Donnerstag, 11. April 2019

Prinzessin Hinkelbein Teil 3


 
(c) Irmgard Brüggemann


Der Ball

Cella in einem wunderschönen Kleid, das Frauke ihr genäht hat geht am Arm von Igor, die große Freitreppe. Sie ist etwas ängstlich, doch jedes mal wenn Igor sie zärtlich anschaut, fühlt sie sich wunderschön und sie hebt selbstbewusst den Kopf.
Hinter ihnen schreiten Frauke und der Professor festlich gekleidet, aber mit bangem Herzen.
Als sie den Saal betraten verstummte die Musik und die schön gekleideten Menschen starren sie an.
Prinzessin Sonja aber trat ihnen entgegen mit boshaft funkelnden Augen.
Du hast meine Einladung angenommen?“
Sie drehte sich zu den Gästen.
Darf ich vorstellen meine Schwester Hinkebein, die so hässlich ist, dass mein Vater sie weggeschlossen hat, weil ihr Anblick ihn beleidigte.“
Alle lachten.
Prinz Igor aber trat vor den König.
Er verbeugt sich und spricht mit lauter Stimme:
Majestät, ich bitte euch um die Hand eurer Tochter Cella, denn ich liebe sie.“
Wieder ertönte das schrille Lachen und Sonja rief.
Ihr liebt diese Missgeburt, seid ihr blind.“
Schallendes Lachen erfüllte den Saal.
Igor fühlte wie Cella in seinem Arm zitterte und drückte sie beruhigend.
Prinzessin Sonja, die einzige Missgeburt hier seid ihr. Auf den ersten Blick sieht man es nicht weil ihr eine schöne Larve habt, aber innerlich seid ihr verrottet. Ihr seid boshaft, gemein, herzlos,verschlagen und verzogen.“
Prinz Igor was erlaubt ihr euch!“
Zornig war der König aufgesprungen.
Er hat Recht!“
Die Feenkönigin hatte den Saal betreten und kam nun auf sie zu.
Sie lächelte Cella liebevoll an, betrachtete Sonja mit einem kalten Blick und wandte sich an den König.
Ich habe eurer Tochter Sonja strahlende Schönheit und viele Tugendenden geschenkt.
Doch ihr saht nur ihre Schönheit und vergötterte sie und die Tugenden ließt ihr verkümmern. Durch eure schlechte Erziehung habt ihr aus Sonja ein herzloses, egoistisches boshaftes Geschöpf gemacht.
Ich musste einschreiten, damit ihr diesen Fehler bei eurer zweiten Tochter nicht wiederholen konntet.“
Sie zog Cella zu sich heran und lächelte.
Ich war die Hebamme und du warst ein wunderschönes Baby, doch ich gab dir eine Maske, denn nur so konnten sich auch die Tugenden die ich dir in die Wiege legte entfalten.
Auch brachte ich Frauke zu dir, denn kein Kind sollte ohne Mutterliebe aufwachsen.“
Cella warf Frauke einen liebevollen Blick zu und nickte.
Ich war immer in deiner Nähe, um dich zu bewachen und zu schützen und als Kräuterfrau wies ich dich in die Heilkunst ein. Leider konnte ich dich vor Leid und Spott nicht schützen und deine Schwester war ja immer besonders erfinderisch darin dich zu quälen. Doch bist ein wunderbarer Mensch geworden, nicht verdorben durch die Affenliebe deiner Eltern und Prinz Igor hat erkannt wie schön du unter der Maske bist. Deshalb brauchst du diese nicht mehr.“
Sie fuhr über den Scheitel der Prinzessin und das dünne mausgraue Haar verwandelte sich in dunkelbraune leuchtende Locken, die weit über ihren Rücken sich ergossen.
Dann strich sie über die Nase und statt der dicken Knolle erschien ein lustiges Stupsnäschen.
Ganz zart berührte die Fee das verkürzte Bein und Cella spürte ein Kribbeln und stand auf zwei gleichlangen Beinen.
Prinz Igor beugte sich zu Cella und flüsterte.
Welch ein Glück, dass sie dir die Sommersprossen gelassen hat, denn in die habe ich mich zuerst verliebt.“
Cella lachte fröhlich und die Versammelten lauschten den melodischen Klängen, die von der schrillen Stimme Sonjas unterbrochen wurde.
Vater, du wirst doch dieser Hochzeit nicht zustimmen!“
Schweig!“
Erschrocken flüchtete sich das Mädchen in die Arme ihrer Mutter. In so einem Ton hatte der Vater noch nie mit ihr gesprochen.
Dieser wendetet sich dem jungen Paar zu.
Prinz Igor, ich gebe euch meine Tochter Cella zur Frau, behandelt sie besser als ich es getan habe.“
Der Prinz verneigte sich stumm und Cella sah ihren Vater mit ernsten traurigen Augen an.
Dieser senkte beschämt den Kopf.
Ein gutes Wort, König Stanislaus, ich hoffe ihr werdet in Zukunft euch auch wieder mehr um eure Untertanen kümmern.“
Der König nickte ernst und sein Blick ging zu seiner Frau und Sonja.
Ja, auch um Prinzessin Sonja müsst ihr euch kümmern und versuchen eure Fehler wieder gut zu machen. Ich will euch die Sache erleichtern.“
Die Feenkönigin hob die Hand und auf einmal wuchs Prinzessin Sonja eine dicke Knolle im Gesicht, ihre Ohre zogen sich in die Länge ähnlich einem Esel und ihr schönen Haare fielen in langen mausbraunen Strähnen über ihren Rücken.
Entsetzt wichen die Menschen zurück.
Sonja sah sie erstaunt an, dann fiel ihr Blick in den großen Kristallspiegel gegenüber.
Sie schlug beide Hände vors Gesicht und lief hinaus, die Mutter folgte ihr.
Hört König Stanislaus, ihr habt es in der Hand wenn es euch gelingt eure Erziehungsfehler wieder gut zu machen und aus Sonja ein liebenswertes Mädchen, dem andere wichtiger sind als sich selbst , zu machen, dann wird sie auch wieder ihr altes Aussehen erhalten.
Stöhnend sank der König auf seinen Thron und stützte seinen Kopf in beide Hände.
Am nächsten Morgen fuhren Igor, Cella, Frauke und der Professor nach Minosoto,
Ich brauche euch wohl nicht zur berichten, dass die beiden sehr glücklich und ihren vier Kindern wundervolle Eltern wurden.
Von Prinzessin Sonja habe ich nichts mehr gehört.
Ende

© Lore Platz