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Montag, 19. Januar 2026

Schule - Erinnerungsgeschichte

Heute habe ich eine Erinnerungsgeschichte von Lore zum Lesen nach oben gestellt. Es gibt ja bald die Halbjahreszeugnisse - Lore hat sich darüber Gedanken gemacht und ein wenig von ihrer Schulzeit erzählt!


 

Am Freitag gab es Zwischenzeugnisse.
Da ich jahrelang Nachhilfe gegeben habe, weiß ich wie Kinder unter schlechten Noten leiden.
Selbst die abgebrühten, die die Schultern zucken und sagen "ist mir doch egal"
Der Druck nicht nur von der Schule, sondern auch vom Zuhause ist enorm.
Wollen viele Eltern doch, dass ihre Kinder es mal besser haben wie sie und die höhere Schule besuchen.
Damals dachte ich mir schon, wenn das Kind in der vierten Klasse Grundschule schon Nachhilfe braucht, wie soll es die höhere Schule schaffen.
Aber gegen ehrgeizige Eltern zu kämpfen ist ein Kampf gegen Windmühlen.
Sie merken gar nicht, dass sie ihren Kindern ein Stück ihrer unbeschwerten Kindheit nehmen.
Nach einer DAK Studie leidet fast jeder zweite Schüler unter Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen, infolge Stress, Mädchen noch mehr als Jungen.
Die Gründe sind hoher Leistungsdruck, schlechte Noten oder schlechtes Essen.





Erinnerungen

Auch für mich war das Jahr 1956 ein aufregender Tag und es gab sogar schon eine Schultüte, natürlich nicht so reich gefüllt wie sie heute sind.
Es gefiel mir auch ganz gut in der Schule, wenn nicht der lange Schulweg gewesen wäre.
Das Laufen machte mir nichts aus, denn ich war so ein richtiger "Hans-guck-in-die-Luft"
Meine Mutter schickte mich auch immer früher los, da sie wusste, dass ich eine kleine Trödelliese war.
Meine Schwester fuhr mit dem Rad.
Sie war fünf Jahre älter als ich und ein richtiger Wildfang und ihre Freunde auch.
Ich dagegen war ein schüchternes, ängstliches Dingelchen und eine  furchtbare Heulsuse.
Meine arme Schwester musste mich immer mitschleppen, was nicht leicht für sie war.
Denn meistens wenn ich endlich den Mut aufbrachte mit ihren wilden Spielen mitzumachen, dann passierte mir etwas.
Einmal hatte die ganze Bande ein lustiges Spiel im Heuschober entdeckt.
Sie rannten die hölzernen Stufen hinauf  auf den Heuboden und sprangen durch die Luke mit Geschrei und Hurra auf das darunter
liegende Heu.
Die Stufen hinauf bin ich ja noch gegangen, aber an der Luke blieb ich stehen und schaute schaudernd in die Tiefe.
Meine Schwester forderte mich ständig auf zu springen.
Endlich fasst ich mir ein Herz und sprang.
Aber in meiner Angst verkrampfte ich mich, kam mit dem Knie an meine Nase und fing fürchterlich an zu bluten.
Natürlich flossen meine Tränen reichlich



 


Und dann war da noch der Schulweg.
Auf meinem Schulweg musste ich an einer Tankstelle vorbei und der Sohn des Besitzers war ein richtiger Rüpel.
Jedes Mal, wenn ich vorbei ging, kam er wie ein "Schachterlteufel"
heraus geschossen und schmetterte frei nach der "Vogelhochzeit"
"Die Neuheule, die Neuheule, die macht ein groß Geheuheule!"
Dieses Geheule verleidete mir den ganzen Schulweg und ich sann, wie ich dem Entkommen konnte.
Als ich wieder einmal auf der Anhöhe stand , auf deren rechter Seite die Tankstelle war, klemmte ich meine Daumen unter die Lederriemen meines Schulranzens und rannte los.
Der Tornister auf meinem Rücken hüpfte auf und ab.
Die Schiefertafel und die Griffelschachtel klapperten, aber ich lief und lief und erst nachdem ich an der Tankstelle vorbei war, ging ich wieder langsamer.
Nach einiger Zeit hörte der "Spottgesang" auf.
Habt ihr schöne Erinnerungen an die Schule?
Meine erste Begegnung mit derLehrerin war fürchterlich.
Ich wurde nach meiner Taufpatin Elisabeth genannt und als zweiten Namen Eleonore, da dieser Name meiner Mutter so gefiel.
Und deshalb nannte mich auch niemand Elisabeth zuhause, sondern Eleonore.
Als wir mit unseren Schultüten aufgeregt in den noch ungewohnten Bänken saßen war die Welt noch in Ordnung.
Doch am nächsten Tag ging der Albtraum los.
Da die Lehrerin meine Geburtsurkunde vorliegen hatte, ging sie natürlich davon aus , dass ich Elisabeth hieß.
Da ich es nicht gewohnt war, reagierte ich nicht auf diesen Namen und fühlte mich nicht angesprochen.
Das machte sie so wütend, dass sie anfing mit Kreide nach mir zu werfen.
Als ich sie nur entsetzt und mit großen Augen ansah, brachte sie das noch mehr in Wut und sie raste wie eine Furie auf mich zu und schlug mir das staubige Kreidehandtuch um die Ohren, bis ich heulte.
Ich war natürlich total eingeschüchtert und verschreckt.
Am nächsten Tag musste meine Mutter in die Schule kommen und die Lehrerin teilte ihr mit,
dass ich bösartig und verstockt sei und nicht hören würde.
Meine Mutter konnte das gar nicht fassen, war ich doch ein schüchternes, verträumtes und vor allem sehr braves Mädchen.
Dann fragte sie einer Eingebung folgend wie Fräulein Hartleitner (nie werde ich diesen Namen vergessen) mich denn rufen würde.
Und dann klärte sich das Missverständnis auf.
Das Verhältnis zwischen der Lehrerin und mir entspannte sich etwas, aber wir wurden uns beide nie sympathisch.

© Lore Platz 2022














 
 

Donnerstag, 23. Juli 2020

Nicht standesgemäß









Nicht standesgemäß

 

Elena betritt neben Direktor Zimmermann das Klassenzimmer und sieht sich zweiundzwanzig erwartungsvollen Gesichtern gegenüber.
Fräulein Hartleitner, das ist ihre neue Schülerin Elena von Straten. Ihre Eltern haben das Gut Waldblick übernommen und den dazu gehörigen Ponyhof.“
Freundlich nickt die Lehrerin dem Mädchen zu, trotzdem war sie Elena nicht sehr sympathisch.
Sie setzt sich auf den ihr angewiesenen Platz und packt ihre Schultasche aus.
Die Tür wird leise geöffnet und ein Mädchen drückte sich herein.
Entschuldigung,“ murmelt sie und hastet in die hinterste Bank.
Das ist Bärbel, sie ist strohdoof und außerdem hässlich angezogen.“ flüstert Rita Elena zu.
Diese betrachtet unauffällig das Mädchen, dessen Kleider geflickt sind, und deren Haare unordentlich aus den Zöpfen hängen.
Direktor Zimmermann hat inzwischen das Zimmer verlassen und der Unterricht beginnt.
Elena beobachtet, dass die Lehrerin das Mädchen in der letzten Bank vollkommen ignoriert und in der Pause wird sie von den anderen Kindern gehänselt.
Elena gefällt das gar nicht und sie fragt Rita „ was hat euch das Mädchen denn getan?“
Ach,“ meint diese schnippisch, „ schau sie dir doch an wie hässlich sie angezogen ist, bestimmt hat sie auch Läuse, außerdem wohnt sie in einer ärmlichen Hütte mit ihrer Oma und mein Opa, der ja Bürgermeister ist, hat gesagt, die beiden sind der Schandfleck in unserem schönen Dorf.“
Elena runzelt die Stirn und nimmt sich fest vor zu Bärbel besonders nett zu sein.
Doch das war nicht so einfach, denn Bärbel lässt niemand an sich heran und so gibt Elena allmählich auf.

Nach einigen Wochen hat Elena sich eingewöhnt und viele Freunde gefunden. Jeder möchte ihre Freundin sein, war sie doch die Tochter des reichen Gutsbesitzer und die Kinder durften auf den Ponys reiten, wenn sie Elena besuchten.
Bärbel kam jeden Morgen zu spät und huschte schnell auf ihren Platz von niemand beachtet. Die Kinder hänselten sie auch nicht mehr, hatten sie doch schnell gemerkt, dass das Elena gar nicht gefiel und mit dieser wollte es sich keiner verderben.
Und die Lehrerin kümmerte sich überhaupt nicht um das Mädchen. Bärbel wurde niemals aufgerufen und selbst ihre Hausaufgaben wurden nicht eingesammelt.
Als wäre sie überhaupt nicht anwesend.
Manchmal warf Elena einen heimlichen Blick nach hinten und sah, dass das Mädchen sehr aufmerksam verfolgte was vorne geschah. Wenn ihre Blicke sich trafen sah Bärbel scheu weg und spielte mit ihrem Bleistift.
Elena war gerade von der Schule nach Hause gekommen und lief in die Küche, wo Martha, die Köchin ihr lächelnd das Essen servierte und erzählte, dass ihre Mutter in die Stadt gefahren war und ihr Vater eine Besprechung mit dem Bürgermeister hatte.
Martha sah dabei sehr grimmig aus und Elena fragte sie
was denn los sei.
Ach den Bürgermeister hier kann ich gar nicht leiden, so ein Unmensch, will das arme Weiblein und ihre Enkelin aus dem Haus werfen. Sind ein Schandfleck für das Dorf behauptet er.“
Was will er denn von Papa?“
Der Wald gehört doch zu dem Gut und das alte Häuschen ist nur gemietet. Also soll der Herr seine Macht als Vermieter demonstrieren und ihnen kündigen.“
Das wird doch Papa nicht machen!“ rief Elena erschrocken.
Als der Bürgermeister abgefahren war, schlüpfte Elena in das Arbeitszimmer ihres Vaters.
Lächelnd sah Herr von Straten sein Töchterlein an. „Was hast du denn auf dem Herzen?“
Papa, du willst doch nicht Bärbel und ihre Oma aus dem Haus werfen?“
Kennst du sie denn?“
Ja, Bärbel geht mit mir in dieselbe Klasse.“ Und dann erzählt sie ihrem Papa, was ihr aufgefallen war und wie die Lehrerin und auch die Kinder mit dem armen Mädchen umgehen.
Ihr Vater nickte nachdenklich.
Die Menschen vergessen viel zu schnell, wenn es ihnen gut gut, dass nicht jeder soviel Glück hat.“
Aber hast du nicht immer gesagt, wir sollen dankbar sein, dass es uns so gut geht und die nicht vergessen, denen es nicht so gut geht.“
Ja, meine Kleine und daran wollen wir uns auch halten, habe keine Angst um deine Freundin.“
Elena widerspricht nicht, denn eigentlich wollte sie gerne mit Bärbel befreundet sein.
Im Stall trifft sie auf Justus, den Stallmeister, der an seiner alten Pfeife kaut. Er wollte sich nämlich das Rauchen abgewöhnen, aber von seiner geliebten Pfeife konnte er sich nicht trennen.
Na Prinzessin willst wohl ausreiten, Triumph muss bewegt werden.“
Elena ging an die Box, holte aus ihrer Hosentasche ein Stück Zucker und hielt es auf der flachen Hand dem weißen Pony hin.
Bald trabten die beiden über den Hof, begleitet von Gina dem schwarzweiß gefleckten Mischling.
Der Hund umsprang sie freudig bellend, dann spitzte er plötzlich die Ohren und sauste los und verschwand im Wald.
Ärgerlich rief Elena den Hund,natürlich hörte er nicht, sicher hatte er wieder ein Kaninchen aufgestöbert.
Das Mädchen band das Pony an einen Baum und folgte dem Hund in den Wald.
Sie hörte ein komisches Geräusch, das konnte nur Gina sein.
Als sie den seltsamen Lauten folgte, sah sie Bärbel, die auf einem Baumstamm saß, Tränenspuren auf dem Gesicht, und mit offenen Mund Gina betrachtete.
Die Hündin hatte die Schnauze nach oben gerichtet und heulte Herz erweichend.
Als Bärbel Elena sah wollte sie aufspringen, doch dann fiel ihr Blick wieder auf den Hund und sie prustete los.
Elena ließ sich neben ihr auf dem Baumstamm nieder und auch sie konnte sich nicht mehr halten.
Weißt du, Gina ist ein besonders mitfühlender Hund, wenn sie jemand weinen sieht, weint sie gleich mit.
Wieder prusteten sie los und der Hund, der die Beiden lachen sah, drängte sich schwanzwedelnd zwischen sie.
Die Mädchen streichelten den Hund.
Warum hast du geweint?“
Bärbel wurde rot und wandte das Gesicht ab.
Elena ergriff ihre Hand.
Du brauchst keine Angst haben, mein Vater hat nicht vor euch zu vertreiben, auch wenn der Bürgermeister es so will.“
Er war gestern bei meiner Oma und hat ihr angedroht, dass der neue Besitzer uns rausschmeißen wird. Wir sind der Schandfleck des Dorfes. Aber meine Oma hat doch nur eine kleine Rente. Außerdem hat sie Arthritis und kann nicht mehr so arbeiten. Ich helfe ihr so gut ich kann, deshalb komme ich auch morgens immer zu spät in die Schule. Eigentlich will ich gar nicht mehr in die Schule gehen. Frau Hartleitner will sowieso nichts mit mir zu tun haben, sie mag nur die reichen Kinder.“
Elan umarmte Bärbel spontan. „ Ich mag dich und wäre so gerne deine Freundin.“
In diesem Moment entstand eine Freundschaft fürs Leben und für Bärbel und ihre Oma begann eine Zeit des Glücks.
Herr von Straten hatte auf seinem Besitz ein kleines unbewohntes Häuschen, das es herrichten ließ und in dem Bärbel und ihre Oma in Zukunft leben konnten.
Zuerst aber schickte er die alte Frau in ein Heilbad zur Erholung und während dieser Zeit durfte Bärbel bei Elena wohnen.
Martha, die Köchin verwöhnte das arme Mädchen mit Leckerbissen und Elenas Mutter sorgte für passende Kleider.
Elena und Bärbel aber waren unzertrennlich und mit Elenas Hilfe wurden auch deren Leistungen in der Schule besser.
Nichts erinnerte mehr an das zerlumpte Kind, das der Außenseiter in der Schule war.
Anfangs zögernd aber dann wurde Bärbel in die Klassengemeinschaft aufgenommen.


© Lore Platz

Wenn ihr noch mehr sehr schöne Geschichten lesen wollt, dann besucht doch den unten stehenden Blog, kann ich nur empfehlen.

/https://sommergeschichten.wordpress.com/2020/07/03/begegnung-unterm-apfelbaum/