Montag, 11. August 2025

Lilaluna, Anneliese und die Regenbogenprinzessin

 11. August 2025
Diesmal hat mich die Krankheit ziemlich schwer erwischt und jetzt brauche ich auch eine längere Erholungszeit, außerdem muss ich mich mit meinem neuen  Laptop vertraut machen, damit ich wieder Geschichten schreiben kann. Deshalb werde ich eine Sommerpause   bis zum 1.Oktober machen.
Danke, dass ihr so treue Leser seid. 
 
 
Vor einiger Zeit konnte meine Tochter von ihrem Fenster aus gleich zwei Regenbogen sehen.
Man sagt ja an seinem Ende würde ein Topf Gold vergraben sein, doch wer will schon Gold, erfreuen wir uns lieber an seiner Schönheit.
Heute möchte ich euch mit der Regenbogenprinzessin bekannt machen und wünsche euch mit dieser Geschichte ein schönes Wochenende.

Viel Spaß beim Lesen!

 
(c) Irmgard Brüggemann


Lilaluna, Anneliese und die
Regenbogenprinzessin


Der Wind heult pfeifend um das Haus, rüttelt die Äste und rast durch das Gras und manche Blume duckt sich ängstlich und klammert sich tief in der Erde fest.
Anneliese, die gerade das Waschbecken putzt, hält inne und beobachtet das wilde Toben vor dem Fenster.
Ein buntes Licht blinkt in dem Chaos auf und das Mädchen blickt genauer hin, da schellt das Telefon.
Es ist ihre Mutter, die wissen will, ob bei ihr alles in Ordnung ist. Anneliese beruhigt sie und erzählt auch nichts von dem Brief des Finanzamts.
Schnell läuft sie dann wieder zum Fenster, doch von dem bunten Lichtschein ist nichts mehr zu sehen.
Später kuschelt sie sich dann  in einen Sessel mit einem Buch und vergisst alles ringsum.
Als die Mutter spät abends nach Hause kommt findet sie ihre Tochter schlafend im Wohnzimmer.
Das Wind hat sich inzwischen gelegt.
Liebevoll weckt sie das Mädchen, das sie etwas verschlafen ansieht, dann aber aufspringt.
Ich habe noch gar nichts zu essen gerichtet,“ meint Anneliese schuldbewusst.
Wir werden schon was finden,“ lacht die Mutter.


Anneliese reckt sich genüsslich im Bett.
In der Küche hört sie die Mutter und Kaffeeduft zieht durch das Haus. 
Das Mädchen kuschelt sich nochmal in die Kissen. Es sind ja Ferien. 
Doch dann hält sie es doch nicht mehr im Bett aus, denn die Mutter muss bald wieder in die Arbeit und jede freie Minute war für sie beide ein Fest.
Gemütlich frühstücken sie, dann sieht Frau Berger ihre Tochter schuldbewusst an.
Leider muss ich heute früher anfangen und werde auch später kommen, es sind so viele meiner Kollegen krank. 
Es tut mir so leid, meine Kleine. Aber am Wochenende habe ich frei und dann unternehmen wir etwas schönes zusammen.“
Anneliese lächelt tapfer, um der Mutter zu zeigen, dass sie schon zurecht kommen wird.
Nachdem das Mädchen das Geschirr gewaschen, das Haus gefegt, Betten gemacht, alles was so ein Hausmüttcherchen eben machen muss, geht sie in den Garten.
 
(c) Irmgard Brüggemann

Die Sonne scheint, alles duftet so frisch, als hätte der gestrige Regen alles rein gewaschen.
Aus den Augenwinkeln bemerkt Anneliese ein buntes Licht, doch als sie sich umdreht ist nichts zu sehen.
Neugierig geht sie durch den Garten und erblickt hinter der Regentonne ein kleines Mädchen, das sie mit großen ängstlichen Augen ansieht.
Anneliese geht in die Hocke.
Hallo, ich bin Anneliese. Hast du dich verlaufen?“
Das Kind rutscht noch mehr in den Schatten der Tonne.
Habe keine Angst, ich tu dir nichts. Komm!“
Bist du ein Mensch?“
Ich denke doch!“ lacht Anneliese.
Dieses Lachen scheint der Kleinen zu gefallen und sie entspannt sich und als Anneliese aufsteht und ihr die Hand entgegen streckt, folgt sie ihr in das Haus.
Erstaunt blickt sich der kleine Gast um und seine Augen werden immer größer.
So leben also die Menschen?“
Anneliese kann nun auch das kleine Mädchen richtig betrachten.
Sie trägt ein kunterbuntes Kleid, grün rot gelb gesprenkelte Strümpfe stecken in himmelblauen Schuhen und selbst in ihren goldenen langen Locken sind farbige Strähnchen zu sehen.
Wer bist du?“
Ich bin die Regenbogenprinzessin!“
Sie lächelt und das Zimmer erstrahlt im Sonnenschein, dann aber schluchzt sie und selbst die Tränen, die aus ihren Augen purzeln sind bunt.
Anneliese lacht.
Du bist wirklich die Regenbogenprinzessin, Lachen und Weinen in einem Atemzug. Komm setze dich und erzähle mir wie du auf die Erde gekommen bist.“
Sie hilft dem Persönchen auf den Stuhl und stellt ihr ein Glas Milch hin.
Kennst du Milch?“
Ja von unseren Wolkenschäfchen!“
Das ist Kuhmilch, die schmeckt aber auch gut.“
Was ist Kuh?“
Das ist ein großes Tier, warte mal!“
(c) Werner B.

Anneliese eilt ins Wohnzimmer und holt ein Buch
und darin zeigt sie der Kleinen das abgebildete Tier.
Die Regenbogenprinzessin betrachtet ernst das Tier und nimmt einen großen Schluck.
Schmeckt gut.“
Aber nun erzähle wie kommst du auf die Erde und fang bloß nicht an zu weinen.“
Tapfer unterdrückt diese die Tränen und erzählt nun dem Mädchen, dass sie Prinzessin Farbenfroh sei und sich trotz Verbot mal wieder zu weit über die Regenbogenbrücke gelehnt hätte und dabei von den Winden, die aus dem Wolkenschloss stürzten mitgerissen wurde. Und jetzt weiß sie nicht wie sie jemals zurück auf den Regenbogen kommen soll.
Und wieder fließen die Tränen.
Liebevoll streicht Anneliese über das seidenweiche Haar und gibt dem Mädchen ein Taschentuch.
Sie schmunzelt, als sie bemerkt, dass das weiße Tuch sich von den Tränen verfärbt.
Ich kenne jemand, der dir helfen kann.“
So schnell wie die Tränen gekommen sind verschwinden sie auch wieder und ein strahlendes Lächeln erhellt das Gesicht.
Hand in Hand verlassen sie das Haus, durch die Straßen geht es hinaus in den Wald und zu der große Wiese, auf der die Elfen wohnen.
Lilaluna hat sie schon von weitem entdeckt und schwirrt ihnen entgegen.
Hallo Anneliese, schön, dass du mich besuchst.
Und wer bist du?“
Farbenfroh blinzelt und ruft.


Du bist aber ein kleiner Mensch. Ich wusste gar nicht, dass Menschen Flügel haben!“
Lilaluna lacht: „ Ich bin ja auch kein Mensch, ich bin eine Elfe.“
Anneliese grinst. 
„ Darf ich vorstellen, das ist Prinzessin Farbenfroh und sie wohnt im Regenbogenschloss. Nein, nein, nicht weinen.“
Seufzend geht das Mädchen in die Hocke und wischt die bunten Tränen ab.
Ich hätte mehr Taschentücher mitnehmen sollen,“
murmelt sie und zu Lilaluna gewandt:
Sie weiß nicht, wie sie wieder zurück auf das Schloss kommt und ich habe gedacht, vielleicht kennst du jemand, der uns weiterhelfen kann, oder vielleicht ein Zauber?“
Nein, einen Zauber dafür gibt es wohl nicht, aber hier in Nähe wohnt ein alter weiser Kauz, denn wollen wir fragen.“
Mit strengem Blick wendet sich die kleine Elfe an die Prinzessin, in deren Augen sich schon wieder Tränen sammeln.
Aber nur, wenn du aufhörst ständig zu weinen, kommt mit.“
Farbenfroh nickt eifrig und schnieft, dann erscheint wieder das strahlenden Lächeln und an Anneliese Hand folgt sie der Elfe.
Der Wald wird immer dichter und der Weg schmaler bis er ganz von überwuchernden Gestrüpp bedeckt ist und Anneliese und Farbenfroh stehen bleiben.
Lilaluna fliegt zurück und meint bedauernd zu ihrer Freundin.
Tut mir leid, du weißt ja, mir ist nur erlaubt dich in eine Elfe zu verwandeln, aber dann müsste die Prinzessin alleine laufen.“
Etwas ratlos sieht sie sich um, dann lacht sie fröhlich.
Aber ich darf Dinge bewegen!“
Und schon wirbelt der Zauberstab funkensprühend durch die Luft.
Das Gestrüpp weicht zurück und lässt einen Pfad erkennen.
Kommt es ist nicht mehr weit!“
Bald stehen sie vor einem uralten Baum.
So sehr sich Anneliese auch bemüht, sie kann nichts erkennen in dem dichten Laub.
Die kleine Elfe fliegt unbeirrt nach oben und verschwindet zwischen den Blättern.
Was ist ein Kauz?“ flüstert Farbenfoh.
Das ist ein Vogel, der zu der Familie der Eulen gehört und den Eulen wird nachgesagt, dass sie sehr weise sind. Lilaluna denkt, dass dieser Kauz, der wohl schon lange hier im Wald wohnt, dir vielleicht helfen kann.“
Das wäre schön!“

 
(c) Irmgard Brüggemann


Warum erzählst du ihr nicht, dass wir bei euch Menschen als Totenvogel verschrien sind!“
Anneliese erblickt einen Kauz, der auf dem untersten Ast sitzt und sie aus seinen runden großen Augen ernst betrachtet.
Weil das ein Irrtum ist. Früher hat man bei den Sterbenden ein Licht brennen lassen und der Kauz durch dieses Licht und von den Insekten angelockt
flog oft gegen die Fensterscheibe. Und sein Ruf 'kuwitt' wurde als 'komm mit' ausgelegt.“
Du bist ein kluges Mädchen. Nein wir können nicht den Tod eines Menschen voraussehen und wir holen sie auch nicht ab, wenn sie ins andere Reich wandern.“
Er wendet seinen runden Kopf und betrachtet die Regenbogenprinzessin.
Du bist also von der Regenbogenbrücke gestürzt?
Komm morgen Abend wieder hierher. Ich werde heute Nacht mit dem Mond sprechen. Aber nun lasst mich schlafen.“
Und mit rauschenden Flügeln erhebt er sich und verschwindet zwischen den dichten Blättern, hinter denen seine Höhle liegt.
Anneliese sieht schnell zu Farbenfroh, befürchte sie doch wieder eine Tränenflut.
Doch diese lacht strahlend.
Wie schön ich darf noch länger bleiben.“
Lilaluna und Anneliese lachen fröhlich und die Elfe will wissen, ob die Prinzessin auf der Elfenwiese bleiben möchte.
Doch energisch schüttelt diese den Kopf und nimmt Annelieses Hand.
Ich gehe mit ihr, ich möchte doch so gerne sehen, wie die Menschen leben.“
Meine Mutter wird spät heimkommen, aber wenn sie zuhause ist, musst du dich verstecken und ruhig verhalten.“
Mach ich,“ meinte die Kleine gönnerhaft.
Lilialuna begleitet die beiden noch bis zum Dorf, dann verabschiedet sie sich.
(c) Irmgard Brüggemann

Staunend sieht Farbenfroh sich um, beobachtet die Kühe auf der Weide, die Fohlen, die steifbeinig über die Koppel galoppieren und lacht als eine Ziege nach ihren Haaren greifen will.
Im Dorf angekommen betrachtet sie staunend die hübschen Häuser mit den blühenden Vorgärten.
Drückt staunend ihre Nase an den Schaufenstern platt und dabei steht ihr Plappermäulchen keinen Moment still.
Anneliese raucht schon der Kopf von all den Fragen und sie ist froh, als sie endlich zuhause sind.
Aus dem Kühlschrank holt sie eine Flasche Limonade und als Farbenfroh einen kleinen Schluck aus ihrem Glas nimmt, strahlt sie genießerisch.
Das schmeckt aber lecker,“ und gleich darauf kommt die Frage, „ was ist das und wie macht man das.“
Anneliese verdreht die Augen, doch lacht sie und nimmt die Regenbogenprinzessin mit in ihr Zimmer und dann sitzen beide vor dem Laptop.
Später holt das Mädchen ihre Spielesammlung und beide legen sich bäuchlings auf den Teppich und spielen.
Farbenfroh kapiert sehr schnell und hat einen wachen Verstand.
Draußen wird es dunkel und die Prinzessin gähnt laut und ihr Augen blinzeln müde.
Anneliese macht ihr ein molliges Lager im Schrank, denn manchmal wenn die Mutter nach Hause kommt, sieht sie noch nach ihr.
Bald ertönen laute regelmäßige Atemzüge aus dem Schrank.
Anneliese aber liegt noch lange wach. Die Arme hinter dem Kopf verschränkt beobachtet sie, wie der Mond einen Strahl in ihr Zimmer schickt und sie denkt, ob der Kauz wohl schon mit ihm gesprochen hat.
Und dann ist auch sie eingeschlafen.

Am nächsten Morgen frühstückt sie mit ihrer Mutter und als diese dann das Haus verlässt läuft Anneliese hinauf in ihr Zimmer.
Farbenfroh erwartet sie schon.
Ich möchte auch so angezogen sein wie du?“
Anneliese überlegt, irgendwo muss doch noch eine Jeans sein, die ihr zu klein ist.
Bald steht die Regenbogenprinzessin in Jeans und Shirt vor dem Spiegel und wendet sich begeistert hin und her.
Nun sehe ich aus wie ein Mensch.“
Ein Kichern ertönt.
Lilaluna ist durch das offene Fenster hereingeflogen.
Nachdem Anneliese einige Flaschen Limonade und belegte Brote eingepackt hat, nimmt sie noch eine Decke. Sie wollen auf der Elfenwiese ein Picknick machen.
Natürlich muss sie unterwegs Farbenfroh noch genau erklären, was ein Picknick eigentlich ist.
Lilaluna lacht vergnügt und Anneliese wirf ihr einen genervten Blick zu.
Später breiten sie auf der Elfenwiese die Decke aus und nun fragte die Regenbogenprinzessin der kleinen Elfe ein Loch in den Bauch, denn sie will auch alles über die Elfen wissen
Anneliese aber legt sich schadenfroh grinsend zurück.
Viel zu schnell vergeht die Zeit und es wird dunkel.
Ein Flügelrauschen und der Kauz lässt sich neben ihnen nieder. Zwei Mäuse huschen verschreckt kreuz und quer über die Wiese und verschwinden im Wald.
Aufgeregt springt Farbenfroh auf.
Hast du mit dem Mond gesprochen?“
Der Kauz sieht sie streng an.
Ich pflege meine Versprechen zu halten.“
Kommt mit, er wird drüben am Ende der Wiese einen Mondstrahl herunter lassen und du kannst darauf nach oben klettern. Deine Eltern sind schon in großer Sorge, doch zum Glück konnte der Mond sie gestern noch beruhigen. Also passe besser auf in Zukunft, Fräulein Naseweis.“
Farbenfroh senkt beschämt den Kopf.
Anneliese befürchtet schon sie würde wieder weinen, aber der Kauz hatte sie wohl zu sehr eingeschüchtert.
Farbenfroh ergreift ihre Hand und sie folgen dem Kauz und Lilaluna, die vor ihnen herfliegen.
Sie müssen nicht lange warten, dann gleitet ein silberner leuchtender Strahl auf die Erde.
Über diesen Strahl schwebt eine wunderschöne Frau in buntem Gewand und als sie die Wiese betritt läuft Farbenfroh ihr jubelnd entgegen und wirft sich in ihr Arme.
Die Regenbogenkönig herzt und küsst ihre Tochter, dann kommt sie näher und bedankt sich bei den Rettern ihrer Tochter.
Der Kauz verbeugt sich ehrfürchtig, er weiß
schließlich was sich gehört. Anneliese knickst und auch Lilaluna verbeugt sich zierlich.
Als die beiden Regenbogenhoheiten den Mondstrahl betreten, dreht sich Farbenfroh noch einmal um und winkt. „Danke Anneliese für die Jeans!“
Warte !“ ruft das Mädchen, nimmt eine Flasche Limonade aus dem Rucksack und drückt sie der Kleinen in die Hand.
Die hat dir doch so gut geschmeckt.“
Danke!“ Farbenfroh schenkt ihr ein strahlendes Lächeln, dann klettert sie mit ihrer Mutter den Mondstrahl entlang nach oben.
Der Kauz erhebt sich und verschwindet mit rauschendem Flügelschlag im Wald.
Lilaluna aber ruft einige Glühwürmchen und begleitet ihre Freundin nach Hause.

© Lore Platz 2022


Samstag, 28. Juni 2025

Erinnerungsgeschichte Die Wunderpflanze





28 Juni 2025  
Mit dieser Geschichte wünsche ich euch ein schönes Wochenende
 
 
 



Erinnerungsgeschichte


Die Wunderpflanze


Mein damals 15jähriger Neffe Rainer war ein rechtes Schlitzohr und Lausbub.

Eines Tages bekam er von seinem Freund eine kleine Pflanze geschenkt, die dieser angeblich aus Vogelfutter gezüchtet hatte.
Die beiden Schlingel wussten garantiert, um was für eine Pflanze es sich handelte.
Rainer aber stellte das kleine Blumentöpfchen auf die Fensterbank in seinem Zimmer und vergaß es.
Als wenige Tage später seine Tante Anneliese in sein Zimmer kam und das halb verdorrte Gewächs erblickt, quoll ihr Herz über vor Mitleid.
Sie war Gärtnerin aus Leidenschaft mit zwei grünen Daumen und liebevoll pflanzte sie das vernachlässigte Gewächs in eine Ecke des Gartens und begann es nun zu hegen und zu pflegen.
Und die Pflanze dankte es ihr und wurde groß und immer größer.
Vielleicht kennt ihr ja das Märchen von Jack und der Bohnenstange?
Diese unbekannte Pflanze wuchs zwar nicht in den Himmel, aber sie wurde doch recht stattlich.
Eines Morgens aber stand im Garten nur noch ein Skelett!
Die arme Pflanze reckte ihre Äste gen Himmel, all ihrer Blätter beraubt.
Wenig später klingelte die Polizei an der Tür.
Was war geschehen?
Ein polizeilich bekannter Jugendlicher war auf einen seiner Streifzüge an dem Garten vorbeigekommen und hatte die Pflanze sofort als das erkannt was sie war.
In der Nacht kam er dann wieder und hielt reiche Ernte, wurde aber kurze Zeit später mit dem „Gras“ in der Tasche von der Polizei aufgegriffen.
Und nun begannen die Mühlen des Gesetzes zu mahlen.
Fazit: Mein minderjähriger Neffe wurde vor den Kadi zitiert, begleitet von seinem Vater und der Tante.
Und nun begann eine Verhandlung, die sehr an das königlich bayrische Amtsgericht erinnert, nur ins schwäbische verlegt.
Der Richter und der Staatsanwalt konnten sich kaum das Lachen verkneifen, als die Anklageschrift verlesen wurde.
Die kämpferische Tante Anneliese rief immer wieder von der Zuschauerbank dazwischen.
Der Buabe is unschuldig, des Plänzle han ich gosse!“
Und mein Schwager amüsierte sich königlich.
Der Einzige, der geknickt und ziemlich weiß um die Nase auf dem Armesündbänkchen saß, war mein sonst so übermütiger Neffe.
Die Verhandlung endete mit Freispruch und einer Ermahnung.
Vor einigen Tagen rief ich die inzwischen über achtzig Jahre alte Anneliese an, um mir die Geschichte noch einmal schildern zu lassen.
Selbst nach zwanzig Jahren klang ihr Stimme noch kämpferisch, als sie meinte:
Aneui , i muast do mit go, um dem Bieble zu helfe!

© Lore Platz 26.02.2019

Donnerstag, 19. Juni 2025

Fronleichnam

 19. Juni 2025
 
Ich wünsche euch einen schönen Feiertag und ein schönes Wochenende
 
 
 
 

 
 
Fronleichnam fällt immer auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten.
 
Am Tag des Fronleichnamsfestes wird die wiederkehrende Gegenwart Jesu Christi im Sakrament und der Eucharistie – der Hauptteil der heiligen Messe – gefeiert.
 
Das Wort Fronleichnam stammt ursprünglich aus dem Mittelhochdeutschen und wird abgeleitet von dem Worten Vrône Lîcham“ – „Des Herren Laibs“.
Papst Urban IV. führte das Fest im Jahr 1264 offiziell für die ganze Kirche ein. 
Es geht zurück auf eine Vision im Jahr 1209 der Augustinernonne Juliana von Lüttich .
Etwa 1270 gab es erstmals eine Fronleichnamsprozession, und zwar durch die Straßen von Köln.
 


Meine große Schwester Karin



 Heute ist ja Fronleichnam und als Kind fand ich das immer wunderschön, besonders als ich ein Kommunionkind war und an Fronleichnam dieses schöne weiße Kleid noch einmal tragen durfte.
Der Pfarrer schritt unter dem Himmel, das war ein golddurchwirkter schwerer Stoff, der durch  vier  Stangen zu einem Rechteck gespannt wurde.
Die vier Stangen wurden von kräftigen Männern getragen und unser Pfarrer schritt in seinem schönen prächtigen Gewand mit beiden Händen die sternenförmige Monstranz haltend.
Voran gingen zwei Weihrauch schwenkende Minstrianten.
Hinter dem 'Himmel' kamen die Kommunionkinder, die Mädchen in ihren weißen Kleider und dann die Buben in schwarzen Anzügen, frisch gerubelten Gesichtern und straff gekämmt.
So sauber habe ich die Dorfbuben selten gesehen.
Dann folgten die restlichen Dorfbewohner in ihren Festtagskleidern, singend und betend.
Auch das Dorf war festlich aufgeputzt. 
Die staubige Straße gekehrt, die Häuser festlich geschmückt, vor dem Krämerladen waren die Bierflaschen entfernt und alles erstrahlte im festlichen Glanz.
In Abständen waren Altäre aufgestellt und an jedem wurde gebetet, bis man dann am Schluss singend in die Kirche zurück kehrte.
Ach ja und wir Mädchen durften auch noch Blumen streuen.
War das schön!












Freitag, 13. Juni 2025

Herr Siebenpunkt in Not

Freitag, den 13. Juni 2025

 

Meine Heimat wird ziemlich gebeutelt vom Unwetter. Zur Zeit müssen wir sogar das Leitungswasser abkochen, weil Bakterien im Grundwasser sind. Jetzt scheint die Sonne und Vögel zwitschern, als hätte es die nächtlichen wilden Gesellen gar nicht gegeben.

Ich denke uns allen würde ein Glückskäfer gut tun, auch wenn dieser auch mal in Not geraten kann.

Mit dieser Geschicht wünsche ich euch ein schönes Wochenende. 

 


 

 Viel Spaß beim Lesen!


(c) Werner Borgfeldt


Herr Siebenpunkt in Not

Kater Moritz fährt mit seiner rauen Zunge eifrig durch seine Futterschüssel, bis sie blitzblank ist, dann streckt er sich zufrieden und stolziert hinaus in den Garten.
Eifrig beginnt er sich zu putzen, bis er ein leises Weinen hört.
Als er sich erstaunt umsieht erblickt er seine Freundin Frau Siebenpunkt, die bitterlich weinend auf einem Rosenblatt sitzt.
Lautlos schreitet er näher, bis seine Nase fast das Blatt berührt und fragt. „Aber liebe Siebenpunkt, was ist denn geschehen?“
Die Marienkäfer-Dame schnieft und deutet auf das Blatt hinter sich.
Heute Nacht sind meine Kinder geboren und mein lieber Mann ist nicht dabei gewesen. Seit gestern ist er spurlos verschwunden. Ach meine armen Kleinen, sie werden ihren Vater niemals sehen!“
Wieder bricht sie in ein jämmerliches Schluchzen aus.
Moritz wirft einen Blick auf die klebrigen orangen Kugeln und kann sich nicht vorstellen, dass diese überhaupt etwas sehen können.
Er zuckt die Schultern und sucht sich ein ruhigeres Plätzchen.
Frau Siebenpunkt aber betrachtet traurig ihre Eier und bange Gedanken quälen sie.

 
(c) Irmgard Brüggemann

Ein Schmetterling lässt sich in der Nähe nieder.
Gratuliere liebe Freundin, eine prächtige Schar und sie haben Glück, denn wenn in ein paar Tagen die Larven schlüpfen, habe sie große Chancen zu überleben.
Ein gutes Jahr, denn es gibt viele Blatt- und Schildläuse!
Aber wo ist der gute Siebenpunkt?“
Da perlen wieder die Tränen aus den schwarzen Äuglein und schluchzend ruft sie.
Ach Tausendschön, er ist seit gestern verschwunden und dabei wollte er doch unbedingt bei der Geburt dabei sein!“
Eine Hummel kommt brummend angeflogen und lässt sich schnaufend auf einem Blatt nieder, das ein wenig unter ihrem Gewicht wankt.
Aber liebe Siebenpunkt, Tränen?, sie sollten sich doch freuen über ihre prächtigen Kinder.“
Ihr Mann ist verschwunden,“ informiert ihn der Schmetterling.
Eine Heuschrecke hüpft durch das Gras und bleibt bei ihnen stehen.
Guten Tag, alle zusammen, habe euer Gespräch gehört.
Im Nachbarhaus wohnt ein böser Junge, der macht immer Jagd auf unsereins und stopft uns dann in eine Schachtel mit Löchern und vergisst uns. Viele meiner Freunde sind so schon verendet.“
Frau Siebenpunkt fällt in Ohnmacht.
Wie kannst du sie nur so erschrecken!“ ruft Tausendschön.
Na und, hab doch nur die Wahrheit gesagt!“
Beleidigt hüpft die Heuschrecke weiter.
Hermann Hummel hat inzwischen einen Tautropfen geholt und lässt ihn auf die Marienkäfer-Dame fallen.
Diese öffnet langsam die Augen und dann erhebt sie sich energisch.
Wir müssen nachsehen, kommt ihr mit!“
Die Drei fliegen nun auf das Nachbargrundstück.
Die Hummel war schon einmal im Haus gewesen und weiß wo das Zimmer des Jungen ist.
Sie haben Glück, denn das Fenster steht offen.

 
(c) RMzV



Doch wie sieht es hier aus! 
Kleider und Schuhe sind über den Boden verstreut, eine Schultasche liegt umgekippt auf dem Fußboden und Hefte
und Bücher sind herausgefallen.
Der Schreibtisch ist übersät mit Papieren, Stiften, einer
Schnur, einem Taschenmesser und mittendrin eine Coladose und ein angebissenes Brot.
Wie sollen wir hier meinen lieben Mann nur finden,“ seufzt Frau Siebenpunkt mutlos.


 
(c) eigenes Foto


Da erspähen sie eine Maus die über den Schreibtisch huscht und sich schnüffelnd mit erhobenen Pfötchen an der Dose aufrichtet.
Enttäuscht wendet sie sich ab und entdeckt dann das Brot in das sie mit einem wohligen Seufzer ihre Nase steckt. Käse!
Die drei Freunde fliegen zum Schreibtisch und lassen sich am Rande nieder.
Die Maus hebt den Kopf und funkelt sie an.
Ich habe es zuerst entdeckt!“
Keine Sorge, wir wollen ihnen ihre Beute nicht streitig machen,“ beschwichtigt Tausendschön.
Wir sind nur auf der Suche nach unserm Freund Herrn Siebenpunkt.“
Meint ihr den Marienkäfer?“
Ja! Habt ihr meinen Mann gesehen?“ Frau Siebenpunkt wird ganz aufgeregt.
Der ist dort hinten in der Schachtel,“ meint die Maus gleichgültig und knabbert an dem Brot weiter.
Nun erst bemerken sie den kleinen Karton, der auf der Kommode steht und fliegen dorthin.
Im Deckel sind Löcher und Frau Siebenpunkt beugt sich ganz tief darüber und ruft durch ein Loch.
Zuckerbärchen, bist du da drin?“
Ein leises Rascheln und dann hört man eine schwache Stimme jubeln: „Zuckerpünktchen, ja , ja, der böse Junge hat mich hier eingesperrt. Es ist so dunkel hier und ich bekomme kaum Luft! Kannst du mich befreien?“
Tausendschön und dein Freund Hermann - Hummel sind bei mir. Wir wollen es versuchen.“
Frau Siebenpunkt wendet sich an die Maus.
Mein liebes Fräulein können sie uns helfen?“
Die Maus lässt nur unwillig ihre Mahlzeit im Stich und klettert auf den Karton, doch auch sie kann diesen nicht bewegen.


(c) Irmgard Brüggemann

Moritz muss uns helfen!“ ruft der Schmetterling.
Wer ist Moritz?“ fragt das Mäuse - Fräulein neugierig.
Ein Kater!“ brummt Hermann Hummel.
Dann will ich mich lieber verziehen,“ murmelt die Maus, springt auf den Boden und verschwindet in einem Loch.
Frau Siebenpunkt will bei ihrem Mann bleiben.
Tausendschön und Hermann Hummel haben Bedenken, dass der Junge zurückkommt und sie auch noch in die Kiste sperrt.
Da spitzt die Maus aus ihrem Loch und ruft: „ Keine Bange, der ist mit seinen Freunden zum Baden an den Weiher gegangen und kommt so schnell nicht wieder.“
Kater Moritz liegt auf der Veranda und lässt sich die Sonne auf den Pelz brennen.
Unwillig öffnet er ein Auge, als er eine leichte Bewegung vor seiner Nase spürt.
Was wollt ihr?“ brummt er ungnädig, als er den Schmetterling und die Hummel bemerkt.
Du musst uns helfen, Siebenpunkt wurde von einem Jungen in eine Kiste gesperrt und wir sind zu schwach ihn zu befreien!“ ruft Hermann Hummel und Tausendschön nickt bestätigend.
Kann mir schon denken, wer das ist,“ brummt Moritz,
„ der Bengel von nebenan, hat schon mit Steinen nach mir geworfen und einmal packte er meinen Schwanz und wollte
ein Blechdose daran hängen. Da habe ich ihn aber tüchtig gekratzt, da hat er geheult!“
Moritz grinst zufrieden und begleitet von seinen Freunden springt er über den Zaun.
Er klettert die große Kastanie hinauf, die direkt vor dem Fenster steht und dann sind sie auch schon im Zimmer.
Die Maus, die sich mit Frau Siebenpunkt unterhalten hat, verschwindet blitzschnell in ihrem Loch, als der Kater durch das Fenster kommt.
Doch dieser beachtet sie gar nicht, springt auf die Kommode und stupst mit der Nase die Schachtel herunter.
Der Deckel springt auf und dürres Gras fliegt heraus und mittendrin Herr Siebenpunkt.
Grinsend sieht er seine Freunde an. „Danke!“
Dann spreizt er die Flügel und sie fliegen durch das Fenster in die Freiheit.
Zufrieden grinsend folgt ihnen Moritz.
Die kleine Maus aber huscht aus ihrem Loch und vergnügt sich wieder mit dem Käsebrot.





Herr und Frau Siebenpunkt sitzen wenig später eng umschlungen auf dem Rosenblatt und betrachten verzückt ihre Kinderchen.
Tausendschön und Hermann Hummel sind schon weitergeflogen.
Moritz aber betrachtet das verliebte Elternpaar und ihm wird ganz eigen zumute.

 
(c) Werner Borgfeldt


Er denkt an seine letzte Flamme Susi, die ihm vor einigen Wochen drei Kinder geschenkt hat, zwei Mädchen und einen Jungen.
Er könnte sie ja mal wieder besuchen und so streift er am Zaun entlang und als er die Straßenseite erreicht, springt er elegant darüber.
Während er durch die Gasse stolziert denkt er an Susi.
Sie war schon eine sehr Hübsche, der die Mädchen sehr ähneln und der Junge, nun der war ein richtiger Tunichtgut.
Moritz grinst.
Eben ganz der Vater!


© Lore Platz (2021)