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Freitag, 28. November 2025

Respekt



 (c)LP





Vor einigen Tagen saß ich auf der Terasse und habe gelesen.

Es war abends gegen vier Uhr und die Nachbarsfamilie kam von der Arbeit, setzte sich auf die Terrasse unterhielt sich und ab und lachten sie, was mir auch ein Lächeln entlockte.
Da kam der alte Mann, der über mir wohnte auf seinen Balkon und brüllte. "Ruhe ich will schlafen!"
Die junge Tochter meiner Nachbarn meinte: "Dann gehen sie ins Altersheim!"
Im ersten Moment war ich schockiert, denn wir wurden noch zu Respekt vor älteren Leuten erzogen und so eine Antwort hätte mir wohl eine Ohrfeige meines Vaters eingetragen.
Doch dann ging mir durch den Kopf:
'Wieso soll man zu älteren Leuten immer höflich und respektvoll sein wenn sie es gar nicht verdienen.'
Respekt ist etwas, was man nicht geschenkt bekommt, sondern Respekt muss man sich verdienen.
Und dieses Rentnerpaar über uns schikaniert alle Mieter hier im Haus, mein Mann nannte sie immer unsere 'Blockwarts'.
Uns ließen sie ja in Ruhe, nachdem ihnen mein Mann mal ordentlich die Meinung gesagt hatte und die anderen Mieter belächeln sie nur.
Ich bin ja auch ein älteres Semester, aber mich mögen die Leute im Haus und Kinder und Jugendliche haben es mir gegenüber noch nie an Respekt fehlen lassen.
Vielleicht liegt es auch daran weil auch ich ihnen mit Respekt begegne?

(c) Lore Platz  2015


 
Carl Spitzweg

 
Das Generationsverhalten


Wenn wir nach dem Alter gefragt,
dann sind wir jung – aber hoch betagt,
die Jungen sagen, die Alten spinnen,
unsere Lebensfreude kommt ja von innen.

Was früher war zählt heute nicht mehr,
für alles muss heute was Neues her,
wir alten sagen, es ist eine verrückte Welt,
die Jungen verstehen nicht, was uns nicht gefällt.

Wir wollen unseren Tagesablauf gedanklich gestalten,
bei den Jungen ist es anders als bei uns Alten,
ich stelle es, man verzeihe mir, übertrieben dar,
vielleicht ist das Eine oder Andere auch wahr.

Was macht der Wecker morgens für einen Krach,
die Jungen werden trotzdem nicht wach,
unterm Kissen macht das Handy Alarm,
es wird Zeit und es drückt der Darm.

Zum Frühstück stehen oder sitzen sie separat,
während zischt und blubbert der Vollautomat,
der Blick auf das Display ganz besessen,
sie haben wieder mal die Reinigung vergessen.

Zum Glück wird eine Tasse voll geschenkt,
nun schnell, die Zeit drängt,
das Iphone gibt schon wieder ein Signal,
da müssen sie schauen, sie haben keine Wahl.

Aber noch schnell zum Computer rüber,
Morgens bleib keine Zeit über,
noch an die E-mails schnell ran,
dann zur Arbeit ist der Gang.

Dort gibt es Stress mit Citymobbimg,
andere sind Online Shopping,
jeder zeigt so seinen Willen,
und sie drängen abends wieder mal zu Grillen.

Wie ist das nun bei uns Alten,
den Tagesablauf wollen wir ruhig gestalten,
wir setzen uns täglich zur gleichen Stunde,
gemütlich in die Frühstücksrunde.

Früher wurden wir auch früh geweckt,
das Frühstück hat uns gut geschmeckt,
wir waren ruhig und besonnen,
haben den Arbeitstag frisch begonnen.

Wir hatten immer die Thermoskanne dabei,
belegtes Brot mit Salat und Ei,
von Smartphone wurden wir nicht abgelenkt,
und wussten auch wo der Hammer hängt.

Den Feierabend taten wir Alten,
immer noch sehr sinnvoll gestalten,
ohne Computer, nicht auf Facebook gepostet,
wir haben nur mit einem Bierchen geprostet.

Wir stellten uns damals in Briefen vor,
das nennen sie uns schon Antiqua,
wir gaben uns Mühe in Schrift und Form
die Rechtschreibung heute, ist enorm.

Mit dem heute verwendeten Begrifflichkeiten,
kommen wir schon echt in Schwierigkeiten,
ein E-Book-Reader mit Touchscreen Funktion,
war früher ein Buch, aber wer glaubt das schon.

Ein Fernseher hatte im Bild auch mal Schnee,
heute haben sie HDTV und Full HD,
wir kennen weder gif noch SAP oder zippen,
wir lernten noch auf der Schreibmaschine das Tippen.

In der Ehe ging man früher durch dick und dünn
wenn es schwierig wird, schmeißt man heute alles hin,
Zwei oder drei Hunde, das ist modern,
sind wir noch normal, oder auf einem anderen Stern?

Wir wollen heute unsere Ruhe genießen,
und mit Jedem unseren Frieden schließen,
wir arbeiteten ruhig und mit bedacht,
die Jugend heute oft nur darüber lacht.

Die Nachtigall mein seit vielen Jahren verstobener Internetfreund





 

Mittwoch, 21. Mai 2025

Glück

 

21.05.2025
                         

In jeder meiner Geschichten steckt ein wahrer Kern, entweder habe ich etwas gelesen, oder da ich ein guter Zuhörer bin vertrauen mir viele Menschen ihr Schicksal an. Ich spinne den Faden weiter und versuche das erlebte zu einem guten Ende zu führen, um aufzuzeigen, dass man egal wieviel Kummer das Leben uns bereitete, man doch mit Mut, Liebe und Vertrauen alles bezwingen kann.

Dieser Geschichte liegt ein Artikel über die griechische Sängerin Maria Callas und dem griechischen Millionär Aristoteles Onassis zugrunde.


 

 


 2014

 

Mein Freund, die Nachtigall, hat mir wieder eines seiner schönen Gedichte geschickt.
Es handelt von dem kleinen Glück.
Ich habe mir darüber einmal so meine Gedanken gemacht.
 

Pearl S. Buck eine Frau, die ich sehr bewunderte und deren Bücher ich gerne las, sagte einmal:

"Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten"

Und wenn ich so zurück denke und an die vielen Menschen, denen ich so im Laufe meines Lebens begegnet bin, dann waren etliche dabei die am Glück vorbei lebten.
Die meisten ihrer Sätze begannen: " wenn doch ... dann wäre alle besser.
In dem Forum bei dem ich dabei bin. höre ich oft von Kinderarmut, Rentnerarmut und wie schlecht es uns Deutschen doch geht.
Wo aber beginnt Armut?
Ich kann alles haben und doch arm sein, wenn ich die innere Zufriedenheit nicht habe.
Vielleicht errinnert ihr euch an die Geschichte über meine Patentante, eine wirklich arme Frau aber so bescheiden, liebevoll, fröhlich und vor allem zufrieden.
In der Erzählung nur "Nur ein Päckchen Kaffee" habe ich ihr ein Denkmal gesetzt.   

 

 


Es ist so leicht glücklich zu sein und auch andere glücklich zu machen.

Ich versuche  mit meinen Geschichten ein wenig Glück in euren Alltag zu bringen und hoffe, dass es mir gelingt.





 
 
 
Glück im Alltag

Ein Sonnenstrahl am Morgen,
oder ein Licht in dunkler Nacht,
vertreibt alle Sorgen,
und das Leben schöner macht.

Ein Kind das herzlich lacht,
und lachen steckt uns an,
ob am Tag oder in der Nacht,
wie glücklich sind wir dann.

Nachts ein sternenklarer Himmel,
ein Farbklecks an der Wand,
ein liebes Glockengebimmel,
ein Blümchen am Straßenrand.

In der Nacht ganz ruhig schlafen,
und ein schöner Traum,
lieblich im Ehehafen,
ein blühender Fliederbaum.

Kein Geld kann es ersetzen,
ist der Reichtum noch so groß,
wenn in der Ehe fliegen Fetzen,
dann ist alles Glückslos.

Gesund und glücklich leben,
ist doch oberstes Gebot,
von Zufriedenheit umgeben,
lindert alles, auch die Not.

Des Glückes holdes Wesen,
kein Gold bringt es zurück,
wie wichtig ist doch im Leben,
des Alltags kleines Glück.

Die Nachtigall

 

Die Perlen des Herzogs



Der Zirkus Bellandini gastierte in H.

In einem der bunt bemalten Wohnwägen saß eine alte Dame vor dem Schminktisch und sah traurig in den Spiegel.

Das Leben hatte viele Falten in das einst schöne Gesicht gegraben.

Carmelita di Pavlio, unter diesem Künstlernamen sang sie auf den größten Bühnen der Welt. Von den Kritikern hochgejubelt, vom Publikum geliebt und von den Männern begehrt.

Doch ihr Herz gehörte nur einem, Archibald! 

Mit seinem jungenhaften Charme hatte sich der englische Adelige in ihr Herz gestohlen und es im Sturm erobert.

Es machte ihm nicht aus, dass sie fünf Jahre älter war. Auf all ihren Reisen begleitet er sie, war immer für sie da und der ruhende Pol in ihrem hektischen Leben.

Einen Moment schloss die alte Dame träumend die Augen und ließ noch einmal die unbeschwerte glückliche Zeit Revue passieren.

Doch Fortuna ist neidisch und kein Glück dauert ewig.

Der Vater von Archibald starb und er musste zurück nach England und die Frau heiraten, die ihm seine Familie ausgesucht hatte. 

Es war undenkbar, dass er als Herzog eine Künstlerin heiratete.

Es war hier in H., als sie für immer Abschied genommen hatten. Archie hatte ihr ein rotes Etui mit einer wunderschönen Perlenkette überreicht, damit sie ihn niemals vergaß.

Als ob das nötig gewesen wäre.

Vor einigen Jahren war er gestorben.

Die alte Dame öffnete eine Schublade an ihrem Tischen und zog ein rotes Etui heraus.

Zärtlich fuhr sie mit den Fingern die Perlen entlang.

Perlen bedeuten Tränen. Für jede einzelne dieser Perlen hatte sie hundert Tränen vergossen.

Sie stürzte sich in die Arbeit und die Kritiker überschlugen sich vor Begeisterung, denn ihr Gesang war noch besser, noch gefühlvoller geworden und niemand ahnte den großen Schmerz, der hinter all diesen Tönen lag.

Doch eines Tages brach ihre Stimme und sie musste die Bühne verlassen.

Zuerst musste sie ihre wunderschöne Villa verkaufen, dann ihren Schmuck.

Doch von der Perlenkette konnte sie sich nicht trennen.

Schließlich landete sie in einer kleinen schäbigen Pension und fürchtete sich jeden Tag davor, dass ihre Ersparnisse zur Neige gingen.

Und dann war sie dem Zirkusdirektor Martinsen begegnet. Er hatte sie sofort erkannt und ihr eine Stelle an der Kasse angeboten.

Viele Jahre reiste sie nun schon mit dem Zirkus durchs Land und sie waren wie eine kleine Familie.

Doch Direktor Martinsen starb vor einigen Monaten und sein arroganter Sohn übernahm die Leitung und heute hatte er sie in den Bürowagen bestellt und erklärt, dass ab sofort seine Freundin an der Kasse sitzen würde.

Außerdem wäre er nicht so dumm wie sein Vater und würde nutzlose alte Leute mit durchfüttern.

Sie solle sich eine andere Bleibe suchen, denn wenn der Zirkus weiterzöge, würde sie nicht mitkommen.

Die alte Dame seufzte, dann steckte sie das Etui in ihre Handtasche und stand auf.

Gerade als sie ihren Mantel anzog, öffnete sich die Tür und die alte Lissy, die beiden Clowns Pippo und Peppo und der alte Sam, der seit einem Unfall auf dem Trapez hinkte, drängten sich herein.

Als die alte Dame Lissys verweintes Gesicht sah, fragte sie nur:

Ihr auch?“

Schweigend nickten die Vier.

Dann polterte Pippo wütend: „Unsere Späße seien veraltet, niemand könne darüber noch lachen. Und er will den Zirkus verjüngen und wir Alten sollen verschwinden.

Lissy schluchzte laut auf. „Ich habe doch niemanden, wohin soll ich?“

Die alte Dame nahm sie liebevoll in die Arme. „Wir sind deine Familie.“

Fragend sah sie die drei Männer an und diese nickten und bestätigten.

Wir bleiben zusammen!“

Siehst du, du kleiner Angsthase, nun hast du eine Schwester und drei Brüder. Wir werden uns eine Wohnung suchen und unsere kleinen Renten zusammen schmeißen. Dann können wir wunderbar leben. 

Aber nun muss ich noch etwas erledigen. Wartet doch hier auf mich, ich bin bald zurück.“

Kurze Zeit später stand sie vor dem Juweliergeschäft, in dem Archie damals die Perlen für sie gekauft hatte.

Wenig später kam sie mit einem Scheck in der Tasche aus dem Geschäft, dessen Höhe sie noch immer erbleichen ließ.

Diesmal leistete sie sich ein Taxi zurück in den Zirkus.

Wie staunten und strahlten ihre Freunde, als sie ihnen den Scheck zeigte und ihnen erklärte, dass sie für sich und ihre kleine Familie ein Haus kaufen wollte und gleich darauf machten sie sich auf den Weg zu einem Makler.

Es dauerte auch nicht lange bis sie ein passendes kleines Häuschen mit fünf Zimmern und einer großen Wohnküche und einem schönen Garten gefunden hatten.

Sie bekamen es sogar ziemlich günstig, da es schon lange leer stand und die Renovierungsarbeiten wollten sie selber machen.

So blieb noch eine schöne Summe über als Notgroschen.


Ein Jahr war vergangen.

Es war eine laue Sommernacht.

Auf der Terrasse saß Lissy deren Stricknadeln lustig klapperten. Zu ihren Füßen lag der Kater Merlin.

Pippo, Peppo und Sam spielten Karten und die alte Dame trat eben aus der Tür und ging die kleinen Stufen hinunter in den Garten.

Auf der Bank unter der Ulme setzte sie sich und sah hinauf in den Sternenhimmel.

Nun hast du wieder einmal für mich gesorgt Archibald. Dein großzügiges Geschenk hat uns allen einen ruhigen Lebensabend beschert.

Einige Jahre muss ich noch hier bleiben, denn meine Freunde brauchen mich, doch dann komme ich zu dir und keine Macht der Welt wird uns wieder trennen können!“

Sie schüttelte den Kopf und blinzelte verwirrt.

Es war ihr, als hätte einer der Sterne geblinkt, doch als sie wieder nach oben sah, zogen die Sterne gleichmäßig ihre Bahn.

Lächelnd stand sie auf. Das war wohl eine Sinnestäuschung.

Wer weiß!



© Lore Platz 2014


 














Dienstag, 20. Mai 2025

Die Sonne und ihre Wirkung auf uns

20.05.2025

Bisher hat uns der Wonnemonat Mai nocht nicht mit viel Sonne verwöhnt. 

 

 Zitat des Tages

Was die Sonne für die Blumen ist, ist das Lächeln für die Menschheit. Das sind zwar nur Kleinigkeiten, aber über den Lebensweg verstreut, ist das Gute, das sie bewirken, unvorstellbar.
Joseph Addison


 


Mai 2017






Ist es nicht wunderschön, endlich ist der Himmel so weißblau wie er in Bayern sein soll. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht aber wenn die Sonne scheint, dann fühle ich mich beschwingt und erwische mich dabei, wie ich  fröhlich  mit den Vögeln um die Wette trällere.
Doch woher kommt es, dass die Sonne uns so beflügelt? 
Schuld daran ist ein kleines Organ im Gehirn, die Zirbeldrüse.
Sie steuert die Hormonproduktion, die über unsere Stimmung entscheidet.
Ist es grau in grau, dann überwiegt das Hormon Melatonin, das zu dem berühmten Winterblues führen kann.
Doch Sonnenschein entzündet einen wahren Freudentaumel und  das Gute Laune Hormon Serotonin gewinnt die Oberhand.
Kein Wunder, dass die Südländer immer so gut gelaunt sind. (zwinkern) 
Nun genießt die Sonne solange sie scheint.



Bleibe nicht am Boden heften,

Johann Wolfgang von Goethe
 

(1749 - 1832),



15.Jan. 2021

Trennung, Gemurmel, spürbar, überflüssig, wahrnehmen



Reichtum:  Fluch oder Segen ?


Diese Geschichte kann in jedem Land spielen, in dem die Schere zwischen arm und reich sehr groß ist.
Leise betrat die Dame die Kirche setzte sich ganz vorne in die erste Bank. Sie war nicht mehr ganz jung, denn durch ihr volles kastanienbraunes Haar zogen sich schon einige graue Strähnen.
Obwohl sie den Zenit ihres Lebens bereits überschritten hatte war ihr Gesicht faltenlos. Die elegante Kleidung und die kostbaren Ringe an ihren gepflegten Hände ließen auf Reichtum schließen.
Doch ihre Augen, die durch die Kirche wanderten, waren traurig.
Ein alter weißhaariger Mann kam aus der Sakristei und  direkt auf sie zu.
“Darf ich mich zu ihnen setzen?“
Die Dame sah in die gütigen blauen Augen und nickte.
Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander. „Wollen sie mir nicht anvertrauen, was sie bedrückt? Manchmal tut es gut, wenn man sich seinen Kummer von der Seele redet.“
Ludwina, die schon lange das Vertrauen zu den Menschen verloren hatte, schüttete diesem freundlichen alten Mann ihr Herz aus. Erzählte ihm von ihrer einsamen Kindheit reicher Eltern, die ihr zwar alles schenkten was sie wollte, Dinge die oft überflüssig waren. Doch niemals hatten  sie Zeit für sie. Als sie schulpflichtig wurde schickten ihre Eltern sie in ein teures Internat und nach dem Abitur wurde sie in die Gesellschaft eingeführt. Ausgehungert nach Liebe wie sie war, fiel sie auf den ersten Heiratsschwindler herein. Nach der Trennung begann sie zu reisen und stürzte sich in das oberflächliche Gesellschaftsleben.Und nun saß sie hier und dachte über ihr leeres verpfuschtes Leben nach. Und sie hatte festgestellt, dass Reichtum ein Fluch ist.
Der alte Mann schüttelte lächelnd den Kopf. „Niemand kann bestimmen in welche Verhältnisse er hineingeboren wird.
Aber wir alle können bestimmen welchen Weg wir gehen. Reichtum kann auch ein Segen sein. Kommt mit!“
Er nahm sie an der Hand und führte sie aus der Kirche, vorbei an den wunderschönen Hotels und Anlagen, die für die Touristen gebaut sind. Je weiter sie gingen umso grauer wurden die Häuser bis sie eine Gasse betraten und Ludwina unwillkürlich stehen blieb. Was sie sah kam ihr vor wie der Vorhof zur Hölle. „Wo sind wir hier?“ flüsterte sie.
„Das ist das Elendsviertel, gut versteckt vor den Touristen. Ein Schandfleck des Ortes. Wie viel Segen könnten sie hier mit ein wenig Geld schon bringen.“
Erschüttert sah die Dame sich um. Not und Elend waren hier spürbar und der entsetzliche Geruch, den sie wahrnahm, raubte ihr fast den Atem
Nun hatten die Kinder die schöne reiche Dame entdeckt. Mit ausgestreckten Händen kamen sie bittend auf sie zu. Das Gemurmel wurde immer lauter und Ludwinda stieß einen Schrei aus.
Eine Hand rüttelte an ihrer Schulter. „Entschuldigen sie, ich wollte sie nicht erschrecken, aber sie sind eingeschlafen und gleich beginnt die Messe.“
Verwirrt sah die Dame den jungen Priester, der vor ihr stand, an. “Wo ist der alte weißhaarige Priester?“
„Ich bin der einzige Priester hier, mein Vorgänger hatte weiße Haare, aber er ist letztes Jahr verstorben.“
„Dann habe ich wohl geträumt,“ murmelte Ludwina.
„Oft schickt uns Gott Träume, um uns den Weg zu weisen.“
„Da haben sie wohl Recht!“ Die Augen der Dame blitzten, die Traurigkeit ist verschwunden. 
Sie öffnete ihre Tasche und holte das Scheckbuch heraus. Mit einem fröhlichem Lächeln füllte sie einen Scheck aus und drückte ihn dem jungen Mann in die Hand. „Kümmern sie sich um das Elendsviertel!“ Dann verließt  sie mit beschwingten Schritten die Kirche.


Zwei Kinder gingen mit langsamen müden Schritten den mit Bäumen gesäumten Weg entlang.
Das etwa vierjährige Mädchen jammerte.
 „Konrad , ist es noch weit, ich bin soooo müde und meine Füße tun mir weh.“
„Nein Veverl, siehst du da vorne ist schon das Haus zu sehen“
tröstete sie ihr zehnjähriger Bruder.
Die letzten Schritte mehr stolpernd als gehend erreichten sie die schöne weiße Villa.
Der Junge klingelt. Eine Frau mit kastanienbraunen Haaren, die von einigen grauen Strähnen durchzogen sind, öffnete die Tür, im Hintergrund war das fröhliche Lachen von Kindern zu hören. „Guten Tag, ist das hier das Haus Sonnenschein?“ fragte Konrad. Die Dame lächelte sie liebevoll an.
„Ja kommt herein, hier seid ihr richtig.“

Haus Sonnenschein, ist das erste Gebäude eines großen Projekts, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Not in der Welt, besonders die der Kinder, zu lindern.

© Lore Platz










Sonntag, 11. Mai 2025

Muttertag

Heute ist für uns Mütter ein Ehrentag und ich hoffe, dass eure Kinder diesen auch würdigen.
Zu verdanken haben wir diesen Tag der Amerikanerin Anna Maria Jarvis.
Am 12 Mai 1907 dem Sonntag nach dem 2. Todestag ihrer Mutter feierte diese ein Memorial Mother Day Meeting.
Im Jahr danach, wieder am zweiten Sonntag im Mai hat sie in ihrer Kirche allen Müttern eine Andacht gewidmet und ließ 500 weiße Nelken vor der Kirche verteilen.
Wie tief muss die Liebe zu ihrer Mutter gewesen sein.
Nun möchte ich euch zwei unterschiedliche Gedichte zu diesem Thema von meinem Freund "Die Nachtigall" vorstellen.
Sie zeigt wie verschieden die Kinderliebe sein kann.






Mutterliebe eines Kindes

Liebe Mama komm doch mal zu mir
Ich möchte dir was sagen
Mach des doch bequem dir
Und stelle keine Fragen

Einst hast du mich im Bauch getragen
Das war bestimmt sehr schwer
Doch niemals hörte man dich klagen
Ich wuchs in dir so sehr

Dann erblickte ich die Welt
Geschenkt hast du mir das Leben
Hast an deiner Brust mich getränkt
Und viel von dir gegeben

Mit Liebe hast du mich umsorgt
Beantwortest viele Fragen
Hast alle Wäsche mir besorgt
Dich hörte ich niemals klagen

Du besserst Kleidung aus, gabst mir zu Essen
Und kauftest für mich ein
Auch lehrtest du mir das Rechnen
Auch schimpfen musste manchmal sein

Bei Krankheit hast du mich umsorgt
Mit deiner ganzen Kraft
Hast dich viel wegen mir gesorgt
Und hast doch alles geschafft

Ich will dir nur was sagen
Was ich viel zu wenig tu
Der beste Mensch in meinen Lebenstagen
Bist ganz allein nur DU


Die Nachtigall




Mütterlein


Viele Kinder sind ja so galant
Gehen ihrer Mutter stets zur Hand
Wenn die dann alt und jamern tut
Finden viele es gar nicht gut

Dann schreien sie auf, liebe Mütterlein
Lass doch das Jammern sein
Wir Kinder müssen uns ja schämen
Hast du denn kein Benehmen

Lässt uns einfach den Abwasch stehen
Dann willst du zu deiner Freundin gehen
Was denkst du dir dabei
Sind wir dir ganz einerlei

Weißt du denn nicht liebe Mama
Wir haben doch auch ein Baby
Du musst dich schon nach uns richten
Das sind doch deine Omapflichten

Du willst nur deine Ruh`
Was sagt man denn dazu
Immer willst du auf Reisen gehen
Das können wir nicht verstehen

Und noch eins liebes Mütterlein
Du willst nicht mehr so fleißig sein
Willst nicht aufstehen am frühen Morgen
Und unsere Kinder dann versorgen

Wie du weißt haben wir viele Schulden
Darum musst du uns einfach dulden
Für die Miete ist das Geld zu knapp
Nun finde dich einfach damit ab

Du meinst die Wohnung ist zu klein
Und möchtest gern alleine sein
Ach Mutti, das ist wirklich nicht fein
Wir besuchen dich auch im Altersheim

Liebe Kinder ihr solltet eins bedenken
Das Leben tat ich euch schenken
Habe euch groß gezogen und lernen lassen
Und nun fängt ihr an mich zu hassen 


Die Nachtigall
 

(c) Irmi Brüggemann


 

 Von meinem Badezimmerfenster kann ich den Fliederbaum in Nachbarsgarten bewundern und dann muss ich daran denken wie sehr meine Mutter den Flieder liebte.
Und wie ich immer bemüht war diese wunderbar duftenden Blüten zu besorgen, um ihr am Muttertag eine Freude zu machen.
Das war gar nicht so leicht, wenn man in einer Mietwohnung ohne eigenen Garten lebt.
Zum Glück war jeden Tag ja die Maiandacht und ich hatte deshalb eine Ausrede noch abends die Wohnung zu verlassen.
Zusammen mit meiner besten Freundin spazierten wir am Abend vor Muttertag durch den Ort, die Kirche bekam uns heute nicht zu sehen.
Wir nahmen auch den Nachbarsjungen mit, der gut zwei Köpfe größer war als wir, und besser mit seinem Arm an die Bäume gelangen konnte.


Er war nicht sehr mitteilsam und stapfte schweigend neben uns her, doch wenn wir in einem Garten einen Fliederbaum entdeckten, dann streckte er seine langen Arme und schnitt einige der duftenden Äste ab.
Manchmal warnte uns auch ein Knurren und wir eilten schnell weiter bevor der Hund an den Zaun kam.
Zuhause gelang es mir dann mit dem Strauß ungesehen in mein Zimmer zu kommen.
Meine Mutter freute sich riesig als der Strauß in einer schönen Vase auf dem Tisch prangte und seinen Duft verbreitete.
Sie fragte nie woher er wohl kam, aber sie bedachte mich mit einem spitzbübischen Lächeln.

(c) Lore Platz  2017
 



Die böse Stiefmutter



Jutta blättert in dem Katalog und ruft begeistert:

Sieh mal Angie, dieses Wasserbett ist doch toll wäre das nichts für euch!“

Ihre Schwester verzieht das Gesicht und fragt dann misstrauisch, „Sag mal was habt ihr eigentlich für meinen Junggesellenabend geplant, doch nicht einen …?“  

Nein, nein, wird alles ganz brav wie es sich für meine ach so liebe brave Schwester schickt, die einen Witwer mit Kind heiratet.“ kichert Jutta.

Doch dann wird sie ernst als sie den Schatten auf dem Gesicht ihrer Schwester bemerkt,

Ach Jutta, ich habe so eine Angst,“ flüstert Angelika.

Aber warum, Harald liebt dich.“

Cilli aber mag mich nicht!“

Wie kann sie dich nicht mögen!“ ruft Jutta empört, du kannst es doch so gut mit Kindern, meine zwei lieben dich. Manchmal könnte ich richtig eifersüchtig werden, wenn es den ganzen Tag heißt,Tante Angie, hier, Tante Angie.“

Diese lässt den Kopf sinken.

Ich komme einfach nicht ran an das Mädchen. Sie sieht mich nur immer an und es kommt mir vor, als hätte sie Angst vor mir.“

Die Tür öffnet sich und zwei Kinder stürmen herein und werfen sich ihrer geliebten Tante in die Arme.

Liebevoll betrachtet Angie ihren zehnjährigen Neffen Michael und die achtjährige Silvia.Wenn doch ihre Stieftochter auch so unkompliziert wäre.

 Nach einer kleinen Hochzeitsreise in Italien brachte Harald seine junge Frau in sein schönes Haus und zusammen richteten sie für Cilly ein hübsches Zimmer ein und an seinem letzten Urlaubstag holten sie gemeinsam die Tochter bei ihrer Oma ab.

War das ein herzzerreißender Abschied. 

Schluchzend klammerte sich das kleine Mädchen an die Oma, bis ihr Vater ein Machtwort sprach.

Beim Abschied bat er die alte Frau leise, die Enkelin vorerst nicht zu besuchen, bis  sie sich eingewöhnt hätte. 

Den hasserfüllten Blick, den ihr diese daraufhin zuwarf, verursachte Angie eine Gänsehaut.

Cilly aber war brav, ruhig und sprach kaum ein Wort, soviel Mühe sie sich auch gab. 

Nur wenn ihre Mutter ihr mit dem Kamm die Haare kämen wollte, dann begann sie panisch zu schreien und schütze mit beiden Händen ihren Kopf.

Schließlich übernahm Harald das Kämmen seiner Tochter, brachte sie dann in den Kindergarten, bevor er anschließend in sein Büro weiterfuhr.  

So vergingen die Tag und Angelika wurde immer verzagter. 

Tröstend nahm Ihr Mann sie dann in die Arme.

Lass ihr Zeit zum eingewöhnen, sie wohnte schließlich seit dem Tod ihrer Mutter fast zwei Jahre bei der Oma.“  

Angie schmiegte sich dann an ihren Mann, aber das Herz war ihr doch schwer.

Sie sprach mit ihrer Schwester Jutta darüber ,in der Hoffnung, dass diese ihr helfen konnte.

Jutta hatte tatsächlich eine Idee.

Es waren doch bald Ferien und sie sollte Michael und Silvia doch einladen, die würden sich sicher freuen und wenn sie in dem großen Garten zelten durften würden sie gar nicht weggehen wollen.

Jutta kicherte und meinte: „Außerdem kannst du deiner Schwester einen großen Gefallen tun, denn auch ich brauche mal ein wenig Ruhe.“

Natürlich freuten sich die Kinder und gleich wurde ein großes Zelt im Garten aufgebaut.

Cilly war am Anfang noch schüchtern, doch bald schloss sie sich den Kindern an, besonders Michael hatte es ihr angetan und sie folgte ihm auf Schritt und Tritt.

Angelika kommt gerade vom Wochenmarkt und als sie das fröhliche Toben im Garten hört, lächelt sie glücklich. 

Cilly war wirklich aufgetaut, auch wenn sie ihr gegenüber noch immer scheu war.  

Die drei kommen auf sie zugelaufen und Michael, der ständig Hunger hat, späht in den Korb.

 

 


 

Angelika lacht und wählt einen besonders schönen Apfel aus und reicht ihn dem Jungen.

Cilly schreit gellend auf und schlägt ihm den Apfel aus der Hand.

Du darfst ihn nicht essen, der ist vergiftet!“

Dann läuft sie weinend davon.

Erschrocken sehen die anderen ihr nach.

Michael aber wendete sich an die Tante.

Bitte Tante Angie, geh mit Silvia ins Haus, ich kümmere mich um Cilly.“

Niedergeschlagen nickt diese , denn sie weiß, sie kann die Dinge unbedenklich in des Jungen Hand legen. Zu Michael hat die Kleine am meisten vertrauen.

Dieser findet Cilly im Zelt. Sie kauert in der Ecke, die Arme um sich geschlungen und zittert am ganzen Körper.

Still setzt der Junge sich neben sie.

Das kleine Mädchen hebt das verweinte Gesicht und betrachtet ihn ängstlich, dann atmet sie erleichtert auf.

Dir ist nichts passiert!“

Warum glaubst du, dass der Apfel vergiftet ist?“  

Weil deine Tante eine böse Stiefmutter ist und Äpfel und Kämme vergiftet.“

Wie kommst du auf diese dumme Idee?“

Das steht in dem Märchen, das mir Oma immer vorliest.“

  Das Märchen von Schneewittchen?“  

Ja, so heißt es!“

Aber es ist doch nur eine Geschichte, die mit dem wirklichen Leben gar nichts zu tun hat.“

Doch, denn Oma sagt auch alle Stiefmütter sind böse, denn sie wollen die Kinder los werden, damit sie den Papa ganz für sich ganz allein haben.“  

Michael runzelt die Stirn. 

Silvia und ich haben unsere Tante sehr lieb, glaubst du wir würden sie lieb haben, wenn sie ein böser Mensch wäre?“

Cilly denkt lange nach, dann hebt sie zögernd den Kopf. 

Du meinst sie ist keine böse Stiefmutter.“  

Ganz bestimmt nicht und als dein Vater ihr erzählt hat, dass er ein kleines Mädchen hat, da hat sie sich so gefreut, denn sie liebt Kinder sehr. Du weißt, dass ich dich nicht anlüge. Komm mit und hab Vertrauen.Tante Angie tut es sehr weh, dass du so abweisend bist.“

Er zieht sie hoch und gemeinsam laufen sie ins Haus.

Als Cilly später ihm Bett liegt, erzählt der Junge ihnen was er erfahren hat und Harald geht noch am selben Abend zu seiner Schwiegermutter und stellt sie zur Rede. 

Dann verbietet er ihr die Kleine gegen die neue Mutter aufzuhetzen, sonst würde er  den Umgang mit ihrer Enkelin gänzlich einstellen.

Das will die alte Frau nicht und sie reißt sich in Zukunft zusammen.

Und Cilly, als wäre eine schwere Last von ihr gefallen, wurde immer zutraulicher.

Und der schönste Tag für Angelika war, als ihr das Mädchen eines Tages um den Hals fiel und 'Mama' sagte.


(Lore Platz)  2014












Mittwoch, 19. März 2025

Frühlingszauber

 19.03.2025  Alles wiederholt sich, hatten wir doch vor kurzem schöne Frühlingstage, naja für heute wurde Schnee angesagt. 
 
 
 Zitat zum heutigen Tag
 
Albert Einstein

 Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens




 
 

 
 
Leise rieselt der Schnee
und niemand find des schee
der Frühling hat uns doch bereits besucht
und nun kommt wieder der Winter, verflucht
na des moag i net
hoffentlich er boid geht
 
Das geht doch gar nicht, deshalb will ich mit Bildern und einem Gedicht den Frühling hervorlocken








Frühlingszauber

Ein schöner Jüngling schwebt über das Land
Als Frühling ist er überall bekannt
Wo vor kurzem noch wirbelten die
Schneeflocken
Gelingt es ihm mit frohem Lied die Blütenkelche hervor zu locken
Welch eine Pracht, der Farben bunter Reigen
Dazu spielt der Wind mit seinen Geigen
Die Sonne sie strahlt vom wolkenlosen Firmament
Eine Elfe tanzt selbstvergessen nach einer Melodie, die nur sie kennt
Die Vögel zwitschern voll Übermut
Ja, die Sonne ist für alle gut
Kein Langschläfer will jetzt mehr länger im Bette bleiben.
Sich lieber in der Natur die Zeit vertreiben
Tief einatmen den herrliche Duft
Von Blüten und Frühling geschwängerter Luft
Unbarmherzig und garstig kann heute keiner sein
Da wäre man wohl gänzlich allein
Der Frühling bereitet mit kundiger Hand
Über die Herzen sein wundersames fröhliches Band
Nun atmet auch ihr meine Lieben tief ein
Und denkt daran dieses Jahr kann nur einmal Frühling sein

© Lore Platz
 
 
Die Elfen wollen auch endlich wieder hinaus aus ihrem Winterquartier, ich habe ihnen geholfen. 
 
 
Das kleine Auto und die Elfenprinzessin

 
Onkel Oskar, Onkel Oskar, sieh nur wie hübsch ich bin!“ 
Bellinda, das einzige Mädchen der Drillinge klettert über die Rücklehne und stellt sich auf dem Beifahrersitz auf die Hinterbeine. Die Pfötchen über dem Kopf dreht sie sich wie ein kleine Ballerina, dass der weite Rock des hübschen roten Kleidchen um ihre Beine schwingt. Eine rote Schleife schmückt das rechte Ohr.
Oskar lächelt liebevoll, das kleine Mäusemädchen war sein ganz besonderer Liebling. Und so meint er freundlich: „ Du siehst wirklich bezaubernd aus, wie ein kleines Fräulein.“ 
Bellinda hält in ihrem Tanz inne und strahlt. 
„Nicht wahr, mein Kleid ist ja soooo schön! Mama hat es extra von Madame Spinne anfertigen lassen. Weißt du meine Kusine Mira heiratet doch heute und ich darf Blumen streuen.“
 
 
 
Halt die Klappe, Bel, das erzählst du Onkel Oskar schon seit einer Woche,“ brummt ihr Bruder Oskar und kommt auch nach vorn. 
Schick schaut er aus in dem hübschen kleinen Frack. Frau Kathrin klettert über die Lehne, eine große Tasche in der einen Hand und einen Koffer in der anderen Hand. Sie sieht etwas genervt aus und setzt sich prustend nieder.
Herr Max kommt durch das Fenster. 
„Die Schneckenpost wartet.“ 
Frau Kathrin drückt ihm das Gepäck in die Hand und Herr Max schlüpft hinaus, um es auf der Kutsche zu verstauen. 
Bellinda trippelt aufgeregt von einem Bein auf das andere. „Stell dir vor wir dürfen mit der Kutsche fahren, ist das aufregend.“
Frau Kathrin sieht sich um. „Wo ist Bruno?“ 
„Der Herr Professor wird wieder seine Nase in ein Buch gesteckt haben,“ grinst Oskar. 
Frau Kathrin wirft ihm einen strafenden Blick zu. „Du sollst dich nicht immer über deinen Bruder lustig machen, ich wäre froh, wenn deine Zensuren besser wären. Nun geh und hole ihn.“ 
„Bruuunnnooo!“ brüllte Oskar und seine Mutter zuckt zusammen. 
Gleich darauf erscheint der Mäusejunge.
Auch er trägt einen kleinen Frack und sieht seinem Bruder sehr ähnlich, nur  dass auf seiner Nase eine kleine Brille sitzt. 
„Nun können wir ja gehen, auf Wiedersehen Herr Oskar, wir werden einige Tage bei unseren Verwandten bleiben.“ 
"Auf Wiedersehen Onkel Oskar!“ rufen die Kinder.“
Still ist es jetzt im Auto und Herr Oskar ist ein wenig traurig, aber dann tröstet er sich, dass seine Untermieter ja bald wieder zurückkommen.
Außerdem ist er ja nicht allein, immer wieder kommt eines der Waldtiere vorbei und bleibt auf einen kleinen Plausch stehen.
Dann geht der Tag zu Ende und die Sonne geht schlafen und der Mond nimmt ihren Platz ein. 
Die Vögel kuscheln sich in ihre Nester und die Tiere verschwinden in ihrem Bau. Stille liegt über dem Wald. Auch Herr Oskar schließt die Augen und ist bald eingeschlafen.
Etwas weckt ihn auf. Es ist dunkel draußen und nur das fahle Licht des Mondes beleuchtet ein wenig den Wald. Alles ist ruhig und Herr Oskar dachte schon, er hätte sich getäuscht und schließt wieder die Augen. Doch dann hört er ein leises Weinen.
„Hallo, wer weint denn da?“ Sofort verstummt das Weinen, man hört nur noch ein leisen Schniefen. 
„ Habt keine Angst, ich tue euch nichts, zeigt euch doch.“ 
Er spürt eine leichte Bewegung und durch den Mond der durch die Scheibe scheint, sieht er nun ein kleines zartes Wesen, das auf der Ablage sitzt. So etwas zartes und süßes hatte Herr Oskar noch nie gesehen.
 
 
„Wer bist denn du?“ 
„Ich bin Sonilinde, die Tochter der Elfenkönigin Sonnenblume und ich wurde von dem bösen Kobold Alberich gejagt. Beinahe hat er mich erwischt, aber ich konnte mich losreißen, dabei sind meine Flügel verletzt worden und ich kann nicht mehr fliegen. 
Zum Glück kam mir der Wind zu Hilfe, er schickte mir ein Blatt, an das ich mich hängen konnte und blies mich hier in den Wald. Und ich bin zu ihnen herein gekrochen, weil ich hoffe der Kobold findet mich hier nicht.“
Wieder fängt sie zu weinen an.
 „Aber, aber,“ tröstet Herr Oskar, „der Wind wird sicher eurer Mutter Bescheid sagen und sie holt euch ab.“ 
Doch Sonilinde schüttelt den Kopf. „Er musste gleich weiter!“
„ Nun schlaft kleine Elfe, morgen sieht alles viel besser aus.“ 
Das zarte Wesen klettert wieder auf den Sitz, doch dann meint es schüchtern. 
„Können sie die Fenster nicht schließen? Nicht, dass der Kobold mich hier findet.“ 
„Leider geht das nicht, ich sitze hier fest und kann mich nicht rühren.“ 
„Vielleicht könnte ich?“ 
Herr Oskar schmunzelt: „Sehen sie die Kurbel da an der Tür, das ist viel zu schwer für sie.“ 
Die Elfe lacht und es klingt wie das Läuten eines silbernen Glöckchen. „ Ich hab doch meinen Zauberstab!“
Sie hält den Sternenstab gegen die Kurbel, die sich wie von selber dreht und das Fenster ist geschlossen. Dasselbe macht sie auf der anderen Seite. 
„ Nun bin ich sicher.“ 
Mit einem zufriedenem Seufzer kuschelt sie sich zusammen und bald zeigen zarte kleine Töne, dass sie eingeschlafen ist.
Herr Oskar aber kann noch nicht schlafen. Schmunzelnd denkt er über dieses neue Abenteuer nach. Seit er hier im Wald gestrandet ist, war sein Leben nie mehr langweilig. Bald aber schläft auch er.
Es ist spät, als er am nächsten Morgen erwacht und auch sein kleiner Gast schläft noch. 
Im Wald ist es auffallend still und es ist auch niemand zu sehen. Sonst um diese Zeit herrschte hier um ihn herum schon reger Betrieb. 
Da sieht er Fritz, den Igel, der mit schnüffelnder Nase auf den Boden ihm entgegenläuft. 
 „Fritz!“ 
Der Igel reagiert nicht. Richtig er konnte ihn ja nicht hören, die Fenster waren zu.
Herr Oskar räuspert sich. 
„Fräulein Sonilinde!“ 
Die kleine Elfe regt sich, hebt gähnend beide Arme und streckt sich. 
„Guten Morgen, Herr Oskar!“
„ Guten Morgen mein Fräulein, würdet ihr bitte die Fenster wieder öffnen, ich möchte gerne meinen Freund etwas fragen.“
Wie ein Blitz gehen die Fenster runter und als nun Herr Oskar ruft, hebt der Igel den Kopf und trippelt näher ans Auto heran.
„Guten Morgen Oskar.“ 
„Guten Morgen Fritz. Weißt du, warum der Wald heute wie ausgestorben ist.“
„Sie machen sich alle fein, denn heute hat die Elfenkönigin Sonnenblume
Geburtstag und alle sind zum Fest eingeladen.“ 
Sonilinde seufzt leise. „ Weißt du ob sich der Kobold Alberich im Wald herum treibt?“
Fritz zieht seine Schnauze ein und ist nur eine stachelige Kugel.
„So ein Hasenfuß, da werden wir wohl keine Antwort die nächste Zeit erhalten. Aber bald wir bestimmt jemand vorbei kommen und uns helfen.“
Verzagt klettert die kleine Elfe auf den Beifahrersitz und da Herr Oskar befürchtet, dass sie gleich wieder los weinen wird, erzählt er ihr lustige Streiche von den Drillingen und bringt Sonilinde zum Lachen. 
Doch die Zeit vergeht und immer noch lässt sich jemand blicken und auch Fritz liegt immer noch zur Kugel gerollt vor dem Auto. Herr Oskar ist etwas besorgt, doch er will die kleine Elfe nicht beunruhigen.
Dann hat er eine Idee. 
„Fräulein Sonilinde können sie mit ihrem Zauberstab auch die Hupe zum Tönen bringen?“ 
„Was ist eine Hupe?“
„Damit kann ich mich bemerkbar machen, es ist ein lang anhaltender Ton. Sehen sie vorne das runde Rad, das ist das Steuerrad und dieser kleine Hebel daran ist die Hupe.“ 
Die Elfe zückt den Zauberstab und der Hebel bewegt sich und ein lautes „Tuuuuuuut“ ertönt.
Vor Schreck fällt Sonilind auf den Rücken, doch dann beginnt sie zu kichern und lässt die Hupe nochmal ertönen.
Fritz streckt erschrocken seine Nase heraus, um dann sofort wieder in der Kugel zu verschwinden.
Doch ringsum wird es lebendig. Die Tiere kommen von allen Seiten angelaufen und scharren sich um das Auto. Der König des Waldes schreitet aus einem Gebüsch und die Tiere bilden eine Gasse, um ihn zu Herrn Oskar zu lassen.
„Haben sie diesen seltsamen Laut ausgestoßen, Herr Oskar.“ 
„ Ja, mein kleiner Gast hier, braucht eure Hilfe!“
Die Elfenprinzessin klettert durch das Fenster auf das Dach und erzählt nun ihr Abenteuer. Als sie berichtet, dass ihre Flügel beschädigt sind und sie nicht mehr fliegen kann, geht ein mitleidiges Aufseufzen durch die Versammlung. 
Der Hirsch aber beugt sein Geweih und bittet. „Prinzessin wir werden sie zu ihrer Mutter bringen, klettert bitte auf mein Geweih.“ 
Dann setzt sich der lange Zug der Tiere in Bewegung, um zur Sonnenblumenwiese zu marschieren. 
„Auf Wiedersehen, Herr Oskar und danke!“ ruft die kleine Elfe und winkt ihm zu.
Dieser ist ein wenig traurig, doch dann schmunzelt er. Eigentlich hatte er doch gar keine Lust an diesem Fest teilzunehmen, dazu war er doch schon zu alt und behäbig.
Er ließ seine Gedanken schweifen, da spürt er auf einmal eine Bewegung und eine Elfe mit schwirrenden Flügeln lässt sich auf dem Beifahrersitz nieder.
„Guten Tag Herr Oskar, ich bin Sonnenblume und möchte mich bei ihnen herzlich bedanken, dass sie meiner Tochter geholfen haben.“
„ Guten Tag, das ist doch nicht der Rede wert, aber haben sie nicht heute Geburtstag, herzlichen Glückwunsch.“
„Danke schön, aber ich würde ihnen gern eine Freude machen.“ 
Herr Oskar lacht: „ Aber ich habe doch nicht Geburtstag!“ 
Auch die Elfenkönigin lacht. „ Meine Tochter hat mir erzählt, dass sie sich nicht bewegen können. Meine Zauberkraft reicht zwar nicht, dass sie wieder fahren können, aber alles anders könnten sie bewegen, wenn sie den Wunsch dazu haben. Möchten sie?“
Herr Oskar strahlt. 
"Das wäre prima. Wissen sie, ich habe mir schon etwas Sorgen gemacht, wenn es kalt wird, ob meine Mäusefamilie dann nicht erfriert, aber wenn ich die Fenster schließen kann.“
„ Und die Heizung betätigen!“
Die Elfe hebt den Zauberstab und murmelt einige Worte. Dann meint sie lächelnd. 
„Nun Herr Oskar wollen sie es ausprobieren, sie brauchen nur zu wünschen.“
Und Oskar lässt die Fenster auf und zu gleiten, die Kühlerhaube und Motorhaube hinaufschnellen und wieder runter, die Scheinwerfer auf strahlen und die Hupe lang ertönen. 
Frau Sonnenblume lacht und als Oskar sich wieder beruhigt hat, meint sie bedauernd. 
„Nun muss ich wieder zu meinen Gästen. Ach, meine Tochter lässt fragen, ob sie sie besuchen darf?“ „Gerne, ich habe die Kleine ins Herz geschlossen, sie ist ja wirklich entzückend. Aber ist es nicht zu gefährlich, der Kobold Alberich?“ 
„Den habe ich in die Unterwelt verbannt, der kann keinen Schaden mehr anrichten. Nun aber auf Wiedersehen!“ 
Sie fliegt davon und Oskar lässt nun sein Auto tanzen, hebt Kühlerhaube auf und zu, lässt die Hupe erschallen und Fenster sich bewegen, bis Frau Eule aus ihrem Bau fährt und laut „Ruhe“ brüllt.
Oskar kichert und überlässt sich seinen vergnügten Gedanken.



© Lore Platz (2017)