Freitag, 12. April 2019

Wie ich wegen dem Osterhasen einmal den Hintern versohlt bekam

Vor einiger Zeit las ich das Buch von Willi Fährmann:
Als Oma noch mit Kohlen heizte.
Darin kam auch der Hilfslehrer, der eisenharte Freidrich vor.
Wisst ihr wer das war, ein Stock geschnitten aus einer Nusshecke.
Auch als ich noch Kind war, wurden wir zuhause und in der Schule durch Schläge bestraft.
Die Züchtigung in der Schule wurde erst 1973 verboten, da war ich schon längst erwachsen.
Warum ich  in der nachfolgenden Geschichte übers Knie gelegt wurde, verstehe ich, meine Eltern haben sich große Sorgen gemacht.
 

 
(c) eigenes Foto



Wie ich wegen dem Osterhasen einmal den Hintern versohlt bekam


Wir wohnten in einem Mietshaus, das einem Bauern gehörte und hinter dem sich ein riesiger Obstgarten befand.
Der Garten war so groß, dass sich Jahre später die Erben drei Bungalows auf das Grundstück bauten.
Für uns Kinder war dieser Garten ein richtiges Paradies und wir durften darin nach Herzenslust spielen.
Eines Tages, zwei Wochen vor Ostern, bauten mein kleiner Freund, der auch in dem Haus wohnte und ich im hintersten Winkel des Gartens unter einem Holzstoß ein Osternest.
Wir erzählten niemanden davon, das war unser großes Geheimnis,von dem nur wir und wohl auch der Osterhase wussten.
Jeden Nachmittag liefen wir hinauf zu unserem Geheimversteck und waren schrecklich enttäuscht, als wir das Nest leer fanden.
Doch unser Glaube an den Osterhasen ließ sich durch nichts erschüttern.
Es war ja auch noch ein wenig hin bis Ostern, sicher war der Osterhase zu beschäftigt.
Schließlich musste er doch alle die Eier bemalen.
Doch kurz vor den Osterferien wurden wir doch leicht ungeduldig.
Und statt am Nachmittag liefen wir zwei Erstklässler gleich nach der Schule hinauf in den Garten.
Enttäuscht stellten wir fest, dass unser kunstvoll angefertigtes Osternest noch immer leer war.
Ich weiß nicht wie viel Zeit inzwischen vergangen war, denn Kinder haben noch keinen richtigen Zeitbegriff, aber auf jeden Fall machten sich unsere Eltern inzwischen schon Sorgen.
Wir beide aber trotteten mit hängenden Köpfen den langen Weg durch den Garten und befürchteten, dass der Osterhase uns vergessen würde.
Als ich an unserer Wohnungstür klingelte, öffnete mein Vater mit finsterem Gesicht und kaum hatte ich den Tornister abgeschnallt, da wurde ich auch schon übers Knie gelegt.
Waren halt die Fünfziger!

Aber der Osterhase hat uns nicht vergessen.
Am Ostersonntag lag zwar nichts in unserem geheimen Nest, aber im Vorgarten hatte der Osterhase etwas für uns Kinder versteckt.


© Lore Platz