Dienstag, 28. Juli 2015

Umleitung-Liebe - Reizwortgeschichte

Nach Tagen voller Hitze, wie in der Sauna endlich eine kleine Abkühlung und natürlich heute wieder Reizwortgeschichtentag.
Diesmal geht es um die Reizwörter:
Umleitung, Schmetterling, blau, drängeln, schütten





Außerdem haben wir beschlossen eine kleine Sommerpause einzulegen.
Denn jeder hat doch im August etwas vor, ist ja Urlaubszeit.
Zum mir kommt heute meine Tochter und bleibt zwei Wochen. Und da wir uns nicht so oft sehen können, möchte ich ihren Besuch natürlich genießen.

Am 1. 9. sind wir dann wieder da mit neuen Reizwortgeschichten.
Ich wünsche euch bis dahin eine schöne sommerliche Zeit.

Aber nun viel Spaß beim Lesen!
 


 Umleitung - Liebe


Genervt lenkte Roxana ihren blauen Wagen in die Nebenstraße und fuhr an den Straßenrand.
Drei Wochen Urlaub lagen vor ihr, die sie am Gardasee verbringen wollte. Aber erst geriet sie in einen Stau und als sie deshalb bei der nächsten Ausfahrt die Autobahn verließ, landete sie auch noch in einem gelben Schilderwald.
Und auf allen Schildern stand das Wort 'Umleitung'.
Inzwischen wusste sie nicht mehr wo sie eigentlich war.
Nun war sie in diesem kleinen Ort gelandet.
Sie fuhr wieder an und bald lag das Dorf hinter hier.
Eigentlich war es ja ganz schön hier und schließlich hatte sie frei, also warum sich die gute Laune verderben lassen.
Rechts und links breiteten sich grüne Wiesen aus, auf denen Kühe standen oder lagen und ihr träge nachsahen.
Schmetterlinge taumelten in fröhlichem Tanz über das Gras und durch das geöffnete Fenster konnte sie das Summen der Bienen und das Zwitschern der Vögel aus dem nahe gelegenen Wald, hören.
Aus den Augenwinkel nahm sie ein zusammengekauertes Etwas am Straßenrand wahr.
Sie bremste und stieg aus.
Ein kleiner brauner Hund unbestimmter Rasse hob den Kopf und jaulte gar jämmerlich.
Seine rechte Hinterhand war blutverschmiert und als er sich erheben wollte, fiel er winselnd zurück.
Ruhig mein Kleiner, ich helfe dir.“
Roxana streichelte seinen Kopf und der Hund versuchte ihre Hand zu lecken.
Verzweifelt jaulend wollte er sich erheben, als sie zu ihrem Auto ging, um eine alte Decke aus dem Kofferraum zu holen.
Bald lag der Kleine in die Decke gewickelt auf dem Rücksitz und das Mädchen wendete und fuhr zurück in das Dorf.
In dem kleinen Lebensmittelladen fragte sie nach einem Tierarzt und betrat kurze Zeit später mit ihrem Bündel auf dem Arm das Wartezimmer.
Als sie gleich zum Sprechzimmer durchgehen wollte, rief ein alter Mann, der einen Korb mit einer Katze neben sich auf dem Boden stehen hatte.
He, he junge Frau nun drängeln sie mal nicht, wir waren vor ihnen da.“
Roxana drehte sich um und meinte freundlich.
Tut mir leid, aber das ist ein Notfall, der Hund wurde von einem Auto angefahren.“
In dem Moment öffnete sich die Tür zum Sprechzimmer und ein kleiner Junge, der einen Käfig mit einem Kanarienvogel trug, kam heraus.
Die Sprechstundenhilfe, eine etwa fünfzigjährige Frau sah Roxana fragend an.
Ich habe einen Hund gefunden, er wurde angefahren.“
Na dann gehen sie mal durch junge Frau, das ist ein Notfall.“
Und du zu den anderen gewandt meinte sie:
Das versteht ihr doch?“


Roxana aber sah sich einem gut aussehenden jungen Mann, der sich gerade die Hände wusch, gegenüber.
Einen Moment sahen sie sich in die Augen und als er nun lächelte, begann es in Roxanas Bauch zu flattern.
Ich bin Markus Kirchner und wen haben sie denn mitgebracht Frau?“
Roxana Feldner, ich habe einen Hund gefunden, er wurde
wohl angefahren.“
Sofort wurde das Gesicht des jungen Arztes ernst und er nahm dem Mädchen das Bündel ab und legte es auf den Tisch.
Das ist ja Fluffy!“ rief er überrascht und begann vorsichtig den Hund abzutasten.
Roxana dachte, 'was für sensible Hände er hat'.
Fluffy ist der Hund von Bärbel, der kleinen Tochter des Bürgermeisters. Leider reißt er immer aus. Wo haben sie ihn den gefunden?“
Am Ende des Dorfes, in der Nähe des Waldes.“
Wollen sie hier Urlaub machen?“
Nein ich wollte an den Gardasee.“
Wir haben hier auch einen schönen großen See, außerdem herrliche Wanderwege und in der Pension Waldinger sind sie so gut aufgehoben, als wären sie zu Hause.
Außerdem bin ich der perfekte Fremdenführer!“
Sind sie auch noch im Touristikbüro angestellt und außerdem was würde ihre Frau dazu sagen.“
Nichts, da ich keine habe. Ich bin dreißig Jahre alt, ungebunden, in guten finanziellen Verhältnissen, kann also einen Familie ernähren.
So nun muss ich Fluffy röntgen, sie können sich dort auf den Stuhl setzen.“
An der Tür drehte sich Markus noch einmal um und sagte mit einem umwerfenden Lächeln.
Glauben sie an Liebe auf den ersten Blick!“
Roxana sank auf den Stuhl und starrte ihm mit offenen Mund nach.
Ein Kichern klang von der Tür und Katrin die Sprechstundenhilfe kam ins Zimmer.
Sagen sie mal herrscht hier akuter Frauenmangel weil ihr Doktor jede Frau anbaggert die unter dreißig ist.“
Roxana war verwirrt und auch leicht geschockt.
Katrin lachte.
Oh Mädels gibt es hier und auf den umliegenden Bauernhöfen genug, die gerne Frau Doktor werden möchten.
Aber der Markus will eben auf die Richtige warten und wenn er sie trifft, dann erkennt er sie sofort, hat er gemeint.“
Aber er kennt mich nicht mal eine Stunde und weiß gar nichts von mir und ich nicht von ihm,“ stammelte das Mädchen, das reichlich verwirrt wirkte.
Dem kann man doch abhelfen oder sind sie gebunden?“
Roxana schüttelte nur den Kopf.
Markus kam nun mit dem Hund zurück und Katrin eilte an das Spülbecken, schüttete Wasser in eine Schüssel und reichte sie dem Arzt. Dann ging sie hinaus.
Vorsichtig begann er das Fell zu säubern und bat Roxana den Kopf des Tieres zu halten, während er die Wunde nähte.
Schweigend arbeiteten sie zusammen.
Willst du immer noch zum Gardasee?“
Roxana biss sich auf die Lippen und als sie in die fröhlichen braunen Augen sah, schüttelte sie wie unter Zwang den Kopf.
Ein strahlendes Lächeln belohnte sie.
Wie lange dauert dein Urlaub?“
Drei Wochen?“
Prima, das genügt um dich zu überzeugen, dass ich genau der Richtige für dich bin.“
Roxana schüttelte nur den Kopf.
Katrin aber, die an der Tür gelauscht hatte, lachte zufrieden, griff nach dem Telefon und bestellte ein Zimmer in der Pension.

© Lore Platz




Dienstag, 14. Juli 2015

Ein Tag auf Sommering - Reizwortgeschichte

Reizwörter: Lavendel, Laken, blass, hilflos, stöhnen

 
Und wieder hatte ich keine Idee zu einer Geschichte.
Wenn ich die Worte so betrachte, dann liegt jemand in einem Laken, das nach Lavendel duftet, fühlt sich hilflos, ist blass und stöhnt.
Lore mit der Sommergrippe!
Nur dass ich einen Weichspüler ohne Lavendel habe, hahaaa!

Aber ich wollte natürlich auch nicht, dass ihr ohne eine Geschichte bleibt.
Zufällig fand ich eine uralte Geschichte, die ich 1972 geschrieben habe. Es handelt sich um eine wahre Geschichte
Die Erinnerungen einer alten Frau, der ich etwas von meiner Zeit schenkte, da sie sehr einsam war, habe ich zu einem Tag zusammen gefasst und ihr die Geschichte dann zum Geburtstag geschenkt .
Das ganze geschah Anfang der Dreißiger im vorigen Jahrhundert. Der Krieg hat dann später alles zerstört und die Familie musste fliehen.
Ach ja und sollte jemand auf die Idee kommen, ich hätte geschummelt, dann verweise ich auf ganz oben, denn die Reizwörter wurden sinnvoll erwähnt.







Ein Tag auf Sommering

Mit einem strahlendem Lächeln begrüßt die Sonne den Tag.
Sie taucht die Welt in ihr goldenes Licht, streift die wogenden Ähren, beleuchtet die grünen saftigen Wiesen, spiegelt sich in dem klaren flink dahin eilendem Bach und leuchtet schließlich auch über Sommering, dem großen behäbigen Einödhof mitten in der herrlichen Landschaft Jugoslawiens.
Die Bewohner von Sommering sind schon munter und verrichten fröhlich ihre morgendlichen Pflichten.
Peter, der Älteste striegelt die Pferde, Johann holt frisches Heu von der Tenne und Adam der Jüngste der Brüder füttert die Schweine.
Andrasch der Knecht verlässt gerade mit einer Schubkarre voll Mist den Stall.
Fröhliche Worte fliegen zwischen den jungen Männern hin und her, doch als Vater Ulrich aus dem Haus tritt, sind sie still.
Denn der Bauer ist ein sehr strenger Mann.
Lena, die älteste Tochter hilft der Mutter in der Küche.
Nun habe ich euch alle Bewohner von Sommering vorgestellt, doch halt da fehlt doch noch jemand?
Richtig! Bibi, die Jüngste kuschelt noch in ihrem Bett und schläft.
Eigentlich heißt sie ja Christine, aber da sie sie Jüngste und somit das Küken der Familie ist, wird sie von allen nur Bibi gerufen.
Lena, die schon sechzehn und etwas eifersüchtig auf das Nesthäkchen ist, blickt immer wieder zur Schlafzimmertür.
Endlich hält sie es nicht mehr aus.
Die Bibi darf noch schlafen, das ist ungerecht. Sie könnte uns ruhig hier helfen,“ mault sie.
Die Mutter lächelt nachsichtig.
Lass sie doch, sie ist doch noch so klein.“
Pah, klein! Sie ist immerhin schon zehn!“


Bä, bääää!“ tönt es durch das offene Fenster und gleich darauf ist ein Kratzen an der Tür zu hören.
In Lenas Augen blitzt es auf.
Ha, nun weiß ich, wie ich die Langschläferin aus dem Bett bringe,“ lacht sie und öffnet die Tür, um Suki, Bibis Schäfchen, hereinzulassen.
Suki bleibt mit schief geneigtem Kopf mitten in der Küche stehen, hebt dann das Näschen, bäät noch einmal herausfordernd und trippelt dann zielstrebig zur Schlafzimmertür, die Lena einladend geöffnet hat.
Tripp, Trapp, Tripp Trapp, klappern die kleinen Hufe über den Steinboden und schon fährt eine raue Zunge über Bibis Gesicht.
Erschreckt zuckt Christine zusammen, blinzelt und mit einem empörten „Suki, lass mich bloß in Ruhe!“ dreht sie sich zur Wand und zieht die Decke über den Kopf.
Doch sie hat nicht mit Sukis Beharrlichkeit gerechnet.
Energisch stößt das kleine Köpfchen gegen den Rücken des Mädchens und als das nicht hilft springt das Schäfchen einfach auf das Bett.
Bibis brauner Wuschelkopf kommt unter der Decke hervor und lachend umarmt sie das Schaf, das sich zufrieden an ihre Schulter kuschelt.
Fröhliches Lachen schallt von der Tür her, denn dort stehen die Mutter und Lena.
Na, Bibi hat Suki es endlich geschafft dich wach zu bekommen?“ schmunzelt die Mutter.
Das Mädchen blinzelt ihr vergnügt zu und springt aus dem Bett.
Zusammen mit Suki, die keinen Schritt von ihrer Seite weicht, eilt sie ins Bad und steht kurze Zeit später frisch gewaschen und gekämmt im Flur, greift sich im vorbei gehen den Eierkorb und läuft leichtfüßig über den Hof.
Die Hennen flattern aufgeregt gackernd von den Nestern

als Bibi und natürlich auch Suki sich durch die schmale Tür zwängen.
Das Schaf betrachtet misstrauisch das Federvieh. Warum müssen diese dummen Hühner nur so viel Lärm machen und diese Federn, die durch die Luft fliegen. Hatschi!
Suki tritt vorsichtig zurück, doch als ihr eins dieser unmöglichen Biester auf den Rücken fliegt und ihr mit den Flügeln eine kräftige Ohrfeige versetzt, da ist es mit ihrer Geduld zu Ende.
Sie dreht sich im Kreis, um das Federvieh auf ihrem Rücken los zu werden und landet mitten in den Eiern.
Bibi blickt entsetzt auf den goldgelben Saft, der sich über das Stroh ergießt und schiebt das Schaf energisch aus dem Hühnerstall.
Flink sammelt sie die restlichen Eier ein und verlässt den Hühnerverschlag. Sauber machen will sie später.
In der einen Hand den Korb balancierend und mit der anderen Hand das Schaf abwehren, eilt sie ins Haus.
In der Küche hat sich inzwischen die Familie zum Frühstück versammelt.
Als Bibi mit Suki in die Küche stürmt, runzelt der Vater streng die Stirn.
Bring das Schaf sofort hinaus!“ ordnet er an und schweigend stellt Bibi den Eierkorb auf die Holzbank und zieht Suki am Halsband hinaus.
Sie weiß, dass der Vater das Schaf nicht leiden kann, weil es immer etwas anstellt und schuldbewusst denkt sie an die kaputten Eier.
Und auch der entsetzliche Wintermorgen fällt ihr ein, als Suki den Truthahnküken die in einem Korb am warmen Ofen lagen, einfach die Köpfe und Glieder abgebissen hat.
War das eine Aufregung! Damals wollte der Vater Suki verkaufen, aber glücklicherweise konnte die Mutter ihn besänftigen.
Bibi wird ganz bange bei dem Gedanken und sie zerrt das Schaf in den Stall und verschließt fest die Tür.
Krampfhaft versucht sie das klägliche 'Bäääää' zu überhören.
Und nach dem Frühstück hat sie nichts eiligeres zu tun, als Suki aus ihrem Gefängnis zu befreien.
Übermütig springt das Schäfchen um seine kleine Freundin
herum und versucht immer wieder die leuchtend roten Zopfschleifen zu erwischen.
Die beiden gebärden sich, als hätten sie sich monatelang
nicht mehr gesehen.
Peter, der lässig die Hände in den Hosentaschen, über den Hof schlendert, grinst von einem Ohr zum andern.
Na, Kleines fährst du mit zur Mühle?“
Ja, aber nur, wenn Suki mit darf,“ meint Bibi trotzig.
Peter lacht und zupft sie am Ohrläppchen.
Na, dann kommt ihr Zwei,“ brummt er gutmütig.
Andrasch schirrt gerade die beiden temperamentvollen Rappen Lendsch und Gendsch ein.
Ah die beiden Unzertrennlichen fahren also auch mit,“ feixt er.
Bibi streckt ihm die Zunge raus, was der Knecht mit einem fröhlichem Gelächter beantwortet.
Peter lässt die Peitsche durch die Luft sausen und die Pferde traben los.
Es ist ein wunderschöner Morgen und das Mädchen genießt die Fahrt durch ihre schöne Heimat.
Sie sitzt auf den leeren Mehlsäcken, die Arme um Sukis Hals geschlungen und träumt.
Vorbei geht das lustige Traben der Pferde an dem kleinen Bach, an dessen Ufer die Kühe in der Sonne liegen.
Große mächtige Weiden säumen den Weg und Bibi blinzelt gegen die Sonne und versucht die Nester der Raben zu erspähen.
Eine Lerche flattert aus dem Gebüsch und das Mädchen kneift die Augen zusammen und beobachtet wie der braun gefiederte Vogel jubilierend dem Himmel zu fliegt.
Der Wagen biegt jetzt in den Hof des Müllers ein und Peter springt vom Kutschbock und begrüßt diesen mit einem Handschlag.
Bald sind die Säcke mit Mehl aufgeladen und es geht zurück.
Als sie in den Hof von Sommering einbiegen, führen Adam und Johann gerade den Vollbluthengst Gidran aus dem Stall.
Nervös tänzelt das kräftige Tier zwischen den beiden jungen Männern.
Bibi!“ ruft Adam und winkt dem Mädchen zu.
Gidran braucht Bewegung, hast du Lust?“
Und ob!“ Leichtfüßig springt Bibi vom Wagen und schon sitzt sie im Sattel.

Mit sicherer Hand lenkt sie ihr Lieblingspferd und lässt ihn eine Ehrenrunde im Hof drehen.
Dann aber steht sie plötzlich im Sattel und treibt das Pferde zum Galopp
Gidran setzt über das Gatter und galoppiert den kleinen Waldweg hinunter.
Bald ist Bibi den Blicken ihrer Brüder entschwunden und sie hört auch nicht mehr Sukis verzweifeltes Blöken, die dem halsbrecherischen Tempo nicht folgen kann.
Doch zum ersten Mal vergisst das Mädchen das kleine Schaf.
Dies ist eine ganz andere Bibi.
Wild und unbezähmbar steht sie auf dem Pferderücken.
Die Zöpfe haben sich aufgelöst und der Rock schleudert um ihre Knie.
Bibi fühlt sich frei und glücklich.
Sie reitet bis zur alten Felsengrotte, schlägt einen Bogen und galoppiert in demselben Tempo zurück, begeistert von ihren Brüdern empfangen.
Glücklich und mit hochrotem Gesicht springt sie aus dem Sattel.
Bibi, Bibi!“ tönt die Stimme der Mutter aus der Küche.
Schnell fährt das Mädchen mit den Händen über den Rock und eilt ins Haus.
Vorwurfsvoll sehen die guten Augen der Mutter auf das zerzauste Mädchen.
Du weißt doch, ich will nicht, dass du so wild wie ein Junge reitest,“ tadelt die Mutter sanft.
Bibi nickt etwas schuldbewusst.
Ja, Mutter, aber es war doch so wunderschön!“
Die Mutter lacht und streicht ihr schnell über den Kopf.
Nun lauf und deck schnell den Tisch!“
Bibi nimmt die blaue Tischdecke aus der Schublade und Teller und Besteck aus dem Schrank und eilt hinaus in den Garten.
Es ist inzwischen heiß geworden, aber unter der dicken alten Linde, die ihre weit ausladenden Zweige über den grob gezimmerten Tisch breitet, ist es angenehm kühl.
Flink wirft Bibi die Decke über den Tisch, verteilt Teller und Löffel und schon kommt Lena mit der dampfenden Suppenschüssel.
Kichernd laufen die Mädchen zurück ins Haus und vergessen ganz Suki, die mit neugierig glänzenden Augen das eifrige Schaffen der Mädchen verfolgt hat.
Nun trippelt das Schäfchen näher, hebt schnuppernd das Näschen und klettert mühsam mit den Vorderbeinen auf
die Holzbank.
Ein Sprung und es steht mit den Vorderbeinen auf der Tischkante. Noch ein Sprung und Suki thront mitten auf dem Tisch.
Scheppernd fällt das Geschirr auf den Rasen.
Suki macht einen erschrockenen Satz und landet mit der rechten Vorderpfote in der heißen Suppenschüssel.
Ihr klägliches Schreien lockt die ganze Familie aus dem Haus.
Lena und Bibi befreien das Schaf und Adam verarztet es.
Der Vater hat dies alles mit strenger Miene beobachtet und als die Mutter ihm sacht die Hand auf den Arm legt, dreht er sich um und geht stumm ins Haus.
Die Mutter dirigiert nun die Kinder und bald ist alles wieder in Ordnung.
Adam aber bringt das verletzte Schaf in die Scheune. Bibi kniet sich neben Suki und schlingt die Arme um den wolligen Hals.
Kommst du mit zum Essen?“ fragt ihr Bruder.
Das Mädchen schüttelt den Kopf und Adam verlässt schulterzuckend die Scheune.
Als Peter später nach Bibi schaut, findet er sie tief schlafend, die Arme fest um Sukis Hals geschlungen.
Lächelnd schließt er die Tür.
Es ist später Nachmittag als das Mädchen erwacht.
Erschrocken springt es auf und auch Suki rappelt sich hoch.
Oh Suki!“ ruft Bibi, „ der Vater wird schimpfen, bleib du hier, ich muss ja noch die Kühe melken!“
Sie läuft über den Hof und trifft auf den Knecht, der gerade polternd die Milchkannen auf den Leiterwagen lädt.
Na auch schon wach?“ spottet er gutmütig und Bibi wird puterrot.
Schnell läuft sie an ihm vorbei ins Haus, schlüpft in die groben Holzpantoffeln, bindet sich das Kopftuch um, nimmt die beiden Melkschemel und Milchsiebe und kommt etwas atemlos auf den Hof.
Andrasch wartet bereits auf dem Kutschbock und Bibi wirft die Sachen auf den Wagen und klettert neben ihn.
Ein kurzes Wippen mit der Peitsche und ab geht die Fahrt hinunter zum Bach.
Gemeinsam verladen sie die Milchkannen in das bereit stehende Boot.
Bibi lässt die Pantoffeln am Ufer und watet in den seichten Schlamm und während Andrasch das Boot ins Wasser schiebt, springt sie hinein.
Lachend hilft sie dann dem Knecht in das schaukelnde Boot.
Dieser greift sich die Ruder und bringt sie mit kräftigen Schlägen ans andere Ufer, während Bibi vorne am Bug sitzt und spielerisch die Hände durchs Wasser gleiten lässt.
Andrasch stimmt ein fröhliches Lied an und Bibi fällt mit heller Stimme ein.




Die Kühe heben staunend die Köpfe.
Als das Boot ans Ufer stößt und Andrasch es fest gemacht hat, nehmen sie die Melkschemel und Milcheimer und klettern den Hang hinauf.
Der Abend dämmert schon herauf und graue Nebelschleier breiten sich über das Land, als sie mit den Kühen fertig sind.
Als die letzte volle Milchkanne auf dem Boot verladen ist und sie zurück rudern ans andere Ufer werden sie begleitet von dem dankbaren Muhen der Kühe, die befreit von der Milch sich viel wohler fühlen.
So sind die Tage auf Sommering ausgefüllt mit Arbeit, kleinen Erlebnissen und Freuden.
Als Bibi dann um neun Uhr abends ins Bett kriecht, denkt sie noch kurz vor dem Einschlafen, wie glücklich sie doch ist.
Glücklich auf Sommering!


© Lore Platz





Dienstag, 7. Juli 2015

Tobias reißt aus - Reizwortgeschichte

Mir geht es wieder besser, doch nun hat die Hitze mich im Griff!


Heute geht es um die Reizwörter:
Zirkus, Glocke, glitschig, mitmachen, erbärmlich

Viel Spaß beim Lesen!






Tobias reißt aus

Die Schulglocke ertönte und die Kinder stürmten lachend und lärmend aus dem Schulhaus.
Sechs Wochen Ferien lagen nun vor ihnen und nicht mal die Zeugnisse in ihren Mappen konnten ihnen die Freude verderben.
Tobias ging mit gesenktem Kopf und traurigem Gesicht zwischen seinen Kameraden, die ihn in Ruhe ließen.
Tobias war einst ein fröhlicher übermütiger Junge, doch vor zehn Monaten war sein Vater gestorben und seitdem hatte er sich sehr verändert.
Seine Freunde wussten nicht so recht wie sie mit ihm umgehen sollten und hatten auch eine gewisse Scheu vor Tobias.
Der Junge hatte nun das große Miethaus erreicht und ging die abgetretenen Holzstufen hinauf.
Abgestandene Luft schlug ihm entgegen und schnell öffnete er die Fenster. In der Küche nahm er eine Dose Linsensuppe schüttete sie in einen Topf und stellte die Herdplatte an.
Dann deckte er den Tisch, schnitt Brot, stellt die Flamme kleiner und atmetet tief durch, bevor er ins Wohnzimmer ging.
Wie immer saß seine Mutter im Sessel, ein Bild des Vaters auf dem Schoß und starrte vor sich hin.
Tobias berührte sachte ihre Schulter und wie aus einem Traum erwachend sah die Mutter ihn an.
Sie versuchte ein Lächeln, doch es misslang.
Komm zum Essen, Mama.“
Schwerfällig wie eine alte Frau erhob sich die vierzigjährige und folgte ihrem Sohn stumm in die Küche.
Schweigend löffelten sie ihre Suppe, dann erhob sich Frau Königsberger und murmelte: „ Ich gehe zum Friedhof.“
Der Zehnjährige nickte nur.
Nachdem er aufgeräumt hatte warf er sich auf sein Bett, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und starrte an die Decke.
Er fühlte sich erbärmlich !
Wie schön war es gewesen als der Vater noch lebte, die Mutter hatte gesungen und gelacht und wenn der Vater sie neckte wurde sie immer rot wie ein junges Mädchen.
Und dann war von einem Tag auf den anderen alles vorbei. Auf dem Weg nach Hause wurde das Auto seines Vaters von einem betrunkenem Autofahrer gerammt, überschlug sich und sein geliebter Vater war tot.
Seitdem war die Sonne aus seinem Leben verschwunden und er fühlte sich, als würde er in einer Schattenwelt wohnen.
Besonders, da seine Mutter sich immer mehr in ihre
Trauer vergrub und oft vergaß, dass sie noch einen Sohn hatte.
Dabei hätte er sie gerade jetzt so dringend gebraucht, denn er wusste nicht wohin mit seinem ganzen Kummer und Schmerz.
Zu gerne hätte er sich in ihre Arme geflüchtet und geweint, doch seine Mutter hatte eine unsichtbare Mauer um sich gebaut und ihn ausgeschlossen.
So war er immer stiller geworden und hatte all sein Leid tief im Inneren verschlossen.
Mit Grauen dachte er an die vor ihm liegenden sechs Wochen. Nein das hielt er nicht aus, er würde verrückt werden. Er musste weg.
Schnell holte er sein Sparschwein und zerschlug es. Die 60 Euro, die darin waren würden genügen, bis er bei seiner Tante war, die in der Nähe des Chiemsees einen Bauernhof besaß.
Ja er wollte zu Tante Jutta, die hatte ihnen sowieso angeboten einige Zeit zu ihnen zu kommen, doch
die Mutter wollte nicht weg vom Grab ihres Mannes.
Tobias holte den Schlafsack vom Schrank und packte seinen Rucksack, dann verließ er die Wohnung.
Kurz überlegte er, ob er seiner Mutter ein paar Zeilen schreiben sollte, doch dann meldete sich sein Trotz. Nein! Sie würde doch sowieso nicht merken, ob er da war oder nicht.
Er klemmte den Schlafsack auf den Gepäckständer seine Rads, schulterte den Rucksack und fuhr los.
Bald hatte er die Stadt verlassen, ein leichter Wind fuhr durch sein Haar und die Sonne umschmeichelte sein Gesicht.
Ganz leicht wurde ihm auf einmal ums Herz.
Es war schon Spätnachmittag, als er an einem Bach
hielt, um die unterwegs gekauften belegten Brötchen zu verspeisen.
Dann legte er sich bäuchlings ans Ufer und schöpfte mit der hohlen Hand Wasser aus dem klaren Bach.
Anschließend füllte er noch die leere Saftflasche und stieg wieder aufs Rad. Es war Zeit sich nach einem Schlafplatz umzusehen.
Er musste ganz schön in die Pedale treten um die Steigung zu schaffen, auch war er schon sehr müde.
Plötzlich gab es ein komisches Geräusch und das Hinterrad fing an zu hoppeln.
Schnell sprang er ab und besah sich den Schaden. Ein langer Nagel steckte im Hinterrad. Er hatte einen Platten. Tobias schob die letzten paar Meter nach oben und blieb dann stehen.
Im Tal unten sah er die Spitze eines Kirchturms und weiter rechts flatterte eine Fahne auf einem großen Zelt lustig im Wind.
Ein Zirkus! Da wollte er hin und vielleicht erlaubten sie ihm auch dort zu übernachten. Und in dem Dorf fand er sicher jemand, der ihm das Fahrrad wieder richtetet.
Bald erreichte er die große Wiese und sah staunend das große Zelt und die bunten Wohnwagen.
Ein Clown jonglierte mit Bällen. Eine Dame ließ einen Hund in rosa Kleidchen mit vielen Rüschen auf den Hinterbeinen tanzen.
Eine Frau, die eine große Schlange um den Hals trug führte, tänzelte über den Platz wobei sie den züngelnden Kopf des Reptils vor ihr Gesicht hielt.
Du hast ja einen schönen Platten!“ hörte er eine Stimme neben sich und erblickte ein Mädchen ungefähr in seinem Alter, das einen Schimpansen an der Hand führte.
Tobias grinste. „Ja, gerade passiert, ich heiße Tobias und wollte fragen, ob ich bei euch übernachten dürfte. Ich brauche nicht viel Platz für meinen Schlafsack.“
Aber sicher, komm wir fragen den Direktor! Ich bin übrigens Lisa und das ist Gina. Gina sag schön guten Tag zu Tobias.“
Der Affe fletschte die Zähne, schnatterte und reichte dem Jungen seine Pfote, die dieser mit einem freundlichen: „Guten Tag Gina;“ drückte.
Dann folgte Tobias dem Mädchen und dem Schimpansen zu dem älteren Mann, der gerade mit der Schlangentänzerin sprach.
Der Direktor betrachtete forschend den Jungen, dann lächelte er und nickte. Außerdem lud er ihn zur Vorstellung ein, bevor er weiter ging.
Tobias sah etwas scheu auf die große Schlange, die sich auf der Schulter der jungen Frau ringelte.
Diese meinte lächelnd.
Hast du Angst vor Schlangen?“
Der Junge zuckte verlegen die Schultern.
Meine Indira ist ganz harmlos, willst du sie mal streicheln. Keine Angst, sie ist nicht glitschig!“
Während die Schlangentänzerin den Kopf der züngelnden Schlange fest hielt, fuhr Tobias vorsichtig mit der Hand über den Rücken des Tieres.
Die Haut fühlte sich trocken und etwas rau an,
trotzdem atmete er auf, als die junge Frau sich verabschiedete und weiter ging.
Lisa führte ihn nun in ein kleines Zelt, in dem Werkzeuge und allerlei Gerümpel war.
Ein alter Mann feilte gerade an einer Eisenstange und drehte sich um, als sie eintraten.
Freundlich begrüßte er Lisa und diese stellte ihm Tobias vor. Beppo betrachtete sich den Schaden am Rad und meinte:
Wird ne Weile dauern, heute kannst du nicht weiter fahren.“
Das geht in Ordnung,“ erklärte das Mädchen, „der Direktor hat erlaubt, dass Tobias bei uns schlafen darf.“
Dann wüsste ich ein Plätzchen für dich.“
Der alte Mann deutete in die Ecke, in der neben dem Futter für die Tiere auch ein großer Heuhaufen war und gemeinsam brachten sie Tobias Sachen dorthin.
Nachdem sie sich von Beppo verabschiedet hatten, zeigte Lisa dem Jungen noch die Tiere, doch dann musste sie zurück ins Zelt, weil bald die Vorstellung begann.
Da Lisa bereits bei der Einzugsparade mitmachen musste, wollte sie sich vorher noch umziehen.
Auf dem Rückweg kamen sie an einem Wohnwagen vorbei auf dessen Stufen eine alte Frau saß und eine Pfeife rauchte.
Das ist die Großmutter von unserem Direktor, sie kann in die Zukunft sehen.“
Lisa, was wisperst du mit dem Jungen, du machst ihm doch nur Angst. Komm her mein Junge setz' dich zu mir und du Lisa lauf los, damit du nicht zu
spät kommst.“
Scheu setzte Tobias sich neben die alte Frau und betrachtete das braune lederartige Gesicht, das voller Runzeln war.
Können sie wirklich in die Zukunft sehen?“
Die alte Frau schmunzelte und einige Zahnlücken wurden sichtbar.
Wer weiß? Außerdem niemand sagt 'Sie' zu mir, ich bin Miranda und dass du Tobias heißt habe ich gehört.“
Sie kicherte und auch der Junge lächelte. Die alte Frau gefiel ihm und er vertraute ihr.
Ich kann gut in Gesichtern lesen und in die Herzen der Menschen sehen. Dein Herz ist voller Kummer und Schatten.“
Mein Vater ist tödlich verunglückt vor einigen Monaten,“ sagte Tobias leise.
Die alte Frau nickte ernst.
Ich musste schon viele der Meinen begraben, das Zirkusleben steckt voller Gefahren. Dein Vater musste viel zu früh gehen, du hättest ihn noch so notwendig gebraucht.“
Tobias nickte und eine Träne rollte über seine Wange.
Und meine Mutter hat sich so in die Trauer vergraben, dass sie vergessen hat, dass es mich gibt!“
Seine Stimme klang bitter.
 Miranda schwieg eine Weile, dann sagte sie leise.
Ein indianisches Sprichwort sagt:
'Lass den Vogel der Trauer ruhig über deinen Kopf
kreisen, aber erlaube ihm nicht in deinen Haaren zu
nisten.
Mein Vater war ein Cherokee-Indianer und in diesem Spruch steckt viel Weisheit.
Man darf die Trauer nicht unterdrücken und muss sie zulassen, nur so kann man sie einst überwinden.
Aber wenn man sich zu sehr in der Trauer verliert, dann findet man den Weg nicht mehr zurück ins Leben. Du darfst deiner Mutter nicht böse sein, der plötzliche und viel zu frühe Tod deines Vaters war für sie ein Schock.“
Aber wie kann ich ihr helfen?“
Du hast ihr schon geholfen, indem du ausgerissen bist.“
Schweigend blicken die zwei so ungleichen Menschen hinauf ins Firmament, das sich inzwischen dunkelblau verfärbt hat und ab und zu blinkt bereits ein Stern auf.
Gibt es ein Leben nach dem Tod?“
Wer weiß? Schließ' deine Augen und blicke in dein Herz.“
Was spürst du?“
Die Nähe meines Vaters.“
Mein Volk glaubt, dass nur dann eine Seele stirbt, wenn es niemanden gibt, der sich an sie erinnert. Solange du dich an deinen Vater erinnerst, wird er immer bei dir sein und du bist nie allein.
Und nun geh, die Vorstellung beginnt gleich und denke daran, dein Vater würde sich freuen, wenn du wieder lernst zu lachen und das Leben zu genießen.
Und mache dir keine Sorgen um deine Mutter. Es wird alles gut werden.“
Tobias lief zum Zirkuszelt, wo ihn Lisa schon erwartete und ihn zu einer Kiste hinter der Bühne führt, von wo er die Vorstellung verfolgen kann.
Es waren schöne Darbietungen und bei den Späßen Clowns lachte er hellauf.


Erstaunt lauschte er den eigenen Tönen, wie lange hatte er schon nicht mehr gelacht.
Und gleichzeitig liefen ihm die Tränen über das Gesicht. Sie spülten die letzten Schatten aus seinem Herzen und das Lachen erfüllte es mit Freude.
Er fühlte sich so glücklich und frei wie schon lange nicht mehr.
Am nächsten Morgen nach einem ausgiebigem Frühstück radelte er weiter, begleitet von den guten Wünschen der Zirkusleute.
Und am Spätnachmittag fuhr er in den Hof seiner Tante Jutta.
Nachdem er ihr alles erzählt und sie ihn in der Küche bei der alten Bertha abgeliefert hatte, die den Jungen sofort begann so richtig mit Leckereien zu verwöhnen, führte Jutta ein langes Gespräch mit ihrer Schwester.
         Elfriede Königsberger legt den Hörer auf. Sie schämte sich, denn sie hatte nicht einmal bemerkt, dass Tobias nicht da war.
Wie erwachend schaute sie sich um und erkannte wie ihre einstmals so saubere Wohnung herunter gekommen war.
In den achtlos hingeworfenen Papieren wühlt sie, bis
sie den Zettel mit der Telefonnummer der Trauerhilfe fand, die Pfarrer Braun ihr bei der Beerdigung in die Hand gedrückt hatte.
Nachdem sie einen Termin für Morgen Vormittag vereinbart hatte, krempelte sie die Ärmel hoch, um mit Wasser und Seife den Schmutz in ihrer Wohnung zu beseitigen.
Spät in der Nacht fiel sie todmüde ins Bett und schlief zum ersten Mal tief und traumlos.
Am nächsten Morgen, nachdem sie ein langes Gespräch mit der Dame von der Trauerhilfe geführt und die Adresse eines Trauercafes in der Tasche hatte, rief sie ihre Schwester an.
Lange redeten die beiden miteinander, dann bat Elfriede ihre Schwester ihr doch Tobias zu holen.
Tobias legte den Hörer auf und sah seine Tante strahlend an.
Mama hat sich professionelle Hilfe geholt und sie will sich eine Arbeit suchen, obwohl sie es durch Papas Lebensversicherung eigentlich nicht nötig hat.
Aber sie meint, die Arbeit würde sie vom Grübeln abhalten und sie hat versprochen wenn ich nach Hause komme wird alles anders werden.
Außerdem kommt sie in drei Wochen zu dir, bleibt bis zum Ende der Ferien und wir fahren gemeinsam zurück.“
Jutta die das alles schon wusste nickte.
Und ich werde euch nach Hause bringen, dein Rad bekommen wir locker in meinen Jeep.“
Sie umarmte ihren Neffen, der sich nicht schämte zu weinen.
Doch diesmal waren es Freudentränen.

© Lore Platz