Donnerstag, 12. März 2015

Briefe schreiben






Nachdem ich bei Irmi den Post über die Briefe ihres Großvaters gelesen habe, dachte ich darüber nach wie schön es doch war, noch mit der Hand und dem Füller seine Wünsche und Gedanken zu Papier zu bringen.
In der Schule ging eine Liste herum und wir konnten uns Brieffreunde aussuchen.
Ich weiß noch ich hatte damals eine Brieffreundin in der damaligen  DDR und einen Brieffreund in Südafrika.
Leider ist das dann nach der Schule eingeschlafen und die Briefe habe ich auch nicht mehr.
Man steigt ins Berufsleben ein, verliebt sich, heiratet und gründet eine Familie und setzt im Leben andere Prioritäten.



Aber vor kurzem erreichten mich meine eigenen Briefe, die ich vor mehr als vierzig Jahre geschrieben habe.
Als junges Mädchen habe ich mit meiner Kusine Christa, die im Saarland lebt, eifrig Briefe hin und her geschrieben.
Als wir unlängst telefonierten, erzählte sie mir, dass sie beim Aufräumen meine Briefe gefunden hätte.
Natürlich wollte ich eine Kopie von den Dokumenten, an die ich mich kaum noch erinnern konnte.
Vor kurzem kamen dann meine Ergüsse, die ich zwischen 1969 und 1972 verzapft hatte, an.
Diese zu lesen war wie eine Reise in die Vergangenheit.


Wer meine Erinnerungsgeschichte gelesen hat, wie ich meinen Mann kennen lernte, weiß, dass wir auch am Anfang einen Briefwechsel hatten.
Da er auch nach unserer Hochzeit noch weiter zur See fuhr, flogen natürlich die Briefe hin und her.
Und nun, da er mir voraus in den ewigen Hafen gegangen ist, bin ich froh einen ganzen Ordner seiner Briefe zu besitzen.
Im Moment allerdings kann ich sie noch nicht lesen, da der Schmerz noch zu tief sitzt, aber eines Tages werden sie eine schöne Erinnerung sein.


Meine Eltern haben sich im Krieg kennengelernt und als mein Vater in Russland war, hat meine Mutter ihm jeden Tag einen Brief gesandt. Liebesbriefe und selbst verfasste Gedichte.
Ich denke, dass sie wie ein kleiner Sonnenstrahl in dem Schrecken um ihn herum waren.
Leider sind sie verloren gegangen, aber die Ehe hat 44 Jahre gedauert.
Vielleicht erinnert ihr euch an die Geschichte 
'Die Hände einer Mutter'.
Als ich sie schrieb hatte ich meine Mutter vor Augen.


Wären alle diese Briefe nicht geschrieben worden, wären viele Erinnerungen verloren gegangen.
Schade, dass das Briefe schreiben aus der Mode gekommen ist und alles nur noch schnell per E-Mail geht. Denn ich denke nicht, dass jemand die E-Mails aufheben wird.
Nun ja, alles im Leben hat seine Zeit.

Nun wünsche ich euch ein schönes Wochenende, denn Morgen kommt meine Tochter aus Berlin und bleibt bis Dienstag.
Freue mich wie ein Schneekönig!
Eure Märchenfee!