Mittwoch, 20. November 2019

Jasper das besondere Rentier Fortsetzung 2






Viele Tage ist Jasper nun schon unterwegs. Wenn er einer Herde begegnet versteckt er sich und zieht dann wieder allein weiter.
Nahrung zu finden unter Schnee und Eis ist sehr schwer und oft schläft er abends hungrig ein.
Eines Tages überschreitet er, ohne es zu merken die magische Grenze zum Reich des Weihnachtsmanns.
Als er durch den tiefen Schnee trottet steigt ihm der Geruch von Pilzen in die Nase.
Pilze im Winter?
Doch da erblickt er viele Steinpilze unter einem kahlen Baum und läuft darauf zu.
Endlich nach langem kann er sich wieder richtig satt fressen.
Als er fertig ist, senkt sich der Baum und auf seinen kahlen Ästen erblühen junge frische Triebe.
Was für ein Festschmaus.
Jasper wird ganz vergnügt und marschiert fröhlich weiter.
Auf einmal hört er Stimmen und sieht vor sich einen dicken Schneemann und um ihn herum sitzen viele Schneeflöckchen, die fröhlich kichern.





Als der Schneemann ihn sieht, winkt er mit seinem roten Regenschirm.
Komm zu uns, ich erzähle den Kleinen gerade eine Geschichte.“
Vorsichtig und auch ein wenig ängstlich tritt Jasper näher und sein Geweih flackert unruhig auf und ab.
Die Schneeflöckchen jubeln ,fliegen zu ihm und setzen sich auf Geweih und Rücken.
Das ist ja schön, wie machst du das?“ wollen sie wissen.
Der Schneemann lacht dröhnend, dass es vom Berg widerhallt.
Das ist ja schön, das gefällt mir. Übrigens bin ich Anton und wer bist du?“
Ich heiße Jasper, und wie das mit meinem Geweih funktioniert, das weiß ich nicht. Dort wo ich herkomme nannte man mich eine Missgeburt.“
Missgeburt, was für ein dummes Wort! Du bist etwas Besonderes,
sonst hättest du nicht die magische Grenze überschreiten können.“
Wo bin ich denn hier?“
Anton lacht vergnügt.
Na, beim Weihnachtsmann und wir alle hier sind etwas ganz Besonderes.“
Meine Mutter hat das auch immer gesagt, dass ich etwas Besonders bin,“ murmelt das Rentier.
Siehst du, Mütter wissen so etwas!“
Jasper betrachtet den gemütlichen dicken Kerl und grinst.
Was ist denn an dir so besonders, du siehst aus wie ein ganz gewöhnlicher Schneemann.“



Anton lacht. „Gewöhnlicher Schneemann? Hast du schon mal einen Schneemann gesehen, der Beine hat.?“
Er springt auf und läuft auf seinen langen Beinen davon und die Schneeflocken folgen ihm kichernd.
Jasper sieht ihnen grinsend nach.
Hier gefällt es ihm.
Und vergnügt trabt er weiter.
Einige Zeit ist er schon gegangen, da hört er hinter sich rufen:
Achtung da vorne, weg da.“
Erschrocken springt Jasper zur Seite und haarscharf an ihm vorbei flitzt ein schneeweißes Männchen auf Holzskiern.
Es bremst scharf und der aufwirbelnde Schnee hüllt Jasper ein
und sein Geweih beginnt wieder heftig zu blinken.
Das Männchen schlägt einen Bogen und kommt auf ihn zu.
Aufmerksam betrachtet er Jasper.
Tolles Ding hast du da auf dem Kopf. Wie funktioniert das?“
Weiß nicht genau? Immer wenn ich eine Gemütsbewegung habe, dann blinkt es.“
Gefällt mir, komm mit, das müssen die Anderen auch sehen.“
Er wendet seine Ski und fährt davon.
Jasper grinst und läuft hinterher.
Vor einem großem Berg hält das Männchen mit der weißen Pelzkappe an und zieht an einer großen Glocke.
Wie von Zauberhand öffnet sich das große Tor.



Staunend folgt Jasper seinem Begleiter in die große Halle.
Wohlige Wärme empfängt ihn und überrascht sieht er auf das bunte Treiben.
Unzählige Kobolde und Elfen sind beschäftigt mit allerlei Arbeiten.
Die Einen hämmern und klopfen an Spielzeugen herum.
Elfenmädchen sitzen an schnurrenden Nähmaschinen. Kobolde mit Kochmützen laufen mit Backblechen voller Plätzchen herum.
Und die Luft ist erfüllt mit köstlichen Düften, fröhlichem Singen und Lachen und Rufen.
Jaspers Geweih beginnt vor Freude zu blinken und plötzlich wird es still im Raum.
Dann hört man das Trappeln von kleinen Füßen und alle die Winzlinge stürzen auf Jasper zu und umringen ihn.
Oh wie ist das schön, wie machst du das, kannst du es uns noch einmal zeigen,“ so schwirrt es durcheinander.
Und Jasper spürt dass die freundlichen kleinen Wesen ihn nicht verspotten und so blinkt er voller Freude.
Viele „Aaah“und „Ooooh“ ertönen.
Was ist denn hier los!“ ertönt eine laute Stimme und ein dicker Kobold bahnt sich einen Weg durch die Menge.
Nachdenklich betrachtet er Jasper, dann nickt er und murmelt.
Das ist die Lösung unseres Problems!“
Dann wendet er sich an das Männlein, das Jasper in die Halle gebracht hat.
Sag mal Schneemännchen, wo stecken eigentlich deine Schneeflocken wieder, Frau Holle sucht sie schon ganz verzweifelt.“
Diese seufzt: „ Ach Knurrjan, ein Sack Flöhe ist leichter zu hüten als diese Gören. Sicher sitzen sie bei dem dicken Anton und lassen sich Geschichten erzählen. Ich werde sie holen.“
Er dreht sich um und verlässt die Halle.
Knurrjan dreht sich um und klatscht in die Hände.
Auf, auf, geht zurück an eure Arbeit, oder sollen die Kinder weinend unter einem leeren Weihnachtsbaum stehen?“
Bald wird wieder gehämmert, geklopft, gescherzt, gelacht und die Nähmaschinen schnurren.
Und du,“ wendet sich Knurrjan an das Rentier, „ kommst mit zum Weihnachtsmann. Wie heißt du überhaupt?“
Jasper!“
Gut Jasper, dann komm!“
Er führt ihn durch die Halle in einen langen Flur, von dem rechts und links mehrere Türen abgehen. An der letzten Tür bleibt er stehen und klopft an.
Ein kräftiges „Herein!“ ertönt.
Wie staunt Jasper, als er das Zimmer betritt.



In der Ecke steht ein riesiger geschmückter Weihnachtsbaum überall sind Tannenzweigen im Zimmer verteilt und es duftet wie im Wald.
Goldene Kugeln und Glocken baumeln von der Decke und in dem großen Kamin brennt ein lustiges Feuer.
In einem gemütlichen Lehnsessel sitzt ein kräftiger Mann mit einem weißen Bart und vergnügt funkelnden Augen.
Hallo, Jasper schön, dass du endlich den Weg zu uns gefunden hast.“
Knurrjan starrt den Weihnachtsmann an.
Ihr wusstet, dass er kommen wird, aber warum habt ihr denn nichts gesagt und wir haben uns den Kopf zerbrochen, wie wir unser Problem lösen können.“
Der Kobold ist leicht beleidigt.
Der Weihnachtsmann lächelt .
Knurrjan, ich wusste nicht genau, wann er kommt, ob es dieses Weihnachten oder erst das nächste sein wird. Jasper musste den Weg ganz allein zu uns finden. Nun zieh keine Schnute und bitte Becky, dass sie unserem Gast Wasser und Kastanien bringt, und mir eine schöne große Tasse Kakao.“
Noch immer beleidigt verlässt der Kobold das Zimmer.




Der Weihnachtsmann sieht Jasper lächelnd an.
Einen Sessel kann ich dir wohl nicht anbieten, aber wie wäre es, wenn du dich da vor dem Kamin ausstrecken würdest.“
Jasper legt sich vor das wärmende Feuer und sein Geweih blinkt voll Wohlbehagen.
Es klopft und eine stämmige Koboldfrau, die ein Tablett mit Kastanien, einer Schale Wasser und einem großen Pott mit Kakao mit beiden Händen trägt, betritt das Zimmer.
Sie stellt das Tablett auf dem kleinen Tisch beim Kamin ab, stellt die Tasse Kakao vor den Weihnachtsmann und Kastanien und Wasser auf die Erde vor Jaspers Nase.




Dann klemmt sie sich das Tablett unter den Arm und geht zur Tür.
Becky, bekomme ich denn keine Kekse?“
Stirn runzelnd wendet sich die Koboldfrau um.
Ihr hatte heute bereits einen großen Teller voll,“ meint sie streng.
Der Weihnachtsmann tätschelt seinen Bauch.
Aber Becky, der Weihnachtsmann muss doch einen Bauch haben.“
Ja aber er braucht nicht dem dicken Anton Konkurrenz machen,“
meint diese schnippisch und die Tür knallt hinter ihr ins Schloss.
Der Weihnachtsmann lacht dröhnend.
Siehst du Jasper, nicht einmal der Weihnachtsmann darf machen was er will.“
Er nimmt einen kräftigen Schluck aus der Tasse und lächelt voller Wohlbehagen.
Dann streckt er die Füße, die in flauschigen Pantoffeln stecken dem Feuer entgegen und faltet die Hände über dem Bauch.
Nun Jasper, jetzt will ich dir erzählen, warum ich seit deiner Geburt schon auf dich warte. Seit die Menschen sich den Traum vom Fliegen verwirklicht haben, schwirren immer mehr von diesen eisernen Vögeln durch die Luft. Auch schießen sie ständig irgendwelche Satelliten ins Weltall. Und das Fliegen an Weihnachten ist für meine Rentiere sehr gefährlich geworden, besonders wenn die Sterne nicht durch die dicken Schneewolken
scheinen können.
Wir haben Laternen am Schlitten angebracht, doch ihr Licht reichte nicht bis vorn.“
Der Weihnachtsmann nimmt wieder einen Schluck von seinem Getränk.
Dann haben wir jedem meiner sechs Rentiere eine Laterne um den Hals gehängt, doch die waren zu schwer und hinderten sie am Fliegen. 
Als ich von deiner besonderen Begabung hörte habe ich dich beobachtet und gewartet bis du den Weg zu uns findest. Nun bist du hier und wir freuen uns. Willst du meine Rentiere anführen und ihnen leuchten?“
Fragend sieht der alte Mann das Rentier an.
Jasper hebt den Kopf und seine Augen leuchten, doch dann meint er leise.
Aber ich kann doch gar nicht fliegen?“
Der Weihnachtsmann lacht laut und dröhnend.
Keines meiner Rentiere kann fliegen, das ist alles Magie. Bevor die Reise los geht streuen wir Sternenstaub auf ihren Rücken.
Nun willst du bei uns bleiben als leuchtender Anführer meiner fliegenden Rentiere?“
Jasper nickt und sein Geweih blinkt so schön, wie es bisher noch nie geblinkt hat.

Morgen geht es weiter