Freitag, 4. April 2025

Am Tag, als die Hühner streikten

 04.04.2025

Mit dieser Geschichte wünsche ich euch ein schönes Wochenende.

 


 

26.03.15

57. Reizwortgeschichte

Lore: Garten, Licht, ahnen, erzählen, leuchten

Diese Geschichte möchte ich meiner verstorbenen Freundin Heide Marie Kalitta widmen, die mir extra ein Bild dafür gemalt hat. 
Wo immer du jetzt bist liebe Heide Marie, ich hoffe du freust dich darüber.


 

Der Tag, an dem die Hühner streikten


Heute kann ich es euch ja erzählen, denn es ist alles gut ausgegangen und ich denke mal jeder hat seine Ostereier gefunden.
Dabei war vor einigen Tagen noch gar nicht so sicher, ob es diesmal klappt mit den Ostereiern.
Und das kam so.

 

 


 

Zwischen Himmel und Erde liegt das Zauberland und dort wohnt der Osterhase mit seiner Frau und seinen Kindern.
Das sind die drei Jungen Schlitzohr, Bertl und Angsthase und die drei Mädchen Myrtel, Fellchen und Samtpfote.
Sie wohnen inmitten einer großen Wiese in einem riesigen Haus, das aussieht wie ein Osterei.
Hinter dem Haus gibt es einen Garten, in dem Mutter Osterhase Karotten, Salat und verschiedene leckere Kräuter angepflanzt hat.
In dem schmucken Gartenhäuschen sind die Farbeimer und Pinsel, sowie der große gusseiserne schwarze Kessel in dem die Eier gekocht werden, untergebracht.
Alles ist sehr ordentlich, denn Frau Osterhase legt darauf großen Wert.
In der großen offenen Scheune am Rande der Wiese steht der Pritschenwagen, mit dem sie in der nahegelegenen Farm die Eier abholen und natürlich damit auch in die Menschenwelt fahren, um sie zu verstecken.
Schlitzohr liegt gerade unter dem Wagen und streckt die Hand aus.

„Schraubenzieher!“
„Welchen denn?“ fragt Bertl
Schlitzohr rutscht unter dem Wagen hervor und seine Brüder fangen an zu lachen, denn er ist ganz schwarz im Gesicht.
Vater Osterhase kommt in die Scheune und auch er schmunzelt.
„Seid ihr so weit Jungs, wir müssen los.“
„Gleich muss nur noch eine Schraube anziehen!“ ruft Schlitzohr, der sich inzwischen den Schraubenschlüssel selbst genommen hat.
Wenig später, nachdem sich der Hasenjunge noch schnell gewaschen hat, sind sie auf dem Weg zur Hühnerfarm.
Sie ahnen nicht, was dort auf sie wartet.

 

Auf der Hühnerfarm herrscht nämlich große Aufregung.
Die schöne Louisa thront auf dem großen Stein inmitten des Hofes und hält eine flammende Rede.
Die dicke Berta, die mit ihren Freundinnen bei einem gemütliche Tee zusammen sitzt, guckt aus dem Fenster.
„ Es ist Louisa, seit sie aus dem Ei geschlüpft ist hält sie sich  für etwas besseres und verbreitet immer wieder Unruhe und besonders das Jungvolk hört auf sie. Was sie diesmal wohl wieder vorhat. Kommt wir wollen mal nachsehen.“
Berta und ihre drei Freundinnen verlassen das Häuschen und nähern sich dem Versammlungsort.
„Wir werden, wenn heute der Osterhase kommt, die Eier nicht ausliefern!“ ruft Louisa gerade triumphierend und die anderen schreien begeistert „Jaaaaa!“
Nur einige der älteren Hühner sind still und machen ein bedenkliches Gesicht.
Berta drängt sich nach vorne.
„Was soll denn der Unsinn, Louisa! Die Eier stehen doch schon verpackt in Körben im Schuppen. Was für eine verrückte Sache hast du dir denn jetzt wieder ausgedacht!“

Die junge Henne wirft ihr einen spöttischen Blick zu.
„Seit Jahren arbeiten wir für den Osterhasen und welchen
Dank bekommen wir. Wir legen die Eier!!! Und nur weil der Osterhase ein paar Farbtupfer drauf gibt wird er gerühmt.
Manche Kinder glauben ja sogar, dass die Hasen auch noch die Eier legen. Habt ihr schon jemals ein Kind sagen hören, die lieben Hühner legen uns die Eier? Nein!, der liebe Osterhase bringt sie uns, ach wie ist er doch soooo lieb!“
Louisa hat sich richtig in Fahrt geredet und die anderen Hühner nicken zustimmend.
Berta aber schüttelt nur den Kopf.
„So ein Unsinn, wir arbeiten für den Osterhasen und liefern die Eier, dafür besorgt er Futter für uns, hat uns diese hübschen Häuschen gebaut und außerdem den schützenden Zaun, durch den kein Fuchs oder Marder kommt.“
 

Louisa wirft ihr einen listigen Blick zu, dann wendet sie sich an die anderen.
„Wer dafür ist, dass wir dem Osterhasen keine Eier ausliefern, der hebe den rechten Flügel.“
Fast alle Flügel schießen in die Höhe.
Und so kommt es, dass der Osterhase und seine Söhne vor verschlossenen Türen stehen, als sie wenig später die Eier abholen wollen.
Besorgt fahren sie wieder nach Hause, nachdem ihnen die dicke Berta gesagt hat, was los ist.
Mittlerweile ist es wieder ruhig geworden auf dem Hühnerhof. Die älteren Hühner haben sich besorgt in ihre Hütten zurückgezogen und das Jungvolk, das noch vor kurzem so begeistert 'Ja' geschrien hatte, schleicht leise über den Hof und wirft immer wieder einen scheuen Blick auf die Körbe voll Eier.
Louisa aber sitzt vor dem Spiegel und sieht sich selbstgefällig von allen Seiten an.

Sie ist sehr zufrieden mit sich, schon seit sie erfahren hat,  wie beliebt der Osterhase bei den Kindern ist, war sie neidisch.
Dabei hat sie noch gar kein Osterfest erlebt, da sie ja noch sehr jung ist. Aber sie ist nun mal sehr eitel und alles soll sich nur um sie drehen.
Jetzt hat sie es
diesen Osterhasen gezeigt, die werden sich ärgern, schade dass sie das nicht sehen kann. Warum eigentlich nicht? Sie würde heimlich die Osterwiese beobachten.
Vergnügt springt sie auf und verlässt den Hof.
Berta sieht zufällig aus dem Fenster, als Louisa durch das Tor schlüpft.
„Dieses dumme Ding!“ schimpft sie leise, „sie weiß doch, dass draußen der Fuchs lauert.“
Berta wirft sich ihren Umhang um und verlässt ebenfalls ungesehen den Hof.
In der Ferne sieht sie die junge Henne, die stolz erhobenen Hauptes auf den Wald zu schreitet.
Aber Berta sieht auch ein rotbraunes Fell aufleuchten
und erschrickt. Der Fuchs!
Und dann hört sie schon Louisa kreischen und rennt los.
Gerade noch sieht sie wie der Rotpelz die zappelnde Henne in seinen Bau schleppt.
Tränen laufen der guten Berta über die Wangen.
Wenn Louisa auch keine besonders nette Henne ist, aber diesen Schicksal hat sie nicht verdient.

Der Fuchs kommt wieder aus dem Bau und rennt schnell durch den Wald.
Berta versteckt sich im Gebüsch, bis er vorüber ist, dann schleicht sie vorsichtig in die Höhle, voller Angst was sie da vorfindet.
Louisa lebt noch, aber sie steckt in einem Käfig und starrt mit vor Angst geweiteten Augen auf die Tür, die sich langsam öffnet.


Im hellen Licht, das von draußen herein kommt, erkennt sie Berta und atmet erleichtert auf, als sie die alte Henne erblickt.
„Berta, bitte Hilf mir, der Fuchs ist zu seinem Freund dem Marder, um ihn zum Festessen einzuladen und auf der Speisekarte werde ich stehen.“
Louisa heult laut auf und zittert am ganzen Körper.
Berta untersucht  das Schloss des Käfigs, aber sie stellt gleich fest: 'das kann sie nicht öffnen.'
„Ich hole Hilfe!“
„Bleib hier Berta!“ jammert Louisa, doch diese ist schon durch die Tür.
Und Berta rennt, als gelte es das eigene Leben und erst auf der Osterhasenwiese fällt sie außer Atmen ins Gras.
Die Hasen kommen angelaufen und nachdem Berta endlich wieder etwas Luft bekommt, erzählt sie was geschehen ist.

Vater Osterhase und die Jungen laufen sofort los, während Frau Osterhase mit Berta ins Haus geht, um ihr einen Beruhigungstee zu kochen.
Erschöpft lässt die Henne sich auf einen der gemütlichen Sessel fallen. Myrtel stopft ihr ein Kissen hinter den Rücken, Fellchen legt ein anderes unter ihre Füße und Samtpfötchen reicht ihr knicksend die Tasse mit heißem Tee.
Dann setzen sich die Hasenmädchen zu ihren Füßen und Berta muss erzählen wie sie in die Fuchshöhle geschlichen war.
Mutter Osterhase aber geht vors Haus, um auf die Retter zu warten.
Endlich kommen sie aus dem Wald und in ihrer Mitte eine zerzauste, verlegene aber auch glückliche Louisa.
Unterwegs hat sie sich mehrmals bei dem Osterhasen entschuldigt und versprochen, dass sie die Eier bekommen werden.
Die Hasen fahren auch gleich zusammen mit Louisa zur Farm, denn die Zeit drängt.


Berta aber schielt auf die leckeren Erdbeertörtchen auf dem Tisch und meint:
„Ich bin noch viel zu erschöpft und kann mich kaum auf den Füßen halten.“
Dann nimmt sie ein Erdbeertörtchen und lässt es blitzschnell im Schnabel verschwinden.
Lautes Hupen verkündet die Ankunft des Wagens.
Auf der Ladefläche aber zwischen den Körben mit Eiern sitzt das ganze Federvolk und flattert nun gackernd auf die Wiese.
Herr Osterhase aber tritt zu seiner Frau, die etwas entsetzt auf die kreischenden Gäste blickt.
„Ich habe sie eingeladen uns zu helfen. Vielleicht könntest du ja für sie deine berühmten Erdbeertörtchen backen, die Mädchen sollen dir helfen.“
Drei würdevolle ältere Hennen kommen nun auf sie zu.
Jede von ihnen trägt einen großen eleganten Hut, auf dem lustig eine Feder hin und her schwankt.
Höflich grüßen sie und fragen nach ihrer Freundin Berta.
Frau Osterhase führt sie ins Haus und aufgeregt gackernd umringen sie ihre Freundin, die wieder mit Genuss ihr Abenteuer erzählt. Dabei wird der Kuchenteller überraschend schnell leer.
Frau Osterhase winkt die Mädchen in die Küche und während Samtpfötchen und Fellchen im Garten Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren pflücken, bereiten die Mutter und Myrtel in der größten Schüssel den Teig zu.
Nur wie sie den Tee servieren soll, da sie nicht genügend Tassen hat, weiß Frau Osterhase nicht.
Herr Osterhase und seine Söhne haben inzwischen den großen Topf aus dem Schuppen gerollt, um schwirrt von dem lärmenden Hühnervolk.
Sie begleiten die Hasen zum Bach und sehen dann staunend zu, wie das Feuer unter dem großen Topf, der nun voll Wasser ist, entfacht wird.
Als es brodelt und sprudelt werden die Eier mit großen Löffeln vorsichtig im Wasser versenkt, begleitet von den
„Ahh und Ohhs“ der Zuschauer.
Dann werden die Tische mit den Farbeimern aufgestellt  und die Hasen  beginnen zu malen.
Die Hennen aber drängen so nahe heran, dass sie die Künstler in ihrer Arbeit behindern.
Aber Herr Osterhase, den nichts aus der Ruhe bringt, lässt von Schlitzohr und Bengel einen extra Tisch aufstellen und bittet die Hühnern doch selbst einige Eier zu bemalen.
Nun bekommt jedes Huhn ein Ei, doch die beiden Hasenjungen erklären feixend, als der Vater außer Hörweite ist, leider gäbe es nicht genug Pinsel.
„Aber womit sollen wir denn die Eier bemalen?“ rufen die zukünftigen Künstlerinnen enttäuscht.
„Ihr habt doch eure eigenen Pinsel dabei,“ grinsen die Jungen und Kikki, die Kleinste, versteht sofort und taucht ihren Flügel vorsichtig in den Topf mit roter Farbe und fährt dann über das Ei, und freut sich über die roten Wellen, die sie hinterlässt.
Nun sind auch die anderen Hühner nicht mehr zu bremsen und bald sind sie bunter als die Eier.
Aber sie haben alle einen große Spaß und jubeln, kreischen und gackern.
So laut war es auf der Osterwiese noch nie.
Bald sind alle Eier trocken und in Körben verpackt zur morgigen Abfahrt bereit.
Die Hühner aber torkeln zum Bach, um sich zu waschen.
Dann gibt es Gebäck und Tee.

Frau Osterhase hat den Tee in einen großen Eimer geschüttet und ihre Gäste können daraus mit einer Schöpfkelle trinken.
Endlich flattern die müden, aber glücklichen Hühner auf den Pritschenwagen und Schlitzohr fährt sie nach Hause.

Erschöpft lehnt Frau Osterhase sich an ihren Mann.
„Was für ein Spektakel,“ stöhnt sie.
Der Osterhase grinst leicht verlegen.
„Ich habe sie eingeladen nächstes Jahr wieder zu helfen.“
„Oh nein!“ ruft seine Frau entsetzt, doch dann kichert sie.
„Wenigstens ist ein ganzes Jahr dazwischen!“
Und lachend gehen sie ins Haus.

© Lore Platz






Donnerstag, 3. April 2025

Hermann und der verwirrte Hase

 


  2025   Wünsche euch einen schönen Donnerstag.

 

 Zitat des Tages

 

Es ist das Osterfest alljährlich für den Hasen sehr beschwerlich

 Wilhem Busch  1832 - 1908

„Es ist das Osterfest alljährlich für den Hasen recht beschwerlich.“ Wilhelm Busch (1832–1908)

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/sammlungen/1591/die-besten-osterzitate/

 

„Es ist das Osterfest alljährlich für den Hasen recht beschwerlich.“ Wilhelm Busch (1832–1908)

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/sammlungen/1591/die-besten-osterzitate/

 

„Es ist das Osterfest alljährlich für den Hasen recht beschwerlich.“ Wilhelm Busch (1832–1908) deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/sammlungen/1591/die-besten-osterzitate/

 

 


 

„Es ist das Osterfest alljährlich für den Hasen recht beschwerlich.“ Wilhelm Busch (1832–1908) deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/sammlungen/1591/die-besten-osterzitate/

 

12.03.2016



92. Reizwortgeschichte

Eva: Kajak, Straße, knirschen, bewegen, glasklar



Hermann und der verwirrte Hase

Mit überhöhter Geschwindigkeit raste ein schnittiger Sportwagen die Straße entlang und das auf dem Dach befestigte Kajak schlenkerte gefährlich hin und her und die Halterung knirschte, als wollte sie protestieren.

Die vier Insassen in dem Auto kümmerte das nicht. Lautstark sangen sie den Text des Liedes, das aus dem Autoradio erklang, mit.

Pass auf, Jochen!“ rief die Beifahrerin, denn aus einem Seitenweg kam ein Traktor.

Der junge Mann trat erschrocken auf die Bremse und der Wagen kam schlingernd zum Stehen.

Durch die Wucht löste sich das Boot, donnerte auf die Straße und traf mit der Spitze einen Hasen, der sich überschlug und regungslos auf der Wiese liegen blieb.

Hermann saß in seiner Stube im Schuppen und genoss die heiße Schokolade und das Marmeladenbrot, das ihm die Frau, die von den Langhaaren Oma genannt wurde, eben gebracht hatte.

Der Troll schmunzelte, es gefiel ihm hier. Vor einiger Zeit hatte ihn der Mann ohne Haare gefragt, ob er lieber wieder im Wald in einem Baum leben wollte, oder hier bei ihm.

Obwohl es ihm große Überwindung gekostet hatte, das zuzugeben, hatte er geantwortet, dass er gerne hier bliebe.

Das war doch glasklar, besser als hier ging es ihm nirgendwo.

Natürlich hatte er dabei sein aller grimmigstes Trollgesicht gemacht.

Der Mann ohne Haare aber hatte nur vergnügt gelacht.

Er hatte dann zwischen seiner Werkstatt und Hermanns Stube eine Mauer aus Brettern eingezogen, sodass der Troll eine eigene kleine Wohnung hatte. Selbst ein kleines Fenster wurde eingesetzt und die Frau mit dem Namen Oma hatte hübsche Gardinen aufgehängt.

Der Mann ohne Haare aber brachte eines Tages ein Bett, das er selbst gezimmert hatte, in die Stube und die Langhaare, die wieder mal zu Besuch waren kamen mit Kissen und Decken und einem kleinen Teppich.

Hermann war es wirklich sehr schwer gefallen, seine finstere Miene beizubehalten, denn so wunderschön und gemütlich war seine kleine Stube geworden.

Und der Mann ohne Haare hatte wirklich an alles gedacht. Er hatte sogar an die Tür einen tiefer gelegenen Griff angebracht, extra nur für ihn.

Und die Langhaare hatten für ihn Bilder gemalt und an die Wand gehängt.

Ein Klopfen an der Scheibe riss ihn aus seinen Gedanken. Seine Freundin Amalia Blaumeise flatterte vor dem Fenster und schwirrte in die Stube, als Hermann öffnete.

Sie landetet auf dem Tisch und machte sich sofort über die Brösel auf dem Teller her.

 

 


Hermann setzte sich und wartete.

Der Vogel plusterte sich auf und zupfte an seinen Federn.

Das war lecker, du hast es schön hier.“

Anerkennend sah sie sich um.

Ja, sie sind sehr nett zu mir,“ grinste Hermann.

Aber wie ich dich kenne zeigst du ihnen nur dein grimmiges Gesicht.“

Schließlich bin ich ein Troll und bin das meinem Namen schuldig.“

Die beiden kicherten.

Doch dann wurde die Blaumeise ernst.

Wir brauchen deine Hilfe!“

Was ist los?“

Auf der Wiese vor dem Wald liegt ein riesengroßer Hase, wie ich noch keinen gesehen habe. Er ist nicht tot, aber lebt auch nicht. Sein Herz klopft noch, aber er bewegt sich nicht.“

Ich will ihn mir mal ansehen,“ brummte der Troll, schlüpfte in seine Jacke und verließ mit Amalie den Schuppen.

Familie Mümmel mit ihren Kindern, das Eichkätzchen Ulrike, der Igel Rudi und die Maus Graufellchen standen bei dem wirklich sehr großen Hasen.

Hermann beugte sich über das Tier und fühlte seinen Puls.

Mit der Hand fuhr er über das Fell und über den Kopf.

Er hat eine große Beule am Kopf, deshalb wohl die lange Ohnmacht. Ich hole den Mann ohne Haare. Er muss uns helfen.“

So schnell ihn seine kurzen stämmigen Beine trugen eilte er zurück zum Haus und klingelte Sturm.

Gemach, gemach,“ rief Großvater Schinkel, als er öffnete und den kleinen Kerl herein ließ.

Hermann stemmte seine Hände auf die Knie und musste erst mal heftig atmen.

Dann erzählte er Opa Schinkel und seiner Frau, die auch in den Flur gekommen war von dem verletzten Hasen.

Natürlich ging Opa Schinkel gleich mit und seine Frau wollte den Tierarzt verständigen.

Bald standen die beiden vor dem Hasen und der alte Mann hüllte ihn in die mitgenommene Decke und trug ihn zum Schuppen, wo er ihn auf die Werkbank legte.

Der Hase war noch immer nicht aufgewacht und besorgt runzelte Herr Schinkel die Stirn.

Da wurde mit einem Schwung die Schuppentür aufgestoßen und Hermann konnte gerade noch hinter einem Holzstapel verschwinden, bevor der Tierarzt eintrat.

Polternd begrüßte er seinen Freund und untersuchte dann fachmännisch das verletzte Tier.

Innere Verletzungen hat er keine und die lange Ohnmacht kann von dem Schlag auf den Kopf kommen. Ich gebe ihm eine Kreislauf stärkende Spritze, den Rest muss die Natur übernehmen.“

Danke dir Erich.“

Das wirst du nicht mehr denken, wenn du meine Rechnung bekommst,“ lachte dieser dröhnend und gab ihm einen kräftigen Schlag auf die Schulter unter der Opa Schinkel zusammen zuckte.

Mitten in der Nacht wurde Hermann wach durch ein Stöhnen und Poltern. Schnell lief er nach nebenan und drückte auf den Lichtschalter.

Der Hase lehnte an der Werkbank und sah sich verwirrt um.

Wo bin ich hier?“

Im Schuppen von dem Mann ohne Haare. Du lagst auf der Wiese vor dem Wald und er hat dich hierher getragen. Wie fühlst du dich?“

Ich habe Kopfschmerzen und ein flaues Gefühl im Magen.“

Hermann grinste: „ Die Kopfschmerzen kommen von deiner Beule und das flaue Gefühle, ich denke mal du hast Hunger.“

Wie zur Bestätigung fing der Magen des Hasen laut zu grummeln an.

Die beiden lachten.

Komm in meine Stube, die Frau mit dem Namen Oma hat schon gedacht, dass du vielleicht Hunger hast, wenn du aus deiner Ohnmacht erwachst und hat vorgesorgt.“

Wer sind denn alle diese Leute, die du erwähnst?“

Während der Hase von dem reich gefüllten Teller aß, erzählte ihm der Troll von Opa und Oma Schinkel, ihren Enkelinnen, den Langhaaren, und wie er hierher gekommen ist.

(c) Irmi Brüggeman

Zufrieden lehnte sich der Hase zurück. Er fühlte sich wohl, außer den pochenden Schmerzen im Kopf.

Aber nun erzähle mir, wie kommst du auf die Wiese, hat ein Auto dich angefahren?“

Der Hase überlegte, dann schüttelte er verwirrt den Kopf.

Ich weiß es nicht?“

Woher kommst du und wie heißt du?“

Ich weiß es nicht!“

Hm, das kommt wohl von dem Schlag auf den Kopf, aber dein Gedächtnis wird bestimmt bald wieder funktionieren. Komm wir wollen schlafen, du kannst dich dort auf dem Teppich legen.“

Die nächsten Tagen vergingen und der Hase wurde von Tag zu Tag kräftiger und dank Omas Arnika - Salbe wurde auch die Beule kleiner, nur sein Gedächtnis kam nicht wieder.

Am Wochenende kamen Renate und Susi und natürlich waren sie begeistert von dem neuen Mitbewohner.

Als sie hörten, dass er sich an nichts mehr erinnern konnte, beschlossen sie ihm zu helfen.

Zu viert wanderten sie zu der Wiese, wo man ihn gefunden hatten, überquerten gemeinsam die Straße und wanderten durch den Wald.Vielleicht trafen sie ja jemand der ihn kannte.

Doch niemand wusste wer der fremde Hase war.

Am Sonntagabend mussten die Mädchen nach Hause. Doch sie versprachen nächstes Wochenende wieder zu kommen und dann würden sie auch länger bleiben, denn es begannen die Osterferien.

Bei diesem Wort blitzte ein Gedanke auf im Kopf des Hasens, der aber sofort wieder verschwand.

In der Nacht träumte er von bunten Eiern, einer Häsin und Hasenkindern, die alle besorgt schauten.

Am nächsten Morgen überraschte er Hermann mit den Worten.

Ich bin der Osterhase!“

Der Troll starte ihn überrascht an, dann grinste er.

Du erinnerst dich?“

Ja, als die Mädchen von der Osterferien sprachen, da klingelte es in meinem Kopf. Jetzt weiß ich wieder alles, ich wollte zu den Hühnern am Berghof und Eier holen. Meine Familie wird sich schon sorgen machen. Ich muss sofort los. Danke dir mein Freund und sag auch den Langhaaren und ihren Großeltern noch einen schönen Gruß. Ich habe soviel Zeit verloren durch den Unfall, muss mich sputen, sonst fällt Ostern ins Wasser. Lebe wohl mein Freund!“

Und weg war er.

Susi und Renate waren enttäuscht, als sie am Wochenende wieder kamen, hatten sie sich doch gefreut auf den Hasen.

Doch als sie erfuhren, dass es der Osterhase war, waren sie stolz ihn persönlich kennengelernt zu haben.

Und an Ostern fanden sie ein besonders großes Nest mit Leckereien im Garten.

Hermann aber bekam am Abend vor Ostern Besuch von seinem Freund dem Osterhasen und seiner Familie.


© Lore Platz





Mittwoch, 2. April 2025

Wenn ein Traum zerplatzt

 2. 04.2025

Bin heute etwas später, doch Mittwoch ist immer ein Tag vollgepackt mit Terminen, die mir helfen sollen gesund zu bleiben, soweit es noch möglich ist. (zwinkern)

 Zitat des Tages

 


 
Marie Ebner von Eschenbach

 

 

 


 

 

Reizwörter: Karneval, Clown, schminken, nachdenklich, traurig

Martina wird nach dieser Geschichte, eine  Pause machen, doch Regina und ich schreiben weiter.

 



Wenn ein Traum zerplatzt

 

Der junge Mann saß vor dem Spiegel in seinem Wohnwagen und nachdenklich schweiften seine Gedanken in die Vergangenheit. 

Vor fünf Jahren hatte er nach einem fürchterlichen Streit mit seinem Vater das Elternhaus verlassen. Juniorpartner sollte er werden, doch er wollte Künstler werden und mit seiner Violine die Menschen verzaubern.  Also hatte er seine Taschen gepackt und mit dem Geigenkasten in der Hand wütend das Haus verlassen. Zuerst ging er zu seiner Freundin Elena, um sich zu verabschieden. Er versprach, sobald er ein großer Künstler war, wieder zu kommen.

Nie würde er ihren traurigen Blick vergessen. 

Doch er war so froh, seinem strengen Vater entkommen und auch so naiv zu glauben, die Welt würde nur auf ihn warten. Zuerst ging er zu einer Künstleragentur, die vermittelte ihn an Bars, Restaurants und ab und zu an eine Familienfeier. Der Verdienst war zwar gering, doch er hatte ja sein gut gefülltes Sparbuch dabei und konnte sich ein gemütliches warmes Zimmer leisten. 

Doch wenn man nur Ausgaben und wenig Einkommen hat, dann wird auch ein gut gefülltes Sparbuch leer. Er verlor sein Zimmer, landete auf der Straße und hielt sich mit seiner Musik über Wasser. Oft dachte er bitter wie sehr sein Vater triumphieren würde, wenn er ihn so sehen könnte.

Eines Tages mitten im Winter spielte er wieder, seine klammen Finger konnten den Bogen kaum halten. Niemand blieb stehen und die Blechbüchse blieb leer. Nur ein einfach gekleideter älterer Herr stand in der Nähe und lauschte. Nur für ihn legte er all seine Gefühle und seine Traurigkeit in das Spiel.

Als er seine Geige in dem Kasten verstaute und seinen Rucksack schulterte, kam der Mann näher. "Wann haben sie zum letzten Mal was gegessen?" Er hatte nur die Schultern gezuckt und daraufhin hat ihn dieser zu einem warmen Essen eingeladen.

Als sie später dann in einem gemütlichen Lokal saßen, stellte sich der freundliche Herr als Anton Wanicke vor,  Direktor eines kleinen Zirkus. Anton schlug ihm vor, mit ihm zusammen als Clown aufzutreten, auch  könnten sie sein Geigenspiel  in die Nummer mit einbauen. Es war nicht die große Weltbühne, aber er könnte doch einige Menschen glücklich machen, besonders die Kinder. Seit drei Jahren reiste er nun mit dem Zirkus.

"Richard, mein Junge, du bist ja noch gar nicht geschminkt,"

"Ich war in Gedanken," der junge Mann lächelte entschuldigend. Anton legte ihm die Hand auf die Schulter. "Wir sind wieder in deiner Heimatstadt, willst du dich denn nicht endlich mit deinem Vater versöhnen?" "Damit er über mich triumphieren kann, weil ich versagt habe!" "Richard, Stolz ist eine gute Sache, aber zuviel Stolz kann man eines Tages bereuen und dann ist es vielleicht zu spät. Aber nun komm die Kinder warten."

Als sie beide in die Arena liefen und ihre Späße machten lachten die Kinder. Ganz besonders  ein kleiner Junge in der ersten Reihe fiel ihm auf, der ganz begeistert auf und ab hüpfte. Eine Frau beugte sich zu ihm hinunter und Richard erschrak. Es war Elena, sie hatte also geheiratet und einen Sohn. Er konnte es ihr nicht verdenken, nachdem er sich fast vier Jahre nicht mehr bei ihr gemeldet hatte. Traurig dachte er daran, was er alles verloren hatte, als er einem unereichbaren Traum nachjagte. Niemand merkte, wie ihm zumute war, als er fröhlich seine Scherze weiter trieb. Und als er am Ende seine Geige zum klingen brachte, spielte er nur für die Beiden in der ersten Reihe.

 Als er gerade das Clownskostüm an den Haken hängte, klopfte es an der Tür.

"Komm herein Anton," doch als er sich umdrehte, stand Elena mit dem Jungen an der Hand vor ihm. Stumm sahen sie sich an. Der kleine Junge aber hatte das Kostüm entdeckt und jubelte. Mit schief geneigtem Kopf stellte er sich vor Richard und fragte. "Bist du der Clown? Du warst so lustig und hast soooo schön Geige gespielt. Spielst du mir was vor?"

"Später."sagte die Mutter. Verlegen sah Richard seine ehemalige Freundin an. "Wie hast du mich erkannt?" Elena lächelte und ihm wurde ganz warm ums Herz. "An deinem Geigenspiel. Ich muss mit dir sprechen." "Entschuldige bitte meine Unhöflichkeit, bitte setz dich"

Und was ihm Elena nun erzählte machte ihn traurig und glücklich zugleich. Als er sich vor fünf Jahren von ihr verabschiedete, hatte sie gerade das Testergebnis ihrer Schwangerschaft bekommen, doch sie sagte ihm nichts, denn sie wollte kein Klotz an seinem Bein sein. Auch als er immer wieder mal anrief verschwieg sie ihm ihren Zustand. Naja und dann blieben die Anrufe aus und sie dachte, dass sie das richtige getan hatte.

EineWeile war es still, nur das Geplapper des Jungen war zu hören, der inzwischen die rote Perücke entdeckt hatte. Dann hob Richardt den Kopf und fragte leise; "wollt ihr mich den noch haben?" Als Elena lächelnd nickte, küsste er sie stürmisch.

"He, warum küsst du meine Mama?" Richard betrachtete lächelnd den Dreikäsehoch, der breitbeinig vor ihnen stand. "Weil ich sie ganz doll lieb habe, so wie dich auch." Dann sprang er auf und wirbelte den kichernden Jungen durch die Luft. 

Später stellte Richard, Elena und seinen Sohn, Anton und seiner Familie vor. Es wurde beschlossen, wenn derZirkus die Stadt verließ, würde Richard nicht mitgehen.

Elena überredete auch Richard sich mit seinem Vater zu versöhnen. Als die beiden Männer sich nach so langer Zeit gegenüber standen, hatten sie Tränen in den Augen und umarmten sich stumm.

Nach einer stillen Hochzeit, bei der Anton ihr Trauzeuge war, siedelte die kleine Familie in die Villa über. Richard wurde Juniorchef, doch abends ließ er die Geige für seine  Familie erklingen.

Nach einigen Jahren übergab sein Vater die Firma an Richard, denn er hatte eine viel schönere Aufgabe: Opa für die ständig wachsende Schar seiner Enkel.

In die Rolle des Clowns schlüpfte Richard nur noch im Karneval  für seine Kinder und deren Freunde.

Obwohl er nie den Weltruhm erlangt hatte, hatte Richard doch nie bereut, es wenigstens versucht zu haben, denn die harten Jahre hatte ihn zu einem reiferen. besseren und stärkeren  Menschen gemacht.


(c) Lore Platz  13.02.2021



 

Dienstag, 1. April 2025

Die Farben des Regenbogens

  1.04.2025
 
Dann lasst euch mal heute nicht in den April schicken,woher kommt das eigentlich? also habe ich mal gegoogelt.
Vielleicht lässt sich diese Sitte mit der Verlegung des Neujahrstages vom 1. April auf den 1. Januar im Jahre 1564 erklären. Zu Neujahr beschenkte man sich gegenseitig und erhielt diesen alten Brauch in Form von Scheingeschenken und unsinnigen Aufträgen am 1.April.
 
 
 

 
 
Ein Regenbogen ist ein besonders schönes Geschenk der Natur. 

Viel Spaß beim Lesen!





Die Farben des Regenbogens


Der Regen prasselt hernieder und klopft an die Scheiben des kleinen gemütlichen Wohnzimmers.
Ein etwa zehnjähriger Junge sitzt auf einem Sessel, ein dickes Buch auf dem Schoß und liest konzentriert und mit gerunzelter Stirn.
Eine große schwarze Brille sitzt auf seiner Nase und gibt ihm das Aussehen einer klugen Eule.
Auf dem Teppich kniet ein ungefähr vierjähriges Mädchen und spielt, dabei sieht es aber immer wieder sehnsüchtig zum Fenster hin.
Ein alter Mann betritt den Raum und jubelnd läuft ihm die Kleine entgegen.
Es regnet soviel!“ seufzt sie kummervoll.
Nun vielleicht gibt es dann später einen schönen Regenbogen,“ tröstet der Großvater.
Wie entsteht denn ein Regenbogen, malt den die Regenbogenfee?“ fragt Griteli
Die Farben eines Regenbogens entstehen durch die Brechung des Sonnenlichts in den Wassertropfen. Er beginnt mit rot, geht über in orange, gelb, grün, blau und violett. Man ist sich nicht ganz sicher, ob er nun aus sechs oder sieben Farben besteht. Isaac Newton nahm sieben Farben an, damit die Welt der Töne und Farben sich gleichen,“ wird Gritele von ihrem Bruder Armin belehrt.
Das Mädchen wirft ihm einen unwirschen Blick zu und erklärt: „ dein eisack uton weiß gar nix, denn den Regenbogen den zaubert die Regenbogenfee an den
Himmel mit wunderbaren Farben und braucht deshalb nicht das Sonnenlicht kaputt machen und zerbrechen .“
Armin will etwas erwidern, doch der Großvater blinzelt ihm zu.
Weißt du Gritele, der Armin hat schon recht, das ist die wissenschaftliche und logische Erklärung des Regenbogens.
Aber vielleicht gibt es ja doch die Regenbogenfee, denn meine Großmutter hat mir mal erzählt, dass es einmal lange Zeit keinen Regenbogen gab, denn die Farben wurden der Regenbogenfee gestohlen. Willst du die Geschichte hören.“
Au ja!“ Gritele krabbelt neben den Opa aufs Sofa und auch Armin erhebt sich zögernd und setzt sich zu ihnen.
Eigentlich war er ja schon zu alt, für solche Geschichten, aber der Opa konnte so wunderbar erzählen.
Dieser streift ihn mit einem verschmitzten Blick und beginnt:



In einem Land zwischen Himmel und Erde wohnte die Regenbogenfee.
Sie war wunderschön und trug ein Kleid aus den Farben des Regenbogens. Ihre langen Haare glänzten wie die Sonne und waren mit glitzernden Regentropfen geschmückt.
Sie war ein fröhliches Mädchen und sang und lachte den ganzen Tag.
Doch wenn der Regen aufhörte und gleich darauf die Sonne schien, dann lief sie in den Wald zu einem geheimen Platz, auf dem ihre Farbeimer waren.
Sieben weiße Eimer mit den Farben rot, orange, gelb, grün, hellblau, dunkelblau und violett standen da und in jedem Eimer steckt ein Pinsel.
Sie nahm nun bei rot anfangend einen Pinsel nach dem anderen heraus und spritzte einen Tropfen an den Himmel
und die Farben vereinten sich und bildeten einen großen
Bogen.
Und wenn dann die Menschen stehen blieben und ihr
Kunstwerk bewunderten, dann klatschte sie vor Freude in die Hände und tanzte ausgelassen über die Wiese.
Es gab aber einen, der freute sich überhaupt nicht über dieses schöne Gebilde.




Das war der Kobold Knoterich.
Die Kobolde besaßen nämlich einen großen Topf mit Gold.
Woher sie den hatten, das wusste keiner. Bestimmt war er gestohlen.
Doch er war schon seit tausenden von Jahren in ihrem Besitz und alle hundert Jahre wurde ein neuer Wächter gewählt.
Vor kurzem war die Wahl auf Knoterich gefallen und er nahm seine Aufgabe sehr ernst.
Mehrmals am Tag lief er zu der Stelle wo sie den Schatz vergraben hatten und prüfte, ob nicht jemand in der Erde gewühlt hatte.
Und jedes Mal wenn ein Regenbogen erschien und sein Ende genau auf den vergrabenen Schatz traf, da sprang Knoterich vor Wut im Viereck.
Denn seit langem schon ging das Gerücht unter den Menschen um, dass unter dem Ende des Regenbogens ein Schatz vergraben sei.
Wenn nun einer auf die Idee käme, danach zu suchen? Nicht auszudenken!
Knoterichs Gesicht wurde schon ganz grimmig und faltig vor lauter Grübeln.
Dann hatte er eine Idee!
Er würde die Eimer mit den Farben der Regenbogenfee stehlen.
Nun folgte er heimlich dem Mädchen und dann war es wieder soweit, dass sie einen Regenbogen zaubern musste und Knoterich wusste nun, wo die Farben zu finden waren.
Er wartete einige schöne aufeinander folgende Sonnentage ab und als er mitbekam, dass die Regenbogenfee zu einer Party der Engel in den Himmel ging, machte er sich auf den
Weg.
Er schleppte die Eimer, die ein ziemliches Gewicht hatten in seine Höhle und versteckte sie in der hintersten finstersten Ecke.
Dabei wurde er aber von einer Wichtelfrau, die gerade Beeren sammelt, beobachtet.
Als die Regenbogenfee das nächste Mal einen schönen Regenbogen malen wollte, stellte sie voller Entsetzen fest, dass die Farben verschwunden waren.
Und wie sie die enttäuschten Ausrufe der Menschen hörte, die vergebens nach einem Regenbogen Ausschau hielten, da wurde sie ganz traurig.
Sofort machte sie sich auf die Suche, doch niemand wusste, wo ihre Farben waren.
Die Regenbogenfee wurde immer trauriger und schon lange hatte man sie nicht mehr Lachen gehört.
Eines Tages aber kam sie auch in das Wichteldorf und sie erzählte den kleinen Leuten, die sich um sie scharrten, von ihrem Kummer.
Da erinnerte sich die Wichtelfrau, dass sie Knoterich beobachtet hatte, wie er einen schweren Eimer in seine Höhle schleppte und sich dabei immer verstohlen umsah.
Sofort machte die Regenbogenfee sich auf den Weg, begleitet von den Wichteln.
Sie durchsuchten die kalte Höhle und fanden am hintersten Ende die Eimer mit den Farben.
Die Wichtel aber liefen zurück ins Dorf und holten Schubkarren und Leiterwagen, womit sie die Eimer dann zurück in den Wald brachten.
Die Regenbogenfee aber legt einen Zauber, der sie unsichtbar machte, über die Farben.“




Das war schön,“ seufzt Griteli.
Sie sieht zum Fenster.
Der Regen hat aufgehört, will doch gleich mal sehen, ob die Regenbogenfee schon einen Regenbogen gezaubert
hat.“
Sie hampelt sich vom Sofa und läuft zum Fenster.
Etwas wehmütig lächelnd sieht der Großvater ihr nach und denkt.
Wie schön noch ein Kind zu sein und an Märchen und Wunder zu glauben.“


© Lore Platz   2022






Montag, 31. März 2025

Die Katzenmarei

 

 


 

 

 

 31.03.2025  

Wie schnell die Zeit vergeht. Ach ja lasst euch bloß Morgen nicht in den April schicken. 

Durch meine lange Krankheit bin ich mit neuen Geschichten sehr im Rückstand. Fünf Geschichten sind halbfertig und sieben sind im Kopf. Eine Geschichte ist schnell erzählt und vorgelesen, aber sie zu schreiben ist eine Heidenarbeit.

 

 Zitat des Tages

 

Hoffnungen


Drei Dinge helfen die Mühseligkeiten des Lebens zu 

ertragen, die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen


Immanuel Kant


 

 2022

Vor Jahren fand ich einen kleinen Zeitungsbericht. Eine alte Frau hat  eine Packung Katzenfutter  gestohlen und wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Ich war wütend und fand das ungerecht, denn wenn die Frau kein Geld für Katzenfutter hat, wie soll sie dann die Strafe bezahlen. Zum Glück haben gute Menschen gesammelt,daraus habe ich eine Geschichte gemacht.

Und nun wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen!

 
(c) Werner Borgfeldt






Die Katzenmarei


Müde tastet sich die alte Frau durch den schmalen Flur, den Eimern ausweichend, die sie wegen dem eindringenden Regen dort aufgestellt hat.
Der Sturm vor einigen Tagen hat einige Dachziegel herunter gerissen.
In der halbdunklen Küche, durch dessen schmales Fenster der beginnende Tag sein schwaches Licht wirft, ist es kühl und Marei zieht frierend das Schultertuch fester um ihre Schultern.
Mit klammen Fingern schürt sie in der Glut des alten Eisenofens und legt einige Holzstücke dazu.
Bald hört man es lustig knistern und knacken und ganz langsam breitet sich Wärme aus.

Fröstelnd wäscht sie sich mit dem kalten Wasser an dem Becken aus Email am Fenster, dann schlüpft sie in die alten abgenutzten Kleider, die sie aus der Schlafstube mitgebracht hat.
Sie stellt einen Kessel mit Wasser auf den Ofen, nimmt den Melkeimer, schlüpft in die Holzpantinen und schlurft über den Hof in den Schuppen.
 
(c) C.P.

Die Ziege begrüßt sie mit ihrer meckernden Stimme und liebevoll streicht Marei ihr über das Fell, bevor sie sie melkt.
Dann geht die alte Frau zu einer großen weißen Schüssel in der Mitte des Schuppens und gießt die noch warme Milch hinein.
Und nun wird es lebendig. Aus allen Ecken kommen Katzen angelaufen. Keine Schönheiten, mager zerzaust und einem kampferprobtem Kater fehlt sogar ein Ohr.
Schmeichelnd drängen sie sich an Marei, als wollen sie Danke sagen, bevor sie sich über die Milch hermachen.
Liebevoll betrachtet die Katzenmarei, so nennt man sie im Ort, weil sie sich um streunende Katzen kümmert, ihre Schützlinge.
Dann wird ihr Blick traurig. Wie mager sie sind, wie viele von ihnen den Winter wohl überleben. Und es würde einen harten Winter geben.

(c) Werner Borgfeldt

Als sie im Wald Tannenzapfen und Holz gesammelte hat, ist ihr aufgefallen, wie groß die Ameisenhaufen sind. Das lässt auf einen langen harten Winter schließen.
Ihr Blick fällt auf eine schwarzweiße Katze, die jetzt die Schüssel erreicht hat. Gestern erst ist sie zu ihr gekommen und so schwach, dass ihre Hinterläufe immer wieder einknicken und so mager, dass man jede einzelne Rippe zählen kann.
Sie braucht unbedingt kräftigere Nahrung als nur Milch, die anderen auch, doch die sind wenigstens noch kräftig genug, um sich ab und zu eine Maus zu fangen.
Marei seufzt und Tränen treten ihr in die Augen.
Bis vor kurzem hat ihr der Metzger am Ort jede Woche eine große Portion Fleischabfälle vorbei gebracht und auch Markknochen.
Aus den Markknochen machte sie eine kräftigende Brühe , der sie, die von ihr gesammelten Kräuter, hinzufügte.
Und diese Brühe flößte sie dann den schwächsten ihrer Schützlingen ein. So manches Tier konnte sie damit retten.
Aber vor einigen Monaten hat die Metzgerei geschlossen, der nahe Supermarkt war eine zu große Konkurrenz .
Marei geht in trübe Gedanken versunken ins Haus zurück.
Nachdem sie den Melkeimer gesäubert, gießt sie sich einen Tee auf und isst die letzte Scheibe Brot mit Marmelade.

Nachher muss sie noch im Supermarkt, Brot kaufen, doch erst will sie auf den Kartoffelacker.
Sie darf nämlich die Kartoffeln, die die Maschine nicht erfasst hat, auflesen.
Wenig später kommt sie mit zwei gut gefüllten Eimern wieder zurück. Es ist gar nicht so leicht gewesen mit dem kleinen Leiterwagen und der schweren Last über die holprigen Wege zu fahren. Doch es hat sich gelohnt, mit den Kartoffeln wird sie gut über den Winter kommen.
Nachdem sie ihren kostbaren Schatz im Keller verstaut hat, macht sie sich Stadt fein und mit ihrer großen Tasche über dem Arm geht sie zum Supermarkt.
Sie mag den Supermarkt nicht, hier ist alles so groß und unübersichtlich und die Verkäufer sind auch nicht sehr freundlich. Sie schüchtern sie sogar ein wenig ein und wenn sie etwas umständlich ihr Kleingeld zusammen sucht, spürt sie die Ungeduld der jungen Frau an der Kasse.
Marei legt das Brot und die Flasche billiges Salatöl in ihren Einkaufswagen und fährt in Richtung Kasse.
Im Vorbeigehen fällt ihr Blick auf ein Regal voll mit Katzenfutter. Sie studiert die Preise und bedauert, dass sie nicht genügend Geld dabei hat. Es ist einige Tage vor dem Ersten.

(c) Helge T.

Vor ihrem inneren Augen sieht sie die schwarzweiße kleine Katze, die so schwach ist, dass sie sich nur mühsam vorwärts bewegen kann.
Mit diesem kräftigen Futter könnte sie sie wieder aufpäppeln, ansonsten befürchtet sie das allerschlimmste.
Automatisch greift sie nach der großen Dose und lässt sie in ihrer karierten Einkaufstasche verschwinden
Ein schwere Hand legt sich auf ihre Schultern.


 
(c) Werner Borgfeldt


Daniel sitzt in seinem Büro des Zeitungsverlags
'Der Tagesbote', die Füße auf dem Schreibtisch und zielt mit Papierkügelchen auf den Papierkorb.
Christiane, seine Kollegin beobachtet ihn amüsiert und meint: „ Du solltest mal an deinem Wurfarm arbeiten.“
Mit einem schiefen Grinsen betrachtet Daniel das Chaos auf dem Teppich.
Er nimmt die Füße vom Schreibtisch und fährt sich mit beiden Händen durch das bereits verstrubbelte Haar.
Ich soll bis Redaktionsschluss einen Artikel schreiben und ich habe keine Ahnung worüber.“
Da hätte ich was für dich, ich war eben auf dem Gericht.“
Hat Richter Gnadenlos mal wieder zu geschlagen?“
Christianes Gesicht verfinstert sich.
Ja und diesmal hat er sich selbst übertroffen. Er hat die Katzenmarei zu 300Euro Strafe verdonnert!“
Ist das die alte Frau, die in dem verfallenem Haus am Ortsrand wohnt und sich um streunende Katzen kümmert? Was hat sie denn verbrochen?“
Im Supermarkt eine Dose Katzenfutter gestohlen?“
Die Strafe ist aber happig, selbst für Richter Gnadenlos.“
Er will ein Exempel statuieren, erklärte er bei der Begründung, denn die Verluste durch Ladendiebstähle sei enorm hoch.“
Ach und das muss er ausgerechnet bei dem armen alten Weiblein?“
Die sich noch nie etwas in ihrem Leben zuschulden kommen ließ und der nur 170 Euro von ihrer Rente bleiben zum Leben.“
Daniel machte nur „hm“ und Christiane verlässt leise das Zimmer.
Den Blick kennt sie, nicht umsonst hat sie den besten Reporter im Team auf diese Geschichte angesetzt.
Vergnügt summend schlendert sie zu ihrem Schreibtisch mit dem sicheren Gefühl, dass der Katzenmarei geholfen wird.
Wenig später verlässt Daniel die Redaktion und bald hält sein Sportwagen vor dem alten Häuschen.

Er führt ein langes Gespräch mit der alten Frau, macht auch einige Fotos von den Katzen besonders von der schwarzweißen für die das Katzenfutter bestimmt war.
Beim Abschied erklärt er noch, dass die Zeitung die Strafe bezahlen würde.
Zurück in der Redaktion geht er ohne rechts und links zu schauen in sein Büro und dann hämmern seine Finger auf den Laptop.
Am nächsten Morgen steht ein großer Artikel auf der ersten Seite des 'Tagesboten' mit Bildern von der Marei, ihren Schützlingen und der kleinen völlig abgemagerten schwarzweißen Katze.
Dieser Artikel löst einen Sturm der Hilfsbereitschaft aus.
Geldspenden gehen in der Redaktion ein, sodass man ein extra Spendenkonto einrichten muss.
Der hiesige Tierschutzverband ruft an, dass er künftig die Katzenmarei mit Katzenfutter versorgen wird.
Aus der Kreisstadt kommt der Tierarzt und fragte nach dem Weg zu Mareis Haus, denn er will die Katzen kostenlos ärztlich betreuen.
Und der ortsansässige Bauunternehmer fährt mit einigen seiner Leute zu dem alten Haus, um die Sturmschäden zu beseitigen und selbst den Schuppen verstärken sie mit zusätzlichen Brettern, damit die Tiere es schön warm haben.

Die alte Marei aber kann ihr Glück gar nicht fassen und als Daniel sie besucht, streckt sie ihm nur mit Tränen in                                                                                                          den Augen beide Hände entgegen und flüstert: „Danke“
Dann nimmt sie den jungen Mann mit in den Schuppen und zeigt ihm die schwarzweiße Katze, die gesund und munter mit den andern angelaufen kommt.

© Lore Platz (2022)