Posts mit dem Label befreit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label befreit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 19. Mai 2025

Wie ein Marienkäfer zum Glückskäfer wurde Oma und Lena

 19.05.2025

Einen guten Start  in die Woche wünsche ich Euch. Die Sonne scheint, was will man mehr. 

Auch die kalten Nächte sind wohl vorbei.

 

 

 

 Es ist ein leises Ahnen
Auf einmal in der Luft
Auf wolkengrauen Bahnen
Ein Hauch von Frühlingsduft

Das webt und schwebt im Zimmer
Es ist, man weiß nicht wie?
Ist es ein heller Schimmer?
Ist`s eine Melodie?

Es stehn noch kahl die Bäume
Noch klingt kein Amsellied
Doch ziehen holde Träume
Voll Sehnsucht ins Gemüt

Es ist als ob am Morgen
Das Leben schöner wär
Und all die vielen Sorgen
Sie scheinen nicht so schwer

Das ist das leise Ahnen
Das zieht und lockt und lacht
Und bringt auf rosigen Bahnen
Den Frühling über Nacht


E. Ammerich


 

 

 

Die Marienkäfer mit sieben Punkten, nennt man auch Glückskäfer und das wegen der Zahl sieben.

Die Zahl ist nämlich eine Glückzahl, wegen den vier Elementen plus der Dreifaltigkeit.



Lena hüpft vergnügt, die Hände wie zum Gebet gefaltet, in Omas Zimmer. Diese saß mit geschlossenen Augen am offenen Fenster und ließ sich von der Sonne bescheinen.

" Oma guck mal, was ich hier habe."  Lena öffnet langsam die Hände und Oma sieht einen hübschen kleinen Marienkäfer der regungslos auf der kleinen Patschhand ihrer Enkelin sitzt. Doch dann entfaltet er seine Flügel und fliegt aus dem Fenster.

"Ach nein, nun ist er weg und ich wollte ihm doch so eine schöne Wohnung bauen," jammert Lena. Emma zieht ihre Enkelin in die Arme und deutet nach draußen. " Siehts du, das Käferchen hat sich auf einem Löwenzahnblatt nieder gelassen, denkst du nicht, dass er sich draußen im Sonnenschein wohler fühlt, als in einer Schachtel mit Löchern, auch wenn du sie noch so schön einrichtest.

"Aber er sollte mir doch Glück bringen," schmollt Lena. "Brauchst du denn Glück?" Das Mädchen legt den Kopf schief und überlegt. "Eigentlich bin ich sehr glücklich." "Na, dann ist es doch gut, dass der Marienkäfer frei ist und nun kann er zu einem Menschen fliegen, der das Glück nötig hat."

Einen Moment betrachtet Lena ihre Oma, dann lacht sie. "Du hast wieder eine Geschichte im Kopf!" Schnell klettert sie auf den Schoß der alten Frau, kuschelt sich an sie und lauscht.

 


  

Wie ein Marienkäfer zum Glückskäfer wurde

Pünktchen, wie sie liebevoll von ihrer Mutter genannt wurde, war gerade geschlüpft. 

Glücklich betrachtete sie ihre tiefroten schönen Flügel mit den sieben schwarzen Punkten. Dann trippelte sie an den Rand des Löwenzahnblattes, enfaltete die Flügel und schwebte in den Sonnenschein.

Was für ein herrliches Gefühl war das über die bunte Wiese zu schweben. Immer weiter  flog sie und erblickte ein großes Haus, das von oben bis unten mit grünen Blättern bedeckt war.

Plötzlich hörte sie Flügelrauschen und die Ermahnung ihrer Mutter fiel ihr ein , dass frisch geschlüpfte Marienkäfer sich in Acht vor Insekten und Vögel nehmen müssen.

Schnell und immer im Zickzack flog sie auf das schützende Grün zu, schlüpfte durch die Blätter und verkroch sich mit klopfendem Herzen in der hintersten Ecke. 

Erleichtert stellte sie fest, dass der Flügelschlag nicht mehr zu hören war, trotzdem wollte sie ihr schützendes Versteck nicht verlassen.

Langsam kletterte sie nach oben und erreichte ein offenes Fenster. Neugierig sah sie sich um. 

Altes Gerümpel lag oder stand an der Wand und alte verlassene Spinnennetze hingen zwischen den Balken. 

Eine Tür öffnete sich und wirbelte den Staub auf, der den Boden bedeckte. Ein etwa zehnjähriges Mädchen stapfte in den Raum und ließ sich auf die Matratze vor dem Fenster fallen. 

Trübsinnig starrte sie vor sich hin und eine Träne rollte über ihre Wange. Neugierig flog Pünktchen näher. 

Das Mädchen hob den Kopf und staunte."Ein Glückskäfer." 

Vorsichtig streckte es die Hand aus und Pünktchen ließ sich darauf nieder. Es hatte keine Angst vor diesem Menschenkind.

Und nun erzählte Ihr Lotta, so hieß das Mädchen nämlich, dass sie seit fünf Jahren hier im Waisenhaus wohnte, dass niemand sie adoptieren wollte, weil sie so hässlich sei und sie sich doch so sehr eine Familie wünschte. 

 


Pünktchen saß ganz still und betrachtete das kleine Mädchen und dachte, sie ist nicht hässlich, auf der Nase hatte sie Punkte wie sie, nur dass diese Punkte rot und nicht schwarz waren. Wenn das Mödchen nicht so totzig und grimmig schauen würde,  wäre sie sogar sehr hübsch.

"Eva Charlotta!" rief eine Stimme. " Die nervige Alte," grummelte Lotta und sprang auf. 

Vorsichtig setzte sie den Käfer auf die Fensterbank. "Morgen komme ich wieder, vielleicht bist du ja noch da."

Pünktchen aber krabbelte zurück in den Blätterwald und als sie die vielen Blattläuse sah, beschloss sie hierzubleiben, vielleicht konnte sie ihrer neuen Freundin ja Glück bringen.

Jeden Tag kam Lotta und sie erzählt dem aufmerksam lauschenden Pünktchen von ihren Eltern, an die sie sich kaum noch erinnern konnte, von den Verwandten, die sie nicht haben wollten und sie in ein Waisenhaus steckten. Und je mehr sie über ihren Kummer, der seit vielen Jahren auf ihrer Seele lastete, sprach, umso gelöster wurde sie. Der trotzige grimmige Ausdruck verschwand und ihre Augen strahlten.

Lotta fiel es gar nicht auf, doch ihre Umgebung bemerkte ihre Verwandlung. Aus dem aufmümpfigen schwierigen Mädchen war ein freundliches, fröhliches und witziges geworden

Und eines Tages stürmte Lotta auf den Dachboden und erzählte Pünktchen glücklich, dass eine Familie sie adoptieren wollte.

Pünktchen lächelte still und freute sich, dass sie Lotta Glück gebracht hatte. Nun konnte sie nach Hause fliegen zu ihrer Mama und ihren Geschwistern.

 

(c) Lore Platz   2021

 

brauchen wir nicht alle mal so einen Glückskäfer ?




 

 




 

Donnerstag, 29. Dezember 2022

Der Weihnachtsbaum muss raus

 

 Der Weihnachtsbaum muss raus

    

                    

Der Weihnachtsbaum muss raus!



Elke hielt mit beiden Händen die Kaffeetasse und sah glücklich lächelnd auf den leuchtenden Weihnachtsbaum.

Wie sie ihn liebte, diesen Duft nach Tanne und die bunten Lichter, die sie so sehr an früher erinnerten, als sie noch Kind war und glücklich. Noch nicht gefangen in einer kalten Ehe.

Die ersten Jahre waren noch schön, doch dann hatte sich etwas verändert. Es war genauso, als wäre sie ein Zombie.

Vielleicht war sie ja auch schuld, denn sie hatte viel zu viel aufgeben und sich zu sehr untergeordnet.

Erst war es ihr geliebter Beruf, denn Sebastian wollte, dass sie nur für ihn da war.

Dann hatte er nach und nach ihre Freundinnen vergrault, weil er sie ganz für sich haben wollte.

Und ihren Kinderwunsch hatte er einfach ignoriert, denn er war viel zu egoistisch, alles sollte sich nur um ihn drehen.

Und nun hatte sie erfahren, dass er auch noch eine Geliebte hatte, die neue Nachbarin, die in die Vogelvilla am Ende der Straße eingezogen war.

Aber seltsamerweise berührte sie das kaum, sie hatte sich schon lange innerlich von ihrem Mann entfernt.

Sie hörte ihn die Treppe herunter poltern und dann rief er auch schon.

Warum steht das Frühstück nicht auf dem Tisch!“

Elke nahm einen Schluck aus ihrer Tasse und grinste.

Wieso sitzt du hier und glotzt den dämlichen Weihnachtsbaum an, statt mir ein Frühstück zu machen.“

Elke drehte sich um und warf ihrem Mann einen spöttischen Blick zu.

Der Kaffee ist in der Kanne, im Kühlschrank sind Eier und Speck, wie man einen Toast in den Toaster steckt wirst du ja wissen.“

Was soll das! Ich arbeite Tag und Nacht , damit du ein schönes faules Leben hast und da kann ich doch wenigstens verlangen, dass du mir ein gutes Frühstück bereitest!“

Elke zuckte nur die Schultern.

Sebastian wurde noch wütender.

Außerdem der Weihnachtsbaum muss raus, warum steht er immer noch hier, willst du vielleicht an Ostern die Eier dran hängen. Verrückt genug bist du ja, mit deinem dämlichen Weihnachtsfimmel!“

Langsam stellte Elke ihre Tasse ab und wandte sich ihrem Mann zu.

Ja, ich liebe Weihnachten, weil dieses Fest etwas Wärme in mein Leben bringt, denn sonst erfriere ich neben dir.



Vielleicht hätte ich weiter gemacht und

wäre nicht zur Vernunft gekommen. Aber da du dir nun eine Geliebte zu gelegt hast, finde ich, es ist Zeit für dich zu gehen.“

Sebastian wurde blass: „Du weißt von Angela!“

Denkst du wirklich, das bleibt geheim, wie naiv bist du denn,“ spöttisch zog Elke die Brauen hoch.

Übrigens deine Koffer stehen gepackt in der Diele, ich möchte, dass du noch heute das Haus verlässt. Wie du weißt, gehört dieses Haus meinen Eltern.

Und mein Anwalt wird sich demnächst mit dir in Verbindung setzen und die Scheidung besprechen.“

Elke schloss die Augen und dankte dem guten Geist, der sie davor bewahrt hatte, das Angebot ihres Vaters anzunehmen, der ihnen das Haus überschreiben wollte.

Aber du kannst mich doch nicht einfach raus schmeißen, wo soll ich denn hin.“

Nun deine Geliebte wird dich sicher mit offenen Armen empfangen,“ grinste seine baldige Exfrau.

Wütend drehte er sich um und knallte die Tür zu.

Der Tannenbaum ließ vor Schreck ein Häufchen Nadeln fallen.

Bedauernd sah Elke ihn an.

Armer Kerl ich denke auch wir beide müssen uns schön langsam trennen.“

Die Haustür fiel ins Schloss und gleich darauf heulte der Motor des Autos auf.

Elke sprang auf und tanzte ausgelassen durch das Wohnzimmer.

Frei endlich frei!


© Lore Platz  ( 2022)