Freitag, 5. Juli 2019

Geschichten aus dem Zauberwald - der gute Kobold - .Ende

Mit dem Ende meiner Geschichte wünsche ich euch ein schönes gemütliches Wochenende.
Viel Spaß beim Lesen!




 
In sicherem Abstand verfolgt sie Esmeralda, die sich ohne umzuschauen direkt dem Haus der Hexe Wally nähert.
Wally sitzt mit Knolly ihrer Freundin in ihrem Garten.
Lilofee lässt sich leise auf einem Baum nieder und verdeckt von dichten Blättern beobachtet sie die beiden Hexen.
Esmeralda trippelt aufgeregt vor den Freundinnen herum und ruft atemlos.
Lilofee ist bei Hokuspokus und hätte mich beinahe entdeckt!“
Nanu, du wirst dich doch vor dem jungen Ding nicht fürchten?“ lacht Wally.
Esmeralda kann sich nicht still halten. Mit aufgeplusterten Federn und flatternden Flügeln läuft sie aufgeregt durch den Garten und jammert:
Oje, oje, hätte ich mich doch niemals von dir überreden lassen, ojeojeojemine!“
Wally zuckt mit den Schultern und wendet sich an ihre
Freundin.



Hör zu Knolly, ich will dir meinen neuesten Streich erzählen.
Du kennst doch den Zauberer Hokuspokus.
Schon lange bin ich auf den Tannenwald scharf, der an mein Gebiet grenzt.
Was könnten wir dort für tolle Hexenpartys feiern!
Leider gehört er Hokuspokus und der wird ihn mir nie geben.
Deshalb habe ich mir etwas ausgedacht.“
Sie kichert boshaft.




Ich habe aus meinem Ring, du weißt, den ich von meiner Urgroßmutter habe, den Rubin heraus gebrochen und ihn mit gut gespielter Leidensmiene zu dem alten Zauberer gebracht.
Es gelang mir sogar ein paar Tränen herauszuquetschen.“
Wally schlürft genussvoll von dem heißen Kräutertee, dann erzählt sie weiter.
Du weißt ja Hokuspokus ist ja so weichherzig und hilfsbereit. Hihiiiiii! Ich ließ ihn durch Esmeralda beobachten und als der alte Zausel den Ring repariert hatte, hat ihn Esmeralda gestohlen.“
Sie prustet los und auch Knolly kann sich nicht länger still halten.
Das Gelächter der beiden Hexen ist weithin zu hören.
 
(c) Werner Borgfeldt


Die Rehe halten inne beim Äsen, die Hasen stellen ihre Löffel und der Fuchs hätte beinahe seine Beute fallen lassen.
Selbst Meister Specht unterbricht für kurze Zeit sein eifriges Klopfen.
Noch immer triumphierend hält Wally den Ring in die Höhe.
In diesem Moment fliegt eine Lerche aus dem Gebüsch, schnappt sich den Ring und steigt in die Höhe.
Die beiden Hexen sehen ihr fassungslos nach.
Esmeralda, so tu doch was!“ kreischt Wally,
Die Elster, die immer noch jammernd herum trippelt, hebt fragend den Kopf.
Was ist denn los?“
Oh du dummes Ding! Hast du gehört, Knolly, die hat überhaupt nichts mitbekommen!“
Wally rauft sich die Haare!
Knolly findet das so komisch, dass sie fast vom Stuhl fällt vor Lachen.

Mit dem Ring im Schnabel fliegt die Feldlerche zum Schloss zurück, direkt in das Arbeitszimmer von Hokuspokus und verwandelt sich wieder in Lilofee.
Der Zauberer sitzt immer noch gedankenverloren auf seinem Stuhl.
Lilofee beugt sich über seine Schulter und lacht spitzbübisch.
Onkel Pokus, nun rate mal, was ich hier habe?“
Dieser seufzt gequält.
Kind, mir ist wirklich nicht nach Späßen zumute.“
Das Mädchen legt den funkelnden Ring auf den Schreibtisch und freut sich diebisch über das fassungslose Gesicht ihres Patenonkel.
Schnell klärte sie ihn über die üblen Pläne von Wally auf, worauf Hokuspokus empört erklärt: „Die Suppe wollen wir ihr versalzen!“
Lilofee setzt sich auf die Schreibtischkante und lässt vergnügt die Beine baumeln.
Fröhlich meint sie: „Ich glaube, du wirst schon fertig mit ihr, aber nun brauche ich deine Hilfe.
Erinnerst du dich noch an die Entführung des kleinen Zwergenprinzen?
Weißt du, mir gehen da einige Gedanken durch den Kopf... .

 
(c) Peter S.

Mühsam marschiert Hokuspokus den steilen Hang hinauf und dabei schnauft er, stöhnt und brummelt vor sich hin.
Lilofee wirft ihm einen verschmitzten Blick zu.
Alter Grantler, gleich haben wir es geschafft.“
Ächzend setzt sich der alte Mann auf einen Stein und wischt sich mit einem großen karierten Tuch den Schweiß von der Stirn.
Ich kann nicht mehr!“
Aber sieh doch, wir haben es geschafft!“
Lilofee deutet auf eine große Höhle nicht weit entfernt.
Mühsam erhebt sich der alte Zauberer und sie treten ein.
Das Innere der Höhle ist in gespenstisches Licht getaucht.
Kristalle hängen an den Wänden und klirren aneinander.
Ein kleiner Bach sucht sich einen Weg durch das Geröll.
Langsam tasten sich die Beiden durch das Felsengewirr.
Dann geht es nicht mehr weiter.





Ein großer Felsen versperrt den Weg und davor steht ein kleines verwachsenes Wesen.
Was wollt ihr?“ piepst es.
Lilofee lächelt freundlich.
Wir würden gerne den großen Meister um Rat fragen, kannst du uns bitte zu ihm führen?“
In welcher Angelegenheit?“ schnarrt das Männchen.
Ich würde ihm das gerne selber sagen, könntest du uns zu ihm führen?“
Ich werde den hohen Meister fragen. Wen darf ich ihm melden?“
Seinen alten Freund Hokuspokus und Lilofee, die Waldkönigin.“
Wartet hier“
Er klopft an den Felsen und verschwindet durch den schmalen Spalt der sich öffnet und sofort wieder hinter ihm verschließt.
Kurze Zeit später gleitet der Felsen zur Seite und umgeben von unzähligen Leuchtkäfern tritt der Druide heraus.
Sein langer weißer Bart flattert im Wind und seine klugen Augen mustern die Beiden.
Ein freundliches Lächeln gleitet wie ein Sonnenschein über sein Gesicht und er umarmt Hokuspokus.
Lange nicht gesehen alter Freund,“ murmelt er und auch der alte Zauberer ist gerührt.
Er deutet auf Lilofee.
Das ist Lilofee, die Tochter von Theoderich, auch einem Freund aus unseren Jugendtagen.“
Der Druide begrüßt Lilofee freundlich.
Ich habe bereits viel von dir gehört, dein Vater kann stolz auf dich sein.“
Lilofee knickst ehrerbietig.
Großer Druide, danke, dass du uns empfangen hast.
Ich brauche deinen Rat und deine Hilfe.“
Dann kommt mit!“
Er führt sie durch das Felsentor in einen erstaunlich gemütlich eingerichteten Raum und während die kleinen Erdmännchen eifrig hin und her huschen, um die köstlichsten Speisen aufzutischen, erzählt Lilofee von ihrer Vermutung, dass es sich bei Mateo um den geraubten Zwergenprinzen Mirzel handelt.

 
(c) Lore Platz

Der Druide zieht sich zurück, um seine Zauberkugel zu befragen.
Wenig später verlässt Lilofee das Druidenschloß, sorgsam in der Tasche verwahrt die Zaubernüsse für Mateo.
Hokuspokus ist bei seinem Freund geblieben.
Leider bemerkt Lilofee diesmal nicht, dass die heimtückische Esmeralda alles beobachtet hat und eilends zu Wally fliegt.





Walburga probiert gerade einen neuen Zauberspruch aus:
Hexe, Mexe, Krötenstein, sollst sofort mein Diener sein!“
Ein dicker plumper Frosch sitzt im Gras und glotzt die Hexe an, die mit ihrem Zauberstab vor ihm herum fummelt, dann quakt er laut und hüpft davon.
Zornig schleudert Wally den Zauberstab fort und auf einmal regnet es Federn.
Eine schimpfende Esmeralda landet im Gras.
Bist du verrückt, warum wirfst du mit dem Zauberstab nach mir!“
Weil ich wütend bin!“ faucht Walburga.
Dann wirst du vielleicht noch wütender, wenn ich dir berichte, was ich erfahren habe.“
Wenig später ist die Hexe unterwegs ins Koboldreich.

König Kuddelmuddel hat inzwischen von seinen Spionen erfahren, dass Mateo mitten unter den Zwergen lebt.
Als ihm erstmals berichtet wurde, dass Mateo im Zwergenturm schmachtet, war seine Freude groß.
Der Zwergenkönig hält seinen eigenen Sohn gefangen.
Welche Ironie!
Aber, dass Mateo nun geduldet wurde und bei den Zwergen lebt, nein das gefällt ihm ganz und gar nicht.
Huiiiiiiiiiiiiii! Wally saust auf ihrem Besen durch das Fenster, streift den Kronleuchter, dass er klirrt, wirbelt den Staub auf dass Kuddelmuddel einen Hustenanfall bekommt und landet schließlich, wobei sie etliche Stühle umwirft.
Was fällt dir eigentlich ein!“ brüllt der Koboldkönig und beginnt wieder heftig zu husten.
Nun reg dich ab,“ Wally gibt dem Besen einen Fußtritt und stapft durch den Raum.
Hör lieber zu, was ich zu berichten habe.“
Kuddelmuddel läuft wütend um seinen Thron herum, als die Hexe ihm alles erzählt hat.
Nein! Das war nicht seine Absicht gewesen!
Am liebsten wäre ihm gewesen, wenn Mateo im Zwergenturm verschmachtet wäre, ohne dass Murzel jemals erfahren hätte, dass er eigentliche sein Sohn war.
Kuddelmuddel platzt fast vor Wut und brüllt nach der Wache.



Mateo und Melisande sind auf dem Weg zum Bach, um Wäsche zu waschen.
Gemeinsam tragen sie den Korb.
Plötzlich stürzt aus den Büschen eine Horde Kobolde..
Allen voran Flip, der älteste Sohn von Kuddelmuddel.
Erschrocken bleiben die beiden Verliebten stehen und der Wäschekorb landet im Gras.
Breitspurig baut sich Flip vor Mateo auf, seine Augen funkeln boshaft.
Wen haben wir denn da, den tugendsamen Mateo, hahahaaa!“
Mateo funkelt den Kobold böse an, er hat keine Angst.
Mach den Weg frei, Flip, und lass uns vorbei!“
Und wenn nicht?“
Tückisch blitzen die Augen des Koboldprinzen.
Mit geballten Fäusten stürzt sich Mateo auf Flip.
Melisande, die keiner beachtet, läuft schnell fort, um Hilfe zu holen.
Glücklicherweise trifft sie auf Zenko, der sofort einige Soldaten holt und mit ihnen zum Bach hinunter eilt.
Mateol und Flip balgen sich auf dem Boden, umgeben von den begeistert laut anfeuernden Kobolden.
Als sie aber die Soldaten den Hang herunter kommen sehen rennen sie schnell davon, verfolgt von den Zwergen.
Die beiden Kämpfenden bekommen von alledem nichts mit.
In blinder Wut prügeln sie aufeinander ein.
Zenko nimmt sie kurzerhand am Kragen und schüttelt sie wie
zwei junge Hunde.
Während die Soldaten Flip in den Turm abführen eilt Melisande zum Bach.
Mit dem nassen Taschentuch wäscht sie Mateos blutverschmiertes Gesicht.
Liebevoll lächelnd dankt dieser und nimmt ihre Hand und lässt sie nicht mehr los.
Schmunzelnd beobachtet Zenko die beiden, dann meint er:
Nimm Mateo mit zu euch und verarzte ihn, dann kommt bitte beide auf das Schloss.“
Die jungen Leute sammeln noch die verstreute Wäsche ein, dann gehen sie zurück in die Gärtnerei.
Mateo wäscht sich an der Pumpe und Agnes bringt ihm Hose und Hemd von Viktor.
Angeekelt betrachtet sie die blutverschmierte Kleidung auf dem Boden.
Mit spitzen Fingern hebt sie diese auf und wirft sie in den Müll.
Auch Melisande hat sich inzwischen umgezogen und gemeinsam gehen sie zum Schloss.

 
(c) meie Tochter

Mateo zögert etwas vor dem Portal, doch Melisande zieht ihn einfach in die Halle.
König Murzel sitzt an einem aus groben Stein gehauenen Tisch und sieht ihnen Stirn runzelnd entgegen.
Mateo verneigt sich, ohne Melisandes Hand loszulassen.
Der König nickt grüßend und deutet auf die Stühle neben Zenko.
Setzt euch bitte, Zenko will uns etwas Wichtiges berichten.
Wie ich hörte, ist der älteste Sohn von Kuddelmuddel mit seinen Männern in unser Reich eingedrungen und dass er jetzt im Turm sitzt haben wir euch zu verdanken. Sehr lobenswert.“
Er räuspert sich.
Nun Zenko, was gibt es so Wichtiges?“
Dieser stopft gemütlich sein Pfeifchen.
Es wäre schön, wenn auch die Königin bei diesem Gespräch anwesend wäre,“ brummt er und lässt ein Streichholz aufflammen.
Bald steigen kleine Wolken aus der Pfeife.
Rosamund betritt den Raum und setzt sich neben ihren Mann.
Zenko schmunzelt über die erwartungsvollen Gesichter ringsum.
Bedächtig an seiner Pfeife ziehend, beginnt er:
Wie wir alle wissen, wurde vor vielen Jahre Prinz Mirzel entführt und bis heute wissen wir nicht, was aus ihm geworden ist.“
Das Schluchzen der Königin unterbricht ihn und der König ruft unwillig:
Willst du alte Wunden wieder aufreißen!“
Geduld, Majestät.
Vor einiger Zeit berichteten mir die Tiere, dass es bei den Zwergen einen Jungen gibt, der ihnen hilft, ihre Wunden versorgt und sich benimmt, als wäre er einer von uns.
Und deshalb beobachtete ich Mateo schon lange bevor er zu uns kam.“
Und worauf willst du hinaus?“
Mit gerunzelter Stirn betrachtet der König seinen Minister.
Die Königin aber ist leichenblass geworden und drückt beide Hände aufs Herz.
Er will damit sagen, dass Mateo unser Sohn ist,“ flüstert sie.
Sie springt auf und umarmt Mateo, der nicht weiß, wie ihm geschieht.
Ich habe es gefühlt, sofort und konnte es mir nicht erklären!“
Beide haben Tränen in den Augen.
Der König ist noch unentschlossen.
Lilofee betritt die Halle und betrachet schmunzeln Mutter und Sohn.
Da komme ich ja gerade recht. Es stimmt nämlich, Mateo ist Prinz Mirzel.“
Nun umarmt auch der König seinen Sohn.
Sei herzlich willkommen mein Junge, auch wenn du mit dieser schrecklichen Koboldgestalt bestraft bist, mein Volk wird dich trotzdem als Prinz Mirzel anerkennen.
Lilofee schmunzelt.
Keine Bange, er muss nicht mit dieser Gestalt herum laufen, der große Druide gab mir einen Gegenzauber.“




Sie reicht Mateo die goldenen Nüsse und als dieser sie gegessen hat, fangen seine Glieder an, sich zu verändern und es steht ein hübscher junger Zwergenprinz vor ihnen.
War das eine Aufregung.
Alles plappert durcheinander.
Nur Melisande steht still abseits.
Leise wendet sie sich um und geht.
Traurig läuft sie den Weg zum Dorf hinunter, ohne ihre Umgebung wahrzunehmen.
Mit Tränen in den Augen achtet sie nicht auf Frau Schnecke, die sich eilends in Sicherheit bringt, hört nicht das herrliche Trillern der Lerche.
Blind vor Tränen hastet sie dahin.
Melisande, Melisande, so warte doch!“
Prinz Mirzel ist ganz atemlos, als er sie endlich einholt.
Warum läufst du denn davon?“
Du bist doch jetzt ein Prinz und ich bin nur die Tochter des Gärtners,“ schluchzt das Mädchen.
Prinz Mirzel wischt ihr liebevoll die Tränen ab.
Kleines Dummchen, denkst du, weil ich anders aussehe bin ich nicht mehr dein Mateo!“
Melisande blickt in seine warmen braunen Augen und jubelt:
Ja, du bist mein Mateo!“
Na, also,“ brummt Mirzel, der nun ein großes Selbstvertrauen besitzt, denn endlich weiß er, wohin er gehört.
Er ist nicht mehr heimatlos.
Er nimmt Melisandes beide Hände und sieht ihr ernst in die Augen.
Liebe Melisande, willst du meine Frau werden?“
Ja!“ jubelt das Mädchen und fällt ihm um den Hals.

Sicher könnt ihr euch vorstellen, wie im Schloss nun gefeiert wurde.

© Lore Platz