Montag, 22. September 2014

Das Ameisenjahr mit Lotti - Ende




Märchenstunde am Kamin

Draußen stürmt und regnet es. Es ist eisig und wird früh dunkel.
Das ist die richtige Zeit für eine Märchenstunde am Kamin.
Wenn wir es uns so richtig gemütlich gemacht haben kann es losgehen. Meist er erzählt Opa uns selbst erfundene Märchen. Die sind zum Kugeln lustig.
Du kennst doch bestimmt das Märchen vom Rotkäppchen und dem Wolf?
Und so erzählt es unser Opa:

Es war einmal ein Mädchen mit einer grünen Kappe. Die wollte ihre alte Schwester besuchen, die bei Rumpelstielzchen wohnt. Dazu zog sie ihre alten Wanderhausschuhe an, nahm ihren Rucksack und packte die Geschenke für die alte Schwester ein.
Als erstes kam ein Döner mit Pommes in den Rucksack. Danach nahm sie eine Flasche Mäusemilch mit und als Nachtisch verpackte sie noch ein Glas Gänseblümchen-marmelade.
Als sie mit dem Einpacken fertig war fragte sie den Spiegel nach dem Weg:
Spieglein, Spieglein an der Kellerwand wie bin ich am schnellsten durch den Wald gerannt.“
Der Spiegel guckte dumm aus dem Rahmen und sagte:
Woher soll ich das wissen? Frag doch Regenwittchen hinter den 15 Bergen und ihre 23 Gartenzwerge. Vielleicht wissen die das. Wenn nicht, kannst du bei den sieben Ziegen fragen, die sind ja den ganzen Tag im Wald und meckern sowieso da nur ständig rum.“
Das fand Grünkäppchen ziemlich blöd, nahm ihr Handy und rief bei der Märchenwaldauskunft an. Nachdem sie eine halbe Stunde gewartet hatte meldete sich endlich Frau Elster, die bei der Auskunft arbeitete: „Was kann ich für dich tun?“ fragte sie.
Das Mädchen überlegte kurz und antwortete ihr dann: „Frau Elster, wenn ihr mich so fragt, ihr könntet mir ein Fahrrad kaufen.“
Da wurde die Elster richtig böse und knallte den Hörer hin. So laut, dass dem Mädchen das Ohr weh tat.
Grünkäppchen verstand die ganze Aufregung nicht. Schließlich hatte die Elster sie ja gefragt, was sie für sie tun könne...und mit einem Fahrrad käme sie viel schneller zu ihrer Schwester... komische Vögel, die Elstern...
Nun war Grünkäppchen sauer und machte sich einfach auf den Weg. Ein bisschen konnte sie sich ja noch erinnern, weil sie ihre Schwester im Winter schon mal mit ihren Eltern besucht hatte.
Aber jetzt, im schönsten Sommer, sah alles ganz anders aus. Bäume und Sträucher versperrten die Sicht. Überall wuchsen Blumen und Beeren. Sogar Pilze und alte Autoreifen waren zu finden. Sie pflückte hier und da ein Blümchen und überlegte, ob die Schwester vielleicht auch Pilze und Autoreifen brauchen könnte.
Plötzlich fand sie in einem Autoreifenhaufen ein riesiges blaues Ei. Ja, dachte sie, das könnte ich mitnehmen. Mit so einem großen Ei kann man Eierkuchen backen oder Spiegelei braten. Sie hatte es gerade mit Mühe angehoben, da hörte sie ein unheimliches Gebrüll. Vor Schreck ließ sie das Ei wieder fallen und dabei bekam es einen Riss.
Zitternd sah sie sich um und da stand ein wunderschöner blauer Drachen vor ihr. Er sperrte sein Maul auf und wollte sie schon auffressen, da war plötzlich ein ängstliches Piepsen zu hören. Sie schauten beide erschrocken zu dem Ei und sahen einen kleinen blauen Drachenkopf in dem Riss. Von da kam auch das aufgeregte Piepsen und Fauchen.
Sofort ließ der Drache das Mädchen stehen und eilte zu dem Ei. Ganz allmählich ging das Ei kaputt und ein kleiner süßer Drachen stand im Autoreifen. Er sah so niedlich aus, am liebsten hätte sie ihn mitgenommen. Aber sie schlich sich lieber heimlich davon.
Der große Drachen merkte zum Glück nichts davon. Er umarmte gerade sein Drachenbaby.
Nun wurde es langsam Zeit, den Weg zur Schwester zu finden. Aber weil Grünkäppchen unbedingt noch was mitbringen wollte, sah sie sich im Wald genau um und erblickte einen Würstchenbaum.
Ja die Würstchen schienen auch schon reif zu sein. Schnell pflückte Grünkäppchen einige davon und verbrannte sich fast die Finger.Die Würstchen waren heiß und dufteten herrlich.
Als sie die Würstchen gerade einpacken wollte knurrte es hinter ihr ganz schauerlich. Vorsichtig schielte sie ein wenig um die Ecke um zu sehen, was das sein könnte, was da so knurrte. Sie sah einen riesigen zotteligen Hund.
Der schaute sie zornig an und sagte: „Eh, was machst du da mit meinem Abendbrot?“ Grünkäppchen war sehr erschrocken. Sie entschuldigte sich bei ihm und fragte, ob er nicht mit zu ihrer Schwester kommen wolle. Da könnten sie dann gemeinsam Abendbrot essen. Der Zottelhund überlegte kurz und war einverstanden.
Fröhlich gingen sie gemeinsam weiter zum Haus der Schwester. Schon von Weitem kam ihnen der Duft von frisch gebackenem Brennnessel-Eis entgegen. Die Schwester freute sich über den Besuch. Beim Essen erzählte sie Grünkäppchen und dem Zottelhund das Märchen von Rotkäppchen und dem Wolf.
Grünkäppchen fand das Märchen lustig und fragte den Zottelhund, ob er sie nun, wie der Wolf im Märchen, auffressen würde. Der lag aber nur faul auf dem Rücken und ließ sich den Bauch kraulen. Dabei meinte er, das das Abendbrot so gut geschmeckt hat und er keinen einzigen Bissen mehr hinunter bekäme.
Grünkäppchen kuschelte noch eine Weile mit dem Zottel-hund, dann gingen alle schlafen.
- hier endet Opas Märchen wie jedes Märchen -
und wenn sie nicht gestorben sind – leben sie noch heute.




Winterschlaf

Es wird immer kälter. Nebel und Regen sind täglich unsere Begleiter. Wenn die Sonne mal scheint, dann wärmt sie uns kaum noch.
Den Garten haben wir jetzt fast ganz für uns. Die Menschen sind in ihrer Winterwohnung und auch Fussel ist mit ihnen ins Winterquartier gezogen. Schade! Nur selten kommen sie mal vorbei. Meist haben sie dann Regenschirme dabei.
Die Schmetterlinge sind verschwunden und die Frösche sind auch nicht mehr zu hören und zu sehen.
Die Bäume haben ihre Blätter nun alle verloren. Die Blumen sind verwelkt und die Früchte alle geerntet.
Wir bereiten uns jetzt täglich auf unseren langen Winterschlaf vor. Vorräte haben wir gesammelt und unser Haus ist auch schon auf die kommende Kälte vorbereitet. Bald wird es völlig geschlossen. Dann bleiben wir in unseren kuscheligen Betten und schlafen bis zum Frühling.
Wir werden von Tag zu Tag immer müder. Meine Geschwister bleiben schon fast den ganzen Tag in ihren Betten.
Ich will eigentlich noch nicht schlafen gehen, aber ich merke, das ich es auch nicht mehr lange aushalte.
Unsere Eltern geben uns jetzt jede Menge zu Essen, das gibt uns Kraft für den langen Schlaf, sogar Süßigkeiten sind mehr als sonst erlaubt.
Trotzdem merke ich, wie mir immer öfter die Augen zufallen.
Meine Eltern erzählen mir die Geschichte von einer kleinen Ameise, die ein wunderschönes Gartenjahr erlebt hat, eine tolle Urlaubsreise nach Italien machen konnte und die ihren Hundefreund Fussel ganz lieb hat.
Ich denke an die vielen Erlebnisse und fange an, mich schon auf das nächste Jahr zu freuen.

Was werde ich dann wohl alles erleben...
Aber das wäre dann schon wieder eine neue Geschichte.


2008 Gabi und Bernd Mathing Berlin.




Ich hoffe die Geschichte hat euch genauso gut gefallen wie mir.
Übrigens morgen ist Reizwort-Geschichten-Tag!
Wünsche euch einen schönen Wochenanfang 

Kommentare:

  1. Es ist sooo liebevoll gemacht und erzählt. Eine große Freude für die Enkel - und noch einmal:
    Danke fürs Einstellen in deinen Blog und liebe Grüße an die Erzähler und an dich! Martina

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  2. Mir hat es auch so gut gefallen die Geschichten richtig goldig!
    Dankeschön sage ich!
    Lieben Gruss Elke

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  3. Wir haben eben erst entdeckt, das die Lotti-Geschichte jetzt komplett hier steht. Wir danken Dir, liebe Lore, nochmals ganz herzlich, das Du sie auf Deinem Blog veröffentlicht hast.
    Über die Kommentare der Leser freuen wir uns sehr und bedanken uns bei allen für die lobenden Worte.
    Viele schöne Herbsttage für Euch wünschen von Herzen Bernd und Gabi

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.