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Mittwoch, 5. November 2025

Armin und der Stift des Glücks

Der Monat November ist der einzige Monat den ich nicht leiden kann,deshalb habe ich ihm  nur einen Eintrag gewidmet. Den Rest des Monats will ich mit positiven Geschichten die dunklen Schleier vertreiben




Armin und der Stift des Glücks


Lena springt aus dem Schulbus und läuft die paar Meter zu dem alten Mietshaus. Ihr Schulranzen auf dem Rücken hüpft dabei fröhlich auf und ab.
Nachdem sie die ausgetretenen Holzstufen bis zum zweiten Stock hinter sich hat, klingelt sie an der Tür von Henriette Ohlsen.
Henriette wohnt gleich gegenüber von Lena und ihrer Mutter und passt auf das Mädchen auf, bis deren Mutter von der Arbeit kommt.
Die alte Frau öffnet und Balduin, der alte Dackel, drängt sich an ihr vorbei und begrüßt das Mädchen freudig.
Er bellt und hechelt etwas kurzatmig und wedelt heftig mit dem Schwanz.
Lena krault ihn zwischen den Ohren und stellt dann ihren Schulranzen ab.
Lena gehst du schon in die Küche, ich möchte nur noch die Glühbirne in meiner Nachttischlampe auswechseln.“
Das Mädchen nickt vergnügt und gefolgt von Balduin hüpft sie in die Küche, in der es herrlich duftet.
Auf dem Ofen blubbert ein Gemüseeintopf und in einem Topf schwimmen Würstchen.
Lena holt zwei Teller aus dem Küchenschrank und deckt flink den Tisch, während Balduin sich in sein Körbchen verzieht und sie von dort aus beobachtet.
Nach dem Essen holt Henriette ihr Strickzeug und das Mädchen macht ihre Hausaufgaben.
Es ist still in der warmen gemütlichen Küche, in der noch ein leichter Essensgeruch liegt. Nur das gleichmäßige Ticken der alten verschnörkelten Uhr und das leise Schnarchen des Dackels ist zu hören.
Lena klappt aufatmend das Heft zu. „Fertig nun muss ich nur noch ein Herbstbild malen.“
Sie holt aus ihrem Schulranzen den Zeichenblock und wühlt in ihrem Schlampermäppchen.
Tante Henriette hast du einen Bleistift?“
Sieh mal in der Krimskrams-Schublade nach Kind.“
Lena springt auf.
Sie liebt die Krimskrams-Schublade, in der Dinge sind, die man nicht mehr, aber vielleicht doch noch einmal gebrauchen konnte.
Eifrig wühlt Lena zwischen den alten Knöpfen, Resten von Garn und einer alten Schnur, einem abgebrochenem Schraubenzieher, Nägeln und noch so allerlei und zieht schließlich einen Bleistiftstummel heraus.
Zweifelnd betrachtet sie ihn.
Ob man den noch benutzen kann?“
Aber sicher,“ meint Henriette lakonisch, die nicht gerne etwas weg warf, bevor es total unbrauchbar war.
Lena schließt die offene Schublade und kommt zurück zum Tisch.
Erzählst du mir eine Geschichte während ich male?“
Henriette überlegt einen Moment und ihr Blick ruht auf dem Mädchen, das mit hochkonzentrierten Gesicht mit dem Stift über das Papier fährt.
Möchtest du die Geschichte von einem Stift hören, der Glück brachte?“
Lena nickt und Henriette beginnt zu erzählen.

In einem alten Mietshaus, ganz oben unterm Dach wohnte  Armin  Notnagel, ein junger Künstler.
Viele Möbel hatte er nicht.
Auf dem Boden lag eine Matratze mit einer Decke. Daneben stand eine alte Holzkiste, auf der ein alter Teller mit einer Kerze stand, denn man hatte ihm mal wieder den Strom abgestellt.
Auf einem alten wackeligen Tisch, dessen linkes Bein mit einem dicken Telefonbuch gestützt war, lagen kreuz und quer eine Menge Zeichnungen, die er angefertigt hatte.
Ein Stuhl, aus dem die Lehne herausgebrochen war, vervollständige die Einrichtung.
Vielleicht sollte man den Eimer in der Ecke noch erwähnen, denn, wenn es regnete, dann regnete es durch das löchrige Dach.
Den jungen Mann störte das Alles nicht. Er war ein fröhlicher Typ mit einem goldenen Herzen und durch kleine Aushilfsjobs verdiente er sich das Wenige, das er zum leben brauchte.
Und die Menschen mochten ihn wegen seiner fröhlichen unbekümmerten Art.
  Armin glaubte fest an seinen großen Durchbruch als Maler und in letzter Zeit mehr denn je, denn er war verliebt und wollte dem Vater seiner Liebsten imponieren.
Der reiche Bäckermeister Gottfried Semmel sah es gar nicht gern, dass der arme Hungerleider seiner Tochter Else schöne Augen machte. Das Mädel war sowieso schon so verdreht, seit sie aus dem feinen Internat zurück gekommen war.
Einen Bäcker sollte sie heiraten, der einmal das Geschäft übernahm.
So hatte das Liebespaar also wenig Aussichten.




Else brachte jeden Morgen einen Korb mit frischen Brötchen und allerlei Leckereien zu dem Kiosk an der Ecke. Denn die alte Berta war ihre Verbündete.
Berta kochte in dem kleinen Raum hinter dem Kiosk einen guten Kaffee und frühstückte mit dem jungen Mann, der dann seufzend den Liebesbrief seiner Else las, der jeden Morgen zwischen den frischen Brötchen steckte.
Bevor er dann in die Arbeit ging, schlenderte er an dem Haus des Bäckers vorbei und Else winkte ihm von ihrem Fenster aus zu.
So vergingen die Tage, der Herbst hatte schon längst die Blätter bunt gefärbt und sein Spießgeselle, der stürmische frostige Wind, hatte sie von den Bäumen gepustet.
Manchmal wollte der junge Mann die Hoffnung aufgeben jemals als Maler berühmt zu werden und überlegte sogar eine Bäckerlehre zu machen, denn er wollte seiner Else nahe sein.
Als er eines Tages von einem seiner zahlreichen Jobs nach Hause ging sah er vor sich eine alte Frau, die tief gebeugt immer wieder kurz stehen bleibend, durch den Park schlurfte.
Mitleidig sprach Armin sie an.
Gute Frau, wohin müssen sie denn gehen, kann ich sie nach Hause bringen.“
Die alte Frau blieb stehen und ihre erstaunlich jungen Augen in dem von Runzeln übersäten Gesicht sahen ihn freundlich an.
Danke junger Mann, wenn sie mir ihren Arm reichen könnten.“
Sie zog fröstelnd das zerschlissene Schultertuch um ihre mageren Schultern.
Der junge Mann zog seine Jacke aus und hängte sie ihr über, dann legte er seinen Arm um die Alte, um sie zu stützen.
Als sie den Park verlassen hatten, blieb die Frau stehen, schlüpfte aus der Jacke und reichte sie ihm.
Danke junger Mann von hier aus kann ich alleine weiter gehen. Aber weil sie so ein gutes Herz haben, will ich ihnen etwas schenken. Denken sie niemals daran ihren Traum aufzugeben, denn sie können Großes erreichen. Hier dieser Stift wird ihnen Glück bringen.“
Armin betrachtete den einfachen unansehnlichen Kohlestift und steckte ihn in die Jackentasche, denn er wollte die alte
Frau nicht kränken.
Als er sich umwandte, um ihr zu danken, war sie verschwunden.



Doch von diesem Tag an, schien das Glück in sein Haus zu kommen.
Berta musste zum Zahnarzt und Ronny wollte in dieser Zeit auf den Kiosk aufpassen.
Es war nicht viel los. Die Menschen hasteten vorbei, ohne stehen zu bleiben und zwei Jungen spielten Fußball mit einer Blechbüchse, während ein Hund sie umsprang.
Und schnell holte er seinen Zeichenblock, um dieses Bild festzuhalten. Und wie durch Zauberhand lag plötzlich der Stift der alten Frau in seiner Hand. Mit schnellen gekonnten Strichen fuhr Hieronymus über das Blatt.
Aufatmend betrachtete er das Bild, das ihm besonders gut gelungen war, da begann der Stift in seiner Hand zu blinken, als würde er ihm zuzwinkern.
Ein Mann in einem teuren Pelz kam auf den Kiosk zu und verlangte eine Tasse Kaffee.
Ronny ließ die Espressomaschine laufen.
Zucker und Milch?“
Als er keine Antwort bekam, drehte er sich um und sah wie der Herr seine Zeichnung betrachtete.
Junger Mann sie haben Talent, das ist wunderschön und sehr detailgetreu. Malen sie auch Porträts?“
Rony nickte.
Auch in Öl?“
Ja.“
Der gut gekleidete Herr reichte ihm eine Visitenkarte.
Ich bin Kommerzienrat Goldner, kommen sie morgen zu dieser Adresse, ich möchte, dass sie ein Porträt meiner Frau malen.“
Dann ging er, ohne seinen Kaffee getrunken zu haben.
  Armin malte das Porträt und es wurde in der feinen Gesellschaft bewundert.
Bald konnte er sich vor Aufträgen nicht mehr retten.
Er heiratete seine geliebte Else und niemand war stolzer auf seinen berühmten Schwiegersohn, als Bäckermeister Semmel.“
 
Das war schön und mein Bild ist auch fertig, gefällt es dir?“
Henriette bewundert das schöne Herbstbild.
Balduin aber verließ sein Körbchen und lief zur Tür.
Ich glaube Lena, wir drehen noch eine Runde mit Balduin, bevor deine Mutter kommt.“

© Lore Platz 20.07.2020




Mittwoch, 21. Mai 2025

Glück

 

21.05.2025
                         

In jeder meiner Geschichten steckt ein wahrer Kern, entweder habe ich etwas gelesen, oder da ich ein guter Zuhörer bin vertrauen mir viele Menschen ihr Schicksal an. Ich spinne den Faden weiter und versuche das erlebte zu einem guten Ende zu führen, um aufzuzeigen, dass man egal wieviel Kummer das Leben uns bereitete, man doch mit Mut, Liebe und Vertrauen alles bezwingen kann.

Dieser Geschichte liegt ein Artikel über die griechische Sängerin Maria Callas und dem griechischen Millionär Aristoteles Onassis zugrunde.


 

 


 2014

 

Mein Freund, die Nachtigall, hat mir wieder eines seiner schönen Gedichte geschickt.
Es handelt von dem kleinen Glück.
Ich habe mir darüber einmal so meine Gedanken gemacht.
 

Pearl S. Buck eine Frau, die ich sehr bewunderte und deren Bücher ich gerne las, sagte einmal:

"Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten"

Und wenn ich so zurück denke und an die vielen Menschen, denen ich so im Laufe meines Lebens begegnet bin, dann waren etliche dabei die am Glück vorbei lebten.
Die meisten ihrer Sätze begannen: " wenn doch ... dann wäre alle besser.
In dem Forum bei dem ich dabei bin. höre ich oft von Kinderarmut, Rentnerarmut und wie schlecht es uns Deutschen doch geht.
Wo aber beginnt Armut?
Ich kann alles haben und doch arm sein, wenn ich die innere Zufriedenheit nicht habe.
Vielleicht errinnert ihr euch an die Geschichte über meine Patentante, eine wirklich arme Frau aber so bescheiden, liebevoll, fröhlich und vor allem zufrieden.
In der Erzählung nur "Nur ein Päckchen Kaffee" habe ich ihr ein Denkmal gesetzt.   

 

 


Es ist so leicht glücklich zu sein und auch andere glücklich zu machen.

Ich versuche  mit meinen Geschichten ein wenig Glück in euren Alltag zu bringen und hoffe, dass es mir gelingt.





 
 
 
Glück im Alltag

Ein Sonnenstrahl am Morgen,
oder ein Licht in dunkler Nacht,
vertreibt alle Sorgen,
und das Leben schöner macht.

Ein Kind das herzlich lacht,
und lachen steckt uns an,
ob am Tag oder in der Nacht,
wie glücklich sind wir dann.

Nachts ein sternenklarer Himmel,
ein Farbklecks an der Wand,
ein liebes Glockengebimmel,
ein Blümchen am Straßenrand.

In der Nacht ganz ruhig schlafen,
und ein schöner Traum,
lieblich im Ehehafen,
ein blühender Fliederbaum.

Kein Geld kann es ersetzen,
ist der Reichtum noch so groß,
wenn in der Ehe fliegen Fetzen,
dann ist alles Glückslos.

Gesund und glücklich leben,
ist doch oberstes Gebot,
von Zufriedenheit umgeben,
lindert alles, auch die Not.

Des Glückes holdes Wesen,
kein Gold bringt es zurück,
wie wichtig ist doch im Leben,
des Alltags kleines Glück.

Die Nachtigall

 

Die Perlen des Herzogs



Der Zirkus Bellandini gastierte in H.

In einem der bunt bemalten Wohnwägen saß eine alte Dame vor dem Schminktisch und sah traurig in den Spiegel.

Das Leben hatte viele Falten in das einst schöne Gesicht gegraben.

Carmelita di Pavlio, unter diesem Künstlernamen sang sie auf den größten Bühnen der Welt. Von den Kritikern hochgejubelt, vom Publikum geliebt und von den Männern begehrt.

Doch ihr Herz gehörte nur einem, Archibald! 

Mit seinem jungenhaften Charme hatte sich der englische Adelige in ihr Herz gestohlen und es im Sturm erobert.

Es machte ihm nicht aus, dass sie fünf Jahre älter war. Auf all ihren Reisen begleitet er sie, war immer für sie da und der ruhende Pol in ihrem hektischen Leben.

Einen Moment schloss die alte Dame träumend die Augen und ließ noch einmal die unbeschwerte glückliche Zeit Revue passieren.

Doch Fortuna ist neidisch und kein Glück dauert ewig.

Der Vater von Archibald starb und er musste zurück nach England und die Frau heiraten, die ihm seine Familie ausgesucht hatte. 

Es war undenkbar, dass er als Herzog eine Künstlerin heiratete.

Es war hier in H., als sie für immer Abschied genommen hatten. Archie hatte ihr ein rotes Etui mit einer wunderschönen Perlenkette überreicht, damit sie ihn niemals vergaß.

Als ob das nötig gewesen wäre.

Vor einigen Jahren war er gestorben.

Die alte Dame öffnete eine Schublade an ihrem Tischen und zog ein rotes Etui heraus.

Zärtlich fuhr sie mit den Fingern die Perlen entlang.

Perlen bedeuten Tränen. Für jede einzelne dieser Perlen hatte sie hundert Tränen vergossen.

Sie stürzte sich in die Arbeit und die Kritiker überschlugen sich vor Begeisterung, denn ihr Gesang war noch besser, noch gefühlvoller geworden und niemand ahnte den großen Schmerz, der hinter all diesen Tönen lag.

Doch eines Tages brach ihre Stimme und sie musste die Bühne verlassen.

Zuerst musste sie ihre wunderschöne Villa verkaufen, dann ihren Schmuck.

Doch von der Perlenkette konnte sie sich nicht trennen.

Schließlich landete sie in einer kleinen schäbigen Pension und fürchtete sich jeden Tag davor, dass ihre Ersparnisse zur Neige gingen.

Und dann war sie dem Zirkusdirektor Martinsen begegnet. Er hatte sie sofort erkannt und ihr eine Stelle an der Kasse angeboten.

Viele Jahre reiste sie nun schon mit dem Zirkus durchs Land und sie waren wie eine kleine Familie.

Doch Direktor Martinsen starb vor einigen Monaten und sein arroganter Sohn übernahm die Leitung und heute hatte er sie in den Bürowagen bestellt und erklärt, dass ab sofort seine Freundin an der Kasse sitzen würde.

Außerdem wäre er nicht so dumm wie sein Vater und würde nutzlose alte Leute mit durchfüttern.

Sie solle sich eine andere Bleibe suchen, denn wenn der Zirkus weiterzöge, würde sie nicht mitkommen.

Die alte Dame seufzte, dann steckte sie das Etui in ihre Handtasche und stand auf.

Gerade als sie ihren Mantel anzog, öffnete sich die Tür und die alte Lissy, die beiden Clowns Pippo und Peppo und der alte Sam, der seit einem Unfall auf dem Trapez hinkte, drängten sich herein.

Als die alte Dame Lissys verweintes Gesicht sah, fragte sie nur:

Ihr auch?“

Schweigend nickten die Vier.

Dann polterte Pippo wütend: „Unsere Späße seien veraltet, niemand könne darüber noch lachen. Und er will den Zirkus verjüngen und wir Alten sollen verschwinden.

Lissy schluchzte laut auf. „Ich habe doch niemanden, wohin soll ich?“

Die alte Dame nahm sie liebevoll in die Arme. „Wir sind deine Familie.“

Fragend sah sie die drei Männer an und diese nickten und bestätigten.

Wir bleiben zusammen!“

Siehst du, du kleiner Angsthase, nun hast du eine Schwester und drei Brüder. Wir werden uns eine Wohnung suchen und unsere kleinen Renten zusammen schmeißen. Dann können wir wunderbar leben. 

Aber nun muss ich noch etwas erledigen. Wartet doch hier auf mich, ich bin bald zurück.“

Kurze Zeit später stand sie vor dem Juweliergeschäft, in dem Archie damals die Perlen für sie gekauft hatte.

Wenig später kam sie mit einem Scheck in der Tasche aus dem Geschäft, dessen Höhe sie noch immer erbleichen ließ.

Diesmal leistete sie sich ein Taxi zurück in den Zirkus.

Wie staunten und strahlten ihre Freunde, als sie ihnen den Scheck zeigte und ihnen erklärte, dass sie für sich und ihre kleine Familie ein Haus kaufen wollte und gleich darauf machten sie sich auf den Weg zu einem Makler.

Es dauerte auch nicht lange bis sie ein passendes kleines Häuschen mit fünf Zimmern und einer großen Wohnküche und einem schönen Garten gefunden hatten.

Sie bekamen es sogar ziemlich günstig, da es schon lange leer stand und die Renovierungsarbeiten wollten sie selber machen.

So blieb noch eine schöne Summe über als Notgroschen.


Ein Jahr war vergangen.

Es war eine laue Sommernacht.

Auf der Terrasse saß Lissy deren Stricknadeln lustig klapperten. Zu ihren Füßen lag der Kater Merlin.

Pippo, Peppo und Sam spielten Karten und die alte Dame trat eben aus der Tür und ging die kleinen Stufen hinunter in den Garten.

Auf der Bank unter der Ulme setzte sie sich und sah hinauf in den Sternenhimmel.

Nun hast du wieder einmal für mich gesorgt Archibald. Dein großzügiges Geschenk hat uns allen einen ruhigen Lebensabend beschert.

Einige Jahre muss ich noch hier bleiben, denn meine Freunde brauchen mich, doch dann komme ich zu dir und keine Macht der Welt wird uns wieder trennen können!“

Sie schüttelte den Kopf und blinzelte verwirrt.

Es war ihr, als hätte einer der Sterne geblinkt, doch als sie wieder nach oben sah, zogen die Sterne gleichmäßig ihre Bahn.

Lächelnd stand sie auf. Das war wohl eine Sinnestäuschung.

Wer weiß!



© Lore Platz 2014


 














Freitag, 14. Februar 2025

Der Wunschbrunnen Zum Valentinstag

 

 


 

 

An diesem Tag feiert man den Tag der Verliebten oder auch Menschen, die sich gern haben, denken an diesem Tag ganz besonders aneinander und drücken dies durch Grüße oder kleine Geschenke aus.

Der Name Valentin ist nicht auf den bayrischen Komiker Karl Valentin zurückzuführen, sondern laut Überlieferung auf Bischof Valentin von Rom, der am 14. Februar 269 enthauptet wurde.

Bischof Valentin hatte trotz des Verbotes des Kaisers Claudius II. Paare kirchlich getraut.

Darum gibt es auch heute noch Gottesdienste am Valentinstag, in den die Ehepaare gesegnet werden.

Übrigens glaubte man, dass am 14. Februar die Vögel begannen sich zu paaren.

Darum nannte man diesen Tag auch den Vielliebchentag und in England und Frankreich ist Valentin der Schutzpatron der Verliebten und Verlobten.

In Finnland ist der Valentinstag der Freundschaftstag und man verschickt anonym kleine Geschenke oder Karten an jemand der einem sympathisch ist.

In Südafrika feiert man am 14. Februar ein öffentliches Fest und kleidet sich weiß und rot, den Farben für Reinheit und Liebe.

In Italien treffen sich Liebespaar an einer Brücke, hängen ein Schloss mit ihren Initialen an das Geländer und werfen jeder einen Schlüssel in Wasser und wünschen sich etwas.

Der Wunsch muss natürlich geheim bleiben.

Seit dem 15. Jahrhundert werden in England Valentins - Paare gebildet, die am Vorabend ausgelost werden und sich dann kleine Geschenke oder Gedichte schicken.

Im viktorianischem Zeitalter wurde es dann Mode sich aufwendig verzierte Karten zu schenken.

Englische Auswanderer brachten diesen Brauch nach Amerika.


In Japan schenken die Frauen den Männern am Valentinstag Schokolade, oft selbst hergestellt.

Dafür bekommen sie dann einen Monat später als Gegengeschenk am White Day weiße Schokolade.


Südkorea hat noch einen dritten Tag eingeführt.

Wer am 14. Februar und 14. März leer ausging betrauert dies am 14. April, indem er Nudeln mit schwarzer Soße isst.


Nun wünsche ich euch einen schönen Valentinstag und hoffe dass jeder von euch jemand hat der an ihn denkt und keiner am 14. April Nudeln mit schwarzer Soße essen muss.

 

(c)  Lore Platz  14.02.2016

 

 

Manchmal wünscht man sich einen Wunschbrunnen, besonders in der momentanen Lage, die unsere Welt belastet. Leider gibt es den nicht, oder doch, manchmal wenn man fest daran glaubt gehen Wünsche in Erfüllung

Viel Spaß beim Lesen!



                    




Der Wunschbrunnen



Wohlig streckte sich Isabella , der Hahn hatte sie geweckt, als er fröhlich die Sonne begrüßte. Die junge Frau sprang aus dem Bett und zog die Vorhänge zurück. Strahlender Sonnenschein beleuchtete die herrliche Landschaft und die Luft war so klar, dass man die Berge sehen konnte.

Drei Wochen Urlaub lagen vor ihr, die sie auch dringend nötig hatte. Sie arbeitete in einem Münchner Krankenhaus als Krankenschwester und die letzten Wochen waren sehr stressig.

Nach einer erfrischenden Dusche zog sie ihre Wanderkleidung an, denn gleich nach dem Frühstück ging es in die Berge.




Um die Mittagszeit hatte Isabella das Gipfelkreuz erreicht. Sie setzte sich ins Gras und packte das Lunchpaket aus, das sie von der Köchin der Pension mitbekommen hatte.

Gestärkt und zufrieden lehnte sie sich zurück und ließ ihren Blick umherschweifen. Für sie gab es keinen schöneren Ort, als die bayrischen Berge.

Bereits als Kind schon hatten sie und ihre Eltern jedes Jahr einen Wanderurlaub gemacht. Doch nun waren ihre Eltern nicht mehr bei ihr, vor drei Jahren hatte ein betrunkener Autofahrer ihnen die Vorfahrt genommen.

Ein Bussard kreiste hoch oben am Himmel, plötzlich stürzte er herab, er hatte wohl ein Beutetier entdeckt.

Isabella nahm ihren Rucksack und machte sich an den Abstieg.

Als sie an einer Almwiese, die übersät war mit bunten Blumen, vorbei kam, lief sie schnell hinüber. Sie würde sich einen schönen bunten Wiesenblumenstrauß für ihr Hotelzimmer pflücken.

Sie bückte sich, da rief eine Stimme. „Halt Derndel, lass des sein!“

Isabella schaute erstaunt zu der alten Frau , die wie aus dem Boden gewachsen plötzlich vor ihr stand.

„Warum stehen die unter Naturschutz?“

„ Na des net, aber wenn du die Blermerl abbrichst und dann ins Wasser stellst dann lebens nimmer lang. Hier auf der Wiesen aber hams ihre Füsserl in der warmen Erde , können sich dem Sonnenschein entgegen strecken und morgens die Tautropfen trinken und noch viele Wochen leben.“

Isabelle wurde etwas rot und lächelte verlegen. „Sie haben Recht, es war gedankenlos von mir.“

„Ist ja nix geschehn, ich bin übrigens die Anna, aber die meisten nennen mi des Kräuterweiberl.“

Sie zwickte die Augen zusammen und sah zum Himmel.

„Es wird glei regnen, kommers meine Hütte ist net weit.“

Isabella folgte ihr, denn sie wusste wie schnell in den Bergen das Wetter umschlug.

Als sie die Hütte erreichten, prasselten auch schon die ersten Regentropfen auf das Dach.

„Setzns erner hie, ich mach uns an Tee.“

Während die alte Frau am Herd hantierte, sah Isabella sich um. Quer durch das Zimmer war ein Seil gespannt und daran hingen Büschel mit Kräutern zum Trocknen. In der Ecke stand ein alter Tisch, der übersät war mit kleinen Gläschen und Töpfchen.

„ Des is mei Hexenküche. „ lachte die Alte und stellte eine Tasse Tee vor die junge Frau. „Wollns an Honig nei? Mei Nachbar is Imker, dös is woas feins, net sowas wos in der Stadt kaufer kenna.“

Eine Weile tranken sie schweigend ihren Tee.

„Sie han allo hier, hams denn kon Freund?“

„Ich arbeite als Krankenschwester und bei dem Schichtdienst und den vielen Überstunden, hat man keine Lust groß feiern zu gehen.“

„Schade, sie san so a hübsches Madel und sollten net aoschichtig (allein) herum laufen.“

Die alte Frau beugte sich vor.

„Ich weiß wie i ihnen helfer kann. Drom auf der Burg gibts an Wunschbrunnen.“

Isabella lachte herzlich.

Das Kräuterweiberl winkte ab.

„Ihr junger Leit ihr meint immer ihr wisst alles, doch es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde und früher san Wünsche no in Erfüllung ganga. Viele Gschichten san überliefert worden. Probiers doch , schaden kanns nicht“

Mehr um der Alten einen Gefallen zu tun, sagte Isabella: „Und wie komme ich zu diesem geheimnisvollen Brunnen?“

„ Also hör zur Derndl. Wennst den schmalen Weg neben der Burg entlang gehst, kumst noch a Zeit zu einer mächtigen Eiche, de konnst gar net übersehen, so groß und alt is de. Die bewacht nämlich den Brunnen.“ Die Alte nimmt einen Schluck Tee aus ihrer Tasse.

„ Und dann steckst die Hand ins Wasser des Brunnens, schließt die Augen und sagst ihm ganz leise deinen Wunsch.“

Die junge Frau erhob sich und streckte Anna die Hand hin.

„Es hat zu regnen aufgehört , ich muss zurück, sonst schaffe ich den Abstieg nicht bevor es dunkel wird. Vielen Dank für den Tee.“

Die Alte hob beschwörend den Zeigefinger. „ Denkens an den Brunnen.


Wieder sind einige Tage vergangen, in denen Isabella die Gegend erkundet hatte und eines Tages stand sie vor der zerfallenen Burg und der Wunschbrunnen fiel ihr wieder. Sie schmunzelte, wenn sie schon hier war, warum sollte sie nicht das Wunderwerk besuchen.

Noch immer schmunzelnd ging sie den schmalen Weg entlang und sah schon von Ferne die Eiche.

Der Brunnen sah eigentlich ganz gewöhnlich aus, kein bisschen geheimnisvoll.

Übermütig steckte sie die Hand ins Wasser, schloss die Augen und murmelte:

„Ich wünsche mir nicht mehr so allein zu sein.“

Mit schnellen Schritten verließ sie den Ort. So ein Unsinn!


Die letzte Woche ihres Urlaubs war angebrochen und wieder war Isabella unterwegs auf einer ihren Wanderrouten.

Sie saß auf einer Anhöhe und genoss den herrliche Ausblick. Unten lag ein Bauernhof, einer dieser Einödhöfe wie es viele hier gab.

Ein kleines Mädchen tollte übermütig mit ihrem Hund umher.

Lächelnd sah sie dem fröhlichem Spiel zu. Plötzlich stürzte das Mädchen, schrie und dann war Stille.

Erschrocken sprang Isabella auf, packte ihren Rucksack und jagte in langen Sprüngen hinunter auf den Hof.

Sie beugte sich über das bewusstlose Mädchen, auf deren Stirn eine klaffende Wunde zu sehen war.

Vorsichtig untersuchte sie die Verwundete und stellte erleichtert fest, dass sie außer der Stirnwunde keine weiteren Verletzungen hatte.

Die Kleine öffnete die Augen. „Wer bist du? Oooohhh mein Kopf tut mir so weh.“

„Das kommt von dem Sturz, vielleicht hast du eine kleine Gehirnerschütterung. Du musst jetzt ganz tapfer, ich werde dich jetzt aufheben, das könnte ein bisschen weh tun.

Mit ihrer Last betrat Isabella den Hausflur. Eine alte Frau kam ihnen entgegen und schlug die Hände über dem Kopf zusammen.

„Jessas, Maria und Josef, woas is bassiert!“

„Zeigen sie mir das Zimmer des Kindes und rufen sie den Arzt!“

befahl Isabella.

Vorsichtig legte sie das Mädchen auf das Bett, holte ihr Notfallset aus dem Rucksack und verarztete die Wunde.

„Bist du eine Ärztin?“ „Nein Krankenschwester. Wie heißt du?“

„Isabella.“Das ist ein schöner Name, ich bin das Roserl, und das ist unsere Martha,“ deutete das Mädchen auf die alte Frau, die gerade hereinkam.

„Der Doktor kommt gleich und den Bauern habe ich auch gleich verständigt.

Da ging auch schon die Tür auf und ein großer gutaussehender Mann ging mit langen Schritten auf das Bett des kleinen Mädchen zu.

Isabellas Herz klopfte, als sie sah wie der große Mann sich über sein Kind beugte und ihm liebevoll über das Haar strich.

„Roserl was machst du nur für Sachen.“

„Bin hingefallen, aber meine neue Freundin, die Isabella hat mich herein getragen und verbunden, und jetzt ist alles wieder gut.“

Jetzt erst bemerkte der junge Bauer die fremde Frau im Zimmer.

„Entschuldigen sie bitte meine schlechten Manieren, Ich bin der Jakob Hauseder, der Vater dieser manchmal recht anstrengenden Tochter. Vielen Dank, dass sie ihr zu Hilfe eilten.“

„ Mein Name ist Isabella Werdenfels und ich habe gerade auf der Anhöhe oben eine kleine Pause gemacht als ich das Roserl stürzen sah.“

„ Ja und sie hat mich herein getragen und mich ins Bett gebracht und meine Wunde verbunden und ich war ganz tapfer und habe nicht geschrien, als sie das Zeug drauf spritze, das so arg gebrannt hat.“

„Na kleiner Zeisig, du kannst ja schon wieder zwitschern, da hätte ich ja gar nicht den weiten Weg herauf kommen müssen,“ brummte eine tiefe Stimme von der Tür her.

Roserl winkte ab. „Du kannst auch gleich wieder gehen, Onkel Pankratz, meine Freundin Isabella ist nämlich Krankenschwester und hat meine Wunde schon verbunden. Und das Hirn, das ein bisschen schüttelt, das macht sie auch wieder gesund.“

Schallendes Gelächter erfüllte den Raum und die Kleine sah erstaunt von einem zum anderen.

„Ich habe den Verdacht auf eine leichte Gehirnerschütterung, das sollten sie sich ansehen, Herr Doktor, erklärte Isabella noch immer lachend.

„Tja Roserl,“ meinte der Arzt nachdem er das Kind gründlich untersucht hatte. „Deine Freundin hat Recht, du hast ein leichte Gehirnerschütterung und musst ein paar Tage liegen bleiben.“

Roserl verzog schmollend den Mund.

Auch ihr Vater sah besorgt aus. „Wie soll das gehen, wir sind mitten in der Ernte und die Martha ist zu alt für das lebhafte Kind.“

„Darf ich einen Vorschlag machen?“ meldete sich Isabella. „ Ich habe noch eine Woche Urlaub. Ich könnte jeden Morgen hier herauf wandern und mich um die kleine Patientin kümmern.“

„Juchhu!“ jubelte Rosa.

„Das ist eine gute Idee, meinte auch Pankratz und Jakob sah die junge Frau mit leuchtenden Augen an.

Isabella errötete.

Als dann am Sonntag Isabella wieder nach München zurückfuhr, tat sie das nur, um in der Klinik zu kündigen.

Denn im Oktober gab es im Dorf eine zünftige Bauernhochzeit und Roserl, die Blumen streuen durfte, sah in ihrem süßen Dirndl zauberhaft aus.

An der Kirchentür aber stand das Kräuterweiberl und zwinkerte Isabella zu, diese zwinkert zurück.

Ja die Zeiten, da Wünsche erfüllt wurden gab es immer noch.



© Lore Platz 2020

 

 

 








 

Samstag, 7. Dezember 2024

Türchen 7 Fritz und Elfie treffen den Nikolaus Teil 2

 

 


 

 Schlittenfahrt


Hurtig trabt der weiße Schimmel

Fröhlich seine Glöckchen bimmeln

Eingehüllt in warme Decken

Kann die Kälte uns nicht schrecken.

Große Flocken, weiße Pracht

Winter, wie hast die Welt du schön gemacht

Rote Bäckchen, blanke Augen, stimmen froh ein 

Lied wir an

Selbst der Kutscher brummt ganz leise, obwohl er 

doch nicht singen kann

Ein Hirsch edel und stolz

Kommt aus dem Unterholz

Regungslos bleibt er jetzt stehen

Überrascht uns hier zu sehen

Weiter geht’ s, das Ziel erreicht

Gesichert ist der Schlitten, das Pferd versorgt

Schnell nun aber hinein, in den wärmenden Hort

Weihrauchduft und brennende Kerzen

Empfängt uns, erreicht unsere Herzen

Jubelnd vom Chor nun die Orgel erklingt

Alle erheben sich, vom Blatt man singt

Die schönen Weihnachtslieder, die lobpreisen die 

Mutter und ihr neugeborenes Kind

Nur für Josef kein einziges Wort man find'

Der Priester spricht den Segen, wir dürfen hinaus

Wünschen allen frohe Weihnacht und fahren nach 

Haus

Hurtig trabt der weiße Schimmel

Fröhlich seine Glöckchen klingen


© Lore Platz 2014

 

 

 


 


 

Die Kinder folgten dem gütigen Mann nach draußen und jubelten, als sie den prächtigen Schlitten sahen.

Dürfen wir damit fahren? “ „Steigt nur ein!“ lachte Nikolaus und dann ging´s los.

Die Kinder jauchzten, doch als der Schlitten in den Hof einbog wurden sie ganz still.

Aufmunternd lächelte der Bischof ihnen zu.

Aus dem Haus kamen der Bauer und die Bäuerin und von überall das Gesinde.

Als der feine Herr nun mit den Kindern an der Hand auf sie zukam verbeugte sich der Bauer so tief, dass seine Nasenspitze fast den Boden berührte und sein Gesicht  eine rote Farbe annahm.
 

Seine Frau knickste und zwitscherte überfreundlich:“Welche Ehre darf ich sie ins Haus bitten.“ 
Da entdeckte sie die Kinder und wedelte mit beiden Händen. 
„Verschwindet ihr Bettelpack, belästigt den feinen Herrn net.“
 

Der feine Herr aber beachtete sie nicht und forderte die Kinder auf sie zur Großmutter zu bringen. 
Als er das zerfallene Häuschen betrat sah er sich um  und sein  Gesicht wurde sehr ernst. 
 

Doch als er die alte Frau auf dem Sofa sah, die sich bemühte aufzustehen wurde sein Blick  milde 

„Bleiben sie sitzen,Großmütterlein, ihre Enkel und ich laden sie zu einem Weihnachtsessen ein.“ 
 

Dann wendete er sich zu den Kindern, „helft der Oma beim packen, hier könnt ihr nicht bleiben und nehmt nur eure persönlichen Dinge mit, ich schicke euch meinen Kutscher, er kann euch helfen. 
Ich muss noch etwas erledigen.“ 
 

Als er das Haus verließ standen Gewitterwolken auf seiner Stirn. 
 

Mit schnellen Schritten ging er auf den Bauern zu und baute sich vor ihm auf. 
 

„Der Hias war Knecht bei ihnen und hat sein Leben verloren, als er ihres gerettet hat und statt sich aus Dankbarkeit um seine Mutter und seine Kinder zu kümmern steckt ihr sie in dieses kalte baufällige Rattenloch!“ 

Suchend sah er sich um.  „Martin, Mirl. Bärbel kommt."

Verlegen traten die drei zum Bischof. Dieser drückte jedem herzlich die Hand. 
 

„Ohne euch hätten meine drei Schützlinge diesen Winter vielleicht nicht überlebt.
 Nun packt eure Sachen und kommt mit uns.“
 

In diesem Moment kam die Oma am Arm des Kutschers und beiden Kinder, diese sprangen in den Schlitten und der Kutscher half der alten Frau, dann breitete er die warme Felldecke über die drei. 
 

Fritz entdeckte als erster Martin, Mirl und Bärbel. „Kommt ihr auch mit uns“ „i denk scho,“ brummte Martin. 
 

Nikolaus, der bereits neben dem Kutscher saß lachte  fröhlich . “Draußen vor dem Hof steht ein Schlitten für euch und euer Gepäck.“ 
 

Mit klingelnden Glöckchen fuhren die beiden Schlitten durch die herrliche schneeweiße Landschaft, dann geht´s einen steilen Berg hinauf und vor einem großen Anwesen blieben sie stehen. 

Martin, der als erster aus dem Schlitten gesprungen ist schaute sich staunend um und rief.
“Das ist doch der Einödhof vom Mooshamer, der vor kurzem gestorben ist ohne einen Erben zu hinterlassen.“
 

„Doch ein Erbe ist schon gefunden, wir mussten es nur aus gewissen Gründen geheim halten und ihr seid heute seine Gäste.“ lachte der Bürgermeister, der aus dem Haus  gekommen ist , um die Gäste zu begrüßen. 
 

Bald saßen sie alle an dem reich gedeckten  Tisch und schmatzen und lachten.
 

Als alle satt waren bat der Bürgermeister  sie in die gute Stube und nachdem jeder einen Platz gefunden hatte, begann er zu erklären:
 

„ Der Mooshamer war ein Sonderling, der mit den Dörflern, da unten nix zu tun haben wollte und jeder dachte er hätte keinen Erben.
 

Vor zwei Jahren hat er sein Testament gemacht und es versiegelt bei mir hinterlegt.
 

Als er dann verstarb und ich es öffnete, staunte ich nicht schlecht und wusste sofort, dass ich es unbedingt geheim halten musste.“
 

„Ja, aber warum?“ wollte Fritz wissen, „weil der Mooshamer der Großonkel deines Vaters war und den Hias zum Erben eingesetzt hat und da euer Vater vor einem Jahr verunglückt ist, seid ihr jetzt die Erben.
 

Stellt euch vor der Hartleitner Ludwig hätte das erfahren, der wäre doch gleich in die Stadt aufs Gericht und hätte sich für die Vormundschaft gemeldet und hätte sie auch bekommen, weil er sich ja so liebevoll euer angenommen hat nach dem Tod eures Vaters.
Deshalb habe ich verbreitet, dass nach dem Erben noch gesucht  wird und mit meinem Freund Nikolaus eure Entführung hierher geplant.“
 

„Ja und uns hast ja gleich mit entführt“, brummte Martin.
Der Bürgermeister grinste und schaute die drei, die auf dem Sofa saßen und mit großen Augen zugehört hatten verschmitzt an.
„Weil ihr hier gebraucht werdet.  

Du Martin bist bereits als Vormund für die Kinder gerichtlich eingetragen und wirst außerdem den Hof verwalten und Fritz beibringen was ein Bauer alles wissen muss und deine Frau wird der Ellii alles beibringen.
Dafür erhält jeder von euch ein ordentliches Gehalt sowie lebenslanges Wohnrecht.“
 

„Aber ich habe doch keine Frau!“  
„So wie du und die Mirl streiten hast du sie schon gefunden.“
 

„Ja und bevor wir gehen bekommt ihr meinen kirchlichen Segen und der Johann trägt es dann im Standesamt ein .“
 

Der Bürgermeister aber wandte sich an Bärbel.
„Du wirst hier die Hauserin und Köchin, mit einem großzügigen Gehalt und lebenslangem Wohnrecht. 

Elfie klatschte in die Hände „ Wir leben hier alle wie eine große Familie zusammen, das wird schön.“
 

Und was ist meine Aufgabe, „ fragte die Oma.
Die Kinder fielen ihr um den Hals und riefen.
„Du musst dir nur gefallen lassen, dass du von früh bis spät verhätschelt wirst!“

 

© Lore Platz  Juni 2024


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