren Strahlen lacht.

Netze, gesponnen von den Spinnen,
warten auf den Beutefang,
und am Rohr der Regenrinne,
krabbelt die Erste schon entlang.




O, da kommt gestürzt ein Specht,
ein Wurm am Boden lag,
die Sicht für ihn wird langsam schlecht,
zu Ende geht der Frühlingstag.

Es wird gesagt mit diesem Worten,
der Winter ist nun bald vorbei,
Frühling steht schon vor den Pforten,
und kommt hoffentlich bald herbei.

Die Nachtigall 

Nun wünsche ich euch ein schönes Wochenende.








Dienstag, 17. März 2015

Die Mäuse Max und Moritz - Reizwortgeschichte






Reizwörter: Amtsgericht, Erdklumpen, unterschätzt,
verregnet, ratlos


Heute erzähle ich euch eine Geschichte von einem lieben alten Mann, der als Archivar die Gerichtsakten im Amtsgericht verwaltet und dabei zwei Freunde findet.
Der einzige Lagerist, dem ich begegnet bin, war ein richtiges Ekelpaket.
Nach der Schule fing ich in einer großen Versicherung an zu arbeiten. Damals gab es noch keine Computer und digitalisierten Akten.
Unten im Keller (sechs Stockwerke) war ein großer Lagerraum mit Akten und der Herr des Ganzen war ein Mann in mittleren Jahren.
Er trug einen grauen Kittel, hatte fettige gewellte Haare und stank permanent nach Schweiß.
Als Jüngste in der Abteilung wurde ich von meinen Kollegen öfter als Laufbursche eingesetzt.
Und ich habe es gehasst!
Denn während ich am Tisch die Akten sortierte, rückte mir der unangenehme Mann auf die Pelle. Geschickt versuchte ich seinen widerlichen Annäherung zu entkommen, indem ich zur Seite rückte, raffte schließlich die Papiere und verließ fluchtartig den Raum.
Damals wusste man noch nicht wie man sich gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wehren kann.
Doch Herr Franz in meiner Geschichte ist ganz anderes, ein lieber freundlicher älterer Herr mit einem großem Herzen für Tiere.
Viel Spaß beim Lesen!






Die Mäuse Max und Moritz


Im Keller des Amtsgerichts war das Archiv untergebracht.
In hohen Regalen, die fast bis zur Decke reichten waren hunderte von Akten verstaut.
Vorne neben dem niedrigen Fenster stand ein alter Schreibtisch, an dem der Archivar Herr Franz immer arbeitete.
Zwei dicke Mäuse saßen zusammen gekauert in einer Ecke und blickten etwas ratlos zur Tür.
Wenn die Uhr der nahestehenden Kirche achtmal läutete, dann kam Herr Franz herein. Die Augen hinter der Brille funkelten vergnügt und er pfiff eine fröhliche Melodie.
Nachdem er die alte verschrammte Aktentasche neben den Schreibtisch gestellt hatte, schlüpfte er in seinen grauen Kittel und setzte sich.
Das war der Zeitpunkt an dem die beiden Mäuse losliefen, flink an dem Schreibtisch emporkletterten und Männchen machten.
Herr Franz lachte dann vergnügt, holte einen Apfel hervor und legte ihnen ganz klein geschnittene Stückchen vor die Nase.
Er selbst aß die andere Hälfte und dabei erzählte er ihnen, was er gestern Abend so erlebt und was seine Frau Trudchen ihm leckeres gekocht hatte.
Dann aber setzte er die beiden Mäuse auf den Boden und das war das Zeichen, dass sie ihn jetzt nicht stören durften.
Zusammengekauert saßen sie dann da und beobachten ihren Ziehvater.
Das ging nun schon so seit zwei Jahren.
Seit ihre Mutter plötzlich ganz still da lag und ihr verzweifeltes Fiepen nicht hörte.
Doch Herr Franz hatte sie gehört und sofort gesehen, was passiert war.
Mitleidig hatte er die beiden Waisen aufgehoben, auf den Schreibtisch gesetzt, ihnen einige kleine Stückchen Äpfel und Käse hin gelegt.
Dann hatte er ihre Mutter auf eine kleine Schaufel geladen und war hinaus gegangen.
Als er zurück kam, saßen sie immer noch etwas verängstigt da, die kleinen Bröckchen aber hatten sie verschluckt.
Herr Franz erzählte ihnen nun, dass ihre Mutter im Mäusehimmel sei und von dort über sie wachen würde und er nun in Zukunft für sie sorgen würde.
Dann erklärte er ihnen, dass sie nun Max und Moritz hießen. Max sei der mit dem schwarzen Punkt unter dem Auge und Moritz der mit dem geringelten Schwanz.
Sie hörten ihm aufmerksam zu und nun freuten sie sich jeden Tag auf das Kommen von Herrn Franz.
Sie beobachteten ihn gerne bei der Arbeit.
Oft klingelte der schwarze Apparat auf dem Schreibtisch und der alte Mann lauschte der Stimme, die daraus erklang.
Dann nahm er das große Buch und schrieb etwas in seiner sauberen akkuraten Schrift hinein.
Anschließende ging er zu den Regalen, zog einige Akten, legte sie auf seinen Wagen und verließ den Raum.
Wenn er dann wieder kam mit dem Wagen voller Akten, die nicht mehr gebraucht wurden, lachte er oft vergnügt und setzte sich an den Schreibtisch.
Das war das Zeichen und Max und Moritz flitzen heran, denn von so einem Rundgang brachte er meist etwas mit. Obst, Kekse oder selbstgebackenen Kuchen, den ihm die Sekretärinnen zusteckten.
Und während er seine Schätze mit ihnen teilte, erzählte er ihnen von Fräulein Ilona, die wieder mal unglücklich
verliebt war, oder von Frau Ulrike, deren Mutter schwer
krank war, oder von dem schüchternen Assessor, der in seine Sekretärin Fräulein Klara verliebt war.
Manchmal aber schimpfte er aber auch über die Schlechtigkeit und Dummheit der Menschen.
Denn davon bekam man hier im Gericht viel zu viele zu sehen.
Dann philosophierte er, wenn Menschen sich wegen einem Stück Zaun oder einem Ast, der in ihr Grundstück ragte schon stritten, wie könnte man dann erwarten, dass ganze Völker sich vertrugen.
Und Max und Moritz hörten aufmerksam zu und lernten viel.
Heute aber war alles anders, schon lange hatte die Uhr achtmal geschlagen und Herr Franz war immer noch nicht da.
Angstvoll kauerten sie sich zusammen und ließen die Tür nicht mehr aus den Augen.
Endlich öffnete sie sich.
Doch wie sah Herr Franz aus?
Statt dem Schlamm braunen Anzug trug er heute einen schwarzen und unter dem Kinn ein seltsames Stück Stoff.
Es sah aus wie ein Schmetterling.
Einmal hatte sich ein solcher hierher verirrt und Herr Franz hatte ihnen erklärt, was für ein Tier das sei.
Aber der alte Mann war nicht nur anders gekleidet, auch seine Augen sahen traurig aus.
Müde schleppte er sich an seinen Schreibtisch.
Max und Moritz sausten los und saßen wenig später vor ihm.
Herr Franz lächelte traurig und berichtete ihnen, dass das Archiv geschlossen worden sei und man ihn in Frührente geschickt hätte.
Der Herr Obergerichtsrat hatte eine schöne Rede gehalten und ihm eine tolle Uhr überreicht. Alle hatten ihm die Hand gedrückt, doch wenn er heute dieses Haus verließ, würde
er morgen schon vergessen sein.
Nachdenklich betrachtet er die beiden Mäuse und meinte erschrocken:
Morgen schon kommt eine Speditionsfirma und holt alle Akten ab, sie werden digitalisiert und dann wird der Keller geschlossen. Aber was wird dann aus euch?“
Herr Franz öffnete die Schubladen und räumte seine persönlichen Sachen in die Aktentasche, dann nahm er Max und Moritz und steckte auch sie dazu.
Am besten, ich bringe euch in den Park,“ murmelte er.
Nachdem er in seinen Mantel geschlüpft, seinen Hut aufgesetzt hatte, warf er noch einen traurigen Blick durch den Raum.
Herr Albrecht, der Pförtner eilte herbei und hielt ihm die Tür auf.
Er tippte sich an seine Mütze und meinte :
Auf Wiedersehen Herr Franz und alles Gute für die Zukunft.“
Der alte Mann drückte ihm stumm die Hand und ging mit müden Schritten die Stufen hinab.
Es war ein verregneter Tag, als würde das Wetter sich seiner Stimmung anpassen.
Im Park setzte Herr Franz sich auf eine Bank und öffnete die Tasche.
Max und Moritz kletterten sofort heraus und flüchteten sich auf seinen Schoß.
Eine lange Zeit saßen sie im Nieselregen, dann aber nahm der alte Mann die beiden Mäuse und setzte sie ins Gras.
Nun müsst ihr allein zurecht kommen,“ erklärte er und ging mit langsamen müden Schritten davon.
Max und Moritz aber flüchteten unter die Bank, denn die Nässe war ihnen unheimlich.
Als Herr Franz den Flur seines kleinen Häuschens betrat, kam ihm seine Frau, die bereits besorgt aus dem Fenster nach ihm Ausschau gehalten hatte, entgegen.
Sie half ihm aus dem nassen Mantel, reichte ihm die Puschen und lotste ihn in die warme heimelige Küche.


Ich habe einen Gugelhupf gebacken mit extra viel Rosinen, so wie du ihn magst.“
Lächelnd betrachtete Franz sein Trudchen, das in der Küche herum wuselte und dachte liebevoll:
' Ohne sie wäre alles noch viel schlimmer '.
Als sie dann gemeinsam am Tisch saßen, berichtete er seiner Frau, dass er Max und Moritz im Park ausgesetzt hätte.
Du hättest die beiden doch mitbringen können,“ sagte Trudchen leise.
Aber du ekelst dich doch vor Mäusen.“
Sie hätten ja nicht unbedingt hier im Haus wohnen müssen, aber im Schuppen wäre bestimmt ein Plätzchen für sie gewesen. Ich weiß doch wie sehr du an ihnen hängst.“
Franz drückte stumm die Hand seiner Frau.
Er wusste welches Opfer sie ihm damit gebracht hätte und dachte traurig:
' Ach hätte ich das nur früher gewusst. Ob die Zwei wohl im Park zurecht kommen?'
Max und Moritz saßen zitternd unter der Bank. Sie hatten Angst. Alles um sie herum war so fremd und die Nässe war ihnen unangenehm.
Endlich hörte es zu regnen auf und sie wagten einige Schritte hinaus in das Unbekannte.
Dicht beieinander liefen sie durch das nasse Gras.




Plötzlich stellte sich ihnen ein großes pelziges Ungeheuer in den Weg.
Wen haben wir den da? Ihr seid ja zwei nette fette Kerlchen, gerade was ich brauche.“
Seine Augen verengten sich und er setzte zum Sprung an.
Doch er verschätzte sich.
Jetzt erwachten Max und Moritz aus ihrer Erstarrung und rannten los, bis sie gegen einen großen Erdklumpen
prallten.
Wer klopft denn da und stört mich in meiner Mittagsruhe!“
Der Hügel bewegte sich und oben guckte eine schwarze Maus mit einer spitzen Nase heraus.




Sie blinzelte, wie Kurzsichtige das tun, und sah dann die beiden Mäuse streng an.
Warum habt ihr geklopft?“
Ent... Entschuldigung, wir sind nur aus Versehen an ihr Haus gerannt, weil ein riesengroßes Monster uns verfolgte.“
Was geht mich das an, das nächste Mal passt besser auf.“
Der unfreundliche Gesell verschwand.
Ein leises Kichern erklang und Max und Moritz erblickten einen Wichtel der zwischen den Wurzeln eines Baumes stand.
Herr Maulwurf mag es gar nicht wenn man ihn stört.
Hallo ihr zwei, ihr seid wohl neu hier. Habe gesehen, dass ein alter Mann euch gebracht hat. Außerdem scheint ihr ja richtige Grünschnäbel zu sein. Das Monster das euch verfolgt hat war ein Kater.“
Er sah sich vorsichtig um.
Sicher schleicht er noch hier herum. Am besten ist, ihr kommt erst mal zu mir herein. Bisschen ungemütlich bei dem Wetter und auch gefährlich.“



Die Mäuse folgten dem Wichtel, der sich als Pietro, aus der Familie der Wurzelwichtel, vorstellte durch das Gewirr von Wurzeln.
Wie staunten sie, als er sie in ein gemütliches mollig warmes Stübchen führte.
Pietro holte aus einem Schrank zwei Handtücher und warf sie ihnen zu.
Trocknet euch lieber ab, damit ihr euch nicht erkältet. Und dann berichtet, ich höre gerne Geschichten.“
Max und Moritz erzählten ihm nun von ihrem Ziehvater und wie sie hier her gekommen sind.
Pietro bot ihnen an, bei ihm zu wohnen, das Nebenstübchen wäre noch frei.
Außerdem könne er zwei so Grünschnäbel nicht allein lassen, denn sonst würden sie die Nacht hier im Park nicht überleben.
Nun waren sie schon einige Wochen hier und hatten viele nette Freunde gefunden, aber auch ihre Feinde hatte der Wichtel ihnen gezeigt.
Doch obwohl es hier schön war und es ihnen gut ging, sehnten sie sich doch nach ihrem Ziehvater.
Herrn Franz ging es nicht anders.
Immer wieder dachte er an Max und Moritz und ob sie überhaupt noch lebten. Manchmal plagte ihn das schlechte Gewissen, dass er sie so einfach ins Unbekannte ausgesetzt hatte.
Und eines Tages machte er sich auf den Weg in den Park.
Er setzte sich auf die Bank und ließ seinen Blick herum schweifen. Viel Hoffnung hatte er natürlich nicht.
Aber wenn er hier auch nur saß so fühlte er sich seinen Lieblingen doch ganz nahe.
Es war Frühling als Max und Moritz in den Park gekommen sind und inzwischen war es Herbst geworden.
Die Blätter hatten sich bunt verfärbt und dann mit Hilfe des Windes die Bäume verlassen.
Auch unter dem Baum, in dem die Mäuse zusammen mit Pietro wohnte lagen eine Menge Blätter.
Max und Moritz liebten es in dem raschelnden Haufen zu spielen.
Auch heute versteckten sie sich darin.
Pietro, der auf dem Rückweg von seinem Freund, dem Igel war, sah Herrn Franz auf der Bank sitzen und begann zu laufen.
Jungs kommt schnell!“ rief er schon von Weitem und die beiden Mäuse rannten ihm erschrocken entgegen.
Was ist los?“
Vorne auf der Bank, sitzt euer Ziehvater!“
Nun waren die Beiden nicht mehr zu halten.
Sie sausten durch das Gras, sprangen Herrn Franz auf den Schoß, machten Männchen, drehte sich im Kreis, liefen an seinen Armen rauf und runter, setzten sich auf seine Schulter und wussten vor Freud nicht ein noch aus.
Dem alten Mann liefen die Tränen über das Gesicht.
 Pietro aber, der alles beobachtete hatte, drehte sich langsam um und ging traurig nach Hause.
Er wusste, dass er seine beiden Freunde nicht mehr wiedersehen würde.
Herr Franz aber nahm Max und Moritz mit und richtete ihnen im Schuppen ein lauschiges Plätzchen her.
In die Wand des Schuppens sägte er ein kleines kreisrundes Loch, sodass sie in den Garten konnten.
Und jeden Tag wenn er ihnen etwas zum Fressen brachte, dann setzte er sich zu ihnen und erzählte und philosophierte.
Und wenn er in ihre kleinen klugen schwarzen Äuglein sah, wusste er, dass sie jedes Wort verstanden.