Dienstag, 6. August 2024

Das Findelkind Teil 9




Viele Stunden später fahren sie in das kleine Anwesen von Giovanni Markese und seiner Frau Francesca ein.
Hühner laufen flügelschlagend laut gackernd auseinander.
Gänse kommen schnatternd näher, und ein Esel taucht plötzlich vor ihnen auf, sodass Michael scharf bremsen muss.
Die Kinder, die bisher auf dem Rücksitz gedöst haben springen aus dem Wagen und fangen plötzlich zu lachen an.
Papa, die Gänse sind mächtig böse auf dich,
weil du so rasant in den Hof gefahren bist. Sie nennen dich einen...“
Ihr Vater sieht sie finster an.
Ich will es gar nicht wissen und lasst euch um Himmels Willen nicht anmerken, dass ihr die Tiersprache versteht.“
Ein großer kräftiger Mann kommt aus dem Haus und Michael springt aus dem Auto.
Die Beiden umarmen sich, klopfen sich kräftig auf den Rücken und brüllen sich an.
Verena schüttelt nur den Kopf und die Kinder grinsen.
Eine kleine, sehr schwangere Frau kommt in den Hof und begrüßt, nach einem scheelen Blick auf die Männer, Verena und die Kinder.
Fare il pazzo, sie spielen verrückt. Ich sein Francesca, die Frau dieses Verrückten. Willkommen, kommen mit in Haus.“
Sie führt sie in eine riesige gekachelte Küche.
In der Mitte steht ein langer Holztisch an dem mindestens zwölf Personen Platz finden, umgeben von einer Eckbank.
Ein riesiger Ofen und eine Unmenge von Regalen nehmen die eine Seite ein und auf der anderen Seite führt eine Tür, die gerade offen steht, in eine Art Vorratskammer.
Schnüre mit Knoblauch, Zwiebeln und Peperoni baumeln von der Decke.
Aus einem großen Topf steigen herrliche Düfte auf.
Tomatensoße nach einem Rezept meiner
Großmutter, ihr mögen doch Spagetti?“
Die Kinder nicken eifrig.
Die Männer kommen herein und etwas verlegen begrüßt Giovanni die Frau seines Freundes.
Entschuldigen sie meine Unhöflichkeit, aber diesen Bär nach all den Jahren wieder zu sehen, hat mich etwas aus der Fassung gebracht.“
Bär?“ Verena wirft ihrem Mann einen amüsierten Blick zu.
Wussten sie das nicht? Sein Spitzname an der Uni war „Bär“, weil er morgens immer so brummig wie ein Grizzlybär war.“
Verena lacht. „Das kenne ich.“
Francesca, die inzwischen Michael begrüßt hat, fragt „Wollt ihr machen frisch Euch bevor mangiare?“
Giovanni übersetzt:
Mangiare bedeutet essen, aber kommt mit, ich zeige euch eure Zimmer.“
Später sitzen sie dann alle um den großen Tisch und lassen es sich schmecken.
Giovanni erzählt ihnen von seinem großen Traum, hier in der Nähe einen Naturschutzpark einzurichten.
Ein Grundstück hätte er schon ins Auge gefasst.
Es gehört dem Baron Graziano, aber das Geld hat er noch nicht zusammen und er sucht noch nach Sponsoren.
Francesca tätschelt ihren Bauch und murmelt:
Mein Bambino dein Vater ist ein sognatare, ein Träumer.“
Giovanni wirft ihr einen liebevollen Blick zu.
Du wirst sehen, eines Tages wird mein Traum wahr werden.“
Nach dem Essen legt Francesca sich ein wenig hin.
Giovanni muss noch bei einigen Bauern, deren Tiere krank sind vorbeischauen und nimmt Michael und auch Peter mit.
Verena hat sich angeboten die Küche aufzuräumen, was sie, sobald alle das Haus verlassen haben mit einem Fingerschnippen erledigt, dann dreht sie an ihrem Ring und befindet sich gleich darauf auf der Insel ihrer Schwester Viola.
Vanessa aber läuft über den Hof und betritt die Weide auf der einige Tier gemütlich beisammen stehen.
Ein alter Wallach begrüßt sie freundlich wiehernd.
Eine Kuh mit gutmütigen Augen nickt ihr zu, bevor sie ein Bündel Gras rupft und mit gleichmäßigen Bewegungen wiederkäut.




Ein Esel kommt über die Weide galoppiert.
Hallo, ich habe gehört du und dein Bruder versteht unsere Sprache.
Ich bin Samuele, das ist Sofia.“
Er deutet mit dem Kopf auf die Kuh.
Der Wallach da heißt Mattia und dort hinten die Ziege ist Noemi, ein viel zu schöner Name für dieses unfreundliche Geschöpf,“ „iat“ der Esel.
Vanessa blickt hinüber, wo die Ziege ihnen
demonstrativ den Rücken zukehrt.


Montag, 5. August 2024

Das Findelkind Teil 8




Obwohl es noch früh am Morgen ist herrscht in dem hübschen Einfamilienhaus der Familie Braun bereits reger Betrieb.
Türen schlagen, Stufen knarren von eifrigen Füßen, die auf und ab laufen.
Tierarzt Dr. Michael Braun belädt wie immer ruhig das große Familienauto.
Eigentlich ist er ja ein ausgesprochener Morgenmuffel, aber heute ist davon nichts zu spüren, denn er freut sich auf die Reise nach Italien.
Trifft er doch seinen ehemaligen Studienkollegen wieder, den er mehr als zehn Jahre nicht gesehen hat.
Kopfschüttelnd betrachtet er die Unmengen von Gepäck, dabei murmelt er vor sich hin.
Verena tritt neben ihn.
Was grummelst du denn?“
Wie kann man für eine Woche Urlaub so viel Zeug mit schleppen?“
Sein Frau lacht und gibt ihm einen Kuss.
Müssen wir ja nicht, das meiste ist doch für die Zwillinge. Ich denke nicht, dass deine Mutter acht Tage für unsere Babys im Doppelpack eingerichtet ist.“
Michael runzelt die Stirn.
Denkst du Mutter wird es nicht zu viel mit den Beiden?“
Sicher nicht, sie ist doch Oma mit Leib und Seele und außerdem wird Lilofee jeden Tag nach ihnen sehen.“
Na, hoffentlich bringt sie ihnen keine Zauberkunststücke bei,“ brummt Michael.
Verena lacht vergnügt, tätschelt ihm die Wange
und geht zurück ins Haus.
Als sie die Küche betritt sieht sie eine Tafel Schokolade durch die Luft schweben.
Sie schnippt mit den Fingern und fängt sie auf.
Kopfschüttelnd murmelt sie.
Noch nicht sprechen können, aber schon zaubern.
Lass das bloß deinen Vater nicht sehen, der bekommt sonst einen Herzinfarkt.“
Warum sollte ich denn einen Herzinfarkt bekommen?“ lacht Michael, der gerade herein kommt.
Er legt den Arm um die Schulter seiner Frau und meint schalkhaft.
Seit ich mit dir verheiratet bin, kann mich nichts mehr erschüttern.“
Da entdeckt er die Tafel Schokolade.
Ist die für mich?“
Er entwendet ihr die Packung, reißt sie auf und steckt sich genüsslich zwei Stückchen auf einmal in den Mund.
Als er die beleidigte Schnute von Franziska sieht, geht er in die Hocke und steckt ihr ein Stückchen in den Mund.
Der kleine Michael rutscht eilig näher und sperrt das Schnäbelchen auf wie ein Vogel und bekommt auch ein Stückchen.
Franziska aber blickt ihre Mutter triumphierend an.
Kleine Hexe!“ murmelt Verena.
Michael aber hebt beide Kinder aus dem Laufstall.
Ich bringe sie schon mal ins Auto.“
Peter und Vanessa poltern die Treppe herunter und wenig später sitzen alle im Auto und fahren zu Oma und Opa.
Frau Schrullig würde sich während ihrer Abwesenheit um Haus und Garten kümmern.
Den Schlüssel hatten sie gestern schon abgegeben.
Nach einer Stunde Fahrt haben sie das Forsthaus erreicht.
Oma, Opa und auch Tante Lilofee kommen aus dem Haus und Peter und Vanessa springen aus dem Auto und laufen auf sie zu.
Sie werden geherzt und geküsst.
Die Zwillinge, zappeln ungeduldig und Michael hat alle Hände voll zu tun, sie aus dem Babysitz zu befreien.
Sobald er sie abstellt watscheln sie auf ihren kleinen Beinchen freudestrahlend zu den Großeltern.
Verena aber nimmt ihre Schwester beiseite und erzählt ihr was sie heute Morgen beobachtet hat.
Lilofee lacht: „Ziemlich frühreif die Kleine. Und was ist mit dem kleinen Michael, hast du da schon Anzeichen entdeckt?“
Verena schüttelt den Kopf.
Vielleicht dauert es bei Jungen etwas länger,“ meint sie zögernd.
Oder er entwickelt gar keine Zauberkräfte.“ erklärt Lilofee.
Da würde sich Michael aber freuen, wenn wenigstens eines seiner Kinder normal wäre, und
noch dazu, dasjenige, das seinen Namen trägt.“
Die beiden Frauen kichern los.
Michael sieht zu ihnen hinüber und schüttelt den Kopf.
Ich verstehe nicht, was die immer zum Kichern haben.“
Sein Vater legt ihm die Hand auf die Schulter.
Versuchs gar nicht Junge, auch du wirst das Rätsel nicht lösen, wie Frauen wirklich funktionieren.“
Nach einem fröhlichen Abschied ist, die um zwei Personen kleinere Familie, auf dem Weg nach Italien.

Sonntag, 4. August 2024

Das Findelkind Teil 7

 




Ein Eichkätzchen, das neugierig in die Höhle gekommen ist und die letzten Worte gehört, meint:
Ich weiß wo es Nüsse gibt!“
Dann dreht es sich um und flitzt hinaus.
Hat es Angst vor mir?“
Mariella versteht ja die Tiersprache nicht.
Nein, es will dir Nüsse bringen,“ erklären die kleinen Geister.
Marielle lächelt erfreut, denn nun spürt sie doch, dass sie Hunger hat.
Die Elfen aber verlassen ebenfalls die Höhle, um nach essbaren Beeren zu suchen.
Zwei Eichkätzchen kommen herein und legen ihr Walnüsse und Haselnüsse vor die Füße, dabei keckern sie freundlich.
Das Mädchen versteht sie zwar nicht, aber sie nickt lächelnd und nimmt einen Stein und knackt die Nüsse.
Die Eichkätzchen drehen sich um und verlassen die Höhle.
Kurze Zeit später kommen die Elfen zurück. 
Sie tragen gemeinsam ein großes Blatt, gefüllt mit Blaubeeren.
War das ein Festschmaus.
Wir haben die Vögel gebeten allen Tiere in der Umgebung zu erzählen, dass du dich hier einige Monate versteckt halten musst und sie dich mit Lebensmittel versorgen sollen.“
Geht das denn?“ fragt Mariella zweifelnd.
Du wirst sehen, wie erfinderisch die Tiere sein können.“
Die Elfen kichern.
Als das Mädchen am nächsten Morgen mit knurrendem Magen erwacht, die Nüsse und Beeren war nicht so sättigend gewesen, musste sie erst überlegen wo sie war.
Die Elfen, die während der Nacht neben ihr geschlafen haben, sind nicht mehr zu sehen.
Mariella stolpert noch immer schlaftrunken zu der Quelle und nimmt einen tiefen Schluck von dem reinen kühlen Wasser.
Vorsichtig blickt sie dann hinaus, bevor sie zum Bach geht, um sich zu waschen.
Eine Kuh kommt plötzlich den Weg entlang gelaufen und schnell versteckt sich das Mädchen, doch Hortensie ist auf einmal da.
Komm nur, sie ist allein, sie will dir Milch bringen.“
Mariella läuft hinter Hortensie her zu der Kuh, auf deren Rücken die anderem beiden Elfen sitzen.
Liebevoll tätschelt sie den Hals des Tieres und wird mit einem freundlichem „Muh“ begrüßt.
Doch dann sieht sie nachdenklich auf das prall
gefüllte Euter.
Kannst du nicht melken,“ fragt Rosemarin.
Aber sicher, ich bin doch auf einem Bauernhof groß geworden.
Aber wie soll ich die Milch denn auffangen?“
Oooh?“ Die Elfen und auch die Kuh gucken ganz überrascht, daran hatte wohl keiner gedacht.
Mariella aber lacht auf einmal und schlägt sich gegen die Stirn.
Ich habe doch die Brotzeitbox, die mir Beatrice mitgegeben hat und die ist aus Blech.“
Sie dreht sich um und rennt in die Höhle.
Mit der Blechdose kommt sie zurück, geht vor der Kuh in die Hocke, hält mit einer Hand die Dose unter das Euter und mit der anderen Hand umfasst sie eine der Zitzen und bald ist das Gefäß gefüllt.
Mit strahlenden Augen trinkt sie die „kuhwarme“ Milch.
Die Elfen kichern.
Du hast einen Bart!“
Lachend wischt sich Mariella mit dem Handrücken über den Mund.“
Die Kuh wendet den Kopf und muht:
Lass es dir schmecken Kleine, ich werde versuchen jeden Morgen vorbei zu kommen, wenn ich es mal nicht schaffe vor dem Melken, dann schicke ich die Ziege.“
Die Elfen übersetzen und Mariella legt beide Arme um den Hals der Kuh.
Danke ,“ flüstert sie.
Während sie der Kuh nachschauen, die sich wieder auf den Rückweg gemacht hat, fragt das Mädchen woher sie denn eigentlich gekommen ist.
In der Nähe ist ein kleines Anwesen, das gehört dem Tierarzt Giovanni Markese und seiner Frau Francesa.
Sie sind sehr nette Menschen und die Tier dürfen sich auf dem Hof frei bewegen, das Gatter zur Koppel steht immer offen.“
Und so richtet sich das Mädchen in ihrer neuen Heimat ein.
Tagsüber bleibt sie in der Nähe der Höhle und abends streift sie durch die Gegend.
Einmal entdeckt sie einen Müllplatz und findet einen verbeulten Kochtopf, sowie ein stumpfes Messer und einen alten Löffel.
Sie trägt alles in ihre Höhle.
Und mit dem Feuerzauber der Elfen kann sie aus den Kräutern und Pilzen sogar eine schmackhafte Suppe kochen.
Immer wieder tauchen Tiere auf und bringen ihr etwas zu essen.
Eine getigerte Katze ist besonders schlau, mal bringt sie verpacktes Brot, dann wieder hat sie ein Päckchen Butter im Maul und eines Tages zerrt sie sogar eine riesige Salami hinter sich her.
Kichernd erzählen ihr die Elfen, dass die Katze der Kramerin gehört.
 
So vergehen die Monate.
Im Winter wird es ein wenig schwieriger, aber mit Hilfe der Tiere und Elfen muss Mariella nicht hungern und jeden Abend kommen die Eichkätzchen und legen sich rechts und links neben das Mädchen und wärmen sie.
Es kommt ein neuer Frühling und ein neuer Sommer und die Elfen wissen, dass die einsame Zeit von Mariella bald vorbei ist.
Nur das Mädchen ahnt nichts davon, aber sie hat sich an ihr neues Leben gewöhnt und einsam fühlt sie sich nicht.
Sie hat die Tiere und die Elfen.





Samstag, 3. August 2024

Das Findelkind Teil 6





Als sie wieder erwacht dämmert es bereits.
Sie setzt sich auf und sieht sich um.
Im ersten Moment weiß sie gar nicht, wo sie sich befindet.
Dann fällt ihr alles wieder ein und ihre Augen füllen sich mit Tränen und hinterlassen Spuren auf ihren schmutzigen Wangen.
Nicht weinen, es wird alles wieder gut,“
tröstet eine feine Stimme neben ihr und ein zartes hübsches Wesen mit Flügeln setzt sich auf ihre Hand.
Mariella hebt vorsichtig die Hand, blinzelt die Tränen weg und betrachtet staunend das hübsche kleine Ding.
Wer bist du?“
Mein Name ist Rosemarin und das ist meine Schwester Hortensie und meine Kusine Vergissmeinnicht.“
Die beiden Elfen setzten sich lächelnd ebenfalls auf ihre Hand und Mariella kichert, denn es kitzelt ein wenig.
Doch dann schließt sie die Augen und schüttelt den Kopf.
Das war doch sicher nur ein Traum?
Aber die kleinen zierlichen Gestalten sitzen immer noch auf ihrer Hand, als sie die Augen öffnet.
Grinsend sehen sie zur ihr auf und Rosemarin meint :
Es ist kein Traum. Wir wurden geschickt um dir zu helfen, bis...“
Sie schlägt sich erschrocken mit der Hand auf den Mund,
Wir dürfen dir nicht alles verraten, nur sollst du wissen, dass wir an deiner Seite sind, bis sich dein Schicksal zum Guten wendet.“
Ein dicker Käfer kommt brummend angeflogen.
Versteckt euch, der Schäfer ist auf dem Weg nach Hause.“
Die Elfen fliegen auf und Mariella rafft ihre Sachen zusammen und folgt ihnen.
Sie kauern sich hinter einen Busch und beobachten wie der Schäfer einen langen Ast als Gehhilfe benutzend den steinigen Pfad herauf kommt.
Die Schafe ergießen sich rechts und links auf den
Weiden, doch zwei Hunden treiben sie kläffend zusammen.
Einer der Hunde kommt sogar bis ans Gebüsch, schnüffelt ein wenig, doch er schlägt nicht an.
Alle Tiere werden dir helfen, Mariella, denn du musst dich für einige Monate verstecken.
Nun aber komm wir haben ein gutes und sicheres Versteck.“
Noch immer etwas verwundert folgt das Mädchen den Elfen.
Sie marschieren die ganze Nacht und Mariella hat schon Blasen an den Füßen, doch sie klagt nicht.
Glühwürmchen haben sich inzwischen zu ihnen gesellt und leuchten ihnen auf dem Weg.
Die Sonne steht schon hoch am Himmel, als sie in einem Wald ankommen.
Neben einem klaren Bächlein führt ein Weg in eine Höhle.
Hier kannst du bleiben, denn selten kommt jemand in diesen Wald.
Er gehört dem Baron Tommaso di Graziano.“
Die Elfen zwinkern sich zu.
Das Mädchen aber beachtet sie gar nicht.
Sie streift ihre Socken ab und steckt die schmerzenden Füße ins Wasser.
Ach du Arme, warte.“
Die Elfen fliegen davon und kommen wenig später mit einigen Kräutern wieder, sie wickeln sie um die schmerzenden Wunden, streichen zart darüber und alles ist heil.
Danke, ihr könnt zaubern?“
Ein wenig, und nur im Notfall dürfen wir unsere Kräfte einsetzen,“ meint Hortensie bescheiden.
Aber nun sieh dir die Höhle an.“
Barfuß folgt ihnen das Mädchen in die Höhle.
Sie ist zwar klein aber doch geräumig.
Im Hintergrund sprudelt eine Wasserquelle und Mariella beugt sich und trinkt durstig von dem klaren reinen Wasser.
Dann hört man plötzlich ein Grummeln und Mariella wird rot.
Die Elfen aber sehen sich erschrocken um, war die Höhle doch nicht sicher?
Das war mein Magen,“ murmelt das Mädchen verlegen.
Ach du brauchst ja was zu Essen,“ zwitschern die Elfen aufgeregt.

Morgen gehts weiter

Freitag, 2. August 2024

Das Findelkind Teil 5





Wenige Wochen nachdem die gute Frau Elena beerdigt ist, zieht Chiara mit ihrem Sohn Filippo auf den Hof.
Und nun herrscht ein anderes Regiment.
Chiara spielt zwar die feine Dame, aber ihr Gesinde lässt sie schuften.
Der elfjährige Filippo stolziert auf seinen stämmigen Beinen über den Hof und wenn er jemand sieht, der mal eine kurze Pause macht oder ein Schwätzchen hält, verpetzt er denjenigen gleich bei seiner Mutter.
Am schlimmsten aber ergeht es Mariella.
Sie darf zwar weiterhin in ihrem Zimmer wohnen, aber die neue Bäuerin nimmt ihr alle schönen Kleider weg und ersetzt diese durch einfache Schürzen.
Auch findet sie immer wieder irgendwelche Arbeiten im Haus für das Mädchen.
Und Filippo lässt sich keine Gelegenheit entgehen,sie zu ärgern und zu hänseln.
Der einzige Lichtblick für Mariella sind Beatrice und Ariane, doch die beiden sind schon längst Chiara ein Dorn im Auge.
Vor allem da Beatrice den Bauern einmal fragte, was eigentlich aus dem Testament geworden war, das sie und Anna unterschrieben hätten.
Und eines Tages erklärt die Bäuerin, dass Beatrice ihre Sachen packen soll und gehen könne.
Ihre Tage als Amme werden schon lange nicht mehr benötigt und eine Magd brauchen sie nicht,
denn diese Arbeit würde in Zukunft Mariella verrichten.
Bitterlich weinend nehmen die Drei Abschied voneinander und Beatrice tröstet das Mädchen und meint sie wohne ja nicht weit und Mariella könne sie jederzeit besuchen.
Doch dazu bleibt dem Mädchen keine Zeit.
Wie eine Erwachsen muss sie nun schuften und abends fällt sie todmüde in ihr Bett, das in einer kleinen Kammer neben dem Stall ist.
Im Herrenhaus wohnt sie schon lange nicht mehr.
Filippo verfolgt sie auf Schritt und tritt und spart nicht mich hämischen Bemerkungen.
Eben tritt er wieder in den Kuhstall, wo Mariella gerade mit der Mistgabel den Schubkarren belädt, den sie später auf den Misthaufen fahren muss.
Oft schafft sie es kaum über das schmale Brett mit der schweren Karre zu balancieren, ihre Arme schmerzen, ihre Beine zittern und sie fühlt sich wie zerschlagen.
Als nun der stämmig kleine Gernegroß wieder seine dummen Sprüche los lässt, da packt sie eine unbändige Wut und mit einer Kraft, die sie selbst nicht für möglich gehalten hätte schleudert sie die Forke voller Mist nach dem hämisch grinsenden Buben.
Von unten bis oben voller Jauche rennt Filippo, nach seiner Mutter schreiend, aus dem Stall.
Wenig später kommt diese wie eine Furie herein
geschossen, gibt Mariella links und rechts eine schallende Ohrfeige und zerrt sie an den Haaren hinter sich her bis zum Aborthäuschen.
Sie stößt sie hinein und legt von außen den Riegel vor.
Schluchzend reibt das Mädchen die brennenden Wangen und auch der Kopf schmerzt sie.
Als sie nicht mehr weinen kann und nur noch leise schnieft, sieht sie sich um.
Sie schaudert als sie ringsum die Spinnennetze sieht und die dicken schwarzen Spinnen entdeckt.
Durch die Luke in der Tür erkennt sie nur ein winziges Stück vom Himmel.
Da das Häuschen nicht mehr benutzt wird, kann sie kaum auf Befreiung hoffen.
Traurig denkt sie an ihre verstorbene Pflegemutter und auf einmal fühlt sie sich so leicht.
Es ist ihr als würde diese ihr über das Haar streichen und Mut zu sprechen.
Und all die Lieder die sie einst zusammen sangen fallen ihr ein und leise beginnt sie zu singen.
Mariella weiß nicht wie viele Stunden sie schon eingesperrt ist, der Himmel draußen ist inzwischen dunkel und einige Sterne sind zu sehen.
Da hört sie wie jemand den Riegel bewegt und Annas schaut herein. 
Sie sind zum Dorffest zum Tanzen und haben dieses kleine Monster mitgenommen. Komm schnell!“
Mariella schlüpft ins Freie.
Du musst fort, sie wollen dich ins Armenhaus stecken. Geh zu Beatrice, sie wartet auf dich. Mach schnell.“
Mariella rast los und erreicht atemlos die kleine Hütte in der Beatrice und Ariane mit der alten Großmutter leben.
Beatrice erwartet sie schon.
Sie hat einen Rucksack mit einigen Kleidern von Ariane gepackt und obenauf eine warme Decke.
Schau, dass du heute Nacht noch so weit wie möglich kommst. Versteck dich wenn du Menschen siehst. Gott sei mit dir!“
Auch Ariane umarmt sie, dann schlüpft Mariella hinaus in die dunkle Nacht.
Auf Schleichwegen verlässt sie das Dorf und wandert den schmalen Pfad über den Berg und erst um die Mittagszeit lässt sie sich im Schatten eines Baumes ermattet zu Boden fallen.







Donnerstag, 1. August 2024

Das Findelkind Teil 4




Großartig und pompös lässt er sie beerdigen.
Und während das ganze Gesinde und das Dorf daran teilnimmt sucht seine Geliebte fieberhaft nach dem Testament.
Und als sie es schließlich findet, vernichtet sie es höhnisch lachend.
Mariella aber steht mit Beatrice und Ariane am Grab ihrer Mutter und wird von einem heftigen Weinkrampf geschüttelt.
Die Elfen sitzen auf dem Weidenbaum neben dem Grab und sehen mit betrübten aber auch grimmigen Gesicht hinunter auf das weinende Mädchen.
Wie aus einem Nebel taucht die Schicksalsfrau neben ihnen auf.
Ihr seid böse auf mich?“
Die Elfen nicken.
Hättest du uns damals das Geheimnis ihrer Herkunft offenbaren lassen, dann würde Mariella nicht so leiden müssen.
Sie wäre jetzt bei ihren richtigen Eltern und müsste nicht um eine Frau weinen, die gar nicht ihre richtige Mutter ist,“ schimpfen die kleinen Geister.
Moira lächelt leise.
Wenn ein Kind geboren wird, dann legen die Schicksalsfrauen den Anfang ihres Schicksalsknäuel in die Wiege und während des gesamten Lebens diese Kindes wird das Knäuel langsam und stetig abgerollt.“
Das heißt also jedem menschlichen Wesen ist sein Schicksal vorbestimmt.“
Mehr oder weniger, denn die Menschen haben noch ihren freien Willen. Manche zerbrechen an ihrem Schicksal, wieder andere kommen gestärkt aus ihren Prüfungen hervor. Und dann gibt es noch die Menschen, die den falschen Weg einschlagen.
Aber wir Wesen aus der anderen Welt dürfen niemals eingreifen.“
Die Elfen schweigen lange, dann fragen sie die geduldig wartende Moira.
Aber warum ist es Mariellas Schicksal, dass sie ihren Eltern weggenommen wurde und zu Elena kam?“
Weil das Schicksal Elena Kinder verwehrt hat, da sie aber eine gute Frau und auch wundervolle Mutter gewesen wäre, wurden ihr diese sieben schönen Jahre mit Mariella geschenkt.“
Moira lächelt und meint dann.
Bald wird das Geheimnis um das Mädchen gelüftet, haltet eure Augen auf, denn sie wird eure Hilfe brauchen.“
Die Schicksalsfrau löst sich in Nebel auf.