Freitag, 3. Oktober 2025

Fritz und der Kartoffelkönig

 3.10.2025

 

Vielleicht habt ihr auch schon als Kind am Lagerfeuer gesessen und Kartoffel gebraten.

Wir haben die Kartoffeln ,die auf dem Feld vergessen wurden immer aufgesammelt und dann ein Lagerfeuer gemacht und die Erdäpfel hinein geworfen.

Eine regelrechte Mutprobe war es dann ,die kohlschwarzen Dinger mit spitzen Fingern aus der heißen Glut zu klauben und zum Abkühlen neben sich zu legen.

Aber die Mühe war es wert, wenn auch die Schale verbrannt war, aber das Innere war köstlich.

Zu Hause aber wurden wir in den Waschzuber gestellt und von Kopf bis Fuß abgeschrubbt , denn wir sahen wie kleine Kaminfeger aus.

Doch wo kommt die Kartoffel eigentlich her?

Vor 500 Jahren brachten sie die spanischen Eroberer aus Südamerika mit.

Die Kartoffel hatte in Südamerika so eine große Bedeutung, dass man Kartoffel aus Stein und Tonkrüge in Form einer Kartoffel herstellte, wie Entdeckungen eines 8000 Jahre alten Grabes in Peru bestätigen.

Obwohl wir in der Volksschule noch das Lied des Dorfschullehrers

Friedrich Sauter (1766-1846) lernen mussten und mit Begeisterung plärrten:

Frank Drake hieß der brave Mann, der vor zweihundert Jaaaahren ,“war er nicht der Entdecker der Kartoffel.Eine nette kleine Geschichte wurde überliefert, ich weiß aber nicht ob sie stimmt.

Ein englischer Graf kaufte ein paar Kartoffeln und ließ sie in seinem Garten anpflanzen,

Die Kartoffel wurde nämlich anfangs wegen ihrer schönen Blüten als Zierpflanze gehalten.

Eines Tages erzählte ihm ein Spanier, dass man die Kartoffel essen könnte.

Der Graf lud seine Freunde zum Festmahl ein und als besonderes Dessert ließ er die Beeren der Kartoffel servieren.

Die Gäste spuckten diese aus, so scheußlich schmeckten sie.

Zornig befahl der Graf seinem Gärtner die Kartoffeln zu vernichten.

Dieser riss alle Pflanzen aus und verbrannte sie. Doch stieg ihm ein köstlicher Duft in die Nase und er fischte ein Knolle heraus und probierte sie. Sie schmeckte köstlich!

Wenig später lud der Graf wieder seine Freunde ein und diesmal waren alle begeistert von der Kartoffel.

So soll sie sich in Europa verbreitet haben.

Ich denke aber, dass es von Spanien aus ging, denn die Spanier und Italiener waren die ersten ,die die Kartoffel auf ihrem Speiseplan hatten.

Die Deutschen waren der neuen Speise eher skeptisch gegenüber eingestellt.

Der“ Alte Fritz „musste die Bauern 1756 mit einem „Kartoffelbefehl „

zum Anbau zwingen.

Heute gehört die Kartoffel wie selbstverständlich zu unserem Leben und es gibt viele wunderbare Gerichte ,die man aus dieser Knolle zaubern kann.

Aber am besten schmeckt mir immer noch: Eine heiße Pellkartoffel mit ein bisschen Salz und einem Stückchen Butter. Hmmmm!

 


 

Fritz und der Kartoffelkönig


Missmutig schlug Fritz die Decke zurück und schlüpfte ins Bett.

Seine Mutter kam herein und setzte sich auf die Bettkante. 

Na, mein Großer, immer noch wütend?“

Beim Abendessen hatte es Ärger gegeben, denn Fritz wollte seine Kartoffeln nicht essen, denn die mochte er überhaupt nicht.

Der Vater hatte geschimpft und Großvater hatte auf die hungrigen Kinder hingewiesen, die froh wären wenn sie solche guten Kartoffeln essen dürften. 

Fritz hätte sie ja nur allzu gern den hungrigen Kindern gegeben.

Die Großmutter hatte die Geschichte vom Kartoffelkönig erzählt, der davon gelaufen war, um in die Welt zu ziehen, doch als er zwei hungrigen Kindern begegnet ist, sich geopfert hat damit sie sich satt essen konnten.

Als wenn ihm deshalb die Kartoffel besser schmecken würden. 

Nur die Mutter hatte ihn bittend angesehen und leise auf den Nachtisch hingewiesen.

Daran musste Fritz jetzt denken und so grinste er seine Mutter an.

Der Schokoladenpudding mit dem Sahnehäubchen war Klasse!“

Dann ist es ja gut!“ lachte die Mutter und strubbelte ihm das Haar.

Gute Nacht meine Junge, schlaf' gut:“

Sie strich ihm über das Haar, da er keinen Gute Nacht Kuss mehr wollte, löschte das Licht und verließ das Zimmer.

Fritz drehte sich um und war bald eingeschlafen.

Mitten in der Nacht wurde er plötzlich wach, da etwas auf seinen Bauch drückte.

Er öffnete die Augen und sah im fahlen Schein des Mondes einen seltsamen kleinen Kerl, der auf seinem Bauch saß.

Fritz blinzelte und rieb sich die Augen, doch das Männchen war immer noch da.

Es sah aus wie eine dicke große Kartoffel, hatte eine rote Nase, pfiffige Augen, einen breiten Mund und kleine Arme und Beine und auf dem Kopf trug es ein kleines Krönchen.

Der Kartoffelkönig!“

Ja, du hast mich erkannt!“

Was willst du hier? Außerdem könntest du mal von meinem Bauch herunter gehen, du erdrückst mich ja!“

Der Kartoffelkönig sprang herunter und setzte sich neben Fritz auf das Kopfkissen. 

Dieser drehte sich um und knurrte:Lass mich in Ruhe, ich will schlafen!“

Da aber zog ihn der Dicke energisch an den Haaren.

Aufwachen, ich brauche deine Hilfe!“

Nun wurde Fritz neugierig und drehte sich wieder seinem Besucher zu.

Du musst mit mir kommen, zieh dich an.“

Das Männlein sprang vom Bett und lief zum Stuhl auf dem die Kleider des Jungen lagen.

Langsam folgte ihm Fritz und zog sich an, doch als er in seine Turnschuhe schlüpfen wollte, rief der König:

Zieh feste Schuhe an, dort wohin wir gehen ist es schlammig, besonders nach Regen und nimm die Jacke mit den großen Taschen.

Warum?“

Damit ich hinein schlüpfen kann,“ lachte der Kartoffelkönig und schwups saß er in der Tasche und grinste vergnügt.

Es kann los gehen!“

Auf einmal waren sie in einem Dorf.

Es sah sehr ärmlich aus, die alten Holzhäuser hätten einen Anstrich gebraucht, die Straßen waren wirklich riesige Schlammfelder, Hühner liefen gackernd umher und ein struppiger Hund schlich sich heran und entsetzt verschwand der Kartoffelkönig in der Jackentasche.

Feigling!“ zischte Fritz.

Ein Mann kam aus einem der Höfe, stutzte als er den Jungen sah und ging auf ihn zu.

Der sieht ja aus wie mein Großvater!“ flüsterte Fritz. 

Ist ja auch dein Urahn, aber still er kommt näher!“

Der Mann betrachtete den seltsam gekleideten Jungen, er selbst trug nur einen groben Leinenkittel.

Woher kommst du?“Von weit her, wo bin ich hier?“

Weißt du das nicht, in Pommern im Land von Friedrich dem Großen.“

Oh, und welches Jahr schreiben wir?“

Der Mann schüttelte den Kopf ob der seltsamen Frage.

Ob der Junge nicht richtig im Kopf war?

Wir haben das Jahr 1744. Wie heißt du denn?“

Fritz Ungerer!“

Da haben wir ja denselben Namen, ich heiße Karl Ungerer, sind wir verwandt!“

Fritz zuckte die Schultern.

Na dann komm mal mit, Vetter, kannst auf dem Heuboden schlafen, viel zu essen kann ich dir nicht anbieten, die Getreideernte war diesmal nicht gut. Und die meisten Felder hier sind sandig und eignen sich nicht zum Anbau.“

Vier kleine Kinder zwischen 3 Jahren und 10 Jahren blickten ihnen neugierig entgegen.

Eine junge Frau kam aus einem Nebenraum mit einem Eimer Milch.

Die Kuh gibt nicht mehr viel Milch, es fehlt an genügend Futter.“ seufzte sie mutlos.

Ich werde mal auf die höher gelegene Wiese gehen und Gras mähen, hier ist ein Vetter von mir, er kann auf dem Heuboden schlafen.“ Die Frau nickte nur.

Und ich werde in den Wald gehen und Beeren pflücken,“ erklärte das zehnjährige Mädchen.

Ihr Vater runzelte die Stirn.

Mariechen, ich möchte nicht, dass du allein in den Wald gehst, dort treibt sich allerhand Gesindel herum.“

Dann hellte sich seine Miene auf.

Vetter Fritz wird dich begleiten!“

Fritz nickte und bald haben sie ihr Körbchen voll mit leckeren Beeren, auch einige Kräuter für eine Suppe pflückte Mariechen.

Auf dem Rückweg kamen sie an einem Bach vorbei und Fritz sah einige Forellen darin schwimmen.

Warte, Mariechen!“

Er krempelte seine Hosenbeine hoch und stieg ins Wasser.

Sein Freund Rudi hatte ihm einmal gezeigt wie man Fische mit den Händen fing.

Man braucht nur Geduld, ein gutes Auge und Schnelligkeit.Bald lagen drei Forellen zappelnd im Gras und Mariechen packte sie in den Korb. Der Vater war auch schon zurück und fütterte gerade die Kuh.

Anerkennend klopfte er Fritz auf die Schulter und ging mit den Fischen hinters Haus, um sie auszunehmen.

An diesem Abend gingen alle mal satt ins Bett. Fritz bekam von Frau Gertrude noch eine Decke aus groben Stoff und ging hinauf auf den Heuboden.

Der Kartoffelkönig hüpfte aus der Tasche und streckte sich.

Bisher ist es doch gut gelaufen,“ meinte er zufrieden.

Was soll ich eigentlich hier, obwohl es ja interessant ist meine Vorfahren kennen zu lernen.“

Nun Morgen wirst du es erfahren, aber zuerst muss ich dir erklären wie man Kartoffel anbaut, du wirst es brauchen.“Ich werde bestimmt keine Kartoffeln anbauen,“ brummte Fritz, doch dann wurde er nachdenklich, „obwohl sie dann nicht mehr hungern müssten.“ 

Siehst du, also dann höre genau zu!“

Aufmerksam verfolgte der Junge was der Kartoffelkönig ihm erklärte, doch dann fielen ihm die Augen zu.

Am nächsten Morgen saßen sie gerade beim Frühstück, einer Schüssel Haferbrei mit Beeren, da hörten sie Lärm von draußen. Mariechen lief ans Fenster.

Die Soldaten des Königs!“ rief sie aufgeregt.

Die Familie und Fritz eilten hinaus und gesellten sich zu den anderen Bauern die neugierig die Soldaten umstanden.

Einer der Soldaten hielt einen großen Pergamentbogen in der Hand und las laut vor:

Befehl des Königs, unseres verehrten 'Friedrich den Großen'! Alle Bauern müssen Kartoffel pflanzen, auf dass sie im Winter nicht hungers sterben. Das ist ein Befehl und muss sofort ausgeführt werden!“

Der Soldat winkte und ein Fuhrwerk fuhr heran auf dem mehrere Säcke standen.

Zwei Männer sprangen von der Pritsche und hoben die Säcke vom Wagen und stellten sie an eine Hauswand.

Die Bauern drängten sich neugierig näher und fingen schallend an zu Lachen.

Einer hielt eine verschrumpelte Kartoffel, die bereits zu keimen begann, in die Höhe und schrie:

Was soll denn das sein, will der König uns zum Narren halten, das ist weder ein Samen noch eine Wurzel!“

Verächtlich warf er die Knolle zurück und wandte sich ab.

Die Soldaten aber drehten ihre Pferde und galoppierten davon. 

Murrend gingen die Bauern nach Hause.

Nur Karl, Fritz und Mariechen standen noch bei den Säcken.

Auch Frau Gertrude war zurück in den Hof gegangen und die drei kleineren Kinder spielten mit dem Hund.

Karl hatte eine der Kartoffel in die Hand genommen und drehte sie nachdenklich zwischen den Fingern.

Kann mir nicht vorstellen, dass unser König uns verspotten will?“

Nein! Kartoffel sind sehr nahrhaft und sättigend!“ erklärte Fritz.

Du hast schon mal eine gegessen?“

Der Junge nickte heftig und meinte: „ Ja sie schmecken mir zwar … Aua!“

Der Kartoffelkönig hatte ihn gezwickt.

Karl betrachtete ihn amüsiert.

Sie schmecken Aua?“

Nein ich meine sie schmecken ausgezeichnet.“

Fritz schlug kräftig auf seine Jackentasche und grinste als er ein leises Stöhnen hörte.

Weißt du denn wie man sie anbaut?“

Als der Junge nickte, hob Karl einen der Säcke auf und warf ihn sich über die Schulter.

Auch Fritz nahm einen der Säcke und selbst Mariechen zog einen Sack hinter sich her.

Während sie zurück zum Haus gingen erklärte er dem aufmerksam lauschenden Karl was er von dem Kartoffelkönig erfahren hatte.

Man musste Furchen in den Acker ziehen, die ungefähr 40cm auseinanderlagen, dann musste man eine Kartoffel, die bereits gekeimt hatte, hineinlegen und Erde darüber häufen.

Gießen sollte man sie nicht, denn das würde ihnen schaden. Da die Kartoffel eine sehr robuste Pflanze ist schadet ihr auch längere Trockenheit nichts, außerdem gedeiht sie prächtig in sandigem Boden.

Davon haben wir ja genug,“ brummte Karl, der aufmerksam gelauscht hatte. Inzwischen hatten sie den Hof erreicht, stellten die Säcke vor der Tür ab und betraten das Haus.

Wir werden diese Kartoffeln pflanzen!“ verkündete Karl als er die Küche betrat.

Er deutete auf Fritz.

Unser junger Vetter weiß wie man es macht und hat auch schon solche Dinger gegessen.“

Dann kratzte er sich am Kopf.

Aber wie sollen wir solche Furchen in den Acker machen?“

Habt ihr denn keine Harke?“

Karl schüttelte den Kopf und brummte:

Wie sieht so ein Ding denn aus?“

Fritz holte ein angebranntes Holz von der Feuerstelle und zeichnete auf den Tisch ein Harke.

So was kann ich bauen!“

Karl verschwand im Schuppen.

Mariechen und Fritz luden mit Hilfe der Mutter die Säcke auf einen Leiterwagen und als Karl mit zwei Harken aus dem Schuppen kam, gingen sie zu dem brach liegenden Acker.

Während Karl und Fritz lange Furchen zogen, legten Frau Gertrude und Mariechen die Kartoffel hinein und die drei Kleinen durften die Erde darüber häufen.

Während sie arbeiteten kamen die Leute aus dem Dorf neugierig näher und Karl erklärte ihnen was sie machen sollten.

Und bald sah man auf allen Feldern die Bauern fleißig Furchen ziehen.

Nun hieß es warten. Jeden Tag ging Karl nun zu seinem Feld um nachzusehen.

Eines Tages kam er freudestrahlend zurück, denn das Feld hatte zu blühen begonnen.

Fritz, der inzwischen wieder vom Kartoffelkönig unterrichtet worden war, erklärte ihm, sobald die Blüten und das wuchernde Kraut abgestorben sei, könnte man die Kartoffel unter der Erde heraus holen.

Karl erklärte es auch den Dorfbewohnern und dann war es eines Tages soweit.

Die Kartoffelernte begann.

Als alle ihre reichliche Ernte in den Scheunen hatten, bat Karl seine Vetter Fritz auf den Marktplatz.

Und der Junge erklärte den Dorfbewohner nun wie man die Kartoffel kochte und was man daraus alles machen konnte.

Während er noch redete verschwamm alles um ihn herum wie in einem Nebel.

Eine Hand rüttelte ihn an der Schulter.

Fritz, Fritz, wach auf, du musst zur Schule!“

Der Junge öffnete die Augen.

Wo ist der Kartoffelkönig?“

Nicht hier!“ lachte die Mutter, „ aber nun beeile dich!“

Mama, ich habe geholfen Kartoffel an zu bauen und zu ernten!“

Die Mutter verließ Kopf schüttelnd das Zimmer.

'Nun verfolgten die Kartoffeln den Jungen schon im Schlaf'

Noch mehr aber wunderte sie sich, als Fritz beim Abendessen eine doppelte Portion Kartoffel auf seinen Teller lud.


© Lore Platz   2022





Donnerstag, 2. Oktober 2025

Rettung in der Not

 
 
 


Vor vielen Jahren hatten wir einmal in einem kleinen Dorf ein Haus gemietet. Hinter dem Haus war ein Stück Wiese mit einem Kirschbaum und ein kleiner Garten, in dem Kurtl seine geliebten Tomaten anpflanzen konnte.
Vor dem Haus aber war ein kleiner Vorgarten, den ich wild wuchern ließ. Mir gefiel das, aber nicht meiner Vermieterin.
Sie kniete eines Tages in dem kleinen Gärtchen und rodete es mit Begeisterung, dann pflanzte sie Tulpen an und kam immer wieder um ja jedem kleinsten Unkraut den Garaus zu machen.
 
 
 
LP

 



Rettung in der Not


Eine große grüne Raupe kroch direkt vor Ferdinands Nase und er musste nur noch zuschnappen, da wurde er unsanft aus seinem Schlummer geweckt.
Ein komisch surrendes Geräusch ertönte und die Blätter, unter denen sich der kleine Igel vergraben hatte, verschwanden in einem seltsamen Gerät.
Ein Mann und ein Junge standen vor Ferdinand, der sich sofort in eine Kugel verwandelte und der Junge rief.
Papa ein Igel!“
Lass ihn liegen, der ist voller Flöhe!“
Ferdinand aber blieb lange liegen, bis die Geräusche im Garten verstummten.
Dann erst wagte er seine Verteidigungsstellung aufzugeben.
Die kleinen schwarzen Knopfaugen sahen sich prüfend um.
Kein einziges Blatt lag mehr im Garten und auch sonst konnte er keinen geeigneten Unterschlupf entdecken.
Dabei waren die Temperaturen bereits gefallen und er brauchte ein Winterquartier. Nun musste er sich erneut auf die Suche machen. Dabei hatte er doch so großen Hunger, kein Wunder, dass er von leckeren Raupen träumte.
Zum Fressen fand er auch nichts mehr, denn die Insekten hatten sich bei der Kälte alle in ihre Schlupflöcher verkrochen.
Wenn er den Winter überleben wollte musste er unbedingt schlafen.
Seufzend trippelte Ferdinand los und grub sich mit seinen kräftigen Vorderbeinen unter dem Lattenzaun durch.
Vor ihm lag die Straße. Der Igel wusste, wie gefährlich diese war, denn seine Mutter hatte ihn gewarnt und zwei seiner Geschwister waren von einer lauten stinkenden Maschine platt gewalzt worden.
Ferdinand fasste sich ein Herz und, die gegenüberliegende Seite nicht aus den Augen lassend, lief er los.
Ein großes blaues Auto kam auf ihn zu, doch der Igel bemerkte es nicht, auch hätte er sich gar nicht in Sicherheit bringen können.
Aber eine ältere Dame sah in welcher Gefahr der kleine Kerl steckte. Sie lief auf die Straße, packte den kleinen Igel, warf ihn in ihren Einkaufskorb und hastete zurück.
Der Autofahrer fuhr wild hupend vorbei.
Amalie Garner blickte lächelnd auf die kleine stachelige Kugel in ihrem Korb.
Was sollte sie nun mit dem kleinen Kerl machen? Am besten sie brachte ihn zu Doktor Helfrecht.
Bald lag Ferdinand auf dem Tisch und der Tierarzt versuchte ganz vorsichtig die kleine Kugel zu öffnen.
Nachdem er den Igel gründlich untersucht hatte, sah er Frau Garner lächelnd an.
Kerngesund, wäre doch schade gewesen, wenn er unter die Räder gekommen wäre.“
Was soll ich aber nun mit ihm machen?“
Am besten sie nehmen ihn zu sich nach Hause. 
Ihr Garten ist doch bestens geeignet für so einen kleinen Kerl, bei ihnen wird er sich wohl fühlen.“
Amalie wird etwas rot.
Meine Nachbarn sagen, ich würde meinen Garten verwildern lassen.“
Ja, die Ordnungsliebe unserer Landsleute, am wohlsten fühlen sie sich, wenn ihre Gärten sauber sind wie ihre
Wohnzimmer und bedenken gar nicht, dass die Tiere sich dort gar nicht wohl fühlen.
Sehen sie zum Beispiel der Igel, er braucht einen Unterschlupf, damit er tagsüber schlafen kann, denn er ist ein nachtaktives Tier. Und er ist ja auch nützlich, frisst er doch Käfer, Raupen und Schnecken und sorgt so für das Gleichgewicht in der Natur und hält die Gärten von Schädlingen frei.
Aber zuerst brauchen sie mal für den Kleinen hier ein Winterquartier. Außerdem sollten sie ihn vorher noch ein wenig aufpäppeln, sein Gewicht ist gerade so an der Grenze. Es ist noch ein Jungtier.“
Der Tierarzt betrachtete lächelnd den Kleinen, der nun neugierig den Tisch erkundete.
Am besten sie setzen ihn in eine Schachtel, die sie in die Nähe der Heizung stellen. Futter gebe ich ihnen mit und auch eine Tinktur für die Flöhe.“
Kann er denn in der Schachtel auch überwintern?“
"Nein, er braucht etwas, wo er sich verkriechen kann am besten bauen sie eine Igelburg! Die kann auch dann das ganz Jahr genutzt werden. Ich bin sicher ihr Sohn wird ihnen helfen und ihre Enkelkinder werden den größten Spaß beim bauen haben.“
Der Tierarzt schmunzelte und auch Amalie lächelte.
Versehen mit Futter und Tinktur machte sich die alte Dame auf den Heimweg.
Eine passende Schachtel ist bald gefunden, sie polsterte sie mit weichen Papiertüchern aus, und zwei kleine Kompottschüsseln dienten als Futter und Wassernapf.
Dann setzt sie den kleinen Igel hinein. Vorsorglich hatte sie vorher ihre Gartenhandschuhe angezogen.
 
 

 
Ihre Familie staunte, als sie am Sonntagnachmittag zum Kaffee kam. Torsten und Ellen waren gar nicht von der Schachtel wegzubringen.
Erst als die Oma mahnte, dass der kleine Kerl seine Ruhe brauchte, gingen sie widerstrebend zum Tisch zurück.
Als Amalie ihren Sohn Richard fragte, ob er ihr eine Igelburg bauen würde, da stimmt dieser sofort begeistert zu und Torsten tippte schnell in sein Smartphone und zeigte ihnen wie so eine Burg aussah.
Ich werde mir die besten Baupläne zuhause ausdrucken und am Samstag können wir dann mit dem Bau beginnen,“ versprach Richard.
Wisst ihr, was der Name Igel bedeutet?“ rief Torsten, der inzwischen mehr über den neuen Hausbewohner erfahren wollte.
Schlangenfresser oder 'der zur Schlange gehörende', berichtete Torsten.
Oma, dann hast du keine Schlangen mehr im Garten,“ meinte die kleine Ellen.
Ja, denn in meinem Garten wimmelt es ja geradezu vor Schlangen,“ lachte die Oma.
Der Igel frisst auch Käfer, Raupen und Schnecken!“ Torsten sah von seinem Smartphone auf.
Na, davon habe ich mehr als genug. Aber zuerst muss unser kleiner Gast den Winter gut überstehen und wer weiß, ob er dann überhaupt hier bleiben will.“
Am nächsten Wochenende wurde die neue Behausung für Ferdinand gebaut und dann wurde er feierlich hineingesetzt.
 

 
Einen Moment blieb er regungslos stehen, dann vergrub er sich in das duftende weiche Heu, rumorte ein bisschen darin herum und dann rührte er sich nicht mehr.
Ich denke mal es gefällt ihm,“ meinte Amalie zufrieden.
Ferdinand schlief in seiner Burg bis April, dann wagte er sich ins Freie und er blieb, denn Amalies Garten war wie geschaffen für so einen kleinen Igel.
Und auf seinen nächtlichen Streifzügen traf er einmal ein bezauberndes Igelfräulein und er begann sie zu umwerben.
Und als sie ihn erhörte, da führte er sie heim in seine Burg und Amalie freute sich, wenn sie die kleine Familie, mit ihren drei Kindern in der Dämmerung durch den Garten trippeln sah.


© Lore Platz   3. Nov. 2015







Mittwoch, 1. Oktober 2025

Botschaft aus dem Jenseits

 


1.1o.2025

 

Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.

Hamlet, 1. Akt, 5. Szene, Hamlet, William Shakespeare

Das lasse ich mal so stehen und wünsche euch viel Spaß beim Lesen!



 
(c) Peter S.


Botschaft aus dem Jenseits



Der junge Lehrer Richard Klausner verließ die Dorfschule und sah den Kindern nach, die lärmend den Schulhof verließen.
Endlich Sommerferien!
Die letzten Tage war die Rasselbande kaum noch zu bändigen gewesen.
Vergnügt pfeifend lenkte er seine Schritte zu dem schmucken kleinen Häuschen, in dem er mit seinen Eltern wohnte.
Sein Vater saß im Garten und las die Zeitung.
Richard setzte sich neben ihn und streckte die Füße weit von sich.
Michael Klausner grinste.
Bist froh, dass Ferien sind.“
Er war selbst Lehrer gewesen und wusste wie anstrengend die Kinder die letzten Tage vor den Ferien waren.
Richard nickte nur und sah nachdenklich hinauf in den Himmel und seine Gedanken schweiften in die Vergangenheit.
Er war hier aufgewachsen und wollte auch nirgendwo anders sein. Eine schöne unbeschwerte Kindheit hatte er gehabt und mit seinem besten Freund Dominik so manchen Streich ausgeheckt.
Dominik, der Sohn des reichsten Bauern, dem Wiesenhofer,
war ein fröhlicher, etwas wilder und leichtsinniger Bursche, aber grundehrlich und treu.
 
(c) meine Tochter

Außerdem ein leidenschaftlicher Kletterer, gar viele Bergtouren hatten sie zusammen gemacht und manche
steile Wand sind sie hinauf gekraxelt. Und auf dem Gipfel angekommen hatte Dominik dann immer einen Jodler ins Tal geschickt.
Er war so übermütig und voller Lebensfreude.
Und dann vor vier Jahren war er in den französischen Alpen abgestürzt.


Hallo Junge träumst du?“ riss ihn die Stimme des Vaters aus seinen Gedanken.
Richard lächelte.
Ich habe gerade gedacht, wie schön wir es hier doch haben.“
Ja, hoffentlich noch lange, in B. haben sie schon wieder ein neues großes Einkaufszentrum hingestellt, verschandelt doch die ganze Landschaft!“ polterte sein Vater.
Eine Fahrradklingel ertönte und Gustl der Postbote betrat den Garten.
Ihr habt es vielleicht schön, sitzt faul im Garten, während unsereins sich abstrampeln muss. Ja, ja, Lehrer müsste man sein, immer nur Ferien.“
Michael lachte.
Geh, Gustl, du hast doch einen schönen Beruf, den ganzen Tag an der frischen Luft und nicht zu vergessen, die vielen selbst-gebrannten die du unterwegs angeboten bekommst.“
Gustls Augen leuchteten auf.
Hast a Stammperl da?“
Nix gibt’s, das wäre ja noch schöner, am Vormittag schon schnapseln, das schlag dir besser aus dem Kopf, nachher fällst noch in den Graben!“ tönte die Stimme von Waltraud Klausner durch das offene Küchenfenster.
Die drei Männer grinsten.
Bei der Waltraud hast wohl keine Chance,“ lachte Michael.
Gustl grinste, „ja meinen Schnaps kann ich wohl vergessen.
Er holte einige Briefe und Zeitschriften aus seiner Tasche und legte sie auf den Tisch.
Dann tippte er an seine Mütze und verließ pfeifend den Garten.
Während sein Vater sich in eine Fachzeitschrift über das Angeln vertiefte, sah Richard die Briefe durch.
Ein großes Kuvert mit einem französischen Absender erregte seine Aufmerksamkeit.


 
(c) C.P.

Er öffnete es und las die wenigen in französisch geschriebenen Zeilen.
Ein Monsieur Armand teilte ihm mit, dass er beim Renovieren seines Hotels hinter einer Kommode einen an ihn adressierten Brief gefunden hätte.
Richard griff noch einmal in den Umschlag und holte einen Brief hervor.
Er wurde blass als er die steile Handschrift seines Freundes Dominik erkannte und begann zu lesen.





Lieber Richard
 
Gleich kommen die Kameraden und es geht in die Wand.
Ich weiß nicht warum ich dir schreibe, aber ich habe so eine Unruhe in mir.
Es ist herrlich hier, fast wie daheim und die Berge eine echte Herausforderung, ich freue mich schon auf die Tour.
Aber es wird die letzte sein, denn wenn ich zurückkomme werde ich heiraten.
Und ich hab's dem Hannerl versprochen nicht mehr zu klettern. Ja das Hannerl und ich sind ein Liebespaar, hab sie ja schon gern ghabt wie mir noch in der Schule waren, wie du weißt.
Wird noch ein wenig Ärger geben mit dem Vater, weil sie arm ist, aber am Ende wird er nachgeben.
Richard, du warst und bist mein bester Freund und deshalb will ich dir jetzt etwas anvertrauen.


Das Hannerl ist schwanger! Ja ich werde Vater! Auch deshalb will ich keine gefährlichen Bergtouren mehr machen, denn ich habe ja nun Verantwortung.
Ich freue mich schon ganz narrisch!
Richard, nun bitte ich dich, sollte mir etwas passieren so kümmere dich um das Hannerl und das Kind und auch dass der Vater und die Mutter sie aufnehmen.
Ach was sind denn das für Grillen heute!
Mir passiert bestimmt nichts, bin doch einer der besten Kletterer.
Ich hör schon die Kameraden die Treppe runter poltern, ich muss jetzt los.
Pfüat di alter Freund, bis bald.

Dominik


Richard ließ den Brief sinken.
Michael hob den Kopf von seiner Zeitschrift.
Bub, was ist denn los, du bist ja ganz blass?“
Stumm reichte ihm Richard den Brief.
Deshalb hat das Hannerl den Dienst aufgekündigt und ist verschwunden. Armes Dirndl, wo sie wohl hin ist, hat doch niemand auf der Welt.“
Auf jeden Fall muss ich sie suchen, das bin ich dem Dominik schuldig.“
Während des Mittagessens überlegten sie wo er am besten mit seinen Nachforschungen beginnen sollte.
Es war die Mutter, die auf die Idee kam, beim Pfarrer nachzufragen, vielleicht hatte Hannerl sich ihm ja anvertraut.
 
 
(c) meine Tochter

Richard ging nach dem Essen hinüber zum Pfarrhof.
Er klopfte an die Tür der Schreibstube.
Grüß Gott Herr Pfarrer, ich hoffe ich störe nicht.“
Komm nur rein Richard, ich versuche grad' meine Predigt für den Sonntag zu schreiben, aber mir will einfach nix einfallen. Setz' dich doch!“

Er deutete auf den Stuhl vor dem Schreibtisch.
Fragend sah ihn Pfarrer Gietl an, dann hellte sich sein Gesicht auf.
Du willst das Aufgebot für die Bärbel und dich bestellen!“
Lächelnd schüttelte Richard den Kopf.
Das hat noch Zeit, wir wollen erst den oberen Stock bei meinen Eltern ausbauen, im Herbst fangen wir an.
Es geht um die Holler Hannerl, vielleicht wisst ihr wo sie heute lebt.“
Warum willst das wissen?“
Richard reichte ihm den Brief vom Dominik und erklärte, warum er ihn erst heute bekommen hatte.
Still ist es in der Stube und nur das gleichmäßige Ticken der alten Standuhr war zu hören.
Pfarrer Gietl hob den Kopf, seine Augen strahlten.
Und da gibt's doch tatsächlich Leut', die behaupten, es gibt keinen Herrgott. Der Brief ist direkt aus dem Himmel gekommen.
Du hast Recht, das Hannerl hat sich mir anvertraut. 
Ich hab ihr geraten, zum Wiesenhofer zu gehen, aber sie hat sich net getraut. 
Deshalb hab ich sie zu einem Heim für ledige Mütter geschickt. 
Die haben ihr dann weiter geholfen. 
A Bub is und heißt Dominik wie sein Vater. 
Hannerl hat dann eine kleine Wohnung und Arbeit in der Fabrik gefunden, die aber leider vor kurzem Konkurs gemacht hat und das Arbeitslosengeld reicht kaum zum Leben. 
Ich hab dem Hannerl vorgeschlagen zu mir zu kommen. 
Sie kann der Theres zur Hand gehen, die auch nimmer die Jüngste ist. 
Aber sie hat net gwollt, fürchtet halt das G'red der Leut, besonders da der Bub dem Dominik wie aus dem Gesicht g'schnitten is.“
Er strich den Briefbogen glatt.
Sixt der Brief kommt gerade zur rechten Zeit. Hier bekennt sich der Dominik zum Hannerl und seinem Kind und außerdem enthält er noch ein schriftliches Heiratsversprechen.
I geb dir jetzt die Adress vom Hannerl, fahr morgen in die Stadt und hol die beiden heim.
Und i red' nachher no mit dem Wiesenhofer und seiner Frau.“
Er reichte Richard den Zettel und dieser verabschiedete sich dankend.
Versonnen sah der Pfarrer ihm nach, dann kam ihm blitzartig eine Idee.
Er kramte in der Schreibtischschublade und holte ein Foto heraus.
Es zeigte einen dreijährigen Jungen, der verschmitzt in die Kamera blickte. 
Es war Dominik, der seinem Vater sehr ähnlich sah. Hannerl hatte das Bild vor einigen Wochen an ihn geschickt. Das Foto wollte er zu seiner Unterredung mit den Wiesenhofers mitnehmen.
Richard aber wurde von seinen Eltern schon erwartet und berichtete ihnen, was er erfahren hatte.
Sie saßen gerade beim Abendessen, als es klopfte und der Wiesenhofer eintrat.
Grüß dich, Sepp,“ sagte Michael ,“ setz dich, magst mit essen?“
Der alte Bauer schüttelte nur den Kopf und ließ sich schwerfällig auf den angebotenen Stuhl sinken.
Ernst sah er Richard an.
Du hast einen Brief vom Dominik bekommen?“
Richard holte das Schreiben aus seiner Brieftasche und reichte es über den Tisch dem Vater seines Freundes.
Nachdem dieser den Brief gelesen hatte, fragte er mit Tränen in den Augen.
Darf ich ihn behalten?“
Als Richard nickte, faltete der alte Mann das Papier sorgfältig zusammen und steckte es in seine Joppentasche.
Der Herr Pfarrer hat gesagt, dass du morgen in die Stadt fährst um das Hannerl und den Buben zu holen. 
Sag dem Madl, dass sie herzlich willkommen sind und bei uns eine Heimat haben, so wie es der Dominik gewollt hätte.“
Er stand auf und wandte sich zum gehen, dann drehte er sich noch einmal um und meinte schmunzelnd.
Die Erna ist ganz narrisch vor Freud und stellt das ganze Haus auf den Kopf um Zimmer für die beiden herzurichten.“
 
Gleich nach dem Frühstück am nächsten Tag fuhr Richard in die Stadt.
Als er später die beiden dann bei Josef und Erna Wiesenhofer ablieferte, da war die Freude groß.
Erna schloss das Hannerl liebevoll in die Arme und der kleine Dominik eroberte die Herzen seiner Großeltern im Nu.
 
Richard aber stahl sich leise davon und ging zum Friedhof.
Vor dem Grab seines Freundes blieb er stehen.
Bist du zufrieden mit mir, Dominik? Das Hannerl und dein Sohn sind jetzt da, wo sie hingehören.“


© Lore Platz  2023