Samstag, 4. Mai 2019

Tumult im Märchenwald Ende

Mit dem Ende meiner Geschichte wünsche ich euch ein schönes Wochenende.
Viel Spaß beim Lesen!

 
(c) C.P.
Es sind Wally und Knolly.
So gut haben sie sich lange schon nicht mehr amüsiert und dann hat Wally eine gute Idee.
Die Elster Esmeralda hat ihr nämlich vor einiger Zeit erzählt, dass die bösen Märchenwesen ziemlich sauer sind, weil es jetzt im Märchenwald so fröhlich und friedlich ist.
Am liebsten würden sie den Märchenwald so richtig durcheinander bringen.
Wally und Knolly stecken kichernd die Köpfe zusammen und schmieden einen Plan.
Auch wird Esmeralda zu den Verbannten auf den Berg geschickt um ihnen zu berichten, was die beiden Hexen vorhaben.
Sie sollten nur gut aufpassen in nächster Zeit würde es im Märchenwald rund gehen.

 
(c) RMzV

Immerzerstreut sitzt im Garten und langweilt sich ein
wenig. Es ist so gar nichts los, niemand kommt, niemand hat irgend ein Problem das sie lösen könnte.
Dabei hat sie so große Freude daran, sie zaubert doch so gerne und bisher waren ihre Sprüche alle richtig gut gelungen.
Hat sie doch schon immer gewusst, es fehlt ihr eben nur die Übung.
Ein Rascheln und ein Schatten drüben im Gebüsch erregt ihre Aufmerksamkeit.
Da war doch jemand?
Entschlossen steht sie auf und verlässt den Garten.
Eine Gestalt schleicht durch die Büsche und Muhme Immerzerstreut meint die Hexe Wally zu erkennen.
Na die hatte doch sicher nichts Gutes vor.
Lilofees Tante folgt der fliehenden Gestalt und bleibt abrupt stehen, als sie flüsternde Stimmen hört.
Vorsichtig schleicht sie näher.
Wally und Knolly, die sie wohl bemerkt haben beginnen nun ihr vorbereitetes Gespräch:
Weißt du schon was im Märchenwald los ist. Wally“
fragt Knolly.
Nein,“ brummt Wally, „ aber du wirst es mir sicher gleich erzählen.“

Der 13. Fee ist es gelungen den Bannkreis des Feenkönigs zu verlassen und sie hat mit einem Zauberspruch die ganze Märchenwelt durcheinander gebracht. Da geht es jetzt vielleicht rund. Alles spielt verrückt“
Die beiden können sich gar nicht mehr beruhigen vor lauter Lachen und Immerzerstreut runzelt nachdenklich die Stirn.
Dann lauscht sie wieder, denn Wally spricht jetzt weiter.
Was für ein Glück, dass Lilofee gerade nicht da ist, die würde den ganzen Spuk sofort beenden.“
Kann sie das denn?“ zweifelt Knolly.
Aber sicher, Lilofee braucht doch nur den Umkehrzauber auszusprechen, dann ist alles wieder wie zuvor.“
Und was ist mit Immerzerstreut, die kennt doch bestimmt diesen Zauberspruch auch?“
Wally winkt ab und grinst.
Pah, die ist doch viel zu dämlich und bringt bestimmt alles noch mehr durcheinander.“
Die Beiden blinzeln sich zu und entfernen sich.
Immerzerstreut ist wütend.
Zu dämlich, pah! Sie würde es denen schon zeigen und dem Märchenwald seinen Frieden zurück bringen.
Sie lenkt ihre Schritte in Richtung Märchenwald, doch dann dreht sie wieder um.
Nein, dämlich war sie nicht, aber doch manchmal etwas zerstreut und vergesslich.
Doch diesmal durfte ihr kein Fehler unterlaufen.
Sie wollte erst in dem Zauberbuch von Lilofee nach dem richtigen Spruch suchen und ihn dann aufschreiben.

Mit forschen Schritten geht sie zurück zu Lilofees Haus und holt aus der Glasvitrine das Zauberbuch.
Sie legte es auf den Schreibtisch, dann setzt sie sich gemütlich hin.
Und nachdem sie noch umständlich ihre Brille aus der Tasche genommen und auf der Nase platziert hat, beginnt sie die vergilbten Seiten des Buches durchzublättern.
Manchmal hält sie inne, wenn sie einen Spruch entdeckt, den sie schon lange vergessen hatte und schmunzelt wenn sie sieht was sie bei manchen Sprüchen verkehrt gemacht hat.
Es war eben schon sehr lange her, dass sie die Zauberschule besucht hatte und als Kind alle diese Sprüche auswendig lernen musste.
Ach hier war er ja!
Schnell reißt sie ein Blatt Papier von dem Notizblock auf dem Schreibtisch ab und notiert sich den Spruch.
Zufrieden klappt sie das Buch zu, legt es zurück in die Vitrine, steckt Brille und Zettel in die große Tasche an ihrem bunten Kleid und verlässt das Haus.
Mit forschen Schritten nähert sie sich dem Märchenwald und bemerkt nicht, dass Wally und Knolly ihr heimlich folgen.
Die beiden Hexen haben sich in der Nähe versteckt, weil sie wissen wollten, was Muhme Immerzerstreut als Nächstes unternehmen wird.
Und so folgen sie ihr leise.
Immerzerstreut ist jetzt am Märchenwald angekommen.
Aufmerksam betrachtet sie das große Gebiet kann aber
nichts auffälliges feststellen.
Alles war ruhig wie immer, erfüllt mit Fröhlichkeit und Lachen.
Wally und Knolly sehen sich an.
Was nun, wenn ihr schöner Plan nicht aufging?
Wally flüstert Esmeralda, die auf ihrer Schulter sitzt etwas ins Ohr und die Elster fliegt hinauf zum Berg der Verbannten und gleich darauf stellt die 13. Fee sich an den Rand des Felsen und ruft mit weithin schallender Stimme:
Ich verzaubere Euch, ihr nichtsnutzigen Märchenwesen und werde euch das Lachen schon austreiben!“
Sie macht geheimnisvolle Handbewegungen und murmelt dabei einige Worte.
Immerzerstreut, die leider nicht weiß, dass ihr Bruder, der Feenkönig, allen bösen Märchenwesen die Zauberkräfte genommen hatte und die 13 Fee überhaupt niemanden mehr verzaubern konnte, fällt auf den Schwindel herein.
Mit grimmiger Miene holt sie den Zettel aus der Tasche und setzt sich die Brille auf die Nase.
Nein! Diesmal wollte sie keinen Fehler begehen.

Mit lauter Stimme beginnt sie zu lesen:

Alles was falsch hier scheint
soll umgekehrt jetzt sein
Mit der Macht meiner Zauberkraft
Umkehr habe ich nun geschafft.“

Sie wirft noch einen zufriedenen Blick hinauf auf den Berg, dann nimmt sie die Brille von der Nase, dreht sich um und marschiert mit energischen Schritten davon.
Arme Immerzerstreut, da hat sie sich soviel Mühe
gegeben, um diesmal alles richtig zu machen und ist auf eine so böse Intrige herein gefallen.
Nicht ahnend welches Chaos hinter ihr ausbricht, verlässt sie den Märchenwald.
Wally und Knolly treten aus ihrem Versteck und warten gespannt, was jetzt geschieht.
Ebenso haben sich oben auf dem Berg die Verbannten versammelt und auch sie warten, welch Unheil nun geschehen wird.
Und dann bricht das Chaos aus!
Die sieben Geißlein jagen mit grimmigen Gesichtern den Wolf und schreien: Wir sind die bösen Geißlein und wollen dich fressen!“
Der Wolf schnauft und stöhnt und erreicht mit letzter Kraft das Haus der Geißlein.
Voller Panik sieht er sich nach einem Versteck um.
Unterm Bett, nein dort hat er das Geißlein damals gefunden.
Unterm Tisch, nein auch nicht gut.
Im Schrank, dieses Geißlein hat er auch erwischt.
Wo hat sich das kleinste Geißlein, das er übersehen hat, versteckt, natürlich im Uhrenkasten.
Schnell öffnet er die große Standuhr und zwängt sich hinein, was bei seiner Größe gar nicht so leicht ist.
Die alte Uhr stöhnt und ächzt.
Endlich hat es der Wolf geschafft und er zieht die Tür zu und jault auf.
Er hat seinen Schwanz eingezwängt.
Schnell holt er ihn in das Uhrgehäuse und schließt die Tür.
Gerade noch rechtzeitig, denn die Geißlein stürmen ins Haus und krabbeln suchend auf dem Boden herum.

Das Rotkäppchen sitzt friedlich mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater, dem Jäger auf der Terrasse, da kommt die Großmutter angstürmt.
Sie schnappt sich das Gewehr des Jägers und schaut sich ängstlich um.
Der Wolf kommt und will mich fressen,“ flüstert sie, dreht sich um und läuft mit dem Gewehr zurück in den Wald.
Als Rotkäppchen und ihre Eltern das Haus der Großmutter erreichen, hat diese alle Fenster und Türen verschlossen.

Ein kleines Mädchen in einem kurzem weißen Hemdchen sitzt weinend auf der Wiese und statt Sterntaler fallen Kohlenstücke vom Himmel.

Schneewittchen aber irrt durch den Wald und sucht ihren gläsernen Sarg.

 
(c) C.P.
Die ehemalige Müllerstochter hat ihr Kind aus der Wiege genommen und irrt klagend herum:
Rumpelstilzchen, wo bist du! Ich bringe dir mein Kind!“
Der kleine Kobold hat sich aber in einer Höhle versteckt, denn er will das Kind nicht mehr.
Hat er doch inzwischen fest gestellt, wie viel Unruhe so ein kleiner Schreihals in sein gemütliches Koboldleben bringt.
Und die goldene Gans?
Die marschiert in das Schloss mitten in eine fröhliche Gesellschaft, springt dem Hans auf den Schoß und auf einmal hängen alle an der Gans fest.
Und sie laufen durch das Schloss, treppauf, treppab.
Schließlich zieht die riesige Menschenschlange über die Freitreppe nach draußen und wandert durch den Märchenwald.

Dornröschen aber ist hinaus in den Garten gelaufen und hat sich unter einen Rosenstrauch gelegt und verkündet:
Ich werde jetzt hundert Jahre schlafen.“
Anklagend deutet sie auf ihren Mann und fordert:
Wage es ja nicht, mich mit einem Kuss zu wecken, bevor die Zeit um ist!“
Dann legt sie sich zurück und presst fest die Augen zu.
Der Froschkönig aber ist in den Park gelaufen.
Er steigt in den Weiher und setzt sich auf den großen Stein, der in der Mitte thront, krümmt seine menschliche Gestalt zu einem Frosch, reißt den Mund auf und ruft laut :
Quack, Quack, Quack!“
Seine Frau und der treue Heinrich aber laufen am Ufer des Weihers entlang und flehen ihn an, doch aus dem Wasser zu kommen.
Hänsel und Gretel aber haben ihre Eltern in den 
Schuppen gesperrt und fassen sich nun an den Händen und tanzen im Kreis herum, dabei singen sie:

Zeigt mir eure Fingerlein,
ob sie nicht noch sind zu klein.
Sind sie fett und wohl geraten,
dann seid ihr fertig zum Braten.
Holla, hi, holla, ho!“
 
(c) Roswitha B.

Und gar die Heinzelmännchen!
Sie stürmen mit Geschrei in die Schusterwerkstatt, reißen die fertigen Schuhe aus den Regalen und beginnen sie auseinander zu nehmen.
Bald fliegen Lederstücke, Nägel und Absätze durch die Gegend.
Dann rasen sie in die Schneiderwerkstatt zerstückeln die Stoffe, trennen die Nähte aus den fertigen Kleidern und hinterlassen ein schreckliches Durcheinander.

Die Fröhlichkeit und der Frieden hat das Märchenland wirklich verlassen wie sich die bösen Märchenwesen das gewünscht haben.
Diese stehen oben auf dem Berg und krümmen sich vor lachen.
Tränen laufen ihnen über das Gesicht und der dicke Gastwirt ist sogar umgefallen und liegt nun auf dem Rücken wie ein Maikäfer .
Vor Begeisterung strampelt er mit den Beinen.


Im Märchenwald aber hört man nur noch Kreischen, Schimpfen, Jammern und Klagen.

Das wäre wohl einige Zeit so weiter gegangen, wenn nicht Lilofee glücklicherweise aus ihrem Urlaub zurück gekommen wäre und alles wieder in Ordnung gebracht hätte.

Knolly und Wally konnten leider nicht bestraft werden, da sie auf länger Zeit in ein unbekanntes Ziel vereist sind.

Immerzerstreut ist traurig und unglücklich.
Diesmal hat sich extra soviel Mühe gegeben, um alles recht zu machen und solches Chaos geschaffen.

Doch Lilofee und auch Purzel trösten sie, denn dass sie auf eine solch böse Intrige herein gefallen ist, das war wirklich nicht ihre schuld.

Die Märchenwesen haben den Wirrwarr bald vergessen und sind fröhlich und glücklich wie zuvor, sehr zum Ärger der Verbannten auf dem Berg.

© Lore Platz