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Samstag, 18. Oktober 2025

Die schwarze Katze


 Mit dieser Geschichte wünsche ich euch einen schönen Samstag


 
 
(c)  Pia Schubert


 
Die schwarze Katze


Sie hatte Hunger! Seit sie die kleine Maus verputzt hatte war schon ein Weilchen her.
Ein lieblicher Duft stieg in ihre Nase und sie bog in den Hof der Metzgerei ein. Der Lehrjunge Robert leerte gerade einen Eimer mit Abfällen in einen Container.
Von früheren Besucher her wusste sie, dass er böse und gemein war und sie mochte er schon gar nicht, weil sie schwarz war.
'Teufelsvieh, das nur Unglück bringt' hatte er sie geheißen und einen großen Knochen nach ihr geworfen.
Besser sie ließ sich nicht sehen.
Zu spät!
Ein großer Knochen flog auf sie zu und streifte sie an der Hinterhand.
Mit einem Weh laut drehte sie sich um und lief blindlings davon.
Bremsen quietschten, sie spürte einen heftigen Schlag, flog gegen einen Zaun und blieb wimmernd liegen.
Au Backe! Das sieht nicht gut aus.“
Ein grauer großer Kater beugte sich über die verletzte Katze.
Die Katze öffnete die Augen.
Du lebst also noch, meinst du, dass du laufen kannst? Ich heiße übrigens Jakob.“
Katja!“ stieß die Katze hervor, während sie mühsam versuchte aufzustehen.
Jakob nickte.
Komm ich weiß wo wir Hilfe finden. Du wirst wohl auf drei Beinen laufen müssen.“
Er betrachtete die rechte Hinterhand der Katze, die seltsam herunter baumelte.
Als würden sie einen gemütlichen Spaziergang machen begann Jakob zu plaudern.
Weißt du, dass wir Katzen im alten Ägypten als heilig galten? Eigentlich schade, dass das heute nicht mehr so ist, dann ging es uns Katzen wohl besser und wir müssten nicht auf der Straße hausen. Obwohl...?“ sinnierte er,
im Mittelalter ging es uns Katzen wirklich schlecht. Plötzlich wurden wir, die kurz vorher noch als Mäusejäger gelobt und begehrt waren, als Teufelsbrut bezeichnet.
Menschen die eine Katze hatten mussten auf einmal Angst haben der Hexerei angeklagt zu werden.
Die schwarzen Katzen hatte es damals besonders schwer, denn schwarz galt als eine dämonische Farbe und man behauptete sogar, dass Hexen sich in schwarze Katzen verwandeln würden, um den Menschen zu schaden.
Außerdem behaupteten sie, wenn eine schwarze Katze von links kommt, das bringt Unglück. Aberglaube nennt man das! Weißt du links ist nämlich die schlechte Seite deshalb hat man früher auch versucht Linkshänder zu Rechtshändern zu machen. Möchtest du wissen, warum das so ist. Das kommt daher, weil am Tag des Jüngsten Gericht die Guten rechts und die Schlechten sich links aufstellen müssen.
Wir sind da, denkst du, du kannst durch das Gitter schlüpfen?“
Katja sah durch das große eiserne Tor in den parkähnlichen Garten und nickte.
Kurze Zeit später ließ sie sich mit einem Weh laut ins Gras sinken. Sie war am Ende ihrer Kraft.
Trotzdem versuchte sie zu lächeln.
Danke Jakob, mit deinem Gequatsche hast du mich von meinen Schmerzen abgelenkt.“
Der Kater grinste: „Das war auch meine Absicht.“
Aber woher weißt du so viel über Katzen?“
Ich habe mal bei einem alten Professor gelebt und wenn der mit seinen Freunden fachsimpelte habe ich immer gerne zugehört. Als er starb hat man mich verjagt und seitdem lebe ich auf der Straße. Aber nun versuche ich Hilfe zu holen.“
Während Katja sich zurück lehnte und die Augen schloss, raste Jakob durch den Garten.
Als die Veranda in Sicht kam, machte er langsamer.
Eine ältere etwa sechzig jährige Frau saß in einem Korbstuhl, auf dem Schoß ein aufgeschlagenes Buch, aber ihr Blick war in die Ferne gerichtet und sie sah traurig aus.
Als sie den Kater erblickte, lächelte sie.
Da bist du ja wieder. Luise bring doch ein Schälchen mit Sahne!“
Eine scheltende Stimmer klang aus dem Haus.
Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, sie sollten den Kater nicht füttern. Nun werden sie ihn bestimmt nimmer los.“
Eine mollige ältere Frau kam aus dem Haus und stellte ein Schüsselchen auf den Boden.
Doch Jakob ignorierte den verführerischen Duft und sah die Dame unverwandt an, als wollte er sie hypnotisieren, dann wandte er sich um, miaute auffordernd und lief ein paar Schritte.
Ich glaube er will uns was zeigen.“
Leichtfüßig sprang Laura Bernhofer auf und die beiden Frauen folgten dem Kater durch den Garten.
Mitleidig sahen sie auf die verwundete Katze. Luise, die nur immer so grummelig tat, dabei aber ein butterweiches Herz hatte, lief schnell ins Haus und holte einen Korb.
Vorsichtig legten sie die Katze dann in den mit weichen Tüchern ausgepolsterten Korb.
Was machen wir nun? Der nächste Tierarzt ist in der Kreisstadt?“
Aber auf dem Erlenhof wohnt ein Mann, der Tiere gesund pflegt,“ erinnerte sich Luise.
Dann werde ich unsere Patientin zu ihm bringen, der Sparziergang wird mir gut tun.“
Mit zügigen Schritten aber darauf bedacht den Korb möglichst ruhig zu halten wanderte die alte Dame die Straße entlang.
Wo der Erlenhof lag wusste sie noch von früher und bog in die große Auffahrt ein.





Auf einer Koppel standen mehrere alte Esel ein betagtes Pony kam an den Zaun und ein Reh mit einem verbundenem Bein stakste über die Wiese.
Ein alter Bernhardiner lag im Sonnenschein, öffnet nur kurz ein Auge und schloss es wieder.
Aus dem Schuppen kam ein älterer Mann.
Bertl!“ Sie erkannte den Gespielen ihrer Kindheit sofort, auch wenn bei ihm die Jahre nicht spurlos vorüber gegangen waren.
Laura!“ rief dieser erfreut und kam auf sie zu, nahm ihre zarte kleine Hand in seine große Pranke und drückte sie vorsichtig.
Dann sah er die verwundete Katze und sein Gesicht wurde ernst. Er nahm Laura vorsichtig den Korb ab und ging mit weit ausholenden Schritten in den Schuppen. Die alte Dame folgte ihm.
Im Schuppen waren auch mehrere Tiere untergebracht. Ein Adler saß auf einer Stange in einem riesigen Käfig. Sein linker Flügel war verbunden.
Ein Fuchs lag in einem Verschlag ein Bein im Gips.
Laura stellte sich neben ihren Freund aus Kindertagen und sah zu, wie er behutsam das kranke Tier untersuchte, die Wunde säuberte, Salbe auftrug und sie verband.
Die alte Dame lächelte,schon als sie noch Kinder waren,
hatte Bertl immer irgendwelche kranke Tiere angeschleppt und verarztet und sie stand daneben und durfte ihm ab und zu assistieren.
Dieser hob nun den Kopf, schenkte ihr ein Lächeln und meinte.
Mehr kann ich jetzt nicht tun, den Rest muss man der Natur überlassen. Innere Verletzungen hat sie keine, denn die Augen sind klar. Magst was trinken?“
Er legte die Katze vorsichtig in eine Kiste. Der Kater setzte sich daneben, als wollte er sie bewachen.
Die beiden Jugendfreunde aber setzten sich auf die Bank vor dem Haus, nachdem Bertl für jeden einen Eistee gebracht hatte.
Es sind fast vierzig Jahre her, dass wir uns nimmer gesehen haben,“ lächelte Laura, „ ich bin mit meinem Mann durch die Welt gereist, mal musste er hier eine Brücke bauen, dann wo anders ein Hochhaus. Wir waren immer unterwegs. Und dann bekam er einen Herzinfarkt und hat mich einfach verlassen. Wir waren damals gerade in Dubai, er war verantwortlich für den Bau eines riesigen Hotels.
Doch wie immer hat er sich zu viel zugemutet, es war unmöglich ihn davon abzubringen und dann noch die Hitze. Wenigstens musste er nicht leiden.
Alle waren sehr nett zu mir und haben mir geholfen. Nach der Beerdigung dann bin ich zurück in mein Elternhaus.
Luise, die als junges Mädchen bei meinen Eltern in Dienst kam hat sich in all den Jahren um das Haus gekümmert. Doch erzähl, wie ist es dir ergangen?“
Nach dem Tod meiner Eltern hat es mich hier nicht mehr gehalten, ich wollte die Welt kennen lernen.
Ich habe in Kanada als Holzfäller gearbeitet, in Alaska auf einem Fischerboot angeheuert, in Brasilien im Hafen beim Verladen der Schiffe geholfen. Habe viel gesehen und erlebt, viel gearbeitet, aber reich bin ich dabei nicht geworden.“
Er grinste und erinnert sie an den Jungen, der er einmal war.
Sein Vater war Knecht auf dem Erlenhof und seine Mutter arbeitete als Köchin bei ihren Eltern.
Nach der Schule kam er immer zu seiner Mutter und machte bei ihr in der Küche die Hausaufgaben. So hatte sie ihn kennengelernt. Sie war damals vier Jahre und begeistert von dem zwei Jahre älteren Buben, dem sie dann auf Schritt und Tritt folgte.
Aus ihren Gedanken heraus meinte sie:
Ich war dir wohl manchmal etwas lästig, wenn ich dir immer nachgerannt bin.“
Bertl lachte fröhlich.
Manchmal schon, aber du warst so niedlich, man konnte dir doch nicht böse sein. Weißt du, dass ich dich in Mexiko gesehen habe?“
Mexiko? Ach damals musste Frank den Bau einer Brücke leiten.“
Und ich habe dort gearbeitet.“
Warum hast du mich denn nicht besucht?“
Nun geriet der Mann doch in Verlegenheit.
Weißt, du warst doch die Frau des Chefs und ich nur ein kleiner Hilfsarbeiter. Was hätten deine feinen Freunde wohl gesagt.“
Dummer Bub!“ tadelte Laura,“ du weißt, dass das mir nichts ausgemacht hätte!“
Bertl nickte.
Ja, sie hätte sich nicht seiner geschämt. Er dachte an ihren zehnten Geburtstag zu dem sie ihn eingeladen hatte. Seine Mutter hatte ihm extra seinen Kommunionanzug angezogen. Sicher er war schon ein wenig raus gewachsen, die Beine und Ärmel waren zu kurz, aber der Stoff war noch gut und musste nicht gewendet werden.
Er hatte sich ein wenig unwohl bei den reichen Kindern gefühlt, aber sie waren recht nett zu ihm. Nur einer, Richard hieß er, hatte ihn immer gehänselt wegen seinem
Anzug und ihn richtig schikaniert.
Ganz fest hatte er seine Bubenfäuste in die Tasche gesteckt, denn er wollte auf dem Fest seiner Freundin keine Rauferei anfangen.
Doch da hat Laura auch schon eingegriffen.
Wütend, beide Hände in die Seiten gestemmt hatte sie sich vor dem einen Kopf größeren Jungen aufgebaut.
Richard, der Bertl ist mein allerbester Freund und wenn es dir nicht passt, dass ich ihn eingeladen habe, dann kannst ja geh'n!“
Mit blitzenden Augen hatte sie sich dann zu den anderen Kindern umgewandt und gesagt:
Und ihr auch!“
Doch keiner wollte gehen, nur der arrogante Schnösel meinte:
Ich bleibe bestimmt nicht auf einem Fest, wo Dienstboten eingeladen werden!“
Als er weg war, wurde es erst so richtig lustig und schön. Später sind sie dann alle hinunter zum See und er hat den feinen Pinkeln mal gezeigt wie man flache Steine über das Wasser springen lässt. Sie hatten eine Menge Spaß!
Bertls Blick ging hinüber zur Koppel und traurig seufzte er.
Was hast du?“
Hast bestimmt schon gehört, dass der Erlenhofbauer gestorben ist, war ja auch schon weit über neunzig. Aber seine Erben wollen den Hof und das Land verkaufen und ich und meine Tiere müssen weg.“
Laura legte ihre Hand auf seinen Arm.
Weißt denn wo du hingehst?“
Bertl schüttelte den Kopf.
Ich finde schon eine Unterkunft und auch Arbeit, aber die Tiere will keiner haben.“
Laura sah hinüber zu der Koppel, wo die Esel friedlich grasend nebeneinander standen, das Pony schläfrig den Kopf über den Zaun hing und das Reh sich ins Gras gelegt hatte.
Bertl, du und deine Tiere kommen einfach zu mir! Du weißt doch wie groß der Garten ist, dort kann man eine Koppel bauen und im Schuppen kannst eine Krankenstation einrichten, muss nur das ganze Gerümpel raus. Und im Haus im ersten Stock sind viele Zimmer frei und auch ein Bad ist dort oben.“
Laura erwärmte sich immer mehr für den Gedanken.
Natürlich müssen wir noch Dienstboten einstellen, am liebsten wäre mir ein Ehepaar!“
Da wüsste ich wen,“ rief Bertl, der sich von ihrer Begeisterung inzwischen anstecken ließ.
Ein junges Ehepaar, Markus und Kathi Lehnert. Der Markus war Holzfäller, nach einem Unfall hat er ein steifes Bein und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und die Kathi hat mehrere Putzplätze, aber jetzt ist sie schwanger und kann nimmer so. Aber sie sind brave fleißige Leut!“
Laura klatschte erfreut in die Hände.
Ein Kind, wie schön! Sie können die Dienstwohnung über der Garage haben, die ist schön groß und passt für eine Familie. Stell dir nur vor, Bertl, Tiere, junge Leute und auch noch ein Kind, vielleicht auch mehrere mal und mittendrin wir zwei Alten.
Ist das nicht wunderbar!“
Bertl aber lachte laut und herzlich, wie von einer Last befreit.
Kannst dich noch an den Schwur aus unserer Kindheit erinnern? 'Freunde fürs Leben' Und auch wenn wir uns viele Jahre aus den Augen verloren habe, unsere Freundschaft besteht immer noch.“
Aber was werden denn die Leut sagen, wenn ich bei dir einzieh' ?“ fragte der Bertl besorgt.
Dummer Bub!“ Laura winkte ab.
Die Leute interessieren mich nicht, die reden so und so. Nun muss ich aber heim, ich will mich bloß noch von der
Katze verabschieden.“
Liebevoll beugte sich Laura über die schwarze Katze und streichelte sie vorsichtig.
Du hast mir Glück gebracht, denn mein Leben hat nun wieder einen Sinn und ich bin nicht mehr so allein. Ich werde dich Felicitas nennen, das bedeutet ' die Glückliche',“ murmelte sie und als Antwort begann die Katze laut zu schnurren.
Als Laura aus dem Schuppen trat saß ihr Freund noch immer gedankenverloren auf der Bank.
Nun sah er auf und lächelte.
Laura streckte ihm die Hand hin.
Also abgemacht, du kommst morgen früh und dann überlegen wir, was alles zu machen ist und bring den Markus und die Kathi gleich mit.“
Versonnen sah der Mann der davon Eilenden nach.
Jakob kam aus dem Schuppen, sprang auf die Bank und rieb seinen Kopf an seinem Arm.
Bertl kraulte ihn hinter dem Ohr und der Kater begann zu schnurren.
Weißt, schon als Kind hab i gewusst, dass die Laura und ich zusammen ghörn. Und obwohl s mir in der Welt draußn gefalln hat zog es mich doch auf einmal in die Heimat zurück, als hätt i gahnt, dass auch sie zurück kommt.
Nun schließt sich der Kreis und i bin da ankomma, wo i hinghör.“
Jakob rollte sich auf seinem Schoß zusammen und sein Schnurren verstärkte sich, als wollte er die Worte bestätigen.

© Lore Platz (2015)







Samstag, 25. Januar 2025

Der Sohn des Wassermannes Teil 15




Halt, warte doch!“ ruft eine heisere Stimme und das Mädchen kommt zurück.
Eine riesige Schildkröte paddelt aus dem Wrack.
Du bist doch die Tochter des Wassermannes,“ brummelt sie.
Wird auch Zeit, dass ihr bei uns vorbei schaut.
Ich bin viel zu alt für den weiten Weg zu euch.
Außerdem musste ich mich um meinen Freund, den Delfin kümmern, der sehr schwer verletzt war und viele Wochen mit dem Tode rang.
Komm mit!“
Sie wendet sich um und überlässt es Seerose ihr zu folgen.
Sie schwimmen durch das Wrack und gelangen in einen Raum in dem der Delfin liegt.
Sein ganzer Körper ist bedeckt mit frisch verheilten Narben.
Doch seine Augen sind klar und blicken ihnen voller Neugier entgegen.
Die Schildkröte macht sie miteinander bekannt und nun erfährt Seerose die abenteuerliche Flucht von Lucinda und auch welch böse Rolle Liana bei der Entührung gespielt hat.
Ich habe etwas für dich,“ ächzend dreht der kranke Fisch sich auf seinem Lager um und als er sich wieder umwendet, baumelt von seiner spitzen Nase das Amulett von Lucinda.
Das hat die Prinzessin auf ihrer Flucht verloren und wir haben es in Sicherheit gebracht.“
Seerose nimmt das Amulett, gibt dem Delfin einen dicken Kuss, was diesen ganz verlegen macht, tätschelt der alten Schildkröte den Kopf und schwimmt so schnell es geht nach Hause.



(c) LP

Sonntag, 22. September 2024

Hieronymus Ende



Diese Geschichte entstand 2002 und wurde noch auf meiner gelben kleinen Reiseschreibmaschine geschrieben. Leider ist der letzte Teil verloren gegangen, also muss ich ihn neu schreiben. Und  da ich in den 22 Jahren als armer Poet sehr viel dazu gelernt habe wird er viel besser, als das Original.
Dann wünsche  ich Euch einen schönen Sonntag.
 
 
 
 
 
Und wieder vergehen einige Wochen.
Noch immer wissen sie nicht, wo die Puppeninsel liegt.
Niemand hat je von ihr gehört und das Kasperle wird immer mutloser.
Eines Tages gastiert der Zirkus in einer Hafenstadt.
Es ist Nachmittag.
Die Tiere sind versorgt und die Artisten ruhen sich aus, um abends bei der Vorstellung fit zu sein.
Nur Hieronymus findet keine Ruhe.
Allein mit seinen traurigen Gedanken schlendert er durch die Straßen und erreicht schließlich den Hafen.
Dort lehnt er sich an die Kaimauer und sieht sehnsüchtig hinüber zu den Schiffen.
Ach könnte ihn doch eines zu der Puppeninsel bringen.
Eine Möwe trippelt auf langen Beinen eilig die Mauer entlang und pickt sich ihr Futter aus den Ritzen.
He! Warum guckst du so traurig,“ fragt sie und betrachtet ihn mit schief geneigtem Kopf.
Ich hab soooo großen Kummer,“ jammert das Kasperle und dicke Tränen laufen über seine Wangen.
Na, na wird schon nicht so schlimm sein,“ brummt die Möwe und tritt verlegen von einem Bein auf das andere.
Erzähl mir`s doch, vielleicht kann ich dir helfen.“
Das glaube ich nicht,“ lächelt das Kasperle unter Tränen, „ oder weißt du vielleicht wo die Puppeninsel ist?“
Natürlich weiß ich das!
He was machst du denn!“ stammelt der Vogel, denn Hieronymus hat ihn in seiner Aufregung gepackt und schüttelt ihn heftig.
Mit einem kräftigen Schnabelhieb befreit sich die Möwe.
Du verrückter Kerl knickst mir ja die ganzen Federn.“
Tut mir leid, aber ich war so aufgeregt, aber bitte sag mir doch, wo liegt die Puppeninsel!“
Die Möwe zupft an ihren Federn, dabei wirft sie ab und zu einen ärgerlichen Blick auf das Kasperle, dann muss sie doch lachen.
Du bist schon ein komisches Kerlchen, aber
wo die Puppeninsel liegt, kann ich dir schlecht erklären, das müsste ich dir schon zeigen. Versuche ein Schiff zu finden, das dich mitnimmt und komme morgen wieder hierher, ich werde dich dann begleiten.“
Kasperle aber rennt zurück zum Zirkus und stürmt in die Manege.
Angela wäre vor Schreck beinahe vom Seil gefallen.
Bist du verrückt geworden!“
Unsinn, tut mir leid, aber stell dir vor ich habe jemanden getroffen, der die Puppeninsel kennt.“
Angela schwingt sich vom Seil.
Das ist ja prima, erzähl doch!“
Nein, nein, ich muss erst Fridolin suchen.
Wir treffen uns nachher alle in Kasimirs Wagen.
Wenig später sitzen die Freunde alle zusammen im Wohnwagen und Kasperle erzählt ihnen von der Möwe.
Wie aber willst du denn auf die Insel kommen?“ fragt Don Fernando.
Heute Abend nach der Vorstellung werde ich zum Hafen in die Kneipen gehen, vielleicht finde ich dort einen Kapitän der mich mitnimmt,“ meint Hieronymus hoffnungsvoll.
Aber sei vorsichtig, es gibt auch Spelunken im Hafen, in denen sich allerlei Gesindel herum treibt,“ warnt Kasimir, der schon einmal hier war.
Ein heftiges Pochen an der Tür stört die Versammlung und Samson steckt den Kopf durch den Türspalt.
Hallo, ihr Trödler, beeilt euch die Vorstellung beginnt gleich.“
Nun beginnt ein hektisches Gerenne.
Wie immer verläuft die Vorstellung reibungslos und die begeisterten Zuschauer applaudieren heftig.
Nach der Vorstellung begleiten der Direktor und alle Artisten das Kasperle zum Hafen und sie finden tatsächlich einen Kapitän, der sich bereit erklärt Hieronimus auf die Puppeninsel zu bringen.
Das Geld aber bekommt er von Direktor Quirin als Abschiedsgeschenk.

(c) Lore Platz 
 
Ob und wie Hieronymus Meister Martin  findet erzähle  ich euch ein anderes Mal



Samstag, 21. September 2024

Hieronymus Fortsetzung 4

Wie schnell die Zeit doch vergeht, in zehn Wochen ist der 1.Dezember und ich muss noch zwei Adventsgeschichten schreiben. Ausgedacht ist so eine Geschichte ja schnell aber bis sie dann auf dem Papier steht, das dauert. Ich wünsche euch einen schönen Samstag. Heute beginnt ja das Oktoberfest in München.
 
 



Viele Wochen sind vergangen.
Kasimir, der Clown, hat mit Hieronymus, Gina und Eulenspiegel eine neue Nummer einstudiert, die ein großer Erfolg wird.
Besonders die Kinder sind ein dankbares Publikum und ihr herzliches, fröhliches Lachen erinnert das Kasperle an den Rummelplatz und Meister Martin.
Ach ja, Meister Martin!
Überall wohin sie kamen, hat Hieronymus sich nach seinem lieben alten Freund erkundigt, doch keiner kannte ihn oder hatte ihn gesehen.
Inzwischen ist er ziemlich mutlos geworden.
Auch jetzt sitzt er auf der Holzumrandung in der Manege und malt mit den Zehen Kreise in den Sand.
Angela betritt das Zelt.
Hier also steckst und bläst wieder Trübsal, hast du eigentlich bemerkt, dass draußen die Sonne scheint? Komm, wir wollen uns die Stadt ansehen.“
Lächelnd folgt das Kasperle dem Mädchen.
Muck und Puck und auch Kasimir, der Cäptn Cook auf den Schultern trägt, schließen sich ihnen an.
Königstein ist eine hübsche Kleinstadt, mit netten sauberen Häusern und freundlichen Menschen.
Dazu scheint noch die Sonne herrlich warm vom Himmel und spiegelt sich in den blank geputzten Fenstern und wirft grün goldene Sprenkel in die Bäume.
Die kleine Gesellschaft bummelt vergnügt durch die Gässchen, bleibt geduldig wartend stehen, wenn Angela ein Schaufenster betrachtet und landet schließlich in einem Straßencafé.
Ein Kellner eilt herbei und fragt nach ihren Wünschen und wird prompt von dem Papagei aufgefordert sich die Füße abzuputzen und kein so dummes Gesicht zu machen.
Mit einem entsetzten Blick auf den Vogel eilt der Kellner zurück ins Café und Cäptn Cook schnarrt:
Warum läuft der dumme Esel nicht!“
Die Zirkusleute lachen immer noch als der Kellner mit ihren Milchshakes zurück kommt.
Hieronymus lehnt sich in seinen Stuhl zurück und betrachtet versonnen die Umgebung, während die anderen sich leise unterhalten und der Papagei neugierig zwischen den Gläsern herum trippelt.
Auf einmal springt das Kasperle auf, dass die anderen erschrocken verstummen und der Papagei laut schimpfende auf einen Ast flattert.
Hieronimus aber stürzt hinaus auf die Straße und fällt einem jungen Mann um den Hals.
Mensch Fridolin alter Junge!“
Hieronymus!“
Die Beiden klopfen sich auf die Schulter und hüpfen wie verrückt im Kreis herum.
Als sie sich wieder beruhigt haben, führt das Kasperle den Freund zu den anderen und stellt ihn vor.
Nachdem auch vor Fridolin ein Milchshake steht, erzählt er ihnen was inzwischen alles geschehen ist:
Als Sandor mit dir verschwunden ist konnte ich mich aus der Kiste befreien und bin sofort zu Meister Martin gelaufen.
Dieser verständigte die Polizei und als Sandor zurück kam wurde er verhaftet, er wurde auch wegen andere Vergehen bereits gesucht.
Doch er hat nie gesagt wohin er dich gebracht hat.
Meister Martin und die Polizei haben die ganze Gegend abgesucht, aber dich nicht gefunden.
Schließlich hat Meister Martin seine Sachen zusammen gepackt und meinte, ohne dich hätte es keinen Sinn weiter zu spielen und er würde sich auf die Puppeninsel zurückziehen.“
Hieronymus laufen die Tränen über das Gesicht.
Der arme Meister Martin! Weißt du denn wo die Puppeninsel ist?“
Fridolin hebt hilflos die Schultern.
Aber nun erzähle doch, wie ist es dir denn inzwischen ergangen.“
Schnell von seinem Kummer abgelenkt berichtet ihm nun das Kasperle wie er zum Zirkus gekommen ist.
Als sie später zurück gehen nehmen sie Fridolin mit.
Während der Vorstellung darf er hinter der Bühne zugucken und als Hieronymus fertig ist nimmt er den Freund mit zu Direktor Quirin.
Das Kasperle stürzt in den Wohnwagen und brüllt:
Herr Direktor wissen sie wo die Puppeninsel ist?“
Sachte, sachte, junger Freund, was ist denn los?“
Hieronymus stellt nun Fridolin vor und erzählt aufgeregt, dass Meister Martin auf der Puppeninsel ist.
Beruhigend hebt der kleine dicke Direktor die Hand.
Das ist doch kein Grund so zu schreien, wo liegt denn diese Puppeninsel?“
Das Kasperle zieht ein langes Gesicht und lässt sich auf den Stuhl fallen.
Ich dachte, das wüssten sie?“
Von einer Puppeninsel habe ich noch nie gehört,“ bedauert der Direktor.
Er watschelt zum Schrank und holt einen dicken Atlas hervor.
Die nächste Stunde verbringen sie nun damit, den dicken Wälzer nach der Puppeninsel zu durchforschen, doch leider vergebens.
Nichts zu machen, die Insel muss so klein sein, dass sie nicht eingetragen ist,“ seufzt Direktor Quirin und klappt das Buch zu.
Aber das gibt`s doch nicht,“ flüstert Hieronymus und dicke Tränen kullern aus seinen Augen.
Nun lass den Kopf nicht hängen. Überall wohin wir kommen werden wir nach der Puppeninsel fragen und du wirst sehen, irgend jemand kennt sie ganz sicher,“ tröstet der Direktor und Fridolin legt
kameradschaftlich den Arm um Hieronymus Schulter.
Und es gelingt den Freunden ihn wieder aufzuheitern.
 
Morgen geht es weiter

Samstag, 7. September 2024

Die abenteuerliche Reise im Ballon Fortsetzung 12

dann fliegen wir gemeinsam ins Wochenende



 
 
(c) LP

Der schwarze Hengst wiehert freudig und zerrt an dem Zügel, dass Fridolin, der ihn führt, ins Stolpern gerät.
Das Pferd erkennt seine Heimat und als es los prescht haben unsere Freunde alle Mühe ihm zu folgen.
Sie erreichen eine riesige Weidefläche mit mehreren Koppeln, in dessen Hintergrund sich ein weißes großes Haus mit mehreren Stallungen erstreckt.
Der Hengst stößt ein lautes triumphierendes Wiehern aus und einige Leute, die an den Koppeln standen, kommen auf sie zu gerannt.
Es sind Don Fernando, Kasimir und Muck und Puck.
Jubelnd läuft Hieronymus ihnen entgegen.
Das Wiedersehen der Zirkusfreunde ist einfach rührend.
Als sie später in der gemütlichen Bauernstube sitzen nimmt das Erzählen kein Ende und manche Träne fließt, als sie über den guten Direktor Quirin sprechen.
Leider wissen auch die wiedergefundenen Freunde nicht, wo sich der Direktor befindet
Ebenso wie Angela und Fridolin haben sie ihn zuletzt in der Hafenkneipe gesehen, als er ihnen das Geld übergab.
Auch was aus Cäptn Cook und Eulenspiegel, sowie Gina geworden ist können sie nicht sagen.
Kasimir seufzt:
Ich habe mich noch einmal umgedreht, als wir hinaus gingen.
Er wirkte so unendlich traurig, verwirrt und verloren.
Am liebsten wäre ich umgekehrt und hätte ihn
mitgenommen. Doch ich weiß, dass er das nicht gewollt hätte.“
Bis tief in die Nacht sitzen die Freunde und erzählen.
Immer wieder kommt das Gespräch auf Direktor Quirin.
Don Fernando und seine Freunde wären gerne mitgefahren, doch sie können ihre Pferde nicht im Stich lassen.
Außerdem wäre im Ballon sowieso kein Platz für sie alle gewesen.

Es war früh am nächsten Morgen als Hieronymus nach einer unruhigen Nacht aufwacht.
Böse Träume hatten ihn gequält.
Als er sein Zimmer verlässt begegnen ihm Fridolin und Angela, die ebenfalls nicht mehr schlafen können.
Nach einem gemeinsamen Frühstück in der großen Küche mit den Freunden, die ebenfalls schon wach sind, wollen sie aufbrechen.
Peter beugt sich zu seiner Schwester und murmelt leise:
Der Ballon steht doch noch bei Viola.“
Doch als sie das Haus verlassen steht der Ballon abflugbereit auf dem Hof und Luftikus lehnt lässig dagegen.
Der schon wieder,“ grollt Peter und schon fährt ihm ein Windstoß durch die Haare.
Die Anderen lachen.
Nach einem herzlichen Abschied und dem Versprechen mit Direktor Quirin wiederzukommen, steigen die fünf Kameraden in den Korb und mit Hilfe von Luftikus fliegen sie bald neuen Abenteuern entgegen.
Nachdem der Windgeist sich verabschiedet hat, nicht ohne Peter noch kräftig die Haare zu strubbeln, segeln sie gemütlich durch den
blauen Himmel.
 

 Morgen geht es weiter

Samstag, 31. August 2024

Die abenteuerliche Reise im Ballon - Fortsetzung 5




(c) LP

 

Vanessa und Hieronymus liegen erschöpft im Sand.

Ich glaube jetzt ist er total übergeschnappt!“ stöhnt Vanessa.
Und Hieronymus jammert :
Meine 187 000 Knochen tun mir weh!“
Du hast doch überhaupt keine Knochen,“ lacht das Mädchen.
Nun kommt, ihr wolltet doch ein Abenteuer, da vorne ist ein Dorf!“
Ungeduldig wendet Peter sich ab und marschiert auf die Häuser zu.
Das Dorf besteht aus mehren strohgedeckten Häusern.
Hunde liegen träge auf der Straße und heben nicht einmal den Kopf, als die Kinder kommen.
Plötzlich öffnet sich die Tür eines der Häuser und ein kleines Mädchen läuft auf sie zu.
Es hält eine Puppe hoch und jubelt:
Onimus! Onimus!“
Lachend stürzt es sich auf das Kasperle, das vor Schreck auf den Boden fällt und mit Händen und Füßen zappelt und dabei schreckliche Grimassen schneidet.
Die Kleine lacht hellauf.
Auf einmal werden sie umringt von den Kindern des Dorfes, die alle jauchzen und jubeln:
ieronimus, ieronimus!“
Selbst die Hunde haben ihr Plätze verlassenund umkreisen sie bellend.
Das Kasperle bekommt es mit der Angst zu tun und dicke Tränen kullern über seine Backen.
Die Kinder werden ganz still und einige beginnen ebenfalls zu weinen.
Was hier sein los?“
Ein dicker Mann bahnt sich einen Weg durch die Kinderschar.
Als er das Kasperle erblickt, strahlt er über das ganze Gesicht und verbeugt sich tief.
Welche Ehre Signore Hieronymus, welche Ehre.“
Hieronymus ist so überrascht, dass er sofort aufhört zu weinen.
Er springt auf, zieht seine Kasperlmütze und verbeugt sich ebenfalls.
Die Kinder jubeln.
Der Dicke hebt die Hand und donnert:
Ruhe!“
Dann wendet er sich an Peter und Vanessa.
Ihr Freunde sein von berühmten Burattinaio, ihr ihn wollen sicher besuchen.“
Die Kinder und das Kasperle sehen sich fragend an.
Keiner von ihnen kennt einen Burattinaio.
Der Mann, der sich inzwischen als Pepito, der Bürgermeister vorgestellt hat, legt Hieronymus kameradschaftlich den Arm um die Schulter.
Kommt mit, ich bringen euch zu eurem Freund.
Welche Freude er haben wird, er immer erzählen von dir.“
Neugierig, begleitet von der Kinderschar, folgen sie dem Bürgermeister.
Er führt sie zu einem hübschen strohgedeckten Häuschen.
Eine Schar Hühner ergreift die Flucht, als sie den Hof betreten.
Eine Katze, die auf der Fensterbank schläft, springt auf, macht einen Buckel, faucht und verschwindet im Haus, als sie die Hunde erblickt.
Aus dem Schuppen kommt ein Mann in italienischer Tracht.
Was ist denn hier los?“
Als Hieronymus die Stimme hört, jubelt er:
Fridolin!“
Und ihm nächsten Moment hängt er am Hals seines Freundes.
Dieser drückt ihn an sich und stammelt:
Hieronymus, Mensch Junge wo kommst du denn her?“
Beide haben Tränen in den Augen und auch Pepito wischt sich mit einem großen blauen Tuch über das Gesicht.
Manche Kinder schluchzen.
Alle sind gerührt.
Der Bürgermeister gibt den Kindern einen Wink und leise verlassen sie den Hof.
Nur Peter und Vanessa sind noch da.
Still setzen sie sich auf die Bank und warten.
Sie haben schon viel von Fridolin gehört, aber ihn noch nicht persönlich kennengelernt.
Endlich haben sich die beiden Freunde wieder beruhigt und nachdem Fridolin die Kinder begrüßt hat, bittet er sie alle ins Haus.
Gemütlich ist es drinnen.
Hübsche zierliche Gardinen schmücken die Fenster.
Eine große Eckbank mit einem riesigen Tisch davor füllt das halbe Zimmer aus.
Gegenüber liegen zwei Strohmatten auf deren Decke sich die Katze niedergelassen hat.
Eine halb offene Tür führt wohl in die Küche und von dort ruft eine Stimme:
Fridolin was war denn da draußen los?“
Eine junge Frau erscheint im Türrahmen und das Kasperle brüllt:
Angela!“ Und wirft sie bald um, als er sie stürmisch umarmt.
Als sie dann alle mit einem Glas eisgekühlter Limonade am Tisch sitzen, fragt Hieronymus.
Der Bürgermeister sprach immer von einem Burattinaio?“
Fridolin lacht.
Burattinaio bedeutet Puppenspieler.
Ich schnitze Puppen und wir ziehen über Land und spielen für Groß und Klein.
Meine Hauptfigur sieht dir zum Verwechseln ähnlich, deshalb haben dich die Kinder auch sofort erkannt.“
Das Kasperle grinst, dann aber fragt es nachdenklich, „aber warum seid ihr denn nicht mehr bei Direktor Quirin?“
Fridolin und Angela sehen sich traurig an und dann erzählen sie von dem schweren Sturm, der das Zirkuszelt verwüstet hat.
Der Direktor hat danach alles verkauft und das Geld unter ihnen aufgeteilt und seitdem haben sie nichts mehr von ihm gehört.
Was aus den anderen Artisten geworden ist, wissen sie auch nicht.
Sie beide aber sind hierher gekommen, da Angela das Haus von ihrer Großmutter geerbt hatte.
Als Fridolin fertig ist mit erzählen wirft Hieronymus sich auf den Boden und fängt laut an zu heulen.
Doch ein Kasperle kann nicht lange traurig sein.
Es springt auf und verkündet:
Wir werden den Direktor suchen. Peter wir müssen den Ballon wieder auf pusten!“
Schnurstracks verlässt der das Haus und marschiert in Richtung Strand.
Die Anderen folgen ihm etwas ratlos.
 
Morgen geht es weiter

Montag, 19. August 2024

Das Findekind Teil 23





Wie staunt Beatrice als die Kinder all die feinen
Sachen auf dem Tisch ausbreiten.
Schnell stellt sie Wasser auf und dann schüttet sie Bohnen in die Kaffeemühle, klemmt sie zwischen die Knie und während sie den Kaffee mahlt , berichten ihr die Kinder wo sie Mariella begegnet sind, wie sie lebt und dass es ihr gut geht.
Ach die arme Kleine, so ganz allein in der Höhle, wenn ich nur helfen könnte.“ seufzt Beatrice traurig.
Sie haben ihr doch schon damals sehr geholfen und ohne ihre Hilfe wäre sie heute im Armenhaus,“ tröstet Vanessa.
Mariella ist doch ein Findelkind, gab es denn gar keine Hinweise auf ihre Herkunft,“ fragt Peter, denn sie konnten ja schlecht sagen was sie von den Elfen erfahren haben.
Beatrice löffelt den Kaffee in den Filter und gießt das kochende Wasser darüber.
Plötzlich dreht sie sich um und eilt ins Nebenzimmer.
Gleich darauf kommt sie zurück ein kleines Tuch in der Hand.
Sie legt es auf den Tisch.
Daran habe ich all die Monate nicht mehr gedacht.
Kurz vor ihrem Tod gab mir Signoria Elena ein Medaillon, das sie in Mariellas Sachen gefunden hatte.
Sie bat mich es dem Mädchen zu geben, wenn sie in Sicherheit wäre, als hätte sie geahnt, was nach ihrem Tod geschieht.
Kurz darauf ist sie gestorben, ich wurde entlassen, meine Mutter war dann viele Monate sehr krank und ich habe nicht mehr daran gedacht. Vielleicht hilft es euch weiter.“
Sie wickelt es vorsichtig aus.
Eine Frau in einem altmodischen Kleid mit weißen hoch getürmten Haaren war auf dem Bild zu sehen.
Peter nimmt das Schmuckstück in die Hand und betrachtet es aufmerksam von allen Seiten.
Dann holt er sein Taschenmesser.
Willst du es kaputt machen!“ ruft Vanessa.
Ihr Bruder wirft ihr nur einen genervten Blick zu.
Ich denke man kann es öffnen, hier ist eine kleine Schraube. Ha!“
Das Medaillon springt auseinander.
Ein kleiner Zettel liegt darin.
Peter entfernt ihn, legt ihn auf den Tisch und nun sind zwei Bilder zu sehen.
Das ist ja die Baronin und ihr Mann, wie sie noch jünger waren,“ ruft Vanessa und schnell erzählen sie von der Ähnlichkeit die Mariella mit der Baronin hat und ihrer Vermutung, dass sie das entführte Kind wäre.
Ja, ich kann mich erinnern von der Entführung gehört zu haben, aber niemand hat damals vermutet, dass das Findelkind das entführte Kind ist.
Außerdem hatte es auf dem Po ein Muttermal in Form eines Sterns, das aber nach einigen Wochen verschwand.
Das ist ja wunderbar wenn Mariella die Baroness wäre.
Aber ob das Medaillon als Beweis genügt?“
Vielleicht gibt es ja noch mehr Beweise,“ ruft Araianne, die den kleinen Zettel an sich genommen hat.
Sie übersetzt:
Verzeih mir meine Kleine was ich dir angetan habe, suche in der Buche, dort sind Beweise für deine Herkunft versteckt.“
Vanessa und Peter sehen sich an.
Das geht ja einfacher als sie dachten, nun brauchten sie sich keine umständlichen Erklärungen mehr auszudenken.
Wir wollten uns sowieso den Fundplatz ansehen, wo unser Freundin gefunden wurde, wenn wir schon in der Gegend sind.“ murmelt Peter.
Arianne wird euch hinführen, passt aber auf, der Wald gehört den Epositos.
Ach wäre das schön, wenn ihr wirklich etwas finden würdet.“
Beatrice ist nun genauso aufgeregt wie die Kinder.
Wenig später stehen sie vor der Buche.
Von einer Vertiefung ihm Stamm ist aber nichts zu erkennen.
Peter geht langsam mit den Händen tastend um den Baum herum.
Hier ist etwas!“ ruft er aufgeregt.
Vorsichtig beginnt er die Lücke zu erweitern, da ertönt ein Schrei.
Arianne hat Walderdbeeren entdeckt und ist etwas zurück geblieben, um sie zu pflücken.
Plötzlich ist Filippo aufgetaucht und hat sie an den Haaren gepackt und als gemeine Diebin beschimpft.
Arianne schreit vor Schmerz auf.
Die Geschwister eilen ihr zu Hilfe.
Als Filippo Vanessa sieht werden seine Augen ganz klein vor Wut.
Duuuu!“ schnaubt er, lässt Arianne los und stürzt sich mit geballten Fäusten auf Vanessa.
Peter stellt sich schützend vor seine Schwester und meint verächtlich.
Du Feigling traust dich wohl nur an Mädchen.“
Mit einem Wutschrei stürzt sich Filippo auf ihn und bald liegen die beiden Jungen am Boden und kämpfen erbittert miteinander.
Arianne beide Hände erschrocken an die Wangen gepresst beobachtet fasziniert den Kampf der beiden Buben.
Vanessa aber geht zurück zu dem Baum und erweitert die Lücke und bald hält sie die blaue Blechdose in den Händen.
Sie verstaut sie in ihrem Rucksack, dann sieht sie grinsend nach oben.
Der Ast über ihr ist voll mit Elfen, die mit verbissenen Gesichtern ihre geballten Fäuste abwechselnd in die Luft schleudern, als würden sie mitkämpfen.
Vanessa geht hinüber zu den Buben und in dem Moment windet sich Filippo unter Peter hervor und rennt mit blutender Nase und zerrissenen Hosen heulend davon.
Peter steht auf und klopft sich gelassen den Schmutz von den Kleidern.
Vanessa reicht ihm ein Taschentuch.
Deine Nase blutet.“
Peter grinst.
Das ist es wert. Es juckt mir schon in den Fäusten, seit mir Mariella erzählt hat wie gemein er zu ihr war.“
Arianne stolpert herbei und himmelt Peter an, als wäre er ein Ritter in weißer Rüstung.
Etwas verlegen brummt der Junge:
Lasst uns gehen, der kommt bestimmt bald mit seiner Maaaamaaaaa wieder!“
Lachend laufen sie zurück zur Hütte von Beatrice, die sie schon voll Spannung erwartet.
Gleich wird der Inhalt der Büchse untersucht.
Feine Babykleider, ein Schnuller in Form eines Schmetterlings und mehrere Seiten mit dem Geständnis des ehemaligen Kindermädchens sind darin verstaut.
Beatrice, die den Brief vorgelesen und gleich ins Deutsche übersetzt hat, lässt die Blätter sinken.
Sie blickt in die strahlenden Gesichter ringsum.
Es ist wahr, unsere Mariella ist eine Baroness!
Aber wie geht es jetzt weiter?“
Wir werden diese Unterlagen dem Baron bringen und dann sehen wir weiter, aber ich denke die Beweise sind ausreichend und dann noch
Mariellas Ähnlichkeit mit der Baronin.“ erklärt Vanessa.
Peter hat inzwischen alles wieder in die Kiste gepackt und verstaut sie in seinem Rucksack.
Lass uns gehen.“
Nein, nein ich habe gekocht, esst noch etwas außerdem solltet ihr in der Mittagshitze nicht wandern.“
Ja, bleibt doch noch zum Essen, meine Mutter macht die beste Tomatensoße,“ bittet auch Arianne und wundert sich, warum die Geschwister plötzlich lachen.
Nach dem Essen machen sie sich auf den Weg.
Als sie an dem Wald vorbeikommen fliegt eine Elfe zu ihnen.
Der Markt in M. schließt um 18 Uhr, ihr könnt mit Alfredo mitfahren, wenn ihr euch beeilt.
Übrigens Peter du bist ein toller Kämpfer!“
Kichernd fliegt die Elfe davon.
Die Geschwister sehen sich an und grinsen.
Vanessa erzählt ihrem Bruder, dass die Elfen während seines Kampfes auf dem Baum gesessen hätten und vor Begeisterung in die Luft boxten.
Sie treffen Alfredo noch auf dem Markt und dürfen mitfahren.




Morgen geht es weiter