Mittwoch, 10. April 2019

Prinzessin Hinkebein Teil 2



 
(c) Irmgard Brüggemann



Der Prinz

Es war einige Tage nach Cellas 17ten Geburtstag.
Das Mädchen kniete im Garten und zupfte das Unkraut in ihrem Kräuterbeet, da hörte sie ein lautes Wiehern und einen Schrei .
Sie öffnete schnell die Pforte.
Direkt vor dem Parktor lag ein junger Mann mit geschlossenen Augen und stöhnte.
Die Prinzessin kniete sich neben den Verletzten und tastet vorsichtig seinen Kopf ab, am Hinterkopf hatte er eine große Beule.
Der Mann öffnete die Augen und richtete sich auf.
Cella hielt ihm drei Finger vor die Augen.
Wie viel Finger sind das?“
Wollen sie wissen, ob ich bis drei zählen kann?“
Das Mädchen lachte.
Nein ich will nur testen, ob sie eine Gehirnerschütterung haben, scheinbar nicht, können sie aufstehen?“
Ächzend erhob sich der Mann und stöhnte erneut, als er den linken Fuß aufsetzte.
Stützen sie sich auf mich.“
Gemeinsam humpelten sie in den Garten.
Frauke kam aus dem Haus und hinter ihr der Professor.
Was ist denn passiert?“
Da hat ein Pferd wohl seinen Reiter abgeworfen,“ lachte die Prinzessin.
Darf ich mich vorstellen, Prinz Igor von Minosoto,
zur Zeit ohne Pferd und nicht nur der Kopf und der Fuß ist verletzt sondern auch mein Stolz.“
Bald lag der Patient verbunden auf dem Sofa.
Zum Glück war das Bein nicht gebrochen sondern nur verstaucht.
Der Professor hatte das Haus verlassen um nach dem Pferd zu sehen.
Er berichtete, dass man es inzwischen eingefangen und ein Bauer es bei sich untergestellt hatte und versorgen würde, bis der Prinz wieder gesund wäre.
Das ging aber nicht so schnell und der Prinz war nicht böse darüber, denn es gefiel ihm in dem kleinen Häuschen, in dem soviel Harmonie herrschte.
Staunend beobachtete er wie jeden Tag große Töpfe mit Essen gekocht wurde, die dann von einigen Männern aus dem Dorf abgeholt wurde.
Wie Cella jeden Tag zu den Kranken ging und der Professor zu den Kindern im Dorf um sie zu unterrichten.
Frauke aber setzte sich nach der Arbeit zu ihm mit einem Strickzeug und erzählte ihm von Cella ihrer Pflegetochter.
Besonders schön waren die Abende.
Wenn Cella mit ihrer wohlklingenden Stimme vorlas oder der Professor Klavier spielte und das Mädchen dazu sang.
Prinz Igor fühlte sich wohl in dieser kleinen Runde und es wurde ihm warm ums Herz wenn er Cella ansah.

Eines Tages hörte er kichern und rufen vor dem Haus und trat ans Fenster.
Vor dem Haus standen einige hübsche Mädchen und eines der Mädchen fiel ihm besonders auf.
Frauke trat neben ihn und seufzte.
Sind sie schon wieder da, ein Glück, dass Cella nicht zu Hause ist.“
Wer sind diese Mädchen?“
Prinzessin Sonja und ihre Gespielinnen, ab und zu kommen sie vorbei um Cella zu verhöhnen und verspotten.“
Schon rief Sonja.
He Prinzessin Hinkebein, wo bist du denn, komm heraus ich möchte dir etwas sagen!“
Was willst du?“
Cella war durch die Pforte gekommen und stand nun hinter ihrer Schwester.
Aaah, da bist du ja , ich habe doch am Samstag Geburtstag und da wird natürlich ein großer Ball gefeiert, willst du nicht auch kommen und mit uns feiern?
Ach nein, ich vergaß, du kannst ja gar nicht tanzen und außerdem würden sich meine Gäste gruseln, bei deinem Anblick. Vergiss es, war eine dumme Idee von mir.“
Cella sah sie ernst und traurig an.
Sonja, du bist so wunderschön, wirst von unseren Eltern geliebt und alle deine Wünsche werden erfüllt und trotzdem bist du so unzufrieden.
Du tust mir leid!“
Sonja kreischte: 
„Habt ihr das gehört, dieser hässliche Hinkefuß hat Mitleid mit mit, mir, die ich schöner bin als die Sonne.“
Sie lachte, ein hässliches schrilles Lachen und ihre Gespielinnen lachten mit.
Mit schnellen Schritten eilte Cella an ihrer Schwester vorbei und schloss die Tür hinter sich.
Mit geschlossenen Augen lehnte sie sich dagegen und Tränen liefen über ihr Gesicht.
Frauke will auf sie zu eilen, doch Prinz Igor hält sie zurück.
Er tritt zu Cella und nimmt ihr Gesicht in beide Hände.
Sieh mich an,“ flüstert er zärtlich.
Das Mädchen öffnete die Augen in denen immer noch Tränen schimmern.
Ich habe deine Schwester beobachtet, auf den ersten Blick wirkt sie schön, doch als sie begann dich zu verspotten, da funkelten ihre Augen vor Gehässigkeit und Bosheit, ihr Gesicht verwandelte sich in eine hässliche Fratze und ihre kreischende Stimme und ihre schrilles Lachen geht durch Mark und Bein.
Sie ist vielleicht von außen schön, aber ihr Inneres ist total verrottet.
Du aber bist schön, deine Güte und deine Herzlichkeit strahlen von Innen. Dein herzliches Lachen macht deine Umgebung glücklich.
Viele Menschen lieben und dich nennen den Engel vom Schloss.
Doch am meisten liebe ich dich und bitte dich meine Frau zu werden.“
Cella nickte und Frauke, die die Schürze vor die Augen gedrückt hatte, schluchzte laut.