Dienstag, 30. April 2019

Buttercreme und Schweinemast - Erinnerungsgeschichte

Mit dieser Erinnerungsgeschichte wünsche ich euch einen schönen Dienstag



Meine Kusine Christa eine eifrige Leserin meines Blogs gestand mir vor kurzem, dass sie am liebsten die Erinnerungsgeschichten liest.
Nun habe ich wieder ein bisschen in meinen Erinnerungen gekramt und folgende Geschichte gefunden.


 
(c) Eva V.




Buttercreme und Schweinemast

Eine kleine Erzählung aus der Zeit, als ich noch nicht auf der Welt war.
Meine Schwester Karin wurde im Mai 1945 geboren.
Als mein Vater aus der amerikanischen Gefangenschaft entlassen wurde, ging er zur Polizei und wurde in einen kleinen bayrischen Ort versetzt.
Meine Eltern wohnten mit meiner Schwester in einer kleinen Mietwohnung, die zu einem Bauernhof gehörte.
Nach dem Krieg gab es noch Lebensmittelmarken und meine Mutter konnte aus den Zutaten wunderbare Gerichte zaubern, unter anderem eine sättigende Buttercremetorte, die später bei ihren Enkeln noch berühmt war, natürlich inzwischen etwas verfeinert.
Eines Tages schlurfte die alte Magd des Bauern die Treppe herauf und betrat nach kurzem Anklopfen die Wohnung meiner Eltern.
Als sie in die Küche kam und die herrliche Torte stehen sah, entfuhr es ihr erstaunt:
Aber ihr müsst ja gar nicht hungern!“
Meine Eltern sahen sie erstaunt an, denn wenn die Portionen auch nicht üppig waren, so wurden sie doch satt.
Die Magd klärte sie auf.



Meine Schwester Karin stand unten im Schweinestall und stopfte sich mit beiden Händen die gestampften Kartoffeln, die für die Schweine bestimmt waren, in den Mund.

Die Bäuerin, die glaubte meine Eltern müssten hungern, schickte die Magd, um nachzusehen.

Wir haben immer herzlich gelacht, wenn meine Mutter diese Geschichte zum Besten gab.



Die Buttercremetorte hat auch meine beiden Neffen Markus und Benjamin fasziniert.
Wir feierten den zweiten Geburtstag von Markus und nachdem der Kaffeetisch abgedeckt worden war, blieben wir noch am Tisch sitzen und quatschten fröhlich.
Mutti hatte die Buttercremetorte im Gang auf die Bügelmaschine gestellt.
Markus aber machte sich klammheimlich davon.
Als wir den Jungen endlich vermissten und zu suchen begannen, fanden wir ihn im Flur auf dem Boden sitzend und mit beiden Händen die Reste der Torte in den Mund schiebend.
Von einem Ohr zum andern mit Schokoladencreme verschmiert strahlte er uns entgegen.

Jahre später hatte sein Bruder Benjamin, der ja der größte Fan von Omas Torte war, gerade wegen dieser Torte einige bittere, angstvolle Stunden.
Wir trafen uns alle bei meinen Eltern, um wieder mal etwas zu feiern.
Benjamin und meine Tochter Claudia spielten unten im Garten.
Doch Benjamin fand keine Ruhe. Alle fünf Minuten stapfte er die Stufen herauf, betrat die Speisekammer, öffnet den Kühlschrank und kontrollierte, ob wir die Buttercremetorte noch nicht angeschnitten hatten.

© Lore Platz

Montag, 29. April 2019

Herr Siebenpunkt in Not

Ich hoffe ihr hattet genauso ein schönes Osterfest wie ich, meine Tochter ist jetzt wieder zuhause, aber es war einfach schön die Feiertage miteinander zu verbringen.
Nun wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen!


(c) Werner Borgfeldt


Herr Siebenpunkt in Not

Kater Moritz fährt mit seiner rauen Zunge eifrig durch seine Futterschüssel, bis sie blitzblank ist, dann streckt er sich zufrieden und stolziert hinaus in den Garten.
Eifrig beginnt er sich zu putzen, bis er ein leises Weinen hört.
Als er sich erstaunt umsieht erblickt er seine Freundin Frau Siebenpunkt, die bitterlich weinend auf einem Rosenblatt sitzt.
Lautlos schreitet er näher, bis seine Nase fast das Blatt berührt und fragt. „Aber liebe Siebenpunkt, was ist denn geschehen?“
Die Marienkäfer-Dame schnieft und deutet auf das Blatt hinter sich.
Heute Nacht sind meine Kinder geboren und mein lieber Mann ist nicht dabei gewesen. Seit gestern ist er spurlos verschwunden. Ach meine armen Kleinen, sie werden ihren Vater niemals sehen!“
Wieder bricht sie in ein jämmerliches Schluchzen aus.
Moritz wirft einen Blick auf die klebrigen orangen Kugeln und kann sich nicht vorstellen, dass diese überhaupt etwas sehen können.
Er zuckt die Schultern und sucht sich ein ruhigeres Plätzchen.
Frau Siebenpunkt aber betrachtet traurig ihre Eier und bange Gedanken quälen sie.

 
(c) Irmgard Brüggemann

Ein Schmetterling lässt sich in der Nähe nieder.
Gratuliere liebe Freundin, eine prächtige Schar und sie haben Glück, denn wenn in ein paar Tagen die Larven schlüpfen, habe sie große Chancen zu überleben.
Ein gutes Jahr, denn es gibt viele Blatt- und Schildläuse!
Aber wo ist der gute Siebenpunkt?“
Da perlen wieder die Tränen aus den schwarzen Äuglein und schluchzend ruft sie.
Ach Tausendschön, er ist seit gestern verschwunden und dabei wollte er doch unbedingt bei der Geburt dabei sein!“
Eine Hummel kommt brummend angeflogen und lässt sich schnaufend auf einem Blatt nieder, das ein wenig unter ihrem Gewicht wankt.
Aber liebe Siebenpunkt, Tränen?, sie sollten sich doch freuen über ihre prächtigen Kinder.“
Ihr Mann ist verschwunden,“ informiert ihn der Schmetterling.
Eine Heuschrecke hüpft durch das Gras und bleibt bei ihnen stehen.
Guten Tag, alle zusammen, habe euer Gespräch gehört.
Im Nachbarhaus wohnt ein böser Junge, der macht immer Jagd auf unsereins und stopft uns dann in eine Schachtel mit Löchern und vergisst uns. Viele meiner Freunde sind so schon verendet.“
Frau Siebenpunkt fällt in Ohnmacht.
Wie kannst du sie nur so erschrecken!“ ruft Tausendschön.
Na und, hab doch nur die Wahrheit gesagt!“
Beleidigt hüpft die Heuschrecke weiter.
Hermann Hummel hat inzwischen einen Tautropfen geholt und lässt ihn auf die Marienkäfer-Dame fallen.
Diese öffnet langsam die Augen und dann erhebt sie sich energisch.
Wir müssen nachsehen, kommt ihr mit!“
Die Drei fliegen nun auf das Nachbargrundstück.
Die Hummel war schon einmal im Haus gewesen und weiß wo das Zimmer des Jungen ist.
Sie haben Glück, denn das Fenster steht offen.

 
(c) RMzV



Doch wie sieht es hier aus! 
Kleider und Schuhe sind über den Boden verstreut, eine Schultasche liegt umgekippt auf dem Fußboden und Hefte
und Bücher sind herausgefallen.
Der Schreibtisch ist übersät mit Papieren, Stiften, einer
Schnur, einem Taschenmesser und mittendrin eine Coladose und ein angebissenes Brot.
Wie sollen wir hier meinen lieben Mann nur finden,“ seufzt Frau Siebenpunkt mutlos.


 
(c) eigenes Foto


Da erspähen sie eine Maus die über den Schreibtisch huscht und sich schnüffelnd mit erhobenen Pfötchen an der Dose aufrichtet.
Enttäuscht wendet sie sich ab und entdeckt dann das Brot in das sie mit einem wohligen Seufzer ihre Nase steckt. Käse!
Die drei Freunde fliegen zum Schreibtisch und lassen sich am Rande nieder.
Die Maus hebt den Kopf und funkelt sie an.
Ich habe es zuerst entdeckt!“
Keine Sorge, wir wollen ihnen ihre Beute nicht streitig machen,“ beschwichtigt Tausendschön.
Wir sind nur auf der Suche nach unserm Freund Herrn Siebenpunkt.“
Meint ihr den Marienkäfer?“
Ja! Habt ihr meinen Mann gesehen?“ Frau Siebenpunkt wird ganz aufgeregt.
Der ist dort hinten in der Schachtel,“ meint die Maus gleichgültig und knabbert an dem Brot weiter.
Nun erst bemerken sie den kleinen Karton, der auf der Kommode steht und fliegen dorthin.
Im Deckel sind Löcher und Frau Siebenpunkt beugt sich ganz tief darüber und ruft durch ein Loch.
Zuckerbärchen, bist du da drin?“
Ein leises Rascheln und dann hört man eine schwache Stimme jubeln: „Zuckerpünktchen, ja , ja, der böse Junge hat mich hier eingesperrt. Es ist so dunkel hier und ich bekomme kaum Luft! Kannst du mich befreien?“
Tausendschön und dein Freund Hermann - Hummel sind bei mir. Wir wollen es versuchen.“
Frau Siebenpunkt wendet sich an die Maus.
Mein liebes Fräulein können sie uns helfen?“
Die Maus lässt nur unwillig ihre Mahlzeit im Stich und klettert auf den Karton, doch auch sie kann diesen nicht bewegen.


(c) Irmgard Brüggemann

Moritz muss uns helfen!“ ruft der Schmetterling.
Wer ist Moritz?“ fragt das Mäuse - Fräulein neugierig.
Ein Kater!“ brummt Hermann Hummel.
Dann will ich mich lieber verziehen,“ murmelt die Maus, springt auf den Boden und verschwindet in einem Loch.
Frau Siebenpunkt will bei ihrem Mann bleiben.
Tausendschön und Hermann Hummel haben Bedenken, dass der Junge zurückkommt und sie auch noch in die Kiste sperrt.
Da spitzt die Maus aus ihrem Loch und ruft: „ Keine Bange, der ist mit seinen Freunden zum Baden an den Weiher gegangen und kommt so schnell nicht wieder.“
Kater Moritz liegt auf der Veranda und lässt sich die Sonne auf den Pelz brennen.
Unwillig öffnet er ein Auge, als er eine leichte Bewegung vor seiner Nase spürt.
Was wollt ihr?“ brummt er ungnädig, als er den Schmetterling und die Hummel bemerkt.
Du musst uns helfen, Siebenpunkt wurde von einem Jungen in eine Kiste gesperrt und wir sind zu schwach ihn zu befreien!“ ruft Hermann Hummel und Tausendschön nickt bestätigend.
Kann mir schon denken, wer das ist,“ brummt Moritz,
„ der Bengel von nebenan, hat schon mit Steinen nach mir geworfen und einmal packte er meinen Schwanz und wollte
ein Blechdose daran hängen. Da habe ich ihn aber tüchtig gekratzt, da hat er geheult!“
Moritz grinst zufrieden und begleitet von seinen Freunden springt er über den Zaun.
Er klettert die große Kastanie hinauf, die direkt vor dem Fenster steht und dann sind sie auch schon im Zimmer.
Die Maus, die sich mit Frau Siebenpunkt unterhalten hat, verschwindet blitzschnell in ihrem Loch, als der Kater durch das Fenster kommt.
Doch dieser beachtet sie gar nicht, springt auf die Kommode und stupst mit der Nase die Schachtel herunter.
Der Deckel springt auf und dürres Gras fliegt heraus und mittendrin Herr Siebenpunkt.
Grinsend sieht er seine Freunde an. „Danke!“
Dann spreizt er die Flügel und sie fliegen durch das Fenster in die Freiheit.
Zufrieden grinsend folgt ihnen Moritz.
Die kleine Maus aber huscht aus ihrem Loch und vergnügt sich wieder mit dem Käsebrot.





Herr und Frau Siebenpunkt sitzen wenig später eng umschlungen auf dem Rosenblatt und betrachten verzückt ihre Kinderchen.
Tausendschön und Hermann Hummel sind schon weitergeflogen.
Moritz aber betrachtet das verliebte Elternpaar und ihm wird ganz eigen zumute.

 
(c) Werner Borgfeldt


Er denkt an seine letzte Flamme Susi, die ihm vor einigen Wochen drei Kinder geschenkt hat, zwei Mädchen und einen Jungen.
Er könnte sie ja mal wieder besuchen und so streift er am Zaun entlang und als er die Straßenseite erreicht, springt er elegant darüber.
Während er durch die Gasse stolziert denkt er an Susi.
Sie war schon eine sehr Hübsche, der die Mädchen sehr ähneln und der Junge, nun der war ein richtiger Tunichtgut.
Moritz grinst.
Eben ganz der Vater!


© Lore Platz






Donnerstag, 18. April 2019

ICH WÜNSCHE EUCH EIN FROHES OSTERFEST

 ICH WÜNSCHE EUCH EIN FROHES OSTERFEST
 und einen braven Osterhasen. 
 
(c) eigenes Bild


Das Wetter ist ja herrlich, Frühling liegt in der Luft.
Es erinnert mich an die schönen Spaziergänge am Ostersonntag mit der ganzen Familie und ab und zu fanden wir Kinder sogar ein buntes Ei, das der Osterhase verloren hatte.
In Bayern besteht ja der Brauch, dass man mit einem hübschen Weidenkorb, in dem ein Osterbrot, eine Kante geräucherter Speck, gefärbte Eier, Salz und eine Stange Kren, das ist Merrettich, waren, in die Kirche ging. Nach der Messe wurden diese Köstlichkeiten dann vom Pfarrer gesegnet und anschließend zuhause dann gab es ein geweihtes Frühstück.
Schade, dass diese Bräuche immer weniger werden, denn irgendwie sind sie doch schön und geben dem Alltag etwas besonderes.
Nun wünsche ich euch ein schönes Osterfest, genießt die freien Tage und freut euch und denkt daran die Auferstehung bedeutet auch Hoffnung.
Und die brauchen wir gerade in diesen unruhigen Zeiten besonders.






 

Mittwoch, 17. April 2019

Der Tag, an dem die Hühner streikten

Diese Geschichte möchte ich meiner verstorbenen Freundin Heide Marie Kalitta widmen, die mir extra ein Bild dafür gemalt hat. 
Wo immer du jetzt bist liebe Heide Marie, ich hoffe du freust dich darüber.
(c) Heide Marie Kalitta



 Der Tag, an dem die Hühner streikten



Heute kann ich es euch ja erzählen, denn es ist alles gut ausgegangen und ich denke mal jeder hat seine Ostereier gefunden.
Dabei war vor einigen Tagen noch gar nicht so sicher, ob es diesmal klappt mit den Ostereiern.
Und das kam so.

(c) Irmgard Brüggemann


Zwischen Himmel und Erde liegt das Zauberland und dort wohnt der Osterhase mit seiner Frau und seinen Kindern.
Das sind die drei Jungen Schlitzohr, Bertl und Angsthase und die drei Mädchen Myrtel, Fellchen und Samtpfote.
Sie wohnen inmitten einer großen Wiese in einem riesigen Haus, das aussieht wie ein Osterei.
Hinter dem Haus gibt es einen Garten, in dem Mutter Osterhase Karotten, Salat und verschiedene leckere Kräuter angepflanzt hat.
In dem schmucken Gartenhäuschen sind die Farbeimer und Pinsel, sowie der große gusseiserne schwarze Kessel in dem die Eier gekocht werden, untergebracht.
Alles ist sehr ordentlich, denn Frau Osterhase legt darauf großen Wert.
In der großen offenen Scheune am Rande der Wiese steht der Pritschenwagen, mit dem sie in der nahegelegenen Farm die Eier abholen und natürlich damit auch in die Menschenwelt fahren, um sie zu verstecken.

 
(c) Irmgard Brüggemann

 Schlitzohr liegt gerade unter dem Wagen und streckt die Hand aus.Schraubenzieher!“
Welchen denn?“ fragt Bertl
Schlitzohr rutscht unter dem Wagen hervor und seine Brüder fangen an zu lachen, denn er ist ganz schwarz im Gesicht.
Vater Osterhase kommt in die Scheune und auch er schmunzelt.
Seid ihr so weit Jungs, wir müssen los.“
Gleich muss nur noch eine Schraube anziehen!“ ruft Schlitzohr, der sich inzwischen den Schraubenschlüssel selbst genommen hat.
Wenig später, nachdem sich der Hasenjunge noch schnell gewaschen hat, sind sie auf dem Weg zur Hühnerfarm.
Sie ahnen nicht, was dort auf sie wartet.

 
(c) Roswitha und Werner B.


Auf der Hühnerfarm herrscht nämlich große Aufregung.
Die schöne Louisa thront auf dem großen Stein inmitten des Hofes und hält eine flammende Rede.
Die dicke Berta, die mit ihren Freundinnen bei einem gemütliche Tee zusammen sitzt, guckt aus dem Fenster.
Es ist Louisa, seit sie aus dem Ei geschlüpft ist hält sie sich für etwas besseres und verbreitet immer wieder Unruhe und besonders das Jungvolk hört auf sie. Was sie diesmal wohl wieder vorhat. Kommt wir wollen mal nachsehen.“
Berta und ihre drei Freundinnen verlassen das Häuschen und nähern sich dem Versammlungsort.
Wir werden, wenn heute der Osterhase kommt, die Eier nicht ausliefern!“ ruft Louisa gerade triumphierend und die anderen schreien begeistert „Jaaaaa!“
Nur einige der älteren Hühner sind still und machen ein bedenkliches Gesicht.

 
(c) Roswitha und Werner B.

Berta drängt sich nach vorne.
Was soll denn der Unsinn, Louisa! Die Eier stehen doch schon verpackt in Körben im Schuppen. Was für eine verrückte Sache hast du dir denn jetzt wieder ausgedacht!“


 
(c) Irmgard Brüggemann

Die junge Henne wirft ihr einen spöttischen Blick zu.
Seit Jahren arbeiten wir für den Osterhasen und welchen
Dank bekommen wir. Wir legen die Eier!!! Und nur weil der Osterhase ein paar Farbtupfer drauf gibt wird er gerühmt.
Manche Kinder glauben ja sogar, dass die Hasen auch noch die Eier legen. Habt ihr schon jemals ein Kind sagen hören, die lieben Hühner legen uns die Eier? Nein!, der liebe Osterhase bringt sie uns, ach wie ist er doch soooo lieb!“
Louisa hat sich richtig in Fahrt geredet und die anderen Hühner nicken zustimmend.
Berta aber schüttelt nur den Kopf.
So ein Unsinn, wir arbeiten für den Osterhasen und liefern die Eier, dafür besorgt er Futter für uns, hat uns diese hübschen Häuschen gebaut und außerdem den schützenden Zaun, durch den kein Fuchs oder Marder kommt.“
Louisa wirft ihr einen listigen Blick zu, dann wendet sie sich an die anderen.
Wer dafür ist, dass wir dem Osterhasen keine Eier ausliefern, der hebe den rechten Flügel.“
Fast alle Flügel schießen in die Höhe.
 
(c) Irmgard Brüggemann

Und so kommt es, dass der Osterhase und seine Söhne vor verschlossenen Türen stehen, als sie wenig später die Eier abholen wollen.
Besorgt fahren sie wieder nach Hause, nachdem ihnen die dicke Berta gesagt hat, was los ist.
Mittlerweile ist es wieder ruhig geworden auf dem Hühnerhof. Die älteren Hühner haben sich besorgt in ihre Hütten zurückgezogen und das Jungvolk, das noch vor kurzem so begeistert 'Ja' geschrien hatte, schleicht leise über den Hof und wirft immer wieder einen scheuen Blick auf die Körbe voll Eier.
Louisa aber sitzt vor dem Spiegel und sieht sich selbstgefällig von allen Seiten an.
Sie ist sehr zufrieden mit sich, schon seit sie erfahren hat, wie beliebt der Osterhase bei den Kindern ist, war sie
neidisch.
Dabei hat sie noch gar kein Osterfest erlebt, da sie ja noch sehr jung ist. Aber sie ist nun mal sehr eitel und alles soll sich nur um sie drehen.
Jetzt hat sie es diesen Osterhasen gezeigt, die werden sich ärgern, schade dass sie das nicht sehen kann. Warum eigentlich nicht? Sie würde heimlich die Osterwiese beobachten.
Vergnügt springt sie auf und verlässt den Hof.
Berta sieht zufällig aus dem Fenster, als Louisa durch das Tor schlüpft.
Dieses dumme Ding!“ schimpft sie leise, „sie weiß doch, dass draußen der Fuchs lauert.“
Berta wirft sich ihren Umhang um und verlässt ebenfalls ungesehen den Hof.
In der Ferne sieht sie die junge Henne, die stolz erhobenen Hauptes auf den Wald zu schreitet.
Aber Berta sieht auch ein rotbraunes Fell aufleuchten
und erschrickt. Der Fuchs!
Und dann hört sie schon Louisa kreischen und rennt los.
Gerade noch sieht sie wie der Rotpelz die zappelnde Henne in seinen Bau schleppt.
Tränen laufen der guten Berta über die Wangen.
Wenn Louisa auch keine besonders nette Henne ist, aber diesen Schicksal hat sie nicht verdient.
Der Fuchs kommt wieder aus dem Bau und rennt schnell durch den Wald.
Berta versteckt sich im Gebüsch, bis er vorüber ist, dann schleicht sie vorsichtig in die Höhle, voller Angst was sie da vorfindet.
Louisa lebt noch, aber sie steckt in einem Käfig und starrt mit vor Angst geweiteten Augen auf die Tür, die sich langsam öffnet.

(c) Irmgard Brüggemann

Im hellen Licht, das von draußen herein kommt, erkennt sie Berta und atmet erleichtert auf, als sie die alte Henne erblickt.
Berta, bitte Hilf mir, der Fuchs ist zu seinem Freund dem Marder, um ihn zum Festessen einzuladen und auf der Speisekarte werde ich stehen.“
Louisa heult laut auf und zittert am ganzen Körper.
Berta untersucht das Schloss des Käfigs, aber sie stellt gleich fest: 'das kann sie nicht öffnen.'
Ich hole Hilfe!“
Bleib hier Berta!“ jammert Louisa, doch diese ist schon durch die Tür.
Und Berta rennt, als gelte es das eigene Leben und erst auf der Osterhasenwiese fällt sie außer Atmen ins Gras.
Die Hasen kommen angelaufen und nachdem Berta endlich wieder etwas Luft bekommt, erzählt sie was geschehen ist.
Vater Osterhase und die Jungen laufen sofort los, während Frau Osterhase mit Berta ins Haus geht, um ihr einen Beruhigungstee zu kochen.
Erschöpft lässt die Henne sich auf einen der gemütlichen Sessel fallen. Myrtel stopft ihr ein Kissen hinter den Rücken, Fellchen legt ein anderes unter ihre Füße und Samtpfötchen reicht ihr knicksend die Tasse mit heißem Tee.
Dann setzen sich die Hasenmädchen zu ihren Füßen und Berta muss erzählen wie sie in die Fuchshöhle geschlichen war.
Mutter Osterhase aber geht vors Haus, um auf die Retter zu warten.
Endlich kommen sie aus dem Wald und in ihrer Mitte eine zerzauste, verlegene aber auch glückliche Louisa.
Unterwegs hat sie sich mehrmals bei dem Osterhasen entschuldigt und versprochen, dass sie die Eier bekommen werden.
Die Hasen fahren auch gleich zusammen mit Louisa zur Farm, denn die Zeit drängt.


 
(c) Irmgard Brüggemann

Berta aber schielt auf die leckeren Erdbeertörtchen auf dem Tisch und meint:
Ich bin noch viel zu erschöpft und kann mich kaum auf den Füßen halten.“
Dann nimmt sie ein Erdbeertörtchen und lässt es blitzschnell im Schnabel verschwinden.
Lautes Hupen verkündet die Ankunft des Wagens.
Auf der Ladefläche aber zwischen den Körben mit Eiern sitzt das ganze Federvolk und flattert nun gackernd auf die Wiese.
Herr Osterhase aber tritt zu seiner Frau, die etwas entsetzt auf die kreischenden Gäste blickt.
Ich habe sie eingeladen uns zu helfen. Vielleicht könntest du ja für sie deine berühmten Erdbeertörtchen backen, die Mädchen sollen dir helfen.“
Drei würdevolle ältere Hennen kommen nun auf sie zu.
Jede von ihnen trägt einen großen eleganten Hut, auf dem lustig eine Feder hin und her schwankt.
Höflich grüßen sie und fragen nach ihrer Freundin Berta.
Frau Osterhase führt sie ins Haus und aufgeregt gackernd umringen sie ihre Freundin, die wieder mit Genuss ihr Abenteuer erzählt. Dabei wird der Kuchenteller überraschend schnell leer.
Frau Osterhase winkt die Mädchen in die Küche und während Samtpfötchen und Fellchen im Garten Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren pflücken, bereiten die Mutter und Myrtel in der größten Schüssel den Teig zu.
Nur wie sie den Tee servieren soll, da sie nicht genügend Tassen hat, weiß Frau Osterhase nicht.
Herr Osterhase und seine Söhne haben inzwischen den großen Topf aus dem Schuppen gerollt, um schwirrt von dem lärmenden Hühnervolk.
Sie begleiten die Hasen zum Bach und sehen dann staunend zu, wie das Feuer unter dem großen Topf, der nun voll Wasser ist, entfacht wird.
Als es brodelt und sprudelt werden die Eier mit großen Löffeln vorsichtig im Wasser versenkt, begleitet von den
Ahh und Ohhs“ der Zuschauer.
Dann werden die Tische mit den Farbeimern aufgestellt und die Hasen beginnen zu malen.
Die Hennen aber drängen so nahe heran, dass sie die Künstler in ihrer Arbeit behindern.


Aber Herr Osterhase, den nichts aus der Ruhe bringt, lässt von Schlitzohr und Bengel einen extra Tisch aufstellen und bittet die Hühnern doch selbst einige Eier zu bemalen.
Nun bekommt jedes Huhn ein Ei, doch die beiden Hasenjungen erklären feixend, als der Vater außer Hörweite ist, leider gäbe es nicht genug Pinsel.
Aber womit sollen wir denn die Eier bemalen?“ rufen die zukünftigen Künstlerinnen enttäuscht.
Ihr habt doch eure eigenen Pinsel dabei,“ grinsen die Jungen und Kikki, die Kleinste, versteht sofort und taucht ihren Flügel vorsichtig in den Topf mit roter Farbe und fährt dann über das Ei, und freut sich über die roten Wellen, die sie hinterlässt.
Nun sind auch die anderen Hühner nicht mehr zu bremsen und bald sind sie bunter als die Eier.
Aber sie haben alle einen große Spaß und jubeln, kreischen und gackern.
So laut war es auf der Osterwiese noch nie.
Bald sind alle Eier trocken und in Körben verpackt zur morgigen Abfahrt bereit.
Die Hühner aber torkeln zum Bach, um sich zu waschen.
Dann gibt es Gebäck und Tee.
Frau Osterhase hat den Tee in einen großen Eimer geschüttet und ihre Gäste können daraus mit einer Schöpfkelle trinken.
Endlich flattern die müden, aber glücklichen Hühner auf den Pritschenwagen und Schlitzohr fährt sie nach Hause.

(c) Irmgard Brüggemann


Erschöpft lehnt Frau Osterhase sich an ihren Mann.
Was für ein Spektakel,“ stöhnt sie.
Der Osterhase grinst leicht verlegen.
Ich habe sie eingeladen nächstes Jahr wieder zu helfen.“
Oh nein!“ ruft seine Frau entsetzt, doch dann kichert sie.
Wenigstens ist ein ganzes Jahr dazwischen!“
Und lachend gehen sie ins Haus.

© Lore Platz





Dienstag, 16. April 2019

Unter falschen Verdacht

Als meine Tochter geboren wurde, musste ich meine Arbeit aufgeben. Damals gab es noch keine Kinderkrippen und meine Mutter war noch berufstätig.
Natürlich ging es finanziell eng zu, Kindergeld gab es damals 50 Mark und das reichte nicht mal für die Windeln.
Eine Zeitlang benutzte ich waschbare Windeln, was sehr arbeitsaufwendig war.
Um etwas zu der Haushaltskasse beisteuern zu können, suchte ich mir stundenweise einen Putzplatz.
Samstags reinigte ich die Dorfkirche und unter der Woche putzte ich in einem Haushalt.
Eines Tages kam meine Chefin zu mir und fragte, ob ich beim Abstauben vielleicht ein Kuvert mit tausend Mark gefunden hätte.
Ihr würde dieser Betrag fehlen und sie meinte, sich erinnern zu können, dass sie das Geld auf die Anrichte gelegt hätte.
Natürlich hatte ich kein Geld gefunden, aber ein komisches Gefühl blieb doch.
Einige Tage später erzählte mir ihre Sekretärin, dass die Chefin sich um tausend Mark verrechnet und, dass das Geld niemals in der Wohnung gelegen hätte.
Die feine Dame aber hat die Sache mir gegenüber niemals aufgeklärt.



(c) eigenes Foto




Unter falschen Verdacht


Anita Vollmer stellte die Tasse in die Spüle, dabei sah sie aus dem Fenster in den Garten und lächelte.
Fritz der Nachbarjunge stellte gerade sein Rad ab und kam mit einem großen Karton auf das Haus zu.
Seit sein Vater arbeitslos war arbeitet Fritz nach der Schule beim Lebensmittelladen Bauer um die Ecke und fuhr die bestellten Waren aus.
Als es klingelt war Anita bereits an der Tür. Mit einem fröhlichem Gruß ging der Junge an ihr vorbei und wuchtete den schweren Karton mit dem Wocheneinkauf auf den Tisch.
Hier ist der Kassenzettel, die Bananen sind heute im Angebot und einen schönen Gruß auch von Herrn Bauer.“
Die Rentnerin kramte in ihrer Geldbörse reichte Fritz den Betrag, dann drückte sie ihm noch einen Euro extra in die Hand.
Der Junge grinste, in dem Moment klingelte das Telefon und Anita ging in den Nebenraum.
Es war ihre Freundin, die mal wieder kein Ende fand. Sie hörte Fritz einen Gruß rufen und das Schlagen der Tür.
Nachdem Elvira alle ihre Klatschgeschichten losgeworden war, ging Anita zurück in die Küche.
Erfreut stellte sie fest, dass der Junge die Lebensmittel bereits ausgepackt und den Karton mitgenommen hatte.
Nun brauchte sie diese nur noch in Schrank, Kühlschrank und das Brot im Tiefkühler verstauen.
Sie kaufte immer mehrere Packungen Brot und fror sie ein, man konnte die Scheiben wunderbar im Toaster rösten.
Es klingelt an der Haustür und schnell raffte sie die Packungen mit dem geschnittenen Brot und warf sie in den Gefrierschrank.
Es war der Postbote.
Anita nahm die Post, die meistens nur aus Reklame bestand entgegen, und legte sie auf den Tisch.
Sie wollte sie später durchsehen, jetzt hatte sie erst mal Hunger. Nachdem sie die leckere Kartoffelsuppe mit Würstchen verspeist hatte, machte sie ein Nickerchen auf ihrem gemütlichen Ohrensessel.
Erschreckt fuhr sie auf, sie hatte ein schreckliches Durcheinander geträumt und dann fiel ihr siedend heiß ein, dass sie ihre Geldbörse, die sie doch auf dem Tisch gelegt hatte, nirgendwo gesehen hatte.
Erschrocken sprang sie auf, um nachzusehen. Auf dem Tisch lag das schwarze Lederetui nicht. Hektisch wühlte sie die Schubladen durch, sah in die Schränke, ja sogar in den Kühlschrank. Die Börse war weg.
Erschöpft ließ sie sich auf den Stuhl fallen, Tränen traten in ihre Augen.
Die ganze Rente von diesem Monat war in dem Portmonee.
Dann kam ihr ein schrecklicher Gedanke:
 ' Fritz würde doch nicht?'
Doch dann schüttelte sie den Kopf. 
Sie kannte den Jungen seit er noch Windeln trug. Er war ein braver Junge, anständig, freundlich und machte seinen Eltern nur Freude.
So sehr sie sich wehrte aber immer wieder kam ihr der Gedanke, denn wo sonst sollte der Geldbeutel sein.
Fritz war der Einzige, der in der Wohnung war und sie hatte doch alles schon abgesucht.
Mit schweren Gedanken ging sie schließlich zu Bett.
Nach einer unruhigen Nacht schlurfte sie in die Küche, brühte Kaffee auf, dann holte sie Brot aus dem Tiefkühler und erstarrte, zwischen den Packungen lag die Geldbörse.
Mit einem erleichterten Lachen setzte sie sich hin. Da hatte sie wohl, abgelenkt vom Klingeln an der Tür, nicht bemerkt, dass sie zusammen mit dem Brot den Geldbeutel hochgehoben hatte.
In Gedanken leistete sie Fritz Abbitte und als er eine Woche später wieder die Ware vorbei brachte, bekam er eine Tafel Schokolade zu seinem Trinkgeld.

© Lore Platz





Montag, 15. April 2019

Das Wunder von Wolfskirchen

Die Landwirtschaft ist ja sehr vom Wetter abhängig, darum gibt es jedes Jahre einen Bittgang, der mehrere Kilometer über Land und durch die Dörfer geht, um für eine gute Ernte zu beten.
Ich habe die Bittgänge als Kind geliebt, obwohl es morgens um vier schon los ging. Wurde doch jeder der daran teilnahm vom Unterricht befreit. Als Brotzeit packte mir meine Mutter ein Butterbrot, einen Apfel und ein hart gekochtes Ei ein, dazu eine Flasche Leitungswasser.
Meine heutige Geschichte erzählt von so einem Bittgang. 
Viel Spaß beim Lesen! 


 
(c) meine Tochter




Das Wunder von Wolfskirchen

Ich wohne ja in einem kleinen bayrischen Marktflecken und hier ist es noch üblich, dass die Glocken laut und voll tönend die Gläubigen zum Gottesdienst am Sonntag rufen.
Für mich gehört dieser Glockenklang einfach zum Sonntag dazu und ich liebe ihn.
Nun will ich euch eine kleine Geschichte erzählen, bei der es auch um das Läuten der Glocken geht.


 
(c) meine Tochter



Seufzend legt Pfarrer Berger den Füller beiseite und rollt etwas mit den Schultern, um die Verspannung zu lockern.
Er ist froh, wenn seine Sekretärin Frau Pfanner wieder aus dem Urlaub zurück kommt.
Ein Blick auf die Standuhr zeigt ihm, dass es bereits nach 22 Uhr ist und am besten geht er jetzt gleich zu Bett, denn Morgen früh um 4 Uhr kommt die Bittprozession aus Gerlodbach und er muss die Hl. Messe lesen.
Erschrocken zuckt er zusammen.
Er muss ja den Computer für die Glocken auf vier Uhr programmieren.
Er kennt sich mit diesem vermaledeiten Ding doch überhaupt nicht aus, als er jung war gab es weder Handys noch Computer.
Seine Sekretärin hatte ihm zwar, bevor sie in Urlaub fuhr alles noch einmal erklärt, aber verstanden hatte er so gut wie nichts.
Es ist ganz leicht, nur ein Knopfdruck und die Glocken beginnen um die eingegebene Zeit zu läuten,“ meinte Frau Pfanner und hat aufmunternd gelächelt.

Der Pfarrer verlässt sein Arbeitszimmer und geht hinüber in die Kirche.
In der Sakristei steht der kleine schwarze Kasten, in dem das Wunderwerk der Technik verborgen ist.
Früher hatten die Ministranten mit einem langen Strang die schweren Kirchenglocken in Bewegung gebracht und hatten einen Riesenspaß, wenn sie mit dem schwankenden Seil durch den Raum flogen.

Doch als sich letztes Jahr der Sohn des Bürgermeisters bei dem Gerangel den Fuß gebrochen hat, hat sein Vater bei der Gemeinde die sehr teure Anschaffung einer computergesteuerten Anlage für die Glocken, durchgesetzt.

Pfarrer Berger hat nun den Computer eingeschaltet.
Das eben noch schwarze Bild leuchtet grell weiß auf .
Verwirrt sieht der alte Mann auf die vielen Knöpfe.
Nur ein Knopfdruck, dass ich nicht lache,“ murmelt er verbittert.
Wenn er nur wüsste welchen.
Vorsichtig drückt er, ein schrilles Geräusch ertönt und hastig fährt er mit der Hand über einige Knöpfe.
Stille! Der Bildschirm wird schwarz.
Wütend knallt er den Deckel zu.
Was nun?
Er verlässt die Sakristei und hastet die Dorfstraße hinunter.
Etwas atemlos betritt er die Dorfkneipe und wird mit großen Hallo begrüßt.
Der Bürgermeister winkt ihn an seinen Tisch.
Der Pfarrer begrüßt die Männer und lässt sich erschöpft auf einen Stuhl fallen.
Der Wirt stellt ihm grinsend ein Glas Bier hin.
Herr Pfarrer sollten sie denn nicht im Bett sein, morgen kommen die Pilger doch schon ganz früh aus Gerlodbach.“
Pfarrer Berger nimmt einen tiefen Schluck Bier und wischt sich über den Mund.
Wer kennt sich von euch mit einem Computer aus.“
Achselzucken ringsum!
Der alte Wildgruber, der größte Bauer im Dorf knurrt:
Mein Sohn plagt mich schon dauernd, dass ich so ein Ding anschaffe. Ohne Computer könne man heutzutage keine Landwirtschaft mehr führen.“
Er schlägt wütend mit der Faust auf den Tisch, dass die Gläser hüpfen.
Solange ich noch nicht übergeben habe, kommt mir so ein neumodischer Kram nicht ins Haus.“
Hilfesuchend sendet der Pfarrer einen Blick zum Lehrer, doch auch dieser schüttelt den Kopf.
Ich gehe nächstes Jahr in Pension und habe keine Lust mich noch mit dieser neuen Technik auseinanderzusetzen.“
Ein listiger Blick fliegt zum Bürgermeister.
Was ist mit dir, Franz, schließlich hast du dem Herrn Pfarrer ja das ganze eingebrockt und dein Sohn besitzt ja auch das allerneueste Handy.
Jedenfalls stört er den Unterricht mit dem Ding, an dem er ständig herum fummelt.“
Dieser zuckt verlegen mit den Schultern.
Mein Bub kennt sich aus, aber ich nicht. Dann muss es eben mal ohne Glocken gehen.“
Der Pfarrer nickt, trinkt sein Glas aus und verlässt die Kneipe.

Schweißgebadet wacht er am nächsten Morgen auf. Er hatte einen fürchterlichen Traum.
Viele Glocken, mit großen aufgerissenen Mündern zu einem stummen Schrei, verfolgten ihn.
Er schüttelt sich.
Schon seltsam was einem das Unterbewusstsein träumen lässt.
Nach einer eiskalten Dusche ist sein Kopf wieder klar.
Als er in die Sakristei tritt schlüpft er in das grün goldene Messgewand, dass der alte Mesner bereit gelegt hat, wirft noch einen finsteren Blick auf den stummen Computer und geht in die Kirche.
Beide Portale sind einladend geöffnet und Pfarrer Braun gesellt sich zu seinem Mesner, der wartend vor der Kirche steht.
Es ist schon schade, dass ich das mit dem Computer vermasselt habe und die Pilger nicht mit Glockenklang begrüßt werden.“
Pah!“ schnaubt der alte Mesner, „ das kommt nur von dem neumodischen Kram, den der Bürgermeister sich da
eingebildet hat.“
Naja, nachdem sein Bub sich den Fuß gebrochen hat.“
Weil ein wilder Lackel ist und nur Faxen gemacht hat, selber Schuld. Und dann gleich den ganzen Strang abzubauen, wäre er noch dran, könnte ich jetzt die Glocken läuten,“ brummt der Mesner.
Geh Seppl, du hast doch gar nicht mehr die Kraft dazu.“
Die beiden alten Herren sehen sich an und grinsen.
Murmeln ist zu hören und die Pilger kommen langsam die Dorfstraße herunter.
Voran der Fahnenträger, dahinter die Männer, denen die Frauen folgen und am Ende ein paar Kinder.
Die Mädchen brav die Hände gefaltet und betend und dahinter einige Buben auch auffallend ruhig.
Unterwegs hat es nämlich einen Zwischenfall gegeben.
Die Buben alles anders als andächtig, sind sie doch nur mitgegangen weil sie dann nicht zur Schule müssen, haben die Mädels immer wieder geärgert.
Sie haben sie an den Zöpfen gezogen, ihnen die Schürzenbänder aufgezogen und allerlei Unsinn getrieben.
Plötzlich stoppte die Prozession.
Der Fahnenträger, der baumlange Karl , Knecht beim Bauern Hinterhuber, hat seine Fahne in den Boden gerammt und ist mit langen Schritten nach hinten gestapft.
Dort hat er die Buben bei den Ohren gepackt und ihre Köpfe zusammen gestoßen und ihnen eine ordentliche Standpauke gehalten.
Die Mädchen kicherten und die Erwachsen nickten zustimmend.
Dann war der Karl wieder nach vorne gegangen, hatte die Fahne aus dem Boden gezogen und es ging wieder weiter.
Die Buben verhielten sich nun auffallend still.
Nur Xaver und Pauli stießen sich immer wieder feixend an, doch wenn die alte Wimmer Anna strafend nach hinten schaute, machten die Schlingel unschuldige andächtige Gesichter.

Nun haben die Betenden die Kirche erreicht.
Karl lehnt die Fahne an die Mauer und betritt als Erster die Kirche.
Die anderen folgen und verteilen sich auf die Bänke.
Xaver und Pauli aber schlüpfen in die allerletzte Bank und Pauli zieht ein Päckchen Karten heraus und sie spielen Mau Mau.
Pfarrer Berger begrüßt die Pilger und erzählt ihnen in launigen Worten von seinem Missgeschick mit dem Computer.
Paul und Xaver sehen sich an und beide denken dasselbe und als der Mesner die ersten Akkorde auf der Orgel ertönen lässt, schlüpfen die Beiden leise aus der Kirche.
Wenig später stehen sie in der Sakristei vor dem Computer.
Denkst du, du kriegst das hin?“ fragt Pauli.
Klar doch, das Ding ist echt cool!“
Xaver nicht der beste in der Schule aber ein Genie auf dem Computer, drückt nun einige Knöpfe und bald verschwindet das düstere Schwarz und der Bildschirm leuchtet wieder.
Mit flinken Fingern fährt der Junge über die Tasten und meint zufrieden.
Alles wieder in Ordnung. Wie spät ist es?“
4 Uhr 25, aber stelle die Glocken etwas später ein, dass wir wieder in der Kirche sind. Vielleicht glaubt der Pfarrer dann, es ist ein Wunder geschehen.“
Die beiden grinsen und wenig später sitzen sie wieder in der hintersten Bank und verfolgen mit unschuldigen Gesichtern den Ablauf der Messe.
Der Pfarrer hat gerade den Segen gesprochen, da beginnen die Glocken voll und tönend zu läuten.
Ein Lächeln überzieht Pfarrer Bergers Gesicht.
Man könnte fast an ein Wunder glauben, sie tönen wieder, wenn auch mit Verspätung.“
In der hintersten Bank heben Pauli und Xaver die Hand und schlagen feixend ab.

(c) Lore Platz