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Freitag, 17. Oktober 2025

Wenn ein Traum zerplatzt

Wenn wir jung sind will man die Welt aus den Angeln heben und wir haben Träume.

Mein Traum war: Ich wollte mal immer eine berümte Schriftstellerin werden. Bereits als Kind habe ich mir Geschichten ausgedacht und sie meinen Spielkameraden erzählt. Als ich schreiben lernte habe ich sie aufgeschrieben und meiner Familie vorgelesen und als ich elf war habe ich eine meiner Geschichten an einen sehr bekannten Kinderbuchverlag gesandt. Ich bekam einen netten Brief zurück, dass die Idee sehr gut war, aber um Schriftellerin zu werden müsste ich noch viel dazu lernen.

Obwohl mein Lebensweg in eine ganz andere Richtung führte, habe ich meinen Traum nie aus den Augen verloren. Von meinem ersten Gehalt habe ich einen Fernkurs im Schreiben bezahlt und konnte viel dazu lernen.

In Internet lernte ich dann meine Freundin Regina kennen, die schlug mir vor doch einen Blog einzurichten und half mir dabei.

Und wenn ich meine  ständig wachsende Leser sehe, die ich mit meinen Geschichten glücklich machen darf, dann macht dies mich auch glücklich. 

Danke für eure Treue! 

 



 

 

 


Wenn ein Traum zerplatzt

 

Der junge Mann saß vor dem Spiegel in seinem Wohnwagen und nachdenklich schweiften seine Gedanken in die Vergangenheit. 

Vor fünf Jahren hatte er nach einem fürchterlichen Streit mit seinem Vater das Elternhaus verlassen. Juniorpartner sollte er werden, doch er wollte Künstler werden und mit seiner Violine die Menschen verzaubern.  Also hatte er seine Taschen gepackt und mit dem Geigenkasten in der Hand wütend das Haus verlassen. Zuerst ging er zu seiner Freundin Elena, um sich zu verabschieden. Er versprach, sobald er ein großer Künstler war, wieder zu kommen.

Nie würde er ihren traurigen Blick vergessen. 

Doch er war so froh, seinem strengen Vater entkommen und auch so naiv zu glauben, die Welt würde nur auf ihn warten. Zuerst ging er zu einer Künstleragentur, die vermittelte ihn an Bars, Restaurants und ab und zu an eine Familienfeier. Der Verdienst war zwar gering, doch er hatte ja sein gut gefülltes Sparbuch dabei und konnte sich ein gemütliches warmes Zimmer leisten. 

Doch wenn man nur Ausgaben und wenig Einkommen hat, dann wird auch ein gut gefülltes Sparbuch leer. Er verlor sein Zimmer, landete auf der Straße und hielt sich mit seiner Musik über Wasser. Oft dachte er bitter wie sehr sein Vater triumphieren würde, wenn er ihn so sehen könnte.

Eines Tages mitten im Winter spielte er wieder, seine klammen Finger konnten den Bogen kaum halten. Niemand blieb stehen und die Blechbüchse blieb leer. Nur ein einfach gekleideter älterer Herr stand in der Nähe und lauschte. Nur für ihn legte er all seine Gefühle und seine Traurigkeit in das Spiel.

Als er seine Geige in dem Kasten verstaute und seinen Rucksack schulterte, kam der Mann näher. "Wann haben sie zum letzten Mal was gegessen?" Er hatte nur die Schultern gezuckt und daraufhin hat ihn dieser zu einem warmen Essen eingeladen.

Als sie später dann in einem gemütlichen Lokal saßen, stellte sich der freundliche Herr als Anton Wanicke vor,  Direktor eines kleinen Zirkus. Anton schlug ihm vor, mit ihm zusammen als Clown aufzutreten, auch  könnten sie sein Geigenspiel  in die Nummer mit einbauen. Es war nicht die große Weltbühne, aber er könnte doch einige Menschen glücklich machen, besonders die Kinder. Seit drei Jahren reiste er nun mit dem Zirkus.

"Richard, mein Junge, du bist ja noch gar nicht geschminkt,"

"Ich war in Gedanken," der junge Mann lächelte entschuldigend. Anton legte ihm die Hand auf die Schulter. "Wir sind wieder in deiner Heimatstadt, willst du dich denn nicht endlich mit deinem Vater versöhnen?" "Damit er über mich triumphieren kann, weil ich versagt habe!" "Richard, Stolz ist eine gute Sache, aber zuviel Stolz kann man eines Tages bereuen und dann ist es vielleicht zu spät. Aber nun komm die Kinder warten."

Als sie beide in die Arena liefen und ihre Späße machten lachten die Kinder. Ganz besonders  ein kleiner Junge in der ersten Reihe fiel ihm auf, der ganz begeistert auf und ab hüpfte. Eine Frau beugte sich zu ihm hinunter und Richard erschrak. Es war Elena, sie hatte also geheiratet und einen Sohn. Er konnte es ihr nicht verdenken, nachdem er sich fast vier Jahre nicht mehr bei ihr gemeldet hatte. Traurig dachte er daran, was er alles verloren hatte, als er einem unereichbaren Traum nachjagte. Niemand merkte, wie ihm zumute war, als er fröhlich seine Scherze weiter trieb. Und als er am Ende seine Geige zum klingen brachte, spielte er nur für die Beiden in der ersten Reihe.

 Als er gerade das Clownskostüm an den Haken hängte, klopfte es an der Tür.

"Komm herein Anton," doch als er sich umdrehte, stand Elena mit dem Jungen an der Hand vor ihm. Stumm sahen sie sich an. Der kleine Junge aber hatte das Kostüm entdeckt und jubelte. Mit schief geneigtem Kopf stellte er sich vor Richard und fragte. "Bist du der Clown? Du warst so lustig und hast soooo schön Geige gespielt. Spielst du mir was vor?"

"Später."sagte die Mutter. Verlegen sah Richard seine ehemalige Freundin an. "Wie hast du mich erkannt?" Elena lächelte und ihm wurde ganz warm ums Herz. "An deinem Geigenspiel. Ich muss mit dir sprechen." "Entschuldige bitte meine Unhöflichkeit, bitte setz dich"

Und was ihm Elena nun erzählte machte ihn traurig und glücklich zugleich. Als er sich vor fünf Jahren von ihr verabschiedete, hatte sie gerade das Testergebnis ihrer Schwangerschaft bekommen, doch sie sagte ihm nichts, denn sie wollte kein Klotz an seinem Bein sein. Auch als er immer wieder mal anrief verschwieg sie ihm ihren Zustand. Naja und dann blieben die Anrufe aus und sie dachte, dass sie das richtige getan hatte.

Eine Weile war es still, nur das Geplapper des Jungen war zu hören, der inzwischen die rote Perücke entdeckt hatte. Dann hob Richardt den Kopf und fragte leise; "wollt ihr mich den noch haben?" Als Elena lächelnd nickte, küsste er sie stürmisch.

"He, warum küsst du meine Mama?" Richard betrachtete lächelnd den Dreikäsehoch, der breitbeinig vor ihnen stand. "Weil ich sie ganz doll lieb habe, so wie dich auch." Dann sprang er auf und wirbelte den kichernden Jungen durch die Luft. 

Später stellte Richard, Elena und seinen Sohn, Anton und seiner Familie vor. Es wurde beschlossen, wenn der Zirkus die Stadt verließ, würde Richard nicht mitgehen.

Elena überredete auch Richard sich mit seinem Vater zu versöhnen. Als die beiden Männer sich nach so langer Zeit gegenüber standen, hatten sie Tränen in den Augen und umarmten sich stumm.

Nach einer stillen Hochzeit, bei der Anton ihr Trauzeuge war, siedelte die kleine Familie in die Villa über. Richard wurde Juniorchef, doch abends ließ er die Geige für seine  Familie erklingen.

Nach einigen Jahren übergab sein Vater die Firma an Richard, denn er hatte eine viel schönere Aufgabe: Opa für die ständig wachsende Schar seiner Enkel.

In die Rolle des Clowns schlüpfte Richard nur noch im Karneval  für seine Kinder und deren Freunde.

Obwohl er nie den Weltruhm erlangt hatte, hatte Richard doch nie bereut, es wenigstens versucht zu haben, denn die harten Jahre hatte ihn zu einem reiferen. besseren und stärkeren  Menschen gemacht.


(c) Lore Platz  13.02.2021



 

Samstag, 11. Oktober 2025

Optimismus

 Ich bin ein optimistischer Mensch, aber als  ich hörte, dass die 

Partei  "Affen für Dumme!" 16% in der Europawahl erreichte, verging mir doch das lachen.

 

                                           Carl Spitzweg

Vor einigen Jahren habe ich einen Bericht gesehen, über einen Austeiger in Australien.
Ein ehmaliger Börsenmakler hatte durch den Börsenkrach alles verloren und zog sich auf eine einsame Insel in Australien zurück.
Der 71jährige lebt dort mit seinem Hund und ...
nein! nicht mit Freitag sondern einer Schaufensterpuppe.
Diese hat er fesch angezogen, einen Hut mit Blümchen aufgesetzt und auf seiner Veranda auf einem Stuhl plaziert.
Sie hat sogar ein aufgeschlagenes Buch auf dem Schoß.
"Bisher hätte er noch keine Frau gefunden, die auf die Insel wollte und man braucht doch jemand mit dem man seine Eindrücke teilen kann," meinte er.
So von aller Welt abgeschieden wie Robinson Cruso muss er aber nicht leben.
Alle paar Wochen fährt er mit dem Boot auf das Festland zum Einkaufen, denn auf seinen Kaffee will er nicht verzichten.
In seinem Unterstand steht ein Kühlschrank sowie ein Gasofen. Also ein moderner Robinson.
Nun er hat nach seinen finanziellen Absturz, eine andere Lebensform gefunden.
Glücklich sein hängt von vielen Dingen ab, aber bestimmt nicht vom Geld.

Wenn ich meine Schwester am Bodensee besuchte ging ich gerne spazieren und kam an einem kleinen Häuschen vorbei in dem ein alter Mann lebte inmitten von Gartenzwergen. Er hatte sich eine eigene Welt erschaffen. Auf einem Tischchen standen kleine Tellerchen und Tässchen, er hatte sich seine eigene Märchenwelt geschaffen und er war ein freundlicher Mann. Von einigen wurde er belächelt oder gar verspottet, doch ich denke, dass er glücklicher war, als die Spötter.

Ich war ein wenig in meiner Familie der Außenseiter, der oft nicht für voll genommen wurde. Ich war ein schüchternes verträumtes Kind, das voller Fantasie steckte. Doch wenn ich so zurückblicke, bin ich doch die glücklichste von allen geworden, weil ich nie aufgehört habe zu träumen.











 


 

Cornelia ist anders


„ Benommen richtete sie sich auf und sah sich um.

Wo war sie hier?

Sie fröstelte und ein unheimliches Gefühl beschlich sie. Waren das dort hinten Gräber, war sie etwa auf einem Friedhof?

Dunkel konnte sie sich an ein Fest erinnern, lachen und trinken, doch dann hatte sie einen Filmriss.

Durch den dichten Nebel kam eine schwarz gekleidete Gestalt auf sie zu.

Schemenhaft tauchten Erinnerungen auf. Er hatte sie zu einem Tango aufgefordert und sie elegant und doch feurig durch die Schritte geführt.

Sie war vollkommen hingerissen von ihm gewesen. Er war irgendwie faszinierend.

Nun blieb er vor ihr stehen.

Ein teuflisches Lächeln spielte um seine Lippen. Dann öffnet er den Mund und zwei spitze lange Zähne wurden sichtbar.

Sie fing gellend an zu schreien!“

„Bianca!“

Enttäuscht legte die Vierzehnjährige das Buch hin.

„Ich komme!“

Ihre Mutter stand in der Küche und knetete einen Teig, der Tisch brach fast zusammen unter dem Chaos.

Die Oma schälte, ungerührt von dem Ganzen, Äpfel.

Frau Bauer strich sich eine Strähne zurück und hinterließ eine Mehlspur auf der Stirn.

„Bianca du solltest doch Petra vom Kindergarten abholen, hast du wieder die Zeit vergessen beim Lesen.“

Das Mädchen errötete und sah schuldbewusst zur Uhr.

„Bin schon weg!“

Im Laufschritt lief sie zum Kindergarten, der zum Glück nur zwei Straßen weiter lag.

Gerade rechtzeitig kam sie etwas atemlos an. Die Kinder verließen gerade lärmend das Gebäude, Petra mitten unter ihnen.

Als sie ihre große Schwester entdeckte winkte sie ihren Freundinnen zu und lief zu Bianca.

„Wie viele hast du denn zu deinem Geburtstag eingeladen?“

„Oh nur Elfie, Gretel, Paula, Babsi, Tom, Andreas und Karin!“

„Das geht ja noch,“ grinste Bianca.

Der Hof hatte sich inzwischen geleert, nur ein kleines Mädchen stand noch da und sah irgendwie verloren aus.

An ihrem rechten Bein trug sie eine Schiene.

„Kennst du sie?“

„Ja, sie heißt Cornelia Larson und ist noch nicht lange hier. Sie wohnt mit ihrer Oma in dem Haus von der alten Berta, die letztes Jahr gestorben ist.“

„Das ist ja nicht weit von uns, komm wir fragen sie, ob wir sie mitnehmen sollen.“

Cornelia hob nicht den Kopf, als Bianca sie fragte und meint nur zögernd; ihre Oma würde sie abholen.

Da kam die alte Frau auch schon etwas außer Atem in den Hof.

„Tut mit leid Nelly, ich habe Kekse gebacken und musste noch auf das letzte Blech warten, um es aus dem Ofen zu holen.“

Sie sah Bianca und Petra freundlich an. „Danke, dass ihr mit Cornelia gewartet habt.“

„Ja, wir wollten sie gerade mitnehmen, da ihr ja in unsere

Nähe wohnt,“ erklärte Bianca.

Die alte Frau sah sie nun genauer an, dann lächelte sie.

„Ihr seid die Bauer-Kinder und wohnt in dem schönen großen Haus schräg gegenüber.“

Cornelia hob den Kopf und warf ein: „ mit dem schönen großen Hund!“

„Ja, das ist Fussel, ein richtiger Clown, doch sehr lieb, kommt wir wollen gehen,“ meinte Petra, nahm Cornelia bei der Hand und ging mit ihr dem Ausgang zu.

Es war rührend zu sehen wie Petra sich den langsamen Schritten des anderen Mädchens anpasste.

Als sie das kleine Häuschen der Larsons erreicht hatten, bat die Oma sie ins Haus, um die frisch gebackenen Kekse zu probieren.

Während Petra mit Cornelia schon im Haus verschwand, lief Bianca schnell hinüber, um der Mutter zu sagen wo sie waren.

Später als sie dann mit Frau Larson bei einer Tasse Tee und Keksen zusammen saß, erfuhr sie die ganze traurige Geschichte.

Petra und Nelly spielten in deren Zimmer, reichlich mit einem Teller voller Kekse versehen.

Mit Tränen in den Augen erzählte Frau Larson von dem großen Unglück, dass ihre Familie getroffen hatte.

Bei einem unverschuldetem Unfall kamen ihr Sohn und seine Frau vor zwei Jahren ums Leben. Cornelia überlebte schwer verletzt, doch ihr rechtes Bein war total zerschmettert. Über ein Jahr lag sie in der Klinik und musste immer wieder operiert werden.

Dann starb ihre Kusine Berta und hinterließ ihnen ihr kleines Haus. Und sie zogen hierher.

Inzwischen hatte sie auch eine nette Therapeutin für Nelly gefunden, die ihr über das erlebte Trauma hinweg helfen sollte.

Die Therapeutin war es auch, die vorgeschlagen hatte, das Kind in den Kindergarten zu bringen.

Finanziell waren sie gut versorgt, da die Versicherung des Unfallverursachers eine große Summe als Schmerzensgeld an Nelly zahlen musste und außerdem noch eine lebenslange Rente.

Die Kinder kamen in die Küche.

„Bianca , ich habe Nelly zu meinem Geburtstag morgen eingeladen.“

„Das ist eine gute Idee, kommen sie morgen doch beide, das Fest beginnt um 14 Uhr.“

„Gerne, aber was wird eure Mutter dazu sagen.“

Bianca lachte.

„Das kann ich ihnen gleich sagen. Sie wird nur antworten, das Haus bricht sowieso auseinander bei dem Ansturm, da kommt es auf zwei Personen auch nicht mehr an.“

Petra grinste.

„Wir haben so viele Tanten, Onkel, Vettern und Basen , die kommen morgen alle zu meinem Geburtstag, außerdem habe ich auch noch Elfie, Gretel, Paula, Babsi, Karin, Tom und Andreas eingeladen,“ wendete sie sich an Nelly. „Du kennst sie aus dem Kindergarten.“

Als Bianca später ihrer Mutter dann von den neuen Gästen erzählte, winkte diese nur ab. Zwei Gäste mehr war kein Problem.

Als Petra dann im Bett lag, setzte sich Bianca zu ihren Eltern und der Oma ins Wohnzimmer und erzählte ihnen von dem traurigen Schicksal von Cornelia.

Allen tat das Mädchen leid.

„Da müssen wir eben mehr Spiele machen, die im Sitzen stattfinden, damit sie mitmachen kann.“ meinte die Oma.

„Ich werde mir einige ausdenken,“ versprach Bianca.

„Und bei den Spielen, die draußen stattfinden, kann sie sich zu den Zuschauern setzen. Wir werden schon dafür sorgen, dass sie sich nicht ausgeschlossen fühlt,“ versprach die Mutter.

Und der Vater erklärte in resigniertem Ton.

„Und ich werde mich wieder opfern und den Clown spielen und beim Sack hüpfen auf die Nase fallen.“

Fröhliches Gelächter erfüllte das Wohnzimmer.

Pünktlich um 14Uhr kamen Frau Larson und Cornelia.

Das Mädchen war total eingeschüchtert von all den vielen Menschen, die lachend und schwatzend im Garten waren, die langen Biertische deckten und zwischen Haus und Garten eilig hin und her liefen.

Nelly schmiegte sich Schutz suchend an ihre Oma. Fussel kam zu ihr und leckte ihr die Hand, als spürte er ihre Unsicherheit. Lächelnd streichelte sie den Hund.

Petra kam herüber und fasste Nelly resolut an der Hand.

„Komm mit zu den anderen.“

Für die Kinder war unter einem Pavillon, der mit Luftballons geschmückt war, ein großer runder Tisch gedeckt.

Nelly wurde herzlich begrüßt und da Fussel nicht von ihrer Seite wich, verlor sie auch ein wenig ihre Scheu.

Keines der Kinder machte eine Bemerkung über das lahme Bein von Nelly und hatten auch bald vergessen, dass sie eigentlich „anders“ war.

Später spielten sie einige Spiele am Tisch unter der Aufsicht von Bianca.

Nelly machte eifrig mit und ab und zu lachte sie sogar hellauf.

Ihre Oma, die das Kind nicht aus den Augen gelassen hatte, rührte dieses Lachen zu Tränen.

Wie lange hatte sie das Kind nicht mehr lachen gehört.

Frau Bauer trat neben sie.

„Es tut Nelly gut hier unter den Kindern zu sein.“

Frau Larson nickte. „Danke, dass sie uns eingeladen haben.“

„Sie sollten öfter zu uns kommen. Sehen sie die meisten der Kinder sind meine Neffen und Nichten. Ich stamme aus einer großen Familie und alle wohnen in der Nähe. Bei uns ist immer etwas los.“

„Nelly und ich sind noch das Einzige, was von unserer Familie übrig ist,“ murmelte Frau Larson traurig.

Frau Bauer legte ihr den Arm um die Schulter.

„Wissen sie was, ab jetzt gehört ihr beide zu unserer Familie. “

Die beiden Frauen umarmten sich.

„ Fussel weicht nicht von Nellys Seite.“

Frau Bauer runzelte die Stirn.

„Wissen sie, ach nein wir wollen du zueinander sagen, ich bin Barbara.“

„Betty!“

„Also Betty, ich glaube es wäre gut für Nelly, wenn sie einen eigenen Hund hätte. Ein Hund könnte ihr helfen die schlimmen Erlebnisse besser zu verkraften.

Weißt du was, Fussels Mutter hat vor kurzem wieder geworfen. Wir könnten nächste Woche zum Züchter fahren und Nelly kann sich dann einen der Welpen aussuchen. Aber jetzt beginnt das Sack hüpfen. Wir wollen Nelly in unsere Mitte nehmen, denn bei den folgenden Spielen kann sie nicht mitmachen.“

Nelly war nicht traurig darüber, dass sie ausgeschlossen war. Sie fiebert richtig mit und feuerte Petra lautstark an und als Herr Bauer der Länge nach ins Gras fiel, da lachte sie laut auf.


Am Abend, als Frau Larson das Mädchen ins Bett brachte, sah diese so glücklich aus wie schon lange nicht mehr.

Und als sie ihr erzählte, dass sie ein Geschwisterchen von Fussel bekommen würde, da fiel sie ihr jubelnd um den Hals.

Als Nelly sich mit ihrem Teddybären in die Kissen kuschelte murmelte sie, während ihr die Augen zufielen:

„Weißt du Petra hat gesagt, ich sei ihre aller, aller beste

Freundin und soll nun jeden Tag zu ihr kommen. Wenn ich dann meinen eigenen Fussel habe, dann können die beiden Hund auch miteinander spielen.“

Die letzten Worte konnte Frau Larson kaum mehr verstehen, denn das Kind war eingeschlafen.

Dankbar faltete sie die Hände und sandte ein stummes Gebete zum Himmel.

Nach all der schweren dunklen Zeit, hatte Gott ihr wieder einen Sonnenstrahl gesandt.


© Lore Platz   (21021)