Mittwoch, 21. August 2013

Griseldis Fortsetzung 1


Am anderen Morgen.
Wohlig reckt Griseldis die Arme und gähnt herzhaft.
War sie noch müde!
Das Fest gestern hatte aber auch so lange gedauert
und sie war ziemlich spät ins Bett gegangen.
Das Mädchen wirft einen Blick zum Fenster, die Sonne lacht gar zu einladend herein.
Mit einem Schwung wirft sie die Bettdecke beiseite und angelt nach ihren Pantoffeln.
Dann öffnet sie weit die Fensterflügel und atmet tief die frische Morgenluft ein.
Drunten im Park glitzert der See im Sonnenlicht.
Ein Bad wäre jetzt herrlich!
Leise verlässt die Prinzessin das Schloss über die Terrasse und eilt zum See.
Die Schwäne lassen sich nicht stören, kam sie doch jeden Morgen, um sie mit Brot zu füttern.
Bald tummelt sich das Mädchen im Wasser.
Flocki, der kleine Schlosshund kommt Schweif wedelnd und laut bellend ans Ufer.
Übermütig bespritzt ihn Griseldis mit Wasser.
Flocki gefällt das gar nicht.
Er schüttelt sich und geht vorsichtshalber hinter einem Baum in Deckung.
Vergnügt lachend verlässt das Mädchen den See, hüllt sich in einen Bademantel und läuft durch den Park zurück ins Schloss.
Flink eilt sie die wenigen Stufen zur Terrasse hinauf, als sie ein klägliches Winseln hinter sich hört.
Flocki, sieht sie vorwurfsvoll an, als wollte er sagen.
Wie soll ich mit meinen kurzen Beinen da hinauf kommen?“
Lächelnd beugt sich das Mädchen hinunter, hebt ihn hoch und setzt ihn dann vorsichtig wieder auf den Boden.
Das weiße Wollknäuel saust los, bleibt vor der Tür stehen und wedelt aufgeregt mit dem Schwanz.
Als Griseldis diese öffnet saust er laut bellend zur Treppe.
Da wird er hochgehoben, baumelt einen Moment in der Luft und verschwindet dann in einem Gedicht von Seide.
Wie herrlich weich es hier war und wie gut es duftete.
Du willst wohl das ganze Haus aufwecken?“ tadelt seine junge Herrin.
Warum schimpfte sie nur mit ihm? Er wollte doch gar nichts Böses, nur seine Freude ausdrücken.
Ganz zerknirscht guckt er sie an.
Griseldis lächelt und drückt ihm einen Kuss auf das weiche Fell.
Flocki gibt einen zufriedenen Laut von sich und kuschelt sich an das Mädchen.
Im Zimmer der Prinzessin angekommen wird er auf das Sofa verfrachtet und während Griseldis sich summend anzieht und ihre langen Haare bürstet, fallen dem kleinen Hund die Augen zu und leise regelmäßige Atemzüge zeigen, dass er eingeschlafen ist.
Mit einem lächelnden Blick auf das schlafende Hündchen verlässt das Mädchen das Zimmer.
Ihr Weg führt sie in die Küche, in der schon reger Betrieb herrscht.
Der Küchenmeister, der erst seit kurzem im Schloss arbeitet, eilt herbei und verbeugt sich tief vor der Prinzessin.
Vor Aufregung bekommt er ganz rote Ohren.
Welche Ehre,“ stammelt er , „Hoheit wünschen?“
Griseldis blitzt ihn übermütig an.
Lieber Küchenmeister, ich habe einen Bärenhunger.“
Bärenhunger, sehr wohl, „ und was wünschen ihre Hoheit zu speisen?“
Griseldis kraust nachdenklich das Näschen.
Schinken und Spiegelei, dazu gutes Bauernbrot und abschließend Tee und Kuchen.“
Schinken, sehr wohl, Eier, sehr wohl, Bauernbrot, sehr wohl, Tee, sehr wohl, Kuchen, sehr wohl,“
wiederholt der Beherrscher der Küche und bei jedem
sehr wohl“ macht er eine tiefe Verbeugung.
Griseldis betrachtet ihn vergnügt, dann fragt sie freundlich:
Sag mal Küchenmeister, schmerzt dich nicht der Rücken bei soviel Bücklingen?“
Verwirrt blickt dieser sie an, dann färbt sich sein Vollmondgesicht langsam purpurrot.
Das Mädchen verlässt schnell die Küche, denn sie kann sich das Lachen nicht länger verbeißen.
Die Küchenjungen und anderen Köche sind nicht so zartfühlend und prusten los.
Die Köche halten sich die Bäuche vor Lachen und die Küchenjungen klopfen sich begeistert auf die Schenkel.
Mensch, Meester, bei unserer Prinzessin brauchst du nicht so viele Bücklinge machen, die ist in
Ordnung!“ quietscht Karl der jüngste Küchenjunge.
Wieder wird er von einem Lachanfall geschüttelt.
Ruhe!“ gebietet der Chef, „ die Prinzessin will ihr Frühstück, also an die Arbeit!“




Kommentare:

  1. Ich war schon ganz gespannt auf den Vollmond in deiner Geschichte. Du hast ihm im wahrsten Sinne des Wortes ein anderes Gesicht gegeben, als Regina in ihrem Gedicht.
    Und weißt du was, heute bin ich ihr zuvor gekommen. Hurra!! Da wollen wir doch mal schauen, ob unsere Regina auch hier vorbei schaut und einen Kommentar macht.
    Ganz bestimmt, wie ich die kenne, hat die immer was zu sagen!!! ;-) ;-) ;-)

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    1. Huhu ihr Zwei,

      da bin ich schon. Die Fortsetzung hat mir sehr gefallen und nun freue ich mich auf morgen!
      Und dann werde ich wieder die Erste sein, liebe Martina, wetten?

      Ich grüße euch herzlich
      Regina

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.