Samstag, 1. Oktober 2022

Der Schmuck der Arlington






Der Schmuck der Arlington


In dem altehrwürdigen Gebäude, in dem das Mädcheninternat 
„St. Anna“ untergebracht war, summte es wie in einem Bienenstock.
Die Osterferien hatten begonnen und alle waren beim Packen.
In ihrem Zimmer aber saß Natalie und starrte traurig auf den Brief in ihren Händen.
Ihre Eltern, die in Neuseeland lebten, konnten ihr das Reisegeld nicht schicken und sie musste die Osterferien hier im Internat bleiben.
Eine dicke Träne tropfte auf das Papier und verwischte die Tinte.
Ihre Zimmergenossin Gerlinde von Arlington kam in das Zimmer.
„Du hast ja noch gar nicht gepackt!“ rief sie fröhlich, dann sah sie ihr Freundin genauer an.
„Du weinst ja, was ist los?“
Stumm reichte Natalie ihr den Brief.
Gerlinde setzte sich neben sie und legte den Arm um ihre Schultern.
„Das ist wirklich traurig, aber es ist doch gar nicht mehr lange bis zu den großen Ferien,“ tröstete sie, „ und du hast wenigstens deine Eltern noch, meine sind schon lange tot,“ sagte Gerlinde leise.
„Ja, aber du hast doch deine wunderbare Tante Franziska,“
„Fränzchen, das ist die Idee, du kommst einfach mit zu mir auf Gut Arlington. Ich werde meine Tante sofort anrufen!“

(c) Irmgard Brüggemann


Wenig später kam sie wieder ins Zimmer gestürzt.
„Packe deine Koffer Nali, wir gehen auf die Reise!“






Die Bummelbahn ließ einen lang gezogenen Pfiff ertönen bevor sie in den kleinen Bahnhof ratterte.
Zwei aufgeregte Mädchen kletterten die eisernen Stufen hinunter und nahmen die Koffer, die ihnen der freundliche Schaffner reichte, entgegen.
Gerlinde sah sich suchend um, dann hüpfte sie aufgeregt winkend auf und ab.
„Ferdinand hier sind wir!“
Ein alter Mann mit einem mächtigen Schnurrbart kam grinsend näher.
„Guten Tag Komtess, schön dass sie wieder da sind.“
Er verfrachtete das Gepäck im Kofferraum und dann fuhren sie durch die blühende Landschaft.
Natalie sah aber nichts von der Herrlichkeit. Ganz still war sie geworden.
Wie redete man denn eine Gräfin an, musste man einen Hofknicks machen.
Ganz bang war ihr zumute.
Doch als sie neben Gerlinde die große Halle des Herrenhauses betrat und in die fröhlich lachenden Augen der Gräfin von Arlington blickte, verlor sie alle Scheu.
Bald saßen sie bei Tee und Waffeln mit Sahne im kleinen Salon und unterhielten sich fröhlich.
Doch Gerlinde bemerkte, dass Fränzchen etwas bedrückte und beschloss dies herauszufinden.
Die Gelegenheit bot sich, als Natalie nach oben ging, um ihre Koffer auszupacken.
„Was ist los Fränzchen?“
Die junge Frau lächelte kläglich.
„Ist es so offensichtlich?“
„Ich kenne dich eben ganz genau!“
„Ach Kind, wenn kein Wunder geschieht, dann kommt Arlington unter den Hammer.“
„So schlimm steht es?“
Ihre Tante nickte.
Dann fiel ihr Blick auf das große Bild an der Wand, das eine hübsche junge Frau zeigte.
„Weißt du, dass du meiner Urgroßmutter Edelgarde immer ähnlicher siehst.“
Gerlinde betrachtet die Frau die genau so rote Haare hatte wie sie.
Ein wunderschönes Collier lag um ihren Hals.
„Was ist eigentlich aus dem Familienschmuck geworden?“
„Ach Linde, den wenn wir noch hätten, der muss mindestens eine Million wert sein. Aber als Edelgarde mit ihrem Geliebten nach Amerika durchging, da hat sie ihn wohl mitgenommen, denn seit dieser Zeit hat niemand ihn mehr gesehen.“
Gräfin Franziska stand auf.
„Komm wir wollen deiner Freundin kein trauriges Gesicht zeigen. Ihr sollt eure Ferien hier genießen.“




Gerlinde konnte nicht schlafen, immer wieder dachte sie über die verzweifelte Lage nach. Was wurde aus ihr und Fränzchen wenn sie ihre Heimat verloren?
Nali neben ihr schlief tief und fest.
Plötzlich hörte das Mädchen Stimmen, sie schienen von der Treppe zu kommen.
Schnell schlüpfte sie in ihre Pantoffeln und verließ das Zimmer.
Auf der großen geschwungenen breiten Treppe war niemand zu sehen.
Die alte Standuhr in der Halle schlug zwölfmal.
Ein Kichern ertönte aus dem Salon und Gerlinde lief hinunter und öffnete vorsichtig die Tür.
Mitten im Raum stand Edelgarde von Arlington, sie lächelte und winkte das Mädchen mit dem Fächer herein.

„Komm nur meine Kleine, was bist du aber hübsch.“
„Und sie sieht dir ähnlich meine Liebste!“




Aus dem Schatten trat ein Mann.
Er trug Kniehose,weiße Strümpfe und Schnallenschuhe und eine hüftlange Jacke aus golddurchwirkten Satin, an dessen Ärmel die weißen Rüschen des Hemdes hervor sahen.
Linde starrte die beiden an.
„Du bist meine Ur-Ur- Großmutter Edelgarde
„Mein Kind, sag doch nicht dieses schreckliche Wort, da fühle ich mich so alt, nenne mich Edelgarde.“
Gerlinde kicherte.
„Aber du bist alt, du bist 218 Jahre.“
„Was man ihr keineswegs ansieht,“ warf der Edelmann ein.
„Kunststück, ihr seid ja auch Gespenster, da endet der Alterungsprozess nach dem Tod,“ spottete das Mädchen.
„Ach auch wenn meine Liebste nicht so jäh aus dem Leben gerissen worden wäre, wäre sie im Alter noch wunderschön gewesen.“
„Ach Armand,“ seufzte Edelgarde und warf ihm einen zärtlichen Blick zu.
Gerlinde verdrehte die Augen.
„Aber sagt mal, wieso spukt ihr hier im Schloss herum und seid nicht in Amerika geblieben.“
„Wir waren nie in Amerika, das war nur eine bösartige Lüge deines Ur-Ur-Großvaters, übrigens zu ihm passt dieses Wort, denn er kam schon als alter Mann auf die Welt.“
„Und was ist damals wirklich passiert!“
„Nun nachdem uns Robert in der Bibliothek in inniger Umarmung erwischt hatte, trieb er uns mit vorgezogener Waffe in den Keller und sperrte uns dort in das tiefste Verlies, das nur wenigen bekannt war.
Hohnlachend rief er uns durch die Tür zu, dass er den Schlüssel wegwerfen würde. 
Außerdem würde er allen erzählen, dass wir durchgebrannt wären und den Familienschmuck mitgenommen haben.“
Edelgarde schauderte.
„Es war kein schöner Tod zu verhungern und ich hatte auch mächtige Angst.“
„Aber meine Liebste du bist in meinen Armen gestorben,“ sagte Armand zärtlich.
Edelgarde strahlte ihn an.
„Und du hast mir immer Mut gemacht und mich sogar mit deinen Geschichten zum Lachen gebracht und am Ende war es gar nicht mehr so schlimm zu sterben. Wir sind einfach eingeschlafen. 
Und seitdem spuken wir durch das Schloss, was uns eine Menge Spaß macht. Liebster kannst du dich noch erinnern, vor hundert Jahren, die Köchin die wir so erschreckten, dass sie das ganz Salzfässchen in die Suppe fallen ließ.“
Edelgarde lachte vergnügt und Armand nahm ihre Hand und küsste zärtlich jeden einzelnen Finger.
„Liebste dein bezauberndes Lachen war das Erste, das mir an dir auffiel und dann war ich rettungslos verloren.“
Gerlinde rollte mit den Augen.
„Könnt ihr mal mit eurem „Liebesgeschnulze“ aufhören,“ rief sie ungeduldig. „Es gibt wichtigere Dinge zu besprechen!“
„Aber was gibt es denn wichtigeres als die Liebe,“ rief der Graf empört.
Edelgarde schlug ihm spielerisch mit ihrem Fächer auf die Hand.
„Für die Liebe ist die Kleine noch zu jung, deshalb kann sie uns nicht verstehen. Nun was hast du auf dem Herzen meine Kleine?“ wandte sie sich an ihre Enkelin.
„Wenn ihr den Familienschmuck nicht gestohlen habt, wo ist er dann?“
„Aber Kind was willst du denn mit dem Schmuck, du bist doch viel zu jung, um ihn zu tragen und außerdem ist er scheußlich. Ich hasste es immer, wenn Robert mich zwang ihn anzulegen ,damit er mit meiner Schönheit und seinem Reichtum prunken konnte.“
„Ja, aber er ist ein Vermögen wert und mit dem Geld
könnte man Arlington retten.“
„Ist es denn in Gefahr?“
„Ja, wenn kein Wunder geschieht, dann kommt es unter den Hammer!“
„Wer will es denn kaputt machen, gibt es wieder Krieg?“
„Nein, aber nach dem letzten Krieg und der Inflation hat es sich nie wieder richtig erholt und außerdem war der letzte Arlington ein schrecklicher Verschwender und nun ist es so verschuldet, dass es versteigert werden soll.Aber wenn wir den Schmuck finden könnten, dann wären wir gerettet.“
Edelgarde krauste ihre Stirn.
„Mein teurer Gatte hat den Schmuck bestimmt so versteckt, dass er nie wieder auftauchte. Schließlich wären seine Lügen dann aufgedeckt worden, zumindest aber hätte man peinliche Fragen gestellt.“
Die Gräfin versank in langes Nachdenken und Gerlinde beobachtete sie ungeduldig.
„Ich kann mir denken wo der Schmuck sein könnte, Roberts Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer hatte ein Geheimfach, sicher hat er ihn darin versteckt.“
„Aber wo ist der Schreibtisch!“ rief Gerlinde verzweifelt.
Die Uhr schlug einmal und die beiden Gespenster wurden immer durchscheinender.
„Die Stunde, in der wir sichtbar werden ist um,“ hörte sie die Stimme von Edelgarde wie aus weiter Ferne und die Geister waren verschwunden.
„Edelgarde, warte, wo kann der Schreibtisch denn stehen!“
rief Gerlinde verzweifelt.
„Wir werden das Schloss durchstreifen und danach suchen, ich werde mich dann bei dir melden.“
Zurück blieb ein Duft von Rosen.
Mutlos schlurfte das Mädchen zurück in ihr Zimmer.

Es war dämmrig draußen, als Gerlinde erwachte.
Sie verschränkte die Arme unter dem Kopf und grübelte über ihr gestriges Erlebnis und die wundervolle Erkenntnis, dass der Schmuck sich noch im Schloss befinden könnte. 
Wenn das wahr wäre, da könnten Fränzchen und sie ihr Zuhause behalten.
Nali neben ihr regte sich, streckte sich wie ein Kätzchen und gähnte.
„Guten Morgen, Linde, was habe ich gut geschlafen.“
„Das macht die gute Landluft,“ grinste ihre Freundin.
„ Du Nali, wenn ich dir jetzt erzähle was mir gestern Nacht passiert ist wirst du mich sicher für verrückt halten.“
„Unsinn! Schieß los“
Nali setzte sich auf und schlang die Arme um die Knie.
Auch Linde macht es sich bequem und erzählt ihrer Freundin alles.

 
(c) Irmgard Brüggemann


Nali lachte vergnügt: „ Weißt du, dass ich gestern vor dem Einschlafen dachte, ob es hier wohl spukt, die Örtlichkeiten währen dazu gegeben.“
Beide kicherten.
Dann wurde Linde wieder ernst.
„Verstehst du jetzt, dass ich alles daran setzen muss, um den Schmuck zu finden?“
Ihre Freundin nickte.
„Willst du es deiner Tante sagen?“
„Nein ich möchte nicht, dass sie sich Hoffnung macht, die dann doch zerbricht. Schließlich sind mehr als 200 Jahre vergangen, vielleicht hat ihn jemand inzwischen gefunden.“
„Dann lass uns mit der Suche beginnen!“ rief Nali unternehmungslustig und sprang aus dem Bett.
„Aber erst hab ich mal Hunger!“ lachte Linde.
Bald saßen sie mit Fränzchen im Salon und ließen es sich schmecken.
Gerlinde spürte plötzlich einen leichten Rosenduft und eine Stimme flüsterte ihr ins Ohr.
„ Auf dem Bild lehnt Robert an dem Schreibtisch.“
Das Mädchen warf einen Blick auf das große Gemälde von dem ihr Urahn mit finsterem Blick auf sie herab sah.
„Fränzchen, wo wurde denn Robert von Arlington gemalt?“
Ihre Tante warf einen Blick auf den grimmigen Ahnherrn.
„Ich denke, das war in seinem Arbeitszimmer.“
Nali die ihrer Freundin einen kurzen Blick zuwarf, meinte:
„Das ist aber schönes Möbel gibt es das noch?“
Fränzchen nickte:
„ Ich denke es steht noch im Nordturm, aber dort war schon lange niemand mehr.
Robert von Arlington wurde nach dem Verschwinden seiner Frau zum menschenscheuen Einsiedler und lebte weitab vom Herrenhaus im Turm.“
„Es gibt einen richtigen alten Turm hier,“ quietschte
Nali, „dürfen wir den mal ansehen.“
„Ja sicher, fragt Franz nach dem Schlüssel, aber zieht euch alte Kleider an, denn es wird ziemlich schmutzig dort sein.“
„Das macht nichts, was für ein Abenteuer!“

 
(c) meine Tochter


Wenig später stiegen zwei abenteuerlustige Mädchen die steile Treppe zum Turmzimmer hoch.
Sie gingen ziemlich in der Mitte, denn rechts und links waren die Wände mit Spinnweben bedeckt und manche dicke schwarze Spinne glotzte auf sie herunter.
Knarrend öffnete sich die Tür und sie traten ein.
Die Möbel waren mit Tüchern bedeckt und als sie diese abzogen wirbelten Staubwolken durch den Raum und brachten sie zum Husten.
Und dann standen sie vor dem Schreibtisch, klopften die Seitenwände ab und suchten nach doppelten Schubladen.
Enttäuscht wandten sie sich ab, kein Geheimfach.
Rosenduft erfüllte plötzlich das Zimmer und Edelgarde flüsterte Gerlinde ins Ohr.
„Unter dem Tisch ist ein schwarzer Knopf!“
Nali war erstaunt, als ihre Freundin auf einmal unter den
Schreibtisch kroch.
Auch hier lag alles voller Staub und eine Spinne lief eilig davon.
Da sah das Mädchen den Knopf und als sie ihn drückte, jubelt Nali laut.
Schnell krabbelte Linde hervor und hätte sich beinahe noch den Kopf gestoßen.




Unter der Schreibtischplatte war ein Schubfach hervorgeschossen und hatte sein langjähriges Geheimnis preisgegeben.
Staunend standen sie vor dem glitzerndem Geschmeide, dann fielen sie sich in die Arme und tanzten durch das Zimmer, nicht darauf achtend dass sie in eine große Staubwolke gehüllt wurden.
Ein leises Kichern zeigte Gerlinde, dass ihre Ahnfrau immer noch hier war und sie beschloss, heute um Mitternacht in den Salon zu gehen, um sich persönlich bei ihr zu bedanken.
Wenig später stürmten sie in die Küche wo Fränzchen gerade mit der Köchin sprach und entsetzt die beiden Dreckspatzen, die herein stürzten, betrachtete.
Linde aber nötigte ihre Tante zum Sitzen und breitete
dann die Herrlichkeit vor ihr aus.
Was das eine Überraschung, Freude und Jubel und manche Träne floss.
Natürlich musste Gut Arlington nicht unter den Hammer, auch blieb noch genug Geld über um es zu sanieren und modernisieren.
Und Nali bekam natürlich einen dicken Finderlohn, konnte doch in den Ferien zu ihren Eltern fliegen und brachte noch ein gut gefülltes Sparbuch mit.

© Lore Platz 1.10.2022



Donnerstag, 29. September 2022

Lenerl verirrt sich

Diese Geschichte  wurde vor einigen Jahren geschrieben, also wunderte euch nicht über die ersten Zeilen. Ich wünsche euch einen schönen Tag und viel Spaß beim Lesen. Leider geht es mir immer noch nicht gut.
 

 
Schon wieder beginnt eine neue Woche und am Ende dieser  fängt schon der Juni an.
Haben wir uns doch dringend den Regen gewünscht und nun würden wir ihn am liebsten wieder abstellen.
Als ich noch ein Kind war, las ich einmal ein Märchen, ich weiß nicht von wem es ist und ich weiß auch nicht, ob ich es noch richtig erzählen kann.
Ich versuchs mal.
Ein Bauer beschwerte sich beim lieben Gott über das schlechte Wetter, sein Getreide würde nicht hoch genug sein.
Gott bot ihm an, dieses Jahr selbst das Wetter zu machen.
Der Bauer rieb sich die Hände und ließ nun abwechselnd Regen und Sonne scheinen.
Seine Felder waren wunderbar anzusehen, groß und goldgelb stand das Getreide. 
Doch als er es erntete waren die Ähren leer.
Er hatte den Wind vergessen!


 
(c) Werner Borgfeldt


Lenerl verirrt sich


Der Gong ertönte und die Klassen verließen lärmend die Zimmer, um in den Pausenhof zu stürmen.
Nur Anderl und Maxl drückten sich auf dem Flur herum.
Als endlich alle Kinder das Schulhaus verlassen hatten, liefen die beiden Buben über die Hintertreppe zum obersten Stock ins Kartenzimmer.
Hier wurden alle die Atlanten, ausgestopften Tiere, der Vorführapparat für Filme, eben alles was man zum anschaulichen Unterricht brauchte, aufbewahrt.
Zielstrebig durchquerten sie den Raum und öffneten das Fenster.
„Ich hab dir`s ja gesagt, von hier aus kann man hinüber zum Jahrmarkt sehen!“ rief Maxl triumphierend.
„He, was macht ihr da, schaut dass ihr hinunter kommt!“
Der alte Hausmeister sah sie grimmig an.
Grinsend liefen die Buben an ihm vorbei.
„Verflixte Lausbuam,“ brummte der alte Mann und schloss das Fenster, dabei schmunzelte er aber.

Endlich war Samstag und der Jahrmarkt sollte heute eröffnet werden.
Anderl hatte mit dem Messer ein Geldstück nach dem anderen aus seiner Sparbüchse geangelt.
Vergnügt betrachtete er die 10 glitzernden 2 Euro Münzen, dann verstaute er sie in seinem Geldbeutel.
Es klingelte. Das war sicher sein Freund Maxl.
Vergnügt pfeifend polterte Anderl die Treppe hinunter.


Seine Mutter kam aus dem Nebenzimmer, seine kleine
Schwester an der Hand.
„Hör mal Andreas, die Oma hat gerade angerufen, es geht ihr nicht so gut. Könntest du Lenerl mitnehmen?“
Sie drückte dem Verdutzten einen Geldschein in die Hand und verließ das Haus.
Mit missmutigem Gesicht stapften die beiden Jungen durch die Straßen, während die kleine Marlene vergnügt neben ihnen herhüpfte.
Dabei stand ihr Plappermäulchen keinen Moment still.
Sie wollte mit dem Karussell fahren, Zuckerwatte essen, ins Kasperletheater und einen großen Luftballon.
Sie waren am Eingang des Jahrmarkts angekommen. Obwohl es noch früh am Nachmittag war, wälzten sich doch schon eine Menge Menschen durch die Gassen zwischen den Buden.
Lenerl klammerte sich fest an die Hand ihres Bruders.
Was gab es alles zu sehen.
Staunend standen sie vor der größten Schaukel der Welt.
Sie sollte 45m hoch sein und neigte sich um 120°.
Die Buben versuchten sich im Pfeil werfen, am „Hau den Lukas“ und an der Torwand.
Dann standen sie bei dem Breakdancer. Das war eine sechseckige Drehscheibe, auf der sich in gleichmäßigem Abstand vier Gondelkreuze befanden, an denen sich jeweils vier Gondeln befanden.
Die vier Gondeln bewegten sich schnell in Gegenrichtung der Drehscheibe.
Das sah aus als würde man Breakdance tanzen.
„Fahren wir mit ?“
„Ja, aber was machen wir mit Lenerl?“
Die Jungs sahen sich enttäuscht an, dann hatte Anderl eine Idee.
„Stell dich schon an und besorge uns Karten, ich bringe Lenerl zum Kinderkarussell.“


Der Junge kaufte fünf Chips und drückte sie seiner Schwester in die Hand.
„Hier gib dem Mann jedes Mal einen Chip, dann kannst du
ganz lang Karussell fahren. Ich hol dich dann wieder ab.“
Die Dreijährige nickte ernsthaft und hielt die kostbaren Plastikdinger ganz fest in der kleinen Faust.
Von dem weißen Pferdchen, auf das sie ihr Bruder gesetzt hatte, sah sie ihm nach.
Dann drehte sich das Karussell und Lenerl juchzte vor Freude.
Doch nach der fünften Runde musste sie das Karussell verlassen und das Mädchen stand etwas verloren da.
Keine Spur von ihrem Bruder.
Lenerl beschloss ihn zu suchen.
Sie drängte sich durch die Menschen hindurch. Blieb bei einem Clown stehen, der aus Luftballons verschiedene Tiere formte. Zu gerne hätte sie eins gehabt, aber sie hatte ja kein Geld.
Aus der Kasperlbude klang fröhliches Lachen und sehnsüchtig sah das kleine Mädchen hinüber.
Auch die Zuckerwatte die sich in dem runden Ofen wie eine rosa Wolke um das Holzstäbchen drehte, weckte Sehnsucht ihn ihr.
Sie musste unbedingt ihren Bruder finden, um all diese Herrlichkeiten zu bekommen.
Doch es waren zu viele Menschen und sie waren alle so groß, dass sie gar nicht richtig den Platz überblicken konnte.
Tränen schossen ihr aus den Augen und tropften auf den Boden.
Und als gar noch aus der Geisterbahn ein schauerliches Geheul ertönte, lief Lenerl vollkommen verzweifelt los.
Plötzlich fand sie sich am Eingang der Festwiese wieder und setzte sich einfach heulend auf den Boden.
„Ja, Lenerl was ist denn los?“ hörte sie die Stimme von Marianne.
Marianne wohnte ihnen gegenüber und hatte auf Lenerl
schon öfter aufgepasst, wenn die Mama dringend wohin
musste.
Erleichtert stürzte sich die Kleine in die Arme der jungen Frau und erzählte schluchzend ihren Kummer.
Tröstend strich ihr Marianne über das Haar und putzte ihr die Nase.
„Komm wir suchen den Anderl.“
Lenerl strahlte und schob ihre kleine Hand vertrauensvoll in die Hand der jungen Frau.

Die beiden Jungen hatten endlich einen Platz in einer der Gondeln bekommen und standen nun beim Kinderkarrussel.
Andreas Herz klopfte plötzlich voller Angst. Von seiner Schwester war weit und breit nichts zu sehen.
Sie liefen durch die Menschenmengen und riefen laut ihren Namen, doch in dem Lärm ringsum gingen ihre Stimmen unter.
Maxl hatte keine Lust mehr und verdrückte sich, so irrte Andreas allein weiter und je mehr er suchte, umso mehr machte er sich Vorwürfe.
Er hätte seine kleine Schwester nicht einfach allein lassen
dürfen. Sie war doch noch so klein und seine Mutter hatte sie ihm anvertraut. Was war er doch ein schlechter verantwortungsloser Bruder.
Dann stand sie plötzlich vor ihm, an der Hand von Marianne.
Anderl kniete sich nieder und umarmte seine kleine Schwester schluchzend.
„Bin ich froh, dass ich dich wieder habe!“
„Ja, aber nun passe besser auf sie auf,“ mahnte Marianne und ging zu ihren Freundinnen hinüber.
Der Junge nickte nur und nahm seine kleine Schwester fest an Hand.
Er kaufte ihr Zuckerwatte, einen kleinen zu einer Giraffe
geformten Ballon und setzte sich auch mit ihr geduldig in die Kasperlbude.
Nie wieder, das schwor er sich, würde er so unverantwortlich handeln.

© Lore Platz

Montag, 19. September 2022

Mit Freunden ist man niemals einsam

Im Laufe meiner Krankheit, habe ich erkannt was Freundschaft wirklich bedeutet. Einige haben sich von mir zurück gezogen, aber die wirklichen guten Freunde sind immer noch bei mir, selbst wenn sie bei einem Besuch jetzt ihren Kaffee selber kochen müssen.






Mit Freunden ist man niemals einsam


Die Nachtfee hatte ihre schwarzen Schleier über das Land gebreitet und der Mond, der wieder einmal eine seiner zahllosen Diäten hinter sich hatte, war nur als schmale Sichel zu sehen.
Trotzdem konnte man den großen Container mit der Aufschrift „Altkleider“ erkennen, da eine Straßenlampe den Mond unterstützte.
Es raschelte und eine Ratte lief schnüffelnd über den Platz, blieb an dem Container stehen, stellte sich auf die Hinterbeine und sah hinauf zu dem großen kreisrunden Loch.
Enttäuscht wandte sich ab und lief davon.
Eine Weile war es ruhig, doch dann hörte man ein Rascheln und Rumoren, das aber aus dem Inneren des Behälters kam.
All die bunten Kleidungsstücke schienen sich plötzlich zu bewegen, wie die See bei stürmischem Wind.
Auf einmal lugte der Kopf eines Teddybären hervor und wenig später der ganze kleine Kerl.
Er setze sich auf den Kleiderberg und verschnaufte erst einmal.
Schön war er ja nicht.
Sein linkes Ohr hing herab, ein Auge fehlte und sein Fell war ziemlich ruppig.


Trotzdem blitzte aus dem einen verbliebenen Auge der Schalk und es sah vergnügt in die Welt.
Neugierig sah er sich um.
Es gefiel ihm gar nicht und hier bleiben wollte er auch nicht, also krabbelte er zur Luke, die er gerade mit den Pfoten erreichen konnte.
Er hob sich auf die Zehenspitzen und sah hinaus.
Ziemlich hoch!
Aber hierbleiben wollte er nicht. Es würde schon nicht so schlimm werden.
Also drehte er sich um und klettert mit dem Hintern voraus durch das Loch. Dann ließ er sich fallen und wartete auf den harten Aufprall.

 
(c) Roswitha B.

Doch überraschenderweise landet er auf etwas Weichem und eine Stimme brüllte, „Au! Was soll das!“
Er war auf einem Hund gelandet, der gerade sein Bein hob und nun in dieser Beschäftigung unsanft gestört wurde.
„Entschuldige,“ brummte der Teddy, „aber ich habe dich nicht gesehen, doch vielen Dank auch, ohne dich wäre ich ziemlich hart gelandet.“
Der Hund hob nun doch sein Bein, dann wandte er sich um. „Willst du mitkommen?“
Teddy strahlte.
„Gern!“
Und zusammen liefen sie nun durch die menschenleeren Straßen.
Der Hund blieb immer mal wieder schnüffelnd stehen, dann lief er in einen Hof und wühlte mit seiner Nase im Abfall, bis er schließlich einen Knochen hervor zog.
Dann ging es weiter.
Plötzlich fing es zu regnen an, Donner grollte und ein Blitz erhellte die Straße.
Teddys neuer Freund lief in eine Gasse zu einem halb verfallenen Haus und schlüpfte unter der beschädigten Tür ins Innere und er folgte ihm.
Während der Hund sich schüttelte, dass das Wasser nur so nach allen Seiten flog, sah Teddy sich neugierig um
Besonders schön sah es hier nicht aus.
Ein wackliger alter Tisch, ein paar Stühle, ein
zerschlissenes altes Sofa, mehr gab es nicht.
Und alles war von einer dicken Staubschicht übergezogen. Dichte Spinnennetze bedeckten die Wände und große schwarze Spinnen krabbelten eilig in den Schatten.
Teddy wollte gerade seinen neuen Freund fragen wo sie hier sind, da sah er zwei große runde Lichter aufragen.
Ein Gespenst!
Ängstlich drückte der kleine Bär sich in die dunkel Ecke und linste zu dem Hund hinüber, der ungerührt an seinem Knochen knabberte.
Sah er denn das Gespenst nicht?
„Berno, alter Junge, wen hast du uns denn da mitgebracht?“ ertönte eine Stimme.
„Das ist ein Teddybär, traf ihn, als er gerade aus der Klamottenkiste floh.“
(c) Werner B.


Ein großer schwarzer Kater schlenderte auf Teddy zu, dessen Herz ängstlich klopfte.
„Hallo, ich bin Rambo, Bernos Freund. Hast du auch einen Namen, Kleiner.“
„Teddy!“ stammelte dieser.
Der Kater wandte sich wieder ab und ging zu dem Hund hinüber.
Kurz schnüffelte er an dem Knochen.
„Ziemlich spärlich, deine Mahlzeit, da habe ich doch etwas Besseres.“
Der Kater verschwand in der Dunkelheit und kam gleich darauf mit einer großen Wurst im Maul wieder und legte sie vor den Hund.
Dieser schnüffelte genießerisch und meinte zu Teddy gewandt.
„Seit ich mit Rambo zusammen bin, muss ich nie mehr hungern!“
Der Kater kam nun mit einer anderen Wurst im Maul zurück und legte sie vor Teddy ab.
Dieser lächelte freundlich.
„Vielen Dank, aber Teddybären müssen nicht essen und trinken.“
Rambo lachte.
„Was für ein höflicher Junge du doch bist, du bist bestimmt kein Straßenkind?“
„Nein, ich hatte sehr liebe Eltern und wurde gut erzogen. Meine Eltern waren adelig und hießen „von Steif“ und trugen ihr Wappen im linken Ohr.“
„Dir haben sie kein Wappen gegeben?“
„Doch, ich hatte auch eins, aber der Enkel des Mädchens,dem ich einst gehörte, hat es abgerissen und dabei mein Ohr beschädigt.“
Teddy dachte traurig an die dunkelste Stunde seines Lebens.
„Danach wollte niemand mehr mit mir spielen, weil ich so hässlich war und sie verbannten mich auf den Speicher.
Vor kurzem ist die alte Frau gestorben und ich landete in dem Container.“
„Ja wir haben alle mal schlechte Erfahrung mit den Zweibeinern gemacht,“ meinte Rambo und schlug mit der Pfote nach dem Hund.
Dieser hatte die ganze Zeit die Wurst nicht aus den Augen gelassen und wollte sie gerade schnappen.
„Lass das, du gefräßiges Monster, die heben wir für später auf, denn so schnell darf ich mich bei der Metzgerei nicht mehr sehen lassen.“
Er kicherte, nahm die Wurst und verschwand.
Bedauernd sah ihm Rambo nach.
„Ja Kleiner, auch ich habe mit den Menschen schlechte Erfahrungen gemacht. Und es wurde mir nicht an der
Wiege gesungen, dass ich einmal als Straßenköter ende.
Ich kam in einem schönen Hof auf die Welt und tollte dort glücklich mit meinen Geschwistern herum.
Eines Tages kam ein Mann und nahm mich mit.
Was habe ich bitterlich geweint, ich war doch noch so klein und musste meine Eltern und Geschwister verlassen.
Der Mann brachte mich in eine Wohnung in einem Hochhaus. Sie banden mir eine rote Schleife um und setzten mich in ein Körbchen unter dem Christbaum. Ich freute mich als der kleine Junge mich in die Arme nahm und nun hopste und spielte ich mit ihm herum und hatte meinen Kummer bald vergessen.
Doch als ich größer wurde, hatte der Junge keine Zeit mehr für mich. Auch stritten sie immer lautstark, wer mich nach unten bringen sollte, damit ich mein Geschäft verrichten konnte.
Das brachte mich oft in Bedrängnis und wenn mir dann ein Malheur passiert, dann brüllten sie mich an und schlugen mich.
Dabei konnte ich doch gar nichts dafür.
Eines Tages nahm mich der Mann und band mich in der Nähe eines Müllplatzes an einen Baum.“
„Und da wäre er elendig verhungert und verdurstet, wenn ich ihn nicht befreit hätte. Außerdem musste ich ihm beibringen wie man auf der Straße überlebt.“
Rambo war zurück gekommen und setzte sich nun neben seine Freunde und begann sein Fell zu putzen.
„Hast du auch mit den Menschen schlechte Erfahrungen gemacht?“ wollte Teddy wissen.
„Eher sie mit ihm,“ kicherte Berno, „Rambo ist der König der Straßen und ein Meisterdieb!“
Der Kater grinste.
„Nein, Kleiner, zum Glück war ich nie von diesen Kreaturen abhängig. Ich bin auf dem Müllplatz geboren, meinen Vater kannte ich nicht. Als dann meine Mutter auch nicht mehr
zurück kam, musste ich schon sehr früh lernen allein zurecht zu kommen. Aber nun lasst uns schlafen.“
Für Teddy begann nun eine aufregende und schöne Zeit.
Er streifte mit seinen beiden Freunden durch die Straßen und machte viele interessante Bekanntschaften.
Er lernte den Waschbären Emil kennen, den Dachs Merlin,
der oft vom nahe gelegenen Wald in die Stadt kam und den halb blinden Mops Hannchen, der in einem schönen großen Garten wohnte und gerne seine reich gefüllte Futterschüssel mit ihnen teilte.
(c) Bonmomo

In dem Garten wohnte auch der Igel Leopold, der sich oft zu einem Schwätzchen dazu gesellte.
Abends zog es die drei Kameraden dann in ihr Haus zurück und bevor sie einschliefen erzählten sie dem atemlos lauschenden Teddy dann noch spannende Geschichten aus ihrem bewegten Leben.
Eines Morgens hörten sie vor dem alten Haus Stimmen und das Brummen eines schweren Motors.
Rambo sprang auf die Fensterbank und drückte seine Nase an die Scheibe.
Entsetzt rief er seinen Freunden zu.
„Wir müssen verschwinden, sie reißen das Haus ab!“
Aus sicher Entfernung sahen sie nun wie die riesige Abrissbirne mehrmals voller Wucht gegen das Haus prallte und es zusammenbrach.
Traurig verließen sie den Ort, wo sie so viele Jahre Zuflucht gefunden hatten.
Obwohl Teddy erst kurz darin gewohnt hatte überfiel auch ihn eine große Traurigkeit.
Merlin kam vergnügt die Straße entlang und grüßte sie fröhlich.
„Warum seht ihr so betrübt aus.“
Nachdem er erfahren hatte, dass ihr Haus eben abgerissen wurde, schlug er ihnen vor mit ihm in den Wald zu gehen. Dort gab es eine alte leere Bärenhöhle.

(c) meine Tochter

Nun lebten sie schon einige Zeit in der Höhle.
Rambo ging auf Diebestour in den umliegenden Bauernhöfen und Berno jagte Kaninchen.
Manchmal aber mussten sie auch mit knurrendem Magen schlafen gehen und sie beneideten den Teddybären, der weder essen noch trinken musste.
Eines Tages waren sie wieder unterwegs auf Hasenjagd.
Rambo saß oben auf dem Baum um Ausschau zu halten, Teddy verkroch sich im Gebüsch und Berno kauerte sprungbereit im Gras.
Es raschelte und ein kleiner Hase kam auf die Lichtung, Berno sprang auf, da knallte ein Schuss.
Ein langer brennender Schmerz fuhr dem Hund über den Rücken.
Der Hase aber lief im Zickzack davon und verschwand in seinem Bau.
Ein Mann in grüner Uniform trat zu dem Hund und hob die Büchse.
Da sprang Rambo mit ausgefahrenen Krallen dem Mann auf den Kopf.
Während dieser mit dem Kater kämpfte und der Jagdhund bellend um die Beiden herum sprang, rappelte Berno sich auf und lief davon.
Als Rambo sah, dass sein Freund in Sicherheit war, ließ er von seinem Opfer ab und raste durch den Wald.
Der Jäger aber betastete fluchend sein zerkratztes Gesicht, hob die Waffe auf und verschwand.
Teddy hatte sich voller Angst tief ins Gebüsch verkrochen, nun aber kam er heraus und eilte zur Höhle.
Besorgt beobachten sie den aus einer tiefen Wunde blutenden Freund, der immer wieder kläglich jaulte und sich ziemlich elend fühlte.
„Bleib du bei ihm, ich hole Hilfe!“ rief Rambo und sauste davon.
Bei seinen Streifzügen war er auch an einer alten Hütte am
Waldrand vorbei gekommen.
Dort lebte eine alte Frau, Kräuterweiblein, genannt.
Als sie ihn einmal entdeckte, hatte sie ihm eine Schale Milch und Essensreste hingestellt.
Rambo sprang über den Zaun.



Die Hühner, die im Boden scharrten, liefen flügelschlagend auseinander und die Ziege, die an einen Pflock gebunden
war, meckerte empört.
Die alte Frau trat aus dem Haus und Rambo lief auf sie zu und streifte schnurrend um ihre Beine.
Als sie sich bückte, um ihn zu streicheln, brachte er sich in Sicherheit und fixierte sie beschwörend.
„Du willst mir wohl etwas sagen?“ murmelte die Alte und als Antwort drehte sich Rambo um, lief ein paar Schritte, drehte den Kopf und maunzte auffordernd.
Wenig später kniete die alte Frau vor dem verwundeten Hund.
„Ein Streifschuss, der muss behandelt werden.“
Sie erhob sich und verließ die Höhle.
Enttäuscht sahen Rambo und Teddy ihr nach.
Doch wenig später kam sie wieder, hinter sich einen mit Decken ausgepolsterten Leiterwagen, herziehend.
Sie hob den Hund hinein, setzte Teddy dazu und begleitet von Rambo, der mit hoch erhobenen Schwanz neben ihr ging, fuhren sie zum Häuschen.
Unter ihrer guten Pflege ging es dem Hund bald besser. Teddy bekam einen Knopf als zweites Auge, sein Ohr wurde geflickt und wenn es auch ein wenig kleiner war, so war er doch glücklich.
Auch strickte ihm die alte Frau eine Latzhose und einen Pullover.
Die Tiere und auch der Teddybär beschlossen bei der alten Frau zu bleiben, denn hier ging es ihnen gut.
Teddy gefiel es auf dem Sofa und wenn nachts Rambo die Gegend durchstreifte durfte er ihn begleiten.


Berno aber wollte lieber zuhause bleiben, denn einer musste ja auf die alte Frau aufpassen.
Diese bekam natürlich nicht mit, dass der Teddy abends lebendig wurde.
Sie wunderte sich nur, warum seine Kleidung immer so schmutzig war.

© Lore Platz 19.09.2022