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Samstag, 17. August 2024

Das Findelkind Teil 20






Sehr früh am nächsten Morgen brechen sie auf.
Mit reichlich mangiare und auch Geld versehen geht es ins Abenteuer.
Kurz halten sie noch bei Mariella und lassen sich noch einmal den Weg erklären, dann wandern sie den steinigen Bergpfad hinauf.
Oben angekommen bleiben sie stehen und genießen den Blick über die schöne Landschaft.
Dann laufen sie lachend den Pfad hinunter und lassen sich atemlos ins Gras fallen.
Da die Sonne inzwischen ziemlich hoch und die Luft vor Hitze flirrt, lagern sie im Schatten einer Trauerweide an der ein Bach vorbei fließt.
Sie hängen ermattet die Füße in das Wasser und auf einmal beginnt Vanessa übermütig zu strampeln und bespritzt ihren Bruder.
Bald stehen beide ihm Bach und bewerfen sich mit Wasser.
Lachend und erschöpft fallen sie auf die Wiese.
Die Sonne hat ihre Kleider bald getrocknet und nach einem gemütlichen Picknick wandern sie weiter.
Es wird schon dunkel, als sie an einen Wegweiser kommen, der ihnen zeigt, dass es bis R. noch 15 Kilometer sind.
Das schaffen wir heute nicht mehr,“ meint Peter,
wir sollten uns einen Platz zum Übernachten suchen.“
Forschend sehen sie sich um und entdecken in der Ferne einen Bauernhof.
Sie nehmen die abwärts führende Abkürzung über eine Weide.
Die Tür steht offen und laute Musik klingt aus einem Raum.
In einer kleinen bäuerlichen Küche steht eine alte Frau am Ofen und rührt in einem großen Topf aus dem köstliche Düfte steigen.
Die Kinder klopfen an die Tür und rufen laut
Bonjorno Signoria!“
Die Frau reagiert nicht, durch die laute Musik hat sie wohl nichts gehört.
Dann dreht sie sich zur Tür und erschrickt ein wenig aber dann lächelt sie breit, sodass man eine Zahnlücke erkennen kann, tippt auf das Radiogerät und die Musik verstummt.
Ein Schwall Italienisch stürmt nun auf die Kinder ein, bis Peter es gelingt „Germania“ dazwischen zu rufen.
Die Alte nickt grinsend.
Ah, Germania!“ Sie deutet auf die Bank und zeigt mit einer Geste , dass sie sich setzen sollen.“
Die Kinder legen ihre Rucksäcke auf die Bank und rutschen hinein.
Ein dicker grauer Kater springt hoch, schnuppert an den Rucksäcken und setzt sich dann zwischen die Kinder.
Wenn ihr mir von der Wurst etwas gebt, die ihr dabei habt, dann übersetze ich für euch.“
Die Kinder lachen.
Woher weißt du überhaupt, dass wir deine Sprachen verstehen können,“ will Vanessa wissen.
Ich komme weit herum!“ schnurrt der Kater.
Die Bäuerin, die meint Vanessa hätte zu ihr gesprochen nickt freundlich und lässt wieder einen Schwall Italienisch los.
Abgemacht, also was sagt sie?“
Sie meint die Tomatensoße und die Spagetti wären bald fertig und werden euch bestimmt gut schmecken.
Alfredo ihr Mann würde auch bald kommen und der könnte ein wenig eure Sprache.
Er hat in M. einen Stand auf dem Wochenmarkt und da kommen auch viele Touristen.“
Sie hören einen Traktor und gleich darauf kommt ein alter Mann in die Küche.
Die alte Frau redet auf ihn ein und gestikuliert mit beiden Armen.
Lächelnd tritt der Mann zu den Kinder.
Ich sein Alfredo, das meine Frau Maria, ihr kommen von Germania?“
Si,si, wir wollen ein klein wenig wandern und wollten sie fragen, da es schon dunkel ist, ob wir vielleicht in der Scheune übernachten dürfen?“ fragt Peter.
Si,si,si aber zuerst mangiare, meine Marie machen die beste Tomatensoße von Italien.
Die Kinder müssen grinsen.
Scheinbar meint jede italienische Frau, ihre Soße wäre die beste.
Als sie mit gutem Appetit die wirklich guten Spagetti essen, strahlt Maria beglückt.
Sie erzählen nun, dass sie morgen ganz früh,
weiter nach R. wollen und Alfredo bietet ihnen an sie mitzunehmen bis M. Von dort wären es nur noch gute 5 Kilometer, das würden sie in einer Stunde schaffen.
Dann zeigt er ihnen wo sie im Schuppen schlafen können, der graue Kater folgt ihnen.
Fernando scheint mögen euch,“ lacht der alte Mann und die Kinder sehen sich an und grinsen.
Beide denken sie dasselbe.
Fernando war wohl mehr an der Wurst in ihrem Rucksack interessiert.
Und die bekommt er auch sobald Alfredo die Scheune verlassen hat.
Ich werde euch morgen wecken, wenn der alte Mann aufsteht.
Er fährt schon immer sehr früh zum Markt.
Jetzt muss ich meine Runde machen, habe da ein paar Miezen die schon sehnsüchtig auf mich warten.“
Die Kinder sehen ihm lachend nach als er gemächlich hinaus stolziert.
Da sie sehr müde sind, schlafen sie bald ein.




Freitag, 18. Dezember 2020

Der Schneemann, der die Welt kennen lernen wollte - Reizwortgeschichte











Der Schneemann, der die Welt kennen lernen wollte


Herr Knudelich stand aufrecht im Vorgarten eines schmucken kleinen Häuschen und hatte wieder mal einen Traum.
Herr Knudelich war übrigens ein Schneemann und die kleine Birgit, die ihn erschaffen hatte, gab ihm diesen Namen.
Nun stand er also schon einige Zeit hier im Garten und anfangs war es ja noch sehr interessant.
Birgit besuchte ihn jeden Tag und erzählte ihm aufgeregt von einem Nikolaus und einem Christkind und ihren Wünschen an die beiden.
Auch konnte er beobachten wie der Vater der Kleinen heimlich einen Tannenbaum in den Schuppen brachte und ihn dann zusammen mit Birgits Mutter im Haus mit bunten Flitterzeug behängte.
Herr Knudelich gefiel das sehr gut.
Als dann dieses Christkind gekommen war, erzählte ihm Birgit aufgeregt, welche Geschenke es bekommen hatte und zeigte ihm ganz stolz den neuen Rodelschlitten.


Einige Tage später kam dann mitten in der Nacht die ganze Familie, selbst Opa und Oma waren dabei, in den Garten und auf einmal fingen die Sterne an zu explodieren.
Und alle freuten sich und riefen „Aaah“ „Ooooh“
Die Nachbarn kamen herüber und wünschten ein gutes neues Jahr und ein Mann der schwankte so komisch und bot ihm sogar ein Glas Sekt an.
Wusste der nicht, dass Schneemänner nicht essen und trinken.

Aber seit diesem schönen Erlebnis war es ziemlich langweilig hier.
Birgit hatte nun keine Zeit mehr für ihn, denn nach der Schule ging sie mit ihren Freunden zum rodeln.
Herr Knudelich stand also einsam da und betrachtete gelangweilt die Gegend ringsum, die er schon mit geschlossenen Augen erkennen konnte.
Die einzige Abwechslung war der Besuch der Vögel, deren Unterhaltung er lauschte, wenn sie das Futterhäuschen besuchten.
Die Spatzen stritten sich ja meistens und gönnten dem anderen das Futter nicht.
Die Meisen und Finken benahmen sich gesitteter.
Und einmal hörte er eine Kohlmeise klagen, dass ihre gute Freundin, die Schwalbe, in den Süden geflogen sei und sie diese sehr vermisse.
Nun träumte Herr Knudelich davon auch einmal in die weite Welt hinaus zu gehen.
Die Dämmerung hatte inzwischen ihre dunklen Schleier über das Land gelegt und es fing an zu schneien.
Dicke weiße Flocken setzten sich auf den Hut des Schneemanns.
Die Schneeflocken waren ja ein lustiges Völkchen und lachten und schnatterten in einer Tour.
Plötzlich kam der Wind durch den Garten und wirbelte die fröhlichen Flöckchen hoch.
Diese hielten sich an den Händen und tanzten lachend und jubelnd in der Luft.
Eine Weile ging das fröhliche Spiel, dann setzte sich der Wind erschöpft gegenüber von Herrn Knudelich in den Schnee.
Er holte ein paarmal tief Atem und lächelte verlegen.
Man merkt doch, dass man nicht mehr der Jüngste ist, diese kecken jungen Dinge bringen einem ganz schön außer Atem.“
Herr Knudelich schmunzelte.
Da haben sie recht, aber man kann ihnen ja nicht böse sein.“
Ein tiefer Seufzer begleitete diesen Satz.
Der Wind runzelte die Stirn.
Was haben sie denn!“
Ach ich möchte so gerne die Welt kennen lernen und sitze hier fest. Ach könnte ich doch auch so durch die Luft wirbeln wie ihr.“
Nachdenklich betrachtete ihn der Wind, dann rief er.
Ich habe eine Idee, ich helfe ihnen. Zuerst einmal brauchen sie Füße. Bitte erschrecken sie nicht.“
Und er pustete kräftig den Schneemann an und als dieser nach unten sah, hatte er tatsächlich zwei stämmige Füße.

Vorsichtig hob er erst den einen, dann den anderen und machte ein paar Schritte, noch etwas unbeholfen, aber mit der Zeit wusste er wie es ging und raste durch den Garten.
An der verschlossenen Tür zur Straße blieb er stehen.
Das haben wir gleich,“ meinte der Wind und warf sich gegen das Gatter, bis der Riegel raus sprang und der Weg zur Freiheit offen war.
Eine Weile noch begleitete der Wind seinen neuen Freund, doch dann musste er weiter.
Gute Reise und Lebewohl!“
Lebewohl und vielen Dank!“
Nun setzte Herr Knudelich seinen Weg alleine fort und er kam aus dem Staunen nicht heraus, was gab es doch alles zu sehen in der Stadt.
Doch dann wurden die Häuser weniger und vor ihm lag ein freies schneebedecktes Feld.
Vergnügt wanderte er über die Schneedecke und erreichte einen Wald.
Hier wollte er erst einmal ausruhen und so setzte er sich unter einen Baum.
Erschrocken fuhr er zusammen, als er ein Flügelrauschen vernahm und ein leises „Uhuhuhuhh“
Ein großer Vogel ließ sich neben ihm nieder.
Wer bist denn du?“ wollte er wissen.
Ich bin Herr Knudlich, ein Schneemann,“ stellte sich dieser vor.
Ach ja solche Dinger habe ich schon in den Gärten stehen sehen. Wusste gar nicht, dass sie laufen können. Was willst du denn hier im Wald.“
Ich möchte die Welt kennen lernen.“
Wenn es dir Spaß macht, ich will jetzt in mein Bett!“
brummte die Eule, flog auf den Baum und schlüpfte durch ein Loch.
Herr Knudelich schmunzelte, ein seltsamer Vogel und nicht mal vorgestellt hatte er sich.
Doch der Schneemann war nun auch müde und so lehnte er sich zurück an den Stamm und schloss die Augen.
Wer er wohl ist, wo er wohl er wohl herkommt?“
Herr Knudelich öffnete die Augen und bemerkte einige Hasen, die ihn neugierig betrachteten.
Der Schneemann streckte die Arme und gähnte laut, was die Hasen kichern ließ.
Guten Morgen,“ sagte er gutgelaunt.
Guten Morgen,“ tönte es im Chor.
Ich bin Herr Knudelich, ein Schneemann, der die Welt kennen lernen will. Und gestern Abend war ich so müde, dass ich hier erst einmal Rast machte.“
Ich bin Benny, das sind meine Schwester Karla, mein Bruder Rudy und der Kleine ist Felix,“ stellte der Größte der Hasen sich und seine Geschwister vor.
Es raschelte im Baum und Schnee fiel herab.
Ein Eichhörnchen kletterte geschwind den Stamm herunter und sprang in den Schnee.
Nun bin ich aufgewacht vor Hunger und weiß nicht wo ich meine Nüsse versteckt habe,“ seufzte es und lief kopfschüttelnd davon.
Jedes Jahr dasselbe, Miabel vergisst immer wieder, wo sie ihre Nüsse versteckt hat,“ lachte Benny.
Da kommt der Fuchs !“ rief Felix und auf einmal waren die Hasen verschwunden.
Neugierig sah Herr Knudelich dem rotbraunen Gesellen, mit dem buschigen Schwanz, entgegen.
Guten Tag,“ grüßte der Schneemann höflich, als der Fuchs vor ihm stehen blieb.
Ja,ja,“ brummte dieser und hob schnuppernd die spitze Nase.
Hier riecht es doch nach Hasen, ihr habt nicht zufällig welche gesehen?“
Ja, aber das ist schon eine ganze Weile her.“
Schade, dabei hätte ich so eine Lust auf Hasenbraten!“
Verärgert lief der Fuchs weiter.
Herr Knudelich sah ihm grinsend nach, dann erhob er sich,
Zeit weiter zu gehen.
Nun wanderte er viele Tage bergauf, bergab und die Welt gefiel ihm.
Oft hielt er ein Schwätzchen mit den Tieren, denen er begegnete.
Menschen ging er aus dem Weg und wenn er doch einem begegnete, dann bleib er stocksteif stehen.
Eines Tages kam er an einen Bach.
Vergnügt beobachtete er wie das Wasser fröhlich plätschernd über Stock und Stein hüpfte.
Wohin des Weges mein Freund!“ rief er.
In die weite Welt!“
Dahin will ich auch, können wir denn nicht zusammen wandern, allein macht es keinen Spaß!“
Gerne, aber leider bist du viel zu schwer, ich kann dich nicht tragen!“


Inzwischen war die Sonne höher gestiegen und da es bald Frühling wurde, waren ihre Strahlen viel kräftiger und der Schnee ringsum begann zu schmelzen.
Auch an dem Schneemann liefen große Tropfen herab.
Ich weine !“ rief er erschrocken.
Der Bach lachte: „ Nein du schmilzt, es wird Frühling!“
Ach wie schrecklich!“ Nun fing er Herr Knudelich wirklich an zu weinen.
Nein, das ist doch wunderbar!“ meinte der Bach und lachte.
Was soll denn daran wunderbar sein?“ fragte der Schneemann und war einen Moment wirklich beleidigt.
Verstehst du denn nicht, wenn du schmilzt wirst du zu Wasser und dann können wir zusammen die Welt entdecken!“
Und der Schneemann wurde immer kleiner und bald war nur noch eine kleine Pfütze von ihm übrig.
Diese aber setzte sich in Bewegung und floss in den Bach.
Und nun konnten die beiden Freunde, der Schneemann und der Bach die Welt gemeinsam entdecken.

© Lore Platz  2015