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Dienstag, 15. April 2025

Mariechen und der Osterhase

 15.o4.2025

Wünsche euch viel Spaß beim Lesen! Tut mir leid, dass ich mich so kurz fasse, aber durch meine lange Krankheit, blieb so viel liegen und darunter auch eine angefangene Ostergeschichte, die  ich noch fertig schreiben möchte bevor Ostern vorbei ist.

 


 

 

 

 

 Viel Spaß beim Lesen!

 


Mariechen ging mit tief gesenktem Kopf nach Hause. Heute war sie zum ersten Mal in der neuen Schule und die Kinder waren gar nicht nett zu ihr.

Mariechen konnte sich nicht erklären, warum das so war. Sie hatte sich doch bemüht, zu allen freundlich zu sein. Ansonsten hatte sie sich still verhalten, um erstmal abzuwarten, wie es in dieser Schule so zuging. 

Einige Mädchen aus ihrer Klasse gingen kichernd an ihr vorbei und stießen sich gegenseitig an und sie hörte sie sagen: " Hast du ihr Kleid gesehen, das hat sie wohl aus dem Kleidercontainer." 

Mariechen wurde rot und versuchte die Tränen zu unterdrücken. Mama hatte sich soviel Mühe gegeben , als sie das Kleid genäht hatte. Dann hatte sie Mariechen angeschaut und sehr ernst gesagt. "Nicht die Kleidung macht den Menschen, sondern wie er sich benimmt."  Mariechen sah den Mädchen in ihren hübschen Markenkleidern nach, die benehmen sie nicht besonders gut, dachte sie trotzig. Mama und sie waren nun einmal sehr arm, seit Papa eine neue Familie hatte.

Dass Papa nicht mehr da war, das war ja schon schlimm genug. Jetzt kam noch der Umzug dazu, die neue Schule und die Geldnot. "Weißt du Mariechen", sagte Mama oft. "Wir haben noch uns und das ist das Wichtigste, stimmt's?"

Das war richtig, obwohl sie beide Papa sehr vermissten, oft hörte sie Mama nachts weinen und am Morgen zeigte sie immer so ein tapferes Gesicht und gerade, weil sie es so schwer hatte, war sie richtig wütend auf die Mädchen, die sich über ihr Kleid lustig gemacht hatten. 

Als Mariechen am nächsten Tag wieder zur Schule ging, überholte sie Anne, ein Mädchen aus ihrer Klasse. Sie grüßte freundlich, verlangsamte das Tempo und ging eine Weile neben Mariechen her. Die traute sich nicht, ein Wort zu sagen, aus Angst, dass Anne es gegen sie verwenden würde. Also schwiegen beide Kinder.

Als sie vor der Schule standen fragte Anne: "Willst du dich neben mich setzen, ich sitze auch alleine in einer Bank. ?" "Schämst du dich denn nicht?" "Warum denn?" "Wegen meinem Kleid." " So ein Unsinn, dein Kleid ist doch hübsch."  "Meine Mama hat es genäht." "Dann ist es besonders hübsch." Die Mädchen lächelten sich an und gingen gemeinsam ins Klassenzimmer.

Ganz anders fühlte sich der Unterricht an mit einer Freundin an der Seite. Mariechen wurde immer munterer, zeigte auf und erzählte sogar ein bisschen von sich, als die Lehrerin sie etwas fragte.

Eines Tages, als Mariechen von der Schule nach Hause kam fand sie ihre Mutter weinend am Küchentisch. "Was ist los?" Diese wollte zuerst nichts sagen, doch das Mädchen ließ nicht locker.Dann erfuhr sie, dass ihr Vater seit einigen Monaten den Unterhalt für Mariechen nicht gezahlt hatte und die Mutter nicht wusste wie sie das alles allein schaffen sollte. Weinend hielten sich die beiden umschlungen, dann schob  Frau Baumann ihre Tochter sanft von sich und meinte energisch." so wir werden das schaffen, ich muss jetzt in die Arbeit und außerdem werde ich das Angebot von der Bürgermeisterin annehmen." "Mama, dann hast du ja neben deiner Arbeit im Supermarkt noch drei Putzstellen!"

" Ich bin jung und habe zwei gesunde Hände. Aber nun muss ich gehen, sonst komme ich zu spät." Nachdem die Mutter gegangen war saß Mariechen grübelnd am Küchentisch, dann sprang sie auf und griff zum Telefon. Zum Glück war ihr Vater dran und nicht die neue Frau.

 


"Schön, deine Stimmer zu hören Mariechen," "Ach ja, bist du sicher?" fragte Mariechen spöttisch und dann legte sie los; " du wohnst mit deiner neuen Familie in unserm schönen Haus, hast mir und Mama unsere Heimat genommen, Wir haben eine kleine Wohnung und Mama muss gerade neben ihrer Arbeit im Supermarkt die dritte Putzstelle annehmen, weil du seit Monaten keinen Unterhalt mehr für mich zahlst. Papa ich habe dich mal sehr geliebt, doch nun verachte ich dich nur noch." Sie legte den Hörer auf, denn ihr Vater sollte nicht mitbekommen, dass sie vor Kummer weinte.

Energisch trocknete sie die Tränen, schnäuzte sich die Nase und verließ das Haus. Sie wollte auf der großen Wiese vor dem Dorf einen schönen Blumenstrauß für ihre Mutter pflücken. Auf der Wiese angekommen ließ sich ins Gras fallen und die Arme um die angezogenen Beine geschlungen ließ sie ihren Blick über die grüne Insel, die voller Blumen stand, gleiten und ihre Laune besserte sich. 

Grinsend beobachtete sie eine Hummel, die  in eine Blüte schlüpfte, die gefährlich schwankte, zwei Heuschrecken hüpften um die Wette und bunte Schmetterlinge tanzten im Sonnenschein.

 

 


Ein Marienkäfer flog direkt auf sie zu und Mariechen streckte schnell die flache Hand aus. "Danke," schwer atmend ließ sich der Käfer nieder, "jetzt wäre ich doch tatsächlich abgestürzt."

Das Mädchen sah sich um. Ein Kichern ertönte. "Schau auf deine Hand."

 "Du kannst sprechen?" "Alle Tiere können sprechen , die Menschen verstehen sie nur nicht immer." "Und warum kann ich dich verstehen?" 

"Das hat wohl was mit dem Osterhasen zu tun, denn er hat mich geschickt, um dich zu seinem Fest einzuladen." "Der Osterhase feiert ein Fest ?" "Jedes Jahr, wenn der Osterhase und seine Familie mit der wochenlangen Arbeit fertig  und alle bunten Eier auf die Wagen geladen sind, um an Ostern verteilt zu werden, dann wird im Wald ein großes Fest gefeiert und alle sind eingeladen. Komm mit!"

Das Mädchen folgte dem Käfer in den Wald. Schon von weitem hörte sie Grillen zirpen, Vögel singen und fröhliches Lachen. Sie erreichten eine Lichtung auf der Waldtiere aller Arten, tanzten, sprangen oder an den langen Tische saßen, die voll bepackt mit den herrlichsten Dingen waren. Ein großer Hase winkte sie zu sich heran. Der Marienkäfer war bereits zu seinen Freunden geflogen.

" Hallo Mariechen, ich habe dich schon erwartet." Er führte sie zu einer etwas ablegenen Bank und forderte sie durch ein Handbewegung zum Sitzen auf. "Du kennst mich?" "Aber sicher, "lachte der Hase, "du hast dir doch jedes Jahr ein ganz besonders großes Ei aus Marzipan gewünscht." Mariechen strahlte." Und du hast mir jedes Jahr meinen Wunsch erfüllt und es immer an einem ganz besonderen Platz in unserm großen Garten versteckt." Das Gesicht des Mädchens wurde traurig. " Wir wohnen jetzt nicht dort, Papa mit seiner neuen Familie lebt nun in dem großen Haus mit Garten und wir wohnen hier in einer kleinen Dachwohnung, da wirst du mich nicht an Ostern besuchen können." "Warum denn nicht?" "Können Hasen klettern?" " Na hör mal, ich bin der Osterhase!" Mariechen musste lachen.

Der Osterhase stellte sie nun seiner Frau und seinen Kindern vor und alle baten sie doch mitzufeiern. Als dann das Mädchen nach Hause ging, legte der Osterhase seine Pfote auf ihre Schulter und sagte ernst: "Mariechen denke daran, wenn im Moment auch tiefschwarze Wolken in deinem Leben sind, so wird doch eines Tages auch wieder die Sonne scheinen."

Etwas kitzelte sie an der Nase und ein kleiner Marienkäfer flog davon, als sie die Augen öffnete. Da war sie doch tatsächlich mitten auf der Wiese eingeschlafen. Schnell sprang Mariechen auf, pflückte einen großen Strauß und eilte nach Hause.

Eine Woche vor Ostern kam ein großes Kuvert von ihrem Vater. 

Bange sahen sich Mutter und Tochter an. Entschlossen öffnete Frau Baumann das Kuvert und zog einen Scheck heraus. Als sie ihn studierte, rief sie überrascht: "Das ist der ganze ausstehende Unterhalt und sogar etwas mehr!" "Vielleicht ein Ostergeschenk," kicherte Mariechen. "Was ist denn noch in dem Kuvert?" 

Ihre Mutter zog einige zusammengehefteten DINA 4 Seiten heraus und begann zu lesen und wurde ganz blass. "Was ist denn," das Mädchen beugte sich über die Schulter der Mutter und begann zu lesen. 

"Das ist ja eine  Besitzurkunde auf unsere Namen über ein kleines Haus mit Garten," rief sie überrascht und las weiter. "Erlenweg 19, das kenne ich! Es ist ein richtiges Pfefferkuchenhaus mit grünen Fensterläden und im Garten stehen zwei Obstbäume. Es gehörte Frau Eisner, die lebt jetzt in einem Seniorenheim und die Erben wollen das Haus verkaufen wie Anne mir erzählte, Anne lebt ja auch in dieser Straße, dann werden wir ja Nachbarn." Mariechen runzelte die Stirn," aber woher wusste den Papa, dass das Haus zu verkaufen ist?"

Die Mutter hatte inzwischen einen Brief in der Hand und gemeinsam begannen sie zu lesen.

Herr Baumann entschuldigte sich, dass er nicht bemerkt habe, dass der Dauerauftrag  nicht mehr ausgeführt wurde, doch nun sei alles wieder in Ordnung und würde in Zukunft auch so bleiben.

Was er nicht erzählte, war, dass seine Frau ohne sein Wissen einfach den Dauerauftrag gekündigt und es deshalb einen großen Krach gab.

Außerdem habe er nachdem Mariechen ihn angerufen und ihm ihre schlimme Lage geschildert hatte, ein schlechtes Gewissen bekommen. Er hatte nicht nur ihre Familie zerstört, er hatte es auch hingenommen, dass sie auf alles verzichteten, obwohl ihnen doch die Hälfte des Hauses und Grundstücks zustanden. Deshalb habe er im Internet recherchiert und hätte dieses Haus gefunden. Er hofft, dass sie ihm eines Tages verzeihen würden und dass Mariechen ihn nicht mehr verachte.

"Du hast deinem Vater gesagt, dass du ihn verachtest?" Mariechen zuckte verlegen mit den Schultern. "Naja, ich war so wütend, als er die Unterhaltszahlungen nicht mehr schickte und habe ihn angerufen. 

Die Mutter lachte so froh wie seit langem nicht mehr, umarmte ihre Tochter und rief vergnügt. " Komm gehen wir zu unserm Haus!"

(c) Lore Platz 25.03.2021

 









Mittwoch, 26. März 2025

Ein Geschenk zum Verlieben

2025  was ist das schönste im Leben die Liebe, sie lässt uns die schwarzen Stundn besser ertragen.
 
Zitat des Tages 

“Wo Liebe ist, da ist Leben.” (Mahatma Ghandi)








Ein Geschenk zum Verlieben


Das fröhliche Klingeln einer Fahrradglocke ließ die alte Dame, die vor einem Gemüsebeet kniete, aufblicken.
„Du bist aber heute früh, mein Kind,“ lachte sie ihre Enkelin vergnügt an.
„ Durfte früher gehen, dafür habe ich aber eine Mammutaufgabe von meinem Chef bekommen.“
Franziska, kurz Franzi genannt, verzog das Gesicht und nahm den Kopf Salat entgegen, den die Oma ihr reichte.
Zusammen gingen sie ins Haus.
Während die alte Frau den gefüllten Schweinebraten übergoss und dann die Knödel ins Wasser legte, zerpflückte Franzi mit flinken Fingern den Salat.
Als ihre Eltern starben kam die damals Zwölfjährige zu ihrer Großmutter und dann als sie die Wirtschaftsschule erfolgreich abgeschlossen hatte, bekam sie die Stelle auf dem hiesigen Rathaus.
Mittlerweile war sie so etwas wie die rechte Hand des Bürgermeisters, Franzi bezeichnete sich aber „als Mädchen für alles“.
„Weißt du was er,“ damit meinte sie ihren Chef, „mir wieder aufgedrückt hat. Ich soll für die da oben auf dem Berg ein Geburtstagsgeschenk besorgen.“
Die alte Frau wusste, wen sie meinte.
Auf dem Berg stand die Villa des längst verstorbenen Fabrikanten Kleinholz. Vor ungefähr zwei Jahren hatte seine Tochter nach dem Tode ihres Mannes die Villa wieder bezogen und lebte nun mit einer alten Haushälterin allein in dem riesigen Haus.
„Was soll man denn einer Frau schenken, die schon alles hat?“ stöhnte das junge Mädchen.
„Warum will der Bürgermeister das überhaupt?“
„Weil sie und ihr Mann berühmte Forscher waren und am selben Tag doch die 500 Jahresfeier unseres Ortes ist.
Und du weißt ja unser Bürgermeister will unseren Ort berühmt machen und der 70igste Geburtstag einer so berühmten Einwohnerin, das ist doch das gefundene Fressen für ihn. Wäre mir auch alles wurscht, wenn er nur nicht mich mit der Suche nach einem Geschenk beauftragt hätte.“
Franzi zog ein ulkig verzweifeltes Gesicht und ihre Oma lachte herzlich.
„Oma, ihr beide seid doch im selben Alter, kannst du mir denn keinen Tipp geben?“
Frau Hermes schüttelte den Kopf und meinte:
„Weißt du die da oben auf dem Berg, die waren immer für sich und Magda hat auch nicht die Dorfschule besucht, sondern hatte einen Privatlehrer, später kam sie dann ins Internat und ging dann in G. auf die Universität, dort hat sie dann ihren Professor, der zwanzig Jahre älter war, geheiratet und sie sind in alle Herren Länder auf Forschungsreisen gegangen.
Sie war fast vierzig als sie schwanger und die Beiden sesshaft wurden.“
„Dann gibt es also ein Kind, aber es hat seine Mutter bisher noch nicht besucht, lebt es denn noch?“
„ Ach der Professor war ein ungemein schwieriger Mensch und fast sechzig, als der Junge geboren wurde.
Ich hörte munkeln, dass es ein Zerwürfnis zwischen den beiden gab. Aber weißt du was, frag doch die alte Leni, ihre Haushälterin, die war damals die Kinderfrau des Jungen.Vielleicht kann sie dir auch helfen bei einem Geschenk. Aber nun deck den Tisch, die Knödel sind fertig.“
Am nächsten Vormittag wartete Franzi in der Nähe der Villa und als sie Leni mit den Einkaufstaschen den Berg herauf kommen sah, eilte sie ihr entgegen und half ihr beim Tragen.
Sie folgte der Alten in die geräumige Küche.
„Moagst an Kaffää?“
Franzi nickte und dann fing sie vorsichtig an die Leni auszufragen.
Dazu brauchte es gar nicht viel, denn Leni redete für ihr Leben gern, war es doch sehr einsam hier in der Villa für sie.
„Ja woast, der gnädige Herr war hoalt a ganz extraer, war eben a Wissnschaftler und seine Vorträg waren voller Brillianten.“
Franzi sah sie verblüfft an, hatte der Professor denn mit Edelsteinen zu tun, dann dämmerte es ihr, dass die gute Alte wohl „Brillianz“ meinte.
Das bestätige sich dann, denn die Leni stand mit Fremdwörtern auf Kriegsfuß.
„ Ja, der war ganz a Gscheider, aber a schwierig, die gnä Frau hoats net immer leicht ghabt mit eam, trotzdem , is sie sehr melandolisch“ – Franzi registrierte bei sich, dass sie wohl melancholisch meinte – „ seit er doat is, aber des is woi a weger dem Tobias“.
Leni schnäuzte sich kräftig und wischte sich die Tränen aus den Augen und dann erzählte sie von dem lieben Bub, der nach einem bösen Streit mit seinem Vater fortgegangen war. Wissenschaftler sollte er werden, aber er wollte Kunst studieren, jetzt sei er ein gefragter Resttadeur.
Franzi grinste, die Gute meinte wohl Restaurator.
Sie erfuhr nun, dass Leni mit ihrem Bub seit zehn Jahren in Verbindung stand, doch die Gnädigen durften davon nichts wissen.
Franzi kam eine Idee und die teilte sie gleich der guten Alten mit.
Sie wollte den Tobias ausfindig machen und ihn zum Geburtstag seiner Mutter einladen, das wäre doch ein tolles Geschenk.
Leni schlug die Hände zusammen.
„Döes wär a Freid für die Gnädige, denn sie hoat sehr under dem Streit glitten, aber gegen den Professor kams net oa, der war ja so vuil älter wia sie und hoats oft bhandlt wie a kloans Kind.“
Franzi fragte nach der Adresse von Tobias van der Meeren und Leni gab sie ihr.

Zuhause setzte sich das junge Mädchen sofort an den Computer und recherchierte.
Gleich am nächsten Tag machte sie sich auf den Weg, denn das schien ihr sicherer, als zu schreiben.
Ein junges hübsches Mädchen saß in dem Büro der Firma van der Meeren und erklärte auf ihre Frage, der Chef wäre in der Werkstatt.
Franzi betrat diese und blieb einen Moment stehen und beobachtet den jungen gutaussehenden Mann,  der tief versunken über einem alten Schreibtisch stand vorsichtig mit einem Pinsel darüber fuhr.
Jetzt richtete er sich auf und bemerkte das junge Mädchen, das ihn fasziniert betrachtete.
„Hallo!“ Er grinste und Franzi spürte plötzlich ein Kribbeln im Bauch.
„Einen schönen Gruß von der Leni!“
Der junge Mann wurde ernst. „Geht es ihr gut, ist alles in Ordnung?“ fragte er besorgt.
„ Ja, ja, aber ich hätte gerne mit ihnen über ein besonderes Anliegen gesprochen, nichts berufliches, eher privat.“
Nun wurde Franzi doch verlegen und überlegte, ob das ganze nicht doch eine verrückte Idee war.
Sie drehte sich um und wollte gehen.
Doch da wurde sie am Arm gepackt und festgehalten.
„Jetzt haben sie mich neugierig gemacht, also was ist los?“
Ehe sich das Mädchen versah, saß sie auf einem Stuhl, einen Kaffeebecher in der Hand und blickte in die erwartungsvollen Augen des jungen Mannes, der ihr Herz soviel schneller schlagen ließ.
Sie wusste nicht wie sie anfangen sollte, doch dann sprudelte sie die ganze Geschichte heraus.
Der siebzigste Geburtstag seiner Mutter, der Auftrag des Bürgermeisters wegen eines Geschenkes und dass sie bei der Leni sich Hilfe holen wollte, diese dann von ihm erzählt und sie beide beschlossen hätten, ihn als Geschenk zu überbringen.
Eine Weile blieb es still und Franzi wagte nicht ihr Gegenüber anzusehen.
Plötzlich fing dieser zu lachen an.
„Ich soll also ein Geburtstagsgeschenk für meine Mutter sein, wollen sie mich einpacken und eine große rote Schleife um mich binden?“
Franzi wurde flammend rot und stammelte.
„Entschuldung, es war eine dumme Idee.“
Der junge Mann wurde ernst und nahm ihre Hand.
„Nein, so dumm war die Idee gar nicht, Leni will schon längst, dass ich mich mit meiner Mutter versöhne, aber ich habe es bisher nicht geschafft.
Vielleicht ist dies eine gute Gelegenheit.
Wissen sie, meine Eltern waren schon sehr alt, als ich zur Welt kam und beide Wissenschaftler, die mit einem kleinen Kind wenig anfangen konnten. So war ich meist Leni überlassen und ohne sie, wäre meine Kindheit sehr lieblos geworden. Ich mache meinen Eltern keinen Vorwurf, sie konnten wohl nicht anders. Mein Vater nahm erst von mir Notiz, als ich nach dem Abitur aus dem Internat kam. Er wollte, dass ich in seine Fußstapfen trete, doch das machte ich nicht mit. Ich wollte Kunst studieren. Das hat uns entzweit und von da ab existierte ich nicht mehr für ihn.
Ich zog aus, finanzierte mein Studium selbst, durch Nebenjobs. Und dann bekam ich einen Job als Aushilfsfahrer bei einem Restaurator und dessen Arbeit faszinierte mich. Ich wusste nun was ich werden wollte.
Als mein Vater starb hatte ich gerade einen Auftrag in Amerika und konnte nicht zur Beerdigung kommen. Irgendwie tut es mir leid, dass ich mich vor seinem Tod nicht mehr mit ihm versöhnt habe. Ich möchte nicht, dass dies auch mit meiner Mutter geschieht und Leni bittet mich schon lange, doch endlich zu kommen, aber bisher fand ich nicht den rechten Mut. Vielleicht aber ist ihr Geburtstag die Gelegenheit, vorausgesetzt sie verzichten auf die rote Schleife.“ grinste er.
Als Franzi sich auf den Weg machte sang sie vergnügt und seltsamerweise handelten alle Lieder von der Liebe.
Die Festgäste waren alle eingetroffen und Franzi blickte immer wieder zum Eingang. Würde er auch kommen?
Da sah sie ihn und ihr Herz begann freudig zu schlagen.
Schnell schlängelte sie sich durch die Tischreihen zum und zog ihren Ehrengast aus dem Festzelt.
„Wie schön, dass sie gekommen sind, warten sie, ich muss sie erst anmelden.“
Und schon lief sie zurück zur Bühne, klopfte an das Mikrofon und erzählte nun in launigen Worten, wie der Bürgermeister ihr aufgetragen hatte für ihren Ehrengast ein Geschenk zu suchen.
„Liebe gnädige Frau van der Meeren, sehen sie bitte zum Eingang, dort kommt ihr Geschenk.“
Alle Augen wandten sich dem Zelteingang zu, durch das jetzt Tobias van der Meeren trat.
Leni quietschte und legte beide Hände aufs Herz und Frau van der Meeren wurde abwechselnd rot und blass.
Sie stand auf und eilte ihrem Sohn entgegen.
In der Mitte trafen sie sich und lagen sich weinend in den Armen.
Ringsum herrschte Stille und manche Träne floss, dann aber brauste Beifall auf.
Franzi aber setzte sich still neben die Oma und über ihre Wangen liefen die Tränen.
Später holte Tobias sie und ihre Oma an ihren Tisch.
Als Franzi dann alle Pflichttänze mit den Honoratioren hinter sich hatte, wobei ihr der dicke Bäcker Strudel kräftig auf die Zehen trat, konnte sie mit dem geliebten Mann über die Tanzfläche wirbeln.
Drei Augenpaare beobachteten sie und Leni sprach aus, was die anderen zwei sich dachten.
„O mei, is des a schens Paar und wia verliabt s si oschaun.
Deee passn guat zsamm!“

© Lore Platz (2014)

Anmerkung: 
Ich hoffe ihr versteht den bayrischen Kauderwelsch von Leni!




Dienstag, 9. November 2021

Der Engel, der vom Schlitten flog


 
Danke Regina für das Bild



 Der Engel, der vom Schlitten flog


Frederic lugt vorsichtig in die Backstube, aus der köstliche Düfte seine Nase kitzeln und locken.
Er grinst vergnügt als er niemanden dort erblickt und eilt mit schnellen Schritten zu dem Regal, wo die Plätzchen zum Auskühlen abgestellt sind.
Vergnügt langt er in eine der Dosen, holt sich eine Handvoll heraus und stopft sie in den Mund.
Mit dicken Backen kauend sieht er sich nach einer neuen Sorte der leckeren Kekse um.
„Dachte ich doch, dass du Leckermaul hier bist!“, reißt ihn die Stimme seines Freundes Markus aus seinen seligen Gedanken.
„St. Nikolaus wartet in der Halle und alle suchen nach dir!“
Frederic schluckt schnell den Rest hinunter, schürzt sein Kleidchen und rast durch den Himmel.
Atemlos erreicht er die große Halle, in der St. Nikolaus neben dem voll bepackten und startbereiten Schlitten bereits auf ihn wartet.
Der weiße Schimmel scharrt schon ungeduldig mit den Hufen.
Petrus der neben Nikolaus steht wirft Frederic einen finsteren Blick zu und grollt.
„Länger hätten wir jetzt nicht mehr gewartet und ein anderer Engel hätte St. Nikolaus auf die Erde begleitet!“
Frederic wird rot und wirft dem Bischof einen entschuldigenden Blick zu, dann klettert er blitzschnell auf die Pakete im Rücksitz des Schlittens.
Das große Himmelstor öffnet sich und sie schweben durch die Wolken auf die Erde.
Unten angekommen geht es in Windeseile durch Städte und Dörfer.
Der kleine Engel, der zum ersten Mal auf der Erde ist kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Leider verweilen sie immer nur kurz an einem Ort und Frederic ist so beschäftigt mit Päckchen schleppen und an die Kinder verteilen, dass er wenig von seiner Umgebung sehen kann.
Als sie durch einen Wald fahren, fliegt plötzlich vom Baum eine Ladung Schnee herunter und direkt auf den Engel, der ganz oben auf den Päckchen thront, um ja alles um ihn herum im Blick zu haben.
Er schwankt und stürzt vom Schlitten.
St. Nikolaus , der nichts bemerkt hat, fährt ahnungslos weiter.
Der kleine Engel liegt einen Moment benommen im Schnee.
Als er die Augen wieder öffnet haben sich die Tiere des Waldes um ihn geschart und betrachten ihn neugierig.
„Hallo, könnt ihr nicht St. Nikolaus nachlaufen und ihn aufhalten?“
Ein Hirsch, der sich etwas abseits gehalten hat, tritt nun näher.
„Tut mir leid, kleiner Engel, aber der Schlitten des Nikolaus ist viel zu schnell für uns, den können wir nicht mehr einholen.“
„Ich heiße Frederic,“ stellt dieser sich vor.
„Angenehm, mein Name ist Adrian.“
„Und wir sind Hoppel, Poppel und Stups!“ rufen die Hasen.
Es raschelt im Gebüsch und ein Eichkätzchen kommt heraus.
„Hört mal die kleine Annika sitzt da vorn und weint.“
Dann sieht es den Engel.
„Wer bist denn du?“
Der kleine Stups drängt sich nach vorn und erklärt wichtig:
„Das ist Frederic, er ist vom Schlitten des Nikolaus gefallen!“
Dieser hat sich inzwischen erhoben und klopft sich den Schnee aus dem Kleidchen.
„Wer ist denn Annika und ist sie auch gefallen, oder warum weint sie?“
„Annika ist ein kleines Mädchen und wohnt mit ihrer Mutter in dem Häuschen am Waldrand.
Sie ist sehr lieb und immer nett zu uns Tieren.
Warum sie weint, weiß ich nicht, aber du könntest sie ja fragen.
Du sprichst doch die Sprache der Menschen?“
Frederic nickt und zusammen mit den Tieren gehen sie zu dem Mädchen, das auf einem Baumstamm sitzt und bitterlich weint.
Mitleidig umringen sie die Tiere und schniefend fährt sich das Mädchen mit dem Handschuh über die Augen.
Dann starrt sie Frederic mit offenen Mund an.
„Du bist ja ein Engel!“
„Ja und ich heiße Frederic, aber sag warum weinst du denn?“
Das Mädchen deutet auf den Korb, der neben ihr steht.
„Ich habe Tannenzapfen und kleine Äste gesammelt zum Anheizen, dann habe ich den Schlitten des Nikolaus bimmeln gehört und bin losgelaufen, um ihn zu sehen.
Dabei habe ich mich verlaufen!“
„Die Tiere können dir bestimmt den Weg nach Hause zeigen, nicht wahr?“ wendet sich der Engel an diese.
Diese nicken.
Und bald sind sie alle zusammen auf dem Weg zum Haus am Waldessrand.
Annika hat Frederic angeboten bei ihnen zu warten, denn der Hl. Nikolaus kommt immer auf dem Rückweg bei ihnen vorbei.
Die Tiere kehren in den Wald zurück und der Engel folgt dem Mädchen ins Haus.
Die Mutter blickt erstaunt auf den Jungen der im Kleidchen und barfuß ihre Stube betritt.
„Mein Junge, du musst ja frieren, komm schnell zum Ofen und setz` dich.“
Frederic lacht vergnügt. „Engel frieren nicht!“
„Ach du bist ein Engel?“ fragt Annikas Mutter etwas zweifelnd.
„Ja, stell dir vor, St. Nikolaus ist mit seinem Schlitten durch den Wald gefahren und Frederic ist herunter gefallen.
Nicht wahr er kann doch bei uns warten, bis der Heilige Bischof heute Abend bei uns vorbeikommt?“
ruft Annika, die sich inzwischen aus dem Mantel geschält hat und mit ein paar flauschigen Pantoffeln in der Hand in die Stube kommt.
Sie hält sie dem Engel hin und dieser schlüpft hinein.
Voller Wohlbehagen lächelt er.
„Die sind aber schön weich!“
„Mama dürfen Frederic und ich auf mein Zimmer gehen?“
Diese nickt abwesend, sie sitzt bereits wieder an ihrer Nähmaschine, den bald kommt eine Kundin zur Anprobe.
Annika zeigt nun dem Engel ihr kleines Reich.
Auf dem Bett sitzen mehrere Plüschtiere und der Engel erkennt einige, die im Himmel genäht worden sind.
Da meint Annika auch schon:
“Die hat mir alle das Christkind gebracht, jedes Jahr eines.“
„Was hast du dir denn für dieses Jahr gewünscht?“
„Weißt du das denn nicht?“
„Aber nein, für die Briefe sind andere Engel zuständig,“ meint Frederic und gesteht etwas verschämt:
„Ich kann noch nicht so gut lesen!“
„Oh ich kann schon ganz gut lesen! Lesen ist sooo schön!
Ich bin ja auch schon in der zweiten Klasse und ich habe mir vom Christkind ein großes Geschichtenbuch und Schlittschuhe gewünscht, glaubst du ich bekomme das?“
Frederic nickt ernst:
„Bestimmt, du bist ja ein ganz braves Mädchen und außerdem sind es ja gar keine ausgefallenen Wünsche.“
„Das wäre schön! Willst du mal sehen welche Geschenke ich für Weihnachten gebastelt habe?“
„Ihr Menschen fertigt auch Weihnachtsgeschenke?“
Nun staunt der Engel aber.
„Aber natürlich, weißt du, die Erwachsenen bekommen doch nichts vom Christkind, also habe ich für Mama eine kleine Schachtel für ihre Nähnadeln ..., warte ich zeig sie dir.“
Sie läuft zum Schrank und kramt darin herum, dann kommt sie mit einem wollenem Tuch und legt es vorsichtig auf den Boden.
Die Beiden setzen sich und Annika schlägt das Tuch auseinander und zeigt ihm ihre Schätze.
Eine hübsch bemalte Schachtel für die Mama, noch eine Schachtel mit buntem Papier beklebt, für die Pfeifenreiniger des Opas und einen gehäkelten Topflappen, der leider etwas schief geraten ist, für die Oma.
Traurig sieht Annika auf ihre Schätze und seufzt.
„Nur für die arme Frau Markwart habe ich noch nichts, denn ich weiß nicht was ich ihr schenken soll, hast du keine Idee?“
„Ich kenne die Frau doch gar nicht.“
„Sie ist ganz ganz lieb, aber sie kann nicht mehr laufen, und muss den ganzen Tag im Rollstuhl sitzen. Morgens kommt immer der Pflegedienst und wäscht sie, dann helfen sie ihr beim Anziehen und dann sitzt sie den ganzen Tag am Fenster und sieht hinaus.“
„Hat sie denn keine Kinder?“
„Nein sie ist ganz allein, manchmal gehe ich mit Mama hinüber, wir bringen ihr dann eine Suppe oder einen Kuchen.Sie freut sich immer so.
Ach sie ist immer so lieb und freundlich und ich würde ihr so gerne eine Freude machen.“
Frederic stützt den Kopf in die Hände und überlegt angestrengt und Annika beobachtet ihn gespannt dabei.
„Könntest du ihr denn nicht auch einen Topflappen häkeln wie deiner Oma.“
Das Mädchen schüttelt den Kopf, „ das geht so schrecklich schwer und außerdem kocht Frau Markwart ja nicht mehr.“
Frederic wirft einen Blick zum Regal, auf dem einige Bücher stehen.
„Und wenn du ihr eines deiner Bücher schenkst, du hast doch gesagt , dass Lesen so schön ist.“
„Ihre Augen sind so schwach!“
Wieder versinkt der Engel in Gedanken, dann ruft er plötzlich:
„Ich weiß etwas , du schenkst ihr Zeit!“
„Wie soll das denn gehen?“
„Du gehst jeden Tag zu ihr und liest ihr etwas aus deinen Büchern vor, das freut sie bestimmt und sie ist nicht mehr so allein und sie hat jeden Tag etwas worauf sie sich freuen kann.“
Annika umarmt den Engel stürmisch.
„Das ist eine gute Idee! Aber wie verschenkt man denn Zeit?“
„Schreibe ihr einen Brief!“
Bald liegen beide bäuchlings auf dem Boden und basteln an dem Brief für die alte Frau.
Sie malen große Buchstaben, damit sie es auch lesen kann.
Dann faltet Annika das Blatt zusammen und sie laufen hinunter, denn das Mädchen hat beschlossen nicht bis Weihnachten zu warten, sondern heute zum Nikolaustag ihr Geschenk zu überreichen.
Auch die Mutter findet es für eine gute Idee und gibt ihnen noch eine Tüte mit selbstgebackenen Plätzchen mit.
Wie staunt die alte Frau, die etwas verloren am Fenster sitzt, als ein Engel und die kleine Annika zu ihr kommen.
Und Tränen laufen ihr über das Gesicht, als sie den Brief liest und Annika ihr erklärt, wie das gemeint ist und sie jeden Nachmittag nun vorbei kommt, um ihr vorzulesen.
Als sie nach einer Weile wieder gehen, lassen sie eine glückliche alte Frau zurück, denn nun hat sie etwas auf das sie sich jeden Tag freuen kann.

Später kommt dann der Hl. Nikolaus zu Annika.
Er ist auch gar nicht erstaunt, Frederic dort zu treffen, denn die Tiere haben es ihm bereits gesagt.
Lange noch winken Annika und ihre Mutter dem Schlitten nach.

© Lore Platz


Vielleicht kennt ihr ja auch jemanden, dem ihr Zeit schenken könnt.