Donnerstag, 9. Juli 2020

Hexe Liliput und die Drachenjäger 2




Er winkte. „Kommt mit!“
Sie folgten ihm in die Felsenspalte durch viele verschlungene Gänge und kamen in eine große Höhle.
Tolpatsch sank erschöpft nieder.
Die kleine Hexe sah sich erstaunt um.
Hast du es aber schön hier, ich bin Liliput und das ist mein Freund Tolpatsch. Hast du Wasser, ich muss die Wunde reinigen.“
Der Junge eilte in eine Nebenhöhle und kam mit einer Schüssel Wasser und einem Bund Arnika zurück.
Liliput wusch die blutende Wunde, während der Junge aus der Heilpflanze einen Brei machte, den die Hexe vorsichtig auftrug.
Sie schnippt mit dem Finger und ein großes Pflaster legt sich über die Verletzung.
Du kannst zaubern, warum hast du dann nicht die Wunde geheilt?“
Weil ich noch Lehrling bin und nur die kleinen Zauber kann. Der Heilzauber ist einer der schwersten Zauber und man braucht eine lange Ausbildung dafür. Auf dem Hexenberg gibt es nur eine Heilerin und das ist meine Lehrerin Frau Kassandra.“
Der Junge hatte inzwischen ein kleines Feuer gemacht und kramte in einer Kiste.
Was machst du denn da, wie heißt du überhaupt?“
Du kannst es dir aussuchen; Missgeburt, Scheusal, Wechselbalg, Teufelsbrut, pfui-igitt.“
Das sind ja scheußliche Namen, ich meine deinen Taufnamen, ihr Menschen habt doch Taufnamen.“
Ich nicht,“ lachte der Junge bitter, „ als der Pfarrer mich sah weigerte er sich mich zu taufen. Teufelsbrut nannte er mich.
Ich mache uns was zu essen, ich hoffe du magst Kartoffel in der Schale, mehr habe ich leider nicht.“
Nein, leg sie zurück, setz dich zu mir.“
Als der Junge saß, sagte Liliput.
Ich werde mir einen Namen für dich ausdenken. Aber nun machen wir ein Spiel. Schließ die Augen, du darfst sie erst aufmachen, wenn ich es sage.“
Der Junge nickte.
Nun stell dir vor was du gerne essen willst.“
Ein gebratenes Hähnchen.“
Liliput grinste, schnippte mit dem Finger und ein Teller mit einem gebratenem Hähnchen stand vor ihm auf dem Boden.“
Der Junge kicherte: „ Das ist schon was tolles mit der Fantasie, ich kann das Hähnchen sogar riechen.“
Ja, aber halte die Augen nur geschlossen. Wir wollen ein ganzes Menü zusammenstellen. Was willst du als Beilage?“
Kartoffelbrei und Bohnengemüse!“ kam es wie aus der Pistole geschossen.
Schon stand eine Schüssel Kartoffelbrei und eine Schüssel Bohnen vor ihm.
Nachtisch?“
Hmmm,“ der Junge leckte sich genießerisch über die Lippen, „Schokoladenpudding.“
Nun darfst du die Augen öffnen.“
Aber, aber,“ stammelte er, „ das ist alles wirklich.“
Liliput grinste.“ Der Essenszauber ist das erste was wir lernen, nun guten Appetit.“
Sie freute sich wie sehr es ihm schmeckt.
Er lehnte sich zurück und strich über seinen Bauch.
Das war lecker! Aber warum guckt dein Freund mich so an?“
Liliput warf einen Blick auf Tolpatsch und lachte.
Er hat Hunger, kann ich ihm die Reste geben?“
Als der Junge nickte, ließ die kleine Hexe die übrige gebliebenen Speisen in den weit geöffneten Rachen des Drachens fliegen.
Willst du mir nun erzählen warum du hier wohnst und nicht im Dorf. Wie alt bist du denn?“
Zehn Jahre. Und hier wohne ich seit zwei Jahren.
Als meine Mutter starb war ich sechs Jahre. Sie war die einzige, die lieb zu mir war und mich getröstet hat, wenn mein Vater, die Kinder und viele Erwachsene im Dorf böse zu mir waren.
Doch dann bekam sie ein schlimmes Fieber und starb.
Mein Vater heiratete sofort wieder und seine neue Frau wollte mich nicht im Haus haben.
Ich musste im Schweinestall wohnen und auch das Essen mit ihnen teilen.
Marianne vom Nachbarhof kam ab und zu vorbei, brachte mir etwas zum anziehen und essen.“
Marianne, das ist meine Freundin,“ rief Liliput.
Aha, dann bist bestimmt auch du für das oft leckere Essen zuständig.“
Als ich sie kennenlernte war sie halb verhungert. Ihre Tante ließ sie den ganzen Tag schuften, aber sie bekam kaum zu essen.
Also habe ich einen Zauber in ihr Zimmer gelegt, wenn sie abends müde in ihre kleine Dachkammer kam, dann konnte sie sich wünschen was sie essen wollte.“
Als ich eines nachts in den Garten ging, um mir einen Apfel zu holen, entdeckte mich mein Vater und prügelte mich halb tot.
Marianne die meine Schreie gehört hatte holte mich und brachte mich zu den Eltern ihres Freundes Lukas. Diese pflegten mich gesund.
Lukas und Marianne aber richteten mir hier diese Höhle ein.
Im Dorf konnte ich nicht mehr bleiben.“
Dein Vater ist ein böser Mensch!“ rief Liliput wütend.
Der Junge zuckte traurig die Schultern.
Aber nicht alle Menschen sind böse!“
Sie sahen sich an und lachten, denn sie hatten gleichzeitig dasselbe gesagt.
Weißt du was meine Mutter immer gesagt hat, wenn ich weinend zu ihr lief, weil die Dörfler wieder mal böse zu mir waren.
Fünf bösen Menschen stehen fünf gute Menschen gegenüber. Das ist Gottes Ausgleich.“
Eine Weile schwiegen sie.
Ich hab einen Namen für dich. Du bist gut und edel wie ein Prinz und du wohnst hier umgeben von Wäldern. Ich werde dich Waldprinz nennen. Gefällt dir der Name?“
Waldprinz nickte strahlend, doch dann wird er wieder ernst.
Was machen wir mit dem Drachen?“
Ich werde Frau Kassandra um Hilfe bitten.“
Und mich mit dem Ungetüm alleine lassen. Er wird meine Wohnung abfackeln.“
Unsinn, ich bin ja bald wieder da.“
Liliput schwang sich auf ihren Besen und verließ die Höhle.
Draußen warf sie einen Unsichtbar-zauber um sich und flog zum Hexenwald.
Sie erzählt nun Frau Kassandra alles.
Diese sah sie ernst.
Du hast wieder einmal nicht gedacht und unverantwortlich gehandelt. Nun haben wir wieder einmal den Zorn der Menschen erregt.“
Aber ich bin doch so allein und wollte nur einen kleinen Bruder. „
Mitleidig sah Frau Kassandra sie an.
Ich weiß, du bist die einzige hier, die keine Familie hat. Also bring mich zu deinem Drachen.“
Wenig später betraten sie die Höhle.
Liliput schrie entsetzt auf.
Was hast du getan, wie konntest du nur!“
Trotzig sah Waldprinz sie an.
Sollte ich vielleicht meine Wohnung abfackeln lassen!“
Die kleine Hexe warf ihm einen finsteren Blick zu.
Und deshalb hast du sein Maul mit einem Seil zugebunden und seinen Schwanz an einem Felsen gekettet.
Ich hätte dich statt Waldprinz lieber Wirrkopf nennen sollen.“
Der Junge verschränkte die Arme und blickte genauso zornig zurück.
Er hat bereits zwei Tassen mit seinem Schwanz kaputt gemacht und ich wollte nicht warten bis er auch noch meine Möbel versengt.“
Frau Kassandra hatte schmunzelnd zugehört.
Nun legte sie die Hand auf Waldprinz Schulter.
Dieser sah sie schüchtern, aber auch etwas ängstlich an. Wie würde sie auf seinen Anblick reagieren?
Doch die Hexe lächelte ihn freundlich an.
Das hast du sehr gut gemacht. Du hast klug und überlegt gehandelt. Tolpatsch ist zwar nicht bösartig, trotzdem gefährlich.“
Liliput hatte den inzwischen den Drachen befreit. Dieser sprang freudig auf, sein großer Schwanz schlenkerte und aus seinem Mund kam Feuer.
Frau Kassandra hob die Hand und ließ ihn erstarren.
Siehst du nun, wie gefährlich dein Freund ist.“
Liliput ließ den Kopf hängen und Tränen glitzerten in ihren Augen.
Bittend hob sie die Hände.
Tötet ihn nicht. Es ist alles meine Schuld, lasst ihn nicht dafür büßen. Ich werde ein neues Versteck für ihn suchen.“
Du kannst ihn nicht immer einsperren. Hm, sein einziger Fehler ist seine Größe.“






Frau Kassandra hob lächelnd die Hand und der Drache begann zu schrumpfen, bis er so klein wie eine Eidechse war.
Das ist ja toll!“ rief Waldprinz und Liliput jubelte,
So groß und niedlich war er, als er aus dem Ei schlüpfte!“
Sie hob den Drachen hoch und dieser schmiegte sich an sie.
Frau Kassandra nickte zufrieden.
Der Zauber kann nie mehr rückgängig gemacht werden, es besteht also keine Gefahr und Tolpatsch kann nun für immer bei dir bleiben.“
Dann wandte sich die Hexe an den Jungen.
Möchtest du bei uns im Hexenwald leben?“
Aber er ist doch ein Mensch!“
Sicher, aber im Testament von Graf Herold von Trutzingen steht, dass das Schloss und die umliegenden Wälder eine Heimat für alle Verfolgten und Verstoßenen sind und unser Waldprinz wurde doch von den Menschen verstoßen.“
Liliput hüpfte vor Freude auf und ab.
Und wohnen kannst du bei mir, ich habe mir schon immer einen Bruder gewünscht.“
Dass ihr streiten könnt wie Geschwister habt ihr ja eben schon bewiesen,“ schmunzelte Frau Kassandra,
willst du denn bei uns leben, du wärst nicht mehr so allein und niemand würde dich deines Aussehens wegen übel behandeln. Außerdem wo sonst sollte ein Waldprinz leben als Wald.“
Waldprinz sah sie mit großen Augen an.
Sprechen konnte er nicht, aber er nickte heftig mit dem Kopf.
Dann komm. Liliput du nimmst Tolpatsch auf deinem Besen und ich unseren Waldprinzen.“
Als sich der Junge in der Wohnung umsah, meinte die Hexe. „Wir kommen später noch einmal hierher und holen deine Sachen.“
Sie setzten sich auf ihre Besen und sausten durch die Luft.
Waldprinz, der hinter Frau Kassandra saß, hatte keine Angst, er genoss es, wie der Wind ihm durch die Haare fuhr und beobachtetet staunend wie die Welt unter ihm immer kleiner wurde. Und zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich wirklich frei.
Sie landeten in Liliputs Garten und dieser blieb vor Staunen der Mund offen.
Aber mein Haus ist ja viel größer.“
Ich habe es durch einen Anbau erweitert, wollt ihr ihn euch nicht mal ansehen?“
Als sie den Raum betraten staunten sie noch mehr.
Aber das sind doch alle meine Sachen aus der Höhle!“
Ich dachte, das würde dir das Eingewöhnen leichter machen,“ lächelte Frau Kassandra, „ nun muss ich aber ins Schloss zurück.“

Liliput aber nahm, ihren Bruder an der Hand und stellt ihm Trinchen vor.
Während Waldprinz der Schildkröte sanft über den Kopf strich, ließ Liliput versonnen den Blick über Tolpatsch, Trinchen und Waldprinz gleiten.
Glücklich lächelte sie.
Nun hatte sie auch eine Familie.

Da der Drache verschwunden, wurden die Drachenjäger nicht mehr benötigt. Da sie aber keinen Erfolg hatten, verweigerte der Moorhofer die Bezahlung.
Als die wilden Kerle abzogen, zerstörten sie aus Rache alle Felder des geizigen Bauern.


© Lore Platz


Mittwoch, 8. Juli 2020

Hexe Liliput und die Drachenjäger





Hexe Liliput und die Drachenjäger



Liliput saß auf der kleinen Bank vor ihrem Häuschen,

den Kopf in die Hände gestützt, die Stirn sorgenvoll 

gerunzelt.

Tinchen an einem Grashalm knabbernd, warf ihr 

einen mitleidigen Blick zu.

Liliput stieß einen langen von Herzen kommend 

Seufzer aus.

Warum sagst du nicht, ich habs dir ja gesagt,“ 

fragte sie bitter.

Die Schildkröte krabbelte auf sie zu und die kleine 

Hexe hob sie hoch und setzte sie neben sich auf die 

Bank.

Was hätte das jetzt für einen Sinn.“

Liliput seufzte wieder, „er ist doch nicht böse, nur 

tolpatschig.“

Ja aber für die Bauern, deren Kühe er geraubt und 

deren Scheunen er in Brand gesetzt hat, ist er böse.“

Sie werden die Drachenjäger holen und diese 

werden ihn jagen.“

Liliput sprang auf.

Ich muss ihn finden bevor sie ihn töten.“

Das wird gefährlich, wenn sie dich mit dem Drachen 

in Verbindung bringen, dann werden sie auch dich 

jagen.“

Ich weiß Tinchen, aber Tolpatsch ist mein Freund 

und außerdem bin ich für ihn verantwortlich. Ich 

muss ihn finden bevor er einen Menschen verletzt, 

denn dann kann auch ich ihm nicht mehr helfen.“



Vorsichtig umkreiste Liliput das Dorf, dann ließ sie 

sich auf der Spitze der großen Kastanie nieder, die 

mitten im Hof von Mariannes Verwandten steht.

Niemand hielt sich unten auf, nur ein paar Hühner 

liefen herum. Eine Katze kam aus dem Stall, dehnte 

sich, machte dann einen Buckel und lief mitten durch 

die Hühnerschar, die empört auseinander liefen.

Ein junges Mädchen kam aus dem Haus und leerte 

die beiden Eimer mit Abfällen in den Schweinetrog 

und schmatzend machten sich die Tiere darüber her.

Marianne erschrak, als Liliput neben ihr auf ihrem 

Besen balancierte.

Bist du allein?“

Ja sie sind in der Stadt.“

Ich brauche deine Hilfe.“

Dann komm mit ins Haus.“

Kaum hatten sie das Haus betreten, fing Liliput 

bitterlich zu weinen an.

Tröstend nahm ihre Freundin sie in die Arme und 

führte sie zu dem Sofa.

Liliput erzählte Marianne nun von Tolpatsch.

Ich verstehe dich ja, aber dein Drache hat schon 

viel Unheil angerichtet. Die einzige Kuh von Lukas 

Eltern hat er verschlungen und dabei sind die doch 

so arm und können sich keine neue kaufen. Und die 

Ziege der alten Grete hat er auch geraubt.

Und dem reichen Mooshofbauern hat er mitten aus 

der Herde eine Kuh gestohlen.

Deshalb haben sich gerade beim Mooshofbauern alle 

versammelt, sie wollen die Drachenjäger kommen 

lassen.“

Oweh, Oweh. Oweh“!

Liliput sprang auf, „ ich muss Tolpatsch finden, bevor 

es die Drachenjäger tun.“

Sie umarmte ihre Freundin, öffnete die Tür, sah 

vorsichtig hinaus und setzte ich auf ihren Besen.

Wenn ich etwas erfahre, lege ich eine Nachricht in 

unser Versteck.“

Die Hexe winkte ihr zu, fuhr mit der Hand über den 

Besen und war unsichtbar.





Sie flog zu dem Anwesen von Lukas Eltern. Marianne 

und Lukas liebten sich hatten aber kein Geld, um 

jetzt schon zu heiraten.

Als sie auf dem Hof landete, liefen die Hühner laut 

gackernd auseinander.

Ein alter Mann kam aus dem Haus und setzte sich 

auf die Bank neben seine Frau.

Liebevoll legte er den Arm um ihre Schultern.

Annamierl sei net traurig. Wir haben doch soviel 

schon gemeinsam geschafft. Wir werden auch mit 

diesem Verlust fertig werden. Der Herrgott lässt uns 

nicht im Stich.“

Die alte Frau legte müde ihren Kopf an seine 

Schulter.

Liliput aber schlich leise in den Stall, der leer und 

verlassen war.

Sie murmelt leise vor sich hin und auf einmal stand 

eine große kräftige Kuh mit dick gefüllten Eutern in 

der Box und muhte laut.

Die Tür des Stalls flog auf und die Eltern von Lukas 

starrten auf das Tier.

Annamierl, das is ja unsere Lies, die hat gar net der 

Drache gholt, de hoat sie blos verlaafa. Schau woas. 

für dicke Euter sie hoat, die muss unbedingt gmolker 

wern.“ jubelt der Bauer.

Ja Josef,“ schluchzte die Frau und holte 

Melkschemmel und Eimer.

Die kleine Hexe aber verließ leise und glücklich 

lächelnd den Stall.

Sie flog weiter zur alten Grete, deren armseliges 

kleines Anwesen am Rande des Dorfes liegt.

Den von Tolpatsch verbrannten Zaun konnte sie 

nicht reparieren, das würde zu viele Fragen 

aufwerfen.

Aber mit spitzbübischem Lächeln nahm sie doch 

einige Verbesserungen am Haus vor, die nicht gleich 

ins Augen fielen.

Dann ließ sie eine weiße Ziege mit lautem Gemecker 

auf das Haus zu laufen und freute sich als Grete die 

Haustür öffnete und fassungslos die Hände über dem 

Kopf zusammenschlug.

Als sie über den Moorhof flog hörte sie laute 

Stimmen und wieder erklang das Wort Drachentöter.

Mit großer Sorge flog Liliput zurück in den 

Hexenwald.

Jeden Tag flog Liliput durch die Gegend auf der 

Suche nach Tollpatsch. Über das Dorf zu fliegen 

wagte sie sich nicht mehr.

In einem Brief, den Marianne in ihrem Versteck 

hinterlegt hatte, stand, dass die Drachentöter 

angekommen waren und dass die Wut der Dörfler 

sich auch gegen die Hexen gewandt hätte.

Sie gaben ihnen die Schuld.

Die kleine Hexe bekam ein schlechtes Gewissen.

Eigentlich war es ja ihre Schuld, dass es den 

Drachen gab und nun mussten alle darunter leiden.

Jeden Tag flog Liliput zum Versteck und wirklich fand 

sie eines Tages einen Brief , in dem Marianne ihr 

mitteilte, dass der Drache in der Nähe der Felsen 

gesehen worden war und die Drachentöter auf dem 

Weg dorthin waren.

Liliput machte sich sofort auf den Weg und dann 

entdeckte sie Tolpatsch, der müde auf die Felsen 

zusteuerte.

Doch auch die Drachentöter hatten ihn entdeckt.

Los Bruno du bist der beste Schütze, hol ihn 

herunter !“

Dieser hob seine Armbrust, der Pfeil schnellte auf 

den Drachen zu, dieser zuckte zusammen und ein 

riesige Flamme schoss aus seinem Mund.

Getroffen!“ jubelten die Jäger, „ los ihm nach!“

Doch plötzlich tauchte eine große Nebelwand vor 

ihnen auf.





He, wo kommt der Nebel plötzlich her! Wir werden 

nicht sehen wo er herunter fällt. Die Prämie wird uns 

verloren gehen!“ so brüllten sie durcheinander und 

versuchten die Nebelwand zu durchbrechen.

Liliput aber hatte inzwischen ihren Freund erreicht.

Aus einer tiefen Wunde tropfte Blut.

Schaffst du es bis zu den Felsen?“

Tolpatsch nickte und mit letzter Kraft sank er auf 

den felsigen Boden.

Hier könnt ihr nicht bleiben. Die Drachenjäger 

haben den Nebel verlassen und sind auf dem Weg 

hierher.“

Ein kleiner Junge trat aus dem Gebüsch. Er sah 

seltsam aus, hatte große Segelohren, ein schiefes 

Gesicht und wirre rote Haare.


Fortsetzung folgt



Dienstag, 7. Juli 2020

Kleine Hexe Liliput und der Drache


Zur Zeit schreibe ich an dem dritten Teil der Triologie, doch vorher möchte ich euch den zweiten Teil vorstellen.
Viel Spaß beim Lesen!






Kleine Hexe Liliput und der Drache


Inzwischen sind einige Wochen vergangen. Tinchen 
beobachtet besorgt wie der Drache immer größer 
wird.
Liliput verdrängt es. 

Sie liebt ihren Spielgefährten, der ebenfalls mit 

rührender Liebe an ihr hängt.
Die vielen Dinge, die kaputt gehen wenn er nur mit 
dem Schwanz wakelt und dass er manches kleine 
Feuer entzündet und die Möbel verkohlt, will Lilput 
einfach nicht wahrhaben.
Ein Glück, dass ihre Hütte abseits von den anderen 
Häusern liegt und noch niemand ihren gefährlichen 

Mitbewohner bemerkt hat.
Doch eines Tages kann auch Liliput nicht mehr die 
Augen davor verschließen, wie gefährlich es ist, den 
Drachen in ihrem Haus zu verstecken.
Heute hat sie wieder nachsitzen müssen, weil ihr 
Temperament wieder mit ihr durchgegangen ist.
Sie hat ihrer Erzfeindin Anastasia eine dicke Warze 
auf die Stirn gezaubert und sie musste zur Strafe 
eine Stunde nachsitzen.
100mal musste sie schreiben: „Ich darf meine Kräfte 
nicht missbrauchen!“







Der Drache hat schon sehnsüchtig gewartet und 
immer wieder aus dem Fenster.
Als er seine Freundin den Berg herab kommen sieht, 
kann ihn nichts mehr halten.
Er stürmt durch die geschlossene Tür, trampelt über 
das zersplitterte Holz und läuft vor Freude hechelnd 
auf seine kleine Freundin zu.
Ein langer großer Feuerschwall entfährt seinem Maul 
und trifft einen Baum, der wie eine Fackel leuchtet 
und dann zu einem kleinem schwarzen Häufchen 
zusammenfällt.
Liliput hebt ihren Zauberstab und lässt den Drachen 
erstarren, bevor er noch mehr Unheil anrichten kann.
Mutlos, mit gesenktem Kopf steigt sie über die 
Trümmer der Tür und setzt sich auf den Boden 

neben Tinchen.
Die Schildkröte sieht sie mitleidig an und Liliput ist 
froh, dass sie nicht sagt: ‚ich habe es dir ja gesagt!‘
Was soll ich bloß machen?“ Liliput legt den Kopf auf 

die Knie.
Du musst ihn an einen sicheren Ort bringen.“
Ach Tinchen, aber wohin?“
Plötzlich hebt die kleine Hexe den Kopf.
Ich habs, auf die Burgruine kommt doch nie 

jemand, dorthin werde ich den Drachen bringen und 

einen Schutzzauber über die Burg legen.
Er hat genügend Platz und ich kann ihn besuchen 
wann ich will.
Außerdem gibt es dort eine Quelle und füttern kann 
ich ihn täglich.“





Ehe Tinchen etwas erwidern kann hat Liliput das 
Haus verlassen. Im Vorbeigehen zaubert sie schnell 
die zertörte Tür wieder an Ort und Stelle.
Sie schwingt sich auf den erstarrten Drachen und 
löst den Zauber.
Begeistert breitet dieser die Flügel aus und sie 
fliegen 
über den Wald der Ruine auf dem Berg zu.
Das alte Schloss ist ideal und eignet sich wunderbar 
als gemütliches Zuhause für den Drachen.
Es ist weitläufig, eine frische Quelle sprudelt aus 
einem Felsen und im weitläufigen Park kann er sich 
austoben.
Liliput umgibt das Schloss mit einem Schutzzauber.
Jeden Tag besucht sie nun ihren Freund, bringt ihm 
Futter mit, tobt mit ihm durch den Park und lehrt ihn 
geduldig, wie er mit seinem tödlichem Feuer 
umgehen muss.
Nur das klägliche Jammern, wenn ihn sie ihn wieder 
verlassen muss, schmerzt sie und treibt ihr die 
Tränen in die Augen.
Viele Wochen sind vergangen und der Drache hat 
gelernt sein Feuer zu kontroliieren.
Inzwischen ist er ganz ausgewachsen und die Burg 
wird ihm zu eng, er sehnt sich nach Freiheit.
Doch das wagt Liliput nicht, denn wenn man ihn 
sehen würde, dann kämen die Drachentöter und 
würden ihn jagen und schließlich töten.
Doch eines Tages als sie wieder zur Ruine fliegt,
ist der Schutzzauber zerstört und der Drache 
verschwunden.
Was ist geschehen?
Anastia und ihre Freundinnen bemerken, dass Liliput 
jeden Tag zur Schlossruine fliegt und eines Tages 
folgen sie ihr heimlich.
Versteckt zwischen den Bäumen warten sie bis 
Liliput verschwunden ist, dann fliegen sie zur Ruine.
Verflixt, sie hat einen Schutzzauber gelegt!“ 

schimpft Anastasie.
Aber natürlich bin ich sowieso eine viel bessere 

Hexe wie sie, und werde ihren Schutzzauber 

spielend brechen können.“
Ihre beiden Freundinnen grinsen zustimmend.
Anastasie schwingt nun murmelnd ihren Zauberstab, 
dann sausen die drei hinunter auf den Burghof.
Erstaunt sehen sich um. Hier gibt es nichts 
besonderes zu sehen.
Was trieb Liliput nur so lange hier und warum 
schützte sie die Burg mit einem Schutzzauber.
Zögernd streifen sie über das Gelände und plötzlich 
hören sie lautes Schnauben.
Tolpatsch, der meint seine kleine Freundin ist zurück 
gekommen, läuft begeistert aus dem Park auf die 
Mädchen zu. Dabei schießt aus seinem weit 
geöffnetem Maul ein riesiger Feuerstrahl.
Die Mädchen kreischen entsetzt, setzen sich auf ihre 
Besen und sausen nach oben.
Der Drache spreizt seine Flügel und folgt ihnen.
Oben auf dem höchsten Turm hält er inne und sieht 
sich suchend um.
Die Hexen kauern ängstlich hinter einem großen 
Steinwall.
Tolpatsch aber erhebt sich und fliegt davon.
Nach einiger Zeit trauen sich die Mädchen aus ihrem 
Versteck und sie schwören, niemand etwas davon zu 
sagen.
Ob Liliput und Tolpatsch sich wiedersehen?


(Lore Platz)



Wer mehr von Liliput lesen möchte, braucht nur oben

auf Hexe Liliput drücken, da findet ihre alle 

Geschichten die ich bisher geschrieben habe , 

verlinkt.