Freitag, 27. Mai 2022

Die schlafenden Blumen

Mit dieser Geschichte wünsche ich euch ein schönes Wochenende.
Viel Spaß beim Lesen!


( c)  Roswitha B.


Die schlafenden Blumen


Betrübt lugte Sternchen die kleine Blumenelfe durch die Wurzeln ihres Winterquartiers.
Es war schon Mitte März, der Winter hielt längst seinen wohl verdienten Schlaf und die Natur sollte zu blühen beginnen.
Doch die Pflanzen schliefen noch, keine Blume streckte ihr Köpfchen aus der Erde.
Sternchen schlüpfte aus ihrer Höhle nach draußen und betrachtete kritisch die große Blumenwiese ringsum, die noch genauso, wie der Winter sie verlassen hatte, aussah.
Der Schnee war durch die warmen Strahlen der Sonne weg geschmolzen und hatte eine braune trostlose Erde zurück gelassen.
Kein Grashalm, ja nicht mal ein Schneeglöckchen, die doch die ersten Boten des Frühlings sind, waren zu sehen.
Hallo, Sternchen, komm mit uns. Die Elfenkönigin will uns sprechen.“
Sternchen blickte nach oben zu ihrer Elfenfreundin Butterblume, die ihr auffordernd winkte und schloss sich den Elfen, die zum Palast der Königin schwirrten, an.



Der große Beratungssaal füllte sich mit kleinen und
großen Elfen und Butterblume und Sternchen fanden gerade noch ein freies Eckchen.
Das Gemurmel, Wispern und gelegentliches Kichern verstummte, als die Elfenkönigin den Raum betrat.
Mit ernstem Gesicht schritt diese zu ihrem Thron.
Sicher habt ihr bereits bemerkt, dass obwohl der Winter sich bereits zur Ruhe begeben hat, noch keine Pflanze zum Leben erwacht ist. Ich habe Rittersporn zu Mutter Erde gesandt, er müsste jeden Moment zurück kommen.“
Unruhe entstand am Eingang und der Elf Rittersporn kam mit schnellen Schritten auf die Königin zu.
Er verneigte sich ehrfurchtsvoll, dann berichtete er, dass die Flöte des Frühlings während er schlief gestohlen wurde. Mutter Erde und auch der Frühling haben sich bereits auf die Suche begeben.
Das war nun eine Aufregung!
Die Königin aber befahl nun, dass auch die Elfen sich auf die Suche machen sollten.
Sternchen und Butterblume saßen auf dem untersten Ast der noch kahlen Birke und überlegten, wer wohl Interesse hätte, das Blühen der Blumen zu verhindern, indem er die magische Flöte es Frühlings stahl.
Doch es fiel ihnen niemand ein. Mutlos erhoben sie sich in die Luft und überflogen das Land.
Etwas blinkte im Sonnenschein und sie sahen unter sich den unfreundlichen Kobold Garstig, der sich immer wieder lauernd umsah, bevor er in seiner Höhle verschwand.




Vorsichtig folgten die Elfen ihm in die Höhle. Als der Kobold sie sah, kam er mit grimmigen Gesicht auf sie zu.
Verschwindet ihr dummen Puten, was habt ihr hier verloren!“
Wir wollten nur nachsehen, was du in deine Höhle geschleppt hast.“
Das geht euch gar nichts an, ihr nervt mich, haut ab.“
Doch Sternchen hatte die Flöte des Frühlings bereits entdeckt.
Strafend sah sie den Kobold an.
Was willst du damit, das ist die Flöte des Frühlings!“
Geht dich nichts an, jetzt gehört sie mir, sie glänzt so schön und ich habe noch nie so etwas schönes gehabt.“
Du hast sie gestohlen!“ rief Butterblume empört.
Nun wird der Kobold verlegen.
Ich habe sie mir nur ausgeborgt, weil sie doch so schön ist und außerdem der Frühling schläft, der braucht sie doch gar nicht.“
Aber er ist bereits aufgewacht und sucht seine Flöte, denn damit muss er die Blumen wecken, damit sie blühen können.“
Was interessiert mich, ob die Blumen blühen!“ brummte Garstig trotzig.
Sternchen grinste.
Die Blumen vielleicht nicht, aber wenn die Walderdbeeren nicht blühen, dann gibt es auch keine Beeren und die isst du doch so gerne.“
Ooooh“ betroffen sah der Kobold die Elfen an, dann
hob er die Flöte auf und zu dritt gingen sie zum Frühling.
Dieser aber spielte seine liebliche Melodie und die Blumen und Pflanzen erwachten und streckten ihre Köpfe der Sonne entgegen.
Garstig wurde nicht bestraft, denn alle freuten sich viel zu sehr, dass die Blumen wieder blühten.

© Lore Platz



Mittwoch, 25. Mai 2022

Wenn ich bin wie mein Vater




Gewalt in der Familie gibt es leider viel zu oft.

Ursachen sind:

Versagensängste.
Alkohol und Drogen
Fehlende Kommunikation
Oder auch weil die Gewalttäter selbst Gewalt erlebt und gelernt haben Konflikte nur auf diese Art zu lösen.

Ich kenne eine Frau, die sich abends wenn ihr Mann von der Wirtschaft nach Hause kam, mit ihrem Sohn versteckt hat.
Erst als sie ihm mit Scheidung drohte, macht er eine Entziehungskur.









Wenn ich bin wie mein Vater





Sonja saß auf der Fensterbank, die Arme um die Knie geschlungen und träumte vor sich hin.
Übermorgen würde sie heiraten, Jürgen den Gesellen ihre Vaters.
Sie konnte sich noch gut an die erste Begegnung erinnern.
Sie war damals zehn Jahre alt und er war vierzehn und Papas neuer Lehrling. Da er aus dem Waisenhaus kam, bekam er ein Zimmer im Haus.
Papa stellte ihn als neuen Hausgenossen Mama und ihr vor.
Ein großer schlaksiger Junge mit ernsten Augen, der nie lächelte.
Doch er war sehr höflich, verbeugte sich vor Mama, sagte bitte und danke.
Ja er war so höflich, dass Mama in ihr als gutes Beispiel empfahl, was sie aber nur lachen ließ, denn sie war ein freundliches Kind, das von allen geliebt wurde.
Er blieb auch nach dem Essen nie sitzen, sondern verschwand sofort auf sein Zimmer.
Es stimmte wohl, dass Gegensätze sich anziehen, denn sie fühlte sich vom ersten Augenblick zu ihm hingezogen und da sie ein fröhliches Kind war beschloss sie, ihn etwas aufzuheitern.

Sobald sie ihn auf dem Hof herumlaufen sah, heftete sie sich an seine Fersen und plapperte frisch drauf los.
Es machte ihr nichts aus, dass sie keine Antwort bekam. Wenigstens schickte er sie nicht weg, verdrehte nur manchmal genervt die Augen.
Ruhig und gelassen machte er seine Arbeit und ertrug ihre Gegenwart.
Alex und Tobi die beiden gutmütigen Gesellen ihres Vaters verspotteten sie und nannten sie Jürgens Schatten oder Hündchen. Doch allmählich gewöhnten sie sich daran.
Auch Jürgen gewöhnte sich an sein plapperndes Anhängsel, so sehr, dass er sie vermisste, wenn sie mal bei einer Freundin war, oder in den Ferien bei der Oma.
Jürgen trank auch keinen Alkohol auch wenn Alex und Tobi ihn zu einem Bier überreden wollen.
Warum das so war, erfuhr sie eines Tages.
Es war ein heißer Sommertag und Sonja hatte
hitzefrei, da der Vater ein Mittagsschläfchen machte und ihre Mutter bei einer Freundin war, lief das Mädchen hinüber in die Werkstatt.
Alex und Tobi saßen auf der Werkbank und verspeisten ihre belegten Brote.
Als sie Sonja sahen, grinsten sie.
Er kühlt sich am See ab.“
Das Mädchen lief zum See. Jürgen war gerade aus dem Wasser gestiegen, stand mit dem Rücken zu ihr und trocknete sich ab.
Sonja keuchte entsetzt auf.
Sein ganzer Rücken und  auch seine Beine waren mit Narben übersät.
Jürgen hatte sie gehört, wurde rot, ließ das Handtuch fallen und zog schnell Hose und Shirt an.
Sonja packte ihn am Arm: „Mein Gott, wer hat dir das angetan.“
Jürgens Gesicht verschloss sich und er wollt gehen, doch Sonja nahm seine Hand und zerrte ihn zu der Bank unter der großen Kastanie.
Wir sind Freunde und Freunde sollten sich alles anvertrauen. Was ist geschehen?“
Jürgen saß mit gesenktem Kopf neben ihr und zerknüllte das Handtuch zwischen seinen Händen.
Sonja befürchtet schon, sie würde keine Antwort bekommen, da begann er mit monotoner Stimme zu erzählen.
Als er drei Jahre alt war, verlor sein Vater seine Arbeit, er wurde gereizt, ungeduldig, brüllte bei jeder Gelegenheit los und fing an zu trinken und je mehr er trank umso aggressiver wurde er.
Und eines Tages begann er seine Mutter und ihn zu schlagen. Ließ all seinen Frust an ihnen aus.
Seine Mutter versuchte ihn zu schützen, doch immer gelang es ihr nicht.


Und eines Tages, es war kurz nach seinem fünftem Geburtstag, kam sein Vater wieder von der Wirtschaft nach Hause und brüllte schon an der Haustür.
Seine Mutter versteckte ihn unter der Spüle und dort saß er zitternd vor Angst, hörte seinen Vater brüllen und seine Mutter vor Schmerz schreien.
Dann war Stille!
Er wagte sich erst aus seinem Versteck, als er seinen Vater laut schnarchen hörte.
Seine Mutter lag auf dem Küchenboden.
Er kroch zu ihr hin, streichelte ihr Gesicht, rüttelte sie leicht am Arm, doch sie bewegte sich nicht.
In seiner Angst lief er zur Nachbarin, die dann die Polizei und den Krankenwagen verständigte.
Seine Mutter starb noch im Krankenwagen, sein Vater bekam wegen Totschlag zehn Jahre Gefängnis, wo er nach zwei Jahren an Leberzierrose verstarb und er kam ins Waisenhaus.

Als Sonja an diesem Abend im Bett lag, weinte sie bitterlich. Zum ersten Mal in ihrem liebevollen behüteten Dasein, hatte sie die Schattenseite des Lebens kennen gelernt.

Die Jahre vergingen und aus Kinderfreundschaft wurde Liebe und übermorgen war die Hochzeit.


Die Tür öffnete sich und riss Sonja aus ihren Träumen. Jutta, ihre Freundin seit dem Kindergarten stürmte herein.
Na träumst du wieder von deinem Jürgen, das ist schon fast krankhaft, du denkst an nichts anderes mehr, man könnte richtig neidisch werden.“
Halt den Mund alte Spottdrossel, was hast du denn da unter dem Arm?“
Ach das ist ein Katalog, er lag unten vor der Haustür. Das Versandhaus … stellt seine neue Sommerkollektion vor.“
Leg ihn irgendwohin und setz dich zu mir.“
Jutta hievte sich auf die Fensterbank und betrachtete ihre Freundin nachdenklich.
Was ist los? Hast du kalte Füße vor der Hochzeit bekommen.?“
Nein, ich mache mir Sorgen um Jürgen, je näher der Hochzeitstermin kommt, umso seltsamer wird er!“
Na vielleicht hat er ja kalte Füße bekommen!“
Sonja stupst ihre Freundin in die Seite.
Unsinn, ich kenne ihn, irgendetwas bedrückt ihn.“
Na, warum fragst du ihn nicht einfach.“
Du hast Recht, das werde ich, du bist doch die Beste.“
Sonja umarmt ihre Freundin.

Nach dem gemeinsamen Abendessen mit den Eltern, gingen Jürgen und Sonja wie jeden Abend spazieren.

Sie wanderten hinunter zum See zu ihrer Bank.
Auf dieser Bank hatte Jürgen damals über seine Vergangenheit gesprochen, und hier hatte er seiner geliebten Sonja einen Heiratsantrag gemacht.
Schweigend setzten sie sich.
Sonja nahm die Hand ihres Liebsten und fragte.
Was ist los mit dir Jürgen, liebst du mich nicht mehr, willst du die Hochzeit absagen.“
Aber nein, ich liebe dich Sonja und ja ich will dich gern heiraten, aber ich habe Angst.“
Angst wovor?“
Dass ich so bin wie mein Vater und eines Tages dich und unsere Kinder verprügle.“
Sonja lachte schallend.
Liebling, ich kenne dich seit zehn Jahren, du bist überhaupt nicht aggressiv, du bist noch nie ungeduldig zu mir gewesen, obwohl ich deine Nerven bestimmt schon oft strapaziert habe.
Du bist ruhig und gelassen und für mich Chaoten der Fels in der Brandung. Ich vertraue dir blind mein Leben an.“
Sie schaute ihn spitzbübisch an.
Weißt du was mein Opa an meinem fünfzehnten Geburtstag zu mir gesagt hat.“
Sie setzte sich in Pose und äffte die Stimme ihres Großvater nach.
Dern, jetzt bist du ein Teenager, im Moment findest du alle Jungs noch doof, aber in ein paar Jahren werden sie dir immer besser gefallen. Aber ich gebe dir einen guten Rat, bevor du deinen Liebsten heiratest, versuche ihn betrunken zu machen, dann zeigt er seinen wahren Charakter.“
Jürgen grinste, ihm war schon viel leichter ums Herz.
Das wird dir bei mir nicht gelingen, ich trinke keinen Alkohol.“
Sonja kicherte.
Kannst du dich nicht mehr erinnern. Als du deine Prüfung als Lehrling bestanden hast, haben meine Eltern für dich eine Party geschmissen.
Und Tobi und Alex haben heimlich Rum in die alkoholfrei Bowle meiner Mutter geschüttet.
Nach zwei Gläsern warst du voll wie eine Haubitze. Du warst kein bisschen aggressiv, sondern lustig und albern und hast uns um Lachen gebracht.“
Und am nächsten Tag hatte ich einen Brummschädel.“
Jürgen zog Sonja in seine Arme und küsste sie.

Am Samstag fuhr eine weiße Limousine vor der Kirche vor und während Sonja am Arm ihres Vaters die Kirche betrat, fühlte sie tief in ihrem Herzen, dass sie sehr glücklich sein würde.

© Lore Platz


 
 
Anmerkung:

Mein Vater hat zu uns drei Mädels gesagt, bevor ihr einen Mann heiratet, macht ihn betrunken, dann zeigt er seinen wahren Charakter.
Meine große Schwester war die erste und da ihr Verlobter weiter weg wohnte kam er nur am Wochenende zu Besuch.
Leider rauchte und trank er nicht.
Also beschlossen mein Vater und mein Onkel, den machen wir betrunken, wenn er das nächste mal wiederkommt.
Also kauften sie eine Flasche Cognac und freuten sich wie zwei Kinder.
Die Frauen wollten das nicht zu lassen und meine Schwester kochte schwarzen Tee und wechselte das
Glas aus.
Am Ende musste der stocknüchterne Schwiegersohn ihn spe die beiden alten Herren ins Bett bringen, denn plötzlich hatten sie Gummibeine bekommen.
 
 
 
 











Freitag, 20. Mai 2022

Ist das nicht herrlich? erinnerungen






Der Frühling verwöhnt uns dieses Jahr und ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich lebe so richtig auf und heute Morgen habe ich schon mit den Vögeln um die Wette gesungen.
Ich singe überhaupt recht gern, obwohl einer meiner Neffen sich immer die Ohren zugehalten hat, wenn ich ihm ein gute Nacht Lied gesungen habe.
Bei uns zu Hause wurde viel gesungen. 
Wir hatten eine schöne Kindheit.
Es war keine heile Welt, es wurde auch gestritten, gezickt, gezankt und wir bekamen, wenn wir es verdienten auch eine auf den Popo.
Doch die vielen fröhlichen und glücklichen Stunden, sowie die Liebe und Geborgenheit begleiten uns ein Leben lang.
Bei uns wurde viel gesungen, besonders die alten Volkslieder, wenn wir drei Mädels abspülten sangen wir dabei und aus irgendeinem Zimmer fiel meine Mutter mit ein und manchmal brummte auch mein Vater dazwischen.
Mein Lieblingslied ist übrigens bis heute:
Am Brunnen vor dem Tore...“
 So singe ich heute noch gern und wenn ich mal falsch singe, hört's ja keiner.
Gut gelaunte Grüße aus dem schönen Bayernland.




Samstag, 16. April 2022

Ein Ostermärchen

Zuerst möchte ich mich bei meinen beiden Mitschreiberinnen bedanken, die die Reizwortgeschichten verschoben haben, da ich es bis zum Stichtag nicht geschafft habe.

Bei Monika möchte ich mich bedanken  für die Bilder die sie extra für diese Geschichte gemalt hat.

Diesmal geht es um die Reizwörter: Ameise, Ankunft, alt, angeben, angeln 

Sicher wollt ihr wissen, was Regina und Martina dazu eingefallen ist

 


Ein Ostermärchen 

Diesmal war es Weißpfote, den das Los ausgewählt hatte. Ein Murren war unter den Osterhasen zu hören. 

Weißohr, seine Mutter, trat neben ihren Sohn und warf einen finteren Blick in die Runde. "Das Los irrt sich nicht, es wird schon wissen warum es meinen Sohn ausgwählt hat.

"Diesmal sind die drei Aufgaben besonders schwer, um das goldene Ei zu erlangen. Der Weg führt durch das Land der Trolle und über den reißenden Fluss und ein schweres Rätsel muss gelöst werden, das ist für die besten Hasen eine große Herausforderung. Wie soll dieser Träumer, der über seine eigenen Füße stolpert, dies schaffen." 

Weißohr stemmte die Pfoten in die Seiten und sah den Sprecher wütend an. "Mein Sohn wird es schaffen und das Los hat ihn nicht ohne Grund ausgewählt!" 

Nun trat Weißbart neben seinen Sohn, legte ihm die Hand auf die Schulter und warf einen strengen Blick zu den versammelten Hasen. "Mein Sohn ist genauso geeignet wie jeder andere Hase. 

Einige murrten. "Ruhe!" donnerte Graubart. der älteste der Osterhasen. "Das Los hat entschieden, also mein Junge mach dich auf den Weg und hole das goldene Ei, das Los vertraut dir, deshalb werden auch wir dir vertrauen. Vergiss nicht in einer Woche musst du zurück sein, damit wir mit Hilfe der Magie des goldenen Ei 's in die Menschenwelt gelangen können. Hier ist der Plan, auf dem der Weg verzeichnet ist, wo das Ei diesmal versteckt ist. Viel Glück mein Junge." 

Die Mutter brachte seinen Rucksack und gab ihm einen Kuss. "Du schaffst das mein Sohn." Sie klopfte ihm auf die Schulter und seine Geschwister umarmten ihn und winkten ihm nach, als er mit forschen Schritte die Osterwiese verließ. 

 


Bevor er den Wald betrat, drehte er sich noch einmal um, dann tauchte er in das Dunkel der Bäume. Der Duft nach Harz, Moos und Pilze umfing ihn. Er war schon eine Weile gewandert, da hörte er ein leises Weinen, das von unten kam. Eine kleine Ameise lag im Moos und hielt sich sein Beinchen. Vorsichtig hob der Hase die kleine mit der Pfote auf. "Was hast du denn?" "Ich, ich bin bin gestolpert und mit dem Bein an einen Stein gestoßen. Es ist bestimmt gebrochen." Weißpfote untersuchte das Bein und meinte lächelnd. 

"Gebrochen ist es nicht, durch den Stoß schmerzt es ein bisschen, aber das vergeht bald. Ich kenne ein Heilmittel." Und er begann zu singen wie es seine Mutter immer tat, wenn er und seine Geschwister sich verletzt hatten. 

"Heile, heile Schmerzchen, plag nicht mehr mein Herzchen, heile, heile auf der Stell, verschwind du dummer Schmerz ganz schnell." 

 


Die Tränen der Ameise verschwanden und ein strahlendes Lächeln erhellte ihr Gesicht. " Es tut gar nicht mehr weh." "Siehst du," grinste der Hase. "Aber nun zeig mir den Weg zu deinem Bau. Ich werde dich dorthin tragen, denn du solltest deinen Fuß noch etwas schonen." Nachdem er Lilli die Ameise an ihrem zuhause abgesetzt hatte, drehte er sich um und ging weiter. Lilli aber rief ihm nach,"wenn du einmal Hilfe brauchst denke nur an mich und ich komme." 

Weißpfötchen drehte sich um und winkte und schritt  vergnügt pfeifend weiter. Das Pfeifen verstummte, als er den Wald verließ und vor ihm der steinige Weg zum Gebirge der Trolle auftauchte. Er nahm allen Mut zusammen und kletterte sich eng an der Steinwand haltend den Pfad nach oben. 

Die Hälfte des Weges lag schon hinter ihm, als er die unangenehmen schnarrenden Stimmen einiger Trolle hörte. Schnell drückte er sich in eine schmale Felsnische und wagte kaum zu atmen, als er ein boshaftes Lachen ganz in seiner Nähe. 

 


Er dachte schon, dass er entdeckt worden war, da bemerkte er , dass zwei Trolle einen kräftig ausschlagenden Adler in ihren Händen hielten. "Das wird ein leckerer Braten," gröhlten sie. 

Weißpfote hatte Mitleid mit dem Adler und schlich den zwei Monstern nach, die den Vogel in einen großen hölzernen Käfig sperrten und sich dann entfernten, um eine Feuer zu machen. 

Diese Zeit nutzte der Hase, um den Adler zu befreien. Der große Vogel schwang sich in die Lüfte und bedankte sich. "Wenn du einmal meine Hilfe brauchst, dann denke nur an mich." 

Weißpfote sah ihm nach, da legte sich eine schwere Hand auf seine Schulter. Eh er sichs versah, saß er im Käfig und die Tür schlug zu. Zwei hässliche Gesichter grinsten durch die Gitter. " du hast unseren Braten befreit, deshalb hast du jetzt die Ehre seinen Platz einzunehmen." 

Lachend stampften sie davon. Weißpfötchen zitterte, während er beobachtete, wie die Trolle einen großen verbeulten Topf auf die Feuerstelle hievten. Traurig dachte er an seine Eltern und Geschwister, die wohl traurig und enttäuscht sein würden. Die anderen Hasen würden triumphieren, hatten sie es ihm doch sowieso nicht zugetraut. 

Er dachte an Lilli und auf einmal war der Boden schwarz vor Ameisen. Lilli klettere auf seine Pfote. "Wir werden ein Loch in den Boden graben, dann musst du rennen so schnell  wie du kannst." 

In sekundenschnelle entstand ein Loch, der Hase schlüpfte durch und rannte los. Erst als er das Reich der Trolle verlassen hatte, ließ er sich erschöpft unter einen Baum fallen. Sein Rucksack war noch in der Felsenspalte, aber zum Glück hatte er den Plan in seiner Hosentasche. 

 


Er  studierte ihn und machte sich auf den Weg. Bald stand er vor dem reißenden Fluss, der auf der Karte als gefährlich angegeben wurde. Wie sollte er nur auf die andere Seite kommen? Ratlos lief er am Ufer auf und ab und bemerkte einen Baumstamm. der ihm entgegen kam. Doch bevor er noch danach angeln konnte, hatten ihn die Wassermassen fortgezogen. 

Da fiel ihm der Adler ein, Flügenrauschen neben ihm. " Ich bringe dich über den Fluss." Bald stand Weißpfote auf der anderen Seite, bedankte sich und lief weiter. 

Dann stand er vor dem Gebäude, in dem dieses Jahr das golden Ei versteckt war. Ein alter Wichtel öffnete die Tür und lächtele erfreut. "Du hast es bis hierher geschafft Weißpfötchen, doch bevor ich dich eintreten lasse, musst du noch ein Rätsel lösen. 

Hör gut zu: Was ist das? Es liegt und schreit, es läuft auf vier Beinen, es läuft auf zwei Beinen und es bewegt sich vorwärts auf drei Beinen." 

Der Hase zog die Stirn kraus und grübelte, dann erhellte sich sein Gesicht."Ein Mensch! Am Anfang, liegt er nur und schreit, dann bewegt er sich auf allen vieren fort, später läuft er auf zwei Beinen und wenn er alt ist benützt er einen Stock." 

 


"Richtig mein Junge, komm herein und stärke dich." Während Weißpfote sich das gute Essen schmecken ließ, erklärt ihm der Wichtel, dass jedes Jahr ein Hase ausgewählt wird und die drei Aufgaben seinen besonderen Fähigkeiten angepasst werden. 

Und Weißpfötchen war klug, belesen und wissbegierig , um ein Rätsel zu lösen, außerdem konnte durch seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft die Hilfe der Ameisen und des Adlers gwinnen. 

Der Alte holte das goldene Ei aus der Vitrine und übereichte es dem Hasen, schnippte mit den Fingern und Weißpfötchen stand auf einmal auf der großen Osterwiese. 

Seine Geschwister entdeckten ihn als ersten und liefen jubelnd auf ihn zu. Seine Eltern kamen aus dem Haus gerannt und umarmten ihn glücklich. Die anderen Osterhasen kamen zögernd näher und als sie das goldene Ei erblickten jubelten sie und ließen Weißpfötchen hochleben. 

Am nächsten Morgen konnten die Osterhasen mit der Magie des goldenen Ei's in die Menschenwelt reisen und die Menschenkinder glücklich machen.

(Lore Platz)

PS: das Rätsel habe ich so ähnlich in dem Märchenfilm "Die kluge Bauerntochter " gehört.

 

 



Montag, 11. April 2022

Braunfuß, der Bruchpilot

Seit ich schreiben kann, erfinde ich Geschichten.
Als ich ungefähr elf Jahre alt war, entstand  die Geschichte von Susi und Peter, die den Osterhasen besuchen wollten und dabei  von einer Fee beschützt wurden.
Sie kamen ungehindert beim Osterhasen und seiner Familie an, spielten vergnügt mit den Hasenkindern und erlebten auch den Absturz des Hubschraubers.
Viele Jahre später, als Claudia geboren wurde und ich wieder Zeit hatte zum schreiben, entdeckte ich auch die kleine Geschichte wieder.
Aus Susi und Peter wurden Vanessa und Peter die viele Abenteuer erlebten. Ich werde sie euch im Laufe der Zeit vorstellen.
Und aus dem Hubschrauberunglück wurde: Braunfuß der Bruchpilot.
Viel Spaß beim Lesen!

 
(c) Irmgard Brüggemann




Braunfuß, der Bruchpilot



Irgendwo in einem fernen Land steht das eiförmige Haus
des Osterhasen.
Herr Langohr und seine Frau haben drei Kinder.
Den Hasenjungen Stummelschwänzchen, das Hasenmädchen Schnucki und das Baby, den kleinen Pipsi.
Neben dem Häuschen ist ein Schuppen und hier sind in vielen Regalen Eier aufgereiht.
Meister Langohr bemalt diese, damit die Menschenkinder am Ostersonntag ihre bunt gefärbten Eier finden können.
In zwei Tagen ist Ostern und Herr Langohr ist fertig mit dem Bemalen der Eier und zufrieden sieht er sich noch einmal im Schuppen um.
Viele hunderte von bunten Eiern warten nur noch darauf auf den großen Wagen verladen und dann in der Welt der Menschen in Häusern und Gärten versteckt zu werden.
Zufrieden geht der Osterhase ins Haus, wo seine Frau schon mit einem leckeren Löwenzahnsalat, einem knusprigen Möhrenschnitzel und einem guten kühlem Glas Quellwasser, auf ihn wartet.
Bist du fertig?“
Müde nickt Herr Langohr und setzt sich an den Tisch.
Fragend sieht er sich um: „Wo sind die Kinder?“
Die sind schon im Bett. Nun iss und dann ruhe dich ein wenig aus, hast viel gearbeitet die letzten Tage.“
Der Osterhase lächelt.
Ich male gerne, denn ich weiß, wie sehr sich die Kinder über die bunten Eier freuen.
Morgen kommen Braunfell und Grauohr mit dem Wagen und am Abend werden wir dann in die Menschenwelt fahren.“
Er gähnt.

Ich denke, ich gehe auch schlafen.“
Er gibt seiner Frau noch einen Kuss und geht ins Bett.
Frau Langohr räumt noch die Küche auf, dann geht auch sie nach oben.
Am nächsten Tag fährt die Familie Langohr noch schnell zu Familie Eichhorn, um ein Geburtstagsgeschenk vorbei zu bringen.
Nur Stummelschwänzchen kann nicht mitkommen, da er ja zur Schule muss.
Doch Professor Kauz ist krank und so haben sie schulfrei und Stummelschwänzchen marschiert vergnügt nach Hause.
 

 
Als er am Wichteldorf vorbei kommt, läuft er schnell hinein, um seinen Freund Knirps zu begrüßen.
Dieser springt gerade mit seinen Freunden auf Heupferden über Hindernisse.
Stummelschwänzchen sieht ihnen eine Weile zu, dann geht er weiter.
Der Wichtelvater Kalle gießt gerade seine Pflanzen und der Mäusejunge Karlchen, sowie der Maulwurf Kunibert helfen beim Umgraben.
Stummelschwänzchen winkt ihnen im Vorbeigehen fröhlich zu und fröhlich winken sie zurück.
Vorsicht!“
Ein Wägelchen voller Erdbeeren schießt den Berg herunter und ein Wichtel versucht verzweifelt zu bremsen.
Stummelschwänzchen springt schnell zur Seite, gerade noch rechtzeitig.
Der Wagen kommt ins schleudern und kippt um.
Alle Erdbeeren kullern auf die Erde.
Stöhnend und ächzend erhebt sich der Wichtel.
Schnell hilft ihm Stummelschwänzchen den Wagen wieder aufzurichten und die Erdbeeren einzusammeln.
Zum Dank schenkt ihm dieser einige Beeren und vergnügt wandert der Hasenjunge weiter.


Zu Hause angekommen, stellt er erst einmal seinen Schulranzen in die Ecke, dann guckt er in den Kühlschrank und findet einen leckeren Karottenkuchen.
Nachdem er sich ein ziemlich großes Stück abgeschnitten hat, setzt er sich gemütlich an den Tisch.
Das Brummen eines Hubschraubers ist zu hören und gleich darauf ein entsetzlicher Krach, als würde das Haus zusammen stürzen.
Stummelschwänzchen verschluckt sich vor Schreck und muss entsetzlich husten.
Noch immer hustend stürmt er aus dem Haus.
Ein schreckliches Bild bietet sich seinen Augen.
Ein Hubschrauber ist in den Schuppen mit den Eiern gestürzt und gerade schält sich ein Hase aus den Trümmern.
Mit einem kläglichen Lächeln humpelt er auf den Hasenjungen zu.
Tut mir leid.“
Stummelschwänzchen, der sich inzwischen den Schaden betrachtet hat, wirft ihm einen finsteren Blick zu.
Die Eier sind kaputt und übermorgen ist Ostern!“
Braunfuß nickt bedrückt.
Hilf mir bitte den Hubschrauber freizulegen, dann will ich auf der Hühnerfarm neue Eier besorgen.“
Hoffentlich schaffst du es, sie heil hier herzubringen,“ murmelt Stummelschwänzchen spöttisch.
Der Bruchpilot wird rot.
Schweigend beginnen sie die Trümmer beiseite zu räumen
und bald hat Braunfuß den Hubschrauber wieder startklar und fliegt los.
Stummelschwänzchen holt sich den großen Besen und fegt die zerbrochen Eier auf einen Haufen.
Dann sammelt er die, die noch ganz sind auf und legt sie beiseite.
Das Auto mit Familie Langohr kommt den Hügel herunter und bleibt mit quietschenden Bremsen vor
Stummelschwänzchen stehen.
Mutter Langohr springt aus dem Wagen und schlägt entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen.
Herr Langohr schüttelt nur fassungslos den Kopf.
Ein Lastwagen voll mit Eiern rattert den Weg herunter, ihm folgt ein weiterer auf dem viele Osterhasen sitzen.
Es ist Braunfuß mit seinen Freunden.
Die Hasen klettern aus dem Wagen.
Mit vereinten Kräften geht es nun ans Werk.
Familie Eichhorn kommt angerannt, der Specht hat ihnen von dem Unglück erzählt.
Während Herr Eichhorn sich zu den Männern gesellt, nimmt Frau Eichhorn ihre Jungen Knix und Knax beiseite.
Sie bittet sie den Tieren und Wichteln von dem Unglück zu berichten und sie um Hilfe zu bitten.
Dies erzählt sie ihrer Freundin Frau Langohr während sie gemeinsam den großen Kessel hinter dem Haus mit Wasser füllen.
Als das Wasser kocht, werden von einigen Hasen die Eier herbei geschleppt.
Vorsichtig, damit kein Ei zerbricht werden sie mit einem großen Löffel in das brodelnde Wasser gelegt.
Knix und Knax aber laufen durch das Osterhasenland und treffen auf die Vögel.
Diese versprechen, die Tiere des Waldes zu verständigen und zu Familie Langohr zu schicken.
Die Jungen aber laufen weiter zu den Wichteln.
Am Eingang finden sie Schlafmütze, der friedlich schnarchend unter einem Haselnussstrauch liegt.
Leise schleichen sie sich heran und bewerfen den Schlafenden mit Haselnüssen.
Wie, was, wo …?“ Erschreckt fährt der alte Wichtel hoch und blickt grimmig die beiden Eichkätzchen an.
Freche Bande, einen alten Mann so zu ärgern!“
Knax grinst entschuldigend.
Wir konnten einfach nicht widerstehen.“
Und Knix meint:
Auch ich entschuldige mich, eigentlich sind wir gekommen, weil der Osterhase Hilfe braucht.“
Und die beiden Lausbuben erzählen ihm von dem Unglück des Osterhasen.
Schlafmütze ist sofort bereit zu helfen und läuft gleich los.
Die beiden Eichkätzchen aber laufen weiter ins Dorf und kommen zu Opa Knuddel, der gerade mit seinen Enkeln blinde Kuh spielt und auch er ist sofort bereit zu helfen und läuft mit den Wichtelkindern los.
Im Dorfkrug feiert Emely mit Freunden und Familie ihren Geburtstag und auch sie unterbrechen ihre Feier und machen sich auf den Weg zum Osterhasen.
Dort haben die Hasen inzwischen den Schuppen wieder aufgebaut und die Eier in die Regale geräumt, aber nun müssen die vielen vielen gekochten Eier noch bemalt werden.
Ein großer Lärm entsteht.
Die Tiere des Waldes kommen den Berg herunter.
Hinter ihnen ein langer Zug mit Wichteln.
Alle sind gekommen, um zu helfen.
Es geht recht vergnügt zu und jeder bekommt einen Pinsel in die Hand gedrückt und darf darauf los malen.



Es wird gelacht, geschwatzt, gekichert und gesungen.
Es war eine riesengroße Party!
Manche Eier sehen vielleicht etwas seltsam aus und sind kunterbunt.
Aber den Menschenkindern würden sie bestimmt gefallen.
Und vor allem, das Osterfest ist gerettet und kein Kind würde vergeblich nach seinen Eiern suchen müssen.
Es ist spät in der Nacht, als die fleißigen Helfer fertig sind.
Die Tiere verabschieden sich und laufen oder fliegen nach Hause.
Die Wichtelfrauen bringen die müden Kinder heim.
Die Wichtelmänner aber helfen den Hasen beim Beladen des Autos und klettern dann auf die Ladefläche und
machen es sich zwischen den Körben mit bunten Eiern gemütlich.
Sie wollen den Osterhasen begleiten und beim Verstecken der Eier helfen, denn er war doch sehr spät dran.
Dann fährt das Auto mit Herrn Langohr am Steuer wie der
Blitz los.
Der Osterhase fährt ja mit Lichtgeschwindigkeit, sodass er für das menschliche Auge nicht sichtbar ist.
Mit seinen vielen flinken und fleißigen Helfern hat er es dann doch noch geschafft, die Eier überall zu verstecken.
Und als die Kinder am Ostersonntag sich auf die Suche machten, wurde keines enttäuscht.

Diese Geschichte ist ja glücklicherweise noch einmal gut ausgegangen.


© Lore Platz