Dienstag, 9. April 2019

Prinzessin Hinkebein 1.Teil

Vor einigen Tagen unterhielten sich meine Freundin und ich über die Erziehung unserer Kinder und stellten fest, dass man oft Fehler macht.
Beide wollten wir die Fehler unser Eltern nicht wiederholen und machten andere.
Aber zum Glück keine gravierend, denn auf unsere Kinder können wir beide stolz sein. (schmunzeln)

Meine heute dreiteilige Geschichte handelt von falscher Erziehung verblendeter Eltern.
Viel Spaß beim Lesen!




 
(c) Irmgard Brüggemann



Prinzessin Hinkebein

Der Engel vom Schloss


Es war einmal ein Königspaar, das bekam ein Töchterlein.
Die Feenkönigin, die bei allen Prinzessinnen Patin war, legte der Neugeborenen strahlende Schönheit und noch viele andere Tugenden in die Wiege.
Es war das erste Kind des jungen Paares und außerdem waren sie geblendet von dessen Schönheit, dass sie die kleine Sonja maßlos verwöhnten.
Und so wuchs das Kind zu einem richtigen Tyrannen heran, das tobte, wenn es nicht gleich bekam, was es wollte. Doch die vernarrten Eltern kümmerte dies nicht, sie sahen nur die Schönheit ihre Kindes und ihre Unarten bemerkten sie kaum.
So kam es, dass alle Tugenden, die die Feenkönigin mit in die Wiege gelegt hatte, total verkümmerten.
Diese war sehr verärgert und als einige Jahre später die Königin wieder guter Hoffnung handelte die Fee.
Als die Hebamme das Kind in die Arme der jungen Mutter legte, fing diese an zu schreien.
Das ist nicht mein Kind, das ist ein Wechselbalg, so etwas hässliches habe ich niemals geboren.“
Der König eilte herbei und auch er sah voller Entsetzen auf das Kind. Es war wirklich hässlich. Die Nase sah aus wie eine Knolle und war voller Sommersprossen und die Hebamme machte ihn
leise darauf aufmerksam, dass ein Beinchen kürzer war und das Kind wohl später hinken würde.
Trotzdem tröstet der König seine Frau und meinte
das würde sich sicher verwachsen und dann würde doch auch die Feenkönigin als Patin kommen und sicher gute Gaben in die Wiege legen. Doch diese ließ sich nicht sehen.
Die Königin aber weigerte sich ihr Kind zu sehen und so wurde die kleine Cella mit ihrer Amme in ein kleines weit entferntes Zimmer verbannt.
Die junge Frau, die ihr eigenes Baby verloren hatte, schenkte all ihr Liebe nun dem armen kleinen verschmähtem Wurm.
Oft sah sie besorgt auf das kleine Mädchen, denn es wurde immer hässlicher. Das Haar war stumpf und mausgrau, die Knollennase entstellte das Gesicht und wenn es lief, hinkte es.
Trotzdem war Cella ein fröhliches Kind, das gerne sang und ein weiches Herz hatte, liebevoll mit der Katze umging, die Frauke ihr geschenkt hatte und auch die Vögel kamen oft ans Fenster und sangen ihr Lied.
Doch sie wagte sich kaum aus dem Zimmer, denn die Menschen die ihr begegneten sahen sie böse an und eine Magd verscheuchte sie sogar mit einem Besen, als wäre sie ein wildes Tier.
Am schlimmsten aber war ihre Schwester Sonja.
Sie lauerte ihr auf und verspottete und quälte das arme Kind, sodass sich Cella kaum noch wagte im Schloss herum zu laufen.
Frauke war sehr besorgt und ging eines Tages zum König. Sie bat ihn das Schloss mit Cella verlassen
zu dürfen, denn sonst würde das Kind verwelken wie eine Blume die niemals die Sonne sieht.
Der König, der ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner kleinen Tochter hatte, dachte lange nach, dann hatte er eine Idee.
Am Ende des Schlossparks stand ein kleines Häuschen, dort könnten die beiden ungestört leben. Alles was sie zum Leben brauchten würden sie vom Schloss bekommen.
Und so zog Frauke mit Cella in das hübsche kleine Häuschen. Und das kleine Mädchen lebte auf. Es saß auf der Bank ließ sich von der Sonne bescheinen, wagte sogar in dem kleinen eingezäunten Garten herum zu wandern, denn niemand kam, um sie wegen ihres eigenartigen Ganges zu verspotten.
Die Tiere liebten sie und kamen zutraulich näher, wenn sie das Haus verließ und durch die kleine Pforte in den Wald lief, der von den Menschen gemieden wurde, da er als verwunschen galt.
Als Cella acht Jahre alt war, ging Frauke wieder zum König, denn sie hatte das Mädchen bisher unterrichtet. Doch nun konnte sie ihr nichts mehr beibringen. Und wieder wollte der König sein schlechtes Gewissen beruhigen und schickte den Hauslehrer aus dem Schloss zu dem kleinen Gartenhaus.
Dieser ging erst unmutig zu seiner neuen Schülerin, doch dann war er begeistert. Cella war klug, fleißig und verstand schnell was er wollte. Obwohl sie einige Jahre jünger war als ihre Schwester, konnte sie schon besser schreiben, lesen und rechnen.
Prinzessin Sonja war faul, frech und machte ihrem
Lehrer oft das Leben schwer.
Doch mit Cella zu arbeiten, das war ein Vergnügen für den alten Herrn.
Er brachte ihr Bücher mit und formte behutsam die Gedanken des Mädchens.
Und die Prinzessin, die bisher nur Frauke vertraute fasst auch zu dem Lehrer eine große Zuneigung, denn sie spürte, dass ihr Aussehen ihn überhaupt nicht störte.
Sie verlor ihre Scheu und wurde immer fröhlicher und glücklicher und als sie zum ersten Mal so richtig herzhaft lachte, da sahen der Professor und Frauke sich an und in Fraukes Augen standen Tränen.
So lachte nur ein Mensch, der wirklich glücklich war.
Eines Tages durchstreifte sie wieder den verwunschenen Wald. Da sah sie eine alte Frau, die Kräuter pflückte. Sie wollte fliehen doch die alte Frau hielt sie auf.
Warum willst du weg laufen, mich stört es nicht wie du aussiehst. Ich weiß, dass du ein liebevolles Herz hast und gütig und mitleidig bist. Was ist dagegen schon ein schönes Gesicht.“
Ihr kennt mich?“
Ja PrinzessinCella, ich weiß alles von dir auch, dass du dich kranker Tiere annimmst. Denkst du, dass du mir vertrauen kannst?“
Das Mädchen sah in das runzelige Gesicht der alten Frau und spürte, dass sie ihr vertrauen konnte.
So nickte sie nur.
Ein Lächeln erhellte das Altfrauengesicht und machte es richtig schön.
Das ist gut. Ich habe dich weinen sehen, als du den  kleinen Hasen nicht retten konntest und er in
deinen Armen verstarb. 
Ich befasse mich mit Heilkunde. Möchtest du bei mir in die Lehre gehen?
Ich will dir die zeigen wie man aus Kräutern Salben und Tränke herstellen kann, die Mensch und Tier helfen.“
Cella nickte strahlend. „Zu gerne würde ich das lernen.“
Gut, dann komm Morgen um dieselbe Zeit hierher.“
Die Prinzessin knickste und humpelte davon.
Die Kräuterfrau sah ihr traurig nach.
Armes Kind, du wirst noch einige Zeit warten müssen, bist du erlöst wirst, aber ich will dir zeigen, dass es viele Menschen gibt, die dich schätzen auch wenn du keine Schönheit bist.“
Nun begann für Cella eine schöne Zeit, jeden Tag lernte sie bei der Kräuterfrau die Kunst des Heilens.
Auch durfte sie die alte Frau zu den Kranken begleiten. Anfangs war ihr bange, denn sie hatte schon soviel Ablehnung wegen ihres Aussehens erlebt.
Doch niemand störte sich an ihrem Gesicht oder hinken. Die Menschen sahen sie nur dankbar an, wenn sie ihnen das Bett frisch bezog, ihre Wunden verband und das Haus aufräumte und sich um die Kinder kümmerte.
Eines Tages nannte eine alte Frau sie, den Engel aus dem Schloss und dieser Name war bald im ganzen Land bekannt.
Cella war dies etwas peinlich, doch die alte Kräuterfrau lächelte und meinte.
Du siehst nicht ein schönes Gesicht kann Menschen glücklich machen, sondern Mitgefühl und Liebe.“
 Cella fragte nun, was sie schon lange beschäftigte:
Warum sind so viele Menschen im Reich so arm, obwohl meine Vater doch so reich ist??“
Die Augen der Kräuterfee sahen sie traurig an.
Weil dein Vater so vernarrt in deine Schwester ist, dass er seine Untertanen vergessen hat und nicht bemerkt, dass seine Räte den Menschen immer mehr Steuern abpressen, um damit ihre eigenen Taschen zu füllen.“
Wie kann ich nur helfen?“
Hör auf dein Herz, es wird dir Antwort geben“
Als die Prinzessin durch die kleine Pforte in den Park trat, sah sie ihre Schwester und deren Gespielinnen, die wie immer kamen, um sie zu verspotten und zu verhöhnen.
Aber Cella schmerzte das schon lange nicht mehr,
warf ihr nur einen traurigen Blick zu und schlüpfte ins Haus.
Frauke und der Professor sahen ihr besorgt entgegen, doch sie lächelte ihnen beruhigend zu.
Sie kann mich nicht mehr verletzen, macht euch keine Gedanke. Kann ich auch eine Tasse Tee haben?“
Während sie ein Stück Kuchen aß, dachte sie, wie gut es ihr doch ging, denn sie musste nie hungern.
Und dann hatte sie eine Idee.
Ihr habt doch sicher auch schon bemerkt, dass viele Menschen im Reich hungern müssen, weil mein Vater ein schlechter Regent ist?“
Frauke und der Professor nickten ernst.
Cella lächelte.
Ich weiß jetzt wie wir den Menschen ein wenig helfen können. Wir bekommen doch unbegrenzt Lebensmittel aus dem Schloss. 
Wenn wir nun unserer Bestellung erhöhen, kümmert das doch keinen. Und wir könnten kochen und den Hungernden das Essen bringen. Was meint ihr?“
Die beiden Menschen, die für sie wie Vater und Mutter waren, nickten begeistert.
Doch dann meinte Frauke: 
„Aber wo bekommen wir so große Töpfe und wie liefern wir das Essen ins Dorf?“
Ich könnte einen Wagen und ein Pferd besorgen, wir fahren damit vor die Parkmauer, durch die Pforte können wir den Wagen beladen. Ich finde bestimmt einige meiner ehemaligen Schüler, die uns helfen. Nur Töpfe?“ erklärte der Professor.
In dem Moment klopfte es an der Tür und als Frauke öffnete stand ein großer bärtiger Mann vor ihr, der verlegen seinen Hut in der Hand drehte.
Entschuldigung , ich bin ein fahrender Händler wollte wissen, ob ihr etwas braucht.“
Frauke schüttelt den Kopf, doch Cella rief:
Habt ihr große Pötte?“
Ja Fräulein sehr große sogar und im Angebot, denn
niemand hat sie mir bisher abgekauft.“
Frauke und Cella begleiteten den Mann zu seinem Wagen und bald wurden sie handelseinig.
Wie das Mädchen voraus gesehen hatte, kümmerte es niemanden, dass sie mehr Lebensmittel verlangten.
Nun brieten, backten und kochten sie und beluden den Wagen mit Hilfe einiger junger Burschen die der Professor mitgebracht hatte.
Als sie am Wald vorbei fuhren, stand die Kräuterfrau da und hob die Hand.
Sie hielten an und die alte Frau winkte und zwei kräftige Männer kamen mit einem großen Korb voll Obst und hievten diesen auf den Wagen.
Das ist aus meinem Garten.“
Cella bedankte sich und sie fuhren weiter.
Die Menschen wagten sich nicht aus den Häusern, doch als sie die Prinzessin erblickten kamen sie heraus und staunten.
Nun wurde das Essen verteilt und der Topf schien nicht leer zu werden, ebenso die Milchkanne und der Obstkorb.
Erst als sie im letzten Dorf, dem letzten Hungrigen etwas geben hatten, verschwand auch der letzte Rest der des Essens.
Cella war glücklich und ging voll in ihrer Aufgabe auf.
Inzwischen hatten sie zwei Mädchen aus dem Dorf eingestellt, die Frauke beim Kochen halfen und so konnte sichCella wieder um die Kranken kümmern.
Der Professor aber hatte die Kinder um sich versammelt und brachte ihnen lesen und schreiben
bei und natürlich rechnen.

© Lore Platz