Sonntag, 1. Juni 2025

Schuhe

 

 


 

 

1. Juni 2025

 

Es gab mal einen Schlager:  Kinder wie die Zeit vergeht. 

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

Viel Spaß beim Lesen! 

 

 

 

 

Juni 2015






Als mir eine Bekannte erzählte, dass ihre Tochter so viele Schuhe hätte, dass sie sich einen größeren Schrank kaufen musste, obwohl viele dabei sind, die sie nie mehr anzieht, dann war mein erster Gedanke, warum sortiert sie diese nicht aus, verschenkt oder gibt sie an einen Secondhand -Laden.
Heutzutage sind Schuhe für uns etwas alltägliches und nicht mehr wegzudenken.
Mindestens zwanzig Paar hat jeder von uns doch in seinem Schrank, von den bequemen Puschen bis zu den Stöckelschuhen heute nennt man sie ja Highheels.
Es bedeutet wörtlich übersetzt: ' Hohe Fersen'
Und es sind wirklich oft schwindelerregende Höhen auf denen manche Menschen oft durch die Gegend
stöckeln.
Ich zittere immer ein wenig, wenn ich eine Künstlerin in hohen Haken die Showtreppe herunter komme sehe und überlege, welche Schwerkraft wohl verhindert, dass sie nicht stürzt.
Wusstet ihr, dass die Stöckelschuhe Anfang des 20igsten Jahrhundert erfunden wurde und dass Marlene Dietrich eine der ersten war, die sie bei öffentlichen Auftritten trug.
 
 

 
Vor sechzig  Jahren konnte sich noch nicht jeder Schuhe leisten. Eine Bekannte von mir erzählte mir, dass sie als Kinder so arm waren, dass sie Sommer und Winter barfuß liefen.
Und die Winter damals waren noch ziemlich hart.
Deshalb waren sie immer froh, wenn sie auf der Weide einen frisch gefallenen Kuhfladen fanden, denn darin konnten sie ihre Füße aufwärmen.
Ich war wirklich schockiert, als ich dies hörte.
Dass wir einmal keine Schuhe hatten, daran konnte ich mich nicht erinnern.
Natürlich liefen wir im Sommer barfuß und ich liebte es durch das kühle Gras zu laufen.
 
 

 
Doch einmal bin ich auf eine Biene getreten, ach was hat Klein Norle da geweint. Doch meine Mutter machte einen kühlen Verband mit essigsaurer Tonerde und alles war wieder gut.
Meine Mutter war eine sehr elegante Frau, die wunderbar mit der Nähnadel umgehen konnte und deshalb waren wir trotz der schlechten Zeiten immer gut gekleidet.
Auch besaß sie ein paar Stöckelschuhe, in die ich zu gerne schlüpfte und mich wie eine große Dame dabei fühlte.
Und meine kleine Freundin und ich spielten gerne Schuh verkaufen.
Dazu holten wir sämtliche Schuhe aus dem Schrank und in abwechselnder Kleidung natürlich aus Mutters Schrank kauften wir nun ein.
Einmal als feine Dame, einmal als armes Mädchen unsere Fantasie war grenzenlos.
Übrigens könnt ihr euch noch an die Salamander Schuhe erinnern?
Ich liebte sie und freute mich immer, wenn meine Mutti mit mir zum einkaufen in den Schuhladen ging.
Nicht wegen den Schuhen, sondern weil man immer das Bilderbuch von Lurchi geschenkt bekam.
Mein Vater wurde 1915 in Pirmasens geboren, der Schuhmetropole von einst und er hat als Junge nach der Schule eine Lehre in einer der großen Schuhfabriken als Zuschneider abgeschlossen.
 
Wusstet ihr, dass es die Römer waren, die als erstes einen linken und rechten Schuh fertigten. 
Die Herstellung bedeutete zwar einen größeren Aufwand aber es führte zu einem größeren Tragekomfort.
Doch das Wissen verschwand mit dem Untergang des römischen Reiches.
Statt für den rechten und linken Fuß einen eigenen Leisten zu machen, arbeiteten die Schuhmacher mit einem gleichen Leisten für beide Füße.
Diese Lederschuhe waren unangenehm zu tragen und so ließ sich der Adel im Barock die Schuhe von den Bediensteten einlaufen.
Erst Ende des 19ten Jahrhunderts gab es wieder verschieden gefertigte Leisten.
Welch ein Glück, sonst würden wir wohl nicht so bequemes Schuhwerk besitzen.
Obwohl manche Kreationen kommen wir doch manchmal wie ein Folterwerkzeug vor.
Schönheit muss leiden!
 
Man sagt ja Schuhe unterstreichen die sinnliche Ausstrahlung.
Und ein zierlicher Damenfuß ist ein weit verbreitetes Schönheitsideal. 
Besonders in China wurden den Mädchen bereits als Kleinkinder die Füße gebunden, um sie so am wachsen zu hindern.
1000 Jahre hielt sich diese grausame Mode. Verkrüppelte Zehen, gebrochene Knochen und Füße zehn Zentimeter klein wie eine Lotusknospe, das fand der Kaiser erotisch.
Erst im 20igsten Jahrhundert unter Mao Zedong wurde diese sehr schmerzhafte Behandlung verboten.
Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, es ist zehn Minuten vor neun also will ich es kurz machen und euch nur noch einen schönen Donnerstag wünschen.

© Lore Platz
 
 
Die roten Lackschuhe


Auf dem Weg zur Schule kam die achtjährige Anneliese an einem Schuhgeschäft vorbei.
Über dem Eingang hing ein goldenes Messingschild von dem der gestiefelte Kater frech herunter grinste und wenn der Wind ging, dann machte das Schild „bling,bling“
Dieses Schild hatte das Mädchen zuerst angelockt, doch seit einigen Tagen standen rote Lackschuhe im Schaufenster und Anneliese konnte sich nicht sattsehen.
Ganz platt drückte sie sich ihre Nase und bewunderte die schönen roten glänzenden Schuhe, die auf einem Podest standen.
Wie sehr wünschte sie sich, diese Schuhe zu besitzen, aber sie wusste, es ging nicht, denn ihr Vater war arbeitslos und suchte schon so lange nach Arbeit.
Ganz traurig war er geworden und auch die Mama die doch früher immer so gerne lachte und sang, war jetzt immer blass und still.
Anneliese würde nichts von den Schuhen erzählen, das sollte ihr Geheimnis bleiben.
Auch heute hielt sie vor dem Geschäft und drückte ihre Nase ganz fest an die Scheibe des Schaufensters, um „ihre“ Schuhe zu betrachten.
Doch was war das?
Ein Gesicht erschien und eine Hand griff nach den Schuhen und dann war das Podest leer.
Anneliese erschrak.
Traurig starrte sie vor sich hin und in ihren Augen sammelten sich Tränen.
Die Tür des Schuhgeschäfts öffnete sich und eine elegant gekleidete Dame, die ein Mädchen an der Hand führte, trat heraus.
Als sie die kleine Vortreppe herunter kamen, sah Anneliese :
Das Mädchen trug die roten Lackschuhe.
Anneliese wandte sich um und lief blind vor Tränen los.
Der Schulranzen auf ihrem Rücken hüpfte auf und ab und
die Tränen rannen nur so über ihr Gesicht.
Als sie das Miethaus betrat, setzte sie sich erst einmal auf die Holztreppe, um zu verschnaufen und die Tränen zu trocknen.
Die Mutter hatte scharfe Augen und würde nur fragen, warum sie geweint hatte.
Anneliese legte den Kopf in beide Hände und versuchte an etwas Schönes zu denken, das hatte die Oma immer zu ihr gesagt.
Ach die Oma, die war vor einem Jahr gestorben, wenn die doch hier wäre.
Mit ihr könnte sie über die schönen roten Lackschuhe sprechen.
Oben ging eine Tür und Anneliese sprang schnell auf und ging mit gesenktem Kopf die Treppe hinauf.




Als sie am Abend im Bett lag, dachte sie wieder an das Mädchen, das nun „ihre“ Lackschuhe trug.
Ach wie froh und glücklich würde diese sein.
Auf einmal war ihr, als würde die Oma ihr tröstend über das Haar streichen, wie sie es so oft getan hatte.
Und ihr fiel ein, was die alte Frau immer zu ihr gesagt hatte.
Wenn du einmal ganz traurig bist und mit niemanden über deinen Kummer sprechen kannst, dann erzähle es dem lieben Gott, der hört immer zu und vielleicht hilft er dir ja auch.“
Anneliese faltete die Hände und sprach sich ihren ganzen Kummer von der Seele.
Dann nahm sie ihren Teddy in den Arm und schlief getröstet ein.

Am nächsten Tag musste sie ihre Mutter in den Kleiderladen begleiten.
Dort gab es Kleider und viele Sachen zum Anziehen umsonst, gespendet von Leuten, die sie nicht mehr haben wollten.
Lustlos betrat Anneliese das Geschäft. Viele Menschen wühlten an den Sammeltischen und auch ihre Mutter ging zu ihnen.
Das Mädchen aber stromerte durch die Halle und sah sich gelangweilt um.
Da blitzte es rot vor ihren Augen auf.
Das waren doch die roten Lackschuhe, die das reiche  Mädchen gestern getragen hatte.
Anneliese lief an den Stand und fuhr behutsam über das rote Leder.
Gefallen sie dir?“
Die Kleine sah auf und nickte.
Die freundliche Dame lächelte und nahm die Schuhe und stellte sie auf den Boden.
Probier mal, du hast Glück, die sind noch ganz neu. 
Das Mädchen, dem sie gehörten wollte sie nicht mehr, weil sie angeblich drücken und das Dienstmädchen von Frau Bergmeister hat sie heute morgen vorbeigebracht.“
Anneliese schlüpfte in die Schuhe.
Sie passten wie angegossen!
Du kannst sie behalten!“


© Lore Platz  Juni 2015




Donnerstag, 29. Mai 2025

Mein Vater - Erinnerungsgeschichte

29.05.2025
 
 
 Ich wünsche allen Vätern heute einen schönen Tag.
 
 Zitat des Tages
  „Mein Vater hat mich gelehrt, dass man zwar verlieren, aber nie aufgeben darf. (Patrick Swayze)“

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/themen/vater/
 
das passt wunderbar, denn auch mein Vater hat mich das gelehrt.
 
 
 
 

Er war 24 Jahre alt und gerade verheiratet, als er 1939 in den Krieg ziehen musste.
Als er dann einmal Urlaub von der Front bekam, fuhr ihm seine junge Frau entgegen und der Bahnhof, an dem sie ihn erwartet wurde durch Bomben zerstört und er war Witwer.
Dieser Krieg hat so viel Unheil und Leid den Menschen gebracht.
Später lernte er dann meine Mutter kennen und diese schrieb ihm jeden Tag einen Brief an die Front.
1944 haben sie dann geheiratet.
Mein Vater wurde dann schwer verwundet und während er in Deutschland im Lazarett lag, wurde seine gesamte Einheit in Russland getötet.
Er wurde dann nach Ingolstadt in die Kaserne versetzt und meine Mutter folgte ihm und er mietete ihr ein kleines Zimmer.
Nach dem Krieg blieben meine Eltern in Bayern und mein Vater ging zur Polizei.
Er wurde in einen kleinen Ort versetzt, in dem in einem ehemaligen Schloss in der großen Halle die Polizeistation war.
Ich verbrachte viele Stunden in der gemütlichen Wachstube.



Als ich klein war brachte mich meine Mutter zu meinem Vater, wenn sie etwas zu erledigen hatte.
Und da ich sehr brav und ruhig war, hatte keiner etwas dagegen und ich wurde so ein bisschen das Maskottchen der Gendarmerie.
Später, als ich größer war, besuchte ich oft meinen Vater, durfte auf den alten Schreibmaschinen herum klappern und spitzte mit Begeisterung für jeden die Bleistifte.
Am Pult war ein Spitzer angeschraubt, in die Rolle vorne steckte man den Stift und durch kurbeln wurde er spitz.
Als ich ungefähr zwei Jahre alt war starb meine Großmutter mütterlicherseits und meine Eltern wollten mich nicht auf die weite Zugreise ins Saarland mitnehmen.
Ein Kollege meines Vaters, der selbst zwei kleine Jungen hatte, erbot sich, mich während dieser Zeit aufzunehmen und da ich ihn kannte fremdelte ich auch nicht.
Zwei Tage später hatte ich meine Eltern vergessen und da der Kollege dieselbe Statur und Uniform wie mein Vater hatte, war er bald für mich mein Vater.
Jeden Abend, wenn er vom Dienst nach Hause kam, wieselte ich in den Flur, hievte seine schweren Pantoffeln hoch und stolperte auf ihn zu, streckte ihm die Puschen mit strahlendem Lächeln und den Worten: „Vati kalte Füß!“, entgegen.
Dieser Satz verfolgte mich dann jahrelang.
Jedes Mal wenn ich dem Kollegen begegnete, egal wo und wenn es mitten im Supermarkt war, dann grinste er von einem Ohr zum anderen und brüllte mit seiner dröhnenden Stimme:
Vati kalte Füß!“
Das konnte manchmal ganz schön peinlich sein, besonders wenn man inzwischen ein Teenager ist.



Wir hatten eine schöne Kindheit.
Es war keine heile Welt, es wurde auch gestritten, gezickt, gezankt und wir bekamen, wenn wir es verdienten auch eine auf den Popo.
Doch die vielen fröhlichen und glücklichen Stunden, sowie die Liebe und Geborgenheit begleiten uns ein Leben lang.
Bei uns wurde viel gesungen, besonders die alten Volkslieder, wenn wir drei Mädels abspülten sangen wir dabei und aus irgendeinem Zimmer fiel meine Mutter mit ein und manchmal brummte auch mein Vater dazwischen.
Mein Lieblingslied ist übrigens bis heute:
Am Brunnen vor dem Tore...“

Mein Vater liebte Friedrich Schiller.
Als Bub musste er das lange Gedicht vom Lied der Glocke auswendig lernen und jedes mal wenn er uns ärgern wollte zitierte er daraus.
Samstags saßen wir gerne mit unserer Mutter länger am Frühstückstisch und erzählten und lachten.
Das mochte er gar nicht, vielleicht fühlte er sich auch als einziger Mann ausgeschlossen.
Jedenfalls, sobald er seine Tasse Kaffee ausgetrunken hatte, erhob er sich, ging in das angrenzende Zimmer und begann demonstrativ aufzuräumen und dabei zitierte er so laut, dass wir es ja auch mitbekamen aus dem Lied der Glocke:

Und drinnen waltet
Die züchtige Hausfrau
Die Mutter der Kinder
Und herrscht weise
Im häuslichen Kreise
Und lehret die Mädchen
Und wehret die Knaben
Und regt ohne Ende
Die fleißigen Hände“

Natürlich hat uns das zu noch größeren Heiterkeitsausbrüchen veranlasst und am Ende musste er selbst mitlachen.
Sind es nicht gerade seine Macken, die einen Menschen besonders liebenswert machen?





Als wir größer waren lag jedes Jahr unter dem Weihnachtsbaum ein Gesellschaftsspiel und wir saßen dann zusammen und spielten.
Mein Vater mogelte für sein Leben gerne dabei, aber so, dass man es merkte, denn meine Mutter regte sich immer furchtbar darüber auf und das bereitete ihm eine diebische Freude.




Überhaupt verband meine Eltern eine große Liebe zueinander die 44 Jahre hielt.
Leider erkrankte mein Vater die letzten vier Jahre an Alzheimer.
Eine sehr schlimme Krankheit, denn der Mensch den du einst gekannt hast, verschwindet mit der Zeit, lange vor seinem Tod.
Aber ich behalte ihn in Erinnerung wie er war: Ein guter Vater!




(c) Lore Platz     9.11.2013



Mittwoch, 28. Mai 2025

Prinzessin Hinkebein Teil 3

28.05.2025
 
Ihr wisst ja Mittwoch ist der Tag voller Termine nutze eine kurze Pause, um den letzten Teil einzustellen.
Viel Spaß beim Lesen!
 
(c) Irmgard Brüggemann


Der Ball

Cella in einem wunderschönen Kleid, das Frauke ihr genäht hat geht am Arm von Igor, die große Freitreppe. Sie ist etwas ängstlich, doch jedes mal wenn Igor sie zärtlich anschaut, fühlt sie sich wunderschön und sie hebt selbstbewusst den Kopf.
Hinter ihnen schreiten Frauke und der Professor festlich gekleidet, aber mit bangem Herzen.
Als sie den Saal betraten verstummte die Musik und die schön gekleideten Menschen starren sie an.
Prinzessin Sonja aber trat ihnen entgegen mit boshaft funkelnden Augen.
Du hast meine Einladung angenommen?“
Sie drehte sich zu den Gästen.
Darf ich vorstellen meine Schwester Hinkebein, die so hässlich ist, dass mein Vater sie weggeschlossen hat, weil ihr Anblick ihn beleidigte.“
Alle lachten.
Prinz Igor aber trat vor den König.
Er verbeugt sich und spricht mit lauter Stimme:
Majestät, ich bitte euch um die Hand eurer Tochter Cella, denn ich liebe sie.“
Wieder ertönte das schrille Lachen und Sonja rief.
Ihr liebt diese Missgeburt, seid ihr blind.“
Schallendes Lachen erfüllte den Saal.
Igor fühlte wie Cella in seinem Arm zitterte und drückte sie beruhigend.
Prinzessin Sonja, die einzige Missgeburt hier seid ihr. Auf den ersten Blick sieht man es nicht weil ihr eine schöne Larve habt, aber innerlich seid ihr verrottet. Ihr seid boshaft, gemein, herzlos,verschlagen und verzogen.“
Prinz Igor was erlaubt ihr euch!“
Zornig war der König aufgesprungen.
Er hat Recht!“
Die Feenkönigin hatte den Saal betreten und kam nun auf sie zu.
Sie lächelte Cella liebevoll an, betrachtete Sonja mit einem kalten Blick und wandte sich an den König.
Ich habe eurer Tochter Sonja strahlende Schönheit und viele Tugendenden geschenkt.
Doch ihr saht nur ihre Schönheit und vergötterte sie und die Tugenden ließt ihr verkümmern. Durch eure schlechte Erziehung habt ihr aus Sonja ein herzloses, egoistisches boshaftes Geschöpf gemacht.
Ich musste einschreiten, damit ihr diesen Fehler bei eurer zweiten Tochter nicht wiederholen konntet.“
Sie zog Cella zu sich heran und lächelte.
Ich war die Hebamme und du warst ein wunderschönes Baby, doch ich gab dir eine Maske, denn nur so konnten sich auch die Tugenden die ich dir in die Wiege legte entfalten.
Auch brachte ich Frauke zu dir, denn kein Kind sollte ohne Mutterliebe aufwachsen.“
Cella warf Frauke einen liebevollen Blick zu und nickte.
Ich war immer in deiner Nähe, um dich zu bewachen und zu schützen und als Kräuterfrau wies ich dich in die Heilkunst ein. Leider konnte ich dich vor Leid und Spott nicht schützen und deine Schwester war ja immer besonders erfinderisch darin dich zu quälen. Doch bist ein wunderbarer Mensch geworden, nicht verdorben durch die Affenliebe deiner Eltern und Prinz Igor hat erkannt wie schön du unter der Maske bist. Deshalb brauchst du diese nicht mehr.“
Sie fuhr über den Scheitel der Prinzessin und das dünne mausgraue Haar verwandelte sich in dunkelbraune leuchtende Locken, die weit über ihren Rücken sich ergossen.
Dann strich sie über die Nase und statt der dicken Knolle erschien ein lustiges Stupsnäschen.
Ganz zart berührte die Fee das verkürzte Bein und Cella spürte ein Kribbeln und stand auf zwei gleichlangen Beinen.
Prinz Igor beugte sich zu Cella und flüsterte.
Welch ein Glück, dass sie dir die Sommersprossen gelassen hat, denn in die habe ich mich zuerst verliebt.“
Cella lachte fröhlich und die Versammelten lauschten den melodischen Klängen, die von der schrillen Stimme Sonjas unterbrochen wurde.
Vater, du wirst doch dieser Hochzeit nicht zustimmen!“
Schweig!“
Erschrocken flüchtete sich das Mädchen in die Arme ihrer Mutter. In so einem Ton hatte der Vater noch nie mit ihr gesprochen.
Dieser wendetet sich dem jungen Paar zu.
Prinz Igor, ich gebe euch meine Tochter Cella zur Frau, behandelt sie besser als ich es getan habe.“
Der Prinz verneigte sich stumm und Cella sah ihren Vater mit ernsten traurigen Augen an.
Dieser senkte beschämt den Kopf.
Ein gutes Wort, König Stanislaus, ich hoffe ihr werdet in Zukunft euch auch wieder mehr um eure Untertanen kümmern.“
Der König nickte ernst und sein Blick ging zu seiner Frau und Sonja.
Ja, auch um Prinzessin Sonja müsst ihr euch kümmern und versuchen eure Fehler wieder gut zu machen. Ich will euch die Sache erleichtern.“
Die Feenkönigin hob die Hand und auf einmal wuchs Prinzessin Sonja eine dicke Knolle im Gesicht, ihre Ohre zogen sich in die Länge ähnlich einem Esel und ihr schönen Haare fielen in langen mausbraunen Strähnen über ihren Rücken.
Entsetzt wichen die Menschen zurück.
Sonja sah sie erstaunt an, dann fiel ihr Blick in den großen Kristallspiegel gegenüber.
Sie schlug beide Hände vors Gesicht und lief hinaus, die Mutter folgte ihr.
Hört König Stanislaus, ihr habt es in der Hand wenn es euch gelingt eure Erziehungsfehler wieder gut zu machen und aus Sonja ein liebenswertes Mädchen, dem andere wichtiger sind als sich selbst , zu machen, dann wird sie auch wieder ihr altes Aussehen erhalten.
Stöhnend sank der König auf seinen Thron und stützte seinen Kopf in beide Hände.
Am nächsten Morgen fuhren Igor, Cella, Frauke und der Professor nach Minosoto,
Ich brauche euch wohl nicht zur berichten, dass die beiden sehr glücklich und ihren vier Kindern wundervolle Eltern wurden.
Von Prinzessin Sonja habe ich nichts mehr gehört.
Ende

© Lore Platz

Dienstag, 27. Mai 2025

Prinzessin Hinkebein Teil 2


27.05.2025
 
 Zitat des heutigen Tages
 
 “Die Liebe schaut nicht mit den Augen, sondern mit der Seele.” 
 
(William Shakespeare)
 
Quelle  Gedankenwelt 


   

 
 
 
 
Viel Spaß beim Lesen
 
(c) Irmgard Brüggemann



Der Prinz

Es war einige Tage nach Cellas 17ten Geburtstag.
Das Mädchen kniete im Garten und zupfte das Unkraut in ihrem Kräuterbeet, da hörte sie ein lautes Wiehern und einen Schrei .
Sie öffnete schnell die Pforte.
Direkt vor dem Parktor lag ein junger Mann mit geschlossenen Augen und stöhnte.
Die Prinzessin kniete sich neben den Verletzten und tastet vorsichtig seinen Kopf ab, am Hinterkopf hatte er eine große Beule.
Der Mann öffnete die Augen und richtete sich auf.
Cella hielt ihm drei Finger vor die Augen.
Wie viel Finger sind das?“
Wollen sie wissen, ob ich bis drei zählen kann?“
Das Mädchen lachte.
Nein ich will nur testen, ob sie eine Gehirnerschütterung haben, scheinbar nicht, können sie aufstehen?“
Ächzend erhob sich der Mann und stöhnte erneut, als er den linken Fuß aufsetzte.
Stützen sie sich auf mich.“
Gemeinsam humpelten sie in den Garten.
Frauke kam aus dem Haus und hinter ihr der Professor.
Was ist denn passiert?“
Da hat ein Pferd wohl seinen Reiter abgeworfen,“ lachte die Prinzessin.
Darf ich mich vorstellen, Prinz Igor von Minosoto,
zur Zeit ohne Pferd und nicht nur der Kopf und der Fuß ist verletzt sondern auch mein Stolz.“
Bald lag der Patient verbunden auf dem Sofa.
Zum Glück war das Bein nicht gebrochen sondern nur verstaucht.
Der Professor hatte das Haus verlassen um nach dem Pferd zu sehen.
Er berichtete, dass man es inzwischen eingefangen und ein Bauer es bei sich untergestellt hatte und versorgen würde, bis der Prinz wieder gesund wäre.
Das ging aber nicht so schnell und der Prinz war nicht böse darüber, denn es gefiel ihm in dem kleinen Häuschen, in dem soviel Harmonie herrschte.
Staunend beobachtete er wie jeden Tag große Töpfe mit Essen gekocht wurde, die dann von einigen Männern aus dem Dorf abgeholt wurde.
Wie Cella jeden Tag zu den Kranken ging und der Professor zu den Kindern im Dorf um sie zu unterrichten.
Frauke aber setzte sich nach der Arbeit zu ihm mit einem Strickzeug und erzählte ihm von Cella ihrer Pflegetochter.
Besonders schön waren die Abende.
Wenn Cella mit ihrer wohlklingenden Stimme vorlas oder der Professor Klavier spielte und das Mädchen dazu sang.
Prinz Igor fühlte sich wohl in dieser kleinen Runde und es wurde ihm warm ums Herz wenn er Cella ansah.

Eines Tages hörte er kichern und rufen vor dem Haus und trat ans Fenster.
Vor dem Haus standen einige hübsche Mädchen und eines der Mädchen fiel ihm besonders auf.
Frauke trat neben ihn und seufzte.
Sind sie schon wieder da, ein Glück, dass Cella nicht zu Hause ist.“
Wer sind diese Mädchen?“
Prinzessin Sonja und ihre Gespielinnen, ab und zu kommen sie vorbei um Cella zu verhöhnen und verspotten.“
Schon rief Sonja.
He Prinzessin Hinkebein, wo bist du denn, komm heraus ich möchte dir etwas sagen!“
Was willst du?“
Cella war durch die Pforte gekommen und stand nun hinter ihrer Schwester.
Aaah, da bist du ja , ich habe doch am Samstag Geburtstag und da wird natürlich ein großer Ball gefeiert, willst du nicht auch kommen und mit uns feiern?
Ach nein, ich vergaß, du kannst ja gar nicht tanzen und außerdem würden sich meine Gäste gruseln, bei deinem Anblick. Vergiss es, war eine dumme Idee von mir.“
Cella sah sie ernst und traurig an.
Sonja, du bist so wunderschön, wirst von unseren Eltern geliebt und alle deine Wünsche werden erfüllt und trotzdem bist du so unzufrieden.
Du tust mir leid!“
Sonja kreischte: 
„Habt ihr das gehört, dieser hässliche Hinkefuß hat Mitleid mit mit, mir, die ich schöner bin als die Sonne.“
Sie lachte, ein hässliches schrilles Lachen und ihre Gespielinnen lachten mit.
Mit schnellen Schritten eilte Cella an ihrer Schwester vorbei und schloss die Tür hinter sich.
Mit geschlossenen Augen lehnte sie sich dagegen und Tränen liefen über ihr Gesicht.
Frauke will auf sie zu eilen, doch Prinz Igor hält sie zurück.
Er tritt zu Cella und nimmt ihr Gesicht in beide Hände.
Sieh mich an,“ flüstert er zärtlich.
Das Mädchen öffnete die Augen in denen immer noch Tränen schimmern.
Ich habe deine Schwester beobachtet, auf den ersten Blick wirkt sie schön, doch als sie begann dich zu verspotten, da funkelten ihre Augen vor Gehässigkeit und Bosheit, ihr Gesicht verwandelte sich in eine hässliche Fratze und ihre kreischende Stimme und ihre schrilles Lachen geht durch Mark und Bein.
Sie ist vielleicht von außen schön, aber ihr Inneres ist total verrottet.
Du aber bist schön, deine Güte und deine Herzlichkeit strahlen von Innen. Dein herzliches Lachen macht deine Umgebung glücklich.
Viele Menschen lieben und dich nennen den Engel vom Schloss.
Doch am meisten liebe ich dich und bitte dich meine Frau zu werden.“
Cella nickte und Frauke, die die Schürze vor die Augen gedrückt hatte, schluchzte laut. 


 






Montag, 26. Mai 2025

Prinzessin Hinkebein 1.Teil

 
 26.05. 2025
 
 Dann beginnen wir den Start in die neue Woche. 
Maikäfer werden immer seltener, dabei sind auch sie wichtig für das Gleichgewicht in der Natur. Bis sie vom Engerling zum Maikäfer reifen dauert es ungefähr 2-5 Jahre, um dann nur etwa sieben Wochen zu leben, um sich fortzupflanzen. Das Weibchen stirbt nach der Eiablage, das Männchen kurz nach der Begattung.
 
 „Nehmen Sie das Tempo der Natur an: Ihr Geheimnis ist Geduld.“ 
Ralph Waldo Emerson (1803–1882) US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/themen/natur/
 
 

 
 Viel Spaß beim Lesen!
 
 7.12.2017
 
Vor einigen Tagen unterhielten sich meine Freundin und ich über die Erziehung unserer Kinder und stellten fest, dass man oft Fehler macht.
Beide wollten wir die Fehler unser Eltern nicht wiederholen und machten andere.
Aber zum Glück keine gravierend, denn auf unsere Kinder können wir beide stolz sein. (schmunzeln)

Meine heute dreiteilige Geschichte handelt von falscher Erziehung verblendeter Eltern.
Viel Spaß beim Lesen!


 

 
(c) Irmgard Brüggemann



Prinzessin Hinkebein

Der Engel vom Schloss


Es war einmal ein Königspaar, das bekam ein Töchterlein.
Die Feenkönigin, die bei allen Prinzessinnen Patin war, legte der Neugeborenen strahlende Schönheit und noch viele andere Tugenden in die Wiege.
Es war das erste Kind des jungen Paares und außerdem waren sie geblendet von dessen Schönheit, dass sie die kleine Sonja maßlos verwöhnten.
Und so wuchs das Kind zu einem richtigen Tyrannen heran, das tobte, wenn es nicht gleich bekam, was es wollte. Doch die vernarrten Eltern kümmerte dies nicht, sie sahen nur die Schönheit ihre Kindes und ihre Unarten bemerkten sie kaum.
So kam es, dass alle Tugenden, die die Feenkönigin mit in die Wiege gelegt hatte, total verkümmerten.
Diese war sehr verärgert und als einige Jahre später die Königin wieder guter Hoffnung handelte die Fee.
Als die Hebamme das Kind in die Arme der jungen Mutter legte, fing diese an zu schreien.
Das ist nicht mein Kind, das ist ein Wechselbalg, so etwas hässliches habe ich niemals geboren.“
Der König eilte herbei und auch er sah voller Entsetzen auf das Kind. Es war wirklich hässlich. Die Nase sah aus wie eine Knolle und war voller Sommersprossen und die Hebamme machte ihn
leise darauf aufmerksam, dass ein Beinchen kürzer war und das Kind wohl später hinken würde.
Trotzdem tröstet der König seine Frau und meinte
das würde sich sicher verwachsen und dann würde doch auch die Feenkönigin als Patin kommen und sicher gute Gaben in die Wiege legen. Doch diese ließ sich nicht sehen.
Die Königin aber weigerte sich ihr Kind zu sehen und so wurde die kleine Cella mit ihrer Amme in ein kleines weit entferntes Zimmer verbannt.
Die junge Frau, die ihr eigenes Baby verloren hatte, schenkte all ihre Liebe nun dem armen kleinen verschmähtem Wurm.
Oft sah sie besorgt auf das kleine Mädchen, denn es wurde immer hässlicher. Das Haar war stumpf und mausgrau, die Knollennase entstellte das Gesicht und wenn es lief, hinkte es.
Trotzdem war Cella ein fröhliches Kind, das gerne sang und ein weiches Herz hatte, liebevoll mit der Katze umging, die Frauke ihr geschenkt hatte und auch die Vögel kamen oft ans Fenster und sangen ihr Lied.
Doch sie wagte sich kaum aus dem Zimmer, denn die Menschen die ihr begegneten sahen sie böse an und eine Magd verscheuchte sie sogar mit einem Besen, als wäre sie ein wildes Tier.
Am schlimmsten aber war ihre Schwester Sonja.
Sie lauerte ihr auf und verspottete und quälte das arme Kind, sodass sich Cella kaum noch wagte im Schloss herum zu laufen.
Frauke war sehr besorgt und ging eines Tages zum König. Sie bat ihn das Schloss mit Cella verlassen
zu dürfen, denn sonst würde das Kind verwelken wie eine Blume die niemals die Sonne sieht.
Der König, der ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner kleinen Tochter hatte, dachte lange nach, dann hatte er eine Idee.
Am Ende des Schlossparks stand ein kleines Häuschen, dort könnten die beiden ungestört leben. Alles was sie zum Leben brauchten würden sie vom Schloss bekommen.
Und so zog Frauke mit Cella in das hübsche kleine Häuschen. Und das kleine Mädchen lebte auf. Es saß auf der Bank ließ sich von der Sonne bescheinen, wagte sogar in dem kleinen eingezäunten Garten herum zu wandern, denn niemand kam, um sie wegen ihres eigenartigen Ganges zu verspotten.
Die Tiere liebten sie und kamen zutraulich näher, wenn sie das Haus verließ und durch die kleine Pforte in den Wald lief, der von den Menschen gemieden wurde, da er als verwunschen galt.
Als Cella acht Jahre alt war, ging Frauke wieder zum König, denn sie hatte das Mädchen bisher unterrichtet. Doch nun konnte sie ihr nichts mehr beibringen. Und wieder wollte der König sein schlechtes Gewissen beruhigen und schickte den Hauslehrer aus dem Schloss zu dem kleinen Gartenhaus.
Dieser ging erst unmutig zu seiner neuen Schülerin, doch dann war er begeistert. Cella war klug, fleißig und verstand schnell was er wollte. Obwohl sie einige Jahre jünger war als ihre Schwester, konnte sie schon besser schreiben, lesen und rechnen.
Prinzessin Sonja war faul, frech und machte ihrem
Lehrer oft das Leben schwer.
Doch mit Cella zu arbeiten, das war ein Vergnügen für den alten Herrn.
Er brachte ihr Bücher mit und formte behutsam die Gedanken des Mädchens.
Und die Prinzessin, die bisher nur Frauke vertraute fasst auch zu dem Lehrer eine große Zuneigung, denn sie spürte, dass ihr Aussehen ihn überhaupt nicht störte.
Sie verlor ihre Scheu und wurde immer fröhlicher und glücklicher und als sie zum ersten Mal so richtig herzhaft lachte, da sahen der Professor und Frauke sich an und in Fraukes Augen standen Tränen.
So lachte nur ein Mensch, der wirklich glücklich war.
Eines Tages durchstreifte sie wieder den verwunschenen Wald. Da sah sie eine alte Frau, die Kräuter pflückte. Sie wollte fliehen doch die alte Frau hielt sie auf.
Warum willst du weg laufen, mich stört es nicht wie du aussiehst. Ich weiß, dass du ein liebevolles Herz hast und gütig und mitleidig bist. Was ist dagegen schon ein schönes Gesicht.“
Ihr kennt mich?“
Ja Prinzessin Cella, ich weiß alles von dir auch, dass du dich kranker Tiere annimmst. Denkst du, dass du mir vertrauen kannst?“
Das Mädchen sah in das runzelige Gesicht der alten Frau und spürte, dass sie ihr vertrauen konnte.
So nickte sie nur.
Ein Lächeln erhellte das Altfrauengesicht und machte es richtig schön.
Das ist gut. Ich habe dich weinen sehen, als du den  kleinen Hasen nicht retten konntest und er in
deinen Armen verstarb. 
Ich befasse mich mit Heilkunde. Möchtest du bei mir in die Lehre gehen?
Ich will dir die zeigen wie man aus Kräutern Salben und Tränke herstellen kann, die Mensch und Tier helfen.“
Cella nickte strahlend. „Zu gerne würde ich das lernen.“
Gut, dann komm Morgen um dieselbe Zeit hierher.“
Die Prinzessin knickste und humpelte davon.
Die Kräuterfrau sah ihr traurig nach.
Armes Kind, du wirst noch einige Zeit warten müssen, bist du erlöst wirst, aber ich will dir zeigen, dass es viele Menschen gibt, die dich schätzen auch wenn du keine Schönheit bist.“
Nun begann für Cella eine schöne Zeit, jeden Tag lernte sie bei der Kräuterfrau die Kunst des Heilens.
Auch durfte sie die alte Frau zu den Kranken begleiten. Anfangs war ihr bange, denn sie hatte schon soviel Ablehnung wegen ihres Aussehens erlebt.
Doch niemand störte sich an ihrem Gesicht oder hinken. Die Menschen sahen sie nur dankbar an, wenn sie ihnen das Bett frisch bezog, ihre Wunden verband und das Haus aufräumte und sich um die Kinder kümmerte.
Eines Tages nannte eine alte Frau sie, den Engel aus dem Schloss und dieser Name war bald im ganzen Land bekannt.
Cella war dies etwas peinlich, doch die alte Kräuterfrau lächelte und meinte.
Du siehst nicht ein schönes Gesicht kann Menschen glücklich machen, sondern Mitgefühl und Liebe.“
 Cella fragte nun, was sie schon lange beschäftigte:
Warum sind so viele Menschen im Reich so arm, obwohl meine Vater doch so reich ist??“
Die Augen der Kräuterfee sahen sie traurig an.
Weil dein Vater so vernarrt in deine Schwester ist, dass er seine Untertanen vergessen hat und nicht bemerkt, dass seine Räte den Menschen immer mehr Steuern abpressen, um damit ihre eigenen Taschen zu füllen.“
Wie kann ich nur helfen?“
Hör auf dein Herz, es wird dir Antwort geben“
Als die Prinzessin durch die kleine Pforte in den Park trat, sah sie ihre Schwester und deren Gespielinnen, die wie immer kamen, um sie zu verspotten und zu verhöhnen.
Aber Cella schmerzte das schon lange nicht mehr,
warf ihr nur einen traurigen Blick zu und schlüpfte ins Haus.
Frauke und der Professor sahen ihr besorgt entgegen, doch sie lächelte ihnen beruhigend zu.
Sie kann mich nicht mehr verletzen, macht euch keine Gedanke. Kann ich auch eine Tasse Tee haben?“
Während sie ein Stück Kuchen aß, dachte sie, wie gut es ihr doch ging, denn sie musste nie hungern.
Und dann hatte sie eine Idee.
Ihr habt doch sicher auch schon bemerkt, dass viele Menschen im Reich hungern müssen, weil mein Vater ein schlechter Regent ist?“
Frauke und der Professor nickten ernst.
Cella lächelte.
Ich weiß jetzt wie wir den Menschen ein wenig helfen können. Wir bekommen doch unbegrenzt Lebensmittel aus dem Schloss. 
Wenn wir nun unserer Bestellung erhöhen, kümmert das doch keinen. Und wir könnten kochen und den Hungernden das Essen bringen. Was meint ihr?“
Die beiden Menschen, die für sie wie Vater und Mutter waren, nickten begeistert.
Doch dann meinte Frauke: 
„Aber wo bekommen wir so große Töpfe und wie liefern wir das Essen ins Dorf?“
Ich könnte einen Wagen und ein Pferd besorgen, wir fahren damit vor die Parkmauer, durch die Pforte können wir den Wagen beladen. Ich finde bestimmt einige meiner ehemaligen Schüler, die uns helfen. Nur Töpfe?“ erklärte der Professor.
In dem Moment klopfte es an der Tür und als Frauke öffnete stand ein großer bärtiger Mann vor ihr, der verlegen seinen Hut in der Hand drehte.
Entschuldigung , ich bin ein fahrender Händler wollte wissen, ob ihr etwas braucht.“
Frauke schüttelt den Kopf, doch Cella rief:
Habt ihr große Pötte?“
Ja Fräulein sehr große sogar und im Angebot, denn
niemand hat sie mir bisher abgekauft.“
Frauke und Cella begleiteten den Mann zu seinem Wagen und bald wurden sie handelseinig.
Wie das Mädchen voraus gesehen hatte, kümmerte es niemanden, dass sie mehr Lebensmittel verlangten.
Nun brieten, backten und kochten sie und beluden den Wagen mit Hilfe einiger junger Burschen die der Professor mitgebracht hatte.
Als sie am Wald vorbei fuhren, stand die Kräuterfrau da und hob die Hand.
Sie hielten an und die alte Frau winkte und zwei kräftige Männer kamen mit einem großen Korb voll Obst und hievten diesen auf den Wagen.
Das ist aus meinem Garten.“
Cella bedankte sich und sie fuhren weiter.
Die Menschen wagten sich nicht aus den Häusern, doch als sie die Prinzessin erblickten kamen sie heraus und staunten.
Nun wurde das Essen verteilt und der Topf schien nicht leer zu werden, ebenso die Milchkanne und der Obstkorb.
Erst als sie im letzten Dorf, dem letzten Hungrigen etwas geben hatten, verschwand auch der letzte Rest des Essens.
Cella war glücklich und ging voll in ihrer Aufgabe auf.
Inzwischen hatten sie zwei Mädchen aus dem Dorf eingestellt, die Frauke beim Kochen halfen und so konnte sich Cella wieder um die Kranken kümmern.
Der Professor aber hatte die Kinder um sich versammelt und brachte ihnen lesen und schreiben bei und natürlich rechnen.

© Lore Platz  7.12.2017