Montag, 1. Juli 2019

Geschichten aus dem Zauberwald Der gute Kobold

Wieder liegt ein heißes schönes Sommerwochenende hinter uns.
Deshalb will ich euch heute wieder in den Zauberwald mitnehmen, dort ist es schön kühl.
Ich habe euch ja versprochen, dass ich euch die Geschichte von Prinz Mirzel und Melisande erzählen werde, die ihr in der Zwergenhochzeit kennen gelernt habt.
Viel Spaß beim Lesen!

 
(c) meine Tochter



Der gute Kobold

Nicht weit vom Zauberwald liegt ein Felsengebirge mit vielen unterirdischen Höhlen, in denen die Kobolde leben.
Sie sind ein boshaftes, hinterlistiges Völkchen.
Obwohl entfernte Verwandte der Zwerge, wurden sie doch vor langer Zeit aus der Zwergenzunft ausgestoßen.
Denn anstatt fleißig zu arbeiten spielten sie den Zwergen nur schlimme Streiche.
Sie zerstörten die schön gepflegten Gärten, stahlen den Zwergen die mühsam erworben Schätze und trieben nur bösen Unfug.
Deshalb beschloss auch der Zwergenkönig Murzel die Kobolde aus dem Reich zu vertreiben.
Mit spitzen Speeren bewaffnet jagten die tapferen Zwerge die Kobolde aus dem Zwergenland.
Seltsam war nur, dass wenige Zeit später der kleine Zwergenprinz Mirzel aus seiner Wiege gestohlen wurde.
Bis heute weiß niemand was aus dem kleinen Prinzen geworden ist.





Koboldkönig Kuddelmuddel sitzt auf seinem Felsenthron und langweilt sich.
Missmutig trommelt er mit den Fingern auf die Armlehne und seine Augen blitzen zornig auf, als die Tür des Saales aufgerissen wird und sein erster Minister, Graf Diskus, herein stürmt.
Was soll das!“, faucht der König, „ könnt ihr euch nicht anmelden lassen?“
Verzeihung, Majestät!“
Der Minister verbeugt sich kurz und lässt sich erschöpft auf den nächsten Sessel fallen.
Neugierig betrachtet ihn Kuddelmuddel.
Was hat euch denn so aus der Fassung gebracht?“
Majestät, es ist entsetzlich, unmöglich und nicht mehr auszuhalten mit ihm!“
Von wem sprecht ihr?“
Graf Diskus wischt sich über die Stirn.
Natürlich von Mateo, diesem Nichtsnutz!“
Wütend springt der König auf.
Mateo! Habe ich nicht gesagt, wenn er sich noch einmal die geringste Kleinigkeit zuschulden kommen lässt, wird er des Landes verwiesen!“
Jawohl! Und dieses Mal ist es wohl kaum zu umgehen!“
Der Koboldkönig setzt sich.
Nun erzählt, was hat er getan.“
Majestät können sich sicher an die alte Kräuterfrau erinnern, die am Rande des Waldes wohnt.“
Ja,ja, ich kenne sie, erzählt weiter!“
Ungeduldig wedelt Kuddelmuddel mit der Hand.
Die alte Frau hat den ganzen Tag Kräuter gesammelt und sie dann am Abend vor ihrer Hütte zum Trocknen aufgehängt.
Darauf haben Flip und Flap nur gewartet.
In Windeseile haben sie aus den Kräutern ein schönes Lagerfeuer gemacht und die ganze Jugend tanzte kreischen darum herum.“
Begeistert schlägt sich der König auf die Knie.
Meine Söhne, ich kann stolz auf sie sein.
Sie wissen wie richtige Kobolde sich zu verhalten haben!“
Oh ja!“
Mit leuchtenden Augen berichtet der Graf weiter.
Ihr hättet eure Freude an dem Gejammer der alten Frau gehabt.“
Kuddelmuddel klatscht vergnügt in die Hände.
Welch herrlicher Streich, aber was hat Mateo damit zu tun?“
Nur Geduld, Majestät!



Am nächsten, als das Jungvolk sich noch einmal zu der Hütte schlich, um sich am Kummer der Alten zu ergötzen, was sehen sie da?
Mateo! Er schleppt einen riesigen Korb voller Kräuter, die er die ganze Nacht gesammelt hat.
Entsetzlich die Freude der Frau!“
Der Graf schüttelt angewidert den Kopf und der König wird blutrot vor Zorn.
Wache! Wache!“ brüllt er und sogleich werden die Flügeltüren aufgestoßen und Hauptmann Geschoss eilt herbei und schlägt die Haken zusammen.
Majestät befehlen!“
Marschiere sofort mit deinen kräftigsten Männern zu Gernot und bringe den jungen Mateo!“
Jawohl, Majestät, Befehl wird sofort ausgeführt!“
In der kahlen Felsenhöhle sitzt Gernot Pfeife rauchend über seiner Zeitung, während seine Frau Huxta Wurzeln schabt.
Die Kinder toben in ihren Zimmern und hänseln, wie so oft, ihren Bruder Mateo.
Rechtsum! Geradeaus! Halt Stillgestanden!“ schallt es auf der Straße.
Gleich darauf klopft es kräftig an der Tür.
Gernot lässt die Zeitung sinken und wechselt einen überraschten Blick mit seiner Frau.
Herein!“
Der Hauptmann der königlichen Garde betritt den kleinen Raum, grüßt zackig und schnarrt seinen Befehl herunter.
Gernot runzelt ärgerlich die Stirn.
Schon wieder Mateo! Nichts wie Ärger habe ich mit dem Jungen, seit ihr ihn damals zu mir gebracht habt.“
Wütend wirft er seine Pfeife auf den Tisch und geht zur Treppe.
Mateo, komm sofort herunter!“





"Ja, Vater, ich komme sofort!“
Leichtfüßig eilt der junge Kobold die Treppe herunter und wird sofort von den Soldaten umringt.
Hilflos blickt Mateo von einem zum anderen.
Was habe ich denn getan?“ fragt er verwirrt.
Doch statt zu antworten, versetzt der Hauptmann ihm einen groben Stoß und schweigend marschieren die Soldaten mit ihrem Gefangenen zum Schloss.
Kuddelmuddel wartet schon ungeduldig und als die Garde mit Mateo den Saal betritt springt er auf.
Der Gefangene erhält einen groben Stoß in den Rücken und landet vor den Füßen des Königs.
Mühsam erhebt er sich und sieht Kuddelmuddel frei und offen ins Gesicht.
Majestät, ihr wünschtet mich zu sprechen?“
Der Koboldkönig presst die Lippen zusammen, sein Gesicht läuft zornesrot an, dann brüllt er.
Ich habe dich gewarnt Bürschchen, das Maß ist voll.
Die Sache mit der Kräuterfrau war dein letzter Streich!
Noch heute verlässt du unser Reich, du bist nicht wert ein Kobold zu sein! Hinaus mit dir!“
Mateo neigt grüßend den Kopf und verlässt das Schloss.
Nachdenklich wandert er die Straße hinunter.
Vor seinem Zuhause bleibt er kurz stehen, dann geht er langsam weiter.



Bald liegt das Koboldreich hinter ihm und er wandert durch einen schönen großen Wald.
Wie schön es hier nach Harz und Moos duftet und wie wunderbar die Sonne durch die Zweige blitzt und den Tau auf den Spinnweben funkeln lässt.
Mateo fühlt sich auf einmal so wohl, als wäre er nach einer langen Reise endlich heimgekehrt.
Zufrieden setzt er sich ins Moos und schließt die Augen.
Tief atmet er den Duft des Waldes ein und lauscht dem fröhlichen Gezwitscher der Vögel.
Leider bemerkt er nicht die Gefahr, in der er sich befindet.
Längst schon hat er die Grenze des Zwergenreiches überschritten und natürlich nicht unbemerkt.




Ehe Mateo sich versieht ist er schon von den Zwergen gefesselt und steht wenig später vor König Murzel.
Mateo der Pechvogel!
Wie kann es geschehen, dass einer dieser schrecklichen Kobolde in unser Reich eindringt!“
Majestät, wir haben es sofort bemerkt!“ entschuldigt sich der Hauptmann der Wache.
Dabei wirft er einen strafenden Blick auf den Zwerg Pippo, der geschlafen hatte, statt diesen Teil der Grenze zu bewachen.
Pippo wird rot und scharrt verlegen mit dem Fuß.
Der König aber mustert Mateo mit einem finsteren Blick.
Wurdest du ausgesandt, um zu spionieren?“
Der junge Kobold schüttelt heftig den Kopf.
Ich habe mich verlaufen, bitte, Majestät, ich wollte nichts böses!“
Er wirft dem Zwergenkönig einen flehenden Blick zu und diesem wird ganz eigenartig zumute.
Er wird doch nicht Mitleid mit einem Kobold haben!
Ärgerlich über sich selbst, herrscht er die Soldaten an:
Werft ihn in den Turm. Ich werde später entscheiden, was mit ihm geschehen soll!“
Die Soldaten nehmen den Gefangenen in ihre Mitte und bringen ihn in den Turm.




Traurig sieht Mateo nun durch die Gitterstäbe hinunter auf die Zwergenstadt und beobachtet das emsige Treiben.
Mateo, hallo Mateo!“ piepst plötzlich ein Stimmchen.
Mateo wendet den Kopf und erblickt einen kleinen Vogel, der neben dem Gitter auf und ab flattert.
Hallo Rotkehlchen!“ begrüßt der junge Kobold seine kleine Freundin.
Also ist es doch wahr, was die alte Tratschtante, Frau Elster erzählt hat. Man hat dich aus dem Koboldreich ausgewiesen.“
Ja das ist richtig! Aus dem Koboldreich wurde ich rausgeworfen und im Zwergenreich in den Turm gesperrt. 
 Du siehst ich bin überall sehr beliebt!“
Diese Worte klingen so bitter, dass Rotkehlchen ihn trösten möchte.
Sei nicht traurig, Mateo! Die Tiere des Waldes haben dich lieb und vielleicht können wir ja helfen.
Aber nun muss ich eilen, denn meine Kinder haben Hunger!“
Mateo winkt ihm lange nach, dann setzt er sich niedergeschlagen in die Ecke auf einen Strohsack.
Schlurfende Schritte nähern sich.
Der Schlüssel wird im Schloss gedreht und ein mürrisch blickender alter Zwerg stellt einen appetitlich duftenden Teller mit Essen, sowie einen Krug mit Honigwasser vor Mateo auf den Boden.
Ohne ein Wort zu sprechen schlurft der Alte wieder hinaus, der Schlüssel klirrt, die Schritte entfernen sich.
Mateo ist wieder allein.


Morgen geht es weiter