Sonntag, 30. November 2025

1 Goldglöckchens Reise

 Heute ist der erste Adventsonntag und obwohl Morgen das erste Türchen erst geöffnet wird habe ich es heute schon für euch aufgemacht, denn Morgen muss ich ganz besonderen Menschen danken.


Goldglöckchens Reise



In einem weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer stand in der Mitte ein großer Tannenbaum. Bunte Kugeln und silbernes Lametta machten ihn zu etwas ganz besonderes. 

Ganz oben hing ein Glöckchen und strahlte vor Freude. Seit vielen Jahren durfte es den Baum schon schmücken und jedes Mal freute sie sich über die strahlenden Kinderaugen. Dann gab es sich ganz besonders viel Mühe zu strahlen und zu glänzen.

Viele Weihnachten gingen vorüber und die Kinder freuten sich wenn sie mit leuchtenden Augen das Zimmer betraten und auch über die kleinen bescheidenen Geschenke.


Doch dann änderten sich die Zeiten. Der Wohlstand brach aus. 

Von ihrer Höhe aus sah Goldglöckchen besorgt wie sich unter dem Baum die Geschenke türmten und die Kinder unzufrieden wirkten. Die Freude und die Weihnachtsstimmung waren verflogen.

Am Ende dieser Weihnacht bekam es Glöckchen zu spüren. Als die Familie mit Müh und Not die Feiertage überstanden hatten, konnten sie den Baum nicht schnell genug abräumen. Manche Kugel ging dabei kaputt, die schon seit vielen Jahren in der Familie sorgsam gehütet wurden.

Der Vater befahl seinem halbwüchsigen Sohn den Baum in den Garten hinunter zu tragen. Dieser brummte etwas vor sich hin und sobald sein Vater das Zimmer verlassen hatte, grinste er hämisch, öffnete das Fenster zum Garten und warf den Baum hinunter. Niemand hatte bemerkt, dass Goldglöckchen noch immer an der Spitze steckte. Dem kleinen Glöckchen wurde es schummrig im Kopf, dann ein harter Aufprall. Stille.

 

(c) Monika Mandelik

Eine kleine Maus huschte durch das Gras, dann wisperte sie

.“Wer bist du? Und wie kommst du hierher?“ „keine Ahnung. Seit Jahrzehnten schmücke ich schon den Baum und alle haben sich gefreut, denn Weihnachten ist doch etwas ganz besonderes und ich war so stolz zu dieser Freude beizutragen

 

Und nun hat der böse Junge mich mitsamt dem Baum einfach aus dem Fenster geworfen.“ „Aber hier kannst du nicht bleiben, denn sie wollen den Baum verbrennen.“

Das Mäuschen huschte davon und kam mit vielen Mäusen zurück. Ein Mäuserich lachte vergnügt. „Hast du ein Glück, dass wir gerade bei meinem Vetter sind, haben zusammen Weihnachten gefeiert. Jungs los.“ 

Einige zogen an der Spitze und andere schoben von unten und flups lag Glöckchen im Gras neben dem Baum. Jubel erscholl! 

Ein kleiner Junge aber rief. „Großvater wir müssen es noch aus dem Garten schaffen.“ 

Und sie rollten Goldglöckchen hinaus und ließen es dann in einem Hinterhof in einer Ecke liegen. Bevor sie gingen verabschiedeten sie sich und Glöckchen war allein.

Viele Tage vergingen , obwohl es in einer geschützten Ecke lag, verlor es seinen Glanz, denn es war traurig. Es war so in trübe Gedanken verloren, dass es beinahe die Schritte und Stimmen überhört hätte. 

Neugierig beobachtete es wie eine alte Frau und ein kleines Mädchen in die Gasse kamen. Beide waren ärmlich gekleidet und sahen traurig aus.

 „Oma hast du nicht gesagt, der liebe Gott wird uns nicht vergessen und bald kommt das Christkind und das liebt doch die Menschen.“

Die Oma schwieg. Seit ihre Tochter und ihr Schwiegersohn, die Eltern der kleinen Christina von einem betrunkenen Autofahrer getötet wurden, waren sie immer mehr in die Armut geraten und schließlich hier im Schandfleck des Ortes, dem Armenviertel gelandet. 

Den Glauben an Gott hatte sie längst verloren.

Als hätte die Kleine ihre Gedanken erraten. „ Oma der liebe Gott hat uns nicht vergessen, er hat eben viel zu tun. Und Mama und Papa sind doch auch im Himmel, die werden ihn ganz bestimmt an uns erinnern.“

In dem Moment leuchtete ein helles Licht. Es war Goldglöckchen, die vor Freude über dieses gute Kind wieder zu leuchten begann.

Christina aber lief hinüber hob das kleine zierliche Glöckchen auf, streichelte es.“ Du armes Ding, wer hat dich so achtlos in den Schmutz geworfen. Du kommst jetzt mit zu uns, vielleicht bringst du uns ja Glück.

Und das Glück kam. In den Ort war ein Rechtsanwalt gezogen, der sich kostenlos für die Armen einsetzte. Er rollte den Prozess wieder auf, konnte beweisen, dass der Unfallfahrer Zeugen bestochen hatte. Daraufhin wurde dieser zu einer sehr langen Freiheitsstrafe verurteilt und seine Versicherung musste zahlen.

Christina und ihre Oma zogen in ein kleines Häuschen mit Garten und Goldglöckchen kam mit. Viele viele Jahre schmückte es stolz den Weihnachtsbaum. Für Christinas Kinder, ihre Enkel und viele Generationen danach. Und die Geschichte wurde weiter erzählt, wie Goldglöckchen das Glück brachte.


(c) Lore Platz  3.11.2025

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