Montag, 26. August 2013

Griseldis Fortsetzung 6




Die Nacht senkt sich über das Land und hüllt alles in einen dichten schwarzen Schleier.
Die Bewohner des Schlosses liegen in einem tiefen Schlummer.
Doch nicht alle schlafen.
Leise wird die Tür zu Griseldis Schlafgemach geöffnet, das Licht flammt auf und füllt den Raum mit blendender Helle.
Verwirrt richtet das Mädchen sich auf und sieht ihre Stiefmutter vor ihrem Bett stehen.
Mutter?“ Ist etwas geschehen?“
Nein, mein Kind, verzeih, dass ich dich geweckt habe, aber ich kann nicht schlafen.
Möchtest du mir nicht etwas Gesellschaft leisten?“
Griseldis schwingt sich aus dem Bett, angelt nach ihren Pantoffeln, schlüpft in ihren Morgenmantel und
folgt der Königin in deren Salon.
Griseldis schmiegt sich in den weichen Sessel, während ihre Stiefmutter zwei Tassen dampfenden Tee an den Tisch bringt.
Ein beruhigender Tee, sicher trinkst du mit mir ein Tässchen.“
Das Mädchen lacht.
Eine ungewöhnliche Zeit, um Tee zu trinken, aber wenn ich dir damit eine Freude machen kann.“
Vergnügt plaudern sie, wobei die Königin ihre Stieftochter immer wieder zum Lachen bringt.
Griseldis aber wird immer müder, ihre Lider werden schwer, ihre Arme und Beine fühlen sich wie Blei an.
Vor ihren Augen beginnt es zu flimmern, dann wird es dunkel um sie.
Die Königin beugt sich hämisch grinsend über das schlafende Mädchen, dann eilt sie ans offene Fenster und lässt dreimal den Ruf eines Käuzchens ertönen.
Ein schauerliches Heulen und Pfeifen zerreißt die nächtliche Stille und die alte Hexe steht plötzlich im Salon.
Sie wirft einen boshaften Blick auf das schlafende Mädchen.
Nun mein Täubchen nun bist du am Ziel deiner Träume, wenn deine Stieftochter erwacht, dann hat sie ihren Namen und ihre Vergangenheit vergessen.“
Schaff sie mir aus den Augen!“
Mit einem schrillen Lachen verschwindet die Hexe mit Griseldis in einem dichtem Nebel.

Julika war die Erste, die Griseldis Verschwinden am nächsten Morgen entdeckte.
 
Eine aufgeregte Suche beginnt.
König Hartmut sitzt in seinem Arbeitszimmer und starrt betrübt aus dem Fenster.
Verzweifelt fragt er sich, was wohl mit seinem Kind geschehen ist.
Es klopft leise und erwartungsvoll sieht er dem eintretenden Spielmann entgegen.
Hat man sie gefunden?“
Ricardo schüttelt traurig den Kopf.
Hätten sie einen Moment Zeit für mich?“
Der König deutet auf einen Stuhl vor seinem Schreibtisch.
Doch der junge Mann bleibt stehen.
Majestät ich bin der Sohn ihres Freundes, des Königs von Urbanien.“
König Hartmut springt auf.
Was, aber warum diese Maskerade dann als Spielmann!“
Ricardo lächelt leise.
Mein Vater erzählte mir von euren gemeinsamen Plänen, Griseldis und mich zu verheiraten.“
Ja, aber nur wenn mein Mädchen einverstanden ist!“
Genauso denkt auch mein Vater, doch bevor ich mir eine endgültige Meinung bildete, wollte ich Griseldis unverbindlich kennen lernen.“
Kopfschüttelnd betrachtet der König den jungen Mann.
Ihr jungen Leute, was für verrückte Flausen ihr manchmal im Kopf habt.“
Dann meint er verschmitzt.
Und wie gefällt euch meine Tochter?“
Die Augen Ricardos leuchten auf.
Sie ist ein bezauberndes Mädchen, schön, fröhlich und voller Herzensgüte. Ich liebe eure Tochter und es wäre mir eine Ehre, wenn sie meine Frau werden würde.“
Das Gesicht des Königs wird wieder traurig.
Doch nun ist sie verschwunden.“
Majestät, ich werde Griseldis finden und müsste ich bis ans Ende der Welt reisen,“ verspricht Ricardo.
Die beiden Männer drücken sich stumm die Hand

Kommentare:

  1. Er ist ein Königssohn - na dann wird ja alles gut!

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  2. Er wird sie finden, ganz sicher - hoffentlich findet er dann auch ein Mittel, dass sie sich wieder erinnern kann. Schönes Märchen!

    Liebe Grüße
    Regina

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.