Mittwoch, 2. Januar 2019

Wer schreibt, der bleibt


 
Wer schreibt, der bleibt


Das sagte eine liebe Freundin zu mir.
Und wie recht sie hat, das zeigt folgende Geschichte.
Meine Schwiegermutter war Jahrgang 1905 und malte wunderschöne Bilder, die sie bis nach Amerika verkaufte.
Vor ungefähr 40 Jahren, drückte sie mir ein Büchlein mit handgeschriebenen Gedichten in die Hand, die von ihrer längst verstorbenen Jugendfreundin waren.
Damals war ich jung verheiratet und hatte andere Dinge im Kopf , als Gedichte zu lesen. Ich hielt den kleinen Ordner aber in Ehren. Leider habe ich mich nie bei meiner Schwiegermutter nach der Verfasserin erkundigt und bereue das sehr.
Denn als mir kürzlich der Ordner in die Hände fiel und ich zu lesen begann, erkannte ich erst welch wunderschöne Gedichte diese Frau verfasst hatte.
Sie muss ein ganz besonderer Mensch gewesen sein.
Auch meine Schwiegermutter ist nun bereits seit über 34 Jahren verstorben und ich kann nichts mehr über ihre Jugendfreundin erfahren.
Diese hat ihre handschriftliche Werke mit E. Ammerich unterschrieben und wäre heute wie auch meine Schwiegermutter wohl über 100 Jahre alt.
Aber es wäre sehr schade, würden diese Gedichte einfach in der Versenkung verschwinden.
Deshalb möchte ich ab und zu eines ihre Werke in meinen Blog stellen.
Vielleicht sieht sie ja vom Himmel herunter und freut sich.

 
Foto meiner Tochter



Silvesternacht

Silberhell die Gläser klingen
In der klaren Abendluft
Leise, wie auf Engels Schwingen
Rauscht es durch den Winterduft
Still die Nacht und Sterne funkeln
Im Mondenlicht der hohe Dom
Zauberhell steht er im Dunkeln
Nebelschleier über` m Strom

Frohen Mut`s im Sterngeflimmer
Hoffnungsvoll das Herz sich freut
Und der Zukunft heller Schimmer
Tönt wie silbernes Geläut
Das alte Jahr, es geht zu Ende
Unaufhaltsam an der Jahreswende
Pilgern in die Ewigkeit

Mag`s in alle Herzen dringen
Friede in der Neujahrsnacht
Und bei hellem Glockenklingen
Unter goldener Sternenpracht
Löscht aus in dieser Stunde
Den Schmerz, der Begleiter war
Ruft die Glock` mit ehernem Mund
Friede, Glück im neuen Jahr

E. Ammerich